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Morgenmagazin vom Donnerstag, 16. Juli 2020

16.07.2020 | 07:02 Uhr | Peter Müller

Apple veröffentlicht iOS 13.6 +++ Warum Apple vor dem EuG gewann +++ Covid19 führt zu Rekordumsätzen bei Back to School +++ Wie die App Mediathek funktioniert +++ Apple Pay: Sparkasse mit EC-Karte noch diesen Sommer +++ Pleite für Tesla: Gericht verbietet Autopilot-Werbung +++ Deutsche Telekom: 15.000 neue 5G-Antennen in dieser Woche +++ Ingenuity: NASA schickt erstmals Helikopter zum Mars

16. Juli: Griff des Todes

Macwelt wünscht Guten Morgen! Langjährige Apple-User oder auch solche, die das gerne wären, kommen gerne immer wieder mit einer Weisheit um die Ecke, wenn bei Apple auch nur eine Kleinigkeit schief geht. "Unter Steve Jobs wäre das nicht passiert! Apple ist nicht mehr innovativ! Und die Systeme stecken voller Fehler!" Nun ist aber so, dass seit Steve Jobs' Ableben die Benutzerzahlen von Apple-Produkten schier explodiert sind, iPhones, iPads und Macs immer mächtiger und komplexer werden und die Fehler daher öfter auffallen. Vor allem aber stellt die Erinnerung Fallen: Auch unter Steve Jobs ist bei Apple manchmal etwas schief gelaufen. Die Fehlerkultur war seinerzeit aber eine andere. Wie vor allem der Vorfall von vor zehn Jahren zeigt.

Denn zu einem ungewöhnlichen Termin, Freitag, den 16. Juli 2010 sah sich Apple gezwungen, der Öffentlichkeit seine Sicht auf das darzulegen, was sich in den Wochen zuvor als "Antennagate" entwickelt hatte. Immer häufiger wurden Klagen von Nutzern des iPhone 4, dass Telefonate plötzlich beendet wurden, wenn sie ihr Smartphone in einer bestimmten Art und Weise hielten. Der "Grip of death" überbrückte eine Lücke der außen am Gehäuse angebrachten Antenne und ließ die Qualität der GSM- oder UMTS-Verbindung rapide sinken.

Was Steve Jobs an jenem Freitag zur Erklärung hervorbrachte war nicht ohne Chuzpe: "Wir sind nicht perfekt. Smartphones sind nicht perfekt." Denn wie ein Video zeigte, hätten auch die Smartphones anderer Hersteller Probleme mit dem Empfang, hielt man sie in einer bestimmten Weise. Außerdem zeige die Software des iPhone in der Regel ein schlechteres Signal an, als es tatsächlich der Fall ist, und überhaupt: Nur 0,55 Prozent der Käufer des iPhone 4 hätten sich bei Apple beschwert, die Rückgaberate beim seinerzeit exklusiven US-Provider AT&T sei nur unwesentlich höher.

Also nur ein Sturm im Wasserglas? Apple habe schließlich 100 Millionen US-Dollar in sein Antennen-Center investiert, in dem nicht weniger als 16 Doktoren der Physik zusammen mit hunderten weiteren Mitarbeitern an der Empfangstechnik arbeiteten. Immerhin, räumte Apple ein, wer immer noch nicht davon überzeugt sei, erhalte eine kostenlose der von Apple "Bumper" genannten Hüllen für das iPhone 4.

Der Auftritt von Steve Jobs, der dafür extra seinen Sommerurlaub unterbrochen hatte, ist ein klassisches Beispiel für einen Spin der öffentlichen – respektive der veröffentlichten – Meinung. Samsung, Nokia und RIM waren zwar wenig begeistert, dass nun auch ihre Geräte in der Schusslinie standen, Apple hatte aber erfolgreich von einem Konstruktionsmangel abgelenkt. Schon die im Frühjahr 2011 erschienene CDMA-Version des iPhone 4 bekam dann ein anderes Antennendesign, den Grip of death konnte man an keinem der seither erschienenen Geräte mehr anwenden.

Steve Jobs wirkte an jenem 16. Juli nicht nur so, als wolle er jemanden auf dem Mond schießen, "Antennagate" kostete tatsächlich dem leitenden Entwickler Mark Papermaster den Job – Apple hatte ihn erst kurz zuvor von IBM losgeeist. A propos "auf den Mond schießen". Das geschah auch an einem 16. Juli. Vor 51 Jahren startete Apollo 11 zu seiner erfolgreichen Mondmission. Heute würde man auch liebend gern wieder gewisse Leute auf den Mond schießen, ohne Rückflugticket. Das war ja seinerzeit die große technische und logistische Leistung: Die Besatzung von Apollo 11 und der darauf folgenden Missionen kam lebend auf den Planeten zurück. Präsident Nixon hatte vor 51 Jahren aber bereits eine Rede an die Nation für den Fall des Scheiterns in der Schublade. Das Schicksal wäre dafür verantwortlich gemacht worden. Aber auch wenn bei den Apollo-Missionen nicht alles perfekt lief, es ist doch gut ausgegangen. Und bei Apple läuft seit jeher viel mehr richtig als verkehrt.

Lesetipps für den Donnerstag

Ordnung: Mit iOS 14 kommt die App Mediathek, die ein altes Problem angeht. Je mehr Apps man auf seinem Smartphone installiert hat, umso unübersichtlicher wird die Sache. Die App Mediathek gruppiert Anwendungen, etwa in "zuletzt hinzugefügt" oder in Siri-Vorschläge. Eigene Gruppen kann man nicht anlegen, aber nun auch ganze Home-Screen.Seiten ausblenden und gewissermaßen nur noch aus der Mediathek leben. Wie man  damit bestes zurecht kommt, erklärt Jason Cross auf Macworld.

Update: Neben den mobilen Systemen hat Apple gestern auch macOS Catalina aktualisiert, auf Version 10.15.6. Von den  wesentlichen Änderungen profitieren vor allem Nutzer in den USA, besonders die Einwohner der Städte New York, Houston, Los Angeles, San Francisco und der Bay Area, für die es in Apple News+ nun auch jede Menge von Lokalzeitungen zu lesen gibt. Alle Nutzer von Apple News profitieren von einem besser auf persönliche Interessen zugeschnittenen Newsletter. macOS 10.15.6 bringt zudem noch einige Bugfixes und Leistungsverbesserungen wie ein optimiertes HDR-Streamig für eine länge Akkulaufzeit auf Macbooks.

Geschäft: Covid-19 ist noch nicht vorbei, das muss man immer wieder betonen, selbst wenn Ignoranten in Machtpositionen das Virus am liebsten weglügen wollten. Doch das funktioniert nicht. So ist völlig unsicher, wie nach dem Ende dieses seltsamen Sommers das leben in Schulen und Universitäten wieder anlaufen wird. Das bietet nun eben eine Chance für die Hersteller von Hardware, Software und Services, die Ausgaben in der "Back to School"-Saison 2020 werden nach Ansicht der National Retail Federation (NRF) so hoch wie noch nie sein. Matthew Shay, Präsident und CEO der NRF erklärt die Aussichten für die Zeit nach den Ferien:  "Die meisten Eltern wissen nicht, ob ihre Kinder in einem Klassenzimmer oder vor einem Computer im Esszimmer sitzen werden, oder eine Kombination aus beidem. Aber sie kennen den Wert einer Ausbildung und trotzen der Ungewissheit, damit die Schüler darauf vorbereitet sind". Familien von Schulkindern von der Grundschule bis zu High School würden in diesem Jahr Ausgaben im Schnitt von 790 US-Dollar planen, der bisherige Rekord stand bei 697 US-Dollar. Insgesamt könnten sich die Ausgaben auf 33,9 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr belaufen, im Vorjahr waren es 26,2 Milliarden US-Dollar, der Rekordwert war im Jahr 2012 mit 30,2 Milliarden US-Dollar erreicht.

Analyse: Apple hat vor dem EuG in Luxemburg gewonnen und muss vorerst nicht 13,1 Milliarden Euro Steuern plus 1,2 Milliarden Euro Zinsen an Irland nachzahlen. Die EU-Kommission könnte zwar vor die nächste Instanz gehen, wird dort aber keine besseren Chancen haben, wie die Analyse des Spiegel ergibt. Denn im Kern kämpft die EU-Kommission gegen Steuerdeals ihrer Mitgliedsstaaten, die Großkonzernen die Möglichkeit geben, sich auf "Kosten der Allgemeinheit zu bereichern" wie es die zuständige Kommissarin Vestager sieht. Die Werkzeuge waren aber nicht die passenden, gegen die Steuergesetze der Mitglieder kann die Kommission nicht vorgehen, also stand der Vorwurf der illegalen Staatsbeihilfen im Raum. Irland habe Apple bei einer zwar legalen, aber zweifelhaften Praxis gewähren lassen: DIe Tochterfirma dritten Grades Apple Sales International (ASI) kauft auf dem Papier bei den chinesischen Fertigern Apple-Produkte ein, um sie mit Aufschlag an die lokalen Apple-Vertriebe weltweit weiter zu verkaufen - über Cork werden die Produkte aber nur virtuell verschifft, die irische See sehen nur die später in UK und Irland verkauften Macs, iPhones und iPads. Hinzu kommt die unterschiedliche Fiskalphilosophie: Irland ist der Ansicht, dass sich vor Ort operierende Firmen beim Fiskus des Landes melden müssen, von dem aus sei verwaltet werden, im Fall ASI also den USA. Diese wiederum meint, die Unternehmen müssten sich dort steuerpflichtig melden, wo sie gegründet wurden, Steuern fallen erst an, wenn die im Ausland erwirtschafteten Gewinne in die Heimat überwiesen werden. Also zahlte die ASI weder hier noch dort. Erst nachdem die US-Regierung die Steuern auf Auslandstransfers massiv gesenkt hatte, holte Apple das Geld heim und war nun fein raus. Denn der Mac-Hersteller kann jetzt argumentieren, sehr wohl Steuern zu bezahlen - jeden Cent, den er schulde. Nach Ansicht des Gerichts ist der EU-Kommission nicht der Nachweis gelungen, dass Apple nicht von Kalifornien aus seine Produkte entwickle und das Unternehmen steuere - wie auch. Apple ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs, auch andere große Firmen profitieren von der Steuerungleichheit in der EU. Um Mindeststandards durchzusetzen, müssten sich aber alle 27 Mitglieder einig sein, der EU-Kommission bleibt aber noch der Hebel, über eine allgemeine Richtlinie Einfluss auf die Steuergesetze zu nehmen, dies könnte auch mit qualifizierter Mehrheit erreicht werden.

Apple Pay: Sparkasse mit EC-Karte noch diesen Sommer

Die Sparkasse hat in einem Facebook-Post und auf der Website angekündigt , noch diesen Sommer die Zahlung mit Girocard (umgangssprachlich auch EC-Karte) über Apple Pay zu ermöglichen. Damit wäre es die zweite deutsche Bank, die diese Art der Zahlung möglich macht. Commerzbank hat ein vergleichbares Angebot vor einigen Wochen gestartet . Apple Pay hat es zwar "schon" im Dezember 2018 nach Deutschland geschafft, die Sparkassen kamen erst ein Jahr später dazu. Bis heute ist aber eine Kreditkarte von einem der unterstützen Anbieter Mastercard oder Visa vonnöten, um den Dienst mit der Sparkasse nutzen zu können. Eine große Einschränkung in Deutschland, denn Kreditkarten sind nicht so populär wie Girocards. Einige der beteiligten Banken haben bisher auch noch Prepaid-Karten oder Debit-Karten für Apple Pay angeboten.

Um Apple Pay mit der Girocard zu nutzen, ist Online-Banking und die Sparkassen-App auf dem iPhone notwendig. Natürlich muss das iPhone auch kontaktloses Bezahlen unterstützen. Wie Sie Apple Pay auf ihrem Smartphone einrichten, zeigen wir Ihnen in diesem Video.

Apple veröffentlicht iOS 13.6 – Digitaler Autoschlüssel

Nach einer kurzen Public-Beta-Phase hat Apple iOS 13.6 veröffentlicht. Die Version hieß zu Beginn noch 13.5.5, wurde jedoch in 13.6 umbenannt. Eines der Features, die Apple zu Beginn der WWDC als wichtige Neuerung für iOS 14 vorgestellt hat, kommt nun schon jetzt auf das iPhone: Der digitale Autoschlüssel CarKey, mit dem sich aber bisher nur der neue 5er-BMW entsperren lassen kann.

Dieser Autoschlüssel lässt sich auch prima über iMessage teilen und soll sogar funktionieren, wenn das iPhone sich wegen eines leer werdenden Akkus ausgeschaltet hat. Nur wenn man das iPhone selbst ausgeschaltet hat, geht der Schlüssel nicht mehr. Apple verspricht, dass bald viele Neuwägen kompatibel zu CarKey sein werden.

Apple News bekommt in iOS 13.6 etliche wesentliche Neuerungen, von denen Nutzer in Deutschland natürlich nicht profitieren, da es die Anwendungen immer noch nicht hierher geschafft hat – worüber man nicht allzu traurig sein muss. Neu sind in Apple News+ etwa Audiostories für ausgewählte Geschichten, in Apple News Today geben die Redakteure des Dienstes eine kurze auditive Zusammenfassung des Nachrichtengeschehens. Sie können natürlich auch zu jeder vollen Stunde Ihr Radio einschalten. Diese Audio-Inhalte lassen sich über ein neues Tab schneller finden, eine Anbindung an CarPlay ist selbstverständlich. Lokalnachrichten aus der Bay-Area, Los Angeles, Ney York und Houston kommen dazu,

Die Health-App bekommt eine neue Kategorie zum Sammeln von Symptomen, die teilweise direkt aus EKG-Messung und Trainings darin eingetragen werden.

Apple verspricht zudem die üblichen Bug-Fixes und Stabilitätsverbesserungen.

Pleite für Tesla: Gericht verbietet Autopilot-Werbung

Die auf Marken- und Wettbewerbsrecht spezialisierte 33. Zivilkammer des Landgerichts München I hat mit Urteil vom 14.07.2020 einer Klage der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e.V. vollumfänglich stattgegeben, mit der sich diese gegen bestimmte werbliche Aussagen von Tesla wendet (Az. 33 O 14041/19). Kern der Auseinandersetzung war die Bezeichnung von Teslas Fahrassistenzsystems als „Autopilot“ sowie die Bewerbung einzelner separat buchbarer Komponenten unter der Überschrift "Volles Potenzial für autonomes Fahren". Konkret ging es um den Autopilot, wie ihn Tesla für das Model 3 anbietet.

Das Gericht stellt zu den von Tesla vollmundig als „Autopilot“ beschriebenen Techniken fest: „Sowohl die Werbeaussage als Ganzes als auch vom Kläger separat angegriffene Bestandteile stellen als irreführende geschäftliche Handlungen gem. § 5 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 UWG dar. Denn die Verwendung der maßgeblichen Begriffe und Formulierungen erwecke bei den angesprochenen Verkehrskreisen – im konkreten Fall den Durchschnittsverbrauchern – eine Vorstellung, die mit den tatsächlichen Verhältnissen nicht in Einklang stehe. In tatsächlicher Hinsicht handele es sich sowohl beim Tesla-Autopiloten als auch bei dem zubuchbaren Paket ‚Volles Potenzial für autonomes Fahren‘ um Komponenten eines Fahrassistenzsystems, bei dem eine Fahrt, ohne dass menschliches Eingreifen erforderlich wäre, nicht möglich ist.“

Durch die Verwendung der Bezeichnung „Autopilot“ und anderer Formulierungen suggeriere Tesla aber, dass seine Fahrzeuge technisch in der Lage seien vollkommen autonom zu fahren, wie das Gericht weiter ausführt. „Weiter werde der Eindruck erweckt, ein autonomer Fahrzeugbetrieb sei in der Bundesrepublik Deutschland straßenverkehrsrechtlich zulässig, was jedoch nach den geltenden Vorschriften des StVG (§§ 1a f StVG) nicht der Fall sei.“ Dass Tesla am Ende seiner Website die entsprechenden relativierenden Hinweise eingebaut habe, „beseitige die Irreführung mangels inhaltlicher Klarheit und Transparenz nicht“, so das Gericht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Tesla kann also in die nächste Instanz gehen. Das Fachmagazin KFZ Betrieb ergänzt, dass die Wettbewerbszentrale eine Sicherheitsleistung von 100.000 Euro erbringen müsste, um das Urteil trotzdem sofort vollstreckbar zu machen. Ob die Wettbewerbszentrale das macht, sei noch nicht klar, die Wettbewerbszentrale wolle zunächst die Urteilsgründe prüfen. Andernfalls müsste die Wettbewerbszentrale warten, bis das Urteil rechtskräftig ist. Bei Redaktionsschluss warb Tesla bei einer Online-Konfiguration des Model 3 immer noch mit den strittigen Formulierungen.

Geklagt hatte die Wettbewerbszentrale , eine von der deutschen Wirtschaft finanzierte gemeinnützige Einrichtung.

Deutsche Telekom: 15.000 neue 5G-Antennen in dieser Woche

Die deutsche Telekom treibt den Ausbau ihres noch jungen 5G-Mobilfunknetzes voran: 15.000 zusätzliche 5G-Antennen will das Bonner Mobilfunkunternehmen im Laufe dieser Woche aufstellen, um sein 5G-Netz zu erweitern.

Dabei handelt es sich aber keineswegs um komplett neue Antenne. Sondern in vielen Fällen machen die Telekom-Techniker bereits vorhandenen Antennenvorrichtungen mit einem Update für 5G fit. Als konkrete Standortbeispiele für derart aufgerüstete Antennenstandorte nennt die Deutsche Telekom Großstädte wie Nürnberg oder Hannover. Aber 5G soll jetzt auch in ländlicheren Gebieten wie Schwanebeck im Harz oder Westerland auf Sylt zur Verfügung stehen. Auch der Movie-Park in Bottrop ist mit 5G dabei, wie die Telekom verspricht.

Die Telekom nutzt für ihren 5G Ausbau unterschiedlichen Mobilfunkfrequenzen. Der Fokus liegt laut Telekom auf den Frequenzbändern 2,1 GHz und 3,6 GHz. Das sei sinnvoll, weil sich beide Frequenzbänder bei Reichweite und Geschwindigkeit gut ergänzen. Die diese Woche neu in Betrieb genommenen 15.000 5G-Antennen funken auf der 2,1 GHz Frequenz. Im ländlichen Bereich soll das Mobilfunknetz damit teilweise mehr als eine Verdoppelung der bisherigen Geschwindigkeit erreichen. Kunden können mit bis zu 225 Mbit/s surfen. In Städten erreicht das Netz mit 5G 600-800 MBit/s in der Spitze.

Für 5G-Frequenzen gilt folgende Faustregel: Höhere Frequenzen haben eine geringere Reichweite, aber eine größere Bandbreite, sie übertragen Daten also schneller. Diese höheren Frequenzen eignen sich für Städte beziehungsweise Ballungsräume. Niedrigere Frequenzen funken weiter, übertragen die Daten aber nicht ganz so schnell. Diese Frequenzbereiche sind also für das flache Land geeignet.

Die Telekom hat laut eigenen Angaben das Ziel noch im Juli 2020 die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland mit 5G zu versorgen.

Ingenuity: NASA schickt erstmals Helikopter zum Mars

Ingenuity (englisch für Einfallsreichtum, Genialität) startet mit der gleichen Atlas-V-Rakete von der Cape Canaveral Air Force Station in Florida, mit der auch der Mars-Rover Perseverance zum Mars fliegt. Frühestens Ende Juli 2020 soll die Atlas V mit dem Mars-Rover und der Helikopterdrohne an Bord Richtung Mars abheben.

Der Ingenuity Mars Helicopter wiegt 1,8 Kilogramm. Er bewegt sich mit zwei Rotoren mit insgesamt vier aus Karbonfaser gefertigten Rotorblättern fort, die mit rund 2400 Umdrehungen laufen. Zur Stromversorgung dienen Solarzellen und Akkus. Wissenschaftliche Messinstrumente sind dagegen keine in Ingenuity verbaut, weil der Flugroboter noch nicht messen soll, sondern nur der Erprobung eines flugfähigen Fahrzeugs dient.

Angesichts der extrem dünnen Atmosphäre dürften die Flugbedingungen erheblich erschwert sein, weil dem Flugroboter der auf der Erde übliche Auftrieb fehlt. Deshalb muss Ingenuity so leicht sein und so schnell drehende und zudem große Rotoren besitzen.
Außerdem wird es im Jezero Crater, wo Perseverance zusammen mit Ingenuity landet, extrem kalt sein. Nachts werden dort Temperaturen von minus 90 Grad Celsius erreicht. Auch das setzt dem Fluggefährt zu.

Der Roboterhelikopter ist außerdem so weit von der Erde entfernt, dass man ihn von dort nicht zeitnah fernsteuern kann. Die NASA-Ingenieure müssen ihre Fluganweisungen also im Voraus planen und ihrerseits auf Daten von Ingenuity reagieren, die erst mit einiger Verzögerung eintreffen. In der Zwischenzeit muss Ingenuity autonom über den Mars fliegen. Und sich zudem selbstständig seine Akkus aufladen und sich warmhalten, damit er nicht einfriert.

Sollte der erste Testflug nach der Landung auf dem Mars erfolgreich verlaufen, planen die NASA-Forscher bis zu vier weitere Testflüge innerhalb eines 30-tägigen Zeitraums. Jeder Flug soll einige Minuten dauern und der Roboter soll dabei bis zu zehn Meter hoch fliegen.

Das letztendliche Ziel von Ingenuity: Die NASA will damit ausreichend Erfahrung für künftige Flüge auf dem Mars sammeln. Damit später Robotersonden über den Mars fliegen und dabei wissenschaftlicher Forschungen durchführen und Erkundungen anstellen können. Besonders spannend dürften hochauflösende Fotos sein, die derartige Flugdrohnen von der Marsoberfläche erstellen und zur Erde senden. Denn die Flugdrohnen können auch Marsbereiche erforschen, die für einen rollenden Marsrover aufgrund schwierigen Geländes unerreichbar sind.

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