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Morgenmagazin vom Dienstag, 8. September 2015

08.09.2015 | 07:04 Uhr |

8. September 2015 +++ Der perfekte TV +++ Apple sucht Experten für künstliche Intelligenz +++ iMac Retina 21,5 Zoll wohl im November +++ iPhone stoppt Kugel - Student überlebt Raubüberfall +++ Jura-Kaffeevollautomat nun auch mit App bedienbar +++ Ballantine's Space Glass erlaubt Whisky-Genuss im All +++ Pluto-Sonde sendet jetzt alle Pluto-Daten zur Erde

Was heute wichtig wird: 8. September 2015

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! "Der Weltraum, unendliche Weiten..." beziehungsweise "Space, the final frontier..." klang es erstmals am 9. September 1966 aus Fernsehapparaten in den USA: Die Enterprise war zu ihrer Reise aufgebrochen, die sie hingeführt hat, wo noch nie ein Mensch gewesen ist.  Physikalisch ist das, was die Crews unterschiedlicher fiktiver und realer Epochen seit 49 Jahren in diesem und den anderen drei Quadranten der Galaxis treiben, meist Humbug und widerspricht allen denkbaren und sogar den meisten undenkbaren Naturgesetzen. Die Gesetzesverstöße sind aber der Dramaturgie geschuldet: Wie will man in jeder Woche eine weitere außerirdische Zivilisation kennenlernen, wenn das Schiff gemäß Einstein nicht in Überlichtgeschwindigkeit durch den Raum rasen darf? Lösung: Wir krümmen den Raum einfach so, um mit ihm und nicht durch ihn zu reisen. Oder wie will man Außenmissionen auf fremden Planeten erzählen, wenn das Studio nicht ausreichend Geld hat, um Lande- und Startszenen glaubwürdig aussehen zu lassen? Erfinden wir eben das Beamen. Und wenn jemand fragt, wie das denn mit der Unschärferelation vereinbar ist, erfinden wir eben den Heisenbergkompensator. Und wenn dann jemand fragt, wie der denn funktioniere, sagen wir: "Danke, sehr gut!" (Das mit den "unendlichen" Weiten aus der deutschen Version des Vorspanns ist physikalisch auch eher nicht zu halten...)

Weit wichtiger als die physikalische Korrektheit war aber die Vision, die Gene Roddenberry inmitten des Kalten Krieges und schwerere Unruhen zwischen den "Rassen" vermittelte: Wir sind eine Welt. Ob der Navigationsoffizier nun spitze Ohren hat, weil sein Vater nicht von dieser Welt stammt, ist genauso egal, wie Hautfarbe und Geschlecht des Kommunikationsoffiziers. Japaner und Russen auf der Brücke? Klar, willkommen, wir sind eins. Die von Roddenberry erfundene Gesellschaft, die interstellare Reisen und Föderationen erlaubt, hat anscheinend sogar das Geld und die dadurch ausgelösten Unterschiede überwunden. Zumindest spielt Geld keine Rolle im Star-Trek-Universum, sieht man mal von den später auftauchenden Ferengi und ihrer Gier nach goldgepresstem Latinum ab. Aber wer braucht schon Geld, wenn Energie anscheinend im Übermaß zur Verfügung steht und der Replikator alles erzeugt, was man sich wünscht? Sogar Tee, heiß, Earl Grey?

Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry hat selbst längst die Reise zu den Sternen angetreten, nicht nur bildlich. Ein Teil seiner Asche umkreist seit 1997 den Heimatplaneten der Terraner. Von dort oben aus den unendlichen Weiten hat man eine wesentlich demütigere Sicht auf die irdischen Angelegenheiten. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Apple stellt AI-Experten ein : Das iPhone soll intelligenter werden, der proaktive Assistent von iOS 9 erst der Anfang. Um seine Expertise in Sachen künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence , AI)  und maschinelles Lernen zu stärken, heuert Apple laut der Nachrichtenagentur Reuters neue Mitarbeiter an. Derzeit seien etwa 86 Stellen bei Apple in dem Bereich zu besetzen. Apple rekrutiert dabei Doktoranden direkt von den Universitäten und muss mit Amazon, Google und Facebook um die besten Köpfe streiten.

Den perfekten TV-Apparat gibt es nicht: Wird die neue Apple-TV nun das Gerät, das seit Erscheinen der Steve-Jobs-Biographie von Walt Mossberg spekuliert wird? "Ich habe es endlich geknackt," verriet der todkranke Jobs seinem Biographen und spielte damit auf das fernsehen an. Was genau er da entdeckt habe, verriet er nicht. Völlig ungewiss, ob in das neue Apple TV noch irgendwelche Erkenntnisse von Steve Jobs einfließen - in den vergangenen vier Jahren dürfte das Projekt etliche Überarbeitungen und Änderungen erfahren haben, schließlich schien es eine lange Zeit so, als würde Apple einen eigenen Fernseher in die Wohnzimmer bringen. Apple gibt sich womöglich mit weniger als der perfekten Lösung zufrieden, denn den perfekten TV gebe es nicht, behauptet Wired. Wir werden morgen Abend jedenfalls gebannt vor der Glotze sitzen.

21.5 Zoll Retina im November: Diese Woche dreht sich um neue iPhones und ein neues Apple TV, Macs sind erst wieder später dran. 9to5Mac nennt nun einen Termin für die Aktualisierung des iMac: Ein Retina-Modell mit 21,5-Zoll-Monitor soll demnach Ende Oktober vorgestellt werden und ab November in den Handel kommen. Die Auflösung soll 4096 mal 2304 Pixel betragen, die Pixeldichte ist mit 218,6 pro Zoll sogar etwas höher als beim 27-Zöller.

Neues Leben für alte Macs: Ältere Rechner müssen nicht schon deshalb auf den Wertstoffhof, weil sie mit der Zeit immer langsamer arbeiteten. Findet man die Ursachen, kann man auch dem Mac von gestern noch auf die Sprünge helfen, bei vielen Modellen lässt sich beim Upgrade der Hardware noch selbst Hand anlegen. Auch muss es nicht unbedingt das neueste OS X sein, viele Funktionen von Yosemite lassen sich mit kostenloser Software auch auf ältere Macs nachinstallieren.

iPhone stoppt Kugel - Student überlebt Raubüberfall

In der kalifornischen Stadt Fresno , seit 1986 Partnerstadt von Münster, ist es auf dem Campus der dortigen Universität zu einem schweren Raubüberfall mit einem Beinahe-Todesopfer gekommen. Einzig sein iPhone hat dem Opfer vielleicht das Leben geretten - ihn aber zumindest vor einer schweren Schusswunde bewahrt. Der iPhone-Besitzer - ein Student - war gegen 23 Uhr auf dem Nachhauseweg schon fast bei der Tür seiner Apartment-Hauses angelangt. Doch dann näherte sich ein Mann von hinten und richtete eine halbautomatische Schusswaffe auf den Studenten. Er soll etwas gesagt haben, berichtete das Opfer später der Polizei. Doch was genau, habe er nicht verstanden. Stattdessen griff der Angreifer sich die Tasche des Opfers und gab einen Schuss ab. Ob aus Versehen oder mit Absicht, ist nicht geklärt.

Der Schuss durchdrang mühelos die Hose des Studenten, wurde dann aber offenbar vom iPhone in der Hosentasche gestoppt. Derweil floh der Angreifer zu Fuß mit der Tasche. Darin sei ein silberfarbener HP-Laptop enthalten gewesen. Der Student blieb unverletzt. Den Täter beschreibt die Polizei als etwa 1,78 Meter groß. Sein Gewicht wird auf 77 Kilogramm geschätzt. Er habe eine dunkle Ski-Maske getragen, eine schwarzen Pullover und dunkle Hosen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein iPhone das Leben seines Trägers rettet oder ihn zumindest vor schlimmeren Verletzungen bewahrt. Vor wenigen Monaten erst fing ein iPhone 5C in einem Streit mit Jugendlichen die Ladung eines Schrotgewehrs auf . Doch nicht nur Apple-Produkte sind in der Lage, Kugeln aufzufangen. 2013 verdankte ein Tankstellenwart seinem HTC-Smartphone sein Leben . Er trug es in der Brusttasche, als man auf ihn schoss.

Jura-Kaffeevollautomat nun auch mit App bedienbar

Bereits im Frühjahr dieses Jahres stellte Jura seinen neuen Kaffeevollautomaten Z6 der Öffentlichkeit vor. Dieser wartet mit einigen Besonderheiten auf: Die neue Brühtechnik „Pulse Extraction Process“ (PEP) wirkt sich beispielsweise positiv auf die Extraktionszeit aus, wodurch sich Aromen im Kaffee noch besser entfalten können. Dabei wird das heiße Wasser in einer optimal abgestimmten Taktfrequenz durch das Kaffeepulver gepresst.

Auch die Produktion von Milchschaum wurde verbessert: Ein Keramikventil sorgt dafür, dass Sie nun die Temperatur von Milch und Milchschaum in jeweils zehn Stufen wählen können. Nach der Zubereitung kümmert sich die automatische Milchsystem-Reinigung darum, dass keine Rückstände bleiben, die der Maschine schaden.

Neue App

Neben diesen Änderungen, die sich in erster Linie auf die technische Ausstattung des Kaffeevollautomaten beziehen, hat Jura der Z6 nun erstmals eine App zum einfachen Bedienen spendiert. Sie läuft unter Android sowie iOS und sorgt dafür, dass Sie Ihre Lieblingsgetränke besonders einfach abspeichern und aufrufen können. Die Bedienung ist dabei kinderleicht: Sie starten die kostenlose App, wählen Ihr Wunschgetränk und konfigurieren es nach Ihren Vorlieben - etwa hinsichtlich der Stärke, der Temperatur und der Ausgabemenge. Sind Sie damit fertig, lässt sich Ihre Kreation unter einem Namen und mit einem Bild abspeichern.

Möchten Sie Ihr Getränk bei der Maschine "bestellen", muss das Mobilgerät lediglich per Bluetooth mit der Z6 verbunden sein. Der Auftrag wird übergeben, und Sie haben anschließend bis zu 10 Sekunden Zeit, eine Tasse unter den Auslauf zu stellen.Im Test hat uns die Vorgehensweise sehr gut gefallen, vor allem die App überzeugt mit sehr übersichtlicher und schöner Optik.

Personalisieren statt Fernbedienen

Jura verfolgt mit seiner App einen etwas anderen Ansatz als der Mitbewerb. Zwar können Sie auch hier Ihre Z6 über das Mobilgerät fernbedienen. Die Konkurrenzgeräte hängen aber alle im WLAN, was die Distanz, die zwischen Mobilgerät und Kaffeemaschine erlaubt ist, natürlich deutlich verlängert.

Bei Jura liegt der Fokus dagegen auf dem Personalisieren der Getränke, ohne dass die eigentlichen Maschineneinstellungen verändert werden. Außerdem sind Statistiken und Fehlermeldungen einsehbar. Eine echte Fernsteuer-Funktion sei laut Jura auch nicht sinnvoll, da der automatische Spülvorgang eine vorher untergestellte Tasse verunreinigen würde und selbst wenn dies nicht der Fall wäre, ein Espresso erkalten würde. Bleibt nur zu hoffen, dass bald weitere Maschinen von der App profitieren können.

Ballantine's Space Glass erlaubt Whisky-Genuss im All

Erst vor kurzem hat der japanische Getränkehersteller Suntory seinen Whiskey auf die ISS geschossen . Im Weltraum soll das schottische Nationalgetränk eine besondere Reife erlangen. Doch wie sollen die Astronauten ein Schlückchen davon probieren? Gut, die Frage mag für die Astronauten dort zwar nur von theoretischer Natur sein - auf der ISS herrscht nämlich Alkohol-Verbot. Aber was machen Weltraum-Touristen, wenn Sie einen Scotch genießen wollen? Und wie würde eigentlich Luke Skywalker seinen Single Malt trinken?

Denn in der Schwerelosigkeit erweist sich das Nosing-Glas als wenig praktikabel. Und Whiskey mit dem Strohhalm - das geht nun wirklich nicht. Der Scotch-Hersteller Ballantine's hat sich darum etwas einfallen lassen: ein hübsches Trink-Glas für Whiskey, das auch in der Schwerelosigkeit funktioneren soll.

Das "Space Glass" von Ballantine's kommt zum Großteil aus dem 3D-Drucker und ist so konstruiert, dass der Whisky im Glas bleiben soll. Dazu macht man sich auch den Effekt der Oberflächenspannung zunutze. Als Material wurde neben Plastik Roségold verwendet. Das Gold und die Plastik-Spirale im Glas-Inneren sollen der Erhöhung der Oberflächenspannung dienen, berichtet cnet. Setzt der Whisky-Liebhaber zum Trinken an, fließt das Getränk über eine Helix im Glas-Inneren zum Mund, beziehungsweise zum Mund-Stück am Glas-Rand. Dieses erinnert an den Deckel eines Coffee-to-go-Bechers, ist aber ebenfalls aus Roségold gefertigt. Ein gläsener Deckel hält den Rest der kostbaren Flüssigkeit im Inneren, gibt aber den Blick frei auf das Getränk.

Spannend ist auch die Frage, wie der Whisky in das Glas gelangt. Dazu befindet sich an der Unterseite ein Ventil, das nur in eine Richtung funktioniert - von außen in das Glas hinein. Ein Adapter für die Whisky-Flasche liegt bei. Auch clever: Ein Magnet in der Unterseite des "Space Glass" erlaubt das gefahrlose Abstellen auf metallischen Oberflächen.

Das Glas wurde bereits getestet - im Fallturm Bremen . Die 110 Meter hohe Fallröhre erlaubt eine 9 Sekunden lange Zeit der Schwerelosigkeit.

Pluto-Sonde sendet jetzt alle Pluto-Daten zur Erde

Sie haben schon länger nichts Neues mehr von der Pluto-Sonde New Horizons gelesen? Und warten schon sehnlichst auf die nächsten spektakulären Aufnahmen? Dann können Sie sich freuen: Denn New-Horizons hat am 5. September damit begonnen, alle ihre Daten zur Erde zu schicken.
 
New Horizons hatte zwar bei ihren Vorbeiflug an Pluto faszinierende Fotos zur Erde geschickt - unter anderem wurden Nebel und fließendes Eis auf Pluto entdeckt - dann aber Ende Juli planmäßig die Datenübertragung eingestellt. Im Unterschied zur Kometen-Sonde Philae, bei der der Funkkontakt unbeabsichtigt abgebrochen ist. Bis zum letzten Samstag, als die Pluto-Sonde die Datenübertragung ("Intensive Data Downlink Phase“) wie geplant wieder aufnahm.
 
Rund ein Jahr wird es dauern, bis New Horizons alle Daten, die sie über den Zwergplaneten erfasst hat, an die Bodenstation auf der Erde übermittelt hat. Denn die Pluto-Sonde New Horizons schickt die Daten nur mit 1 bis 4 Kilobytes pro Sekunde auf den Weg zur Erde. Deshalb dauert es rund ein Jahr, bis die etlichen Gigabyte an Daten alle hier eingetroffen sind. Laut der NASA soll es sich um einige 10 Gigabytes handeln.
 
Diese Daten rauschen zwar mit Lichtgeschwindigkeit durch unser Sonnensystem. Trotzdem dauert es viereinhalb Stunden, bis ein Signal die derzeit rund drei Milliarden US-Meilen (zirka 4,8 Milliarden Kilometer) zwischen Sonde und Erde zurückgelegt hat.
 
Laut NASA warten noch 95 Prozent der gesammelten Daten auf ihre Übertragung zur Erde. Darunter sollen sich die spannendsten und hochauflösendsten Fotos und die wertvollsten atmosphärischen Daten befinden.
 
Mit dem letzten Datensatz rechnet die NASA im Oktober 2016. Bis dahin will die US-Raumfahrtbehörde jeden Freitag ein neues Foto aus der „Schatzkiste“ von New Horizons veröffentlichen.

 

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