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Morgenmagazin vom Dienstag, 20. August 2019

20.08.2019 | 07:03 Uhr |

TSMC verbessert 7-nm-Prozess für A13 +++ Apple Arcade für 4,99 USD +++ Apple gibt 6 Milliarden Dollar für Apple TV+ aus +++ Huawei erhält weitere 90 Tage Android-Gnadenfrist +++ Blocks: Modulare Smartwatch nach erfolgreichem Kickstarter-Projekt eingestellt +++ Ikea gründet eigenen Geschäftsbereich für Smart Home

20. August: Ursache und Nachwirkung

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Sklaverei ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst, auch in frühen Zivilisationen war sie noch gang und gäbe. In der römischen Republik war es etwa normal, dass Menschen, die ihre Schulden nicht bezahlen konnten, zu Leibeigenen wurden. Diese Schuldsklaverei wurde bereits im zweiten Jahrhundert vor Christus verboten, vermutlich aber nicht aus humanitären Gründen. Sondern eher aus Gründen von Angebot und Nachfrage: Das römische Reich begann, in alle damals bekannte Welt zu expandieren, Kriegsgefangene aus den eroberten Gebieten nahmen die Plätze als Zwangsarbeiter ein.

Römische Sklaven konnte auch als solche geboren werden, eben als Kinder von bereits versklavten Personen. Andererseits konnten Sklaven aber auch entlassen und zu freien Bürgern werden, das kam gar nicht so selten vor. Robert Harris' Cicero-Trilogie ist etwa von Marcus Tullius Tiro erzählt, Sklave, Sekretär und auch Freund des römischen Politiker Marcus Tullisus Cicero - Tiro gilt als Erfinder der Kurzschrift, die er entwickelte, um die Reden seines Herrn aufzuschreiben. Im Buch und auch in der überlieferten Historie gewinnt Tiro schließlich die Freiheit.

Es ist nun exakt 400 Jahre her, dass die Sklaverei in die Neue Welt expandierte. In Jamestown (Virginia) landeten am 20. August 1619 die ersten 20 Sklaven aus Afrika an - wohl die Ursünde der USA, die erst über 150 Jahre später zusammen fanden und die Sklaverei der Kolonien und Protostaaten einfach mit übernahm. Es war ein lukratives Geschäft, die gleichen Schiffe, die die billigen Arbeitskräfte aus Westafrika heranschafften, transportierten die mit deren Hilfe produzierten landwirtschaftlichen Güter wie Tabak oder Baumwolle nach Europa - das leicht verdiente Geld sollte erst die Unabhängigkeit der Kolonien gewährleisten.

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Sklaverei nur noch in den landwirtschaftlich geprägten Regionen des Süden lukrativ, der industrialisierte Norden konnte auf Sklaven verzichten. Die wirtschaftliche und soziale Spaltung führte jedoch zum Sezessionskrieg, der von 1861 bis 1865 andauerte, aber erst am 20. August 1866 auch in rechtlicher Hinsicht endete. Sklaverei ist seither überall in den USA verboten. Die Entmenschlichung der Arbeitskräfte hat aber bis heute nachwirkende Folgen.

Denn der Kolonialist, der ja Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit aus der revolutionären Alten Welt in die Neue getragen hat, um sie dort zu leben, hat dem Sklaven eben genau diese Rechte verweigert. Mit einer Begründung, wie sie absurder und unmenschlicher nicht sein kann: Rassismus. Denn der schwarze Mann (und die schwarze Frau) sei ja nichts wert, die Weißen in körperlicher und sozialer Hinsicht überlegen. Somit ist der Schwarze der geborene Sklave. Entlassung in Freiheit: Ausgeschlossen.

Amerika leidet heute noch unter dieser Ursünde und ihrer unmenschlichen Rechtfertigung. Aber nicht nur Amerika. Vorurteile scheinen sich auch 400 Jahre später zementiert zu haben. Wer mehr über die Geschichte der Sklaverei in den USA und den heute spürbaren Folgen erfahren möchte, dem sei als erster Lesetipp für heute The 1619 Project der New York Times empfohlen. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Der Preis ist heiß: Apple lässt seinen kommenden Spieleservice Apple Arcade bereits intern testen, für einen symbolischen Preis von 49 Cent haben Mitarbeiter Zugriff auf erste Vorabversionen. Auch 9to5Mac ist es gelungen, an einen solchen Testaccount zu gelangen. Bei tieferer Analyse haben die Kollegen auch einen Hinweis auf den Preis gefunden: Apple Arcade soll nach einem Probemonat nur 4,99 US-Dollar im Monat kosten. Dies ginge aus Promomaterial hervor, das sich in einer API des App Store verberge. Apple hatte bereits im März erklärt, dass Apple Arcade über die Familienfreigabe nutzbar ist, also nur einer zahlt. Der Preis ist somit erstaunlich niedrig, wenn man bedenkt, dass die über Arcade angebotenen Spiele weder mittels In-App-Kauf noch über Werbung zusätzliche Umsätze generieren können.

Vorschau: Zu Apple TV+ gibt es noch keinen überlieferten Preis, man kann aber davon ausgehen, dass er höher sein wird als die 4,99 US-Dollar, die Apple angeblich für Apple Arcade monatlich verlangt. Die Produktionen der Apple Originals sind gewiss nicht günstig gewesen. Über das Programmschema ist auch noch wenig bekannt, Fragen bleiben offen, wie viele Serien Apple in welchem Rhythmus veröffentlichen wird. Als eine der ersten dürfte aber die Sitcom "The Morning Show" an den Start gehen, nach einem kurzem Appetithappen in der vorigen Woche hat Apple auf seinem Youtubekanal nun einen vollen Trailer veröffentlicht, der fast drei Minuten dauert und Szenen mit Jennifer Anniston, Reese Witherspoon und Steve Carell zeigt.

Invest: In den letzten Jahren war stets die Rede davon, Apple investiere eine Milliarde US-Dollar in seinen TV-Dienst Apple TV+. Die Financial Times nennt nun unter Berufung auf informierte Kreise weit höhere Zahlen. Demnach gebe Apple sechs Milliarden US-Dollar für Lizenzen und Produktionen aus, um gegen die starke Konkurrenz besser bestehen zu können. Netflix etwa zahlt allein in diesem Jahr 15 Milliarden US-Dollar für seine Inhalte, Disney wird im November mit Disney+ in das Rennen mit einsteigen. Besonders die Leuchtturmprojekte kommen teuer: So soll "The Morning Show" mehrere hundert Millionen US-Dollar gekostet haben, eine Folge von Jason Momoas Mystery-Serie "See" werde mit 15 Millionen US-Dollar veranschlagt.

Spende : Bis zu einer Million US-Dollar will Apple in diesem Monat an die US-Nationalparks spenden. Für jede Bezahlung per Apple Pay im Apple Store, bei Apple online oder im Apple Store, die über Apple Pay geleistet wird, gehen bei einem Mindesteinkaufswert von 10 US-Dollar eben 10 US-Dollar an das Spendenkonto. Die Aktion läuft in den USA noch bis 25. August und ist auf die ersten 100.000 qualifizierten Zahlungen beschränkt.

Vergeblicher Wunsch : Selbst eingefleischte Android-Nutzer, die nie zum iPhone wechseln würden, nennen eine App, die sie gerne auf ihren Geräten hätten: iMessages. Wie unser Macworld-Kollege Michael Simon darlegt, sind der Hauptgrund dafür die grünen Sprechblasen, die sich in den Chats des Messengers auftun. Anders als andere Kommunikationsapps macht Nachrichten (Messages, früher als iChat bekannt) auch gleich klar, welches Gerät das Gegenüber nutzt. Handelt es sich um ein iPhone, sind die Sprechblasen blau, kommuniziert man mit einem anderen Gerät, färben die sich grün. Doch warte man auf Android auch aus anderen Gründen auf eine App, die so vielseitig ist wie Nachrichten, sollte Apple einen Android-Version davon im Google Play Store veröffentlichen, würde sie sofort zum Hit. Allein: Das wird nicht passieren. iMessages dürfte der weltweit meistgenutzte Service dieser Art sein, auf hunderten von Millionen iPhones installiert, auf Macs, iPads und auch auf Apple Watches. Es soll sogar Leute geben, die sich allein wegen der grünen Sprechblasen ein iPhone angeschafft hatten, um nicht schon wieder aus Gruppenunterhaltungen ausgeschlossen zu werden. Denn wenn einer solchen exklusiven iPhone-Runde ein Android hinzustößt, werden die schicken blauen Sprechblasen für alle grün - denn nun werden die Nachrichten per SMS Plattform übergreifend ausgetauscht. Und diese können je nach Tarif gar nicht mal so wenig kosten. Der Grund, warum Apple seinen Service exklusiv behält: Denn selbst wenn man dafür von Android-Usern 10 Euro im Monat verlangen könnte - angesichts des kostenlosen WhatsApp kaum realistisch - würde das die Verluste nicht aufwiegen, die durch weniger verkaufte iPhones entstünden. Denn dann gäbe es ja einen wichtigen Grund weniger, ein iPhone zu kaufen.

Bei sieben geblieben : Nur noch gut drei Wochen, bis Apple (aller Voraussicht nach) neue iPhones vorstellen wird. Man kann davon ausgehen, dass diese mit einer von Apple entwickelten und von TSMC produzierten CPU arbeiten werden, die A13 (Bionic) heißen wird. Vor einigen Wochen hatte unser Macworld-Kollege Jason Cross bereits aufgeschrieben, was man vom A13 erwarten darf. Vor allem werde TSMC beim 7-nm-Prozess bleiben, der Umstieg auf 5 nm könnte 2020 anstehen. Was Cross aber nun herausgefunden hat: Schon in diesem Jahr setzt TSMC auf eine optimierte Fertigungstechnik des 7-nm-Verfahrens, N7P genannt. Das soll laut TSMC entweder eine um 10 Prozent geringere Leistungsaufnahme bei gleicher Prozesseorperfomance ermöglichen oder bei gleicher Energiezufuhr sieben Prozent mehr Performance. Die EUV-Lithografie (Extreme Ultraviolett) komme hierbei noch nicht zum Einsatz.

Weitere Nachrichten:

Huawei erhält weitere 90 Tage Android-Gnadenfrist

Mittlerweile wurde die Frist für Huawei offiziell um 90 weitere Tage bis November verlängert. Dies bestätigte US-Handelsminister Wilbur Ross soeben im US-Fernsehen. Huawei dürfe in der Zeit weiter Komponenten von US-Herstellern erwerben und sich auch um die bestehenden Kunden kümmern. Konkret handelt es sich um eine "temporäre Generallizenz", die für die weitere Geschäftstätigkeit von Huawei in den USA notwendig ist, nachdem US-Präsident Trump das chinesische Unternehmen Huawei auf eine schwarze Liste für gesetzt hat. (Update Ende)

Im Mai hatte Huawei von der US-Regierung eine 90-Tage-Gnadenfrist für die Nutzung von Android erhalten. Diese Frist lief am 19. August 2019 ab. Nach wie vor tobt zwischen den USA und China ein immer heftiger geführter Handelskrieg, bei dem vor allem US-Präsident Donald Trump bisher keinerlei Kompromissbereitschaft zeigt, auch wenn Kritiker warnen, dass vor allem für US-Verbraucher höhere Preise drohen.

Blocks: Modulare Smartwatch nach erfolgreichem Kickstarter-Projekt eingestellt

Vor vier Jahren wurde auf Kickstarter eine modulare Smartwatch namens Blocks vorgestellt. Die Finanzierung über die Plattform war schon nach kurzer Zeit gesichert. Dennoch wird die clevere Uhr nie auf den Markt kommen – dem Unternehmen Blocks Wearables Ltd. ist laut Insolvenzverwalter schlicht das Geld ausgegangen. Erst im Juni wurden Unterstützer darüber informiert, dass kein neuer Investor gefunden werden konnte. Trotz mehrerer Versuche konnte kein neuer Investor gewonnen werden, nun wurde ein Insolvenzverfahren eingeleitet.

Dabei sah es anfangs sehr gut für die modulare Smartwatch aus: Die Finanzierung über Kickstarter war schon nach einer Stunde gesichert. Die Auslieferung sollte schließlich im Herbst 2016 erfolgen. Vorbestellungen waren ab Sommer 2016 möglich. Als Basis für die Smartwatch Blocks diente ein Gehäuse mit Display, Prozessor, Bluetooth-Modul, Bewegungssensor und Akku. Mit Modulen sollten Käufer weitere Funktionen nachrüsten können. Diese Zusatzmodule hätten als Glieder des Armbands die Abmessungen der Uhr nicht verändert. Zur Auswahl standen beispielsweise zusätzliche Akku-Module, Herzschlagsensor, Luftqualitätsmesser, Kamera, GPS oder ein Fingerabdrucksensor. Vorbesteller sollten für das Basismodul 195 US-Dollar zahlen. Die Limited-Edition-Version mit vier Modulen nach Wahl schlug hingegen schon mit 465 US-Dollar zu Buche.

 

Ikea gründet eigenen Geschäftsbereich für Smart Home

Ikea will künftig noch mehr in die Entwicklung und Produktion von Smart-Home-Technik investieren. Dafür hat das schwedische Einrichtungshaus mit Ikea Home Smart einen eigenen Geschäftsbereich gegründet . Laut Björn Block, der den neuen Geschäftsbereich leitet, wolle Ikea neue Produkte und Lösungen erforschen, die über herkömmliche Möbel hinausgehen.

Ikea habe laut Block entschieden, große Investitionen in seinen neuen Geschäftsbereich zu tätigen, um die Entwicklung neuer Produkte anzuschieben. Ikea Home Smart sei der größte neue Geschäftsbereich seit der Einführung von Children‘s Ikea. Ikea Home Smart startete bereits im Jahr 2012 als firmeninternes Projekt. Home-Smart-Produkte sollten digitale Elemente mit Einrichtungsgegenständen verbinden. Mittlerweile umfasst der Geschäftsbereich unterschiedlichste Produkte, die von Beleuchtungslösungen, über Sound-Produkte bis hin zu smarten Rollos reichen.

Unter dem Namen Tradfri führte das Einrichtungshaus außerdem ein eigenes Ökosystem und eine App für seine smarten Beleuchtungslösungen ein. Im Juni wurde die Tradfri App schließlich in Ikea Home Smart App umbenannt . Laut Block hat die Entwicklung von Smart-Home-Lösungen bei Ikea Home Smart gerade erst begonnen. Kunden können also in den nächsten Monaten und Jahren viele weitere Produkte aus dem neuen Geschäftsbereich erwarten.

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