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Morgenmagazin vom Donnerstag, 15. Oktober 2020

15.10.2020 | 07:15 Uhr | Peter Müller

Dritte Beta von iOS 14.2, Golden Master von iOS 14.1 +++ Caller ID Verification: Zögerliche Umsetzung auf dem iPhone +++ 30 Jahre LC +++ Telegram-CEO beschwert sich über Apples "Zensur" +++ Warum das iPhone 12 in der Schweiz günstiger ist als in Deutschland +++ 12-Jährigem gelingt Kernfusion im Kinderzimmer +++ Gerücht: Huawei will Honor verkaufen +++ Multicopter sollen Leben retten - ADAC weitet Erprobung aus

15. Oktober. 30 Jahre LC

Macwelt wünscht Guten Morgen! An den Tagen nach einer Keynote müssen wir immer wieder dem Herrn Brecht aus Augsburg Recht geben: "Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen." Nun hat es Brecht natürlich selbst in seinen Dramen darauf angelegt, nicht alle aufgeworfenen Fragen auch noch zu beantworten, die Leute sollten ja wieder ins Theater gehen. So hat Apple gestern auch nicht von ungefähr Fragen offen gelassen, einige wenige zu Homepod Mini und iPhone 12, aber noch viel mehr zum Mac. Wann kommt Big Sur in der finalen Version? Wann der für dieses Jahr versprochene erste Mac mit Apple Silicon? Und überhaupt one more thing?

Die Frage nach letzterem ist ebenso vermessen wie das Einfordern einer Antwort auf alle Fragen des Lebens, des Universums und des ganzen Rests im Theater. Aber die ersten beiden sind mehr als berechtigt, und wäre am Dienstag da nicht Tim Cook auf der virtuellen Bühne gestanden, sondern der Geist von Michael Ende als Erzähler einer unendlichen Geschichte darüber geschwebt, hätte er ein paar Andeutungen zum Mac geraunt und dann gesagt: "Aber das ist eine andere Geschichte und die wird ein andermal erzählt werden". Wir rechnen mit der nächsten Erzählung Apples in der zweiten Novemberhälfte, vielleicht ja am Buß- und Bettag oder in der Woche vor dem ersten Advent.

Von der nahenden Ankunft des ersten Macs mit Apple Silicon werden Cook und Kollegen berichten – und es wird eine Freude sein im ganzen Land und ein großer Jubel anheben. Waren wir doch gestern recht erstaunt, dass die Preise für vergleichbare iPhones übers Jahr trotz der Neuerungen wie 5G nicht gestiegen waren – also, bis wir dann die Euro-Preise sahen, waren wir noch mild erstaunt – kann Apple auf der kommenden Mac-Keynote mit dem Preis nicht nur überraschen, sondern sogar verblüffen.

Den Grund für die fehlende Preissteigerung des iPhone 5G hatte unser Macworld-Kollege Michael Simon schon vor einem halben Jahr genannt: Während die Androiden erstmals teure Modems - vorwiegend von Qualcomm beziehen und sie in ihre Struktur einpassen mussten, hat Apple diese Entwicklungsarbeit schon früher verrichtet und den Preis von externen Funkchips schon lange in das iPhone eingepasst. Jetzt ist da eben ein anderer Chip drin, den Apple ja lange Zeit für überteuert hielt und deshalb gegen den Lieferanten klagte. Damals sah man in Intel noch einen alternativen Zulieferer, doch der ließ das mit den Funkmodems sein und verkaufte seine Sparte schließlich – an Apple.

Bis Apple dem nicht mehr so sehr geschätzten Nachbarn aus Südkalifornien Qualcomm doch noch den Laufpass geben kann und statt auf dessen Produkte auf eigene Entwicklungen setzen kann, vergehen noch einige Jahre. Aber dann kann es durchaus passieren, dass iPhones entweder günstiger werden oder trotz einer völlig neuen Entwicklung an einer anderen Komponente eben nicht teurer.

Ähnliches steht nun in Sachen Mac bevor. Hier ist es Intel, dem man den Laufpass gibt. Apple erhält mit den eigenen SoCs nicht nur mehr Kontrolle über die Hardware und kann sie für seine Zwecke optimieren, die Komponenten sollten auch weit günstiger werden. So können wir durchaus mit einem iMac 24 Zoll rechnen, der trotz Neuerungen wie vielleicht FaceID nicht mehr kostet als der jetzige 21,5-Zöller, sondern unter Umständen sogar weniger. Oder mit einem ranken, schlanken und schnellen Macbook, das anders als sein Namensvetter der Jahre 2015/16/17 eben nicht mehr kostet als das Macbook Air. Ein neuer mobiler Einsteiger-Mac für unter 800 Dollar? Warum nicht?

Apple kann nicht "billig", Apple ist immer wertig, Apple kann aber durchaus auch Low Cost:  Der erste explizite Low-Cost-Mac kam am 15. Oktober 1990 heraus, also vor exakt 30 Jahren. So hieß der Rechner auch: LC, was für "Low Cost" stand. Das ist aber alles relativ und mit heutigen Niveaus nicht zu vergelichen, denn ohne Display kostete der im Pizzaschachtel-Design gestaltete Mac auch schon stolze 2.400 US-Dollar. Mit einem Farbmonitor für weitere 600 US-Dollar zusammen waren das aber immer noch 3500 US-Dollar weniger, als der Macintosh II kostete - so gesehen erscheint einem der Mac Pro von heute beinahe wie ein Schnäppchen, denn 30 Jahre Inflation machen aus den 6.500 US-Dollar von damals fast den doppelten Wert.

Der LC des Jahres 1990 verzichtete auf NuBus-Slots und kam ersatzweise mit einem Processor Direct Slot (PDS), der Motorola 68020 rechnete mit einer Taktrate von 16 MHz, der RAM war auf 10 MB beschränkt, während der Video-RAM erst einmal nur 256 kB umfasste. Zur damaligen Zeit gewiss keine Höllenmaschine, aber eine mit durchaus soliden Leistungswerten.

Die Pizzaschachtel sollte bei Apple noch lange der Formfaktor für eine Klasse von günstigeren Desktop-Macs sein, selbst in der PowerPC-Ära noch. Zeitgleich mit dem LC kam noch der nicht ganz so günstige (2.999 US-Dollar) Macintosh IIsi und der Macintosh Classic auf den Markt, der mit seinem Preis von 999 US-Dollar der echte Low-Cost-Mac seiner Zeit war, als Neuauflage des Ur-Macintosh aber in Sachen Hardware deutlich hinter seinen großen Brüdern hinterher hinkte.

Eine Pizzaschachtel werden wir vor dem Advent von Apple nicht bekommen, nicht einmal eine runde, aber auf neue Macs können wir durchaus noch spekulieren.

Lesetipps für den Donnerstag

Kompliziert: Erstmals hat Apple am Mittwoch vier neue iPhones auf einmal vorgestellt, nimmt man das iPhone SE aus dem Frühjahr noch mit dazu, hat Apple fünf neue Telefone in seinem Portfolio. Dann kann man ja ein paar alte entsorgen, möchte man meinen, aber weit gefehlt: Dem iPhone SE mag im Frühjahr zwar das iPhone 8 (Plus) zum Opfer gefallen sein, aber iPhone 11 aus dem Vorjahr und iPhone XR von 2018 bleiben noch im Angebot - wenigstens sind die 11 Pro (Max) verschwunden und mit ihnen das Mitternachtsgrün. Nicht zu verhehlen ist aber, dass die Preisstrukturen Apples immer komplizierter werden, die unterschiedlichen Vereinbarungen mit 5G-Netzanbietern macht das noch komplizierter, meint schier verzweifelnd Michael Simon. Aber der hat noch nicht einmal die Euro-Preise gesehen - wenigstens ist es hier mit den Providern etwas weniger kompliziert.

Nächste Runde : Apple hat am Mittwoch die dritte Beta-Fassung von iOS 14.2 für Entwickler veröffentlicht. Die nächste Version des iPhone-Betriebssystems bringt zwei interessante kosmetische Änderungen: Shazam kommt nun auf Wunsch in das Kontrollzentrum, die bereits im Januar definierten und von Apple im Juli präsentierten neuen Emojis wie Fingerzangengeste oder Ninja kommen in das System.  Die dritte Public Beta sollte heute folgen. Ganz ohne Beta-Test kommt iOS 14.1 aus, das voraussichtlich auf den neuen iPhones installiert sein wird, wenn diese ab nächster Woche bei den Kunden aufschlagen. Hierfür liegt nun ein Golden Master vor.

Geschüttelt und gerührt: Das iPhone kann zwar effektiv Anrufe von unerwünschten Teilnehmern ablehnen und unbekannten Nummern es schwer machen, durchzudringen, doch gegen Telefonspam würde es noch bessere Methoden geben, erklärt Glenn Fleishman in seiner Macworld-Kolumne Mac911. Denn mit den Techniken STIR und SHAKEN (interessante Akronyme im Auftrag ihrer Majestät) gibt es kryptographische Methoden eine CallerID nachzuverfolgen und zu verifizieren, den Spammer haben es in VoIP-Zeinte recht leicht, eine Telefonnummer zu fälschen, so wie es auch bei E-Mail-Absendern der Fall ist. Apple und auch Google haben bisher aber nur halbherzig ihren Martini geschüttelt und gerührt bestellt, das könnte sich aber in Zukunft ändern, Apple integriert entsprechende Technologie seit iOS 13 in das iPhone.

Eingriff: Telegram-CEO Pavel Durov beschwert sich über eine Maßnahme Apples, die drei Threads rund um die Protestbewegung in Belarus für iOS-Nutzer sperrt. In den von Apple unter Berufung auf App-Store-Richtlinien gesperrten Kanälen hätten Oppositionelle persönliche Daten von Polizisten veröffentlicht, dies war Anlass für die Sperrung. Durov widerspricht der Darstellung auch nicht, die fraglichen Kanäle seien voller "Informationen über Unterdrücker", welche die Proteste gegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen in diesem Spätsommer teils mit Waffengewalt zu beenden versuchen. Präsident Lukaschenko, dessen Wiederwahl die EU nicht akzeptiert und die Sanktionen gegen das Land zwischen Polen und Russland beschlossen hat, drohte bereits mit dem Einsatz tödlicher Waffen. Apple stellt sich nicht aber wie die EU auf die Seite der Verfechter freier, gleicher und geheimer Wahlen, folgt man Durovs Argumentation. Die fraglichen Kanäle seien auf anderen Plattformen weiter zu sehen, wie schon in der Vergangenheit postet Telegram unter iOS nur den Hinweis, dass diese Inhalte von Apple gesperrt seien. Bereits dieser Hinweis sei Apple aber zu viel, und Cupertino untersage ihn daher, da er "irrelevant" sei. Durov wiederum hält das alles andere für irrelevant. Telegram hatte bereits in der Vergangenheit mit Apples Regulierungen zu tun, diverse Kanäle, die etwa der Verbreitung von Kinderpornographie dienten, seien gesperrt worden, merkt Apple Insider an. Das Grundproblem von Telegram ist, dass der Anbieter keinerlei Möglichkeiten gibt, fragliche oder gar strafrechtlich relevante Inhalte zu melden oder deren Behauptungen zu widersprechen. So nutzen eben nicht nur Oppositionelle in Belarus die App, um Informationen zu verbreiten – die in der Tat die Rechte Dritter verletzen, egal, wer diese Dritte sind – sondern auch Esoteriker, Schwurbler, Radikale und Hetzer, die ihre Falschbehauptungen und plumpen Lügen gern in die Köpfe ihrer Abonnenten blasen. Verletzungen der Logik und Negieren der Realität durch Veganköche, Jammersänger und anderer Hohlbirnen hat Apple bisher noch nicht als Verstoße gegen die App-Store-Richtlinien betrachtet. Von "Zensur!" zu brüllen, ist in keiner Weise gerechtfertigt, selbst wenn Apple laut Durov im Interesse eines diktatorischen Regimes gehandelt haben sollte.

Kostenloses Upgrade : Disney bietet seine Filme (inklusive der der Tochter Pixar, jenem einstigen Nebenprojekt des Apple-Gründers Steve Jobs) auf iTunes nun auch in 4K an. Kunden, die in der Vergangenheit "Toy Story 4", "Star Wars IX" oder "Black Panther" in HD kauften, haben nun eine Mail erhalten, dass sie ihre Filme gratis in die 4K-Version umtauschen können, indem sie diese einfach aus dem Store neu laden. Zunächst wurden Käufer in den USA und Kanada informiert, Disney dürfte das aber bald ausweiten. 4K-Filme setzen natürlich entsprechende Gerätschaften voraus wie das Apple TV 4K und einen passenden Fernsehapparat.

Weitere Nachrichten:

Warum das iPhone 12 in der Schweiz günstiger ist als in Deutschland

Das neue iPhone 12 Mini  kann das Gleiche wie das neue iPhone 12 – ist nur deutlich kleiner. Gerade deshalb und auf Grund des geringsten Preises der vier neuen iPhone-Modelle dürfte die Nachfrage für das Mini-iPhone wohl besonders hoch sein. ( Der Analyst Ming-Chi  Kuo war allerdings schon vor der Vorstellung der neuen Modell der Ansicht, dass sich das iPhone 12 doppelt so gut verkaufen werde wie das iPhone 12 Mini . Dabei hatte er aber den gesamten Markt im Blick, Anm. d. Red )

Legt man das iPhone 12 Mini auf der deutschen Apple-Webseite in den Warenkorb, liegt der Kaufpreis für das Modell mit der kleinsten Ausstattung von 64 GB bei 778,85 Euro.

Es lässt sich darüber streiten, ob dieser Preis für ein solches Gerät angemessen ist. Worüber man nicht streiten kann, sind die Preise bei den Nachbarn und in weiteren europäischen Ländern. Denn je nachdem, wo man das iPhone 12 - in diesem Fall das iPhone 12 Mini - kaufen will, zahlen Kunden deutlich mehr – oder sogar weniger. So hoch sind die Brutto-Preise (umgerechnet mit dem aktuellen Wechselkurs vom 14. Oktober 2020)  in den direkten Nachbarländern Deutschlands für das iPhone 12 Mini: 

  • Schweiz: 725,77 € (779 CHF)

  • Luxemburg: 782,26 €

  • Polen: 798,79 € (3599 Zloty)

  • Österreich: 799 €

  • Tschechien: 804,30 € (21.990 Kč)

  • Frankreich: 809 €

  • Belgien: 809 €

  • Niederlande: 809 €

  • Dänemark: 832,83 € (6.199 kr.)

Auch in weiteren Ländern gibt es preisliche Unterschiede: 

  • Italien: 839 €

  • Spanien: 809 €

  • Portugal: 829 €

Wie kommen die Preisunterschiede zustande? 

Nach dieser Aufstellung ist der Preis für das iPhone 12 Mini lediglich in der Schweiz geringer, um 60,08 Euro, um genau zu sein. In allen anderen Ländern ist der Preis sogar noch höher. Am teuersten ist das iPhone 12 Mini tatsächlich in Dänemark, dort zahlen iPhone-Nutzer rund 54 Euro mehr als in Deutschland. Wie kann das sein? 

Dafür gibt es mehrere Gründe: Einer davon sind Währungsschwankungen. Bei der Umrechnung eines Dollar in Euro entstehen eigentlich Preisschwankungen, Apple will den Preis aber nicht täglich anpassen.  Anders als bei einer Bestellung in den USA nutzt Apple deshalb für den deutschen Store einen eigenen festen Umrechnungsfaktor  – der immer wieder neu angepasst wird, auch für Kronen oder Schweizer Franken. Zusätzlich gibt es aber auch noch Unterschiede bei der Mehrwertsteuer: In Deutschland gilt aktuell eine Mehrwertsteuer von 16 Prozent, in Italien von 22 Prozent ( eventuell bald 25 Prozent). So kostet das iPhone Mini in Italien 839 Euro, in Deutschland 778,85 Euro. Und in der Schweiz zahlen Sie gerade mal 7,7 Prozent. Die große Preisdifferenz hängt also zum großen Teil von Mehrwertsteuer ab, da die Nettopreise je Land etwa auf einem Niveau liegen.

Außerdem bemüht sich Apple auch um „gerade“ Preise wie 809 Euro oder 799 Euro. Grund für den aktuellen „krummen“ Preis in Deutschland: Da die Mehrwertsteuer in Deutschland ab erstem Januar 19 Prozent beträgt, muss man eigentlich zum Kaufpreis drei Prozent ergänzen: Ab Jahresanfang wird das Mini deshalb wohl 799 Euro kosten.

12-Jährigem gelingt Kernfusion im Kinderzimmer

Für wissenschaftliche Erfolge braucht es nicht zwingend einen Uni-Abschluss. Mit seiner geglückten Kernfusion schafft es der mittlerweile 15-jährige Jackson Oswalt aus Tennessee nun sogar ins Guinness-Buch der Rekorde : In seinem Kinderzimmer hat der Junge nach unzähligen YouTube-Videos eigene Experimente zur Verschmelzung zweier Atomkerne angestellt. Vorbild für ihn war der damals 14-jährige Taylor Wilson, der bisher den Altersrekord hielt. Nach seinem Vorbild gestaltete er einen ähnlichen Experimentieraufbau. Das hierfür nötige Equipment im Wert von über 7.000 US-Dollar konnte er durch seine Eltern finanzieren. 

In seinem Kinderzimmer konnte er zwei Deuterium-Atome so stark beschleunigen, dass sie zu einem Helium-3-Atom verschmolzen und dabei ein Neutron freisetzten. Mit der freigesetzten Energie kann beispielsweise Wasser erhitzt und durch den Dampf elektrische Energie erzeugt werden. An die Öffentlichkeit wandte sich Oswalt mit seinem Erfolg schon vor einem Jahr. Nun wurden die Ergebnisse offiziell bestätigt. Als Ergebnis landet der Junge nun im Guinness-Buch der Rekorde 2021 als jüngster Mensch, dem in den eigenen vier Wänden eine Kernfusion gelungen ist. Mittlerweile sucht Jackson nach neuen Aufgabenfeldern. Auf seinen Rekord ist er jedoch mächtig stolz. Kernfusion findet beispielsweise in der Sonne statt. Im Gegensatz zur Kernspaltung ist bei der Kernfusion keine Kettenreaktion möglich. Oswalt spielte also nicht mit seinem Leben und dem der Nachbar. Für die Stromerzeugung im großen Stil ist hingegen ein Kernfusionsreaktor nötig. Neben technologischen Hindernisse gibt es auch noch politische Bedenken gegen die Technik. Vor dem Jahr 2050 wird daher nicht mit einem wirtschaftlich arbeitenden Fusionsreaktor gerechnet, auch wenn sich schon viele Nationen gemeinsam um einen solchen bemühen.

Bei dem Experiment des jungen Bastlers handelt es sich streng genommen um den Bau eines Fusors aus einem vorgegebenen Bausatz. Hier gelingt die Verschmelzung von Deuteriumkernen durch elektrostatischen Einschluss, bei dem weit mehr Energie reingesteckt werden muss als in Form von Neutronen letztlich herauskommt. Für die Energiegewinnung sind ganz andere Technologien gefragt, hier sperren starke Magnetfelder die auf Millionen von Kelvin erhitzten Wasserstoffkerne ein, zudem soll auch das radioaktive Isotop Tritium (H 3 ) zum Einsatz kommen, das aus einem Proton und zwei Neutronen besteht.

 

Gerücht: Huawei will Honor verkaufen

Huawei befindet sich aktuellen Gerüchten zufolge derzeit in Gesprächen mit mehreren Interessenten. Der chinesische Elektronik-Hersteller will angeblich Teile seiner Smartphone-Tochter Honor verkaufen. Das will die Nachrichtenagentur Reuters in dieser Woche aus brancheninternen Quellen erfahren haben.

Unter finanziellem Druck durch die US-Sanktionen, will sich Huawei künftig verstärkt auf die Entwicklung und Produktion von Premium-Smartphones konzentrieren. Das Tochter-Unternehmen Honor hatte eher eine jüngere und preisbewusste Käuferschaft im Visier. Welche Unternehmensteile Huawei abstoßen will, wurde noch nicht offiziell bestätigt. Die Reuters Quellen behaupten jedoch, Huawei wolle sich von der Honor-Marke, der Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie vom Honor-Lieferkettenmanagement trennen.

Der Deal könnte umgerechnet zwischen 1,9 und 3,15 Milliarden Euro wert sein. Als Hauptinteressent in den Verhandlungen habe sich bislang Digital China hervorgetan. Das Unternehmen agierte bislang als Hauptvertriebspartner von Honor. Als mögliche Käufer könnten jedoch auch TCL oder Konkurrent Xiaomi in Frage kommen.

Multicopter sollen Leben retten - ADAC weitet Erprobung aus

Der ADAC hat ein Fazit zu seiner bisherigen Erprobung von Multicoptern ( siehe unten ) bei der Luftrettung gezogen. Demnach sei die „Luftrettung mit bemannten Multikoptern möglich, sinnvoll und verbessere die notfallmedizinische Versorgung der Bevölkerung“.

Im Fokus des Ende 2018 gestarteten Forschungsprojektes in Kooperation mit der Firma Volocopter und den Modellregionen Ansbach-Dinkelsbühl (Bayern) und Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) stand die Frage: Kann das Rettungsdienstsystem mit dem Einsatz von Multikoptern als schneller Notarztzubringer verbessert und zukunftssicher aufgestellt werden? Der Multikopter soll den Rettungshubschrauber dabei nicht ersetzen, sondern die schnelle Hilfe aus der Luft ergänzen. Ein Patiententransport mit dem Multicopter ist dabei zunächst nicht vorgesehen.

Deutliche Verbesserungen für die Notfallversorgung ergeben sich laut der Studie ab einem Einsatzradius von 25 bis 30 Kilometern, wie der ADAC schreibt. Die optimale Fluggeschwindigkeit des Multikopters sollte in diesem Fall bei 100 bis 150 km/h, die Mindestreichweite bei rund 150 Kilometern liegen. Mit entsprechenden Multikoptern können Notärzte laut ADAC nicht nur schneller am Einsatzort sein, sondern auch deutlich mehr Patienten in einem größeren Versorgungsgebiet erreichen. Die Rettungshubschrauber würden wiederum durch die Multicopter entlastet und könnten stattdessen öfter Patienten in weiter entfernte (Spezial-)Kliniken fliegen.

Die technische Machbarkeit wurde anhand eines Volocity des Projektpartners Volocopter (mit 18 festverbauten Rotoren) untersucht. Sein Vorteil gegenüber einem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) sei laut Studie auf dem Land größer als in der Stadt. Im Vergleich zu einem Rettungshubschrauber sei der Multikopter leiser und emissionsärmer.

Der Testbetrieb ist ab 2023 geplant und soll in den bisherigen zwei Modellregionen stattfinden: in Bayern im Rettungsdienstbereich Ansbach an der ADAC Luftrettungsstation in Dinkelsbühl, in Rheinland-Pfalz an einem neuen, reinen Multikopter-Standort in der Region Idar-Oberstein. Bis das Pilotprojekt startet führt Volocopter weitere technische Probeflüge durch, um die bemannten Fluggeräte für die besonderen Bedingungen im Rettungsdienst aus der Luft zu testen – dazu gehören etwa Starts und Landungen in Hanglagen, bei schlechter Sicht, bei Dunkelheit oder im Winter.

Die Besatzung besteht aus einem Piloten und einem Notarzt – und nicht wie bei einem klassischen Rettungshubschrauber aus Pilot, Notarzt und Notfallsanitäter (TC HEMS). Da der Notarzt per Multikopter häufig als erstes Rettungsmittel an der Notfallstelle ist, benötigt er eine besondere medizinische Ausstattung. Diese muss im Vergleich zu einem NEF wegen der begrenzten Nutzlast des Fluggerätes gewichtsoptimiert sein. Der Pilot muss den Arzt noch mehr als bisher unterstützen und benötigt eine notfallmedizinische Zusatzausbildung. Update Ende, Beginn des ursprünglichen Berichts:

Der ADAC hat jetzt mit der Erprobung eines Volocopters als Alternative zum Notarztwagen begonnen. Dabei geht es darum,  herauszufinden, ob der Volocopter gegenüber dem klassischen Notarztwagen Vorteile bietet. Ob der Arzt mit dem Volocopter also schneller zum Patienten kommt als mit dem Notarzt-Einsatzfahrzeug, um so die Versorgung zu verbessern und Leben zu retten.

Die Erprobung erfolgt aber nur bei gestellten Rettungseinsätzen und nicht bei tatsächlichen „scharfen“ Einsätzen. Der Einsatz von der Alarmierung auf der ADAC-Luftrettungsstation bis zur Notfallversorgung des Patienten am Unfallort ist also nur inszeniert. Für die Machbarkeitsstudie wurden in zwei Bundesländern Modellregionen ausgewählt: der Rettungsdienstbereich Ansbach mit dem Luftrettungsstandort Dinkelsbühl in Bayern sowie Mainz-Rheinhessen und Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz.

Die Ergebnisse der Erprobung will der ADAC im Jahr 2020 veröffentlichen. Dann könnten die Erfahrungen aus Theorie und Praxis in ein reales Pilotprojekt einfließen. Geforscht wird mit einem Volocopter der gleichnamigen Firma aus Bruchsal.

Hintergrund: Volocopter als Alternative zum Notarzt-Einsatzfahrzeug

Die ADAC Luftrettung prüft in einer Machbarkeitsstudie in Bayern und Rheinland-Pfalz den Einsatz von bemannten Flugdrohnen der Firma Volocopter im Rettungsdienst. Bei den Drohnen handelt es sich um Multicopter, also um Drohnen mit zahlreichen Rotoren. Der senkrecht startende Volocopter hat 18 Rotoren.

Jochen Oesterle, Pressesprecher des ADAC, erklärt auf Nachfrage der PC-WELT: "Bei der Studie geht es darum, den Volocopter im direkten Vergleich mit einem Notarzt-Einsatzfahrzeug zu untersuchen. Dabei geht es um den Einsatz als schnellen Notarzt-Zubringer. Ob es Vorteile gibt, kann erst die Studie zeigen."

Der Volocopter der gleichnamigen Firma aus Bruchsal kann zwei Personen aufnehmen. Die zweiköpfige Besatzung des Volocopters besteht aus Arzt und Pilot. Die Volocopter werden elektrisch angetrieben. Im Rahmen des Pilotprojektes werden die Volocopter für den Rettungsdienst weiterentwickelt und als Notarzt-Zubringer eingesetzt.

Oesterle weiter: "Die Reichweiten sind bei den Volocopter-Modellen unterschiedlich. Diese Frage ist auch Teil der Forschungsflüge. Sobald wir hier Ergebnisse haben, werden wir die Öffentlichkeit informieren".

Die Volocopter-Erprobung erfolgt im Rettungsdienstbereich Ansbach mit dem Luftrettungsstandort Dinkelsbühl in Bayern und im Land Rheinland-Pfalz. Für beide Regionen simuliert das Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement der Ludwig-Maximilians-Universität München (INM) ab Frühjahr 2019 Luftrettungseinsätze mit Volocoptern am Computer. In den kommenden Monaten soll es zudem erste Forschungsflüge geben. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), mit dem die ADAC Luftrettung bereits im Bereich Forschung und Entwicklung kooperiert.

Erste Ergebnisse der Studie über das Einsatzpotenzial und die Wirtschaftlichkeit dieser Fluggeräte im Rettungsdienst sind für Herbst/Winter 2019 geplant. Die Kosten der auf eineinhalb Jahre angelegten Machbarkeitsstudie belaufen sich laut ADAC auf rund 500.000 Euro.

Auch interessant: ADAC-Pannenhilfe-App im unfreiwilligen Praxis-Test

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