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Morgenmagazin vom Dienstag, 5. Oktober 2021

05.10.2021 | 07:13 Uhr | Peter Müller

Gurman: Neue Macbooks Pro bald, Mac Mini M1X später +++ Neue Logos für USB-C: Mehr Übersichtlichkeit +++ Intel wagt "soziales Experiment" mit Apple-Fans +++ Facebook nach sechs Stunden wieder online +++ Facebook-Whistleblowerin gibt sich öffentlich zu erkennen +++ Neue Sicherheits-Updates für Chromium-Browser

5. Oktober: Zehn Jahre

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Zehn Jahre sind gerade in der IT am Ende der  Ära des Moore'schen Gesetzes eine lange Zeit, und doch wieder nicht. Zehn Jahr gehen schnell vorüber: Am 5. Oktober 2011 verstarb Steve Jobs an den Folgen seiner langjährigen Krebserkrankung, in Europa war bereits der 6. Oktober angebrochen.

Man hätte es ahnen können, am 24. August hatte Steve Jobs 2011 seinen Posten als CEO endgültig aufgegeben, weiterhin wolle er beratend im Hintergrund aktiv sein. Optimisten wie wir hatten daher vermutet und gehofft, dass er sich bei der Vorstellung des iPhone 4S - dem ersten Gerät mit der sprechenden Assistentin Siri, der wir uns gestern an dieser Stelle widmeten - vielleicht ja per Videoschalte aus dem Home Office melden würde – aber die Agonie war bereits zu weit fortgeschritten.

Schon ein paar Wochen später erfuhr man einige der Hintergründe, die Apple und Steve Jobs bis dahin in Euphemismen wie "kurative Auszeit" oder "Stoffwechselstörung" versteckt hatten. Auch erfuhr man von den Zweifeln Jobs' ob das Abwarten nach der ersten Diagnose 2003 und die frutarische Ernährung wirklich so klug war – doch hatten seinerzeit die Ärzte auch im Falle einer raschen Operation nur eine Lebenserwartung von fünf Jahren geben können. Vermutlich aber hätte ein Jahr vorher nicht schon die Leber Metastasen gehabt und bei deren Transplantation 2009 das Bauchfell. Selbst Vordenker sind hinterher immer klüger.

Ein Geheimnis hat Steve Jobs ins Grab genommen - aber vielleicht war er auch nur einem Irrtum aufgesessen, als er seinem Biographen Walter Isaacson davon erzählte, er hätte das Fernsehen "geknackt" und wisse nun, wie ein disruptives Apple-Produkt aussehen müssten. Schnell machte die Mär von einem Apple-Fernsehapparat die Runde, aber selbst wenn Cupertino in die Richting hin entwickelt hätte, wäre bald klar gewesen, dass in der Sparte kaum Margen zu holen sind. Wie weit Apple wirklich in der Entwicklung voran geschritten war und wer letztendlich aus welchen Gründen den Stecker zog - wir wissen es nicht. Glauben aber zu ahnen, dass bei Apple in der Tat auf ein "Ja" erst einmal tausend Mal "Nein" kommen muss.

Statt auf einen Glotz-Apparat setzt Apple heute auf Services – und darauf, sein Programm Apple TV+ auf möglichst viele Geräte zu bringen, nicht nur die eigenen. Wiederkehrende Umsätze, nur wenige Dollar pro Nutzer, aber schon Apple hat verdammt viele Nutzer.

Zehn Jahre nach dem Ableben des Gründers und legendären Produktvisionärs ist Steve Jobs in Cupertino allgegenwärtig - nicht nur als Namensgeber des Steve Jobs Theater, das Apple hoffentlich im nächsten Frühjahr wieder unter 2G oder 3G-Regeln mit Publikum füllen kann. Die heutige Führungsriege fragt sich aber wohl nur noch selten, was Steve nun tun würde - sie haben tun es einfach- Gewiss auch in seinem Sinne, denn gegen Ende des Lebens hatte Steve Jobs Apple selbst als sein größtes Produkt betrachtet.

In diesen Tagen hören wir auch manchmal neue Anekdoten, wie die gestern berichtete, Steve Jobs hätte die Haltbarkeit des iPhones mit einem Wurf des Protoypen auf den Boden in den Redaktionsräumen des Wall Street Journal demonstriert. Der Wagemut, die komplette Firma auf den Erfolg des iPhone zu wetten, hätte auch nach hinten losgehen können. Ein gesprungenes Display nach dem Droptest oder zuvor eine misslungene Präsentation auf der Macworld Expo in San Francisco am 9. Januar 2007 ab 9.41 Uhr Ortszeit – und das wäre es mit Apple vielleicht gewesen.

Sein Nachfolger Tim Cook, den man ohne Weiteres als einen Jobs-Vertrauten bezeichnen kann, mag etwas weniger risikofreudig sein. Zumindest bisher. in den letzten zehn Jahren hat auch er, der manchen Apple-Fanboys immer noch als dröger Technokrat gilt, auch in Sachen Produkte etwas voran gebracht. Die Apple Watch, von der man bei Apple anfangs gar nicht so recht wusste, welchen Sinn und Zweck sie erfüllt, sollte es allmählich auf Rezept geben – Gesundheitsgerät statt Schmuckstück. Der Wechsel von Intel zu eigenen Chips im Mac – nicht ohne Risiko aber nicht nur in Sachen Leistungsfähigkeit die beste Entscheidung für ein Produkt, das selbst Steve Jobs in den letzten Lebensjahren ein wenig stiefmütterlich behandelte. Oder eben die Idee, Apples Ökosytem in Sachen Services auszuweiten und damit letztendlich von Geräten unabhängig zu machen – das wird sich langfristig auszahlen. Die nächsten bedeutenden Schritte in dieser Richtung werden wir in Sachen Smart Home sehen.

Denn auch wenn das iPhone noch lange gewaltige Geldströme nach Cupertino spülen wird: Die Zeit nach dem Smartphone hat bereits begonnen. Und sogar das nächste große Ding in Gestalt einer Hardware könnte Apple bereits in petto haben: Bis Tim Cook den ersten Protoypen einer AR/VR-Brille durch die Gegend schleudern wird, kann es nicht mehr so lange dauern. Wichtiger werden für Apples künftigen Erfolg aber die Software und die Services dahinter sein. Den Anspruch, Software so natürlich werden zu lassen, als sei sie gar nicht da, den "Ease of Use", den schon die Oberfläche des Mac vor fast 38 Jahren zeigte, kann Apple nicht hoch genug hängen. Aber das ist tief in der DNA des Unternehmens verankert.

Lesetipps für den Dienstag

Umgebaut: In der jüngsten Runde seiner Betriebsystemupdates auf iOS 15, iPadOS 15 und macOS Monterey hat Apple seinen Browser Safari auf Version 15 gehoben und diesen kräftig umgebaut. Neu sind unter anderem die Tab-Gruppen, die ihre Nützlichkeit erst noch beweisen müssen. Was fraglos in den letzten Jahren sehr hilfreich war, sind die Cloud-Tabs: Auf iPhone und iPad konnte man sehen, welche Tabs in Safari auf dem Mac geöffnet waren und umgekehrt. Diese sind nun nicht verschwunden, nur anderes angeordnet und funktional etwas geändert. Glenn Fleishman hat die Details.

Neue Macs: Der Oktober ist da, in ein paar Wochen sollte Apple neue Macbooks Pro vorstellen, wenn die üblichen Auguren recht behalten wollen. Bloombergs Mark Gurman bekräftigte am Wochenende in seinem Newsletter "Power On" seine Vermutung, Apple werde "in den nächsten Wochen" die lang erwarteten Macbooks Pro mit M1X-Chips vorstellen. Dabei werde es aber vorerst bleiben, denn ein neu gestalteter Mac Mini M1X werde noch etwas länger auf sich warten lassen und könnte somit erst Anfang 2022 auf der Bildfläche erscheinen.

Übersicht: USB-C hat etliche Vorteile – die Kabel dafür sind symmetrisch und bidirektional, der Port kann sehr vielseitig sein. Doch muss er das nicht, auf den ersten Blick ist nicht offensichtlich, ob sich ein Gerät darüber laden lässt oder nur Daten überträgt und das bei welcher Geschwindigkeit? Das USB Implementers Forum (USB-IF) will nun ein wenig Klarheit walten lassen und stellt neue Logos für Kabel und Buchsen vor. Diese sollen etwa zeigen, ob Power Delivery unterstützt wird und bis zu welcher Leistung und wie schnell Daten sich übertragen lassen. Dabei belassen es die Logos nicht bei kryptischen Symbolen, sondern nennen klare Zahlen.

Wieder online: Sechs Stunden hat gestern Abend die Downtime von Facebook und verwandten Diensten wie Instagram und Whatsapp gedauert, mittlerweile sind die Dienste zum größten Teil wiederhergestellt. Eine fehlerhafte Änderung bei einer Konfiguration sei die Ursache gewesen, welche die Domain facebook.com zeitweise ins Nirwana schickte und im DNS-System nicht mehr auffindbar war.  Konkret sei der Fehler im Border Gateway Protocol aufgetreten, wie das Unternehmen nach Wiederherstellen der Dienste in einem Blogpost indirekt bestätigte. "Unsere Ingenieurteams haben herausgefunden, dass Konfigurationsänderungen an den Backbone-Routern, die den Netzwerkverkehr zwischen unseren Rechenzentren koordinieren, Probleme verursacht haben, die diese Kommunikation unterbrochen haben", erklärt Facebooks VP of Engineering and Infrastructure Santosh Janardhan. "Diese Unterbrechung des Netzwerkverkehrs hatte einen kaskadenartigen Effekt auf die Art und Weise, wie unsere Rechenzentren kommunizieren, und brachte unsere Dienste zum Stillstand."

Werbung: Ein "soziales Experiment" nennt Intel die Aktion, die zum jüngsten Werbespot gegen Apple geworden ist, das bekanntlich die Frechheit besitzt, dem Chip-Hersteller nach gut 15 Jahren den Rücken zu kehren und auf selbst entwickelte Prozessoren setzt. Zwölf "echte Apple-Fans" habe man in einem Raum versammelt und über künftige Hardware gesprochen, etwa Hybridlösungen für Notebooks oder Konfigurierbarkeiten sowie Upgrademöglichkeiten. Die geplante Überraschung: Alle besprochenen Hardwarefeatures gibt es bereits bei PC-Hardware, mit Intel-Prozessoren bestückt. Der Haken an der Sache ist aber auch klar: macOS bekommt man auf diesen Maschinen nicht. So möchte man Intel erneut das Steve-Jobs-Bonmot an den Kopf werfen: "It's the software, stupid."

Auf dem Weg: Die Apple Watch Series 7 mit ihrem größeren Bildschirm, der eine Tastatur in voller Größe erlaubt und watchOS 8 zeigen den Weg zu einer größeren Unabhängingkeit der Apple Watch vom iPhone auf, meint der Designer Parker Ortolani bei 9to5Mac. Das ist an etlichen Stellen zu sehen, wie der Home-App, der Fotos-App oder den Einstellungen für die Apple ID. Noch fehlt aber Safari auf dem Mac - auch wenn es auf den ersten Blick seltsam erscheint, auf dem Handgelenk browse zu wollen, wäre eine solche Lösung aber unerlässlich, um die Apple Watch auch unabhängig agieren zu lassen.

Kein Weg zurück: Zwei Wochen nach der Veröffentlichung von iOS 15 verbaut Apple den Rückweg auf iOS 14.8, indem es das alte System nicht mehr signiert. iOS 14.8 war erst drei Tage von iOS 15 erschienen, mit dem Lückenschluss einer Zero-Day-Lücke. Im Gegensatz zu früheren Systemen soll iOS 14.8 aber in Zukunft Sicherheitsupdates erhalten, die in regulären iOS-15-Aktualisierungen zur Anwendung kommen.

Weitere Nachrichten:

Facebook-Whistleblowerin gibt sich öffentlich zu erkennen

Die Whistleblowerin, die einige kritische interne Berichte zu Untersuchungen des Facebook-Konzerns ans Licht brachte, hat sich nun im US-amerikanischen TV zu erkennen gegeben, wie der Spiegel berichtet. Bereits am Dienstag soll sie sich Fragen im US-Kongress stellen.

Bei der Whistleblowerin handelt es sich um die ehemalige Facebook-Produktmanagerin Fances Haugen. Im US-TV gab sie sich in der Sendung "60 Minutes" zu erkennen. Medienwirksam wurde unter anderem der Bericht, dass Facebook in internen Untersuchungen, welchen Einfluss Instagram auf junge Nutzer hat, publik. Teenager und vor allem junge Mädchen leiden im Kontext des Nutzens der Social-Media-Plattform verstärkt an Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Dies führe zu negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der jungen Nutzer. Im  Zuge dessen wurde unter anderem auch das Projekt "Instagram Kids" vorerst auf Eis gelegt:

Gegenüber dem "Wall Street Journal" sagte die Ex-Mitarbeiterin, sie sei frustriert, dass Facebook mit den Erkenntnissen, dass das Netzwerk Schaden anrichten kann, nicht offener umgehe. Haugen beantragte bei US-Behörden nun offiziell Schutz als Whistleblowerin.

Facebook wusste angeblich von Negativauswirkungen auf Nutzer

Zu ihren persönlichen Aufgaben in ihrem Job habe es demnach gehört, etwa Manipulationsversuche im Wahlkampf aufzudecken und zu bekämpfen - sie hatte jedoch schnell das Gefühl, einen Kampf gegen Windmühlen zu führen, da das Unternehmen zu wenig Ressourcen bereitstellte. Facebook selbst habe weiter auf Wachstum gesetzt, die negativen Auswirkungen der Plattform auf die  Nutzer seien jedoch bekannt gewesen.

Facebook selbst erklärte nach den Äußerungen der Whistleblowerin, dass das Unternehmen täglich versuche, eine Balance zwischen dem Recht von Milliarden Menschen auf freie Meinungsäußerung und einer sicheren Umgebung für die Nutzer zu finden.

Auch interessant:



 

Neue Sicherheits-Updates für Chromium-Browser

Google hat kürzlich ein wichtiges Sicherheits-Update für Chrome veröffentlicht. Darin haben die Entwickler unter anderem zwei Schwachstellen beseitigt, für die bereits Exploit-Code im Umlauf ist. Das Update auf Chrome 94.0.4606.71 schließt diese und weitere Sicherheitslücken. Etliche andere Browser-Hersteller setzen wie Google mit Chrome auf die quelloffene Chromium-Basis und müssen stets mit Updates nachziehen.

Microsoft (Edge), Brave und Vivaldi haben rasch reagiert und bereits am 1. Oktober Updates bereitgestellt. Mit Edge 94.0.992.38 baut Microsoft dabei wie Brave 1.30.87 auf die Chromium-Version 94.0.4606.71. Beide sind damit wieder auf dem gleichen Stand wie Chrome.

▶Die neuesten Sicherheits-Updates

Vivaldi ist wie schon beim letzten Mal einen anderen Weg gegangen. Die Entwickler um Ex-Opera-Chef Jon von Tetzchner haben die Sicherheits-Patches für Chromium 94 auf Chromium 93 zurückportiert. Vivaldi 4.2.2406.54 basiert auf Chromium 93.0.4577.99, dennoch sind alle bislang aus Chrome 94 bekannten Sicherheitslücken geschlossen.

Bei Opera dauert es mal wieder etwas länger, ohne dass ein passender Schokoriegel zur Hand wäre. Die aktuelle Opera-Version 79.0.4143.72 basiert noch immer auf Chromium 93.0.4577.82. Sie enthält somit noch etliche Sicherheitslücken, einschließlich dreier 0-Days, die in den anderen genannten Browsern bereits geschlossen sind.

Am 19. Oktober soll Chrome 95 erscheinen und, der neuen Vier-Wochen-Kadenz folgend, ist am 16. November Chrome 96 an der Reihe.

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