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Morgenmagazin vom Donnerstag, 16. Januar 2020

16.01.2020 | 06:48 Uhr | Peter Müller

Trump und Co. erhöhen Druck – Apple wappnet sich für Rechtsstreit +++ Dokumentation über die Beastie Boys ab April bei Apple TV+ +++ Spotify bringt Playlist für Haustiere +++ Hohe Bußgelder durch unerlaubte Telefonwerbung +++ Pentagon soll über ein UFO-Video verfügen +++ Europäische Cloud: Microsoft bekundet Interesse an Gaia X +++ Nur noch kurze Zeit: 11 gute Mac-Apps für 64 statt 311 US-Dollar

16. Januar: Here Comes the Flood

Guten Morgen! Es besteht kein Zweifel: Es gibt einen menschgemachten Klimawandel und wir sind schon mittendrin. Ereignisse wie die Buschbrände in Australien taugen aber nicht als Beweis. Mal davon abgesehen davon, dass Wälder nicht brennen, wenn es heiß es, sondern wenn es trocken ist und eine Zündquelle das Feuer entfacht, sagen die meisten Modellrechnungen zunehmende Dürren gerade im Südosten von Down Under voraus. Die aktuelle Dürre, die länger anhält als viele vor ihr, passt ins Bild, beweist allein für sich genommen aber nichts. Es gilt aber auch der Umkehrschluss: Extremwetterereignisse der fernen und ferneren Vergangenheit zeigen eben nicht, dass es seinerzeit schon so heiß und eine höhere Energie und mehr Wasser in der Atmosphäre war als heute und die seit rund 150 Jahren beobachteten Temperaturen und deren Anstieg lediglich eine natürliche Schwankung unserer Zeit seien.

Die Atmosphäre der Erde hatte schon mal mehr Kohlenstoffdioxid enthalten, etwa zur Zeit der Dinosaurier, deren Überreste wir nun verbrennen und unsere Epoche so schnell wie nie zuvor in der dokumentierbaren Erdgeschichte erwärmen, mit immensen Auswirkungen auf Ökosysteme, in denen nicht zuletzt wir selbst leben.

Aber reden wir erst einmal nicht mehr weiter vom Klima, sondern vom Wetter. Dem Wetter von vor 801 und von vor 658 Jahren. An jenen Marcellus-Tagen, dem 16. Januar, suchten den Norden der deutschen Lande zwei katastrophale Sturmfluten heim, die die Küstenlinien ein für alle mal veränderten, die beiden großen Mändränken oder Marcellusfluten. Im Jahr 1511 gesellte sich eine weitere Flut hinzu, nach dem Heiligen des morgigen Tages Antoniflut genannt, die in Ostfriesland zwar bedeutend weniger Menschenleben kostete, aber ebenso zu Landverlusten führte.

Seinerzeiten waren Vollmond und Sturmtief zusammengefallen, was die Flut eben besonders stark ansteigen ließ. Am heutigen Marcellustag ist derlei nicht zu befürchten, Vollmond war vor einer Woche, die Wetterlage ist relativ ruhig, das für das Wochenende angekündigte Tief schleicht sich eher sanft ein als mit dem Sturmgetöse des blanken Hans Wasser an Land zu drücken. Es ist zudem viel zu warm für die Jahreszeit, was allein für sich genommen nichts  bedeutet. Die zunehmende Häufung von warmen Jahren, heißen Sommern und milden Wintern deutet schon eher darauf hin, dass die Wissenschaft zu korrekten Schlüssen kommt.

Lesetipps für den Donnerstag

In der Defensive : Im letzten Jahr hatte Cook-CEO Tim Apple, nein, Apple-CEO Tim Cook Bewunderung und Erstaunen - vielleicht sogar manches Entsetzen - dafür geerntet, dass er offensichtlich so gut mit dem Präsidenten kann, obwohl die beiden Männer und die Werte, die sie und ihre Firmen vertreten, konträrer kaum sein könnten. Trump lobte Cook dafür, Produktionsjobs (recht wenige) in den USA zu halten und dafür, einen direkten Gesprächsfaden zu suchen. Cook wies dafür immer dezent darauf hin, dass die Politik des Präsidenten für Apple und die USA eher schädlich ist, ohne aber zu laut zu kritisieren oder gar politische Konsequenzen zu fordern. Nun könnte aber der Wind gedreht haben und Trump mit Apple auf Kollissionskurs gegangen sein. Dem POTUS missfällt, dass Apple keine Hintertüren in die iPhones Verdächtiger öffnet und schickt erste kaum verhohlene Drohung gen Cupertino. Wie Business Insider nun berichtet, bereiten sich Tim Cook und die weitere Unternehmensführung Apples nun auf einen Rechtsstreit vor, in dem es um nicht weniger gehen könnte als um Apples Sicherheitsphilosophie. Tim Cook habe sich einige renommierte Rechtsberater getroffen, die Apple in einem etwaigen Rechtsstreit mit dem Staat verteidigen könnten. Apple treffe diese Maßnahmen präventiv und hofft, einen Prozess vermeiden zu können. Indes erhöht der Trump-Clan den Druck auf Apple. Finanzminister Steven Mnuchin winkt in einem Interview mit CNBC mit mehr als einem Zaunpfahl: "Ich verstehe die Ansicht des Präsidenten, und es ist absolut entscheidend für unsere Technologieunternehmen, mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten." Einzelheiten kenne er aber nicht und mit Apple habe er nicht gesprochen: "Ich weiß, dass Apple in der Vergangenheit bei Fragen der Strafverfolgung kooperiert hat, und ich erwarte, dass sie weiterhin ... kooperieren werden." Noch deutlicher wird der ehemalige Chefberater Steven Bannon, der gegenüber CNBC seine Ansicht äußerte, Trump würde den Hammer auf Technologieunternehmen hernieder sausen lassen. Apple müsse den Tweet des Präsidenten so ernst nehmen wie eine päpstliche Bulle. Bannon scheint immer noch vom Krieg zu träumen und dessen vermeintlich reinigender Kraft – und einem absolutistischen Herrscher im Weißen Haus.

Produktvorschlag I : Jason Snell skizziert in seiner jüngsten Macworld-Kolumne "More Color" ein neues Produkt, das Apple in das Zentrum seiner Strategie für das Smart Home stellen sollte: Eben ein Apple Home genanntes Gerät, das eine sichere und private Verbindung in das Internet gewährt, Basis für Mesh-System im Haus ist, Geräte wie Apple TV und HomePod vernetzt und vor allem Smart-Home-Geräte von Drittherstellern. Schon jetzt bietet Apple Schnittstellen für sicheres Video an, Elgato bringt im Februar mit der Eve Cam etwa eine Überwachungskamera, die sich allein auf HomeKit und das damit verbundene Secure Video stützt: Aufnahmen landen nicht auf einem Server irgendwo auf der Welt, sondern in der iCloud (also auf einem von Apple bereit gestellten Server) - und Livestreams werden sicher verschlüsselt übertragen. Apple könnte noch weiter gehen und für das wirklich trackingfrei Surfen im Internet auch VPN-Services verkaufen. Es sei kein Fehler Apples gewesen, die AirPort-Basisstationen aufzugeben, der Fehler war aber, keinen Nachfolger zu entwickeln. Aber das kann ja noch werden.

Produktvorschlag II: Anlässlich des Support-Endes von Windows 7 hat sich Michael Simon Gedanken gemacht, was Microsoft hinsichtlich seiner Betriebssystemstrategie von Apple lernen könnte. Das sind eine ganze Menge Maßnahmen: So sollte es Microsoft unterlassen, zu viele unterschiedliche Fassungen seines Desktop-Betriebssystems anzubieten und dafür vor allem Geld zu verlangen. Stattdessen wäre es vernünftiger, bei der gleichen Oberfläche zu bleiben und diese nicht ständig zu ändern. Womöglich könne ja das Surface Neo im Jahr 2020 einen Anstoß geben, Windows auf eine neue Stufe zu heben und dabei zu belassen. Mit Windows 10X entwickelt Microsoft eine spezielle Fassung dafür, welche die Zukunft auch für andere Geräte sein könnte

You gotta fight : Was Deadline berichtet, hat Apple mittlerweile per Pressemitteilung bestätigt: Am 24. April hat auf Apple TV+ eine von Regisseur Spike Jonze gedrehte Dokumentation über die Beastie Boys Premiere. Die beiden noch lebenden Bandmitglieder Mike Diamond und Adam Horovitz erzählen darin eine "intime und persönliche Geschichte über ihre Band und 40 Jahren lange Freundschaft", heißt es in der Ankündigung. Am 3. April läuft in einigen ausgewählten IMAX-Kinos der Film anlässlich des 26sten Jahrestages des Albums "Ill Communication", mit der die Beastie Boys erstmals Platz 1 der Charts erreichten.

Who let the dogs out : Nein, man kann nicht sagen, dass Apple den Trends nur hinterher läuft, auch wenn es nicht jeden Trend, auf den das Unternehmen setzt, selbst ausgelöst hat. Apple Music, so viel kann man aber vermuten, ist Reaktion auf den Erfolg der Streamingdienste, die vor allem Spotify vor mehr als zehn Jahren ausgelöst hat. Nun aber haben die Schweden einen neuen Trend gesetzt oder gefunden, von dem wir nicht meinen, dass Apple ihm folgt: Wiedergabelisten für Haustiere. Richtig: Für Katzen, Hunde und andere animalische Mitbewohner.  Die Musikauswahl wird dabei von Algorithmen anhand des bisher dokumenteirten Musikgeschmacks getroffen, der Spotify-Nutzer muss zudem noch ein paar Fragen über sein Haustier beantworten. Um welche Art handelt es sich? Ist das Vieh eher lebhaft oder zurückhaltend? Scheu oder freundlich? "Experten" hätten Spotify dabei beraten, die beste Musik zu ermitteln, die Herr und Hund, Frauchen und Kampfkatze, Kindern und Hamstern am besten gefällt. Wir haben mal die Probe auf's Exempel gemacht - und werden aus der Wiedergabeliste überhaupt nicht schlau. Immerhin: Das Tier mag keine hohen Flötentöne und nimmt auch Reißaus, wenn die Les Paul über den Marshall fiept – derartiges haben wir in unserer Pet Play List auch nicht gefunden. Spotify liegt mit 113 Millionen zahlenden Abonnenten (Stand Oktober 2019) noch weit vor Apple Music mit seinen 60 Millionen Kunden (Stand Juni 2019)

Weitere Nachrichten:

Hohe Bußgelder durch unerlaubte Telefonwerbung

Eigentlich ist unerwünschte Telefonwerbung durch den Gesetzgeber verboten. Für die Einhaltung dieser Vorgabe ist die Bundesnetzagentur zuständig. Die Behörde sah sich im Jahr 2019 mit 57.648 schriftlichen Beschwerden konfrontiert, in denen sich Bürger durch unerlaubte Telefonwerbung belästigt fühlten. Im Vorjahr lag die Anzahl der Beschwerden mit 62.000 zwar noch höher, dennoch sei unerlaubte Telefonwerbung laut Bundesnetzagentur weiterhin ein massives Problem. Als Reaktion wurden Bußgelder in Höhe von insgesamt 1,3 Millionen Euro verhängt. Im Vorjahr waren es noch 1,1 Millionen Euro.

Sky Deutschland musste dabei eine besonders hohe Strafe verkraften: Die Bundesnetzagentur verhängte ein Bußgeld von 250.000 Euro. Obwohl der Pay-TV-Anbieter schon in der Vergangenheit durch die Behörde abgestraft wurde, setzte der Konzern weiterhin auf unerlaubte Anrufe von Verbrauchern. Gegen die Strafe hat Sky nun Berufung eingelegt. Noch höher fiel die Strafe gegen den Energie-Anbieter Innogy aus: Der Versuch, Kunden in aggressiver Weise Stromverträge über Call-Center zu verkaufen, resultierte in einer Geldbuße in Höhe von 275.000 Euro. Die Werbung per Telefon ist Deutschland klar geregelt: Ohne vorherige Einwilligung ist ein Anruf zu Werbezwecken verboten.

Pentagon soll über ein UFO-Video verfügen

Nach Angaben der Navy soll das US-Verteidigungsministerium über geheime Dokumente und ein Video eines berühmt gewordenen UFO-Vorfalls verfügen. Die betreffenden Daten stammen aus einer Sichtung aus dem Jahr 2004. In diesem Jahr wurde vom Flugzeugträger USS Nimitz aus ein unbekanntes Flugobjekt ausgemacht. In den Jahren 2017 und 2018 schafften es drei Videos, die von Kampfflugzeugen aus aufgenommen wurden, in die Schlagzeilen. Im vergangenen Jahr bestätigte die Navy die Existenz der Videos, die ein unbekanntes Flugobjekt zeigen könnten.

Im Rahmen einer Anfrage durch den Forscher Christian Lambright bestätigte die Navy nun die Existenz von Dokumenten , die als streng geheim eingestuft wurden. Eine Freigabe der Dokumente würde nach Ansicht der Behörden jedoch eine Bedrohung für die nationale Sicherheit in den USA bedeuten. Das Verteidigungsministerium bestätigte gegenüber Motherboard, dass ein Video der Sichtung existiert. Da die internen Untersuchungen aber noch laufen würde, sei eine öffentliche Diskussion nicht möglich. Bestätigt wurde jedoch der Termin der Sichtung am 14. November 2004. Das intern beim Pentagon vorliegende Video habe die gleiche Laufzeit wie das bereits 2007 geleakte Video. Damit bleiben die Hintergründe der vermeintlichen UFO-Sichtung weiterhin im Dunkeln.

Europäische Cloud: Microsoft bekundet Interesse an Gaia X

Windows-Entwickler Microsoft hat beim Bundeswirtschaftsministerium offiziell sein Interesse an einer Teilnahme am europäischen Cloud-Projekt Gaia X hinterlegt. Das bestätigte die Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek in dieser Woche in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Laut Bendiek beinhalte das Netzwerk „viele richtige Ansätze und lädt auch Marktteilnehmer außerhalb Europas ein, daran mitzuwirken.“ Microsoft sei davon überzeugt, dass „Partnerschaften der Schlüssel zu digitaler Innovation sind, dass sie Wettbewerbsfähigkeit und Handlungsfähigkeit stärken – und damit die Souveränität von Unternehmen und Staaten sichern.“ Inwieweit sich Microsoft an Gaia X beteiligen will, ist noch unklar. Der Konzern hat bislang noch keine konkreten Pläne vorgelegt.

Bei der Vorstellung von Gaia X auf dem Digital-Gipfel 2019 in Dortmund, zeigte sich Microsoft noch sehr zurückhaltend. Bendiek betrachtete das Gemeinschaftsprojekt von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) damals kritisch . Laut der Microsoft-Deutschland-Chefin dauere eine staatlich vorangetriebene Lösung zu lange und könne am Markt nicht erfolgreich sein, sobald Nutzer Einschränkungen in Kauf nehmen müssten. Gaia X will eine sichere, vertrauenswürdige sowie leistungs- und wettbewerbsfähige Dateninfrastruktur für Europa aufbauen.

Nur noch kurze Zeit: 11 gute Mac-Apps für 64 statt 311 US-Dollar

Eine Ersparnis von 247 US-Dollar kommt nach der Auflistung von Unclutter heraus, wenn man das Weihnachts- und Neujahrs-Paket des Anbieters erwirbt. Alternativ lässt sich auch eine beliebige App zum halben Listenpreis kaufen. Das Xmas & New Year Power Pack 2020 bietet dabei eine Reihe attraktiver Mac-Applikationen.

 

Besonders zu erwähnen ist als Finder-Alternative der Dateimanager Path Finder in der aktuellen Version 9. Der Preis dafür liegt regulär bei 36 US-Dollar, hier erhält man es einzeln für 18 US-Dollar oder im Rahmen des Pakets. Interessant ist auch Default Folder X, mit dem sich Speicherorte im Mac-Dialog flexibler und raffinierter auswählen lassen. Hier zahlt man regulär 35 US-Dollar. Mit Mosaic Pro lassen sich Fenster auf dem Mac nahtlos skalieren und positionieren, auch mehrere nebeneinander oder beispielsweise im Quadrat. Der Preis hierfür liegt normalerweise bei 30 US-Dollar.

Dazu kommen mehrere praktische Tools, wie das Archivprogramm Better Zip 4 (sonst 25 US-Dollar),  Sip zum präzisen Picken und Organisieren von Farben auf dem Mac. Unclutter, das als Verwaltungsprogramm für Dateien, Notizen und die Zwischenablage unter macOS fungiert. Die beiden teuersten Einzelprogramme sind Aeon Timeline 2, mit dem sich Projekte alle Art kreativ verwalten lassen, sowie Tumult Hype 4 für animierte und interaktive HTML5-Projekte. Beide schlagen normalerweise mit 50 US-Dollar zu Buche.

Zu diesen und allen weiteren Tools im Rabattpaket gibt es auf der Website des Anbieters detaillierte englischsprachige Beschreibungen mit Screenshots und Beispielen – vor allem die unterschiedlichen Systemvoraussetzungen sind für den eigenen Zweck jeweils zu beachten.

Gezahlt werden kann unter anderem mit Kreditkarte oder via PayPal – umgerechnet werden für das komplette Paket 71 Euro inklusive Mehrwertsteuer statt 345 Euro fällig, was einer Ersparnis von 79 Prozent entspricht. tha

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