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Morgenmagazin vom Dienstag, 26. Juli 2016

26.07.2016 | 06:54 Uhr |

Bob Mansfield soll Apple Car entwickeln +++ Skype geht in die Cloud +++ Nintendos Aktienkurs fällt wieder +++ Apple gründet Karten-Team für Deutschland +++ Deutsche Software-Firma verklagt US-Kriegsmarine wegen 558.466 Raubkopien +++ Verizon kauft Yahoos Internetgeschäft für 4,8 Mrd. Dollar +++ Netflix erhöht Preis für Bestandskunden +++ Katwarn: So erhalten Sie Katastrophen-Warnungen aufs Smartphone

26. Juli: We call it a Klassiker

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Heute Abend um 22 Uhr MESZ wird Apple die Bilanz für sein drittes Geschäftsquartal 2015/16 vorlegen und vermutlich einiges zu erklären haben. Nicht unwahrscheinlich, dass alle drei separat voneinander ausgewiesene Hardware-Säulen des Unternehmens gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres verloren haben werden, insbesondere beim iPhone könnte das Minus trotz des bisher überraschend erfolgreichen iPhone SE dramatisch ausfallen. Was man dabei vergisst: Apple wird zwar zurückfallen, aber auf ein immer noch sehr hohes Niveau. Als ob man vom höchsten Gipfel der Region auf ein Hochplateau abgestiegen ist. Um womöglich den nächsten Gipfel bald in Angriff zu nehmen, der da recht viel versprechend einen Tagesmarsch entfernt im Nebel liegt und von dem man nicht weiß, wie hoch er wirklich ist. Also, keine Panik, wenn es heute Abend und morgen früh wieder heißt: "iPhone-Umsätze brechen dramatisch ein. Apple vor dem Aus." Zumal wir in Zeiten wie diesen uns einfach weigern, in schwankenden Umsätzen einer kerngesunden Firma ein Drama sehen zu wollen.

Dramatisch und existenzbedrohend waren für Apple aber die mittleren Neunziger Jahre. Wir erinnern uns: Der Newton war - seiner Zeit voraus - am Markt gescheitert. Apple hatte sich bei seinen Macs gewaltig verzettelt und ein unübersichtliches Angebot geschaffen. Der Umstieg von der 68k-Plattform auf den PowerPC verlief schleppend. Microsoft hatte im Patentstreit gegen Apple klar gewonnen und konnte nun sogar in Windows 95 den Papierkorb einführen, ohne erneut vor den Kadi gezogen zu werden. Die Entwicklung eines neuen Betriebssystems, das den Anforderungen des anbrechenden Millenniums genügte, wurde bei Apple zum Fiasko. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, es mit Branchengrößen wie IBM oder Sun gemeinsam in Sachen Software gegen Microsoft aufzunehmen, kaufte Apple schließlich Ende 1996 Steve Job's neue Firma NeXT und vor allem deren auf Unix basierendes Betriebssystem NeXT Step, das schlussendlich in Mac-OS X aufging. Der Weg dahin war aber ein weiter, von der NeXT-Übernahme bis zum Release von Mac-OS X 10.0 Cheetah sollte es mehr als vier Jahre dauern.

Doch war System 7, wie das Betriebssystem von Apple schlicht und ergreifend hieß, arg in die Jahre gekommen, ein Zwischenschritt tat Not. Als einen solchen veröffentlichte Apple am 26. Juli 1997 MacOS 8, so die offizielle Nomenklatur. Das neue System, das nicht mehr nur einfach "System" hieß, brachte einige Neuerungen, die in den Jahren zuvor für den großen Wurf Copland entstanden waren. Dabei ist nicht nur die schicke Oberfläche "Platinum" mit ihrer 3D-Anmutung gemeint, sondern vielmehr das, was MacOS an Techniken mitbrachte. Der Finder konnte nun endlich auf dem PowerPC mehrere Threads auf einmal verarbeiten, die von Windows bekannten Kontext-Menüs zogen ein ebenso wie die Möglichkeit, den Schreibtischhintergrund mit (eigenen) Bildern zu gestalten. Etwa ein halbes Jahr später stand das Update auf MacOS 8.1 an, das mit HFS+ ein neues Dateisystem brachte, auf das Apple nach wie vor setzt. Erst mit einem Update von Sierra wird im kommenden Jahre das neue APFS scharf geschaltet.

Doch schon an seinem Erscheinungstag heute vor 19 Jahren war das heute als "klassisches System" bezeichnete MacOS vom Aussterben bedroht, weitere Updates bis zur Version 9.2.2 sollten noch folgen. Im Mai 2002 war dann endgültig Schluss - und Apple längst wieder in der Erfolgsspur, nicht zuletzt wegen Mac-OS X. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Comeback: Laut eines Berichts des Wall Street Journals hat Apple seinen beinahe legendären Hardwareingenieur Bob Mansfield in die Verantwortung für das ominöse Project Titan gebracht, in dem Apple angeblich an einem Elektroauto arbeitet. Mansfield war 1999 zu Apple gekommen und hatte bei zahlreichen Hardwareprojekten die Leitung innegehabt. Zuletzt war es etwas ruhiger um Mansfiled geworden, er hatte im Hintergrund die Verantwortung für spezielle Projekte übernommen, zuletzt für die Apple Watch. Mansfields Ernennung, die Apple offiziell genau so wenig bestätigt hat wie die Existenz des Projects Titan, würde zeigen, dass es der Mac-Hersteller mit der Entwicklung ernst meint. Indes dürfte das Apple Car nicht vor 2021 serienreif werden, berichtet The Information.

Neue Architektur: Microsoft hat angekündigt, seine von eBay übernommene Kommunikationssoftware Skype in die Cloud zu verlegen und damit zu zentralisieren. Seit seinen Anfangstagen hatte Skype auf Peer-to-peer-Protokolle gesetzt, zu Zeiten seiner Gründung um die Jahrtausendwende vor allem aus Gründen der Performance in einem noch schwach ausgebauten Netz. Was Vorteile bei der Einführung neuer Funktionen haben könnte, löst jedoch Sorgen um die Sicherheit und die Verschlüsselung aus. Microsoft verspriocht jedoch, die Security-Policy von Skype unangetastet zu lassen, bleibt aber hinsichtlich der grundsätzlichen Möglichkeiten zum Abhören von Skyp-Gesprächen vage.

Eine Frage der Zeit: Auf ein unangenehmes Problem ist unser Kollege Roman Loyola gestoßen, als er auf einem etwas älteren Rechner von einem USB-Stick El Capitan installieren wollte. Der Installer verweigerte den Dienst, der Grund war auch recht schnell in Erfahrung gebracht: Das Datum auf dem Rechner stimmte nicht. Unglücklicher Weise war der Rechner bereits formatiert und ließ sich nicht mehr booten, um über die Systemeinstellung Datum und Uhrzeit korrekt zu setzen. Hier hilft aber das Terminal weiter, Loyola zeigt, wie das geht.

Erinnerung: Die Zeit läuft ab, nur noch bis diesen Freitag kann man sich das kostenlose Upgrade auf Windows 10 besorgen. Das ist auch für Mac-Anwender relevant, die Windows 7 oder 8 auf einer virtuellen Maschine oder der Boot-Camp-Partition betreiben.

Hype : Die Aufregung um Pokémon Go nimmt langsam wieder ab, der sprunghaft angestiegene Aktienkurs Nintendos erfährt an der Börse von Tokio Korrekturen und pendelt sich wieder auf normale Maße ein - Anleger haben wohl entdeckt, dass Nintendo nur einen Teil der durch den Hype generierten Umsätze einstreicht. Indes denken die Macher des Spiels auf der Messe Comic-Con laut darüber nach dem Spiel einige Upgrades zu verpassen. So sollen die Spieler Pokémons mit neuen Modulen besser anlocken können, an bestimmten Pokéstops könnten auch verletzte virtuelle Monster ihre Kräfte auffrischen.

Weitere Nachrichten

Apple gründet Karten-Team für Deutschland

Am 18. April hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Bericht gebracht, Apple baue in Deutschland ein geheimes Team auf, zum Automobil-Projekt "Titan" sollten die angeheuerten Kräfte forschen. Dazu werbe Apple die Spitzenkräfte bei der Konkurrenz ab, das geheime Apple-Büro habe seinen Sitz in Berlin. Wenige Monate später berichtet die Berliner Zeitung über " ...ein geheimes Labor in Berlin ".

Das Labor setzt seinen Forschungsschwerpunkt aber nicht auf das selbstfahrende Auto, sondern auf den Kartendienst von Apple – Apple Maps. Nach Berichten der Zeitung arbeiten mehrere Angestellte daran, die Informationen der öffentlichen Verkehrsmittel in die Apple Maps zu integrieren. Seit iOS 9, vorgestellt im Herbst 2015, kann man nur in Berlin auf dem iPhone in den lokalen S-Bahnen, U-Bahnen und Bussen navigieren. Die restlichen großen Städte müssen auf Google Maps oder örtliche Apps ausweichen. Die Berichte der Berliner Zeitung bestätigen die aktuellen Stellenangebote im Job-Portal von Apple. Momentan sucht die Personalabteilung zwei Kräfte in Berlin, die das Karten-Team unterstützen sollen: einen Software Development Engineer in Test for Maps team und einen Software Engineer – Maps Compilation . Dabei bleiben natürlich die Fragen, ob es sich bei den Berichten von FAZ und der Berliner Zeitung doch noch um das gleiche Team handelte und ob und wann Apple die Infos zu den öffentlichen Verkehrsmitteln in den deutschen Städten bringt.

Deutsche Software-Firma verklagt US-Kriegsmarine wegen 558.466 Raubkopien

Die Bitmanagement Software GmbH ist eine Software-Firma in Oberbayern, gelegen am Starnberger See. Die wackeren Oberbayern verklagen nun die US-Kriegsmarine, wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe berichtet : Wegen Urheberrechtsverletzung in 558.466 Fällen will Bitmanagement vor einem US-Bundesgericht rund 600 Millionen US-Dollar von der amerikanischen Regierung erstreiten, wie aus der Klageschrift hervorgeht. Die US-Seekrieger sind also Raubkopierer.

Konkret lautet der Vorwurf, dass die US-Marine - genauer: das Naval Facilities Engineering Command NAVFAC - die 3D-Software BS Contact Geo von Bitmanagement mindestens 558.466 Mal unerlaubt kopiert und danach verwendet habe. Bitmanagement beschreibt die von der US-Marine benutzte, aber nicht lizenzierte Software folgendermaßen: „Diese Software ist eine stabile und leistungsstarke Visualisierungssoftware für digitale Inhalte aus Geo Informationssystemen (GIS). BS Contact Geo erweitert die BS-Produktpalette durch Abstimmung der Software auf die spezifischen Anforderungen im GIS-Umfeld z.B. durch die Unterstützung spezieller ISO Standardformate wie CityGML und Geo-Knoten“.

Laut Bitmanagement habe die Firma der US-Marine in den Jahren 2011 und 2012 Lizenzen für 38 Kopien der Software ausgestellt, da die Navy das Programm testen wollte. Eine Lizenz kostet 800 Euro. Für diese 38 Lizenzen zahlte die US-Marine.

Bitmanagement selbst habe den eigentlich vorhandenen Kopierschutz abgeschaltet, damit die US-Marine die 3D-Software in ihr System zu Testzwecken integrieren konnte. Bitmanagement betont aber in seiner Klageschrift, dass die US-Marine signalisiert habe, anschließend eine große Zahl Lizenzen für den Einsatz kaufen zu wollen. Doch bevor die Verhandlungen über den Kauf weiterer Lizenzen zu einem erfolgreichen Abschluss kamen, habe die US-Navy bereits illegale Kopien von BS Contact Geo auf weiteren Rechnern – die Rede ist von 558.466 Computern  - installiert. Das habe Bitmanagement im Herbst 2013 durch weitergeleitete Mails erfahren. Bitmanagement forderte daraufhin Nachzahlungen von der US-Marine. Erfolglos. Deshalb verklagt das Unternehmen nun die US-Regierung.

Bitmanagement fordert jetzt pro Lizenz 1067,76 Dollar (knapp 927 Euro), insgesamt über 596.000.000 Dollar, was umgerechnet zirka 542 Millionen Euro sind.

Verizon kauft Yahoos Internetgeschäft für 4,8 Mrd. Dollar

Marissa Mayer hat anscheinend endlich einen Käufer gefunden: Der US-amerikanische Telekommunikationskonzern Verizon will laut Bloomberg den angeschlagenen Internet-Pionier Yahoo für rund 4,8 Milliarden US-Dollar (knapp 4,4 Milliarden Euro) übernehmen. Yahoo wolle demnach das Internet-Geschäft, also den Kern von Yahoo, sowie Yahoos Immobilien (zumindest teilweise) übernehmen. Damit endet die Geschichte des Internet-Pioniers Yahoo als eigenständiges Unternehmen.    

Der Rest von Yahoo, unter anderem mit den Beteiligungen an dem chinesischen Internetkonzern Alibaba und dem Anteil an Yahoo Japan, bleibt als eigenständiges Unternehmen übrig. Dort soll wohl auch ein Teil des „intellektuellen Eigentums“ – gemeint sind damit wohl Patente – zunächst verbleiben, um dann separat verkauft zu werden.

Verizon besitzt mit AOL bereits einen Internet-Pionier. Marktbeobachter gehen davon aus, dass Verizon dieses Standbein durch die Übernahme von Yahoo stärken will, um damit Google und Facebook besser Paroli bieten zu können im Kampf um die Marktanteile im Internet. Verizon wäre nach der Übernahme der drittgrößte Player bei der Internetwerbung, hinter Google und Facebook.

Marissa Mayer sucht schon länger einen Käufer für Yahoos Kerngeschäft. Unter anderem hieß es in der Vergangenheit, dass Yahoo über 3000 Patente und die damit zusammenhängenden Anwendungen verkaufen wolle. Laut Yahoo soll es sich dabei um grundlegende Patente für Websuche und Online-Werbung sowie Cloud-Technologien handeln. Das klingt nach einem wahren Schatz.

Yahoo gehört zu den Internet-Pionieren. Das US-Unternehmen hat die Anfänge des Internets wesentlich mitgeprägt, dann aber den Anschluss verloren und sucht nun schon seit Jahren nach einem neuen funktionierenden Geschäftsmodell.

Laut Wall Street Journal soll die Investmentbank Black Stone IP den Verkauf durchführen. Interessierte Bieter können bis Mitte Juni noch ihre Gebote abgeben, wie Reuters schreibt.

Yahoo kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Der Internet-Pionier versucht seit vielen Jahren erfolglos, ein neues Geschäftsmodell irgendwo zwischen Google, Apple, Facebook, Instagram und anderen angesagten IT-Unternehmen zu finden. Doch CEO Marissa Mayer, die vor ihrem Wechsel auf den Chefposten von Yahoo einst bei Google an so erfolgreichen Produkten wie Googlemail, der Google Suche und den ortsbezogenen Diensten mitgearbeitet hat, findet kein Erfolgsrezept. Das Hauptgeschäftsfeld von Yahoo, nämlich Online-Werbung, wächst kaum und wirft vor allem keine Gewinne ab, sondern Yahoo schreibt Verluste: Rund 4,43 Milliarden Dollar im letzten Jahr, wie das Unternehmen im Februar mitgeteilt hat.

Der Riesenverlust wird aber auch durch Abschreibungen verursacht, unter anderem wegen des Nordamerika-Geschäfts und wegen der Tumblr-Übernahme.

1700 Menschen müssen gehen

Schon Ende 2015 gab es Gerüchte. Marissa Mayer teilte mit, dass weitere 15 Prozent der Yahoo-Mitarbeiter gehen müssen, also rund 1700 Menschen. Yahoo schließt seine Büros in Dubai, Mexico City, Buenos Aires, Madrid und Mailand. Ende 2016 soll die Zahl der Mitarbeiter auf 9000 zuzüglich 1000 Externer gesunken sein. Gegenüber dem Jahr 2012 würde das eine Reduzierung der Belegschaft um 42 Prozent bedeuten.

Netflix erhöht Preis für Bestandskunden

Die letztjährige Preiserhöhung bei Netflix gilt ab dem 22. August auch für die Bestandskunden. Damit endet die bisherige Schonfrist und der monatliche Preis für das Standard-Abo steigt von 8,99 Euro auf 9,99 Euro. Über die Preiserhöhung informiert Netflix die betroffenen Kunden per Mail. "Ihr Vorzugspreis läuft nun aus und Ihr neuer Preis wird ab 22.08.16 9,99 Euro pro Monat betragen", heißt es in der Mail. Und weiter: "Bitte besuchen Sie netflix.com, um die Einzelheiten dieser Änderung sowie Ihre Wahlmöglichkeiten im Hinblick auf Abos und Preise einzusehen."

Keine Änderungen gibt es bei den beiden anderen Abo-Stufen "Basis" (7,99 Euro/Monat) und "Premium" (11,99 Euro/Monat). Mit dem Basis-Tarif können maximal auf einem Gerät gleichzeitig Netflix-Inhalte angeschaut werden und dies nicht mit HD- oder Ultra-HD-Auflösung. Beim Standard-Tarif sind HD-Inhalte verfügbar und es können auf bis zu zwei Geräten gleichzeitig Netflix-Inhalte betrachtet werden. Beim Premium-Tarif erhöht sich die Anzahl auf vier Geräte und zusätzlich zu HD- sind auch Ultra-HD-Inhalte verfügbar. Weitere Infos zu den Tarifen finden Sie auf dieser Netflix-Seite.

 

Katwarn: So erhalten Sie Katastrophen-Warnungen aufs Smartphone

Nach dem schrecklichen Amok-Lauf in München am Freitagabend (22.7.2016 ab zirka 17:52 Uhr) lärmte mein Smartphone - zeitlich etwas verzögert zu den Ereignissen am OEZ - mehrmals lautstark los: Katwarn schlug Alarm. Allerdings lief die Warn-App regelrecht selbst Amok und legte immer wieder neu los, ohne dass sich am Inhalt des Alarms etwas geändert hatte. Entnervt deaktivierte ich die App. Perfekt hatte die App auf meinem Smartphone also nicht funktioniert, doch offensichtlich traf es viele Katwarnnutzer noch schlimmer: Sie erhielten überhaupt keine Warnungen oder diese nur viel zu spät, wie aus den Kommentaren unter diesem Tweet zum Freitagabend-Einsatz hervorgeht: „Amok München - insgesamt 3 Warnungen nach 20 Uhr ausgelöst: 2 von Stadt und 1 von Landkreis München. #KATWARN hat entsprechend übermittelt.“

Mittlerweile haben die Verantwortlichen von Katwarn via Twitter die Probleme erläutert: „Durch parallele Belastung Unwetter und Amoklauf war Infrastruktur von #KATWARN kurzzeitig an der Grenze.“

Rund  250.000 Menschen nutzten Katwarn im Raum München am Freitagabend. Das Problem soll sich noch durch zeitgleiche Unwetterwarnungen in anderen Teilen Deutschlands verschärft haben. Katwarn will reagieren und die Infrastruktur für seinen Warndienst verbessern.

Ein bundesweites Katastrophenwarnsystem, das bei einem wirklich wichtigen Einsatz, bei dem Hunderttausende Menschen betroffen sind, gleich mal überlastet ist. Das ist keine gute Werbung für Katwarn. Doch was ist Katwarn überhaupt?

Katwarn für iOS, Android und Windows Phone

Der Verband öffentlicher Versicherer ließ Katwarn vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) entwickeln. Katwarn ist eine kostenlose App für iOS und Android sowie Windows. Sie warnt basierend auf Meldungen von Polizei, Feuerwehr, Gemeinden/Städten und dem Deutschen Wetterdienst den Smartphone-Besitzer deutschlandweit mit kurzem Text und einer Kartenansicht vor Katastrophen und anderen Gefahrensituationen wie Großbränden, schweren Unwettern, Bombenfunden und so weiter. Die App weiß basierend auf den Lokalisierungsdaten von Mobilfunk-Basisstationen und WLAN-Zugangspunkten wo sich der Katwarn-Nutzer befinden und warnt ihn somit nur, wenn er tatsächlich von einem Alarm betroffen ist (Schutzengel-Modus). Außerdem kann man bis zu sieben Orte in der App eintragen, zu denen man eine Warnung erhalten möchte. Sobald ein Warn-Vorfall vorliegt, stößt die App mehrere laute Warntöne aus (die Freitagabend nicht zu überhören waren).

Die Warnungen sollen bis auf die kommunale Ebene ortsgenau nur an wirklich betroffene Nutzer versendet werden. Und nicht pauschal an alle App-Nutzer. Bei einer Warnung sehen Sie, vor war Sie gewarnt werden, wo genau das Problem besteht und wer warnt.

Das seit 2011 nutzbare Katwarn ist kostenlos, steht aber nicht in allen Orten zur Verfügung. Per Twitter informiert Katwarn, wenn neue Gemeinden Katwarn beitreten. Zuletzt kamen beispielsweise Landau und Bad Türkheim dazu.

Auch Warnungen per SMS

Wer kein Smartphone, sondern nur ein Handy besitzt, kann sich kostenlos per SMS warnen lassen. Für die Anmeldung zum SMS-basierten Katwarn schicken Sie eine SMS (für die gegebenenfalls Kosten im Rahmen Ihres Mobilfunkvertrags anfallen) mit der Postleitzahl des Ortes, für den Sie Warnungen empfangen wollen, an diese Telefon-Nummer: 0163 755 88 42 (diese Nummer können Sie nicht anrufen, nur SMS sind möglich!). Beispiel: „KATWARN 80807 online@pcwelt.de“ veranlasst, dass Katwarn ab sofort Warnungen für den Standort der PC-WELT-Redaktion an unser Handy schickt und zusätzlich auch noch an unsere Mailadresse. Die Angabe der Mailadresse können Sie aber weglassen, „KATWARN 80807“ reicht also auch. Die Warn-SMS, die Ihnen Katwarn dann schickt, kosten Sie nichts.

Voraussetzung ist natürlich, dass für die von Ihnen angegebene Postleitzahl Katwarn-Warnungen verschickt werden. Die Kölner Polizei beispielsweise verwendet Katwarn nicht.

App installieren und einrichten

Sobald Sie das kostenlose Katwarn für iPhone oder Android oder Windows Phone installiert haben, müssen Sie noch den Schutzengelmodus aktivieren und können zusätzlich noch die bis zu sieben Orte eingeben, für die Sie Warnungen erhalten wollen.

Gute Alternativen: Twitter und Facebook

Sie haben keine Garantie dafür, dass Katwarn im Ernstfall funktioniert. Gerade im Fall des Amok-Laufs von München hatten sich Facebook und vor allem Twitter als zeitnahe Warnungen bewährt. Mit der Einschränkung, dass auch viele Falschmeldungen und sogar bewusste Fakes über die sozialen Medien verschickt wurden. Speziell die Münchner Polizei warnte rasch via Twitter und Facebook. Die Münchner Polizei twitterte ihre Warnungen und Informationen während der Katastrophennacht sogar in unterschiedlichen Sprachen. Facebook aktivierte beim Münchner Amok-Lauf außerdem seinen Safety Check.

NINA

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bietet mit NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App) eine eigene Warn-App für iPhone und Android an. Wenn Sie nur an Umweltereignissen wie Gewitter, Glatteis oder Nebel interessiert sind, können Sie sich auch die Apps des Deutschen Wetterdienstes installieren. Für Android und iPhone.

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