2583317

Morgenmagazin vom Dienstag, 27. April 2021

27.04.2021 | 07:06 Uhr | Peter Müller

iOS 14.5, iPadOS 14.5 und tvOS 14.5 veröffentlicht +++ So funktioniert die Ad Tracking Transparency +++ TV-Apparat mit Apple TV und FaceID kalibrieren +++ macOS 11.3 mit zahlreichen Neuerungen +++ Bastler lässt C64 nach Bitcoins schürfen - im 8-Bit-Tempo +++ Bereits 1971: Opels coolstes E-Auto Elektro GT fuhr 188 km/h

27. April: Design oder nicht sein

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Die Erde ist rund - das war schon im Altertum bekannt. Zu Kolumbus' Zeiten war die Erkenntnis längst Allgemeinwissen, dass der Plan des Genuesen in spanischen Diensten nicht aufging, nach Indien zu gelangen, indem er immer weiter nach Westen segelte, liegt an dem blöden Kontinent, der da dazwischenliegt. Aber das hätte ja auch der Rand der Welt sein können, dürften die Flacherdler damals argumentiert haben, deren Theorie auch damals Anhänger rund um den Globus hatte. Erst die Reise von Ferdinand Magellan, der nach Westen aufbrach und aus dem Osten zurückkehrte, war den meisten Frühneuzeitlern ein ausreichender Beweis. Den die Expedition beinahe nicht erbracht hatte, denn nur ein einziges der Schiffe kehrte zurück - Magellan selbst war heute vor 500 Jahren beim Aufeinandertreffen der Portugiesen auf die Ureinwohner der heutigen Philippinen ums Leben gekommen.

Dass die Erde so ist, wie sie ist und es darüber keine zwei Meinungen geben kann, liegt an der Physik. Ein dreidimensionaler Raum mit einer im Quadrat des Abstandes abnehmender, aber unendlich weitreichender Gravitation kann keine eckigen oder flachen Planeten hervorbringen. Wobei: Ein klein wenig flach ist die Erde dann doch, aufgrund der Rotation um die eigene Achse an den Polen ein wenig eingedrückt. Aber in erster Näherung eben immer noch eine Kugel, eine perfekte Form.

Die Perfektion der Kugel traute sich Apples ehemaliger Design-Chef Jony Ive nur einmal: Als Basis des iMac G4 diente eine Halbkugel, an einem schwenk- und kippbaren Arm hing ein Flachbildschirm - nicht alles, was flach ist, ist ja falsch. Mittlerweile ist es fast zwei Jahre her, dass Ive seinen Abschied von Apple nahm, der letzte Woche präsentierte iMac trägt nur noch teilweise die Handschrift Ives. Der Bildschirm so flach, wie er es sich immer wünschte, die Formen minimalistisch, kaum Störungen durch Schnittstellen und Knöpfe. Aber eben nicht mehr weiß oder Aluminiumfarben, wie es Ives iMacs seit 2002 waren. Nun hat zwar auch Ive bunte Geräte gestaltet, ob er aber die Rückkehr der Regenbogenfarben gutgeheißen hätte, kann man bezweifeln.

Wir hatten letzte Woche unsere Leser gefragt, welcher  Farbton der neuen iMacs der Favorit wäre, die "seriösen" Töne Silber und Blau liegen dabei vorne. Wir haben irgendwie das Gefühl, dass zwar Designer am Werk waren, der neue iMac aber eher nicht für Designer gestaltet wurde. Zu sehr mögen gerade die etwas schrilleren Töne wie Gelb, Rot, Orange, Grün vom Geschehen auf dem Bildschirm ablenken. Noch dazu ist die Vorderfront etwas pastelliger als die Rückseite und der Rahmen um das Glas weiß. Nein, Designer bleiben lieber noch beim letzten Intel-iMac - dessen Bildschirm noch ein Stück größer ist – oder warten auf die Apple-Silicon-Variante des großen iMac in der Hoffnung, dass es den auch wieder als Pro-Version in Space Grey oder so ähnlich geben wird.

Designer und Grafiker, die heute ihren Welttag feiern, sind seit jeher Kernzielgruppe Apples, aber nicht, weil Cupertino so schöne Rechner baut - das ist zwar der Fall und hilft weiter, ist aber nicht das Wesentliche. Die Gestaltungsbranche war mit die Erste, die sich digitalisierte, schon vor über 30 Jahren bestand dafür die Nachfrage nach leistungsstarken Maschinen, die man nicht im Serverschrank verstecken musste. Und genau das lieferte Apple, mit Arbeitsmaschinen wie dem Macintosh IIfx, später den Quadras und Power Macs, die ihr zentrales Versprechen schon im Namen trugen. Wichtig natürlich auch die Software, die es zwar schon längst auch für Windows gibt. Aber Photoshop, Illustrator oder Indesign haben hier Heim auf dem Mac. Umso erfreulicher, dass Adobe bei diesem Paradigmenwechsel vorne dran ist und  Photoshop schon recht früh in einer nativen Version für die M1-Macs anbot. Diesmal ist die Software für Designer schon früher fertig als die neuen Rechner, wir sind aber zuversichtlich, dass ein ansprechend gestalteter M1X-Mac für Gestalter nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.

Lesetipps für den Dienstag

Prognose: Man soll bekanntlich nicht den Tag vor dem Abend loben und das Apple-Produktjahr nicht nach der erste Keynote. Aber letzte Woche haben wir einige interessante Dinge gesehen, weit mehr werden auch noch kommen. Michael Simon wagt die Prognose für den Rest des Jahres 2021: So erwartet er noch vor der WWDC oder zur Entwicklerkonferenz die Airpods der dritten Generation und einen iMac mit 29-Zoll-Bildschirm. Im Hochsommer könnten dann neue Versionen von iPad und iPad Mini kommen, zusammen mit einem neuen Apple Pencil. Fast schon sicher sind die Produkte des Herbst: iPhone 13 und Apple Watch Series 7 kommen in September oder Oktober. Und dann wäre da noch etwas: Apple hat angeblich noch ein Display in Arbeit, für Endverbraucher. Harren wir mal der Dinge, die da noch kommen.

Farbenspiel : Nach einer ungewöhnlich langen Beta-Phase hat Apple gestern iPadOS 14.5, tvOS 14.5 und iOS 14.5 veröffentlicht , mit zahlreichen Neuerungen, wie man sie sonst in diesem Umfang nur von Hauptversionen kennt. Besonders die beiden letztgenannten Systeme bringen im Zusammenspiel eine Überraschung, die Apple vor einer Woche so ankündigte, als sei sie neuen Apple-TV-Geräten  vorbehalten. Aber auch mit den bestehenden Apple TV HD und 4K kann man nun mithilfe der True-Depth-Kamera von iPhones die Farben des TV-Apparates kalibrieren, respektive den Output der Settop-Box so anpassen, dass der Fernseher die richtigen Farben zeigt. Macworld erklärt, wie das im Detail funktioniert.

Bleib mir weg vom Telefon: Fast ein Jahr hat es gedauert, bis Apple die auf der WWDC 2020 vorgestellte Ad Tracking Transparency mit iOS 14.5 und iPadOS 14.5 eingeführt hat, die Widerstände seitens der Werbeindustrie sind so groß dagegen, dass es selbst in Deutschland zu Kartellbeschwerden kommt. Wie genau die Technik funktioniert, wie sie sich vielleicht umgehen ließe und was Anwender davon haben, erklärt Jason Cross im Detail.

Verzögert: Obwohl nun die Ad Tracking Transparency scharf geschaltet ist, bedeutet das nicht, dass nach der Installation ab sofort alle Apps um Erlaubnis zum Tracking bitten. Facebook hat etwa bestätigt, dass es noch einige Wochen dauern wird, bis die Funktion für alle Anwender zur Verfügung gestellt werden kann - seit einem Jahr hat sich das Unternehmen gegen Apples Trackingsperre gewehrt. Wie viele Anwender die Anfrage bereits sehen, konnte oder wollte Facebook noch nicht erklären.

Hängt davon ab : Um ein Missverständnis auszuräumen - das Ad Transparency Tracking verhindert die Verfolgung von Anwendern quer durch das Web über alle Apps nicht, sondern verpflichtet die Anbieter, ihre Methoden offenzulegen und die Nutzer dann selbst entscheiden zu lassen, ob sie das Tracking einschalten oder nicht. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters schiebt Apples Verantwortlicher für die Anwenderprivatsphäre Erik Neuenschwander den Werbetreibenden die Verantwortung für die Akzeptanz des Trackings zu. Die Opt-in-Rate hänge wesentlich davon ab, wie die Anbieter den vom System geforderten Prompt gestalten und wie sie ihre Kunden vom Tracking zu überzeugen versuchen. Prinzipiell könnte eine zielgerichtete Werbung im Interesse der Kunden sein, sie fühlen sich von solcher nicht nur verlockt, sondern angesprochen. Im Gegensatz zu Schrottwerbung, die gewissermaßen mit der Schrotflinte auf das anonyme Publikum schießt und dabei hofft, wenigstens einen geringen Teil der Nutzer mit ihren Botschaften zu erreichen.

Noch ein Update: Und natürlich darf man den Mac nicht vergessen, Apple hat gestern Abend auch die finale Version von macOS 11.3 veröffentlicht. Hier gibt es einige Neuerungen, die mit denen der mobilen Betriebssysteme übereinstimmen, etwa neue Emojis oder diverse Stimmen für Siri. Gleichgezogen ist auf dem Mac in der Musik-App nun auch die Option, eine Wiedergabeliste unendlich zu verlängern, nach ihrem Ende spielt sie auf Wunsch ähnliche Songs ab, die City-Charts zeigen an, welche Musik gerade wo populär ist. Ein neues Design bekommt die Podcast-App und wo sie verfügbar ist, auch die News-App. Etliche Verbesserungen bekommen auch iPhone- und iPad-Apps für die Nutzung auf M1-Macs.

Weitere Nachrichten:

Bastler lässt C64 nach Bitcoins schürfen - im 8-Bit-Tempo

Bitcoin-Mining ist in aller Munde und ein Bastler beweist, dass sich auch mit einem knapp 40 Jahre alten C64 aus dem Jahre 1982 die Bitcoins geschürft werden können. Der auf Retro-Videos spezialisierte Youtube-Kanal "8-Bit Show and Tell" präsentiert das Ergebnis der erfolgreichen Mühe in einem kürzlich veröffentlichten Video.

Dazu hat der Entwickler das Programm "Bitcoin Miner C64" geschrieben, welches hier auf Github verfügbar ist. Und ja: Etwas schummeln musste auch sein, denn der C64 muss ja irgendwie über eine Verbindung mit dem Internet die Daten zum Bitcoin-Mining erhalten. Dazu ist der C64 mit einem Windows-10-Laptop verbunden, wobei letzterer eine Internet-Verbindung besitzt, um die Bitcoin-Blöcke, die gelöst werden müssen, aus dem Internet zum C64 und wieder zurückschicken zu können.

Sind die Voraussetzungen geschaffen, kommt der mit 1 Megahertz getaktete 8-Bit-Prozessor im C64 (MOS 6510) auf eine Schürfgeschwindigkeit - also Hashrate - von 0,3 Hash pro Sekunde (H/s). Zum Vergleich eine RTX 3080 kommt auf etwa 100 Megahash pro Sekunde.

Unterm Strich wird in der Praxis aber bewiesen, dass sich nach einem Gameboy (0,8 Hashes pro Sekunde) auch ein C64 zum Bitcoin-Mining eignet. Würde man aber Geld verdienen wollen, bräuchte man viel, viel Zeit: So in knapp einer Milliarde Jahre hätte man wohl ein paar Euro zusammen...

Wie Sie auf einem PC deutlich schneller Bitcoin minen können, erläutern wir ausführlich in diesem Beitrag .  Ein chinesischer Hersteller bringt mit dem Antminer E9 in Kürze ein Krypto-Mining-Monster auf den Markt, welches auf 3 Gigahashes pro Seklunde kommt und damit so schnell wie 32 miteinander vernetzte 32 RTX-3080-GPUs ist.

In diesem Video überprüfen wir, wie schnell die PC-WELT Höllenmaschine HMX 3 die Bitcoins berechnen kann:

Bereits 1971: Opels coolstes E-Auto Elektro GT fuhr 188 km/h

Der Opel GT war ein bezahlbares Sport-Coupé der späten 1960er und frühen 1970er Jahre. Heute hat der Opel GT durchaus den Status einer automobilen Ikone, die zudem für eine Zeit steht, in der Opel als Tochterkonzern von General Motors mit Volkswagen auf Augenhöhe als erfolgreicher Automobilhersteller agierte und nicht nur eine Marke unter vielen in einem riesigen Konzern namens Stellantis ist.

Den Opel GT trieben Benzinmotoren an. Doch kaum jemand weiß, dass es vom Opel GT einen Prototyp mit Elektro-Antrieb gab: Den „Elektro GT“. Darauf hat die Marke aus Rüsselsheim jetzt hingewiesen. Dieser „Elektro GT“ ging nie in Serie.

Der „Elektro GT“ von 1971 ist mit zwei Gleichstrom-Motoren von Bosch ausgestattet, die zusammen eine Gesamtleistung von 88 kW/120 PS entwickeln und sich kurzzeitig sogar bis auf 118 kW/160 PS bringen lässt, wie Opel erklärt. Die vier Nickel-Cadmium-Batteriesätze stammen von Varta und sind auf Rückbank und Beifahrerseite untergebracht. Die Batterien mit ihren 280 Zellen wiegen stolze 590 Kilogramm. Der Opel GT selbst liegt bei 960 Kilogramm (der Opel GT ist wie fast alle Autos der 70er Jahre sehr leicht und kein tonnenschwerer Koloss wie moderne PKWs), so dass das Gesamtgewicht des Fahrzeugs auf für die damalige Zeit ungewöhnliche 1.550 Kilogramm steigt. Für die Langstreckenversuche sind sogar 360 Zellen nötig, die 740 Kilogramm auf die Waage bringen. Dieser Opel GT wiegt dann also rund 1,7 Tonnen.

Um das gegenüber dem Standard-GT erhebliche Mehrgewicht tragen zu können, stattet Opel den „Elektro GT“ mit härtere Federn und von Continental entwickelten speziellen Hochdruckreifen aus, die darüber hinaus den Rollwiderstand auf ein Minimum reduzieren sollten.

Alle Luftein- und -auslässe an der Fahrzeugfront wurden verschlossen. Der Opel GT-typische Vergaserbuckel auf der Motorhaube verschwand zu Gunsten einer besseren Aerodynamik. Darüber hinaus wurden Stoßstangen, Rückspiegel und Türgriffe entfernt sowie der Motor- und Innenraum für den Einbau des Elektroantriebs freigeräumt.

Im Kofferraum sitzt die elektronische Steuereinheit. Dazu verfügt das Rekordfahrzeug über einen großen Heckspoiler. Die Rückleuchten werden ebenfalls nicht gebraucht, die Löcher abgedeckt. Ein Wärmetauscher ersetzt den Auspuff-Endtopf.

Eine im Frontbereich untergebrachte normale Autobatterie liefert Strom für die neue Bordelektronik. Dahinter befinden sich anstelle des Vierzylinders die beiden Elektromotoren. Die aus dem Flugzeugbau stammenden Batterien füllen den gesamten Raum neben und hinter dem Fahrer aus. Für einen Autositz ist gerade noch genug Platz.

Am 17. und 18. Mai 1971 fuhr ein derart umgerüsteter Opel GT auf dem Formel 1-Kurs in Hockenheim insgesamt sechs Elektromobil-Weltrekorde ein, wie Opel stolz mitteilt.

Am 17. Mai 1971:

  • 1 Kilometer in 19,061 Sekunden bei einer Spitzengeschwindigkeit von 188,86 km/h

  • 1 Kilometer stehender Start in 31,066 Sekunden bei 115,88 km/h

  • ½ Kilometer stehender Start in 19,358 Sekunden bei 92,98 km/h

  • ¼ Meile stehender Start in 16,869 Sekunden bei 85,87 km/h

Am 18. Mai 1971:

  • 10 Kilometer in 4 Minuten 43,69 Sekunden bei 126,89 km/h

  • 10 Meilen in 7 Minuten 35,63 Sekunden bei 127,15 km/h

Bis Opel dann aber tatsächlich serienmäßig Elektro-Autos anbot, verging noch viel, viel Zeit. Übrigens war Opel mit seinem frühen E-Auto nicht allein, Volkswagen zum Beispiel baute ab 1976 einige Golf 1 als Elektro-Autos. Doch auch dieser E-Golf erreichte nie Serienreife.

DKW Elektro-Wagen von 1956 brachte Feriengästen das Gepäck

Die Geschichte des VW Golf in Wort und Bild

Macwelt Marktplatz

2583317