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Morgenmagazin vom Dienstag, 16. Juli 2019

16.07.2019 | 06:54 Uhr |

Catalina im Container: So geht's +++ 32-Bit-Apps aufspüren +++ Apple stellt Produktion und verkauf in Indien um +++ Facebook Messenger führt Zitieren-Funktion ein +++ Galileo: Europäische GPS-Alternative außer Gefecht +++ Urteil: Telekom muss "StreamOn"-Angebot stoppen +++ Thunderbolt-Dock von Startech mit Unterstützung für USB-C-Rechner

16. Juli: Ein besonderer Fall

Wir wünschen allseits guten Morgen! Normalerweise hält Apple am Freitag keine Pressekonferenzen oder Special Events ab, Dienstag und Mittwoch sind die bevorzugten Termine, will der Mac-Hersteller sich an die Öffentlichkeit wenden. Die WWDC eröffnet immer an einem Montag, das ein oder andere Special Event hat man schon am Donnerstag gesehen. Aber der Freitag ist kein Apple-Tag. Normalerweise.

Am Freitag, den 16. Juli 2010 sah sich Apple aber gezwungen, der Öffentlichkeit seine Sicht auf das darzulegen, was sich in den Wochen zuvor als "Antennagate" entwickelt hatte. Immer häufiger wurden Klagen von Nutzern des iPhone 4, dass Telefonate plötzlich beendet wurden, wenn sie ihr Smartphone in einer bestimmten Art und Weise hielten. Der "Grip of death" überbrückte eine Lücke der außen am Gehäuse angebrachten Antenne und ließ die Qualität der GSM- oder UMTS-Verbindung rapide sinken.

Was Steve Jobs an jenem Freitag zur Erklärung hervorbrachte war nicht ohne Chuzpe: "Wir sind nicht perfekt. Smartphones sind nicht perfekt." Denn wie ein Video zeigte, hätten auch die Smartphones anderer Hersteller Probleme mit dem Empfang, hielt man sie in einer bestimmten Weise. Außerdem zeige die Software des iPhone in der Regel ein schlechteres Signal an, als es tatsächlich der Fall ist, und überhaupt: Nur 0,55 Prozent der Käufer des iPhone 4 hätten sich bei Apple beschwert, die Rückgaberate beim seinerzeit exklusiven US-Provider AT&T sei nur unwesentlich höher.

Also nur ein Sturm im Wasserglas? Apple habe schließlich 100 Millionen US-Dollar in sein Antennen-Center investiert, in dem nicht weniger als 16 Doktoren der Physik zusammen mit hunderten weiteren Mitarbeitern an der Empfangstechnik arbeiteten. Immerhin, räumte Apple ein, wer immer noch nicht davon überzeugt sei, erhalte eine kostenlose der von Apple "Bumper" genannten Hüllen für das iPhone 4.

Der Auftritt von Steve Jobs, der dafür extra seinen Sommerurlaub unterbrochen hatte, ist ein klassisches Beispiel für einen Spin der öffentlichen – respektive der veröffentlichten – Meinung. Samsung, Nokia und RIM waren zwar wenig begeistert, dass nun auch ihre Geräte in der Schusslinie standen, Apple hatte aber erfolgreich von einem Konstruktionsmangel abgelenkt. Schon die im Frühjahr 2011 erschienene CDMA-Version des iPhone 4 bekam dann ein anderes Antennendesign, den Grip of death konnte man an keinem der seither erschienenen Geräte mehr anwenden.

Steve Jobs wirkte an jenem 16. Juli nicht nur so, als wolle er jemanden auf dem Mond schießen, "Antennagate" kostete tatsächlich dem leitenden Entwickler Mark Papermaster den Job – Apple hatte ihn erst kurz zuvor von IBM losgeeist. A propos "auf den Mond schießen". Das geschah auch an einem 16. Juli. Vor exakt 50 Jahren startete Apollo 11 zu seiner erfolgreichen Mondmission. Heute würde man auch liebend gern wieder gewisse Leute auf den Mond schießen, ohne Rückflugticket. Das war ja seinerzeit die große technische und logistische Leistung: Die Besatzung von Apollo 11 und der darauf folgenden Missionen kam lebend auf den Planeten zurück. Präsident Nixon hatte vor 50 Jahren aber bereits eine Rede an die Nation für den Fall des Scheiterns in der Schublade. Das Schicksal wäre dafür verantwortlich gemacht worden. Aber auch wenn bei den Apollo-Missionen nicht alles perfekt lief, es ist doch gut ausgegangen.  Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

64 Bit : Die letzten Jahre hat es sich abgezeichnet – 32-Bit-Apps werden nicht mehr auf dem Mac laufen. Das wird nun konkret mit macOS 10.15 Catalina der Fall sein. Um negative Überraschungen nach der Aktualisierung auf das neue System zu vermeiden, sollte man sich schon zuvor Gedanken machen, mit welchen Apps man in Zukunft arbeitet. Die Suche nach alten Anwendungen mit 32-Bit-Code erleichtert die Donationware – gratis, aber Spenden sind willkommen  – Go64, die auch unter tausenden Applikationen auf dem Rechner schnell diejenigen findet, die unter Catalina nicht mehr arbeiten würden. Das Tool hilft auch dabei, veraltete Erweiterungen ode Plug-ins zu identifizieren und hilft bei der Suche nach alternativen oder erneuerten Programmen. 

Im Container : Womöglich kommt bei der Suche nach 32-Bit-Apps dann doch heraus, dass man auf das ein oder andere Programm nicht verzichten kann oder möchte. Catalina kann man trotzdem installieren, doch sollte man auch eine Installation von macOS Mojave oder einer früheren Version behalten. Früher hat man zu diesem Zweck seine Festplatte partioniert, das ist seit Apple das neue Dateisystem APFS eingeführt hat, nicht mehr nötig. Denn nun kommt das Prinzip von Containern und Volumes zum tragen, ein Container kann beliebig viele Volumes enthalten, die sich in ihrer Größe nach dem Container richten. Bereits in der Beta-Phase von macOS Catalina ist es sinnvoll, sich im Festplattendienstprogramm einen Container für die Vorabversion einzurichten und diese auf ein Volume darin zu installieren. Das Produktivsystem wird von etwaigen Fehlern der Beta dann nicht tangiert. Später kann man dann Mojave für bestimmte Zwecke in einen solchen Container packen. Wie das genau funktioniert, erklärt Glenn Fleishman auf Macworld.

Neuer Ansatz: Apple Arcade kommt im Herbst, wann genau, steht noch nicht fest. Jason Cross freut sich auf den Dienst, da er eine Plage des mobilen Gamings zwar nicht beendet, aber einschränkt: Freemium-Games. Das sind solche Titel, die im Download zunächst nichts kosten, Spieler mit der Zeit aber intensiver dazu bewegen, In-App-Währungen oder Zeit oder Items zu kaufen, um schneller oder überhaupt noch voran zu kommen. Die Titel von Apple Arcade werden ohne derartige Nervensägen auskommen, auch auf Anzeigen werden die Spiele verzichten. Unklar ist jedoch, wie Apple die mutmaßlich zehn pro Spieler und Monat eingenommenen Dollar auf die Publisher verteilt, ob die Spielzeit entscheidend entscheidend sein wird oder die Anzahl der App-Aufrufe in einem bestimmten Zeitraum oder beides. Zunächst rund 300 Titel werden im Abo verfügbar sein. Da es sich um mit Projekt Catalyst erstellte Programme handelt, die auf iOS-Geräten und Macs gleichermaßen laufen müssen, wird Apple Arcade nicht vor iOS 13 und macOS 10.15 Catalina an den Start gehen.

Gesetzgebung : Apple setzt sich stark für Datenschutz ein und will US-weite Regeln ähnlich der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU, wie Tim Cook schon letzten Herbst gegenüber Abgeordneten des EU-Parlaments erläuterte. Doch Gesetzgeber in den USA kritisieren Apple für seinen mangelnden Einsatz für bisherige Gesetzesvorschläge, keinen einzigen der bisher auf Ebene einzelner Bundesstaaten eingebrachten Vorlagen habe Apple unterstützt. Stattdessen setze man auf Bundesgesetze, wie ein Unternehmenssprecher gegenüber der Washington Post erklärte: "Wir glauben, dass die Privatsphäre ein grundlegendes Menschenrecht ist und im Mittelpunkt dessen steht, was es bedeutet, ein Amerikaner zu sein. Zu diesem Zweck setzen wir uns für eine starke Bundesgesetzgebung ein, die jeden schützt, unabhängig davon, in welchem Staat er lebt".

Modellwechsel: Nach einem Bericht der Economic Times hat Apple den Verkauf einiger älterer iPhone-Modelle in Indien eingestellt. Nicht mehr verfügbar sind demnach das iPhone SE, 6, 6 Plus und 6s Plus. Von den günstigeren, vor Ort gefertigten iPhones bleibt nur das 6s übrig, das Apple seit kurzem in Indien fertigt und dort für umgerechnet 343 US-Dollar verkauft. Auch das iPhone 7 stellt Apple in Indien her und exportiert große Anteile nach Europa. Bald werde Apple auch neuere Modelle wie das iPhone XR und das iPhone XS in Indien herstellen.

Weitere Nachrichten:

Facebook Messenger führt Zitieren-Funktion ein

Das soziale Netzwerk Facebook hat kürzlich eine neue Funktion für den Facebook- Messenger ausgeliefert. Das Feature soll vor allem in angeregten Gruppenchats für eine bessere Übersicht sorgen. Nutzer können dabei direkt auf Beiträge im Chat antworten. Der jeweilige Beitrag erscheint dann als Zitat mit der verfassten Antwort ganz unten im Chat. Die neue Funktion ist denkbar einfach: Tippen Sie länger auf den gewünschten Beitrag, bis ein „Antworten“-Icon neben der Textpassage erscheint. Ein Zitat ist nicht nur bei reinem Text möglich, sondern auch bei GIFs, Videos, Emojis und Fotos. 

Galileo: Europäische GPS-Alternative außer Gefecht

Das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo hat seit Tagen mit argen Problemen zu kämpfen. Offiziellen Angaben zufolge habe es einen "technischen Vorfall" im Zusammenhang mit der "Bodeninfrastruktur" gegeben. Dieser Vorfall habe zu einem Ausfall der Navigations- und Zeitmessungsdienste von Galileo mit Ausnahme des Such- und Rettungsdienstes Galileo (SAR) geführt. "Der SAR-Dienst - der zur Ortung und Unterstützung von Menschen in Notsituationen, etwa auf See oder in Bergen, eingesetzt wird - ist davon nicht betroffen und bleibt betriebsbereit", betont die European Global Navigation Satellite Systems Agency.

Ein aktueller Blick auf die Galileo-Statusseite zeigt, dass derzeit fast alle Satelliten abgeschaltet werden mussten. Experten seien dabei, das System wieder zum Laufen zu bringen. Die Website Inside GNSS vermutet , dass die Galileo-Probleme mit der "Precise Timing Facility" in Italien zusammenhängen. Die Einrichtung sei dafür zuständig, das Satelliten-System mit Galileo System Time (kurz: GST) zu versorgen. Erst dadurch ist die Lokalisierung eines Nutzers möglich. Zur Ermittlung der Zeit werden diverse Cäsiumuhren und eine Wasserstoff-Maseruhr eingesetzt.

Urteil: Telekom muss "StreamOn"-Angebot stoppen

Die Deutsche Telekom darf vorerst StreamOn nicht mehr in seiner bisherigen Form anbieten. Das hat das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen am Montag beschlossen. Damit wurde eine erstinstanzliche Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln vom November 2018 bestätigt (wir berichteten).

Die Bundesnetzagentur klagt gegen das "StreamOn"-Angebot der Deutschen Telekom, weil es aus ihrer Sicht rechtswidrig ist. Konkret geht es dabei um die Drosselung der Video-Übertragungsrate, die bei einigen Telekom-Tarifen in Verbindung mit StreamOn gilt. Dadurch können Videos mancher Anbieter nur noch in maximal SD-Qualität betrachtet werden. Damit, so die Ansicht der Bundesnetzagentur, verstoße die Telekom gegen ihre Verpflichtung zur Netzneutralität. Hinzu käme auch noch ein Verstoß gegen das "Roam Like at Home"-Prinzip, weil im EU-Ausland bei Videostreaming der anfallende Verkehr dem Datenvolumen angerechnet wird.

Das Oberverwaltungsgericht des Landes NRW folgt in seinem Urteil der Sicht der Bundesnetzagentur und kritisiert konkret: "Für bestimmte Mobilfunktarife willigt der Kunde (...) in eine generelle Bandbreitenbegrenzung für Videostreaming auf maximal 1,7 Mbit/s ein, was für eine Auflösung in HD-Qualität nicht mehr genügt. Eine Nutzung von 'StreamOn' ist zudem nur innerhalb Deutschlands vorgesehen. Im Ausland wird der Datenverkehr für Audio- und Videostreaming immer auf das Inklusivdatenvolumen angerechnet."

In seinem Beschluss vom 12. Juli 2019, der erst heute bekanntgegeben wurde, weist der 13. Senat des Oberverwaltungsgerichts des Landes NRW eine Beschwerde der Telekom über das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln zurück. Damit stellt das Gericht beim "StreamOn"-Angebot der Telekom sowohl einen Verstoß gegen den "europarechtlich verankerten Grundsatz der Netzneutralität" als auch einen Verstoß gegen "europäische Roaming-Regelungen" fest.

Die Telekom verstoße gegen die Netzneutralität. weil die Übertragungsgeschwindigkeit für Videostreaming gegenüber anderen Diensten oder Anwendungen gezielt gedrosselt werde. Der Grundsatz schütze bei sämtlichen Nutzern "ein grundlegendes Funktionsprinzip" des Internets. Daher sei es unerheblich, dass die Kunden vor der Buchung des StreamOn-Dienstes der Drosselung zustimmen müssen.

Nach den geltenden Roaming-Regeln sei es außerdem verboten, für Roaming-Dienste im europäischen Ausland ein zusätzliches Entgelt gegenüber dem inländischen Endkundenpreis zu verlangen. Dagegen verstoße die Deutsche Telekom, wenn sie den Datenverkehr für Audio- und Videostreaming "bei Nutzung im europäischen Ausland abweichend zu einer Nutzung im Inland auf das Inklusivdatenvolumen anrechne." Dadurch bestehe für Kunden im europäischen Ausland ein ungünstigerer Entgeltmechanismus.

"Da die Entscheidung der Bundesnetzagentur aus diesen Gründen voraussichtlich rechtmäßig sei, könne sie auch bereits vor einer endgültigen Entscheidung im Hauptsacheverfahren vollzogen werden", so die Richter.

Der Beschluss des Gerichts ist unanfechtbar.

Wir haben bei der Deutschen Telekom um eine Stellungnahme zum Beschluss gebeten und folgende Reaktion erhalten: "Wir werden jetzt prüfen, wie wir mit dem Urteil umgehen. Wir erwarten, dass die BnetzA (gemeint ist die Bundesnetzagentur, Anm. d. Redaktion) durch eine angemessene Umsetzungsfrist die nun erforderlichen Anpassungen ermöglicht. Von der Rechtmäßigkeit von StreamOn sind wir weiterhin überzeugt und werden auch zukünftig alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen."

Betont wird in der Stellungnahme, dass die Telekom StreamOn auch weiterhin anbieten werde und es für dieses Angebot auch weiterhin keinen Aufpreis geben wird.

Thunderbolt-Dock von Startech mit Unterstützung für USB-C-Rechner

Thunderbolt-3-Docks sind keine Neuheit mehr, allein der Hersteller Startech hat eigentlich bereits neun verschiedene Modelle mit und ohne Netzteil im Angebot. Die Besonderheit des neuen Docks TB3CDK2DPUE ist aber die problemlose Unterstützung von USB-C-Notebooks – etwa dem Windows-Notebook oder 12-Zoll-Macbook eines zweiten Nutzers.  Es ist somit das erste Dock, das sowohl Thunderbolt 3- als auch USB-C-Laptops unterstützt. Das zusammen mit einem 0,7 m langen Thunderbolt-3-Kabel ausgelieferte Dock des US-Herstellers bietet neben drei USB-A und zwei USB-C-Ports auch einen Gigabit-Ethernet- und einen Audio-/Mikrofonanschluss. Bis 60W Ladeleistung für einen Laptop werden per USB-C bereitgestellt, ein 135W-Netzteil gehört zum Lieferumfang.

Zwei Display-Port-Schnittstellen stehen zur Verfügung, über die ein Thunderbolt-3-Laptops zwei 4K-Monitore ansteuern kann – bei 4096x2160 und 60 Hz. Verfügt der Laptop nur über USB-C, kann man immerhin zwei 1080p- oder ein 4K-Panel ansteuern. Kompatibel ist das Dock laut Hersteller mit Macs und PCs ab Windows 8 und macOS Sierra, zusätzliche Software ist nicht erforderlich. Als unverbindliche Preisempfehlung gibt Startech 378,41 Euro (inkl. Mehrwertsteuer) an, verfügbar ist das Dock demnächst über den Fachhandel und Amazon .

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