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Morgenmagazin vom Dienstag, 8. November 2016

08.11.2016 | 06:53 Uhr |

VoCo: Adobe zeigt Photoshop für Audio +++ Apple entfernt Fake-Shopping-Apps +++ Entscheidung über Rechenzentrum in Irland im April +++ Graphic Converter 10 jetzt mit Anbindung an Apple Fotos +++ Studie: Kundenservice von Providern hat sich verbessert +++ Tesco Bank: Hacker greifen 40.000 Kunden an +++ Tesla verlangt künftig eine Supercharger-Gebühr +++

8. November: There's a lady who's shure...

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! In der John-Grisham-Verfilmung „Der Klient“ git es die wunderschöne Szene, in der Anwältin Reggie Love erstmals auf ihren minderjährigen Klienten Mark Sway trifft und dieser wenig von der „alten Schachtel“ begeistert ist. Diese wisse ja bestimmt nicht, wie denn die ersten vier Platten von Led Zeppelin hießen. Die von Susan Sarandon dargestellte Anwältin kann ihren Klienten schließlich doch davon überzeugen, dass er nur mit ihrer Hilfe die nächsten 110 Filmminuten überleben würde und dreht sich im Herausgehen aus dem Besprechungsraum noch einmal um: „Die ersten Alben von Led Zeppelin heißen einfach nur I, II und II. Das vierte hat keinen Titel, wird aber allgemein IV genannt.“ Nicht nur Mark Sway ist beeindruckt.

Titellose Alben sind nicht ungewöhnlich, etwa das „Weiße Album“ der Beatles, das „schwarze“ von Metallica oder das von Genesis zwischen Abacab und Invisible Touch. Das vierte Album von Led Zeppelin hat ebenso keinen Titel, die IV ist als inoffizieller Titel aber nicht verkehrt, da auf den Vorgängern eben gut sichtbar die römischen Ziffern prangen. Apple Music positioniert sich da eindeutig, dort heißt das Werk „Led Zeppelin IV“. Four Symbols könnte an auch sagen, denn Plant, Page, Bonham und Jones haben auf dem LP-Cover innen vier erklärungsbedürftige Symbole anbringen lassen, die sie indes nie erklärten - davon ist in digitalen Zeiten nichts mehr übrig geblieben. Oder man sagt einfach zu der am 8. November 1971, heute vor 45 Jahren, erschienen Platte: Das Album mit „Stairway to Heaven“.  Das ist zwar ein bisschen ungerecht gegenüber Titeln wie „Black Dog“ oder „Rock and Roll“, die die vier Briten auch auf dem berühmten Reunionkonzert vor fast neun Jahren aufführten, aber der Song mit der Dame, die wir alle kennen, und die meint, sich alles kaufen zu können, inklusive Glückseligkeit, ist nun einmal der Zentrale auf der Scheibe. Und wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass die vier auf der zweiten Seite heute kaum noch bekannt sind, der wer wollte die LP nach diesem Song überhaupt noch umdrehen? Nein, alles noch mal von vorne. Und nochmal und nochmal. Dann erst die zweite Seite anhören. Das muss man den Musikhörern von heute überhaupt noch erklären, dass Stairway to Heaven zwar ganze Universen der Lyrik und der Musik eröffnet, aber nicht allein steht. Und dass die Reihung von Songs in Alben kein Zufall ist und der Bruch in der Mitte oft gewollt. Das Album als solches scheint aber trotz der Bemühungen vieler Experten 45 Jahre nach Veröffentlichung von „IV“ endgültig Vergangenheit zu sein.

Hat aber nicht neben dem Musikalbum auch die Musik generell an Bedeutung verloren? Ist das, was wir heute als Popmusik bezeichnen und per Stream im Abo beziehen, einfach nur beliebige Ware, die Kalkulationen unterliegt und den ein oder anderen Profit erwirtschaftet, wer auch immer den einstreicht? Für Rock’n'Roll sind es keine einfache Zeiten, seit er in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und die überlebenden Protagonisten der Urformationen reif für das Altersheim oder zumindest das Sauerstoffzelt nach jedem Auftritt sind. Es ist auch kein Zeichen der Auflehnung mehr, als Mann längere Haare zu tragen, mit schwarzen Jungs herumzuhängen oder mit einer Lautstärke Musik vorzutragen, bei der ungeübte Ohren erst einmal erschrecken (direkt im klassischen Orchester zu sitzen, ist für das Gehör übrigens fast genau so schädlich, wie als Rock’n’Roller vor einer Verstärkerwand herum zu turnen).

Aber sollten wir wünschen, dass man sich bald wieder für seinen Musik- und Frisurengeschmack entschuldigen müsste? Oder sich am Ende noch seiner sexuellen Orientierung oder seiner Hautfarbe schämen sollte? Mit einem Wort: Auf Rock’n’Roll-Songs der Trump-Ära in den Vereinigten Staaten können wir gut und gerne verzichten. Sie sollten besser nie geschrieben werden müssen, denn da kommt kein „Stairway to Heaven“ raus. Peter Müller

Lesetipp für den Dienstag

Photoshop für Audio: Es gilt das gesprochene Wort - mehr denn je, wenn man es einfach aufzeichnen kann. Die Zukunft des Wortes könnte aber die Gegenwart des Bildes werden - und neben dem Top-Manipulationstool für Fotografien namens Photoshop will Adobe bald auch eine Software anbieten, mit der man Sprachaufnahmen manipulieren kann, wie es heute mit Bildern geschieht. Das hat natürlich nicht nur Vorteile für diejenigen, die gerne eine eigene Wahrheit erstellen, sinnvoll kann das ja auch bei Versprechern sein, die man gerne korrigiert hätte oder für den Wunsch, etwa in einer Tonspur für einen Filme noch ein paar Worte umzustellen oder Namen zu korrigieren. Das Project VoCo, das Adobe auf seiner Hausmesse AdobeMax in Los Angeles vorgestellt hat, zielt genau in diese Richtung, nicht von ungefähr bezeichnet der Softwarehersteller die Software auch als geeignet, um "Voiceovers zu photoshoppen". Man könne mit dem Programm einfach den in einer Aufnahme enthaltenen Text ändern und ganze Wortgruppen umarrangieren. Umgekehrt stellt VoCo auch den gesprochenen Text in Schriftform dar. Noch hört man die Schnitte bei derartigen Manipulationen, doch das soll sich mit der Zukunft auch geben. Um neue Worte zu formen, benötigt die hinter dem Tool stehende KI etwa zwanzig Minuten an Aufnahmen des Sprechers. Für kurze Voiceovers zum Beispiel in Werbespots mag das ein vernünftiges Werkzeug sein, vielleicht auch dafür, verstorbene Synchronsprecher wieder zu beleben - wir wollen uns an dieser Stelle aber besser nicht den Präsidentschaftswahlkampf in vier Jahren vorstellen. Im digitalen Zeitalter sind vier Jahre eine lange Zeit, bis 2020 sollte VoCo verdammt viel können...

Update: Vier Jahre sind im digitalen Zeitalter, es hat aber tatsächlich so lange gedauert, bis Google wieder seine E-Mail-App für iOS überarbeitet hat. Gmail for iOS liegt seit Montag vor und erinnert im Design klar an Googles andere E-Mail-Anwendung Inbox, die vermutlich auf diese Art und Weise still assimiliert wird. An neuen Funktionen sticht vor allen Undo Send hervor: Nach dem Tippen auf das "Versenden"-Icon hat man noch ein paar Sekunden Zeit, seine Mail zurück zu holen. Was Gmail for iOS ebenso von Inbox gelernt hat (und was auch Apples Mail kann): Wischt man die Nachricht seitwärts, kann an sie löschen oder archivieren. Verbessert hat Google auch die Suche - das sollte aber bei der Grundausrichtung des Unternehmens ja an sich eine Selbstverständlichkeit sein...

Wenn ein Tag nicht reicht : Die Nutzungsbedingungen bei iTunes sind klar und unverrückbar: Leihfilme muss man sich innerhalb von 30 Tagen ansehen und wenn der Stream einmal gestartet ist, hat man nur noch 24 Stunden Zeit, ihn auch zu Ende zu sehen. Wer hier mit den Schultern zuckt und nach dem Problem fragt, der hat keine Kinder oder kennt keine anderen Gründe für ständige Unterbrechungen des Filmabends... Auch die meisten anderen Dienste lassen nur einen Tag zur Komplettierung, es gibt aber Ausnahmen. So lässt Amazon für einige Leihfilme eine Frist von 48 Stunden, auch bei Google Play und Cinema Now kann man zwei Tage lang an einem Film schauen. Glenn Fleishman erklärt genau, wo sie lange Leihfristen finden.

Aufgeräumt: Noch sechs Wochen und der Rest von dieser bis Weihnachten, noch etwas mehr als zwei Wochen bis zum Schnäppchenfreitag - dei Einkaufssaison zum Jahresende wirft ihre Schatten voraus. Apple hat laut New York Times und New York Post in den letzten Tagen und Wochen gut zu tun gehabt, um aus dem App Store Apps zu entfernen, die vorgeben, Shopping-Apps von bekannten Marken zu sein. Diese gefälschten Apps kommen durch die Prüfung des App Stores, da sie währenddessen vorgeben, etwas andres zu sein und laden nach der Freigabe andere Inhalte nach. Gefahr für Anwender besteht nicht bei jeder dieser Apps, einige greifen zwar Kreditkartendaten ab, andere nerven aber nur mit unsinnigen Werbepopups oder stürzen ganz ab. Apples jüngste Aufräumaktion betrifft hunderte von Fake-Apps.

Schnellere Entscheidung: Die Klagen zweier Anwohner könnten den Bau eines neuen Apple-Rechenzentrums im irischen Athenry um bis zu 18 Monate verzögern, Apple hat nun aber erreicht, dass sich das zuständige Gericht in einem beschleunigten Verfahren um die Sache kümmert. Schon am 21. April 2017 soll die Entscheidung über die Klage fallen, der Bau könnte somit nur um sechs Monate verzögert werden, sofern es keine schwerwiegenden Auflagen oder gar einen Stopp geben wird. Ginge es nicht nach dem Baurecht, sondern nach dem Willen der Mehrheit der Anwohner, könnte Apple indes schon heute den ersten Spatenstich setzen, am Sonntag beteiligten sich tausende Einwohner Athenrys an einer Demonstration für den Bau des Rechenzentrums, von dem sie sich neue Arbeitsplätze in der Region versprechen.

Weitere Nachrichten:

Graphic Converter 10 jetzt mit Anbindung an Apple Fotos

Die aktuelle Ausgabe des Fotokonverters und Bildbearbeitungsprogramms Graphic Converter in Version 10 gibt es bereits seit einem knappen halben Jahr. Hier kamen bereits Gesichtserkennung hinzu, und auch den Xe847-Filter hat der Entwickler integriert . Ein Filter zum Nebel entfernen und andere Funktionen kamen später dazu.

Die neueste Ausgabe Version 10.2 (Build 2628) vom 31. Oktober 2016 nutzt nun auch die Möglichkeiten von Apples Foto-Bildbearbeitung, die im Betriebssystem macOS integriert ist. Nun findet sich darin eine Erweiterung zum "Bearbeiten mit GraphicConverter 10". Damit lassen sich die geöffneten Fotos direkt im Graphic Converter weiter bearbeiten. Außerdem merkt sich der Browser optional die aktuelle Auswahl und Position. Die Bearbeitung des Spotlight-Kommentars wurde ergänzt, ebenso wie einfaches Stacking ( Schärfentiefeerweiterung ). Alle weiteren Neuerungen und Aktualisierungen finden sich übersichtlich an dieser Stelle .

Der Graphic Converter kostet direkt bei Lemke Software 35 Euro, dort erhält man auch eine Demoversion. Die Version im Mac App Store   kostet etwas mehr, bietet dafür aber einige Einschränkungen gegenüber der direkt Version von Lemke Software. Vorausgesetzt wird mindestens OS X 10.9. Der Entwickler bietet freilich auch noch ältere Versionen für Rechner bis zurück zu Mac-OS X 10.4 an.,

Studie: Kundenservice von Providern hat sich verbessert

Aus einer aktuellen Untersuchung durch das Marktforschungsunternehmen Deutsches Institut für Service-Qualität im Auftrag von N-TV geht hervor, dass sich die Servicequalität von Internet-Providern deutlich verbessert hat. Dies werde schon an den Webseiten deutlich, die alle wichtigen Informationen übersichtlich auflisten.

Etwas problematisch sei hingegen der Telefonsupport. Hier würden Kunden teilweise noch minutenlang in der Warteschlange gehalten. Anfragen per E-Mail würden in jedem vierten Fall nicht beantwortet, bei der Hälfte der Antwort-E-Mails wurden die Fragen hingegen nur teilweise aufgeklärt.

Im Test erhielten vier Provider die Note „gut“, darunter Kabel Deutschland, 1&1, Vodafone oder Tele Columbus. Für die Wertung „ausreichend“ reichte es bei den Providern M-Net, Easybell, EWE und  O2.

Tesco Bank: Hacker greifen 40.000 Kunden an

Die britische Tesco Bank ist eigenen Angaben zufolge Opfer eines großangelegten Hacker-Angriffs geworden . Wie Bank-Chef Benny Higgins heute mitteilte, habe die Bank bei insgesamt 40.000 Kunden verdächtige Transaktionen festgestellt. Von rund 20.000 Konten wurde am Wochenende Geld abgebucht.

Den Angaben zufolge soll es sich bei den Abbuchungen nur um kleine Beträge handeln. Aus Sicherheitsgründen legte die Bank ihr Online-Banking-Angebot vorläufig auf Eis. Es sei jedoch weiterhin für Kunden möglich, Geld abzuheben und mit ihrer Kontokarte zu bezahlen. Das Online-Banking wird erst wieder freigeschaltet, wenn die Situation vollständig unter Kontrolle ist.

Tesco will die betroffenen Kunden entschädigen. Der mutmaßliche Hacker-Angriff wird nun von der britischen Finanzaufsicht und der Behörde zur Verbrechensbekämpfung (NCA) unter die Lupe genommen.

Tesla verlangt künftig eine Supercharger-Gebühr

Einer der großen Vorzüge von E-Auto-Hersteller war bislang neben der großen Reichweite der E-Auto-Modelle, auch die für Kunden kostenlose Nutzung des Ladestationsnetzes Supercharger. Das soll sich ab 2017 ändern. Tesla kündigte heute eine Änderung des Supercharger-Programms an.

Kunden, die ein Tesla Model X oder ein Tesla Model S nach dem 1. Januar 2017 bestellen, müssen künftig für die Nutzung der Ladestationen zahlen. Laut Tesla fällt dafür eine „kleine Gebühr" an, die unter dem Preis einer Tankfüllung für vergleichbare Autos mit Gasantrieb liegt.

Wer seinen Tesla vor diesem Stichtag gekauft hat, kann die Supercharger auch weiterhin kostenlos nutzen. Kunden, die nach dem 1. Januar bestellen, erhalten lediglich ein jährliches Gratis-Volumen in Höhe von 400 kWh. Wie hoch genau die Ladegebühren ausfallen werden ist noch unklar. Tesla will in den nächsten Tagen konkrete Details zur Umstellung veröffentlichen.

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