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Morgenmagazin vom Dienstag, 22. November

22.11.2016 | 06:53 Uhr |

Das Ende der Time Capsule ist nah +++ Marge des iPhones sinkt weiter +++ Sicherheitsforscher nützt Lücke bei USB aus +++ Coffee Lake: Neue Sechskern-Prozessoren von Intel +++ Kein Notruf bei VoLTE und WiFi-Calling – so erreichen Sie dennoch die 110 und 112! +++ GoPro-Rückruf: Karma-Käufer bekommen eine Hero-5-Kamera

22. November: The Sound of Musik

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Wenn man heute Kinder und Jugendliche fragt, welche Instrumente sie denn spielen, sagen sie meistens: "iPhone und iPod". Früher war gewiss nicht alles besser, aber vieles anders. Damals lautete die Antwort: "Plattenspieler und Radion". Seien wir also nicht zu kulturpessimistisch, das Erlernen eines Musikinstruments ist eben nicht jedem gegeben. Es erfordert Ausdauer, Hingabe und Konzentration - und vor allem auch das Vorbild der Verwandten, Bekannten und Freunde. Wenn denn nämlich am Feierabend auch die Eltern lieber die Füße hochlegen und via iPad in der Zeitung von morgen schmökern, anstatt zur Gitarre zu greifen oder sich an das Klavier zu setzen, woher soll der Nachwuchs denn Lust bekommen, selbst zu Musizieren? Zumal sich die am meisten bewunderten Berufe in den vergangenen drei Jahrzehnten, also über gut eine Generation hinweg, deutlich geändert haben. Was früher der Rockstar mit Plattenvertrag und Hitsingle war, ist heute der YouTuber mit Millionen von Abonnenten. Früher hatte man gemeint, man müsse nur drei Akkorde lernen und könne selbst vor Zehntausenden auf die Bühne gehen und Millionen von Platten verkaufen, ist der Trugschluss heute der, dass man nur seine Streifzüge durch virtuelle Welten auf Mac und PC aufzeichnen und hochladen muss, schon kommt der Ruhm von allein.

Aber wie gesagt, Kulturpessimismus ist nicht angebracht, greifen wir lieber zum Instrument, und wenn es die Fernsteuerung für die Rockstar-Spiele in Form einer Gitarre ist. Denn der 22. November ist nicht nur der Heiligen Cäcilie von Rom gewidmet, der katholischen Patronin der Kirchenmusik, sondern vor allem als Tag der Hausmusik im Kalender etabliert. Wichtig ist hierbei aber das gemeinsam Spielen, Hören und Erleben, sonst ist es nur Gedudel. Die wenigsten von Ihnen werden daheim eine Kirchenorgel stehen haben, um den Cäcilientag angemessen zu begehen, aber ein Klavier tut es ja auch. Vielleicht mal wieder ein Stück von Billy Joel spielen, muss ja nicht das sehr anspruchsvolle "Angry Young Man" sein oder das nicht minder schwere "Piano Man". Gerade heute auch empfehlenswert die Hit-Single des 89er-Albums "Stormfront" – "We Didn't Start The Fire". Sie wissen schon: Die auf 4:51 Minuten komprimierten Jugenderlebnisse der US-Nachkriegsgeneration. Besonders die Zeile vor dem vierten Refrain wird uns heute wieder einen Schauer über den Rücken jagen: "JFK - Blown away, what else do I have to say?" Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Ausgefunkt: Apple zieht sich nicht nur aus dem Geschäft mit Monitoren zurück und lässt auf das Cinema Display keinen Nachfolger mehr folgen, auch Router sind für den Mac-Hersteller ein Thema der Vergangenheit. Wie Bloombergs Mark Gurman berichtet, habe Apple die entsprechende Abteilung aufgelöst und die Ingenieure, die an Time Capsule, AirPort Extreme und Airport Express arbeiteten, mit anderen Aufgaben betraut. Die Funkrouter und Access-Points hatten seit drei bis vier Jahren schon keine Upgrades mehr erhalten und waren mangels Modem auch nicht als Stand-Alone-Geräte für den Privathaushalt geeignet. Immerhin hatte die Time Capsule auch eine nicht unwichtige Nebenrolle als externe Festplatte für Time-Machine-Backups gespielt.


Gegenangebot möglich: Ende letzter Woche wurde bekannt, dass Samsung den Hersteller Harman mit seinen Marken wie Harman Kardon, AKG und JBL für 8 Milliarden US-Dollar aufkaufen will, der Aktienkurs des Unternehmens schnellte seither um über 20 Prozent in die Höhe. Noch ist das Geschäft aber nicht abgeschlossen, so spekulieren nun Finanzexperten, dass Apple dazwischen grätschen könnte. Interessant ist an Harman nicht nur die Audio-Sparte, deren Umsatz sich in den nächsten fünf Jahren verdoppeln könnte, sondern auch die Expertise des Unternehmens in User Interfaces und Displays. Ein mögliches Gegenangebot könnte aber auch lediglich das Ziel haben, den Preis in die Höhe zu treiben. Apple wäre ohne Weiteres in der Lage, 10 bis 12 Milliarden US-Dollar zu bieten. Zum Vergleich: Für Beats zahlte Apple vor etwas mehr als zwei Jahren 3 Milliarden US-Dollar.

Weniger Ertrag: Apple zieht aus seinem iPhone-Business nach wie vor Margen von 40 Prozent, doch sinkt das Verhältnis von Gewinn zu Umsatz über die Jahre immer mehr. 2009 waren es noch fast 60 Prozent, im kommenden Jahr wird die Marge laut Experten erstmals unter 40 Prozent liegen. Der Trend zu immer größeren Bildschirmen sei eine Ursache, Apple könne die Preise nicht im gleichen Maße erhöhen wie die Produktionskosten steigen. Zusätzlich setze der Wettbewerb Apple immer mehr unter Druck. Ironischer Weise drückt sogar die starke Nachfrage nach dem iPhone 7 die Marge, denn Apple musste zu hohen Kosten die Kapazitäten erhöhen.


Neuauflage: Ende November wünscht man sich den Sommer zurück, das Wetter dieser Tage lässt zumindest hinsichtlich Temperatur wenig zu wünschen übrig. Einer der Hypes des Sommers ist abgeflacht, ein wenig zu Unrecht, meinen unsere Kollegen der Macworld. Denn es gibt gute Gründe, sich wieder auf die Jagd zu begeben, seit dem Sommer hat die Apple Pokemon Go einige interessante Erweiterungen und Verbesserungen erhalten. Etwa Special Events wie zu Halloween, tägliche Boni oder ein verbessertes Training. Zudem sollen bald 100 neue Taschenmonster auf der Bildfläche erscheinen.

Proof of Concept: Der Sicherheitsforscher Samy Kamkar hat gezeigt, dass er mit einem auf dem Raspberry Pi basierenden USB- oder Thunderbolt-Dongle in zuvor genutzte Web-Logins einbrechen kann. Das geschieht auf Macs, Windows- und Linuxmaschinen und auch dann wenn der Rechner im Ruhezustand ist und/oder von einem Passwort geschützt. Kamkar macht sich bei seiner Attacke zunutze, dass die Rechner beim Anstecken eines Dongles diesen automatische ihrem Netzwerk hinzufügen. Die gute Nachricht: Der Angreifer bräuchte für seine Attacke für etwa eine Minute physischen Zugriff auf den Rechner und wenn man den Browser schließt, bevor man das Laptop zuklappt, funktioniert der Hack nicht.

Doom I : Apple ist nicht mehr innovativ, zumindest nicht mehr so wie zu Steve Jobs' Zeiten lautet die Klage seit Jahren. Wenn dem so wäre – Folgen sind davon nicht zu sehen. Das werde sich aber in den nächsten zehn Jahren ändern, meint der Analyst Andrew Uerkwitz, der eine "Dekade der Malaise" für Apple anbrechen sieht. Das iPhone-Geschäft sei gesättigt, Apple habe zum zehnten Geburtstag des Geräts im kommenden Jahr 1,2 Miliarden Stück verkauft, aber werde damit kein weitere Wachstum mehr erzeugen. Und die auch von Apple betonten Wachstumsfelder in den Services wären starkem Wettbewerb etwa durch Dropbox oder Spotify ausgesetzt.

Doom II: Ein Hack zeigt, dass auch rund um Apple-Produkte sehr wohl noch Innovationen möglich sind. Im inoffiziellen Wettbewerb "Kann man Doom auf jedem Bildschirm laufen lassen?" hat nun auch die Touch Bar des neuen Macbook Pro ihren Beitrag geleistet. Denn ja, auch auf das Display mit 2170 mal 60 Pixeln lässt sich der legendäre Shooter portieren. Damit fügt sich die Touch Bar in eine Reihe ein, die von Geldautomaten, Canon-Druckern, Oszilloskopen und einem LED-Truck gebildet wird. Die Anwendung ist aber wenig nutzerfreundlich, dank des verqueren Seitenverhältnisses ist Doom kaum spielbar - aber es funktioniert.

Weitere Nachrichten:

Coffee Lake: Neue Sechskern-Prozessoren von Intel

Bislang sind Intel-Prozessoren mit sechs Kernen nur für teure High-End-Systeme verfügbar. Dies könnte sich schon Mitte 2018 ändern. Einem unbestätigtem Leak zufolge, will Intel mit Coffee Lake Sechskern-Prozessoren für Mainstream-PCs in den Handel bringen. Die neunte Core-Generation soll jedoch weiterhin im 14-Nanometer-Verfahren gefertigt werden.

Ob Coffee Lake auch weiterhin auf den Sockel LGA1151 setzt, bleibt hingegen unklar. Die Die-Fläche von Coffee Lake soll bei Sechskern-Prozessoren 149 Quadratmillimeter betragen. Die Vierkern-CPUs von Coffee Lake kommen hingegen mit 126 Quadratmillimetern aus.

Schon im ersten Quartal 2016 will Intel mit Kaby Lake die Skylake-Prozessoren im Desktop-Bereich beerben. Gegenwind bekommt Intel durch AMD. Der Konkurrent will schon Anfang 2017 Zen-Prozessoren mit acht Kernen für Heimanwender in den Handel bringen.

Kein Notruf bei VoLTE und WiFi-Calling – so erreichen Sie dennoch die 110 und 112!

112 – unter dieser Nummer erreicht man europaweit die jeweilige Rettungsleitstelle und damit im Notfall Hilfe, selbstverständlich auch aus dem Mobilfunknetz. Das funktioniert allerdings nur mit dem klassischen GSM-Netz, nicht mehr bei der reinen IP-basierten Telefonie. Zwar sind die Techniken Voice over LTE (VoLTE) und WiFi-Calling noch nicht wirklich verbreitet, wer aber – unter Umständen unwissentlich – damit unterwegs ist, kann im Notfall weder die Feuerwehr oder einen Notarzt unter der 112 noch in Deutschland die Polizei unter der 110 wählen. Darauf weist die Telekom in ihrer „Leistungsbeschreibung Mobilfunk“ seit kurzem auch ausdrücklich hin. Dort heißt es: „Mit betriebsbereiter SIM-Karte und Verfügbarkeit des öffentlichen Mobilfunknetzes sind – mit Ausnahme des in Satz 3 genannten Falles – die Notrufnummern 110 und 112 erreichbar … Wenn für Sprachtelefonie im öffentlichen Mobilfunknetz ausschließlich die Mobilfunktechnologie LTE (4G) verfügbar ist, sind derzeit Notrufe zu den Notrufnummern 110 und 112 nicht möglich. Ebenfalls sind Notrufe zur 110 und 112 nicht möglich, wenn für die Sprachtelefonie nur ein WLAN-Netz verfügbar ist (so genannter WiFi-Call oder WLAN Call).“

Das zu wissen, kann im Ernstfall Leben retten, weil Sie dann schnell auf das herkömmliche Mobilfunknetz umschalten können. Bei der Verwendung von WiFi-Calling (bei der Telekom „WLAN Call“ genannt) unterbrechen Sie einfach die Datenverbindung. Dazu tippen Sie unter Android auf „Einstellung -> Datennutzung -> Mobilfunkdaten“, unter iOS auf „Einstellungen -> Mobile Netze -> Mobile Daten“. Hat sich Ihr Telefon auf VoLTE eingebucht, weil der Mobilfunkvertrag und die betreffende Funkzelle das erlauben, unterbinden Sie die Telefonie über LTE. Auf einem Android-Gerät erledigen Sie das über „Einstellung -> Mehr -> Mobilfunknetze -> Bevorzugter Netztyp“: Hier deaktivieren Sie die ansonsten durchaus sinnvolle Option „4G (empfohlen)“ und wählen stattdessen 2G oder 3G. Bei iOS heißen die Schritte „Einstellungen -> Mobiles Netz -> Datenoptionen -> Sprache und Daten -> 3G“ (oder 2G).

GoPro-Rückruf: Karma-Käufer bekommen eine Hero-5-Kamera

Action-Kamera-Hersteller GoPro veröffentlichte im Oktober mit der Karma seine erste Drohne. Der Verkaufsstart lief jedoch alles andere als reibungslos. Da die Drohne unvermittelt abstürzen kann, musste GoPro Anfang November eine Rückrufaktion für alle bislang verkauften Einheiten starten.

Wie in dieser Woche bekannt wird, bekommen Käufer dabei nicht nur den Kaufpreis zurückerstattet, sondern erhalten auch eine Hero 5 Black im Wert von rund 429 Euro als Entschädigung von GoPro. Karma-Käufer können den Rückruf über die englische GoPro-Website gopro.com/2016karmareturn abwickeln. Der Versand der Hero-5-Kamera erfolgt laut GoPro nach der Erstattung des Kaufpreises.

Ob GoPro nach dem Rückruf eine überarbeitet Version der Karma-Drohne veröffentlichen wird, ist unklar. Zum Marktstart kostete die Drohne hierzulande rund 870 Euro und im Bundle mit der Hero 5 Black rund 1.200 Euro.

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