2242243

Morgenmagazin vom Dienstag, 20. Dezember 2016

20.12.2016 | 07:03 Uhr |

Cook erklärt Treffen mit Trump +++ Apple will "großartige Desktops" auf dem Plan haben +++ Apple legt Widerspruch gegen Steuerbescheid ein +++ Alles wird billiger – nur das iPhone 7 Plus nicht +++ Google-Konto: Statt Passwort - Anmeldung mit Smartphone +++ Deutsche Bahn testet autonome Busse in Deutschland +++ Türkei verbietet anonymes Surfen per VPN oder Tor

20. Dezember: Heimkehr des verlorenen Sohns

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Nur noch drei Tage und der Rest von heute, dann haben wir Büromenschen es für dieses Jahr mal wieder geschafft. Wir waren auch wieder recht fleißig und haben vor allem in den letzten Wochen uns nochmals besonders reingehängt, damit wir auch rechtzeitig vor dem Fest mit allem fertig werden. Womöglich können wir ja schon jetzt mit halber Kraft dem Jahresende entgegen rudern, wie die Besatzung einer Galeere, die dem Hafen entgegen steuert - da wird auf den letzten Metern auch nicht mehr volle Kraft gegeben.

Der 20. Dezember 1996 war kein Dienstag, sondern ein Freitag, an einem solchen Tag, wenn nur noch der kommende Montag als Arbeitstag im Jahreskalender bleibt, ist die Metapher des langsam an die Hafenmauer gleitenden Schiffs noch treffender. Doch was da am Abend unserer Zeit an jenem Freitag als Nachricht eintrudelte, veranlasste die Offiziere auf der Brücke der Macwelt und verwandter Publikationen, die Mitarbeiter vom Glühweinstand zurück zu rufen und sich nochmal alle gemeinsam kräftig in die Riemen zu legen. Um die Nachrichten zu verbreiten und einzuordnen: Apple kauft NeXT für 430 Millionen US-Dollar! Steve Jobs kehrt als externer Berater gut elf Jahre nach seinem Rausschmiss zu dem von einst zusammen mit Steve Wozniak gegründeten Unternehmen zurück! Suche nach einem neuen Mac-Betriebssystem beendet!

Wir waren damals noch gar nicht im www, das kam erst im Herbst 1997, sondern nur bei den damals proprietären Angeboten von T-Online, AOL und Compuserve, es ist in unserem Archiv also keine Meldung von damals hinterlassen, auf die wir verlinken könnten. Die Kollegen von heise.de schrieben aber unter anderem :

Amelio begrüßte Jobs auf einer Freitagabend in Cupertino überraschend einberufenen Pressekonferenz als "Apples talentiertesten Visionär" und jemanden, der eine neue Generation von Kunden und Softwareentwicklern inspirieren könne. Jobs sagte: "Einer großer Teil der PC-Industrie lebt seit über zehn Jahren vom Macintosh und kopiert langsam seine revolutionäre Bedienoberfläche. Jetzt ist es Zeit für neue Innovationen, und wo anders als bei Apple sollten sie entspringen?"

Ein halbes Jahr solle es dauern, bis bei Apple auf Basis von NeXTStep ein modernes Mac-OS mit Speicherschutz, präemptiven Multitasking und Multithreading  fertig entwickelt sein solle. Mehr wolle der CEO Gil Amelio auf der anstehenden Macworld Expo am 7. Januar 1997 in San Francisco verraten. Das mit dem halben Jahr hat dann doch nicht so ganz geklappt. Kurz nach Ablauf der Frist war Amelio bei Apple Geschichte und der Aufsichtsrat des Unternehmens nach Steve Jobs' Vorstellungen umgebaut. Schon die Rede Amelios auf der Macworld Expo geriet trotz des Auftritts der beiden Steves (Wozniak hielt sich eher im Hintergrund) zum Desaster, so wirr, sprunghaft und länglich war sein Vortrag. Auch daran müsse sich was ändern, wird Steve Jobs in dem Moment wohl gedacht haben.

Erst im Mai 1998 konnte der mittlerweile zum Interims-CEO (iCEO) gekürte Jobs auf der WWDC genauer darlegen, wie es denn mit NeXTStep, dem klassischen Mac-OS und dem Zwischending Rhapsody genau laufen würde, Mac-OS X  sollte dann noch zwei weitere Jahre brauchen, bis es fertig war. Naja, bis es als Public Beta erschien, die Fassung 10.0 kam dann im März 2001. Wirklich fertig ist macOS zwanzig Jahre nach der NeXT-Übernahme immer noch nicht, aber mittlerweile so ausgereift und von seinem Ursprüngen so weit emanzipiert, dass Apple letzten Herbst das "X" aus dem Namen des Systems strich.

Der letzte Freitag vor Weihnachten wurde vor 20 Jahren nicht nur in der Redaktion der Macwelt hektisch. Immerhin mussten die damals aktiven Kollegen noch die Pläne für die anstehende Macworld Expo und den Drucktermin für die Ausgabe 2/97 verschieben. Dem Bericht aus San Francisco merkt man heute an, dass sich Gil Amelio nicht gerade klar ausgedrückt hatte. Doch Apple wusste genau, was zu tun ist. Vor allem die Leute, die mit Steve Jobs von NeXT nach Cupertino gewechselt waren. Das leckgeschlagene Schiff Apple hatte vor 20 Jahren wieder richtig Fahrt aufgenommen. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Reden hilft: Bekannt ist, dass Apples Philosophie der des gewählten Präsidenten Donald Trump in vielen Punkten wie Privatsphäre, Gleichberechtigung und Umweltschutz diametral gegenüber steht. Bekannt ist aber auch, dass Apple-CEO Tim Cook letzte Woche an einem Treffen von Top-Managern der IT-Industrie mit Trum in dessen New Yorker Hauptquartier teilnahm. Wie das zusammen passt, erklärt Cook seinen Mitarbeitern in einer Frage-und-Antwort-Session, die Apple auf seiner internen Website veröffentlicht hat. Ohne konkret Trump und sein Programm zu kritisieren, schreibt Cook, dass Apple mit Regierungen verhandeln müsse, um seine Interessen zu bekunden und Dinge in seinem Sinne voranzutreiben, egal, ob man den Mächtigen zustimme oder ihnen widerspreche. Egal, ob es sich um die USA, die EU, China oder andere Weltregionen und Länder handle, Apple engagiere sich. Denn Regierungen hätten die Macht, mit ihrer Politik Apples Geschicke in "positiver und auch in nicht so positiver Weise" zu beeinflussen. In seinem Posting betonte Cook bewusst Apples Werte wie Privatheit und Datensicherheit, Bildung, Menschenrechte für jedermann und der Ausweitung derer Definition. Apple werde zudem weiterhin gegen den Klimawandel ankämpfen und seinen Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen schöpfen.

Gute Aussichten: In der gleichen internen Veröffentlichung schwört Cook das Unternehmen auf die Produkte des kommenden Jahres ein 2016 war bekanntlich der Mac, insbesondere für den Desktop, ein wenig kurz gekommen, das soll sich in den folgenden Monaten ändern. Einige Medien hätten laut Cook Zweifel über die Zukunft des Mac angemeldet, aber "Um es klar zu sagen: Wir haben großartige Desktops in unserem Plan. Niemand sollte sich diesbezüglich Sorgen machen." Der Desktop habe nach wie vor seine Berechtigung und spreche vor allem mit seinen großen Bildschirmen, Speicher und Storage sowie den umfangreicheren Schnittstellen Anwender an, die einen sehr leistungsstarken Computer benötigen.

Einspruch: Nach der Republik Irland hat gestern auch Apple offiziell Berufung gegen die im August von der EU-Kommission verhängte Steuernachzahlung in Höhe von 13 Milliarden Euro eingelegt und dabei die Kommission scharf kritisiert. Diese weist Vorwürfe aus Cupertino zurück. Apple argumentiert, die EU habe einseitig und rückwirkend Jahrzehnte alte Deals aufgekündigt und damit globale Steuerübereinkünfte ausgehebelt, auf die "sich jeder verlassen habe". Das sei unfair und auch das US-FInanzministerium beschwert sich über die Entscheidung einer nicht legitimierten  "supranationalen Steuerbehörde", die weltweit Steuerreformen behindere. Die EU-Kommission widerspricht, die Republik Irland habe während der zweijährigen Untersuchung zu Steuerregeln und Zuordnung von Gewinnen ausgedehnte Möglichkeiten genutzte, ihre Ansichten darzulegen. Auch Apple habe seine Möglichkeiten für Eingaben ausschöpfen können. Nicht die EU habe rückwirkend Regeln ändern wollen, im Gegenteil sei das Verhalten der irischen Steuerbehörden "inkonsistent" gewesen. Nicht nur Apple und Irland stehen im Fokus der Untersuchungen, auch andere multinationale Firmen wie Amazon, Starbucks oder Fiat und andere Steueroasen wie Luxemburg.

Letzte Inspiration: Wer seine Weihnachtsgeschenke noch nicht zusammen hat, kauft auch keine mehr - oder schätzt die Last-Minute-Gelegenheit am kommenden Samstag, wenn die meisten Geschäfte noch bis 14 Uhr geöffnet haben. Wäre auf alle Fälle gut, wenn man schon weiß, was man sich wünscht oder schenken will. Die Kollegen der Macworld haben noch einige Anregungen. Zubehör wie Hüllen, Taschen, Rucksäcke, Docks und Kabel. Vor allem das Kabel in dieser Sammlung finden wir interessant...

Reaktion: Taugt denn Super Mario Run nun? Markus Schwerdtel von der Gamestar sagt unbedingt ja, unser Tester Thomas Hartmann war auch eher angetan, während der Kollege Panagiotis Kolothykas von der PC-Welt eher entsetzt war. So halten sich auch die Urteile im App Store die Waage, rund 50.000 Bewertungen ergeben im Schnitt 2,5 Sterne. Und das ist in Zeiten, in denen immer alles super sein muss, ein Problem für den Hersteller Nintendo. Am Montag gab dessen Aktienkurs an der Börse in Tokio um weitere 7,1 Prozent nach, insgesamt ist seit Veröffentlichung seines ersten Titels für Mobilgeräte Nintendo virtuell elf Prozent weniger geworden. Der Co-Entwickler DeNa musste sogar bisher einen Wertverlust von 14 Prozent hinnehmen. Gleichwohl wird das Spiel geladen und gekauft wie verrückt....

Weitere Nachrichten

Alles wird billiger – nur das iPhone 7 Plus nicht

Bei neuen Elektronik-Gadgets ist es ein wenig wie mit Obst – nach etwas Liegezeit fallen die Preise. Auch das neue iPhone 7 ist nach drei Monate auf dem Markt schon im Preis gesunken. Für das Einstiegsmodell muss eigentlich nur noch der Apple-Store-Fan die vollen 759 Euro zahlen, im Online-Shop werden schließlich nur noch knapp 710 Euro fällig. In Sonderaktionen gab es das neue iPhone sogar noch bedeutend billiger.

Dieser Preisverfall ist bei vielen Elektronik-Geräten fast schon ein Naturgesetz. Schon wenige Monate nach der Markteinführung wird selbst das begehrteste Luxus-Gadget günstiger. Sogar Apple kann sich diesem Trend nur in Ausnahmefällen entziehen. Zum Leidwesen vieler Interessenten gehört das iPhone 7 Plus zu diesen seltenen Ausnahmen. So ist der Shop Notebooksbilliger eigentlich für niedrige Preis bekannt, macht beim iPhone 7 Plus aber eine Ausnahme: Es ist mit 32 GB ist verfügbar, kostet aber stolze 959 Euro - 60 Euro mehr als im Apple Store. Das iPhone-Modell ist aber nicht nur schwer erhältlich. Will man Weihnachten seiner Freundin das Topmodell mit 256 GB in Rosé Gold oder Gold überreichen, ist man dafür zu spät dran. Erst aber 28. Dezember sind diese Versionen wieder verfügbar. Vielleicht hat Apple ja auch den deutschen Bedarf an 1150-Euro-Handys in Rosa falsch eingeschätzt und zu wenig produziert, die Nachfrage ist in deutschen Städten ist aber offensichtlich erstaunlich hoch.

Für Apple gute Nachrichten, hatten doch viele Berichte das neue iPhone 7 als müden Neuaufguss verrissen.

Google-Konto: Statt Passwort - Anmeldung mit Smartphone

Einrichtung: Öffnen Sie hierfür die Einstellungs-App auf Ihrem Smartphone und scrollen Sie zum Punkt „Nutzer“. Tippen Sie nun auf „Google“ und anschließend unter der Rubrik „Konto“ auf den Punkt „Anmeldung und Sicherheit“. Entscheiden Sie sich hier für die Option „Über das Smartphone anmelden“. Daraufhin informiert Sie ein kurzer Text über die Funktionsweise der Anmeldung vom Smartphone. Lesen Sie sich diesen aufmerksam durch und berühren Sie im folgenden Schritt die Schaltfläche „Einrichten“. Geben Sie im nächsten Fenster das Passwort für Ihr Google-Konto ein und tippen Sie auf „Anmelden“. Um die alternative Anmeldung nutzen zu können, müssen insgesamt drei Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Sie müssen dafür im Besitz eines Smartphones sein.

2. Ihr Smartphone muss mithilfe einer Displaysperre vor fremdem Zugriff geschützt sein.

3. Schließlich muss eine Telefonnummer mit Ihrem Google-Konto verknüpft sein.

Natürlich lassen sich die notwendigen Einstellungen auch im Nachhinein vornehmen, wenn nicht alle Voraussetzungen erfüllt sind. Danach gelangen Sie mit „Weiter“ zum nächsten Schritt der Einrichtung. Im Anschluss daran haben Sie die Möglichkeit auszuprobieren, wie die Anmeldung über Ihr Smartphone funktioniert. Tippen Sie dazu auf „Weiter“. Sodann erscheint in der Benachrichtigungsleiste ein Fenster, das Sie fragt, ob Sie gerade versucht haben, sich anzumelden. Berühren Sie es und bestätigen Sie die Displaysperre. Danach beantworten Sie die Frage: „Versuchen Sie, sich anzumelden?“ mit „Ja“. Ihr Smartphone informiert Sie darüber, dass die Einrichtung der Funktion geklappt hat. Tippen Sie auf „Aktivieren“.

Anmeldung übers Smartphone: Wenn Sie sich in Ihrem PC-Browser bei Ihrem Google-Konto anmelden möchten, erscheint eine Aufforderung, Ihr Smartphone per Displaysperre zu entsperren. Wischen Sie nun auf Ihrem Smartphone vom oberen Bildschirmrand nach unten und tippen Sie auf die Schaltfläche „Versuchen Sie, sich anzumelden?“ und anschließend auf „Displaysperre bestätigen“. Entsperren Sie nachfolgend Ihr Smartphone und tippen Sie auf „ja“. Zum Schluss müssen Sie noch eine Frage beantworten – beispielsweise welche Zahl Sie auf dem Rechnerbildschirm sehen. Und schon sind Sie mit Ihrem Google-Konto angemeldet.

Deutsche Bahn testet autonome Busse in Deutschland

Nach dem Test mit einem autonomen Bus der Firma EasyMile im Oktober in Leipzig, kommt nun auch auf dem Euref-Campus in Berlin-Schöneberg eines der selbstfahrenden Fahrzeuge zum Einsatz. Im Rahmen eines Testlaufs dreht dort ein autonomer Prototyp des Startups Local Motors seine Runden.

Mitarbeiter der Deutschen Bahn können den autonomen Bus für Fahrten auf dem Gelände nutzen. Das Fahrzeug soll dabei unter möglichst realen Bedingungen getestet werden. Mit Hilfe des Kundenfeedbacks soll der Bus von Local Motors durch die Deutsche Bahn und das Forschungszentrum InnoZ weiterentwickelt werden.

Im öffentlichen Raum will die Deutsche Bahn das autonome Fahren bereits im nächsten Jahr mit mehreren Projekten testen. Autonome LKW von DB Schenker und MAN sollen dann 2018 erstmals über einen Testabschnitt der A9 zwischen München und Nürnberg rollen.

Türkei verbietet anonymes Surfen per VPN oder Tor

Mit VPN-Verbindungen und Anonymisierungsdiensten wie Tor lassen sich auch in restriktiven Staaten eigentlich verbotene Internetseiten aufrufen oder geächtete Dienste nutzen. Die türkische Regierung geht laut Turkey Blocks nun gegen derartige Schlupflöcher vor . Das Tor-Netzwerk sei demnach schon weitgehend blockiert worden, auch Virtual Private Networks (VPNs) könnten nur noch eingeschränkt genutzt werden.

Möglich wurde dieser Eingriff der Regierung durch die Zusammenarbeit mit türkischen Internetprovidern, die populäre VPN-Dienstleister sowie öffentliche Zugangspunkte zum Tor-Netzwerk nach einer Aufforderung blockieren. Turkey Blocks beobachtet die Zensurmaßnahmen der türkischen Regierung im Internet schon über eine längere Zeit und vergleicht die Einschränkungen mittlerweile mit Chinas großer Firewall, mit der sich der Informationsfluss im Land kontrollieren lässt.

Für Oppositionelle, Journalisten und interessierte Bürger wird es damit in der Türkei immer schwieriger, sich unabhängig über die politische Lage zu informieren. Noch könne das Tor-Netzwerk über nicht öffentliche Zugangspunkte angesteuert werden. VPN-Verbindung seien ebenfalls noch möglich, aber nur bei Anbietern, die von den türkischen Providern noch nicht gesperrt wurden.

VPN-Verbindungen setzen auf eine spezielle Software, die eine verschlüsselte Verbindung zu einem Server aufbaut. Steht dieser im Ausland, so erscheint der eigene Rechner oder das eigene Smartphone so, als würde es sich im jeweiligen Land mit dem Internet verbinden. So können Zensurbestrebungen oder Ländersperren umgangen werden. Auch bei Nutzern von File-Sharing kommen VPN-Dienste häufig zum Einsatz. Das Tor-Netzwerk hingegen erlaubt anonymisiertes Surfen im Netz. Der Datenverkehr passiert dabei so viele Server, dass das eigentliche Ziel für eventuelle Lauschversuche kaum noch zu erkennen ist.

2242243