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Morgenmagazin vom Dienstag, 28. Januar 2020

28.01.2020 | 07:04 Uhr | Peter Müller

Corona-Virus: Sorge um Apple in China und seine Mitarbeiter +++ Was iOS 14 bringen sollte +++ Sundance: Apple kauft Dokumentation "Boys State" +++ Motorola Razr: "Beulen im Display sind normal" +++ Hat Donald Trump das Stark-Trek-Logo geklaut? Hier die Antwort +++ Windows-7-Support kostet Regierung fast eine Million Euro

28. Januar: Legenden und Verschwörungen

Macwelt wünscht Guten Morgen! Der Privatgelehrte Heribert Illig hat vor etwa 25 Jahren eine interessante Theorie aufgestellt: Karl den Großen hat es niemals gegeben. Alle Dokumente, die auf Karl zurückgingen seien gefälscht. In die Karten spielt Illig dabei die Tatsache, dass in der Tat viele Karl zugeschriebenen Dokumente gefälscht sind, so ist etwa die angeblich von Karl ausgestellte Gründungsurkunde des Hamburger Hafens eine solche nachträglich angefertigte Fälschung ( nachzulesen etwa bei Gerhard Prause ).

Aber Illig entwickelt daraus eine irre Theorie: Fast dreihundert Jahre des Mittelalters seien frei erfunden, zu einem späteren Zeitpunkt von Papst und Kaiser, welche die bekannte Welt gerne im Jahr 1000 regiert hätten - und mir ihrer Fälschung tatsächlich durchkamen. Die Kaiserkrönung Karls an Weihnachten 800? Ein Hirngespinst! Die Expansion einer kleinen Grafschaft zu einem Weltreich? Pure Phantasie! Die Bekehrung der Sachsen zum Christentum? Die waren doch schon damals gegen alle fremden Religionen! Und schließlich der Todestag am 28. Januar 814? Ein vollkommen willkürliches Datum. Und Aachen hat auch keine Kaiserpfalz, sondern irgend ein anderes altes Gebäude.

Die krasse Geschichtsfälschung konnte deshalb leicht gelingen, behauptet Illig, weil im Frühmittelalter ohnehin nur Kirchengelehrte und weltliche Herrscher des Schreibens und Lesens sowie der Kalenderführung mächtig waren. Die islamische Welt habe bei dem Betrug auch mitgemacht, Mohammeds Auszug aus Mekka fand demnach nicht 622 statt, sondern irgendwann anders, denn die Jahre 614 bis 911 habe es nie gegeben.

So amüsant manche Verschwörungstheorien auch zu Lesen sind, scheitern sie doch an jeder ernsthaften Überprüfung der Realitäten. Im konkreten Fall steht etwa schon der Trugschluss, dass eine Flut gefälschter Dokumente aus der Karlszeit sei Beweis für deren Nichtexistenz. Die Gilde der Historiker nimmt Illigs Thesen teils amüsiert und teils schockiert zur Kenntnis, denn der Privatgelehrte hat zahlreiche Anhänger, die unbesehen Verschwörungstheorien glauben und keinerlei Argumente mehr zur Kenntnis nehmen, die ihr Weltbild korrigieren könnten. Das scheint aber kein Monopol mehr der Geschichtswissenschaften zu sein. Am lautesten über eine angeblich verlogene Wissenschaft schreien gerne diejenigen, die noch nie eine Universität von innen gesehen haben.

Wenn man das aber hat, weiß man: Quellenlage aus der Zeit des Mittelalters ist auch nicht so schlecht, als dass man 1200 Jahre danach nicht mehr zwischen Original und Fälschung unterscheiden könnte, mit den digitalen Daten der Jetztzeit ist das etwas anderes.

Da wird mittlerweile gerne etwas für bare Münze genommen, nur weil es nicht in einem tradierten Medium erschienen ist. Die verquere Logik der Verschwörungstheoretiker: Wer seine Sicht der Dinge direkt in das Internet stellt, muss immer Recht haben, da Zeitung und Zeitschriften ja nur Sachen drucken, die ihnen die Regierungen und Geheimdienste vorgeschrieben haben.

Wie es scheint, benötigen wir dieser Tage nicht nur ein Übereinkommen zum Schutz des Menschen bei der automatischen Verarbeitung personenbezogener Daten , wie die am 28. Januar 1981 vereinbarte Europäische Datenschutzkonvention exakt heißt und an die der heutige Europäischen Datenschutztag erinnert. Nein, wir benötigen wohl auch eine Vereinbarung zur Pflege der Daten, Texte, Bilder, Videos und Geschichten, welche Menschen freiwillig oder unfreiwillig in das Netz stellen. Manchmal genügt es einfach, die Vernunft zu bemühen, um zwischen glaubwürdig und unglaubwürdig unterscheiden zu können. Mediaevisten haben es da bedeutend schwerer. 

Lesetipps für den Dienstag

Geht in Erfüllung : Schon vor einem Jahr hatte unser Macworld-Kollege Jason Cross eine  Wunschliste für iOS 13 vorgelegt und da viel davon tatsächlich auch in das neue Betriebssystem für das iPhone eingangen ist und das iPad ein eigenes System bekam, muss Apple offenbar zugehört haben. Kann man dann also noch mal versuchen, meint Cross optimistisch und legt sich bezüglich iOS 13 und 14 ins Zeug. Dabei beschränkt er sich auf die zehn wichtigsten - und lässt solche Dinge wie mutliple Timer für Siri einfach mal unter den Tisch fallen. Ganz oben auf der Liste stehen auch keine neuen Features, sondern höhere Zuverlässigkeit – im Herbst musste Apple gefühlt jede Woche ein Wartungsupdate für iOS ausspielen. Wie jedes Jahr wünscht sich Cross auch eine schlauere Siri und damit verbunden eine bessere Diktierfunktion. Diverse Verbesserungen der Kamera-App in den iPhone 11 sollten auch anderen Geräten zugute kommen, Home-Bildschirm und Benachrichtigungen schreien nach einem neuen Design. Von der Apple Watch könnte auch das iPhone das Always-Display mitsamt einiger Komplikationen übernehmen zumindest bei neueren Geräten. Was Apple wegen Datenschutzbedenken kaum umsetzen wird: Eine einfache Möglichkeit, Telefonate mitzuschneiden. Shazam tiefer in das System zu integrieren, sollte indes keine Probleme bereiten.

Ausbruch : Die Sorge um das Business sollte im Fall des aktuellen Corona-Virus-Ausbruchs an letzter Stelle stehen, doch ist nicht zu leugnen, das Apples Geschäfte in China auf der Arbeit von zahlreichen Menschen beruht, die erkranken könnten. Noch sind Auswirkungen auf Apples Retail-Stores, die Rechenzentren und die von Foxconn und andren betriebenen Fertigungsanlagen für iPhone und Co. völlig ungewiss, da vor allem nicht klar ist, wie lange die Krankheit wüten werde. Ein Vergleich zu SARS von 2002 lässt sich schwer ziehen: Die ebenfalls von einem Corona-Virus ausgelöste Krankheit war zwar weit tödlicher als die jetzige Epidemie, aber weniger ansteckend. Und Apple war in China seinerzeit bedeutend kleiner. Foxconn hat jedenfalls bereits Arbeitern seiner Fabrik in Wuhan den Zutritt verweigert, falls sie über die Neujahrsfeiertage in Taiwan waren.

Programm: Apple und A24 haben sich die weltweiten Rechte an der Dokumentation "Boys State" gesichert, die auf dem Sundance-Filmfestival für Aufsehen gesorgt hat. Die Rede ist von zehn Millionen US-Dollar für den Film von Jesse Moss und Amanda McBain, der sich um ein politisches Experiment dreht und eine Coming-of-Age-Geschichte erzählt - und etwas über die Gesundheit der amerikanischen Demokratie erfahren will. In Texas kamen zu diesem Experiment rund 1000 17-Jährige zusammen, um eine repräsentative Demokratie von Grund auf zu bauen. Dabei treffen hohe Ideale auf schmutzige Tricks, als vier junge Männer mit diversen Hintergründen und politischen Ansichten versuchen, sich den Herausforderung der Formierung politischer Parteien und dem Finden von Konsens zu stellen. Wann "Boys State" bei Apple TV+ laufen wird, ist ungewiss, im Wahljahr 2020 scheint aber jeder Termin von heute bis November für einen solchen Film passend zu sei.

Unbeeindruckt: Forbes-Autor John Koetsier hat für Apple einen guten oder wenigstens gut gemeinten Rat, den Cupertino wohl kaum annehmen wird: Apple TV+ zu schließen. Koetsier sähe die angeblich mehr als 6 Milliarden US-Dollar, die Apple ausgegeben hat, besser investiert, man könnte doch Sonos kaufen und den Homepod mit dessen Expertise verbessern. Apple schätze er sehr für seine Hardware, sehe es aber nicht als Media-Powerhaus. Was in Sacchen Musik noch funktioniert hat, klappt nun nicht: Apple war praktisch der Erste mit einem vernünftigen Vertriebsmodell für digitalisierte Musik, gerierte sich aber nicht als Plattenfirma. Das ist nun anders, Apple ist aber nicht mehr das erste Unternehmen mit der Idee von gestreamten Inhalten , sondern gefühlt das 25ste. Die paar wenigen Serien, die Apple bringe, könnten in keiner Wie3se gegen das umfassende Angebot von Netflix und nun auch Disney+ anstinken, außerdem seien sie schlecht – Koetsier fand keinen Gefallen an "See", was aber sein einziges Beispiel bleibt – und Apple TV (Gerät und App) sei ein Sicherheitsrisiko: Jeder könne erfahren, was man denn so anschaue, schalte man Settopbox und Fernseher ein. Nun ja, wenn man sonst keine Argumente hat …

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Motorola Razr: "Beulen im Display sind normal"

Das Motorola Razr verfügt wie auch das Galaxy Fold von Samsung über einen faltbaren Bildschirm. Wie beim Urgestein RAZR aus dem Jahr 2003 vertraut Motorola dabei auf ein Clamshell-Design, welches das Hauptdisplay im zugeklappten Zustand schützen soll. Ab heute können US-Kunden das neue Razr bei Verizon für 1.499 US-Dollar vorbestellen. Die Auslieferung soll voraussichtlich am 14. Februar erfolgen. In Anbetracht der Probleme mit dem Klapp-Bildschirm bei Samsungs Galaxy Fold sorgen sich nun auch viele Nutzer über die Haltbarkeit des Displays beim Motorola Razr.

Motorola hat daher eine Serie von Videos auf YouTube veröffentlicht, die von simplen Werbespots bis zu Bedienungshinweisen für das Smartphone reichen. Einem Video zufolge seien Beulen und Blasen völlig normal bei einem Smartphone mit faltbaren Display aus Kunststoff. Weiterhin empfiehlt der Hersteller, das Smartphone nur im zugeklappten Zustand in die Tasche zu stecken. Scharfe Objekte könnten den Bildschirm sonst beschädigen. Auf die Anbringung einer Schutzfolie am Hauptbildschirm sollten Nutzer ebenfalls verzichten. Feuchtigkeit sollte sofort mit einem trockenen Tuch entfernt werden. Motorola ist sich offenbar bewusst darüber, dass Bildschirm des Razr empfindlich ist. Ob bei Einhaltung der Hinweise eine lange Haltbarkeit des Klappmechanismus gewährleistet werden kann, muss sich allerdings erst zeigen. Für interessierte Käufer stellt Motorola weitere Videos zur Kamera oder zu den beiden Bildschirmen des Razr zur Verfügung.

Hat Donald Trump das Stark-Trek-Logo geklaut? Hier die Antwort

Donald Trump hat das Logo für die United States Space Force vorgestellt, also für die neue sechste Teilstreitkraft der USA. Es ähnelt frappierend dem Logo des „Starfleet Command“ der „United Federation of Planets“ aus Star Trek. Prompt hagelte es im Web ähnlich viel Spott wie im August 2018, als Trump erstmals seine Pläne für eine Space Force verkündete.

Donald Trump twittert das neue Logo der United States Space Force in diesem Tweet. Die Kommentare unter Trumps Tweet geben sofort die Richtung wieder: Das Logo der neuen US-Teilstreitkraft ähnle doch sehr an dem legendären Star-Trek-Logo. Und Robert Picardo, der in Star Trek mitspielt, frotzelt: „Ich dachte es sei China, das geistiges Eigentumsrecht nicht beachtet“. Weitere Lästereien auf Twitter fordern Lizenzgebühren für die Verwendung des Star Trek Logos oder dass sich die Angehörigen der Space-Force mit dem Vulkaniergruß grüßen sollten. Auch von einer Unterlassungserklärung ist die Rede, die die neue Space Force gegenüber dem US-Sender CBS (der die Fernsehrechte an Star-Trek-Serie besitzt) abgeben müsse.

Die Ähnlichkeit zwischen den beiden Logos ist in der Tat offensichtlich, auf den ersten Blick könnte man also tatsächlich meinen, dass sich Donald Trump dreist bei Star Trek bedient habe.

Die Wahrheit sieht allerdings etwas anders aus, worauf John Noonan via Twitter hinweist. Denn tatsächlich findet man wesentliche Elemente des Star-Trek-Logos und damit auch den Space-Force-Logos bereits in einem  Logo der US-Luftwaffe – und zwar im Jahr 1942, also während des zweiten Weltkriegs und weit vor dem Start der Star-Trek-Serie. Seit 1961 verwendete dann das „US Air Force Space Command“ dieses Logo, wie CNN berichtet. Dabei handelt es sich um die damals für den Weltraum zuständige Abteilung der US-Luftwaffe. Die Air Force Space Command“ ist also der Vorgänger der neuen Space Force von Donald Trump.

Windows-7-Support kostet Regierung fast eine Million Euro

Microsoft hat den Support von Windows 7 zum 14. Januar eingestellt. Dieser Termin war lange bekannt, dennoch konnten nicht alle Computer der Bundesregierung und der Behörden auf eine neuer Version von Windows aktualisiert werden. Auf Anfrage der Gründen-Bundestagsfraktion teilte das Bundesinnenministerium laut einem Bericht des Handelsblatt nun mit , dass auf rund 33.000 PCs noch Windows 7 installiert sei. Durch ein „Extended Security Update“-Programm erhalten diese Rechner zwar auch weiterhin Updates, die jährlichen Kosten hierfür belaufen sich aber auf ca. 800.000 Euro.

 

In zahlreichen Landesverwaltungen kommt ebenfalls noch Windows 7 zum Einsatz. Allein in Berlin laufen noch 20.000 der insgesamt 85.000 Verwaltungsrechner mit Windows 7 . Der teure Support sorgt für Kritik. Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz bezeichnet den Millionenschaden als „starkes Stück“. Der Steuerzahlerbund fordert eine ressortübergreifende Abstimmung der IT. Bislang ist jedes Ministerium noch für die eigene Technik verantwortlich. Mit Problemen durch das Support-Ende von Windows 7 sei nach Ansicht der Bundesregierung derzeit nicht zu rechnen. Die Rechner der Behörden erhielten auch weiterhin Updates bis die Umstellung auf Windows 10 abgeschlossen sei. Die damit verbunden Kosten hätten nach Ansicht vieler Experten aber eingespart werden können.

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