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Morgenmagazin vom Dienstag, 21. Januar 2020

21.01.2020 | 06:57 Uhr | Peter Müller

Irland ehrt Tim Cook für 40 Jahre Apple auf der Insel +++ Cook über Gesundheitsvorsorge und AR: "Das nächste große Ding" +++ Apple mit Teilerfolg im Prozess gegen ehemaligen Mitarbeiter +++ Apple behebt ungewollte Ortung beim iPhone 11 +++ Sono Sion: E-Auto erreicht Crowd-Funding-Ziel +++ 12 Milliarden gestohlene Zugangsdaten: Polizei zerschlägt illegale Online-Börse +++ Amazon plant Bezahlfunktion per Handflächen-Scan

21. Januar: Bequeme Hose

Guten Morgen! Noch zehn Tage, dann dürfen die Briten endlich aus der EU. Also diejenigen, die das wollen. Die andere Hälfte muss, ob sie nun will oder nicht. Es besteht die unwahrscheinliche Möglichkeit, dass es UK und EU gelingt, bis zum Jahresende ein Handelsabkommen auszuhecken, dass das gerade noch mal so Vereinigte Königreich ähnlich an die EU anbindet wie es den einschlägigen Abkommen mit Norwegen oder der Schweiz gelingt. So, wie es aber aussieht, wünschen die Betonköpfe um den lustigen Clown in 10 Downing Street aber einen harten Bruch. Man wolle die Kontrolle über das Land zurück, plärren die Schreihälse seit Jahren und haben damit anscheinend einen Nerv getroffen.

Aber haben die Briten je die Kontrolle über ihr Land gehabt und sei es zu Zeiten des Empires? Und darüber weiter hinaus gefragt: Hat die Menschheit die Kontrolle über den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid verloren, eine Kontrolle die die Betonköpfe in London und anderswo gar nicht haben wollen? Haben Träger von Jogginghosen die Kontrolle über ihr Leben verloren? Letzteres behauptete der vor gut einem Jahr verstorbene Modeschöpfer Karl Lagerfeld vor schon vor fast acht Jahren in der Talkshow von Markus Lanz.

Über die Jogginghose als zufälliges oder gezielt ausgewähltes Kleidungsstück ließe sich trefflich streiten, auch darüber, in welchem Rahmen sie passt und in welchem nicht. Einen Kontrollverlust wollen wir Jogginghosenträgern aber niemals unterstellen, aber wir kennen die Blicke, wenn wir nach der morgendlichen Runde noch dampfend und in Jogginghosen steckend beim Bäcker die Frühstückssemmeln und im Supermarkt nebenan Butter, Marmelade und Käse holen.

Nur am heutigen 21sten Januar ist das mit der Jogginghose eine andere Sache. Vor nunmehr zehn Jahren haben ein paar Österreicher mitten im Fasching (sagt man dort und nicht "Karneval") den Internationalen Tag der Jogginghose ausgerufen, der seine große Karriere aber anders als der No Pants Subway Ride noch vor sich hat. Man muss nicht bei allen Aktionen mitmachen, natürlich sind wir am 10. Januar mit Hose U-Bahn gefahren und tragen auch heute die Jogginghose nur daheim.

Wenn nun aber irgendeiner oder irgendeine angesichts der heute in der Öffentlichkeit getragenen Jogginghosen die Nase rümpft, schenken Sie ihm oder ihr einfach eine Umarmung. Denn seit über 30 Jahren ist am 21. Januar der International Hug Day, auch so eine auf den ersten Blick bescheuerte Erfindung.

Dessen Initiatoren haben sich aber etwas dabei gedacht. Umarmungen tun jedem gut und gerade in den finstersten Zeiten besinnt man sich darauf, dass gegen Hass, Wut, Unterdrückung und Betonköpfe eigentlich nur Liebe hilft. Der 21. Januar liegt genau in der Mitte zwischen Weihnachten - jenem Fest der Liebe, das an den Kommerz verloren scheint - und dem Valentinstag am 14. Februar, über den sich Floristen mehr freuen als Verliebte.

Halten wir uns heute also an einen Text von Konstantin Wecker aus dem Song Questa Nuova Realta :  "Freunde rücken wir zusammen / denn es züngeln schon die Flammen / und die Dummheit macht sich wieder einmal breit. / Lasst uns miteinander reden / und umarmen wir jetzt jeden / der uns braucht in dieser bitterkalten Zeit." Auch wenn er (oder sie) eine Jogginghose trägt.

Lesetipps für den Dienstag

Umsteuern: Nicht nur Apple steht in der Kritik, seine Umsätze und Gewinne global so zu verschieben, dass Steuern praktisch nur in Ländern anfallen, die niedrige Abgaben erheben oder gar Ausnahmen machen wie die Republik Irland. Aber eben just in Dublin, wo Tim Cook für Apples jahrzehntelanges Engagement auf der Insel gestern geehrt wurde, sprach sich der Apple CEO für ein neues und gerechteres Steuersystem aus. Die OECD erarbeitet gerade Vorschläge, wie international agierende Firmen die die des Big Tech besser besteuert werden könnten,Tim Cook unterstützt das Vorhaben: "Ich denke, es weiß natürlich jeder, dass das Steuersystem überarbeitet werden muss. Ich wäre sicherlich der letzte, der sagen würde, dass das gegenwärtige oder das vergangene System das perfekte ist und war. Ich bin hoffnungsvoll und optimistisch, dass die OECD etwas finden wird".

Gesundheit: Bei der Veranstaltung in Dublin gab Tim Cook auch noch einige Hinweise, in welche Richtung man die Apple Watch weiter entwickeln wolle. Das Ziel sei, die Uhr besser zur Gesundheitsvorsorge einzusetzen, die EKG-Funktion der Apple Watch Series 4 und 5 sei hier nur der erste Schritt gewesen. An der Schnittstelle zwischen Unterhaltungselektronik und Gesundheitswesen sei noch viel zu entdecken, die Leute kämen mit entsprechender Technologie meist erst dann in Kontakt, wenn sie bereits ernsthaft erkrankt wären, erklärte Cook, ohne weiter auf neue Sensoren und Funktionen einzugehen. Den Blutdruck etwa kann man aber mit spektroskopischen Methoden vermessen, Apple hält ein entsprechendes Patent. So wäre etwa eine permanente Überwachung von Systole und Diastole im Alltag denkbar, die weit sinnvollere Ergebnisse liefern könnte, als eine 24-Stunden-Blutdruckmessung mit nerviger Manschette. Doch blieb Cook nur allgemein in seinen Aussagen: "Ich denke, dass man mit dieser einfachen Idee, präventive Diagnostik zu haben, noch viel mehr Bereiche finden kann, in denen sich die Technologie mit der Gesundheitsfürsorge überschneidet, und ich denke, unser aller Leben wäre wahrscheinlich besser dran". Nicht zuletzt würde das auch die Kosten für das Gesundheitswesen senken.

Großes Ding : Was aber Tim Cook generell hinsichtlich der Entwicklung von Technologie hält, fragte ihn auf der Veranstaltung zur Verleihung des  Special Recognition Award der CEO der irischen Finanzagentur IDA Ireland, Martin Shanahan. Cook verwies nicht überraschend auf Augmented Reality, AR: Er sei davon sehr begeistert und glaube, dass es sich hier um die nächste größe Sache für die kommenden fünf bis zehn Jahre handeln werde. AR werde aller Leben komplett durchdringe, prognostiziert Cook. Er habe gerade erst in Irland das Entwicklerstudio War Ducks besucht, in dem 15 Leute an AR für Spiele arbeiten. Doch sei die Technologie noch in vielen anderen Bereichen denkbar. Man stelle sich nur vor, man spreche über einen Gegenstand, könne ihn sich per AR aber in das Gesichtsfeld holen und ihn von allen Seiten betrachten.

Vorentscheidung: Im Prozess gegen seinen ehemaligen Mitarbeiter Gerard Williams III, der bei Apple die Entwicklung der Chips A4 bis A12X leitete, hat Cupertino einen ersten Teilerfolg erzielt. Williams war im März 2019 ausgeschieden, um mit weiteren ehemaligen Angestellten das Unternehmen Nuvia zu gründen, Apple hatte ihn wegen Vertragsbruch und Verletzung von Firmengeheimnissen verklagt. Wie Richter Mark Pierce vom Santa Clara County Superior Court aber befand,  erlaube es das Gesetz nicht, "die Gründung eines wettbewerbsfähigen Unternehmens vor der Kündigung zu planen und vorzubereiten, wenn der Arbeitnehmer dies in der Zeit seines Arbeitgebers und mit den Ressourcen des Arbeitgebers tut". Zudem wies er die Beschwerde Williams' zurück, dass Apple seine Korrespondenz an Kollegen über die geplante Firmengründung als Beweise heranziehe, das sei keine Verletzung seiner Privatsphäre. In den Mails hatte Williams potentielle Mitstreiter damit gelockt, dass Apple gar nicht anders könne, als die Neugründung irgendwann aufzukaufen - offensichtlich kann Apple aber auch anders.

Ende der Anonymität : Es gibt für alles eine App, nun auch für Stalker und Strafverfolgungsbehörden, berichtete am Wochenende die New York Times. Stellen Sie sich vor, Sie sehen auf der Straße eine attraktive Dame oder einen feschen Herren. Schnell ein Foto mit der Smartphonekamera gemacht und die App Clearview erledigt den Rest: Sie wissen dann Name, Adresse, Beziehungsstatus, vielleicht auch noch Vorstrafen und Vorlieben und was nicht sonst noch alles. Clearview greift dabei auf eine Datenbank mit drei Milliarden Gesichtern zurück und lässt KI-Algorithmen die Person auf dem Foto damit identifizieren. Die Bilder stammen aus öffentlichen Quellen wie Facebook, Youtube oder Venmo, weitere Informationen über die Person lassen sich mit Hilfe der Links auf die entsprechenden Sites leicht erschließen. Die schiere Größe der Datenbamk übertrifft alles, was bisher an Sammlungen existiert, das FBI etwa hat 640 Millionen Fotos von US-Bürgern. Öffentlich verfügbar ist Clearview noch nicht, das sei aber nur eine Frage der Zeit, fürchtet die Times.

Angriff der Klone: Auf dem Schreibtisch von macOS Catalina ist weiterhin nur ein Volume zu sehen, doch hat Apple das Startvolume auf zwei aufgeteilt. Das aktuelle macOS kann dank des Dateisystems APFS Volume-Gruppen bilden. So sind nun auf dem einen die Systemdateien, die nicht verändert werden sollen, auf dem schreibgeschützten Teil gespeichert, der Rest auf dem anderen. Apples Time Machine hat das natürlich von Anfang an berücksichtigt, mittlerweile sind auch Tools wie Super Duper und Carbon Copy Cloner in der Lage, die Volumen-Gruppen zu erkennen und beide Teile zu klonen, beruhigt Glenn Fleishman in seiner Kolumne Mac911 auf Macworld.

Weitere Nachrichten:

Apple behebt ungewollte Ortung beim iPhone 11

Selbst wenn Nutzer die GPS-Erfassung beim iPhone 11 und iPhone 11 Pro deaktivieren, wird im Hintergrund dennoch in regelmäßigen Abständen der Standort erfasst. Grund dafür sind die in beiden Geräten verbauten Ultrabreitband-Chips. Laut Apple müssten diese an bestimmten „kritischen“ Orten automatisch deaktiviert werden. Dazu sei eine Standortüberprüfung nötig. Diese GPS-Positionen würden aber nur lokal auf dem iPhone erfasst und nicht in die Cloud geladen. Dennoch hagelte es Kritik von Sicherheitsexperten. Darauf reagiert Apple nun mit einer  neuen Beta-Version von iOS 13.3.1 , in der die Ortserfassung von Hand abgeschaltet werden kann.

Zu finden ist dieser Schalter in den Systemeinstellungen unter Ortungsdienste. Die Deaktivierung der „Netzwerk und Drahtlosanbindung“ könne laut Apple aber Auswirkungen auf die Leistung von "Bluetooth, Wi-Fi und Ultrabreitband" haben. Die Funktion des Ultrabreitband-Chips soll die Erfassung von Geräten im Nahbereich verbessern. Offenbar plant Apple kleine Tagging-Geräte, mit denen man Schlüssel oder andere Dinge per Smartphone orten kann. Daher wird der Chip derzeit beim iPhone 11 und iPhone 11 Pro zum Datenaustausch per Airdrop genutzt. Damit sollen sich die Geräte schneller finden und der Transfer soll schneller erfolgen.

Sono Sion: E-Auto erreicht Crowd-Funding-Ziel

Das in München ansässige Startup Sono Motors hat am vergangenen Wochenende sein Crowd-Funding-Ziel für das Elektro-Auto Sion erreicht. Wie das Unternehmen über den Micro-Blogging-Dienst Twitter bekannt gab , konnten für die Entwicklung und Produktion des Sono Sion mittlerweile 51,6 Millionen Euro eingesammelt werden. Die Aktion läuft noch bis heute Abend. Unterstützer können aus unterschiedlichen Optionen wählen. Sie können spenden, sich ein E-Auto mit einer Anzahlung zwischen 500 und 25.500 Euro reservieren oder Sono Motors ein Darlehen gewähren, auf das ihnen das Unternehmen Zinsen zahlt.

Beim Sion von Sono Motors handelt es sich um einen E-Van mit fünf Türen. Die integrierte Batterie fasst 35 Kilowattstunden und soll eine durchschnittliche Reichweite von bis zu 250 Kilometern bieten. Die Besonderheit am Sion: In der Außenhaut des E-Autos sind Solarzellen verbaut, die den Wagen je nach Sonnenstunden täglich mit bis zu 35 zusätzlichen Kilometern Reichweite versorgen sollen. Der Sion soll nur 25.500 Euro kosten. Die Produktion soll voraussichtlich im Herbst 2021 anlaufen.

12 Milliarden gestohlene Zugangsdaten: Polizei zerschlägt illegale Online-Börse

In einer weltweiten Aktion haben Polizeibehörden aus den USA, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Nordirland die Webseite WeLeakInfo.com am 15. Januar 2020 offline genommen, deren Server beschlagnahmt und die Betreiber verhaftet. Denn über Weleakinfo.com sollen 12 Milliarden gestohlene Zugangsdaten angeboten worden sein. Auf der gesperrten Webseite sieht man jetzt einen entsprechenden Hinweis. Laut Zdnet soll die Webseite unter Hackern einen sehr guten Ruf gehabt haben.

Wie der Pressemitteilung der zuständigen US-Staatsanwaltschaft zu entnehmen ist, stellte Weleakinfo.com seinen Nutzern eine Suchmaschine zur Verfügung, mit der diese gezielt nach bestimmten gestohlenen Zugangsdaten unter den insgesamt rund 12 Milliarden Datensätzen suchen konnten. Diese riesige Datenmenge stammte aus über 10.000 unterschiedlichen Quellen. Die 12 Milliarden Datensätze waren für die Suche auf Weleakinfo.com indexiert worden – die Nutzer konnten also zum Beispiel nach Klarnamen, Mailadressen, Benutzernamen, Telefonnummern und Passwörtern recherchieren.

Das Geschäftsprinzip von Weleakinfo.com war ein Abo-Modell; das Abonnement ging wahlweise über einen Tag (für zwei Dollar Nutzungsgebühr), eine Woche (für sieben Dollar), einen Monat (für 25 Dollar) oder über drei Monate (für 70 Dollar). Allen Abonnenten versprachen die Betreiber Rund-um-die-Uhr-Support.

Wer den Zugang zu Weleakinfo.com abonniert hatte, konnte nach Lust und Laune nach den für ihn spannenden Zugangsdaten recherchieren. Bezahlt wurde online. Die auf Weleakinfo.com angebotenen Zugangsdaten sollen für Cyberangriffe in Großbritannien, Deutschland und den USA benutzt worden sein, wie Bleeping Computer schreibt.

Die US-Staatsanwaltschaft bittet um Hinweis zu Weleakinfo.com und deren Betreibern über dieses Online-Formular.

Als Verdächtige nahm die Polizei in Nordirland einen Iren und in den Niederlanden einen Niederländer fest, wie The Register berichtet. Beide Verhafteten sind 22 Jahre alt. Zumindest der in Nordirland Verhaftete befindet sich gegen Kaution auf freiem Fuß. Die beiden Männer sollen bis zu ihrer Festnahme rund 234.570 Euro Einnahmen mit ihrer Webseite erzielt haben.

Amazon plant Bezahlfunktion per Handflächen-Scan

Amazon will das Bezahlen in Fast-Food-Restaurants und Café-Ketten vereinfachen. Kunden sollen dort in Zukunft ihre Handfläche auf einen entsprechenden Scanner legen können, um damit die Zahlung zu bestätigen. Dafür wird die individuelle Linien-, Venen- und Knochenstruktur der Handfläche mit der Kreditkarte des Nutzers verknüpft. Entsprechende Bezahlterminals sollen schon bald in den USA Einzug halten.

Einen Patentantrag für das Bezahlen per Handflächen-Scan hat Amazon bereits beim US-Patentamt eingereicht. Der Antrag war im vergangenen Jahr durch das IT-Magazin Recode geleaked worden. Damals gingen Branchenexperten noch davon aus, dass die neue Bezahlfunktion per Handschlag vorerst nur in den Amazon-Go-Supermärkten sowie in den Geschäften der Ladenkette Whole Foods zum Einsatz kommen soll. Aktuellen Informationen des Wall Street Journal zufolge, befindet sich Amazon jedoch derzeit auch in Verhandlungen mit anderen Unternehmen, die entsprechende Terminals in ihren Filialen aufstellen wollen. Amazon führt Gerüchten zufolge außerdem Gesprächen mit Visa und Mastercard. Die Kreditkarten-Unternehmen sollen die Kreditkarten-Daten der Nutzer mit ihrem Handflächen-Scan verknüpfen. Mit Visa soll es dafür bereits erste Tests geben.

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