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Morgenmagazin vom Dienstag, 26. Mai 2015

26.05.2015 | 07:14 Uhr |

Was heute wichtig wird: 26. Mai 2015 +++ Jony Ive wird Chief Design Officer und gibt Managementaufgaben ab +++ Steraming TV von Apple könnte sich weiter verzögern +++ Amazom zahlt Steuern in Deutschland +++ Banking-App Finanzblick soll demnächst für den Mac erscheinen +++ Steuerspar-Erklärung 2015: Beleg-Manager mit Cloud-Synchronisation +++ Audi zeigt Stau-Pilot: Autonom bis Tempo 60 +++ Zeven-OS - Das Retro-System mit moderner Technik

Was heute wichtig wird: 26. Mai 2015

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Zwei Wochen noch bis zur WWDC, bis dahin wird von Apple wenig Neues zu erwarten sein. Selbst auf der WWDC nicht, sowohl OS X 10.11 als auch iOS 9 werden ihre Innovationen vor allem in den Tiefen des Systems zeigen. Mit dem Streaming-Service für das Apple TV scheint es zudem noch schwieriger werden als gedacht, die Rechtesituation in den USA ist extrem unübersichtlich. Womöglich wird Apple daher gleich auch die neue Hardware - das Apple TV 4 - verschieben müssen. Also haben die Kollegen von Fortune Neues von Gestern ausgepackt , dabei aber einige interessante Details zu Tage gefördert. Die Industrie hat Apple völlig unterschätzt, als Steve Jobs vor mehr als acht Jahren das iPhone vorstellte (Nicht auf der WWDC, sondern auf der Macworld Expo), das ist soweit bekannt. In Erinnerung bleiben etwa Steve Ballmers abschätzige Bemerkungen, an denen Microsoft heute noch zu kauen hat, oder auch Samsungs hektische Aktivitäten, um das iPhone so schnell als möglich nachzubauen. Die Einschätzung von RIM-CEO Mike Lazaridis war ebenso fatal. Das kanadische Unternehmen, das heute Blackberry heißt, hatte mit den geichnamigen Geräten damals eine Art Monopol im Business - und fürchtete die Konkurrenz erst einmal nicht. Erstaunlich, was Apple da fabriziert habe, lautete die Einschätzung, aber das Netz von AT&T werde sicher bald zusammenbrechen, wenn die Telefone auf den Markt kommen. Für Unternehmen sei das iPhone völlig uninteressant, da es den Akku zu schnell leer sauge und außerdem überhaupt nicht sicher sei. Die Fakten mögen Lazaridis kaum zu widersprechen, das Begehr nach dem Computer in der Hosentasche, der auch telefonieren kann, war aber auch in Unternehmen so hoch, dass Blackberrys heute so gut wie ausgestorben sind. Prognosen sind eben immer schwieirig, wenn sie mit der Zukunft zu tun haben. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag:

Jony Ive wird Chief Design Officer: Zum 1. Juli wird Apples Chefdesigner Jonathan Ive den neu geschaffenen Posten des Chief Design Officers bei Apple bekleiden, hat das Unternehmen bekannt gegeben. In der neuen Funktion gibt Ive seine Management-Verantwortungen ab, Richard Howarth wird neuer Vice President of Industrial Design und ist als solcher für die Hardware zuständig, Alan Dye kümmert sich als Vice President of User Interface Design um das Aussehen von OS X und iOS. Die neue Konstruktion erlaube es Ive, neue Aufgaben zu übernehmen, etwa die Gestaltung der Apple Stores und des neuen Apple Campus. In Sachen Design bleibt ihm aber auch für Hardware und Software das letzte Wort, er wird sich nun aber nicht mehr um das tägliche Geschäft kümmern müssen.

Screenshot auf der Apple Watch : Während es für die Erstellung von Screenshots am Mac vielerlei Optionen gibt, ist das Abfotografieren des iPhone-Bildschirms naturgemäß simpler. Auch von der Apple Watch kann man den Bildschirminhalt festhalten ohne einen Fotoapparat oder das iPhone zur Hilfe zu nehmen, dazu drückt man einfach gleichzeitig die Krone und den Knopf auf der Seite. Die Aufnahmen landen direkt auf dem verknüpften iPhone.

Apples TV-Service vor Problemen: Den für den Herbst erwarteten TV-Streaming-Servie muss Apple wohl weiter verschieben. Die Verhandlungen mit Rechteinhabern ziehen sich laut Recode weiter hin. Insbesondere bei den Lokalsendern der großen TV-Netze wie ABC, CBS und Fox sei die Rechtelage höchst kompliziert.

Neue Steuerstrategie: Der Internetkonzern Amazon hat bisher alle seine europäischen Geschäfte in Luxemburg verbucht und dort entsprechend wenig Steuern gezahlt. Damit ist seit dem 1. Mai in Deutschland und Großbritannien Schluss, Gewinne will Amazon künftig dort versteuern, wo sie anfallen. Aufgrund von Lizenzzahlungen an die Zentrale könnten diese aber in den Niederlassungen recht gering ausfallen.

Weitere Nachrichten:

Banking-App Finanzblick soll demnächst für den Mac erscheinen

Finanzblick will sicheres Online-Banking für über 4000 Banken zur Verfügung stellen, wertet automatisch Ein- und Ausgaben aus, synchronisiert Daten und unterstützt aktuelle Bankstandards wie HBCI/FinTS. Das Programm gibt es bislang kostenlos für iOS, Android und Windows sowie direkt über das Web im Browser. Was demnach unter anderem noch fehlt, ist eine eigenständige Version für den Mac mit dem Betriebssystem OS X. Diese hat Buhl Data jetzt unter anderem auf seiner Facebook-Seit e angekündigt. Finanzblick für ”MacOS”, wie es dort heißt, sei ”bald da” und befindet sich derzeit in der Prüfung durch Apple. Dem Vernehmen nach sollen zu Beginn noch nicht alle bekannten Funktionen in der Mac-Applikation implementiert sein, aber per Update bald nachgeliefert werden. Zu rechnen ist mit dem Erscheinen Ende Mai.
Während Finanzblick in einem kürzlich erschienenen Test der Stiftung Warentes t lediglich mit einem ”befriedigend” (3,5 für die iOS-Version) abschloss und die Tester besonders die Nutzerfreundlichkeit sehr kritisch bewerteten, finden sich beispielsweise im App Store  für die iOS-Version überwiegend positive Bewertungen.
Derweil gibt es auch eine Finanzblick-App für die neue Apple Watch , die beispielsweise bei neuen Kontobewegungen eine Push-Mitteilung auf das Display der Apple-Uhr schickt.

Steuerspar-Erklärung 2015: Beleg-Manager mit Cloud-Synchronisation

Mit dem Beleg-Manager der Software ” SteuerSparErklärung ” können Nutzer ihre Belege ganz einfach digitalisieren, ordnen und in die Steuersoftware übernehmen, verspricht der Entwickler. Die Steuerzahler erfassen ihre Belege dafür mit ihrem Scanner und legen sie im Beleg-Manager ab. Mittels Optical Character Recognition (OCR/Texterkennung) werden die gescannten Daten automatisch ausgelesen und in der Belegübersicht dokumentiert. Von dort sollen sich alle Belegdaten per Mausklick automatisch übernehmen lassen. Das lästige Abschreiben der Belegdaten gehört damit der Vergangenheit an, ist sich der Anbieter der Software sicher. Ab sofort haben Anwender zudem die Möglichkeit, die digitalisierten Daten in der Cloud zu sichern. Die digitalen Belege werden dazu im kostenlosen Benutzerkonto auf Steuertipps.de hinterlegt. Nutzer, die keine Zeit oder Lust haben, ihre Belege selbst zu digitalisieren und den Scanservice der Akademischen Arbeitsgemeinschaft nutzen, erhalten ihre Belege über den gleichen Weg. Für diesen Service stecken Anwender die steuerrelevanten Belege und Quittungen in einen Umschlag und schicken ihn an den Scanservice. Gegen einen Aufpreis (ab 15 Euro), abgestuft nach der Häufigkeit der Belegerfassung (1 x jährlich; 4 x jährlich; 12 x jährlich) übernimmt dann der Service die Arbeit. Auch die vom Scanservice digitalisierten Daten werden auf dem Steuertipps.de-Benutzerkonto abgelegt und bei Bedarf kategorisiert im Beleg-Manager einsortiert. Anschließend können sie vom Nutzer in die Steuerspar-Erklärung übernommen werden.

Nutzer, welche die ”SteuerSparErklärung 2015” bereits erworben haben, erhalten den erweiterten Beleg-Manager mit allen neuen Funktionen, indem sie das aktuelle und kostenlose Update der Software installieren. Anwender, die ihre Belege für das Steuerjahr 2015 zeitnah erfassen möchten und im kommenden Jahr erstmals ihre Steuererklärung mit der Steuerspar-Erklärung erledigen wollen, können schon jetzt ihre Belege im Beleg-Manager der kostenlosen Testversion der Steuer-Software für Windows oder OS X erfassen. Die Systemvoraussetzungen für die ”SteuerSparErklärung 2015” auf dem Mac liegen bei OS X ab Version 10.7 (Lion). Die Steuerspar-Erklärung des Akademische Arbeitsgemeinschaft-Verlags gibt es in verschiedenen Varianten, in der Standard-Ausführung für PC oder Mac auf CD-ROM und als Download zu Preis von 25 Euro, weitere Lizenzen für umfangreiche Steuerfälle, Lehrer oder Selbständige, Rentner bis hin zur günstigsten Version ”STEUEReasy 2015 für einfache Steuerfälle” finden sich mit Sonderfunktionen und Preisen auf der Homepage des Entwicklers aufgelistet und beschrieben.

Einen ausführlichen Testbericht zu Mac-Online-Steuersoftware finden Sie auch auf Macwelt.de ( sechs Online-Steuererklärungen im Vergleich ).

Audi zeigt Stau-Pilot: Autonom bis Tempo 60

Die Testfahrt, an der wir teilnahmen, ging über einen der typischen Highways von Shanghai. Also eine gut ausgebaute, mehrspurige Stadt-Autobahn. Sobald unser Fahrer das Getümmel des dichten Innenstadtverkehrs von Shanghai verlassen hat – hiermit kommt der Stau-Pilot noch nicht zurecht – und unser Fahrzeug den Highway mit seinem vergleichsweise geregelten Verkehr auf den klar erkennbaren Fahrbahnen erreicht hat, schaltete sich der Stau-Pilot ein. Unser Fahrer konnte dann die Hände vom Lenkrad und die Füße von den Pedalen nehmen, der Audi A7 (mit Automatikgetriebe) fuhr ohne Eingriffe des Fahrers weiter. Möglich machen das die Radarsensoren (vorne jeweils links und rechts), der Laser (vorne in der Mitte unterhalb des Kühlergrills), die Mono-Kamera hinter dem Innenspiegel an der Windschutzscheibe und die rund um das Auto verbauten Ultraschallsensoren. Mit Ausnahme des Lasers handelt es sich dabei um Standard-Technik, die Audi bereits jetzt für seine Fahrzeuge anbietet.

Das zusätzliche Steuergerät, das alle von den Sensoren kommenden Umgebungsdaten verarbeitet, findet links hinten im Kofferraum hinter dem linken Rücklicht Platz. Unser Demonstrationswagen verfügte also über einen vollwertigen Kofferraum – das war vor einiger Zeit noch anders. Damals nahm der Rechner zur Verarbeitung der Sensordaten noch fast den ganzen Kofferraum ein. Unser Fahrer Dr. Björn Giesler erklärte uns, dass die Rechenleistung dieses zentralen Steuergerätes (zFAS) der Rechenleistung aller Steuergeräte eines modernen A4 entsprechen würde.

Der Stau -Pilot, wie ihn Audi uns heute auf den Straßen von Shanghai vorgeführt hat, wird von Audi ab 2017 im A8 angeboten werden. Er wird den Fahrer vom nervigen Stop-and-Go-Fahren im Stau bis Tempo 60 entlasten. Sobald der Audi jedoch die 60 km/h erreicht, erscheint eine Warnmeldung im Cockpit zusammen mit einem akustischen Signal. Der Fahrer muss nun wieder das Kommando übernehmen. Tut er das nicht innerhalb von zehn Sekunden, bremst das System den Audi bis zum Stillstand ab. In der Praxis bedeutet das aber, dass Auto-Fahrer, die oft mit einem Geschwindigkeit von um die 60 Stundenkilometer unterwegs sind, von dem Stau-Piloten nicht viel profitieren. Nur bei längeren Strecken mit unter Tempo 60 km/h bringt diese neue Fahrerassistenzfunktion wirklich etwas. Der Stau-Pilot kann aber nicht selbstständig überholen, sondern er hält immer die vom Fahrer ursprünglich eingeschlagene Spur ein. Sofern er die Spurmarkierungen erkennt, folgt er dann dem vorausfahrenden Auto, bremst selbstständig bis zum Stillstand ab und fährt selbstständig bis eben Tempo 60 wieder an (für unsere Testfahrt simulierten zwei vor uns herfahrende Fahrzeuge des VW-Konzerns den Stau – das zu wilden Hupkonzerten der hinter uns wartenden Autofahrern führte).

Bei unserer Testfahrt waren die Witterungsverhältnisse optimal: Strahlender Sonnenschein. Dr. Giesler betonte aber, dass der Stau -Pilot auch bei Regen, Nebel und bis zu einem gewissen Grad auch bei Schneefall funktionieren soll. Immer vorausgesetzt die Mono-Kamera kann noch die Fahrbahnbegrenzungen erkennen und die Radar- sowie der Lasersensor empfangen noch ausreichend Umgebungsinformationen. Bis zu einem gewissen Grad kann der Algorithmus Beeinträchtigungen, die durch Schmutzpartikel auf den Sensoren entstehen, noch rausrechnen. Wenn die Verschmutzung jedoch zu groß wird, dann erscheint ein Hinweis im Cockpit und putzen ist angesagt. Das ist aber auch heute schon bei ACC-Systemen der Fall.

Audi verbaut eine Mono -Kamera und keine Stereo-Kamera, weil die Mono-Variante weniger Platz in Anspruch nimmt und weniger kostet. Mittlerweile sei die Software so weit entwickelt, dass man für eine sauber Bilderfassung keine aufwändige und teure Stereokamera mehr benötige, wie Dr. Giesler uns erklärte.

Audi wird in der Serien-Variante eine Blackbox einbauen, die fortlaufend automatisch alle Daten des Auto-Piloten aufzeichnet. Dieses einige Sekunden langen Aufzeichnungen werden dann fortlaufend durch neue Daten überschrieben. Die Daten werden ausschließlich auf dem zFAS hinten im Kofferraum gespeichert und keinesfalls an Server oder Cloud-Dienste übertragen. Diese Daten lassen sich zudem nicht über die OBD-Schnittstelle auslesen, so dass weder der Fahrer noch eine Werkstatt darauf Zugriff haben. Erst wenn sie im Fall eines Unfalls für die Klärung von Versicherungsfragen oder auf richterlichen Beschluss benötigt werden, können die Daten mit Spezialsoftware direkt am zFAS ausgelesen werden. Womit wir bei der Haftungsfrage sind.
Denn die Blackbox baut Audi ein, damit im Falle eines Verkehrsunfalls geklärt werden kann, wie der Unfall durch wen verursacht wurde. Wenn ein Audi, der mit dem Stau-Piloten unterwegs ist, einen Unfall verursacht, dann zahlt zunächst einmal die KFZ-Versicherung des Fahrzeughalters. Diese Gefährdungshaftung deckt also alle durch das Auto verursachten Schäden ab. Audi hat uns versichert, dass man mit den Versicherern gesprochen habe und diese mit derm Stau-Piloten kein Problem haben; die Versicherer behandeln ein derart ausgestattes Auto wie ein ganz normales Auto. Sollte dann aber bei einem Unfall tatsächlich die Frage aufkommen, ob der Unfall durch den Stau-Piloten oder durch einen Eingriff des Fahrers verursacht wurde, dann muss die Versicherung die Beschlagnahme und gutachterliche Auswertung der Blackbox veranlassen. Den Fahrer muss das zunächst einmal aber nicht interessieren. Denn stellt sich heraus, dass tatsächlich der Fahrer den Unfall verursacht hat, dann zahlt seine Versicherung sowieso. Liegt aber ein technischer Defekt am Stau-Piloten vor, dann hat sich die Versicherung mit Audi auseinander zu setzen.

Grundsätzlich scheinen die Automobil -Hersteller die rechtlichen Probleme immer mehr lösen zu können. Das Wiener Abkommen wurde bereits für die Zwecke des Stau-Piloten angepasst und stellt somit keine Hürde mehr für das pilotierte Fahren dar. Jetzt liegt der Ball in Berlin, das Bundesverkehrsministerium muss nun rechtliche Rahmenbedingungen erarbeiten, die den Einsatz des Stau-Piloten zulassen. Audi geht davon aus, dass das bis 2017 der Fall ist und ab diesem Datum der A8 mit dem Stau-Piloten ausgestattet werden kann.

Dr. Giesler betonte während der Testfahrt noch einen interessanten Aspekt beim Thema pilotiertes Fahren: Die unterschiedlichen Mentalitäten beziehungsweise die von Land zu Land oder Kontinent zu Kontinent unterschiedlichen Fahrweisen. In Shanghai beispielsweise interpretieren die Verkehrsteilnehmer die Vorfahrtsregelung sehr flexibel, rote Ampeln, Zebrastreifen und rechts vor links stellen hier offensichtlich mehr eine Empfehlung als eine verbindliche Vorschrift dar. Der Sicherheitsabstand zwischen hintereinander fahrenden Autos ist eher klein, weil sich andernfalls ständig andere Autos reindrängeln würden. Dem muss die Programmierung des Stau -Piloten für den chinesischen Markt aber Rechnung tragen. Der Stau-Pilot muss also landestypisch angepasst werden. Ein Stau-Pilot für Deutschland dagegen würde sicherlich einen größeren Abstand halten. Und pilotiert fahrende Autos würden in Deutschland verbindlich vor roten Ampeln stehen bleiben (wenn es diese Funktion irgendwann einmal in Serienmodellen geben wird).

Innerhalb des Volkswagen -Konzernverbunds ist Audi für diejenigen Fahrerassistenzsysteme verantwortlich, die im Bereich ACC, automatisiertes Fahren und Notbremsassistent verortet sind. VW dagegen konzentriert sich eher auf den Bereich Parkassistent. Natürlich gibt es Überschneidungen, aber grob lassen sich die unterschiedlichen Zuständigkeiten so erklären.

Ähnlich sieht es beim MIB, dem Modularen Infotainment-Baukasten, aus, der die Basis für die Infotainment- und Navigationssysteme bildet. Laut Professor Hackenberg entwickelt Audi die hochpreisigen Varianten des Modularen Infotainment-Baukastens. Volkswagen kümmert sich um den Standard-MIB und bei Skoda liegt die Entwicklungsarbeit für die Basic-Version für das Einsteiger-Preissegment.

Zeven-OS - Das Retro-System mit moderner Technik

Wie anpassungsfähig ein Linux-Desktop sein kann, zeigt Zeven-OS mit der Kombination eines bewährten Ubuntu -Unterbaus und einer ungewöhnlichen Oberfläche, die eine Hommage an das einst vielversprechende Be-OS ist. Dessen Charme hat Zeven-OS mit optischen Anpassungen auf seinem XFCE-Desktop erstaunlich akkurat eingefangen, ohne dabei angestaubt zu wirken. Zeven-OS ist ein System für Anwender, die einen soliden, schlanken Desktop zu schätzen wissen oder einst das Bedienkonzept von Be-OS gelungen fanden. Das kommerziell entwickelte Be-OS sorgte vor fast 20 Jahren für Furore und schien nicht nur dank des damals umwerfenden Desktops seiner Zeit weit voraus. Denn es gab Multitasking, ein Journaling-Dateisystem und beeindruckende Multimedia-Fähigkeiten. Doch die kleinen Entwicklerfirma Be, die der ehemalige Apple-Manager Gassée gegründet hatte, scheiterte: Nachdem der Verkauf der Firma an Apple nicht geklappt hatte und Windows 95/98 unbezwingbar war, stellte Be die Entwicklung 2001 ein. Unter mehreren Ansätzen, das Aussehen von Be-OS unter Linux nachzubilden, ist Zeven-OS der erfolgreichste Vertreter.

Nicht der typische XFCE-Desktop

Mit zwei markanten Elementen knüpft Zeven-OS an den Be-OS-Desktop an: Zum einen gibt es das typische Dock in der rechten oberen Ecke, das als Programmstarter und vertikale Taskleiste dient. Dahinter steckt lediglich ein umgestaltetes XFCE-Panel. Etwas mehr Aufwand ging in die Darstellung der Programmfenster mit kleiner linksbündige Titelleiste. Mit XFCE alleine wäre dies nicht zu machen, und Zeven-OS verwendet deshalb im Hintergrund den Fenstermanager Sawfish, der sich durch seine Flexibilität auszeichnet und bis ins Detail konfigurierbar ist. Sawfish ist heute ein Exot, obwohl er noch entwickelt wird und eine prominente Vergangenheit hat, da er bis Gnome 2.1 Standard auf dem Gnome-Desktop war.

Das Menü in Zeven-OS: Es handelt sich um ein umgestaltetes XFCE-Panel. Wer möchte, kann die Leiste auch einfach in die Horizontale verschieben und mit weiteren XFCE-Applets versehen.
Vergrößern Das Menü in Zeven-OS: Es handelt sich um ein umgestaltetes XFCE-Panel. Wer möchte, kann die Leiste auch einfach in die Horizontale verschieben und mit weiteren XFCE-Applets versehen.

Einige Tastenkombinationen sind ebenfalls von Be-OS übernommen: Der Taskumschalter wird mit Strg-Tab aufgerufen, der „Ausführen“-Dialog über Strg-F2, während Alt-F1 (bis F6) die Arbeitsflächen wechselt. Viele originale Icons von Be-OS sorgen für das richtige Flair auf der Oberfläche und im Dateimanager, so dass man oft zweimal hinsehen muss, um XFCE und seine Programme zu erkennen. Als Systemzentrale gibt es als Eigenentwicklung unter Zeven-OS das recht gelungene Tool „Zubehör > Magi“, das Verknüpfungen zu Systemeinstellungen in einem übersichtlichen Menü zusammenfasst.

Gelungene Konfigurationshilfe: Das Menü „Magi“ ist eine Eigenentwicklung in Zeven-OS mit den wichtigsten Konfigurationswerkzeugen. Auch die Einstellungen zum Window-Manager Sawfish sind hier untergebracht.
Vergrößern Gelungene Konfigurationshilfe: Das Menü „Magi“ ist eine Eigenentwicklung in Zeven-OS mit den wichtigsten Konfigurationswerkzeugen. Auch die Einstellungen zum Window-Manager Sawfish sind hier untergebracht.

Mit der Auswahl vorinstallierter Software zielt Zeven-OS eher auf ältere Rechner. Denn statt großen Programmpaketen wie Libre Office gibt die Distribution kleinen Alternativen wie Abiword und Gnumeric den Vorzug. Statt Thunderbird ist Claws als Mailprogramm vorinstalliert, Gnome Mplayer ist als Videoplayer vorhanden und Deadbeef als schlichter Audioplayer. Als Paketmanager liefert Zeven-OS das bekannte Ubuntu Software Center mit, aber auch das schnellere Synaptic steht bereit. Anwender können hier aus den Paketquellen von Ubuntu 14.04 und den offiziellen Backports schöpfen.

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