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Morgenmagazin vom Donnerstag, 15. Dezember 2016

15.12.2016 | 06:52 Uhr |

Trump trifft Tech-CEOs +++ Apple wirbt Karten-Experten von Here ab +++ Erste Beat für macOS 10.12.3 +++ Alte Backdoor-Lücke in Skype für den Mac entdeckt +++ Adobe stellt viele neue Updates bereit +++ Google: Danach suchten die Deutschen besonders häufig +++ Phönix aus der Asche: AMDs Zen-Prozessor Ryzen auf Augenhöhe mit Intel Core i7

15. Dezember: Fünf gegen fünf

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Die Engländer halten sich bekanntlich für die Erfinder des Fußballs und seiner einstigen Variante Rugby. Doch geschah es lediglich auf der Insel, dass jemand Regeln notierte, die im Großen und Ganzen immer noch gelten. Eine Art von Fußball wurde wohl schon auch vor 5000 Jahren in Asien gespielt, in einem Land, das noch lange nicht China heißen sollte. Nur traten da nicht elf gegen elf auf einem guten Hektar an, die Spiele waren weit raumgreifender und dank der vielen Teilnehmer auch um einiges brutaler. Mit Sicherheit hatten Menschen aber schon weit vorher gegen runde Gerätschaften getreten, die am Boden herumlagen, oder sie aufgenommen, getragen und geschmissen. Fußball und Handball werden vermutlich so alt sein wie die menschliche Kultur selbst.

Ganz anders verhält es sich beim Basketball. Hier ist eindeutig ein Erfinder zu benennen - der Kanadier James E. Naismith - und vor allem der Geburtstag: Es war am 15. Dezember 1891, also heute vor 125 Jahren, als Naismith die noch heute gültigen Regeln verfasste. Grund soll der Wunsch gewesen sein, für Footballer (!) im Winter in der Halle eine Trainingsform zu finden, die seltener zu Verletzung führte. Naismiths Überlegung: Beim Football und verwandten Sportarten geht es deshalb so brutal zu, weil das Spiel stets in einer Ebene abläuft und das Ziel, in das das Sportgerät muss, auch dort liegt. Also montierte er zwei Pfirsichkörbe auf die Empore der Sporthalle von Springfield (Massachusetts) und befestigte dahinter Bretter, damit die vom zehn Fuß (3,05 Meter) tiefer gelegenen Feld geworfenen Bälle nicht etwa die Zuschauer träfen. Naismith notierte 13 einfache Regeln und das war's - das erste Basketballspiel der Geschichte stieg dann einen Monat später.

Wegen seiner Einfachheit, die Apple alle Ehre macht, der fehlenden Brutalität (körperlos ist das Spiel indes nicht...) und vor allem der hohen Geschwindigkeit hat es Basketball zu einem der beliebtesten Mannschaftssportarten des Globus gemacht. Am populärsten ist die Sportart natürlich in Nordamerika, wo sie neben Football, Eishockey und Baseball zu den "Big Four" der Zuschauermagneten gehört. Anders als beim Football muss der Zuschauer nicht in kalten Stadien ausharren, bis mal endlich wieder für ein paar Sekunden etwas passiert. Anders als beim ähnlich schnellen Eishockey sieht man auch aus größerer Entfernung das Spielgerät. Und warum nur US-Amerikaner, Kanadier und Kubaber - sowie alle Statistik-Fans - Baseball nicht für abgrundtief langweilig halten, ist ein Rätsel, das mit Fußball (dem echten!), Handball und Hockey (auf Rasen!) sozialisierte Europäer nie lösen werden. Umso eher verstehen wir auch Basketball.

Apple hat zwar anders als HP (Tottenham Hotsuprs), Kyocera (Borussia Mönchengladbach) oder Samsung (Chelsea FC) niemals Interesse gezeigt, Sportmannschaften als Trikotsponsor zu unterstützen, in Eddy Cue ist aber ein großer Fan des Basketballteams der Golden State Warriors aus San Francisco in der Führungsebene. Die aus dem Golden State erleben nach langer Durststrecke gerade goldene Zeiten, den Titel haben sie 2015 gewonnen und im Finale 2016 waren sie den Cavalliers aus Cleveland nur hauchdünn unterlegen - 2017 geht die Meisterschaft wohl wieder nur über San Francisco. Wir werden es auf der WWDC im kommenden Juni bestimmt erleben, wenn das Team um Steph Curry und Kevin Durant seine Cameo-Auftritte in diversen Apple-Produkten und -Services bekommt. Wir freuen uns darauf und müssen neidlos anerkennen: In diesem Fall ist der FC Bayern München weit, weit weg von der Weltspitze. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Treffen: Bei einem Meeting im Trump-Tower hat gestern der designierte US-Präsident Donald Trump versucht, die CEOs namhafter Technikunternehmen wie Google, Apple und IBM auf seine Seite zu ziehen. Ergebnisse der Gespräche sind keine bekannt, vor den Kameras sagte Trump jedoch einleitend, er werde "für die Unternehmen da sein" und mit seiner Außen. und Wirtschaftspolitik ihnen bessere Chancen geben wollen, mehr Produkte zu verkaufen. Trump ist dem Freihandel gegenüber skeptisch, seine Ansichten zum Protektionismus der Ökonomie sind für Silicon Valley ebenso nicht ungefährlich. Tech-Firmen haben auch ein Problem mit der restriktiven Migrationspolitik, ist gerade das Silicon Vallley auf junge Talente aus aller Herren Länder erpicht.

Then we take Berlin: Apple verstärkt sein an dem eigenen Kartendienst arbeitendes Team, das in einer nicht offiziell bestätigten Niederlassung in Berlin arbeitet. Schließen lässt sich das aus geänderten LinkedIn-Prodfilen von ehemaligen Mitarbeitern des Kartendienstes Here, der eins zu Nokia gehörte und nun von einem Konsortium aus Daimler, BMW und Audi getragen wird. Aus den Einträgen bei LinkedIn wird der Wechsel von mindestens sechs Mitarbeitern zu Apple deutlich, wie viele es genau sind, wollen die Beteiligten auch nicht verraten. Und natürlich auch nicht, was sie denn genau bei Apple treiben und in welchem Büro.

Da gibt es eine App für: Apple hat nun auch eine App für den Apple Support herausgebracht, mit der man etwa einen Termin an der Genius Bar des nächsten Apple Stores vereinbaren kann. In der App findet man zudem detaillierte Informationen zu den Produkten, die mit der eigenen Apple ID verknüpft sind. Die Terminvereinbarung bei Problemen war bisher über die Apple-Store-App möglich, die ja eigentlich zum Einkaufen neuer Produkte optimiert ist.

Nebengeschäft: iMessages hat mit iOS 10 einen eigenen Store für Sticker, Gifs und Minispiele erhalten und Entwickler sind begeistert über die neuen Einnahmemöglichkeiten. Denn der Store innerhalb der Kommunikationsapp wird anscheinend vom Start weg gut angenommen. Das Magazin Fastcompany hat etwa den Softwarehersteller JibJab besucht, der bereits seit 17 Jahren im Business mit Stickern und Online-Grußkarten ist und sich jetzt über den neuen Absatzmarkt freut.

Weiter geht's: Gerade erst hat Apple macOS Sierra auf Version 10.12.2 aktualisiert, schon bekommen registrierte Entwickler die erste Beta von macOS 10.12.3 zum Testen - aller Voraussicht nach kommt im Laufe des heutigen Tages auch die erste Public Beta des nächsten Wartungsupdates heraus. Das Update umfasst immerhin 1,04 Gigabyte an Daten und bringt anscheinend keine neuen Funktionen oder Inhalte, stattdessen werde sich Apple auf Bugfixes konzentrieren. Vor Ende Januar dürfte die finale Version kaum erscheinen.

Weitere Nachrichten:

Alte Backdoor-Lücke in Skype für den Mac entdeckt

Nutzer der Mac-Version von Skype sollten ihr Kommunikationsprogramm unbedingt aktualisieren, ein Update ist Ende Oktober erschienen. Skype-Versionen vor aktuellen Version 7.37 sind nämlich anfällig für Spyware. Wie die Entdecker der Sicherheitslücke, Forscher des Unternehmens Trustwave feststellten, musste sich eine Malware dazu nur als Skype-Erweiterung ausgeben. Je nach Version hatte sie dann auch Zugriff auf die Kommunikation des Nutzers, bei älteren Skypeversionen konnte sich anscheinend sogar Textnachrichten lesen und ändern. Diese so genannte Desktop API soll Drittprogrammen die Kommunikation mit Skype ermöglichen, ihr gelingt dies aber sogar ohne Rückfrage beim Nutzer. Als ein so genanntes Skype Dashboard Widget hat eine Spyware Zugriff derart einfachen Zugriff, dass die Entwickler die Sicherheitslücke im Microsoft-Tool auch als eine Art Backdoor bezeichnen. Sie vermuten aber einen alten Programmierfehler als Ursache, die Lücke soll seit mindestens fünf Jahren bestehen.

Adobe stellt viele neue Updates bereit

Beim letzten Patch Day des Jahres schließt Adobe Sicherheitslücken in so vielen Programmen wie schon lange nicht mehr. Neben dem fast schon obligatorischen Sicherheits-Update für den Flash Player liefert Adobe auch Updates für RoboHelp, Digital Editions, ColdFusion Builder, InDesign, Experience Manager (+ Forms), LiveCycle, DNG Converter, Animate und AIR.

Die neue Flash-Player-Version 24.0.0.186 beseitigt 17 Sicherheitslücken. Bis auf eine sind alle diese Schwachstellen geeignet, um beliebigen Code einzuschleusen und auszuführen. Die letzte Lücke kann immerhin noch genutzt werden, um Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen. Erstmals seit langer Zeit gilt die neue Versionsnummer für alle Plattformen – auch für Linux. Bislang mussten Linux-Nutzer mit der veralteten Flash-Version 11.2 vorlieb nehmen oder Chrome installieren.

Neu ist im Flash Player 24 und AIR 24 die Unterstützung für sphärische Videos und deren spezielle Metadaten. Im Flash Player 24 können Benutzer die Zugriffsrechte für Kamera und Mikrofon feiner differenzieren, indem sie unterschiedliche Berechtigungen für Websites mit und ohne verschlüsselte Datenübertragung (per HTTPS) festlegen. Ab Firefox 51, der Ende Januar 2017 zu erwarten ist, kann Flash Player 24 für Windows Inhalte auf hochauflösenden Bildschirmen angemessen skalieren.

Adobes RIA-Plattform AIR ist in der neuen Version 24.0.0.180 erhältlich. Diese ist zwar nicht als Sicherheits-Update ausgewiesen, sollte jedoch als solches behandelt werden. Schließlich basiert AIR auf Flash und es kann durchaus jemand einen Weg finden eine Flash-Lücke über AIR auszunutzen.

Bei den in Animate, DNG Converter und InDesign geschlossenen Lücken handelt es sich um Speicherfehler (memory corruption). Bei solchen Bugs kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass es jemand mit genügend Zeit und Motivation schafft einen Weg zu finden, wie man darüber Code einschleusen und ausführen kann. Die Schwachstellen in RoboHelp, Adobe Experience Manager (AEM), AEM Forms und LiveCycle sind XSS- und CSRF-Lücken (Cross-Site Scripting, Cross-Site Request Forgery). ColdFusion Builder und Digital Editions weisen Datenlecks auf.

Auf dieser Übersichtsseite bei Adobe finden Sie alle aktuellen Adobe Security Bulletins.

Google: Danach suchten die Deutschen besonders häufig

Google hat eine spannende Liste mit den Suchbegriffen erstellt („trending searches“), nach denen das Suchinteresse der deutschen Google-Nutzer 2016 gegenüber 2015 am stärksten angestiegen ist. Google hat dafür nach eigenen Angaben Billionen von Suchanfragen ausgewertet.

Die Suchbegriffe, die 2016 bei Google am stärksten angezogen haben, waren:
1.    EM 2016
2.    Pokémon Go
3.    iPhone 7
4.    Brexit
5.    Olympia

Die wichtigsten politischen Schlagzeilen bei Google lauteten:
1.    Brexit
2.    Donald Trump
3.    US-Wahl
4.    AfD
5.    Brüssel

Wer auf Google nach Prominenten aus Deutschland gesucht hat, tippte meist diese Namen ein:
1.    Nico Rosberg
2.    Sarah Lombardi
3.    Helena Fürst
4.    Vanessa Mai
5.    Jan Böhmermann

Bei den internationalen Promis wuchs das Interesse deutscher Nutzer vor allem an:
1.    Donald Trump
2.    Melania Trump
3.    Terence Hill
4.    Brigitte Nielsen
5.    Antoine Griezmann

Nach diesen Verstorbenen suchten Google-Nutzer besonders oft:
1.    Tamme Hanken
2.    David Bowie
3.    Roger Cicero
4.    Prince
5.    Bud Spencer

Diese Film-Titel legten bei Google besonders zu:
1.    Deadpool
2.    Suicide Squad
3.    The Revenant
4.    Zoomania
5.    Ein ganzes halbes Jahr

Die am stärksten angestiegenen Warum-Fragen bei Google:
1.    Warum ist Prince gestorben?
2.    Warum haben Katzen Angst vor Gurken?
3.    Warum ist Italien Gruppensieger?
4.    Warum Hamsterkäufe?
5.    Warum Brexit?

Die am stärksten angestiegenen Was-Fragen bei Google:
1.    Was hat Böhmermann gegen Erdogan gesagt?
2.    Was ist ein Putsch?
3.    Was ist Pokemon Go?
4.    Was ist Brexit?
5.    Was ist Ceta?

Die am stärksten angestiegenen Wie-Fragen bei Google:
1.    Wie funktioniert Pokémon Go?
2.    Wie hat Deutschland gegen Polen gespielt?
3.    Wie lange dauert ein Handballspiel?
4.    Wie alt ist Donald Trump?
5.    Wie wird der Sommer 2016?

Außerhalb Deutschlands: Danach suchte die Welt

In den weltweiten Google-Suchtrends des Jahres schaffte es Pokémon Go auf Platz eins, gefolgt von iPhone 7 und Donald Trump. Auf den weiteren Plätzen folgen „Prince“ sowie die US-Lotterie „Powerball“. Bei den Persönlichkeiten mit dem stärksten Anstieg im Suchinteresse liegt der designierte US-Präsident „Donald Trump“ vor seiner geschlagenen Rivalin „Hillary Clinton“ sowie Schwimmstar „Michael Phelps“.

Alle Listen für Deutschland und die Welt sind abrufbar unter google.de/2016 .



Phönix aus der Asche: AMDs Zen-Prozessor Ryzen auf Augenhöhe mit Intel Core i7

Bis zu 40 Prozent mehr Recheneffizienz: Schon im Vorfeld hatte AMD angekündigt, das die Zen-Architektur circa 40 Prozent mehr Befehle pro Taktrate abarbeiten kann als die Vorgängergeneration. Diese Leistungseinschätzung scheint sich jetzt auf dem hauseigenen Tech Summit zu bestätigen:

Danach ist das neue Desktop-Spitzenmodell AMD Rysen mit einem Basistakt von 3,4 GHz beim Transcodieren eines UHD-Videos ins Full-HD-Format mit der Software Blender einen Tick schneller als Intels Core i7-6900K mit 3,2 GHz - und das bei einer nahezu identischer Leistungsaufnahme von 180 Watt von beiden Systemen. Auf Augenhöhe rechneten die beiden CPUs auch unter Battlefield 1 und lieferten im Zusammenspiel mit einer Titan X rund 60 bis 70 Bilder/s (hohe Details, UHD-Auflösung). In anspruchsvollen Szenen lag das Ryxen-System sogar einen Tick vor dem Intel-Prozessor.

Natürlich sind solche einzelnen, von AMD ausgewählten Benchmarks, mit Vorsicht zu genießen. Aber trotz aller Skepsis kann man sagen: So nah am Platzhirsch Intel war AMD schon lange nicht mehr dran.

AMD Ryzen könnte für einen CPU-Preissturz sorgen

AMDs Ryzen könnte also tatsächlich den Wettbewerb bei Desktop-CPUs beleben. Vor allem im Highend-Bereich diktiert Intel mangels Konkurrenz seit Jahren die Preise und kassiert für seine Extreme-Edition-Modelle Mondpreise von 1000 Euro und mehr. Wieviel AMD für seine Rysen-Modelle verlangt, die im ersten Quartal 2017 auf den Markt kommen, steht zwar noch nicht fest. Nimmt man AMDs bisherige Preispolitik als Maßstab, könnte das Ryzen-Spitzenmodell bis zu 500 Dollar günstiger sein als Intels 6900K - die Spekulationen unserer US-Kollegen von pcworld.com gehen ebenfalls in diese Richtung.

AMD Ryzen kommt in drei Modell-Reihen

Wie bei Mikroprozessoren üblich schwankt die Produktionsqualität eines Wafers. Das gilt auch für die Ryzen-Fertigung. Nur ein Teil der Dies kann AMD als voll funktionsfähige Octa-Cores verkauften. Der „Ausschuss“ kommt als Sechs- oder Vierkerner auf den Markt. Entsprechend will AMD Ryzen-Modelle mit 4, 6 und 8 CPU-Kernen und unterschiedlichen Taktraten anbieten.

Entsprechende Abstufungen dürften auch beim Pufferspeicher zu sehen sein, der beim Spitzenmodell 20 MB groß ist und sich aus 512 KB L2-Cache pro Kern sowie 16 MB L3-Cache zusammensetzt. Auf der Hand läge die Positionierung: Ryzen-Quadcores gegen Core i3, Hexacores gegen Core i5 und Octacores gegen Core i7.

AMD Zen: 1331 Pins, AM4-Sockel und drei spezialisierte Chipsätze

Neue Architektur, neuer Sockel: AMD hat bei der Zen-Architektur vieles radikal verändert. Ein neuer CPU-Steckplatz ist hier de facto unvermeidlich - zumal sich hier die Gelegenheit bietet, das Tempo, die Anzahl der Datenleitungen und den Funktionsumfang zu erhöhen. Unter anderem wandern PCI Express 3.0 und USB 3.1 direkt in die CPU. Im Vergleich zum „AM3+“-Steckplatz mit 942 Pins erhöht sich die Anzahl der Signalkontakte beim AM4 um mehr als 40 Prozent auf 1331. Zudem kehrt AMD vom Sockel-Typ Zero Insertion Force (ZIF) zum rasterförmig angeordneten Pin Grid Array (PGA) zurück.
 
Neue Architektur, neue Chipsätze: Ein neuer Prozessorsockel bedarf logischerweise auch neuer Chipsätze, damit das höhere Tempo auch bei der Controller-Peripherie ankommt. Seinen Xen-Prozessoren spendiert AMD gleich drei davon: Den Brot-und-Butter-Chipsatz stellt der B350 dar. An das professionelle Umfeld richtet sich die A320-Variante, die einen RAID-Controller integriert. Für Gaming-Systeme ist der X370-Chipsatz gedacht, der 32 PCI-Express-3.0-Kanäle bereitstellt, um zwei Grafikkarten direkt an die CPU anzubinden.
Neue Architektur, neue Mainboards: Neue Chipsätze erfordern auch neue Hauptplatinen. Hier nutzt AMD die Gelegenheit, die Xen-Plattform auf den Stand der Technik zu bringen. Dazu gehört beispielsweise der Wechsel von DDR3- auf DDR4-Speicher.

Komplett umgekrempelte Microarchitektur

Mit dem Zen führt AMD das Simultaneous Multithreading (SMT) ein, das es jedem Kern erlaubt, zwei Aufgaben gleichzeitig abzuarbeiten. Intel hat diese flexible Nutzung der Rechenleistung von Mehrkern-CPUs schon vor Jahren mit "Hyperthreading" etabliert. Damit der Zen SMT beherrscht, dürfen jetzt wieder alle Kerne ihre eigenen Recheneinheiten exklusiv nutzen - vom L3-Caches einmal abgesehen - und müssen sie nicht wie bei der Vorgängergeneration mit anderen Kernen teilen.

Eine gewisse Verwandschaft zu Intels Ring-Bus-Konzept kann der Data Fabric des Zen nicht verleugnen. Über diesen Datenbus kommunizieren alle Prozessorkerne direkt miteinander. Der Data Fabric geht aber noch einen Schritt weiter. AMD will den aufgebohrten Hypertransport auch nutzen, um die Zusammenarbeit der CPU- und GPU-Kerne bei Xen-Prozessoren mit integrierte Radeon-Grafik (APU) zu verbessern. Durch einen kombinierten HBM2-DDR4-Controller verspricht sich AMD auch einen deutlich schnelleren Datenaustausch zwischen Grafik- und Arbeitsspeicher.

Höhere Recheneffizienz pro Watt durch SenseMI

Unter dieser Technik fasst AMD fünf Maßnahmen zusammen, die Hand in Hand greifen.
Pure Power soll fortlaufend die Taktfrequenz, Spannungsversorgung und Temperaturentwicklung in einer Zen-CPU überwachen. Laut AMD ist es so möglich, ein konstant hohes Tempo in den gerade genutzten Recheneinheiten zu halten und dabei die Leistungsaufnahme des Zen-Prozessors zu senken.

Precision Boost erlaubt die Regulierung der Taktfrequenz in 25-Mhz-Intervallen. Laut AMD lässt sich so die zur Verfügung gestellte Leistung besser an die in Echtzeit benötigte Rechenpower anpassen.
Extented Frequency Range (XFR) erhöht - eine entsprechend gute Kühlung vorausgesetzt - den Spielraum für kurzfristig auftretende Übertaktungsspitzen. Wer also in seinem Zen-System statt einer Luft- eine Wasserkühlung einsetzt, wird mit höheren und längeren Turbo-Taktraten belohnt.

Neural Net Prediction ist laut AMD eine optimierte Sprungvorhersage, bei der nicht nur Befehlsverzweigungen, sondern auch -abhängigkeiten miteinbezogen werden, um die vermeintlich schnellsten Rechenweg vorherzusagen.
Smart Prefetch soll ein effizienteres Vorhalten von Daten im Prefetch-Puffer für wahrscheinlich stattfindende Berechnungen erlauben.

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