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Morgenmagazin vom Dienstag, 6. Juli 2021

06.07.2021 | 07:08 Uhr | Peter Müller

iPhone 13 oder doch 12s? Entscheidung offenbar gefallen +++ Foxconn steiger Umsatz +++ Homepods können mit Beta überhitzen +++ Apple verhindert Umgehen der Ad Tracking Transparency in China +++ Whatsapp: Künftig 8K-Videos in Original-Qualität verschicken +++ Playstation 5 bei Amazon: 12.000 Konsolen in Kürze erhältlich? +++ Kaseya: Erpresser fordern 70 Millionen Dollar Lösegeld

6. Juli: Eskalierend oskulieren

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Man sollte sich nie zu früh freuen – von niedrigen Zahlen waren viele auch vor einem Jahr geblendet und dachten tatsächlich, dass die Pandemie vorbei sei. Doch konnte man schon um den Sommeranfang 2020 herum sehen, dass die erfreulich tief nach unten gebogene Infektionskurve wieder anstieg. Zunächst mit einer noch geringen Steigung, dann aber immer schneller, als Reiserückkehrer frische Infektionen ins Land brachten und sich vor allem die Leute wieder häufiger in Innenräumen trafen. Reagiert haben einige Politiker gar nicht oder zu spät, vom saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) ist etwa überliefert, man müsse erst handeln, wenn die Kurve "wieder richtig exponentiell" steige. Was an der Exponentialfunktion haben diese Leute nicht verstanden? Es ist zum Verzweifeln.

Natürlich entwickelt sich die stochastische Reihe der Neuinfektionen nicht so glatt wie eine Funktion, die man in wenigen Zeichen hinschreiben kann wie etwa f(t) = a*e bt  Modellierungen der Reihe sind daher immer nur Annäherungen, doch hat sich gezeigt, dass der Verlauf sich in unterschiedliche Phasen einteilen lässt, die eben sehr genau der e-Funktion folgen, mit positivem oder negativem Exponenten. Auch hier ist negativ das neue positiv – denn dann sinken die Zahlen.

Wie man wunderschön an der Reihenentwicklung der e-Funktion sehen kann, ist diese auch gleich ihrer ersten Ableitung. Und der zweiten sowie der aller anderen. Sonst geben die Ableitungen von Kurven Hinweise darauf, wo ihre maximalen Werte sind oder sich ihre Krümmung ändern. Wenn sich zwei Kurven an einem Punkt schneiden, dann haben ihre zugrunde liegenden Funktionen an diesem Punkt den gleichen Wert. Haben die ersten Ableitungen der Kurven auch den gleichen Wert, so sind die Steigungen an diesem Punkt gleich, sie berühren sich also. Sind die zweite Ableitung und damit die Krümmung auch noch gleich, spricht man von Oskulation, abgeleitet vom lateinischen Wort osculare, was "küssen" bedeutet. Wenn dann auch noch die dritte Ableitung gleich ist, dann handelt es sich um eine Hyperoskulation. Der 6. Juli gilt als Internationaler Tag des Kusses, in Großbritannien soll diese Tradition erfunden wurden sein. Wir wünschen also am heutigen Tag eine fröhliche Hyperoskulation! Denn: "All you need is love", erkannten schon Paul McCartney und John Lennon, die sich an diesem Tag vor 64 Jahren erstmals in Liverpool über den Weg liefen.

Lesetipps für den Dienstag:

Der Name der Dose : Wie wird Apple die iPhone-Nomenklatur fortführen? Da die Modelle von 2021 sich auf den ersten Blick kaum von den aktuellen der 12er-Reihe unterscheiden dürften, wäre iPhone 12S (Pro, Max, Mini) sicher recht nahe liegend. Anderes spricht für iPhone 13, bei den Betriebssystemen zählt Apple jetzt selbst beim Mac strikt weiter und legt keine S-Klasse mehr auf. Die Economic Daily News legt sich nun fest: Aufgrund der aus Apples Lieferkette gewonnenen Informationen werden die kommenden Telefone iPhone 13 heißen, im der gleichen Aufstellung wie auch heute als 13, 13 Mini, 13 Pro und 13 Pro Max.

Gute Zahlen: Der Apple-Zulieferer Hon Hai Precision Industry Co, bekannt unter seiner Handelsmarke Foxconn, hat im zweiten Quartal 2021 seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent auf 48,7 Milliarden US-Dollar steigern können. Damit profitiert auch Hon Hai von der weitere starken Nachfrage nach Apples Geräten, die im Wesentlichen in Foxconn-Fabriken in Südchina zusammen gebaut werden. Bereits im ersten Quartal hatte Hon Hai einen starken Zuwachs von 44 Prozent gegenüber Vorjahr vermelden können, dieses war aber von der Pandemie bestimmt.

Noch so ein Name: Der Entwickler Carl Schou hat einen weiteren Netzwerknamen gefunden, der iPhones zum Absturz bringt und das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen erfordert. Nach %p%s%s%s%s%n ist es nun %secretclub%power, das den gleichen Effekt zeitigt. Die Gemeinsamkeit im SSID ist offensichtliche: %p und %s, noch ist nicht klar, ob schon einer der Strings das Problem auslöst oder ob beide enthalten sein müssen. Schou hat bereits Apples Sicherheitsteam informiert, eine Antwort steht noch aus.

Bedingt abwärtskompatibel : Die Notizen bekommen in macOS 12 Monterey und iOS 15/iPadOS 15 einige neue Informationen wie Erwähnungen und Tags. Erstere sind für gemeinsam bearbeitete Notizen wichtig, mit dem @-Zeichen wird man fortan Kollaborateure ansprechen können. Tags sollen dabei helfen, Notizen leichter auffindbar zu machen. Doch Vorsicht: Frühere Systemversionen werden Notizen mit diesen Elementen nicht anzeigen können, Mindestvoraussetzung ist iOS 14.5, iPadOS 14.5 und macOS 11.3 Big Sur.

Some like it hot: Für den Homepod gibt es kein offizielles Beta-Programm von Apple, nur auf Einladung können Besitzer des Siri-Lautsprechers die neue Vorabversion ausprobieren. So kursieren im Netz aus fragwürdigen Quellen einige Profile, von denen man wohl besser Abstand nehmen soll. Denn wie einige Reddit-Nutzer unabhängig voneinander berichten, können Homepods mit der neuen Beta-Firmware im Gebrauch überhitzen, Schaden am Logic-Board können die Folge sein. Die Symptome beim originalen Homepod sind eine deutlich erwärmte Oberfläche, Siri reagiert nicht mehr und mit einem Tipp auf das Bedienfeld lässt sich die Musik nicht stoppen, sondern nur zum nächsten Stück springen. Guter Rat ist teuer, denn ein Zurück auf frühere Firmwareversionen ist nicht möglich. Apple hat zudem den Homepod eingestellt, für von Beta-Software verursachte Schäden haftet der Hersteller nicht.

Abwehr: Apple hat sich laut Financial Times durch frühes und konsequentes Handeln aus einer potenziellen Zwickmühle in China befreit. Seit dem Frühjahr hat Apple Maßnahmen gegen intransparentes Ad-Tracking ergriffen und verpflichtet Werbetreibende dazu, die Nutzer um Erlaubnis zu bitten, IDFA einzusetzen. Dieser Identifier for Advertisers erlaubt es dann, Nutzungsvorgänge in verschiedenen Apps der gleichen Person zuzuordnen und ihr maßgeschneiderte Werbung auszuspielen. In China haben nun einige große Apps wie TikTok oder QQ versucht, mit der alternativen Chinese Advertising ID (CAID) Apples Regeln zu umgehen. Doch diese schreiben auch für andere Identifier neben dem IDFA Transparenz vor. Nach Ansicht der Financial Times habe die chinesische Werbeindustrie Apple in eine Zwickmühle schicken wollen, denn man sei davon ausgegangen, dass Cupertino große Netzwerke in China nicht sperren würde, um die Regierung in Peking nicht zu verärgern. Wenn aber Apple stillschweigend die CAID zulassen würde, gäbe es ein gigantisches Schlupfloch in der Ad Tracking Transparency und diese wäre an sich erledigt. So verweigerte Apple Updates für Apps, die CAID einsetzten - und das war das richtige Vorgehen, denn damit zog Apple rechtzeitig den Stecker. Die CAID hat rapide an Zulauf verloren und dürfte nun ihrerseits erledigt sein.

Weitere Nachrichten:

Whatsapp: Künftig 8K-Videos in Original-Qualität verschicken

Nutzer von Whatsapp können künftig Videos an andere Nutzer in einer besseren Qualität als bisher senden. Die Videos lassen sich damit sogar in der Original-Qualität mit bis zu 8K-Auflösung versenden. Ein entsprechendes Smartphone natürlich vorausgesetzt, welches in der Lage ist, ein 8K-Video aufzunehmen, wie etwa Geräte der Galaxy S20 oder Galaxy S21 Reihe.

Die entsprechende neue Funktion hat Wabetainfo bereits in der für Android-Geräte verfügbaren Beta 2.21.14.6 von Whatsapp gesichtet. Will der Nutzer ein Video an einen anderen Nutzer versenden, dann blendet Whatsapp in der Beta drei Auswahlmöglichkeiten an: "Auto", "Best quality" und "Data saver".

Bei "Auto" wählt Whatsapp selbst die beste Kompression vor dem Versenden aus. Bei "Data saver" komprimiert Whatsapp so stark wie möglich das Video, um dessen Größe so gut wie möglich zu reduzieren und damit auch den Datenverbrauch zu senken. Bei "Best quality" wird schließlich das Video mit der bestmöglichen Qualität versendet.

In der Whatsapp-Beta funktioniert das Ganze derzeit nur bei Videos. Denkbar wäre aber, dass es eine entsprechende Funktion auch für Fotos geben könnte, wodurch sich dann auch Fotos künftig mit einer besseren Qualität als bisher versenden lassen würden.

Erst kürzlich hatte Whatsapp auch eine neue Funktion eingeführt, durch die Fotos und Videos vom Empfänger nur einmal angesehen werden dürfen, die wir aber noch für verbesserungswürdig halten.

Playstation 5 bei Amazon: 12.000 Konsolen in Kürze erhältlich?

Die Playstation 5 ist weiterhin nur schwer erhältlich und man muss Glück haben, bei einem neuen "Drop" eine Konsole bei einem der Online-Händler zu erwischen. Laut jüngsten Twitter-Gerüchten einer doch eher sehr vertrauenswürdigen Quelle könnte so ein "Drop" schon in den nächsten Tagen wieder bei Amazon landen. Angeblich hat Amazon 12.000 Playstation 5 Konsolen in der Disc-Variante erhalten, die in dieser Woche dann zum Verkauf angeboten werden sollen.

Passend dazu meldet die Website Gameswirtschaft.de, die die Verfügbarkeit der Playstation-5-Konsole bei Händlern verfolgt, dass es bei Amazon schon länger keine neuen Playstation-5-Konsolen zum Verkauf gegeben habe. "Mit Ausnahme von Amazon konnten so gut wie alle großen Händler die Playstation 5 anbieten – so etwas hat es im Jahr 2021 noch nicht gegeben", heißt es dort. Das kann man auch als Indiz darauf werten, dass bei Amazon in Kürze eine größere Menge an Playstation-5-Konsolen erhältlich sein wird.

Wer unbedingt eine Playstation 5 kaufen will, sollte sich entsprechend gut auf neue "Drops" vorbereiten. Im Falle von Amazon lohnt es sich beispielsweise, die entsprechenden Amazon-Produktseiten in die Browser-Favoriten abzulegen und/oder die Wunschliste. Zusätzlich sollte auch auf die Konsolen-Bundles geachtet werden, denn auch diese könnten kurzfristig verfügbar sein.

Bei Amazon sollten Sie insbesondere diese Produktseiten im Blick behalten:

Playstation 5 bei Amazon kaufen (bald wieder erhältlich)

Abseits von Amazon sollten Sie aber auch auf die Verfügbarkeit neuer Playstation-5-Konsolen bei folgenden Online-Shops achten. Auch dort sind immer wieder Konsolen erhältlich:

Kaseya: Erpresser fordern 70 Millionen Dollar Lösegeld

Der Angriff der Erpresserbande hat am Freitagabend, 2. Juli, gegen 20 Uhr MESZ begonnen. Die Täter haben eine 0-Day-Lücke in der VSA-Software des US-Unternehmens Kaseya ausgenutzt, um in dessen Server einzudringen und Ransomware einzuschleusen. Das Schadprogramm wurde mit VSA-eigenen Funktionen an etliche Kaseya-Kunden verteilt und weiter an deren Kunden. Die Software Kaseya VSA (Virtual Systems Administrator) wird von IT-Dienstleistern genutzt, um ihren Kunden technische Unterstützung zu leisten, etwa Fernwartung. Dieser Angriffstyp wird auch als „Supply-Chain“-Attacke bezeichnet (Supply Chain: Lieferkette).

Die Täter kommen aus dem Umfeld einer als „REvil“ bekannten kriminellen Gruppe. Die REvil-Gruppe entwickelt Ransomware und bietet sie nach dem SaaS-Prinzip (Software-as-a-Service) anderen Online-Kriminellen an, sozusagen „RaaS“ (Ransomware-as-a-Service). Den Vertrieb übernehmen sogenannte Affiliates auf Provisionsbasis.

Der Angriffszeitpunkt ist mit Bedacht gewählt: Am 4. Juli ist der amerikanische Unabhängigkeitstag, einer der wenigen landesweiten Feiertage in den USA. Am Freitagnachmittag dürften sich viele Angestellte bereits in ein langes Wochenende verabschiedet haben, denn da der 4. Juli auf einen Sonntag fiel, war der gestrige Montag arbeitsfrei. Das Schadprogramm hatte also reichlich Zeit, sich über durchlaufende Server lawinenartig zu verbreiten und maximalen Schaden anzurichten.

Die Täter reklamieren für sich, sie hätten bei diesem Angriff mehr als eine Million Geräte infiziert. Gegen ein Lösegeld in Höhe von 70 Millionen US-Dollar in Bitcoin bieten sie an, ein universelles Entschlüsselungsprogramm zu veröffentlichen, mit dem alle betroffenen Unternehmen ihre Daten wieder entschlüsseln könnten – angeblich innerhalb einer Stunde. Betroffen sind Firmen weltweit, vor allem in den USA, aber auch in Europa. So musste die schwedische Supermarktkette COOP am Wochenende fast alle 800 Filialen schließen, weil die Kassensysteme nicht mehr funktionierten.

 

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat am Montag gemeldet, dass auch in Deutschland IT-Dienstleister und weitere Unternehmen betroffen seien. Es seien mehrere tausend Geräte verschlüsselt worden. Kritische Infrastrukturen seien nicht betroffen. Unternehmen, die Opfer dieses Angriffs geworden sind, mögen sich weiterhin beim BSI melden.

Der Software-Hersteller Kaseya gibt an, es seien weniger als 60 seiner Kunden kompromittiert, alle mit Vor-Ort-Installationen („on-premises“). Von deren Kunden wiederum seien insgesamt weniger als 1500 betroffen. Kaseya hat ein Compromise Detection Tool bereitgestellt, mit dem kompromittierte Systeme identifiziert werden können. Der Hersteller empfiehlt allen Kunden, ihre VSA-Systeme vom Netz zu nehmen und vorerst offline zu lassen. Kaseya hat ein Sicherheits-Update für VSA angekündigt, den Bereitstellungstermin jedoch immer wieder aufgeschoben. Ursprünglich sollte es am 4. Juli erscheinen, dann am 5. Juli, nach aktuellem Stand soll es im Laufe des heutigen 6. Juli soweit sein.

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