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Morgenmagazin vom Donnerstag, 14. Mai 2020

14.05.2020 | 06:58 Uhr | Peter Müller

Der Mac mit ARM: So könnte die Palette aussehen +++ Was die Leaks für das iPhone 12 bedeuten +++ Apples VP für Policy schließt sich Biden-Team an +++ SpaceX: Crew-Dragon-Simulator testet Andocken an die ISS +++ Amazon: UV-Roboter tötet Corona-Viren ab +++ Wissenschaftler entdecken seltene Super-Erde

14. Mai: Im Schrank versteckt

Macwelt wünscht Guten Morgen! Ja, es ist kalt und das hilft vielleicht beim Daheimbleiben. Dass das nichts mit Eisheiligen zu tun hat, klärten wir bereits am Montag. Heute haben wir ja eher einen Scheinheiligen im Kalender der Apple-Welt stehen. Na gut, heilig gesprochen ist er nicht, wird er auch nie.

Die erste Bedingung dafür hat er aber erfüllt, das Ableben. Wunder werden ihm posthum aber nicht zugesprochen, auch zu Lebzeiten erledigte er keine Wunderdinge, obwohl er dafür konzipiert war, schier Unmögliches möglich zu machen: Apples erster und bis letzten Herbst einziger Rack-Server, der Xserve.

Am 14. Mai 2002 vorgestellt, sollte er sich für Rechenzentren qualifizieren und dort mit Maschinen konkurrieren, die etwa von HP und IBM herstellt waren und auf denen Linux als Betriebssystem lief. Es gab zu Zeiten der Xserve-Premiere, damals noch mit G5-Prozessor, in der Tat einige Installationen von Serverfarmen mit Macs. Rund 1000 Power Macs G5 schaltete etwa die Universität von Virginia zu einem Cluster zusammen. Mit dem eine Höheneinheit messendem Xserve sollte man in den Serverschränken Platz sparen, respektive noch mehr davon unterbringen können. Virginia stellte dann auch auf Xserve um und später auch noch auf die Intel-Variante des Apple-Server, aber besonders erfolgreich wurde das Business nicht.

Klar, nicht einmal Apple selbst baute sich Rechenzentren mit abertausenden Xserves auf. Auch heute noch verlässt sich der Mac-Hersteller für das Hosting seiner Services noch sehr auf Amazon, Microsoft und Google, eigene Serverfarmen werden es zwar immer mehr, aber auch da wird man in den Schränken nur wenige Apple-Produkte finden – aber die Zeiten ändern sich ja wieder mal.

Der Xserve war zwar ein wunderschönes Gerät, so dass einige wenige Apple-Fans sich sogar einen in ihre Privaträume als Fileserver stellten. Doch dafür reicht selbst ein älterer Mac Mini völlig aus. Apple hat auch längst beinahe alle Server-Komponenten aus seinem Mac-Betriebssystem entfernt. Zwar kann man immer noch Macs - der Mini bietet sich dafür ja an - zu Clustern verknüpfen, aber im High-End überlässt Apple das lieber den Profis.

Insofern wäre es spannend, wie sehr die Rack-Variante des Mac Pro die Server-Welt aufmischt. Die Maschine ist nämlich für Profis, derzeit gibt es noch nicht einmal Anwendungen, die den Mac Pro ernsthaft ins Schwitzen brächten, also seine Lüfter zum heftigen Rotieren. Das wird sich gewiss ändern, der Mac Pro von 2013 war auch sehr schnell von der Realität eingeholt.

Diesmal hat Apple vielleicht nicht alles richtig gemacht, aber vieles. Und vor allem alles anders. Denn der Mac Pro ist vor allem in Sachen Grafik und Multi-Core ein Rechenmonster. So etwas stellt man doch nicht ins Rack? Doch - und nicht nur, weil er da unter Umständen etwas besser aufgehoben ist als auf dem Desktop, von dem er herunterrollen könnte, hat man 850 Euro für einen Satz Räder ausgegeben. Gerade die vielen Kerne moderner Grafikprozessoren dienen bei parallelen Berechnungen und Datenverarbeitungen. Das Higgs-Boson etwa, das man sich nur schwer vorstellen kann und schon gleich gar nicht sehen, verbarg sich in einem immensen Datenwust, den vor allem Grafikprozessoren auswerten halfen. Ob Virgina schon bei Apple neue Inhalte für ihre Serverschränke geordert hat?

Lesetipps für den Donnerstag

Mit ARM seelig : Auch wenn Apple immer gut daran tut, nicht zu viel auf Gezwitscher zu geben, so pfeifen es doch die Spatzen von den Dächern, dass der Umstieg des Mac von der Intel-Plattform auf die von ARM ansteht. Jason Snell macht sich in seiner jüngsten Macworld-Kolumne "More Color" Gedanken, wie denn Apples Mac-Angebot während und nach dem Umstieg aussehen könnte, sprich: Welche ARM-Macs denkbar und wünschenswert wären. Designs von Rechnern legt Apple - von innen wie von außen - für Jahre hinaus fest, weshalb entscheidende Änderungen und Neuerungen anstehen könnten. Der iMac wird auf alle Fälle bleiben - könnte nach Jahren aber wieder ein neues Gesicht bekommen. Beim Umstieg von PPC auf Intel war der iMac im Prinzip der erste Intel-Mac, nur sah er genau so aus wie sein Vorgänger, der iMac G5. Jetzt wäre Gelegenheit für weitgehende Änderungen - der All-in-one-Gedanke wird bleiben. Wenig ändern werde sich bei Mac Pro und iMac, diese dürften noch lange auf ARM warten und den Mac Mini wird Apple auch noch ein paar Jahre lassen, wie er ist. Mehr passieren könnte noch in diesem Jahr oder spätestens im nächsten bei den Macbooks. Hier schwebt Snell eine 2x2-Matrix vor, mit großen und kleinen Laptops für Consumer und Profis: Die könnten dann unter Umständen Macbook und Powerbook heißen - eine Änderung der Nomenklatur, weg von Macbook Air und Pro hält er auf alle Fälle für wahrscheinlich. Apple brauche jedenfalls in Zukunft keine drei verschiedenen 13-Zoll-Laptops, schließt man das iPad Pro 12,9 hier mit ein.

Das Dutzend voll: Wenn all die Gerüchte stimmen, die der zuletzt sehr treffsichere Leaker Jon Prosser über das iPhone des Herbst 2020 nochmals zusammengefasst hat, dann steht mit dem iPhone 12 das weitgreifendste Update für Apples Smartphone seit langem bevor. Nicht nur der Umstieg auf 5G wird relevant, auch die Aufteilung in dedizierte Consumer- und Pro-Reihen wird relevant. Das hat bedeutende Folgen für die Zukunft des iPhone, meint Michael Simon auf Macworld. Die Abgrenzungen würden klarer, die Pro-Modelle kämen mit mehr Kameras, mehr RAM und besseren Materialien, und es wäre auch wieder das kleinste Modell das günstigste, Kaufentscheidung leichter gemacht. Was aber auch nicht auszuschließen sind, seien weitere Distinktionsmerkmale wie 5mmWave und ein speziell angepasster Prozessor für die Pro-Modelle.

Umstieg: Apple tut sich natürlich leichter, sein Betriebssystem nur noch in 64 Bit anzubieten, mit macOS 10.15 Catalina war der Schnitt gekommen, der ältere Programme ein für alle mal ausschloss. Doch hat Apple die volle Kontrolle über System und Hardware, während Microsoft sein Betriebssystem Windows 10 für jede kompatible Maschine anbieten muss. Dennoch unternimmt nun auch Redmond einen entscheidenden Schritt in Richtung 64 Bit, wie ZDnet berichtet. Ab Windows 10 2004 sollen neue PCs nur noch 64-Bit-Versionen des Betriebssystems verwenden, ältere Installationen bekommen aber weiterhin Updates für 32 Bit.

Neuer Job: Es wird Zeit, dass sich wieder Profis um die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Geschicke der USA kümmern und keine empathielosen Aufschneider und Selbstdarsteller. Apples Vice President of Public Policy and Government Affairs Cynthia Hogan schließt sich daher den Wahlkampfteam des voraussichtlichen Kandidaten der Demokraten, Joe Biden, an. Mit ihrer Arbeit bei Apple ist das Engagement dann nicht mehr vereinbar, weshalb Hogan das Unternehmen im kommenden Monat verlassen wird. Hogan arbeitet seit 2016 bei Apple und ist dort für Beziehungen zu Regierungen zuständig, also Lobbyismus. Hogan hatte zuvor schon dem Senator und späteren Vizepräsidenten Biden als Beraterin gedient, es handelt sich gewissermaßen um eine Rückkehr. Sie war auch als Vorstand für Public Policy in der Football-Liga NFL tätig. Erste Aufgabe im Team Biden wird für Hogan und ihrer Mitstreiter Senator Chris Dodd, Abgeordnete Lisa Blunt und dem Bürgermeisrter von Los Angeles, Eric Garcetti, sein, eine "running mate" zu finden, also eine Kandidatin für die Vizepräsidentschaft. Derzeit gilt die Kalifornsiche Senatorin und Ex-Staatsanwältign Kamala Harris als Top-Favoritin für den Posten, aber auch der Gouverneurin des Staates Illinois, Gretchen Whitmer, werden gute Chancen eingeräumt, zusammen mit Joe Biden gegen das Duo Infernale der Republikaner anzutreten.

Personalisiert: Die WWDC 2020 wird historisch, als erste Veranstaltung ihrer Art, die nur online abgehalten werden kann. Apple wirbt für die Entwicklerkonferenz mit einem Plakat, das drei Memojis vor mit WWDC-Stickern verzierten Macbooks zeigt, eine klare Anspielung darauf, dass man sich im Juni nicht persönlich in San Jose treffen wird, sondern nur virtuell vor dem Rechner. Der Youtube-Kanal The Tech Rabbi zeigt nun in einem ausführlichen Video, wie man ein derartiges Bild mit dem eigenen Memoji erstellt. Dazu ist eben nicht nur ein iPhone mit FaceID notwendig, sondern auch die kostenlose App Adobe Spark Post und die Hilfe der Website CLean PNG, um das Memoji in einem verarbeitbaren Format zu speichern.

Platz 9: Apple ist weiterhin die am besten in der Forbes-2000-Liste platzierte IT-Firma, hat gegenüber der letzten Ausgabe  im Jahr 2020 aber drei Plätze verloren und rangiert nun auf Platz 9. Forbes wendet für sein Ranking der 2000 "größten" Unternehmen weltweit einen Mix aus Nettogewinn, Umsatz, Aktiva und Marktwert an. In Sachen Börsenwert ist Apple mit 1,3 Billionen US-Dollar hinter Microsoft auf Platz zwei (1,4 Billionen) und dem neuen Ölriesen Saudi-Aramco (1,7 Billionen) immerhin Dritter. Die bei Forbes bestplatzierten Firmen mit Hauptsitz in Deutschland sind Volkswagen (Platz 23), Allianz (25) und Siemens (62). An der Spitze des Rankings stehen die chinesischen Banken ICBC und China Construction Bank, gefolgt von JPMorgan Chase und Berkshire Hathaway, die Top 5 komplettiert ebenso eine chinesische Bank, die Agricultural Bank of China.

Weitere Nachrichten:

SpaceX: Crew-Dragon-Simulator testet Andocken an die ISS

Am 27. Mai wollen die NASA und SpaceX erstmals einen bemannten Flug mit dem Crew-Dragon-Modul durchführen. Mittelfristig soll das neu entwickelte System Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS bringen. Der erste Testlauf bringt jedoch lediglich zwei Astronauten in eine Umlaufbahn. Wer das Andockmanöver an die ISS schon jetzt ausprobieren möchte, bekommt mit dem Crew-Dragon-Simulator von SpaceX eine spielerische Gelegenheit dazu. Neben einem Webbrowser erfordert der Simulator lediglich etwas Geduld.

Zur Steuerung der Kapsel werde laut SpaceX auf das echte Interface der Crew-Dragon-Kapsel zurückgegriffen. Mit einer Anpassung unterschiedlicher Parameter muss die Kapsel dabei genau ausgerichtet werden, auch die Geschwindigkeit muss niedrig genug für ein Andocken sein. Der Vorgang benötigt allerdings etwas Zeit, im Gegensatz zum echten Andockmanöver lässt sich ein Crash im Browser aber leicht wieder ausmerzen. Interessanterweise erinnern die Bedienoberflächen tatsächlich an ein Smartphone-Spiel, welches per Touch gesteuert wird. Gleichzeitig bietet der Simulator einen guten Eindruck davon, wie sich Körper in der Schwerelosigkeit bewegen. Denn durch fehlende Materie in der Umgebung wird das Raumfahrzeug nicht mit der Zeit abgebremst. Dies muss der Spieler selbst tun.

SpaceX Crew-Dragon-Simulator kostenlos ausprobieren

Amazon: UV-Roboter tötet Corona-Viren ab

Ein Robotik-Forscherteam von Internet-Konzern Amazon hat einen fahrenden Roboter entwickelt , der dem neuen Coronavirus auf Oberflächen mit UV-C-Licht zuleibe rücken soll. Noch immer ist wissenschaftlich nicht hunderprozentig nachgewiesen, wie gut der Virus über Oberflächen übertragen werden kann. Klar ist jedoch, dass er auf Oberflächen nachweisbar ist. Anstatt diese mit Desinfektionsmitteln zu besprühen oder abzuwischen, kann auch UV-C-Licht genutzt werden, um Viren auf Oberflächen abzutöten.

Auf diese Vorgehensweise setzt der neue Desinfektionsroboter von Amazon. Die fahrbare Box verfügt über ein Gestänge, an dem mindestens zehn UV-C-Lampen montiert sind. Auf diese Weise kann der Roboter in Lagerhäusern etwa an Regalen entlang fahren. Für Lebensmittel-Geschäfte wie die US-Kette Wholefoods eignet sich der Prototyp ebenfalls. Hier kann er mit seinem UV-C-Lampen unter anderem die Glasfronten und Griffe von Kühlschränken und Gefrierauslagen desinfizieren. Laut CBS News soll der Amazon-Roboter künftig zur Desinfektion von Verpackungen, Türgriffen und Lebensmitteln genutzt werden. Der Roboter befindet sich bei Amazon aktuell noch in der Tesphase. Ab wann die fahrende Lösung tatsächlich in Lebensmittelgschäften und Lagern eingesetzt wird, ist noch nicht bekannt.

Wissenschaftler entdecken seltene Super-Erde

Astronomen der neuseeländischen University of Canterbury (UC) haben eine extrem seltene "Super-Erde" entdeckt. "Der neue Planet ist einer von extrem wenigen Exoplaneten, deren Größe und Orbit der der Erde gleichen," erklären die Wissenschaftler in dieser Woche in einer offiziellen Meldung .

Als Exoplaneten bezeichnet man Planeten, die sich außerhalb unseres Sonnensystems befinden. Nur extrem wenige von ihnen, bieten ähnliche Bedingungen, wie die heimische Erde. Der neu entdeckte Planet ist einer von ihnen. Sein Jahr dauert mit 617 Tagen fast doppelt so lang wie ein Jahr auf der Erde und er kreist um einen Stern mit geringerer Masse als unsere Sonne. Der Planet findet sich ganz in der Nähe der zentralen Sternenausbuchtung der Milchstraße - etwa 25.000 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Entdeckt wurde die Super-Erde über die Gravitations-Mikrolinsen-Technik. Dabei suchen die Forscher mit Teleskopen auf der ganzen Welt nach speziellen lichtkrümmenden Effekten, die ein Planet auf seinen Stern ausübt. Ob die mögliche zweite Erde auch tatsächlich bewohnbar ist und den Bedingungen auf unserem Planeten gleicht, wissen die Forscher nicht.

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