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Morgenmagazin vom Dienstag, 9. Juli 2019

09.07.2019 | 07:03 Uhr |

Angebliche Fotos von iPhoneXI-Platine geleakt +++ Apple bringt Texas Hold'em zurück in den App Store +++ IHS Markit: Apple arbeitet an faltbarem iPad +++ Bundesregierung will Videospiele nicht mehr fördern +++ Toyota Prius: Zusätzliche Reichweite durch Solarzellen +++ Gerücht: Microsoft arbeitet an Streaming-Only-Konsole

9. Juli: Steter Wechsel

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Das iPhone von 2019 wird bestimmt eine Enttäuschung. Weil es mit dem Viererblock voll Objektiven auf der Rückseite hässlich wird. Weil es keine Innovationen mehr zeigt. Weil es zu teuer ist. Weil Johny Ive das Unternehmen zwar erst bis Jahresende verlässt, aber schon länger innerlich gekündigt und nichts mehr zu sagen hat. So scheint zumindest der Stand der Dinge am heutigen Tag. Natürlich wird Apple das iPhone nicht mehr neu erfinden und es ist gut möglich, dass Johny Ive mit dem Design des diesjährigen Modells schon gar nicht mehr viel zu schaffen hatte. Aber Apple wird dennoch wieder Fantasilliarden Dollar mit dem neuen iPhone verdienen und den Abgang seines Masterminds in Sachen Gestaltung verkraften. Hat ja auch schon ganz andere Abgänge überlebt.

Darauf weist etwa Dan Moren in seiner aktuellen Kolumne "More Color" auf Macworld hin. In den letzten Jahren musste Apple ja vor allem den Abgang seines Gründers, CEOs und Mastermind von so ziemlich allem, Steve Jobs, verkraften. Auch wenn seit bald acht Jahren viele klagen, dass Apple mit Jobs sein Mojo verloren hat – zumindest die Wirtschaftsdaten sprechen dagegen.

Scott Forstall, den nicht wenige für den besseren Jobs-Nachfolger im Vergleich zu Tim Cook gehalten hätten, musste im Jahr 2012 nach dem Desaster mit der Karten-Anwendung gehen. Wobei streng genommen die Probleme und Unzulänglichkeiten der Anwendung nicht verschwunden sind, sondern nur verkleinert. Tony Fadell, der "Vater des iPod", der bei der iPhone-Entwicklung mit seinem näher am iPod angelegten Bedienkonzept unterlegen war, ist schon auch längere Zeit nicht bei Apple, dabei schien es lange undenkbar, dass er je etwas anderes machen würde. Aber mittlerweile ist er nicht einmal mehr bei Nest, seiner Neugründung nach Apple, die mittlerweile von Google übernommen worden ist.

Manager kommen und gehen, aus den unterschiedlichsten Gründen. Auch wenn sie lange bei Apple erfolgreich waren, endet ihre Zeit irgendwann einmal. Avie Tevanian sollte man noch erwähnen oder Jon Rubinstein, neben vielen anderen, die gegangen sind, ohne Apple in den Abgrund zu reißen.

Das wäre beinahe einem Manager gelungen, der am 9. Juli 1997 seinen Hut in Cupertino nehmen musste. Respektive ein paar Tage früher, aber heute vor 22 Jahren hat Apple bekannte gegeben, sich von seinem CEO Gil Amelio zu trennen. Mit von Bord musste die Vice President of Technology Ellen Hancock, die Amelio von seinem vorherigen Arbeitgeber National Semiconductor mitgebracht hatte. Dort war Amelio auch das Kunststück gelungen, das man von ihm bei Apple erwartete: Die Firma zu sanieren und wieder zurück in die Profitabilität zu führen. Im Sommer 1997 stand es um den Mac-Hersteller aber schlimmer denn je, der Rausschmiss kam so überraschend wie ein Trainerwechsel beim Tabellenletzten.

Amelio hatte mit zwei Entscheidungen aber die Grundlagen einerseits für sein Aus und andererseits für den letztlich dennoch gelungenen Umschwung geschafften: Im Dezember 1996 hatte er NeXT samt seines Gründers Steve Jobs und Leuten wie Avie Tevanian und Jon Rubinstein für 400 Millionen US-Dollar eingekauft. Und da war dann noch dieses Hardwareprojekt des relativ günstigen Einsteigerrechners mit dem überraschenden Design dieses jungen Briten … So schließt sich der Kreis.

Apple hatte in jedem Fall die richtige Entscheidung an jenem 9. Juli 1997 bekannt gegeben, Steve Jobs übernahm den CEO-Posten interimsweise, offiziell hatte Finanzchef Fred Anderson die Prokura. Und die Entwicklung der Technologie, mit der schweren Aufgabe, den Mac zukunftsfähig zu machen, übernahmen Tevanian (Software) und Rubinstein (Hardware), das Design verantworte fürderhin Jony Ive, während der von IBM im Jahr darauf hinzu gekommene Tim Cook die Produktion und die Lieferkette optimierte und Phil Schiller das Marketing auf eine neue Stufe hob. Diese beiden sind noch da, aber in der Zwischenzeit sind noch eine ganze Menge anderer fähiger Köpfe hinzugekommen. Stellenstreichungen wie in der Endpahse des Amelio-Regnums muss man bei Apple nicht so bald befürchten. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Neue Musik : Apple Music und Beats1 laufen nun seit vier Jahren. Anlass des Jubiläums und den Neuheiten in iOS 13 und macOS Catalina (Ende von iTunes, Synchronisation von Lyrics) hat Apple einige Kollegen zu exklusiven Gesprächen und Blicken hinter die Kulissen des Studios in London eingeladen, in dem - neben Niederlassungen in New York und Los Angeles - das Radioprogramme Beats1 ebenso seit vier Jahren produziert war. Im Interview mit dem Berliner Kulturmagazin "Das Filter" betont Apples neuer Musikchef Oliver Schusser die Wichtigkeit des eigenen Radios, das rund um die Uhr sendet und neue Musik an die Hörer bringt. Algorithmen seien eben nicht alles und vom Versuch, sich mit exklusiven Inhalten von der Konkurrenz abzuheben, kommen Streaminganbieter und Musikindustrie allmählich wieder an. Zeit für Apple, sein Radioprogramm auszuweiten, etwa mit einem Spartensender Beats2, der die Aufgaben übernehmen könnte, den einst die öffentlich-rechtlichen in ihren Zweitprogrammen zu späterer Uhrzeit lieferten: Musik abseits des Mainstreams, Remixe, selten gehörte B-Seiten und Newcomer.

Abschätzig : Tim Cook kann alles, aber keine Produkte. Wer hat das gesagt? Gefühlt seit Steve Jobs' Tod fast alle, die sich über Apple mokieren, im Speziellen über den Nachfolger des 2011 an Krebs verstorbenen Gründers. Doch er war es selbst, der diese Einschätzung gab. Zumindest verrät das nun sein Biograph Walter Isaacson in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC. In das Buch, das er in den letzten beiden Lebensjahren des Apple-Gründers mit dessen Zustimmung und reger Mithilfe verfasste, kamen weniger harsche Worte, wie Isaacson weiter sagt. Jobs habe unter Schmerzen gelitten und sei zornig gewesen, weswegen sich Isaacson entschied, die für Leser relevanten Informationen aufzunehmen und nicht die Beschwerden eines sterbenden Mannes über seinen Nachfolger. Isaacson hatte in der Vergangenheit immer wieder Apple kritische betrachtet und zuletzt etwa den Rückstand in Sachen digitaler Assistenten gegenüber Amazon und Google bemäkelt. Sein Buch war trotz Autorisierung vor allem bei Steve Jobs' Familie und bei Apple in Cupertino nicht so gut angekommen, da es aus deren Sicht die dunklen Seiten der Persönlichkeit des Apple-Gründers überbetont habe. Ebenso schlecht kam der Film "Steve Jobs" von Danny Boyle mit Michael Fassbender als Steve Jobs schlecht bei Apple und Laurene Powell-Jobs an, dessen Drehbuch auf dem Werk von Isaacson basiert.

Zauberer: Über Steve Jobs ist an sich schon alles gesagt, auch schon von einem jeden. Nun kommt aber Bill Gates, der langjährige Freundfeind und Microsoft-Gründer mit einer neuen Beschreibung der Persönlichkeit und des Wirkens des Apple-Gründers daher. Gegenüber CNN beschrieb Gates Jobs als "Magier", der die Leute "verhexte". Gates, der sich aber selbst als einen "kleinen Zauberer" sieht, sei aber immun gegen Jobs' "Hokus-Pokus" gewesen. Doch sei das eben der Grund für seine brillanten Fähigkeiten gewesen, Leute zu motivieren und die richtigen Personen für Apple zu gewinnen. So sei es ihm gelungen, die im Abstieg begriffene Firma wieder aufzurichten. Immer habe der Zauber aber nicht funktioniert, merkt Gates an und nennt konkret den NeXT Cube, einen "sinnlosen" Computer.

Fragen und Antworten : 5G ist in aller Munde, aber was hat es damit auf sich? Unsere Kollegen der Macworld klären die wichtigsten Fragen, beziehen sich natürlich aber auf die Provider- und Netzsituation in den USA. Was uns aber gemeinsam interessiert: Wann kommt das erste iPhone mit 5G-Unterstützung? Das wird man vermutlich erst dann von Apple erfahren, wenn es so weit ist. Die zähneknirschend-gütliche Einigung mit Qualcomm nach dem Ausstieg Intels aus dem Thema sollte aber dazu führen, dass die iPhone-Generation von 2020 5G-fähig sein wird. Recht viel eher ergibt das mangels Netzinfrastrukturen auch nur wenig Sinn, Apple käme also zur rechten Zeit.

Gewagtes Gerücht : Faltbare Smartphones haben sich in diesem Jahr nicht als der erwartete Knüller erwiesen, anscheinend wartet alles darauf, dass Apple zeigt, wie das geht. Laut dem Analysten Jef Lin von IHS Markit wird sich Apple im kommenden Jahr an die Technik wagen, aber nicht mit einem Telefon, sondern einem Tablet. Eine neue Flaggschiffreihe von iPads soll Bildschirmgrößen wie das Macbook Pro bekommen - also bis zu 15 Zoll - dafür aber kompakt zusammenfalt- oder klappbar werden. Dazu unterstützten die neuen Modelle auch 5G, das Apple bekanntlich für 2020 anvisieren dürfte. Ob das Gerücht mehr auf valide Fakten basiert oder der Fantasie des Analysten basiert, lässt sich derzeit schlecht einschätzen. Gewagt wäre ein solches Produkt allemal, aber Apple hat gerne mal das Unmögliche und Unerwartete gewagt.

Geleakt oder gefälscht: Auf der Site Slashleaks sind Bilder aufgetaucht, die angeblich die Logicboards des kommenden iPhone XI zeigen. Von der rechteckigen Platine ist jedoch nur die Vorderseite zu sehen, Chips sind keine aufgebracht. Es ist gewiss denkbar, dass es sich hier um die echten Logicboards handelt, doch lassen diese auch Fragen offen. So hat derzeit nur das iPhone XR ein rechteckiges Logicboard, die von iPhone XS und XS Max sind L-förmig. Somit könnte es sich um die Platine des XR-Nachfolgers handeln oder auch eine Änderung im Design der Schaltkreise der OLED-iPhones anstehen.

Abgezockt : Nach acht Jahren Absenz bringt Apple sein eigenes Pokerspiel Texas Hold'em zurück in den App Store. Das Spiel haben die Entwickler zwar an das bereits 2008 veröffentlichte Original angelehnt, aber die Grafik enorm aufgewertet, weshalb der Download satte 1,5 GB in Anspruch nimmt. Poker spielen kann man an zehn verschiedenen Orten, von Las Vegas bis hin zu einer ominösen Garage, an deren Wänden Poster des iMac G3 hängen. Noch etwas hat sich geändert: Der Preis. Kostete das Original noch fünf Euro, ist die Neuauflage nun gratis und kommt auch ohne In-App-Käufe aus. Das unterscheidet Apples Glücksspielvariante von anderen Apps, in denen man nicht nur jede Menge an virtuellem Geld verlieren kann.

Weitere Nachrichten:

Bundesregierung will Videospiele nicht mehr fördern

Dorothee Bär, CSU-Politikerin und Staatsministerin für Digitalisierung sowie Fürsprecherin der Videospiel-Branche, will sich für die Finanzhilfe für die Gaming-Branche einsetzen und versucht diese zu retten. Es sei weiterhin "essenziell, dass die Fördergelder für das Jahr 2020 gesichert werden", sagte sie gegenüber dem Spiegel. "Die Games-Förderung ist eine wichtige investive Maßnahme, mit der wir Zukunft gestalten. So etwas muss Priorität haben, gerade im Vergleich zu lediglich konsumptiven Ausgaben". Die Summe sei sogar noch "ausbaufähig", und es sei eine gute Sache, "dass die Branche ihre Stimme so deutlich und stark erhoben hat", so Bär.

Derzeit befindet sich der Haushaltsplan 2020 noch im parlamentarischen Verfahren. Mit der Unterstützung der Staatsministerin für Digitalisierung können Entwickler allerdings wieder etwas Hoffnung schöpfen. Denn für die Entwicklerszene war die voraussichtliche Streichung der Fördergelder ein Schock: Geschäftsführer des Hamburger Entwicklers Daedalic sprach sogar von einer "Katastrophe biblischen Ausmaßes für die Spielebranche" und "digitalem Selbstmord".

Toyota Prius: Zusätzliche Reichweite durch Solarzellen

Für den Antrieb eines Fahrzeugs reichen auf der Karosserie angebrachte Solarzellen nicht aus. Der japanische Autohersteller Toyota will mit auf der Motorhaube und dem Dach angebrachten Solarzellen aber immerhin die Reichweite seiner Plug-in-Hybride erhöhen. Aktuell finden Fahrversuche mit Prototypen statt, die durch zahlreiche auf dem Fahrzeug platzierte Solarzellen von Sharp mit einem Umwandlungswirkungsgrad von 34 Prozent eine Nennleistung von rund 860 Watt erreichen – allerdings nur unter perfekten Bedingungen.

Laut Hersteller können die Solarzellen während der Fahrt und auch beim Parken eine Batterie aufladen. Pro Tag lassen sich auf diese Weise bis zu 45 Kilometer Reichweite kostenlos über die Sonneneinstrahlung nachtanken. Im Gegensatz zu einer Aufladung an der Steckdose wird die Solaraufladung jedoch von vielen Faktoren bestimmt, allen voran der Sonneneinstrahlung. Immerhin hat Toyota aber schon Erfahrungen mit Solardächern gesammelt: Einige Prius-Versionen werden mit Solarzellen auf dem Dach angeboten. Der damit erzeugte Strom treibt jedoch nicht das Fahrzeug an, sondern hilft nur bei der Klimatisierung. Eine Aufladung des Antriebsakkus findet bei den Serienfahrzeugen noch nicht statt. Noch bleibt offen, ob es die Solartechnik auf dem gesamten Auto zur Serienreife schaffen wird. Interessant sehen die mit Solarzellen bestückten Testfahrzeuge auf jeden Fall aus.

 

Gerücht: Microsoft arbeitet an Streaming-Only-Konsole

Auf der Spielemesse E3 2019 bestätigte Phil Spencer von Microsoft noch, dass man nur an einer Version der neuen Xbox (Codename: Project Scarlett) arbeite. Dennoch könnte es schon bald eine zweite Konsole von Microsoft geben: Ein Insider will von einer Xbox erfahren haben, die Spiele nur über das Internet ins Wohnzimmer streamt. Sie basiere auf Microsofts Project xCloud Game Streaming Technologie, mit der sich in Serverfarmen berechnete Spieldaten über das Netz zum Nutzer transportieren lassen.

Da in der Streaming-Konsole keine teure Hardware verbaut werden muss, soll der Preis der Budget-Xbox unter 100 US-Dollar liegen. Möglicherweise kostet die Plattform sogar nur 60 US-Dollar bzw. 80 US-Dollar samt Controller. Damit würde die Plattform günstiger sein als Googles ähnlich ausgerichtete Streaming-Konsole Google Stadia Founders Edition für 129 US-Dollar. Um die Latenz bei der Datenübertragung zu minimieren, sollen Bewegungen und die Kollisionserkennung lokal berechnet werden, die übrigen Spieldaten würden aus der Cloud gestreamt. Unklar bleibt, ob Microsoft seine Streaming-Konsole zeitgleich mit der hochgezüchteten Xbox in den Handel bringen wird. Da die Pläne noch nicht bestätigt wurden, könne es auch gut sein, das Microsoft den Plan einer reinen Streaming-Konsole doch noch aufgibt.

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