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Morgenmagazin vom Dienstag, 26. November 2019

26.11.2019 | 07:06 Uhr |

Apple plant angeblich mit 100 Millionen 5G-iPhones in 2020 +++ Zulieferer übernimmt Fabrik in Indien +++ Apple TV+-Serien in Top 20 aufgerückt +++ Für kurze Zeit: iPhone XR so günstig wie nie +++ Schade: Google stellt praktischen Cloud-Dienst ein +++ Rundfunkbeitrag: Ehepartner können sich leichter befreien lassen +++ Milliarden-Raub in Dresden? Reaktionen auf Twitter

26. November: Titelgeschichte

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Gerade in diesen stürmischen Zeiten ist eine freie Presse essentiell für die Demokratie, eine weitläufige Medienlandschaft ist die Basis eines jeden Pluralismus. Auch öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehsender tragen dazu bei von Gebühren finanziert. Das gefällt zwar nicht jedem, doch die Alternativen wären entweder Privatsender mit ihren teils fragwürdigen Methoden, die Zuseher vor dem Schirm zu halten - da sind sie Facebook oft gar nicht unähnlich - oder eben ein von Steuern finanzierter Staatsfunk, der das Lied der Mächtigen singt anstatt ihnen Paroli zu bieten. Nun mögen Kritiker einwenden, dass Report aus München vpr 30 Jahren auch nicht recht viel anders war als der "Schwarze Kanal" im DDR-Fernsehen, aber das ist ein anderes Thema.

Heute geht es am Welttag der Zeitschriften eher um gedruckte Periodika, die für Meinungsbildung und Wissensvermittlung auch nicht unwichtiger als Zeitungen sind - wobei natürlich nicht jedes aus Papier gedrucktes Blatt ein "Sturmgeschütz der Demokratie" wie der Spiegel (Eigenbeschreibung des Gründers) oder ein hochwertiges Instrument der Wissenschaftspublikation wie der Scientific American (Spektrum der Wissenschaft) sein kann.

Gedruckte Zeitschriften haben aber im digitalen Zeitalter zusehends ein Problem mit ihrer Finanzierung - sie können sich ja nicht aus Gebührentöpfen bedienen. Im Internet gelten andere Geschäftsmodelle, vor allem die Bereitschaft für Inhalte mehr als Pennies zu zahlen, ist nicht sonderlich hoch - Musikern und Filmschaffenden geht es da auch nicht viel anders. Nur hat Apple für letztere eben lukrative Geschäftsmodelle entwickelt, vor allem die Masse macht's: Eine Milliarde potentielle Abonnenten für Apple Music und Apple TV+, da werden die auf viele verteilten Monatsgebühren von 10 respektive 5 Euro schnell zu einem immensen Wert.

Mit Zeitschriften versucht Apple das seit März auch, Apple News+ hat aber die erste Million Abonnenten wohl immer noch nicht erreicht. Zumal fehlt es sowohl an Inhalten als auch an potentiellem Publikum: Die New York Times und die Washington Post versuchen es lieber weiterhin mit eigenen Digitalabos, Wall Street Journal und der New Yorker sind zwar dabei, aber keiner weiß, wie lange noch.

Unser Macworld-Kollege Leif Johnson führt den bisher recht überschaubaren Erfolg von Apple News+ darauf zurück, dass Apple anders als über andere Services weit weniger Kontrolle hat, aber auch das Gegenteil ist ein Problem: Verleger klagen, via Apple News+ keinen direkten Kontakt mehr zu ihren Kunden zu haben, was in der Natur von Aboplattformen liegt.

Und dass Apple eben keine Kontrolle über die Inhalte der Zeitungen und Zeitschriften hat, ist ja auch gut. Wenn man sich "The Morning Show" ansieht, hält man das in vielen Teilen ja für einen Apple-Werbeclip,  so schön sind Macs und iPhones mit ihren Logos immer platziert - der hiesige öffentlich-rechtliche Rundfunk lässt in seinen Programmen die Marken abkleben, das nur nebenbei.

Dennoch gelingt es Apple immer wieder, "gute Presse" zu bekommen. Ein besonders starkes Beispiel erschien heute vor 35 Jahren, auf dem Titel der Business Week vom 26. November 1984 prangte "Apples dynamisches Duo"  - wie die Zeitschrift Steve Jobs und John Sculley bezeichnete. Es ging - wie aus dem Untertitel ersichtlich wurde - um die Pläne des Newcomers, IBM aus den Büros von Corporate America zu verdrängen. Einen prominenten Fürsprecher hatte Apple in einem gewissen Bill Gates, der über die Produkte seines Unternehmens Microsoft den Journalisten in die Blöcke diktierte: "Die nächste Generation interessanter Software wird auf dem Macintosh ausgeführt, nicht auf dem IBM-PC." Ein paar Jahre später hätte Gates das etwas anders gesagt, aber da war er bei Apple bezüglich der Lizenzierung des Mac-Betriebssystems auch schon abgeblitzt. Erst mehr als drei Jahrzehnte später spielt Apple in den Büros die Rolle, die sich Sculley und Jobs vorstellten. Aber nicht gegen IBM, sondern zusehends in Kooperation mit dem einstigen Feindbild "Big Blue".  Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Vergleich : Warum gibt es eigentlich keine HomePod-Variante mit Bildschirm, so wie das Amazon Echo Show oder das neue Google Nest Hub Max? Vermutlich, weil man ja Siri auch auf dem iPhone, Mac oder dem iPad das zeigen lassen kann, was die Konkurrenz bei smarten Lautsprechern auf die Displays bringt. Wer nun aber die Kategorie praktisch findet, sollte sich beim Kauf vor allem die Frage stellen, ob das Google- oder das Amazon-Multiversum eher passt. Unser Techhive-Kollege Ben Patterson vergleicht aber nun die Geräte unter weiteren Aspekten, knapp behält im Gesamtergebnis hier das Amazin Echo Show gegenüber dem Google Nest Hub Max mit 4,5 zu 4 von fünf möglichen Punkten.

Zulieferer : Apple bezieht ab dem nächsten Jahre Komponenten aus Indien, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Das finnische Unternehmen Salcomp rund 280 Millionen US-Dollar in eine Fabrik in Chennai, die früher Nokia gehörte und Ladegeräte herstellt. Im kommenden März soll die Produktion anlaufen, Salcomp schafft vor Ort etwa 10.000 Arbeitsplätze, wie das indische Handelsministerium vermeldete.

Geld zurück : Nike steigt in den Top-Rang der Unternehmen auf, die drei Prozent Rückzahlung auf Waren geben, die in seinen Stores mit der Apple Card bezahlt werden. Der dreiprozentige Cashback gilt in den eigenen Läden des Sportartikelherstellers, auf Nike.com, SNKRS, dem Nike Training Club, dem Nike Running Club und in der Nike App. Neben Apple selbst gegen nur noch Uber, T-Mobile und Walgreens drei Prozent Rabatt auf mit der Apple Card getätigte Käufe. Mit Nike ist Apple schon länger verbunden, so gibt der Hersteller etwa ein Nike-Sondermodell der Apple Watch aus.

Vorbereitet: Apple wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr iPhones herausbringen, die den Mobilfunkstandard 5G unterstützten. Die Infrastruktur wird im Herbst 2020 ausreichende ausgebaut sein, auch wenn Apple nicht selbst dazu beitragen wird, kann der Präsident fordern, was er will. Laut Digitimes. das nicht immer richtig liegt - rechnet Apple aber mit einem durchschlagenden Erfolg der kommenden Modelle und einer stärkeren Nachfrage als bisher. Hatte Cupertino bisher damit gerechnet, im kommenden Jahr 80 Millionen 5G-iPhones verkaufen zu können, habe man seine Zulieferer nun angewiesen, 100 Millionen Geräte und die Komponenten dafür bereit zu stellen. Dies will Digitimes von Quellen aus der taiwanischen Zulieferkette erfahren haben. Im Jahr 2019 will Apple zwischen 70 und 80 Millionen Stück der neuen Modelle iPhone 11, iPhone 11 Pro und Pro Max verkaufen.

Erfolg und Kritik : Shows aus Apple TV+ tauchen erstmals in den Streaming-Top-20 von Reelgood auf. An der Spitze steht das bei Disney+ zu sehende Star-Wars-Spin-Off "The Mandalorian", "See" und "The Morning Show" reihen sich auf den Plätzen 11 und 12 ein. Speziell "The Morning Show" hat gemischte Kritiken bekommen, bei IMDB einen starken Wert von 94 (von 100) bei den Zuschauerkritiken. Professionelle Kritiker geben beim Tomatometer aber nur 63 Prozent, was die Produzentin der Morning Show, Mimi Leder, zum Schluss bringt, dass die Filmkritiker offenbar eine andere Sendung gesehen hätten und diese aus ihrer allgemeinen Ablehnung Apple gegenüber bewerten: "Ich fühle, da gebe es eine Menge Apple-Hasser da draußen, die Apple das Scheitern wünschen."

Äpfel und Birnen: Mit dem neuen Macbook Pro 16 Zoll hat Apple auf viele Wünsche seiner Anwender gehört und ein starkes Stück Technik vorgestellt, einen Traum-Mac, wie unser Testcenter befindet. Auch Microsoft hat kürzlich ein High-End-Notebook vorgestellt, das Surface Laptop 3. Die Kollegen von WCCF Tech haben nun die beiden neuen miteinander verglichen, das Macbook Pro in einer Version für 2.400 US-Dollar mit Intel Core i7 gegen ein Surface Laptop mit AMD Ryzen für 2.800 US-Dollar. in den Benchmarks, die natürlich immer ein wenig theoretisch sind, hat das günstigerer Macbook Pro klar die Nase vorn - mit Ausnahme der Single-Core-CPU-Leistung. Vor allem die schnelle SSD begeistert, das Apple-Gerät bietet eindeutig mehr Leistung für das Geld. Windows-Enthusiasten haben aber auch noch die Auswahl  unter Geräten von Dell, HP, Lenovo und anderen, die das Microsoft-Produkt in den Schatten stellen dürften.

Weitere Nachrichten:

Für kurze Zeit: iPhone XR so günstig wie nie

Bei Otto.de gibt es für kurze Zeit das iPhone XR ohne Vertrag für nur 599 Euro. Das sind 100 Euro weniger als bei Apple und 30 Euro weniger als das günstigste XR-Angebot im Macwelt-Preisvergleich. Das Angebot gilt für die 64GB-Variante in allen Farben.

Zum Angebot: iPhone XR für 599 Euro bei Otto.de

Das XR wurde im Macwelt-Test vor allem für seine Akkulaufzeit und seinen Prozessor gelobt. Es kommt mit Dual-Sim und einem 6,1 Zoll LC-Display. Außerdem ist es in sechs verschiedenen Farben zu haben. Die Single-Kamera ist eine Weitwinkel-Linse mit 12 MP und Portraitmodus für Bokeh-Effekte. Dank All-Screen-Frontseite gibt es keinen Home-Button mehr, stattdessen kommt die Gesichtserkennungssoftware Face-ID zum Einsatz. Dank des A12-Prozessors funktioniert diese noch schneller als beim Vorgänger, dem iPhone X.

Wie lange das Angebot bei Otto.de gilt, ist auf der Website nicht ersichtlich.

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Schade: Google stellt praktischen Cloud-Dienst ein

Google hat die Schließung eines weiteren Dienstes in Aussicht gestellt. Google Cloud Print wird nie die Beta verlassen und dicht gemacht. Ungewöhnlich ist, dass Google die Nutzer besonders frühzeitig auf die Schließung aufmerksam macht. Laut diesem Support-Beitrag wird Google Cloud Print nämlich erst am 31. Dezember 2020 geschlossen und steht damit ab dem 1. Januar 2021 nicht mehr zur Verfügung.

"Ab dem 1. Januar 2021 werden Geräte über alle Betriebssysteme nicht mehr in der Lage sein, über Google Cloud Print auszudrucken. Wir empfehlen Ihnen, im Laufe des nächsten Jahres nach einer alternativen Lösung zu suchen", heißt es seitens Google. Die Beta von Google Cloud Print war bereits im Jahre 2010 gestartet, als Googles mobiles Betriebssystem Android noch in den Kinderschuhen steckte.


Über Google Cloud Print können Dokumente von einem Android-Smartphone oder -Tablet oder Chromebook (mit ChromeOS) bequem ausgedruckt werden. Deutlich komplizierter wird es, wenn man seinen Windows- oder macOS-Rechner mit Google Cloud Print verknüpfen will, aber auch dies ist möglich. Es gibt natürlich auch Alternativen zu Google Cloud Print, die sind aber nicht immer einfacher zu bedienen und kosten teilweise auch Geld, wie der folgende Überblick zeigt:

Lesetipp: So drucken Sie unterwegs von jedem Gerät aus

Google begründet die Schließung damit, dass in ChromeOS mittlerweile die Unterstützung des nativen Druckerlebnisses über viele neue Funktionen verbessert worden sei. Für andere Betriebssysteme wird dagegen die Nutzung von anderen Lösungen empfohlen. Mit keinem Wort werden dabei die Android-Nutzer erwähnt, die ebenfalls Cloud Printing über die Jahre genutzt haben. Letztendlich ereilt Cloud Print aber das Schicksal vieler anderer Google-Dienste, die im Laufe der Jahre eingestellt wurden. Im Gegensatz zu den anderen Fällen war Cloud Print aber weniger ein Flop...

Rundfunkbeitrag: Ehepartner können sich leichter befreien lassen

Bereits seit Sommer 2018 können Sie sich beim Beitragsservice vom Rundfunkbeitrag für Nebenwohnungen befreien lassen, wenn Sie bereits für die Erstwohnung den Rundfunkbeitrag bezahlen. Allerdings schränkt der Beitragsservice diese Möglichkeit stark ein: Nur wenn Sie sowohl am Erstwohnsitz als auch am Zweitwohnsitz gemeldet sind und auch für beide Wohnungen den Rundfunkbeitrag bezahlen, können Sie sich vom Rundfunkbeitrag für die Nebenwohnung befreien lassen. Für die Befreiung ist es also erforderlich, dass sowohl die Hauptwohnung als auch die Nebenwohnungen auf den Antragsteller angemeldet sind und er für beide Wohnungen zahlt.

Paare, die mehrere Wohnungen besitzen, mussten bisher aufpassen: Zahlt der eine Partner den Rundfunkbeitrag für die Erstwohnung und der andere Partner den Rundfunkbeitrag für die Nebenwohnung, so kann das Paar die Befreiung für den Rundfunkbeitrag für die Zweitwohnung nicht beantragen. Sondern das Paar muss sich darauf einigen, dass einer von beiden für beide Wohnungen als Rundfunkbeitragszahler registriert wird. Erst dann kann sich der Betreffende dann vom Rundfunkbeitrag für die Nebenwohnung befreien lassen. Zudem muss der zahlende Partner an beiden Wohnsitzen gemeldet sein.

Diese in der Praxis - vermutlich bewusst(?) - umständliche Vorgabe ist seit dem 1. November 2019 aber hinfällig. Jetzt können Sie sich für den Rundfunkbeitrag der Zweitwohnung auch dann befreien lassen, wenn Ihr Lebenspartner den Beitrag für die Erstwohnung bezahlt und Sie den für die Nebenwohnung.

Seit dem 1.11.2019 gilt also: "Ehepartner beziehungsweise eingetragene Lebenspartner können eine Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht für ihre Nebenwohnungen beantragen. Voraussetzung ist, dass der Partner den Rundfunkbeitrag für die gemeinsame Hauptwohnung entrichtet." 

Milliarden-Raub in Dresden? Reaktionen auf Twitter

Bei einem Einbruch im Museum Grünen Gewölbe in Dresden konnten bisher unbekannte Täter in den frühen Morgenstunden am Montag Gegenstände von unschätzbaren Wert entwenden. Bei dem Raub wurden laut bisherigen Erkenntnissen drei Juwelengarnituren gestohlen. Der genaue Schaden wurde noch nicht beziffert, vereinzelt ist aber schon von einem "Milliarden"-Raub die Rede.

Bei einer Pressekonferenz Montagmittag erklärte Marion Ackermann,Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, dass es sich bei den gestohlenen Juwelengarnituren um jeweils eine aus Diamanten, eine aus Saphiren und eine aus Rubinen gehandelt habe. Deren materieller Wert sei zwar nicht hoch, aber der ideelle Schaden sei enorm, weil es sich um einen Teil des Staatsschatzes des 18. Jahrhunderts handele. Zu den Spekulationen über den möglichen entstandenen Schaden für Sachsen wollte sich Ackermann aber nicht äußern.

Die Sicherheitsleute meldeten gegen 5 Uhr morgens bei der Polizei den Einbruch, nachdem in der Videoüberwachung Einbrecher bemerkt worden waren. Zuvor war ein Stromkasten in Brand gesetzt worden, der offenbar die Alarmanlage des Museums mit Strom versorgte. Die Täter konzentrierten sich den Polizeiangaben zufolge gezielt auf den historischen Teil des Museums und schlugen Vitrinen ein. Die Polizei kündigte eine umfangreiche Fahndung an.

"Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen!", erklärt Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, in einem Tweet. Und fügt hinzu: "Man kann die Geschichte von #Sachsen nicht verstehen, ohne das #GrünesGewölbe. Die Werte, die hier zu finden sind, wurden von den Menschen in unserem Freistaat über viele Jahrhunderte hart erarbeitet"

Auf Twitter trendet der Hashtag "#GrünesGewölbe" seit dem Vormittag. Viele Twitter-Nutzer äußern ihre Bestürzung über die Tat. Viele hinterfragen auch, wie es überhaupt zu diesem Einbruch beim stark gesicherten Gebäude kommen konnte. Die Polizei Dresden erklärt in einem Tweet am frühen Nachmittag: "Wir verstehen, dass das Thema #GrünesGewölbe in #Dresden für viele User emotional ist. Grundsätzlich kommentieren wir aber nicht die zahlreichen Spekulationen, Mutmaßungen und Schuldzuweisungen. Im Laufe des Tages folgen hier weitere Informationen."

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