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Morgenmagazin vom Dienstag, 2. August 2016

02.08.2016 | 07:01 Uhr |

Nue Betas für iOS 10 und macOS Sierra +++ Sicherheitsprobleme mit Bluetooth +++ Apples Sicherheits-Chef spricht auf Hacker-Konferenz +++ Kickstarter: Ladestation lässt Apple Watch und Pebble schweben +++ Weltrekord: 1.007 Roboter beim Synchrontanz +++ Jeder Vierte will E-Sports als olympische Disziplin +++ Fan zahlt 1300 Dollar für No Man's Sky

2. August: Seiner Zeit voraus und dennoch zu spät

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! 23 Jahre sind eine lange Zeit, vor allem für die heute 23-Jährigen, die noch am Anfang ihres Lebens stehen. Ein anderer heute 23-jähriger weilt nicht mehr unter uns und das ist gar nicht mal so schade.

Wir erinnern uns an den Sommer 1993, speziell an den 2. August. Werder Bremen war vor kurzem Deutscher Fußballmeister geworden, Bundeskanzler Kohl brachte sich langsam in Stellung für seine vierte und letzte Wiederwahl (die Rote-Socken-Kampagne...) und der noch frische US-Präsident Clinton ahnte wohl nicht, dass er über sieben weitere Jahre im Weißen Haus leben würde und nach einer Pause von 16 Jahren dort wieder einziehen könnte.

Für uns weit Wichtigeres spielte sich aber am nördlichen Ende von  "Boswash" ab, dem Städtekonglomerat, das sich an der US-Ostküste von Boston bis Washington zieht. Endlich und mit 16 Monaten Verspätung präsentierte der damalige Apple-CEO John Sculley auf der Macworld Expo am 2. August 1993 den Taschencomputer Newton Message Pad. "Traue niemals einen Computer, den du nicht selbst hoch heben kann," hatte Steve Jobs fast zehn Jahre zuvor über den Mac geschwärmt, nun war der Computer so weit, ihm erst dann Vertrauen zu schenken, wenn man ihn in die Hosentasche stecken konnte.

Nein, war er nicht wirklich. Wir können nur ahnen, ob Steve Jobs, wäre er Mitte der Achtziger bei Apple geblieben, ein derartiges Projekt so in den Sand gefahren hätte wie sein Nachfolger und Vor-vor-vorgänger an der Unternehmensspitze in Cupertino. Doch eines meinen wir zu wissen: Der noch junge und unerfahrene Jobs hätte Anfang der Neunziger nicht die gravierenden Fehler von John Sculley begangen.

Hauptproblem war die Kommunikation: Sculley hatte den Newton schon vollmundig angekündigt, als er noch weit von der Fertigstellung entfernt war. Der Newton war zudem ein Gerät, das ganz gut mit sich alleine zurecht kam, aber keine einfache Schnittstelle nach draußen bot. Wie auch, das Internet war noch jung und das mobile Netz nur ein Traum von talentierten Ingenieuren und Produktvisionären. Am meisten Spott bekam aber die Handschriftenerkennung des Newton ab: Diese brachte mehr als abenteuerliche Wortvorschläge, dagegen scheinen die heutigen Auto-Correct-Fails fast schon vernünftig. Dabei hatte Sculley genau die Handschriftenerkennung als den Unique Sales Point des Newton definiert. Den Taschencomputer zerstörte aber vor allem die Konkurrenz. Diese war vorgewarnt, was Apple da plante und wiederholte die Fehler Cupertinos nicht. So entwickelte etwa Palm eine eigene Kurzschrift für seine Pilots und Tungstens, die zumindest ein paar Jahre lang recht konkurrenzlos waren - dann schlug Apple zurück.

Nicht lang nach dem Desaster musste Sculley seinen Hut nehmen, zu Apple und zu Entscheidungsgewalt dort zurück gekehrt, stellte Steve Jobs das Projekt im Februar 1998 wieder ein. Kohl war damals gerade noch Kanzler, Kaiserslautern schickte sich an, Deutscher Fußballmeister zu werden und Bill Clinton hatte gewisse Probleme im Oval Office.

Wenn denn nun Bill Clinton sich im Herbst anschickt, als "First Lady" zurück in die Pennsylvania Avenue zu ziehen, wird Apple erneut mit einer Art von Handschriftenerkennung aufwarten. Dem Computer kann man längst so viel zutrauen, dass man ihn sich an das Handgelenk packt. In watchOS 3 wird es nun möglich sein, auf dem Display der intelligenten Uhr zu schreiben, Buchstabe für Buchstabe. Das soll auch mit chinesischen Schriftzeichen möglich sein, wir vermuten, dass auch andere Alphabete als das lateinische erkannt werden. Obwohl Apple mit seinem Latein noch lange nicht am Ende ist. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Sicherheit: Eine Studie von Bastille Research warnt vor Bluetooth-Peripherie, der es an Sicherheit mangeln könnte. Konkret nennt das Unternehmen Tastaturen von etlichen Herstellern, die vor Angriffen nicht ausreichend gefeit seien. Von Apple-Hardware droht indes keine Gefahr. Das Problem werde sich aber mit dem Ausbau des Internets der Donge (Internet of Things, IoT) weiter verschärfen, wenn immer mehr monofunkionale Geräte auf den Markt kommen, deren Software sich nicht aktualisieren und somit potentielle Sicherheitslücken darin schließen ließen.

Updates: Apple hat registrierten Entwicklern neue Developer Previews der kommenden Betriebssysteme für iPhone/iPad und den Mac bereit gestellt. Für iOS 10 und macOS Sierra handelt es sich dabei jeweils um die vierte Vorabveröffentlichung. Neu gegenüber den bisherigen Developer Previews sind in iOS 10 etwa einige Emojis, die erst kürzlich standardisiert wurden, bei vielen Emojis kann man nun zwischen männlicher und weiblicher Version auswählen. Kurz nach der dritten Developer Preview war die zweite Public Beta erschienen, in den beiden Vorjahren hatte Apple jedoch etwa doppelt so viele Entwicklerversionen wie Iterationen der öffentlichen Testsoftware. Auch für tvOS 10 und watchOS 3 sind neue Entwicklerversionen erschienen.

Neue Spiele: Immer zum Monatswechsel stellen unsere Kollegen der Macworld die zehn besten neuen Spieletitel aus den vergangenen vier Wochen vor. Unter den Top-Spielen aus dem Juli sind unter anderem die Lego-Adaption des jüngsten Star-Wars-Abenteuers, ein Farming-Simulator im Retro-Look und ein Ausflug in eine surreale Welt.

Mehr als ein Schrittzähler: Lumo hat sein in Hosen eingenähtes Wearable nun als Standalone-Gerät veröffentlicht, das Lumo Run. Den Sensor klemmt man an die Rückseite seiner Laufhose, dort misst er nicht nur die Anzahl der Schritte, sondern gibt unter anderem auch über die Drehung der Hüfte Auskunft. Unsere Macworld-Kollegin Caitlin McGarry hat das 100 US-Dollar kostende Gerät bereits ausprobiert und festgestellt, dass ihr der virtuelle Trainer in der iPhone-App dabei half, ihren Laufstil zu optimieren.

Uber Bande: Der chinesische Vermittler von privaten Taxifahrten Didi Chuxing hat den chinesischen Ableger des Konkurrenten Uber für geschätzt 35 Milliarden US-Dollar übernommen. Damit bekommt auch Apple einen Anteil an Uber, denn erst kürzlich investierte der Mac-Hersteller eine Milliarde US-Dollar in Didi.

Apples Sicherheits-Chef spricht auf der Hacker-Konferenz

Die BlackHat-Konferenzen in den USA sind für ihre Hack-Wettbewerbe bekannt – für Preisgelder knacken die Experten unterschiedliche Plattformen, Browser und andere Software. So ist es 2009 dem Sicherheitsexperten Charlie Miller gelungen, ein iPhone via einer verschickten SMS komplett zu übernehmen. Ein spektakulärer Fund ist Miller auch 2011 gelungen: Der Controller eines Macbook-Akkus sei mit einem Standard-Passwort geschützt , gelingt es den Angreifern die Hürde zu überwinden, könnten sie somit den Akku zu einem permanenten Viren-Schleuder machen. Zum ersten Mal war Apple mit Dallas De Atley , dem Manager des Plattform Security Teams, 2012 auf der BlackHat-Konferenz aufgetreten, die Premiere verlief allerdings enttäuschend.

In diesem Jahr ist wieder ein Sicherheits-Experte von Apple als Sprecher gebucht. Ivan Krstic spricht auf einer Präsentation am 4. August über die Hintergründe der eingebauten Sicherheits-Mechanismen in iOS 10 . Richtig pikant wird diese Ankündigung erst dann, wenn man sich die komplette Sprecherliste anschaut: Wenige Stunden früher treten zwei Sprecher der Indiana University in den USA auf, die 2015 erstmals eine ernsthafte Bedrohung (XARA) in Apples Schlüsselbund und Sandbox entdeckt haben. 

Kickstarter: Ladestation lässt Apple Watch und Pebble schweben

Die in Smartwatches verbauten Akkus müssen fast täglich an die Steckdose. Auf Kickstarter sucht das New Yorker Start-up Levitation Works nach Unterstützern für eine außergewöhnliche Ladestation: Lift lässt Apple Watch oder Pebble beim Aufladevorgang in der Luft schweben.

Möglich wird dies durch die Kombination zweier Technologien. Der Ladestrom findet ohne Kabel seinen Weg in den Smartwatch-Akku, gleichzeitig schwebt die Uhr durch magnetische Levitation in der Luft. Auf diese Weise werden die Gadgets beim Aufladen inszeniert wie Kunstobjekte aus dem Museum. Die Pro-Version von Lift bietet zusätzlich Platz für ein Tablet sowie Smartphone.

Derzeit suchen die Macher auf Kickstarter noch nach finanziellen Unterstützern. Die geforderten 44.000 US-Dollar wurden aber schon erreicht. LIFT soll ab Oktober ausgeliefert werden. Vorbesteller können für 149 US-Dollar zuschlagen.

Weltrekord: 1.007 Roboter beim Synchrontanz

1.007 chinesischen Roboter aus der Provinz Shandong haben am gestrigen Sonntag einen Weltrekord aufgestellt. Eine Minute lang tanzten sie synchron und schafften es damit ins Guiness Buch der Rekorde. Der bisherigen Rekordhalter stellte nur 540 Roboter zum Synchrontanz auf.

Der erfolgreiche Rekordversuch sollte eigentlich mit 1.040 Robotern ins Guiness Buch eingehen. Laut der chinesische Firma Ever Win, von der die Roboter stammen, machten jedoch 33 von ihnen schon vor dem Abschluss des Tanzes nach einer Minute schlapp. Wie ein Ever-Win-Sprecher gegenüber Wired berichtet, habe die größte Schwierigkeit darin bestanden, Störungen bei der Signalübertragung zu den knapp 40 Zentimeter großen Robotern zu vermeiden.

Den menschlichen Rekordhaltern können die kleinen Roboter vorerst nicht gefährlich werden. Hier liegt der Weltrekord für Massentanz an mehrere Orten aktuell bei mehr als 31.000 Tänzern.

Jeder Vierte will E-Sports als olympische Disziplin

Wettkämpfe unter Video- und Computerspielern werden nicht zuletzt durch Plattformen wie Twitch immer populärer. Ein Viertel der Deutschen spricht sich sogar dafür aus, dass E-Sports als olympische Disziplin eingeführt wird.

Dies ergab eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom unter 1247 Bundesbürgern ab 14 Jahren. Unter den Befragten, die selbst Computer- und Videospiele nutzen, war der Anteil mit 40 Prozent sogar noch höher. Grundsätzlich ähneln sich klassische Sportarten und kompetitive Spiele laut Bitkom sehr stark: Neben schneller Reaktionsfähigkeit müssen E-Sportler auch taktisch sowie strategisch denken können und - je nach Spiel - auch im Team handeln.

Noch spricht sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) allerdings gegen eine Aufnahme von E-Sports als offizielle Sportart aus. Der Bund begründet dies damit, dass Spiele nur eine verminderte motorische Aktivität erfordern. Traditionelle Sportvereine setzen hingegen oft auf E-Sports-Nachwuchs und in Brasilien wird E-Sports offiziell schon als Sportart angesehen.

Fan zahlt 1300 Dollar für No Man's Sky

Auf das Weltraum-Spiel von Hello Games warten schon viele Spieler sehnsüchtig. Weil sich der Verkaufsstart des Spiels bis auf August verschob, drohten erboste Fans dem verantwortlichen Entwickler Sean Murray sogar mit dem Tod.

1164 Euro statt 60 Euro

Ein Spieler aber wollte nicht bis zum offiziellen Erscheinen am 10. August 2016 warten. Er kaufte sich auf eBay eine geleakte Version für 1302,95 Dollar (zirka 1.164 Euro), wie die Spiele-Nachrichtenseite kotaku berichtet. Das Spiel kostet normalerweise um die 60 Euro für die PS4!

Auf Reddit nennt sich dieser Spieler "daymeeuhn". Dort berichtet er von seinen Erfahrungen mit dem Weltraumabenteuer.

Daymeeuhn will aber nicht so sehr spoilern und damit anderen Spielern den Spaß und die Spannung nehmen. Deshalb verzichtet er nach einigem Überlegen auf das Veröffentlichen von weiteren Videos (ein Unboxing-Video von ihm kursiert bereits im Web). Darum hatte ihn auch Chefentwickler Sean Murray via Twitter gebeten.

Trotzdem sollte den Reddit-Eintrag niemand lesen, der Spoiler unbedingt vermeiden will. Daymeeuhn beschreibt vor allem aber seine Erfahrungen mit dem Spiel, um anderen Spielern den Einstieg zu erleichtern. So berichtet er von häufigen Abstürzen auf der Sony Playstation 4. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass es sich bei dem Leak um eine nicht finale Version des Spiels handelt. Hello Games könnte noch Patches nachschieben, die das Spiel stabiler machen.

Außerdem behauptet Daymeeuhn bereits nach 30 Stunden das Zentrum der Galaxie erreicht zu haben. Das wäre in deutlich kürzerer Zeit, als die Spielmacher versprochen hatten, wie pcgamesgardware zusammenfasst.


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