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Morgenmagazin vom Donnerstag, 14. Januar 2016

14.01.2016 | 06:54 Uhr |

Apple lässt den Verkauf von iAds sein +++ Mac trotzt dem Sinkflug des PC-MArkts +++ Besuch im Prager Apple-Museum +++ Kopfhörer auf der CES mit und ohne Kabel +++ Apple soll Interesse an Time Warner haben +++ Darpa-Chip soll Funkstörungen unterbinden +++ Google I/O 2016 findet im Mai statt +++ Jede zweite Smartwatch ist eine Apple Watch

14. Januar: Auf der Suche nach Perfektion

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Wenn man nicht gerade auf Wintersport steht, ist der Januar ein fader Monat. Immerhin beginnt schon kommenden Montag mit den Australian Open das erste Grand-Slam-Turnier im Tennis in diesem Jahr und am Freitag darauf rollt dann endlich wieder der Ball in der Bundesliga. Wintersportfreunde freilich genießen vor allem die Wochenenden, wenn scheinbar den ganzen Tag irgendjemand irgendwo einen vereisten Hang zu Tal schliddert oder über ein weißes Band in grau-grüner Umgebung skatet, um zwischendrin auf schwarze Scheiben zu ballern. Immerhin haben die Sportfans, die sich ihre Arbeitszeit einigermaßen einteilen können, in diesem Monat spät nachts das Vergnügen, schrankgleichen US-Amerikanern dabei zuzusehen, wie sie etwas ovales in ein eckiges Feld oder zwischen längliche Stangen befördern. Das, was wir als "American Football" bezeichnen und der Amerikaner schlich als "Football" ist ja der ideale Fernsehsport: Zwischen kurzen Sequenzen voller Action ist immer wieder mal Pause und damit Zeit für die Werbung oder die nächste Runde Getränke, während im europäischen Fußball immer dann etwas zu passieren scheint, wenn man gerade ein Bier wegbringt oder sich ein neues aus dem Kühlschrank holt. Insofern ist Football dem Tennis sehr ähnlich, auch was die Sendezeiten betrifft: In Australien dreschen sie auch mitten in unserer Nacht auf die Filzkugel ein.

Nun ist es eine Binsenweisheit, im Sport wie im Leben könne man nicht immer gewinnen. Aber manchmal tut sich doch eine Lücke in der Matrix auf, die das ermöglicht. So hat am 14. Januar 1973 das Team der Miami Dolphins mit dem Superbowl VII auch das 16te Spiel der Saison gewonnen und damit ausnahmslos alle. Die "perfect season" ist ein bis heute unerreichter Rekord in dieser Sportart, 2008 verloren die New England Patriots erst im Finale zum ersten Mal in der Saison, gegen die New York Giants. Auch heuer wird der Champion nicht auf eine perfekte Saison zurückblicken, das bisher erfolgreichste Team hat auch schon eines seiner bisher 16 Spiele verloren.

Aber ist Perfektion nicht auch langweilig? Was kommt denn nach einer makellosen Erfolgsbilanz, wenn es nicht noch makelloser werden kann? Man stelle sich vor: Apple erklärt im September, das iPhone 7 sei nicht nur das allerbeste iPhone bisher, sondern auch aller Zeiten, besser, schneller, schlanker, eleganter ginge es einfach nicht mehr? So freuen sich nicht nur die Kunden auf stets verbesserte Produkte, sondern sehen auch Hardware- wie Softwareingenieure eine lohnende Herausforderung darin, das Produkt stetig zu verbessern. Ewig auf der Suche nach der Perfektion. Aber gleichzeitig auch mit der Furcht lebend, diese Perfektion einmal und dann nie wieder zu erreichen. Man muss sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen und die New England Patriots als ein glückliches Team. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag:

Apple im Museum: Zwar ist Apple nach wie vor eine prosperierende Firma, die eine glänzende Zukunft vor sich hat, aber eben auch schon fast 40 Jahre Vergangenheit hinter sich. In Prag hat daher erst kürzlich ein Apple Museum geöffnet. Unser Macworld-Kolege Oscar Raymundo war vor Ort und ließ sich begeistern.

Kopfhörer auf der CES: Kopfhörerhersteller bereiten sich auf das Ende der Klinkenbuchse vor und bieten nicht nur immer mehr drahtlose Modelle an, sondern auch solche, die sich per Lightning-Kabel mit dem iPhone oder per Mini-USB mit anderen Smartphones verbinden können.

Kein Verkauf mehr: Laut Buzzfeed will sich Apple aus dem Geschäft mit iAds zurückziehen und nicht mehr selbst Anzeigen verkaufen. Das entsprechende Team werde aufgelöst. Die Plattform werde aber weiter bestehen bleiben und App-Publishern selbst die Möglichkeit geben, auf automatisierter Basis Anzeigen zu verkaufen. Sie können dann auch 100 Prozent der Erlöse behalten, da Apple als Mittler wegfalle. "Wir sind darin einfach nicht gut", zitiert Buzzfeed die Erklärung einer internen Apple-Quelle. Apple hatte die iAds-Plattform im Frühjahr 2010 vorgestellt, die "Revolution" im mobilen Anzeigengeschäft ist aber ausgeblieben.

Gegen den Trend: Apple war im Dezemberquartal der einzige der großen PC-Hersteller, der keine Rückgänge bei seinen Verkäufen bilanzieren musste, haben die Marktforscher von Gartner ermittelt. Acer, Asus, Dell und Lenovo hingegen hätten teils deutliche Rückgänge gegenüber dem Vorjahr ausweisen müssen. Laut Gartner habe Apple im Quartal 5,5 Millionen Macs verkauft, was einem Zuwachs von 3 Prozent entspräche. Apple wird seine eigenen Zahlen am 26. Januar vorlegen.

Unübersichtlich: iTunes ist mittlerweile 15 Jahre alt und über die Zeit zu einem überladenen Tool gewordenen, in dem keiner mehr den Überblick behält. Die Mac-Software gehöre daher auf das Abstellgleis und ihre Funktionen auf mehrere Apps aufgeteilt, meint nun auch The Mac Observer.

Weitere Nachrichten:

Apple soll Interesse an Time Warner haben

Witze, was Apple mit seinem Barvermögen von rund 200 Milliarden US-Dollar alles kaufen könnte, machen seit geraumer Zeit die Runde. Jetzt bringt aber die als seriös bekannte New York Post eine Akquise ins Spiel , gegen die die drei Milliarden US-Dollar schwere von Beats im Jahr 2014 wie eine Marginalie erscheinen könnte. Der Medienriese Time Warner schaue sich unter Druck seiner Investoren nach einem Käufer um, Apple beobachte die Situation genau und sei womöglich an einer Übernahme interessiert.

Der Grund könnte auf der Hand liegen: Time Warner würde Apple auf einen Schlag ein umfangreiches Paket von Inhalten und Rechten geben, um einen Internetstreamingservice für das Apple TV anzubieten. Ein solches "Apple Music für Fernsehen" verhandle Apple angeblich schon seit Jahren, es fehle aber noch an letzten Details. Mit Time Warner bekäme Apple aber populäre Serien wie Game of Thrones oder das Gesamtpaket von CNN in seinen Konzern einverleibt und könnte mit seinem Dienst loslegen – die technische Infrastruktur dürfte bereits stehen. Auch die von Warner Bros. produzierten Filme und TV-Sendungen hätte Apple bei einer Übernahme im eigenen Portfolio.

Noch prüfe Time Warner aber alle Optionen, auch Verkäufe von Unternehmensteilen wie dem Fernsehsender HBO seien möglich. Und hier besteht bereits eine Geschäftsverbindung mit Apple, bringt die New York Post in Erinnerung. Eine Apple nahe Quelle habe dem Blatt verraten, Apples Senior Vice President Software and Services Eddy Cue beobachte die Situation genau und warte auf eine Gelegenheit. Im März vergangen Jahres hatte HBO auf der Keynote zur Premiere der Apple Watch den Dienst HBO Now für das Apple TV vorgestellt und ihn im April an den Start gebracht , gewissermaßen einen Vorboten für TV-Inhalte, die ohne Umwege über einen Kabelprovider auf das Apple TV kommen.

Der Zeitpunkt sei womöglich günstig, der Aktienkurs von rund 71 US-Dollar liege derzeit weit unter dem Angebot von 85 US-Dollar pro Aktie, das vor 18 Monaten der Konkurrent 21st Century Fox abgegeben habe. Dieser sei auch nach wie vor an einer Übernahme interessiert, ebenso könnte der Telefonprovider AT&T ein Angebot abgeben, spekuliert die Post. Die unkomplizierte Aktionärsstruktur von Time Warner würde einen Verkauf erleichtern, heißt es weiter. Keines der erwähnten Unternehmen hat die Berichte kommentiert.

Darpa-Chip soll Funkstörungen unterbinden

Die dem Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten unterstehende Behörde Darpa (Defense Advanced Research Projects Agency) hat einen Chip vorgestellt , der Funkkommunikation der Soldaten vor Störungen schützen soll. Das Militär soll damit auch weiter miteinander sprechen können, wenn der Feind auf dem Schlachtfeld Störsender installiert hat.

Möglich wird dies laut Darpa durch einen einzigen Chip, der einen extrem schnellen Analog-Digital-Wandler enthält. Er übertrifft ähnliche Lösungen beim Tempo um den Faktor 10. Dadurch ließen sich deutlich breitere Frequenzbereiche analysieren, die Einschränkungen durch überlastete Funkfrequenzen des Militärs würden gleichzeitig minimiert.

Über den Darpa-Chip laufen sekündlich Signale, die einem Datenvolumen von einem Terabyte entsprechen. Dadurch können auch Signale aus dem 30-GHz-Netz in Echtzeit erfasst und analysiert werden. Bislang musste hierfür teure Spezialhardware angeschafft werden.

Dennoch könnte die Technik noch nicht sofort im Feld benutzt werden. Die hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit für Funkfrequenzen erfordert aktuell noch zu viel Strom. Gemeinsam mit dem US-Halbleiterhersteller Globalfoundries sollen künftig Chips im 14-Nanometer-Verfahren gefertigt werden, die mit viel weniger Strom auskommen. Die derzeitigen Prototypen wurden noch im 32-Nanometer-Verfahren gefertigt und besitzen daher die doppelte Leistungsaufnahme.

Erforderlich wird die neue Technik laut Darpa durch die Stellung von China und Russland auf dem Gebiet der elektronischen Kriegsführung. Beide Parteien besitzen nach Ansicht des US-Militärs die entsprechenden Mittel, um die elektromagnetische Kommunikation nachhaltig zu stören.

Google I/O 2016 findet im Mai statt

Die Google I/O findet in diesem Jahr wieder im Mai statt. Wie Google-CEO Sundar Pichai heute über Twitter bekannt gibt , ist die Konferenz für den Zeitraum vom 18. bis 20. Mai 2016 geplant. Als Veranstaltungsort hat sich der Suchmaschinenkonzern das Shoreline Amphitheatre in Mountain View, Kalifornien ausgesucht. Nähere Details soll es laut Pichai in Kürze geben. Der Ticket-Vorverkauf könnte ebenfalls in den nächsten Wochen beginnen.

Im Rahmen der Google I/O 2016 werden zahlreiche Ankündigungen erwartet, allen voran die neue Android-Version N. Android Wear wird den Mutmaßungen ebenfalls auf der Konferenz präsent sein. Denkbar wäre unter anderem die Ankündigung von Support für Windows 10 Mobile. Zu den weiteren Themen in Mountain View könnten Android Auto, Project Ara, autonome Autos, Virtual Reality, Project Fi, Chrome und Smart Home zählen.

Jede zweite Smartwatch ist eine Apple Watch

Laut Juniper Research hat Apple im vergangenen Jahr 8,8 Millionen Exemplare seiner Apple Watch ausgeliefert. Damit dominiert der iPhone-Hersteller den Markt und stellte 51,5 Prozent aller verkauften Smartwatches.

2015 wurden laut den Marktforschern 17,1 Millionen schlaue Uhren verkauft. Googles Betriebssystem Android Wear kommt nach Schätzungen jedoch nur auf jeder zehnten Uhr zum Einsatz. Der Vorsprung von Apple manifestiert sich darüber hinaus auch in der Anzahl der verfügbaren Apps: Während Besitzer der Apple Watch aus 10.000 Anwendungen auswählen können, stehen für Android Wear nur 4000 Apps zur Verfügung.

Einen großen Teil des Marktes dominieren laut Juniper Research zudem Billighersteller mit preiswerten Uhren bis 150 US-Dollar. Apple hat bislang jedoch noch keine offiziellen Verkaufszahlen zu seiner Apple Watch vorgelegt.

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