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Morgenmagazin vom Dienstag, 30. April 2019

30.04.2019 | 07:02 Uhr |

iPhone 2019 endlich mit 18-W-Netzteil +++ 5G-Experte verlässt Apple nach 14 Jahren +++ Siri und Google Assistant populärste Sprachassistenten +++ Paypal ändert seine AGB zum Käuferschutz +++ Freispruch: Drohnen-Schütze bekommt Recht +++ Amazon kontert Kritik von Ver.di - Streiks seien nutzlos

30. April: Jazztanz in den Mai

Wir wünschen allseits Guten Morgen! An diesem Dienstag, der ein gefühlter Freitag ist, tanzt Apple womöglich doch recht beschwingt in den Mai. Am Abend, zu unserer Zeit um 22 Uhr, wenn die Börse in New York geschlossen hat, legt der Mac-Hersteller seine Bilanz für das zweite Quartal seines Geschäftsjahres vor. Die Chancen, dass Apple die Erwartungen trotz rückläufiger Umsätze und Gewinne wieder übererfüllt, stehen wohl gar nicht so schlecht. Das Lied von Apples drohendem Niedergang ist fürs Erste wieder verhallt, der Kurs der Apple-Aktie nähert sich wieder dem Rekordniveau. Die Strophe, die Tim Cook bei dieser Gelegenheit so gerne singt, die von der zunehmenden Wichtigkeit, bekommt nun eine Coda: Noch steht der Start von Apple Arcade und Apple TV+ an, aber Investoren können sich nun eher vorstellen, womit Apple regelmäßige Einnahmen generieren wird.

Hierzulande ruhen wir uns am Feiertag aber aus und gedenken der ersten Auflage des 1. Mai als Tag der Arbeit, die exakt vor 100 Jahren geschah. Der morgige Feiertag ist nicht nur der Arbeiterschaft gewidmet, sondern auch der Heiligen Walburga, weshalb die heutige Nacht auch als Walpurgisnacht zu Ruhm kam.

Ob aber  der von Goethe populär geschriebene Hexentanz tatsächlich so stattfindet, sei mal dahin gestellt. Vermutlich verfügt keine der heute Abend auf dem Brocken versammelten Damen über magische Kräfte. Eine gewisse Magie sei aber der Musik unterstellt, die heute ihren Gedenktag begeht: Jazz.

Die Musik reißt laut UNESCO Grenzen nieder und führt zu einem besseren Verständnis der Menschen untereinander. Zudem fördere er die Jugend und vernachlässigte Gruppen, seine zahlreichen Formen ermutigt zu künstlerischen Innovation und Improvisation. Jazz ist zudem ein Sprachrohr der Freiheit und des Friedens. Echte Weltmusik eben, die auf dem Blues basiert. Afrikaner gaben dem die Form, den Rhythmus und die Skalen, Europäer brachten ihre Instrumente und Harmonien mit ein und Amerika gab den Raum für die Verschmelzung und Entwicklung. Typisch die "Blue Notes", jene schmutzig-traurigen Vierteltöne zwischen der kleinen und der großen Terz sowie der kleinen und der großen Septime. Dazu die verminderte Quinte (oder erhöhte Quarte), den die europäische Klassik schon als Tritonus oder "Diabolus in Musica" kannte. So erscheint der Jazz geradezu als ideale Begleitmusik für die Hexerei auf dem Brocken. Und in der Variante Cool Jazz als Hintergrundmusik für Apples Hexen-, nein, Zahlenwerk. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Mehr Power: Den iPhones von 2019 sollen endlich mit einem 18-Watt-USB-C-Ladegerät kommen. Das Gerücht macht zwar schon länger die Runde und noch länger hätte ein solches Zubehör auch seinen Sinn, doch dieses Mal will der japanische Blog Mac Otakara korrekte Informationen aus der Lieferkette erhalten haben. Das Netzteil sie das gleiche wie das den iPad Pro beliegenden, lediglich beim Kabel gebe es Unterschiede: Das iPhone komme mit einem USB-C auf Lightning Kabel.

Umbau: Was auf den ersten Blick wie ein überraschender Rückschlag aussieht deutet wohl darauf hin, dass bei Apples Abteilung für 5G-Technologie vieles im Fluss ist: Ruben Caballero hat das Unternehmen verlassen. Die berichtete gestern The Onformation unter Bezug auf ein neues Organigramm, gegenüber Apple Insider haben das interne Quellen bestätigt, die anonym bleiben wollen. Caballero war seit 2005 bei Apple und dort für die Entwicklung von 3G, LTE und eben auch 5G verantwortlich. Zu etwas Bekanntheit war der Ingenieur im Jahr 2010 im Rahmen von "Antennagate" gekommen, er soll Steve Jobs davor gewarnt haben, dass das Design des iPhone 4 dazu führen könnte, dass Gespräche plötzliche abbrechen. Nach der Einigung mit Qualcomm und der Übernahme von Experten von Intel sei Apples 5G-Abteilung unter Umständen ein wenig überbesetzt, spekuliert The Information. Zudem sei Johny Srouji zum Leiter des Projektes (wieder) ernannt worden, Caballero habe seinerseits auf den Posten direkt unter Hardware-Chef Dan Riccio spekuliert.  

Ganz vorne: Nach einer Studie sind Siri und der Google Assistant die führenden Sprachassistenten, mit jeweils einem Marktanteil von 36 Prozent. Das gilt zumindest für den englischen Sprachraum, Die Zahlen basieren auf zwei Online-Umfragen. Die eine lief von März bis Juni 2008 in USA, UK, Australien und Indien und hatte 2.000 Teilnehmer, die andere nur in den USA, aber mit 5.000 Teilnehmern. Hinter den beiden Spitzenreitern platziert sich Amazons Alexa mit 25 Prozent, des folgt Cortana mit 19 Prozent. Ergibt natürlich mehr als 100 Prozent, aber manche Leute nutzen mehr als einen Assistenten. Das ist auch der Grund, warum die bei smarten Lautsprechern führende Alexa deutlich hinter Siri und dem Google Assistant liegt: Auf Smartphones und Tablets spielt Alexa kaum eine Rolle. Ein wenig überrascht allenfalls die Position von Siri, gleichauf mit dem Google Assistent. Jener ist auf einer wesentlich größeren Varinaz von Geräten nutzbar.

Schmuckstücke: Apple verlangt nicht nur für die Apple Watch Premiumpreise, sondern auch für die Armbänder. Doch wer jemals ein günstiges Armband (kurz) getragen hat, wird festgestellt haben, dass man sich billig nicht immer leisten kann, weil man dann mehrmals einkauft. Unsere Kollegen der Macworld haben nun eine kleine Sammlung besonderer Apple-Watch-Armbänder veröffentlicht, die alles andere als billig sind - dafür aber reichlich extravagant. So etwa das Hermès-Band für fast 500 Euro, das ja auch Apple verkauft. Oder das MTM Status A-38 Apple Watch Case, für alle diejenigen, denen die Komplikationen der Uhr noch nicht kompliziert genug sind und die neben der Apple Watch mit ihrem begrenzten Akku auch eine herkömmliche Quartz-Uhr samt Kompass im Militär-Stil schätzen. Weit hübscher kommt das Jord Wood Armband daher, aus, genau: Holz. Oder die eleganten Mia Cuff und Stainless Stelle Cuff für Damen. Den Vogel schießt das Lux Watch 4 Classic from Brikk, in 18 Karat Gold für nicht ganz 60.000 US-Dollar. Nicht nur Apple kann teuer.

Ratschläge : Ein iPad ist kein Macbook und wird auch nie eines werden. Dennoch kommen iPads immer häufiger als Laptop-Ersatz zum Einsatz. Diesen Trend sieht auch Apple und verbessert sein mobiles Betriebssystem iOS immer mehr in diese Richtung. Im Sommer kommt mit iOS 13 gewiss der nächste Schritt, doch haben unsere Kollegen der Macworld schon heute etliche Tipps, wie man mehr aus dem iPad im produktiven Einsatz als Laptopersatz heraus holt. Split View hilft etwa beim Multitasking, die Tastatur lässt sich einerseits zum Trackpad umdefinieren und für ein besseres Tippen sogar teilen. Die Notizen-App dient als Scanner, die Dateien-App zur Verwaltung von, genau: Dateien.

Paypal ändert seine AGB zum Käuferschutz

Der Zahlungsdienst Paypal hat seine Geschäftsbedingungen geändert und eine Regelung beim Käuferschutz modifiziert. Der Käuferschutz sichert den Käufer im Idealfall dagegen ab, falls er bestellte Waren oder auch Dienstleistungen vom Käufer nicht erhalten hat oder die Ware defekt ist und der Händler das Geld nicht freiwillig zurückerstatten möchte.

Dazu musste der Käufer bisher innerhalb von 180 Tagen nach dem Kauf eine Beschwerde bei Paypal einreichen. Paypal erkundigt sich zunächst beim Händler, wie dieser die Dinge bewertet. Wenn der Händler den Fall bestreitet, ist der Käufer wieder am Zug und muss mithilfe von Belegen beweisen, dass er nicht das bekommen hat, was bestellt worden ist. Für diese Antwort hatte der Käufer bislang zehn Tage Zeit.

Seit Montag, dem 29. April 2019, verlangt Paypal statt der bisherigen zehn Tage eine „zeitnahe“ Reaktion. Konkret bedeutet das, dass der Kunde unter Umständen schneller reagieren muss, um seinen Käuferschutz nicht zu verlieren. Wie schnell, teilt Paypal dabei dem Kunden in der jeweiligen Anfrage mit. Falls sich die Dinge jedoch verkomplizieren und der Kunde vielleicht sogar ein Gutachten einreichen muss, könnte der Kunde jedoch im Umkehrschluss sogar mehr Zeit erhalten. Kunden sollten also die gesetzten Fristen vom Paypal-Support zukünftig genauestens beachten, dann sind Sie als auch als Käufer weiterhin auf der sicheren Seite .


Freispruch: Drohnen-Schütze bekommt Recht

In der kleinen Stadt Riesa in Sachsen kam es vor einiger Zeit zu einem Zwischenfall der besonderen Art. Ein Mann fühlte sich von einer Drohne des Nachbarn, die ihn überflog, beobachtet. Er griff daraufhin zu seinem Luftgewehr und schoss den Quadrocopter vom Himmel. Die Klage des Drohnenbesitzers wies das zuständige Gericht nun ab.

Der Besitzer stellte nach dem Abschuss eine Anzeige wegen Sachbeschädigung, bezifferte den Schaden mit 1500 Euro und verlangte Schadensersatz. Wie jedoch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) nun berichtete, wies das Amtsgericht in Riesa die Klage ab und gab dem Luftgewehr-Schützen Recht. Der Anwalt des Schützen argumentierte, dass sein Mandant davon ausgehen musste, dass der Nachbar mit der Drohne Fotos von ihm schießen wolle, was in diesem Fall die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten verletzen würde. Zudem argumentierte der Beklagte, dass zum Zeitpunkt des Vorfalls seine beiden kleinen Töchter sich ebenfalls im Garten aufgehalten hatten.

Der Anwalt des Angeklagten berief sich auf den Selbsthilfe-Paragrafen § 229 BGB, das Gericht schloss sich dieser Auffassung ebenfalls an. Das Amtsgericht in Riesa betonte allerdings nochmals explizit, dass die Entscheidung kein Freifahrtschein zum Abschuss jeglicher Drohnen darstellen würde, es wurde auf den allgemeinen Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verwiesen.

In dem aktuellen Fall gab es also einige Besonderheiten. Es habe sich um eine Foto-Drohne gehandelt und da diese „bis zu einem Kilometer weit ferngesteuert werden könne, wäre es schwierig gewesen, den Besitzer ausfindig zu machen“. Zu seinen eigenen Schutz hätte der Angeklagte nur in sein Haus flüchten können, doch selbst dann wäre nicht sichergestellt gewesen, dass nicht bereits Aufnahmen von ihm gemacht wurden.

Laut dem Amtsgericht in Riesa musste man bei dem Urteil abwägen, „welches geeignete Mittel der Schütze hätte einsetzen können, um die Fotos gelöscht zu bekommen“. So sei in diesem Fall der Abschuss verhältnismäßig gewesen.


Amazon kontert Kritik von Ver.di - Streiks seien nutzlos

Update 29.4.2019: Amazon weist Vorwürfe zurück

Amazon reagiert auf die Vorwürfe von UNI Global Union und Ver.di mit einer Stellungnahme. Darin weist Amazon die Vorwürfe der Gewerkschaften zurück. Thorsten Schwindhammer, Community Relations Manager von Amazon, schreibt: „Die von der Gewerkschaft erhobenen Vorwürfe weisen wir zurück. Amazon beweist jeden Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann. Wir achten sehr auf die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Belegschaft und bezahlen in unseren Logistikzentren am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist….“.

Angesichts der häufigen Streikaufrufe von Ver.di ist besonders die folgende Aussage von Amazon interessant: „Die von der Gewerkschaft organisierten Streikaktivitäten haben keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens, denn die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal.“

Gegenüber Ver.di legt Amazon noch einmal nach: „Darüber hinaus haben wir fest etablierte Kooperationen mit unseren Betriebsräten, die von allen Mitarbeitern gewählt werden und die gesamte Belegschaft repräsentieren – im Gegensatz zur Gewerkschaft, die nur für eine Minderheit spricht. Um es klarzustellen: Die Gewerkschaft hat mit den Verbesserungen in unseren Logistikzentren nichts zu tun. Diese sind ein Ergebnis des ständigen und direkten Austausches mit Mitarbeitern und Betriebsräten.“ Update Ende

Die Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der Online-Versandgigant Amazon liefern sich bereits seit einigen Jahren eine heftige Auseinandersetzung mit zeitweisen Arbeitsniederlegungen. Bisher blieben die Proteste der Gewerkschafter ohne großen Erfolg, Amazon lässt alle Streikaktionen an sich abprallen. Jetzt treffen sich Gewerkschaftsmitglieder aus 16 Ländern in Berlin, um ihren Arbeitskampf gegen Amazon zu koordinieren.

Bei dem internationalen Gewerkschaftstreffen am 29. und 30. April 2019 im Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin wollen Ver.di und die weltweite Gewerkschaftsföderation UNI Global Union die länderübergreifende Zusammenarbeit gegen Amazon vorantreiben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen laut Ver.di aus 16 Ländern: Ägypten, Argentinien, Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Österreich, Pakistan, Polen, Schweden, Schweiz, Spanien und den USA.

Ver.di begründet das Treffen folgendermaßen: „Beschäftigte in den Versandzentren von Amazon sind - egal ob in Deutschland oder anderen Ländern - mit enormer Arbeitshetze, Kontrolldruck und der Missachtung von Arbeitnehmerrechten konfrontiert. Das bleibt nicht ohne Gegenwehr. Immer mehr Beschäftigte und Gewerkschaften vernetzen und koordinieren sich.“

"Der Kampf gegen die unternehmerische Gier Amazons ist einer der wichtigsten Arbeitskämpfte der jüngeren Geschichte. Amazons erschreckender Umgang mit Beschäftigten, die Nichtanerkennung von Gewerkschaften und die unethische Steuervermeidungspraxis sind inakzeptabel ", sagt Christy Hoffmann, Generalsekretärin von UNI Global Union. Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger legt nach: "Amazon tritt die Rechte der Beschäftigten mit Füßen. Die Streiks der vergangenen Jahre haben in Deutschland wichtige Verbesserungen gebracht, aber das Ziel bleibt ein Tarifvertrag für existenzsichernde Einkommen sowie gute und gesunde Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten… Wir haben einen langen Atem und werden uns noch stärker länderübergreifend koordinieren".

Darum geht es beim Streit Ver.di gegen Amazon: Die Auseinandersetzung zwischen Ver.di und Amazon dauert schon mehr als fünf Jahre an. Ver.di fordert, dass für die Amazon-Mitarbeiter die Tarifbedingungen des Einzel- und Versandhandels gelten sollen – das hätte höhere Löhne zur Folge. Amazon lehnt dies jedoch ab und legt die schlechteren Vorgaben des Tarifvertrags für die Logistikbranche zu Grunde. Amazon zahle laut eigenen Angaben 10,78 Euro pro Stunde, nach 24 Monaten Unternehmenszugehörigkeit würde ein Amazonmitarbeiter im Schnitt 2275 Euro brutto im Monat verdienen, worin alle Sonderzahlungen enthalten sind.

Zusätzlich würden laut Amazon „Mitarbeiter von Aktien und weiteren Zusatzleistungen wie Sondervergütung für Überstunden, Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Beiträgen für die betriebliche Altersvorsorge oder das Career-Choice-Programm, über das bis zu 95 Prozent der Kursgebühren und Literaturkosten für eine Aus- und Weiterbildung übernommen werden“, profitieren. „Für den Job als Versandmitarbeiter sind keine Vorqualifikationen erforderlich“, wie Schwindhammer seine Ausführungen schließt. Ver.di hatte allerdings auch schon mal wegen „respektloser Behandlung durch Vorgesetzte“ zu Streiks aufgerufen.

Amazon: Seit Mitternacht Streik in Logistikzentrum

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