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Morgenmagazin vom Donnerstag, 18. Februar 2016

18.02.2016 | 06:46 Uhr | Peter Müller

Wie Apple iPhones recyclet +++ Vogue schwadroniert über Apple und Mode +++ Zweistufige Bestätigung jetzt auch bei Instagram +++ Better Call Saul: Zweite Staffel startet auf Netflix +++ Nintendos Smartphone-App kommt im März +++ Satellit soll Ozeane überwachen +++ iPhone-Upgrade-Programm wohl beliebter als erwartet +++ Kommentar: Apple trotzt dem FBI und das ist gut so!

18. Februar: Zeit der Verwirrung

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Der 18. Februar ist der Welttag der Batterie und bevor sie fragen, was das soll, checken Sie lieber einmal den Ladezustand Ihres iPhone-, iPad- oder Macbook-Akkus. Warum der Welttag der Batterie immer auf den 18. Februar fällt, ist schnell erklärt: An diesem Tag im Jahr 1745 wurde der Naturforscher Alessandro Volta geboren, der nicht nur als Erfinder der Batterie gilt, sondern auch der physikalischen Größe der elektrischen Spannung den Namen gab. Der 18. Februar  könnte aber auch der Tag der wissenschaftlichen Ignoranz sein, das ginge dann ebenfalls an einem an diesem Tag geborenen Physiker zurück: Ernst Mach. Der österreichische Naturwissenschaftler lehnte am Ende seines Lebens die damals noch junge Atomtheorie mit dem unschlagbaren Argument ab: "Ham's aan's g'seng? (Haben Sie eines gesehen?)".

Dann täte man aber Ernst Mach Unrecht, der übrigens am 19. Februar vor 100 Jahren in Vaterstetten bei München verstarb. Seine bahnbrechenden Arbeiten zur Strömungsmechanik schlagen sich im Namen einer weiteren physikalischen Größe nieder: Ein "Mach" ist gleich der Schallgeschwindigkeit in Luft. Unter Forschern ist Ignoranz anscheinend ein Privileg des Alters, Einstein verzweifelte etwa an der Quantentheorie für die er ironischer Weise auch noch Wesentliches geleistet hat; viele theoretische Physiker, die heute der Pensionierung entgegen gehen oder bereits emeritiert sind, halten nun die Superstringtheorie für Humbug. Mal sehen, was die heute daran herum rechnenden Forscher in etwa dreißig bis vierzig Jahren für Schwachsinn halten.

Starrköpfigkeit sollte aber gewiss nicht zum allgemeinen Privileg des Alters werden, man stelle sich nur kurz vor, wie der Bundestag in wenigen Jahren zusammengesetzt sein wird, wenn die Gesellschaft einerseits immer älter wird und die jungen Leute das Wählen immer uncooler finden. Im Alter können sich durchaus noch neue Perspektiven und Karrieren ergeben, man denke etwa an Marlon Brando, der mit "Der letzte Tango in Paris" noch einmal durchstartete oder John Travolta, der dank "Pulp Fiction" plötzlich ein ganz anderes Standing in Hollywood erhielt. Dabei war der einstige Tanzstar damals noch gar nicht so alt, er sah nur recht alt aus vor Pulp Fiction.

Anders als Marlon Brando ist John Travolta dieser Tage noch eine dritte Karriere gegönnt, diesmal als Internet-Meme. Als "confused Travolta" macht ein kurzer Videoschnippsel eine Szene mit Vince Vega derzeit die Runde, jenem Killer, der großartiges Talent darin beweist, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Die Figur Vince Vega hat Pulp Fiction bekanntlich nicht überlebt, seine verwirrte Performance erheitert uns aber heute so manchen Tag. Vorschlag: Der 18. Februar gilt fortan als Welttag der Verwirrung, denn John Travolta wird heute 62 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch! Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Künstlerpech : Ältere Versionen von Indesign - namentlich solche aus der Creative Suit 5 und 6 - können unter OS X El Capitan ein unschönes Verhalten zeigen und trotz hinreichender Speicherausstattung Mangel an RAM beklagen. Erst nach einem Neustart der Software verschwindet die Meldung. Wie unser Macworld-Kollege Glenn Fleishman aufklärt, scheint Adobe Probleme dieser Art zumindest billigend in Kauf zu nehmen. Zumindest versichert der Softwarehersteller, keine Bugfixes mehr für die älteren Versionen der Creative Suit heraus zu bringen und empfiehlt von Fehlern geplagten Nutzern stattdessen das Upgrade auf die Mietsoftware Creative Cloud.

Mehr Sicherheit: Die Facebook-Tochter Instagram erhöht die Sicherheit und führt nun auch die (optionale) Bestätigung in zwei Stufen (Zwei-Faktor-Authentifizierung) ein. Wer seinen Account unter Angabe einer Mobilfunknummer zusätzlich sichert, ist vor Identitätsdiebstählen besser geschützt, potentielle Angreifer müssen dann nicht nur eine E-Mail mit einem neuen Passwort abfangen, sondern auch eine SMS an die hinterlegte Telefonnummer.

Jetzt geht's los: Apple hat den heutigen Start von Apple Pay in China bestätigt. Anfangs wird mit ICBC zwar nur das größte Kreditinstitut des Landes dabei sein, die anderen chinesischen Banken wollen sich dem System aber baldmöglichst anschließen. China ist nach den USA, Kanada, UK und Australien das fünfte Land, in dem die Bezahlung mit iPhone oder Apple Watch möglich sein wird und soll nach Erwartungen Apples der größte Markt für Apple Pay werden. Wann das System nach Deutschland kommt, ist nach wie vor offen.

Schräges Portrait: Über Apple und seine Protagonisten wurden und werden zahlreiche Analysen und Portraits geschrieben nun hat sich auch die Modezeitschrift Vogue an das Thema gemacht und mit Tim Cook, Jony Ive und dem Architekten des neuen Apple Campus 2 Sir Norman Foster gesprochen. Herausgekommen ist ein Stück mit dem Titel "Apple und Mode: Eine Liebesgeschichte für das digitale Zeitalter", das keinerlei neue Einsichten bringt, aber jede Menge schräge Prosa, wie unsere Kollegen der Macworld urteilen. Halten Sie sich fest und lesen Sie über "die Hohepriester der Technologie", Wände aus Glas, abstrakte Artefakte, kontrapunktische Uhren und Neuheiten von vor 6000 Jahren.

Recycling: Was macht Apple eigentlich mit alten iPhones, die das Unternehmen im Rahmen seine Recycling-Prozesses zurück nimmt? Bloomberg hat eine Anlage in Hongkong besucht, in denen die alten Telefone geschreddert werden. Apple zerlegt sie also nicht in Komponenten, die sich theoretisch wiederverwenden ließen, um einen Graumarkt mit Apple-Fake-Produkten zu verhindern. Aus dem geschredderten Material zieht die Anlage aber wertvolle Rohstoffe heraus, die ihrerseits wieder in den Produktionkreislauf für neue Produkte gelangen. Seit 2014 habe Apple rund 40.000 Tonnen Elektroschrott verarbeitet und 80 Prozent des Gewichts wieder verwenden können.

Welttag der Batterie: Zum 271sten Geburtstag von Alessandro Volta (siehe oben) unser Ratgeber: So hält der Akku des iPhones länger.

Weitere Nachrichten:

Better Call Saul: Zweite Staffel startet auf Netflix

Das Warten hat ein Ende: Ab sofort ist auf Netflix die erste Folge der zweiten Staffel von Better Call Saul verfügbar. Am Dienstag feierte die Folge auf der Berlinale ihre Premiere. Nun können sie auch alle Netflix-Nutzer anschauen. Fortan wird jeden Dienstag eine weitere Folge zu sehen sein. Ab dem 19. April 2016 werden dann auf Netflix alle zehn Folgen der zweiten Staffel von Better Call Saul abrufbar sein.

Die erste Folge der zweiten Staffel von Better Call Saul trägt den Titel "Wechsel". Sie kann wahlweise im englischen Original (wahlweise mit deutschen Untertiteln) oder in der deutschen Synchronisation angeschaut werden. Praktisch: Vor dem Start der zweiten Staffel darf man sich auch eine Zusammenfassung der ersten Staffel anschauen.

In Better Call Saul wird die Vorgeschichte zur erfolgreichen TV-Serie Breaking Bad erzählt, von der übrigens auf Netflix alle fünf Staffeln abrufbar sind. Die Breaking-Bad-Macher Vince Gilligan und Peter Gould sind auch für "Better Call Saul" verantwortlich.

In der ersten Staffel wurde Jimmy McGill vorgestellt, aus dem schließlich Saul Goodman werden soll. Als unbedeutender Anwalt, der kaum über die Runden kommt, sucht er nach seiner wahren Bestimmung. An der Seite von Jimmy – und öfters auch gegen ihn – arbeiten Jonathan Banks als Mike Ehrmantraut, Michael McKean als Chuck McGill, Rhea Seehorn als Kim Wexler, Patrick Fabian als Howard Hamlin und Michael Mando als Nacho Varga.

Filme und Serien streamen: Netflix und Co im Vergleich

Nintendos Smartphone-App kommt im März

Wie Nintendo heute bekannt gibt, erscheint im März 2016 mit Miitomo die erste Smartphone- und Tablet-App des japanischen Konsolen-Herstellers. Bei Miitomo handelt es sich jedoch nicht um eine Mobile-Game, sondern um einen Messenger mit In-App-Käufen.

Nach der Installation erstellen sich Nutzer einen Avatar, der sich am Mii-Editor der Wii-Konsole orientiert. Über einen integrierten Shop kann hier Geld für zusätzliche Kleidung und Accessoires ausgegeben werden. Wie in einem sozialen Netzwerk chatten Miitomo-Mitglieder über ihre Avatare mit Freunden. Nintendo plant außerdem einen Foto-Editor, mit dem sich die Miis in Schnappschüsse aus der Smartphone-Kamera einbinden lassen.

Interessierte können sich schon jetzt auf miitomo.com vorab registrieren. Dort werden sie über den App-Launch informiert und erhalten Bonuspunkte für den Club-Nintendo-Nachfolger My Nintendo. Das Programm soll ebenfalls im März launchen.

Satellit soll Ozeane überwachen

Die Europäische Weltraumorganisation ESA schickt einen weiteren Umwelt-Satelliten in den Weltraum , um verstärkt die Ozeane zu beobachten. Die Aufgabe der Sonde namens Sentinel-3A soll es sein, Meeresströmungen und den Anstieg des Meeresspiegels zu messen. Der Programmleiter für die Erdbeobachtung bei ESA Volker Liebig erklärt: „Der Satellit tastet die Erde in etwa einem Tag ab“. Die Daten, die  hierbei gewonnen werden, können wichtige Hinweise auf den Klimawandel liefern.

Am Dienstagabend startete die Rakete, welche den Satelliten ins All brachte, in Nordrussland. „Wir können die Verschmutzung der Ozeane messen, auch die Chlorphyllverteilung“, sagte Liebig. Aus mehr als 800 Kilometern Höhe kann der Satellit nicht nur Informationen über die Temperatur der Meeresoberfläche liefern, sondern auch wichtige Daten für die Schifffahrt ermitteln. „Wenn sich Schiffe nach den Ozean-Vorhersagemodellen richten, dann können sie bis zu zehn Prozent Treibstoff sparen.“

Sentinel-3A kann die Erde 40 Mal schneller als ein Flugzeug umkreisen und kann im Vergleich zu seinen beiden Vorgängermodellen die Erde häufiger sehen. Dafür liefern Senintel-1A und Sentinel-1B Bilder mit einer höheren Auflösung. Innerhalb von 45 Minuten sollen die Daten die Erde erreichen, berichtet Heise .

Die Satelliten haben jedoch alle unterschiedliche Aufgabenbereiche. Sentinel-1A kann wichtige Daten für die Schifffahrt liefern, wie beispielsweise das Bilden von Eis auf den Meeren, aber auch wichtige Informationen aus dem landwirtschaftlichen Bereich. So kann er beispielsweise das Wachstum von Reis dokumentieren, was laut Liebig ein wichtiger Parameter für die Erntevorhersage sei. Sentinal-2A konzentriert sich dahingegen auf die Gesundheit der Wälder und Pflanzen. Im Jahr 2017 soll ein vierter Satellit ins All geschossen werden, der mit Sentinal-3A baugleich ist. 

Bisher greifen mindestens 16.000 Nutzer auf die Satellitendaten zu, hauptsächlich jedoch Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler und Personen aus der Landwirtschaft. Laut Liebig soll die ganze Welt Zugriff auf die europäischen Umweltdaten haben.  

iPhone-Upgrade-Programm wohl beliebter als erwartet

Das sogenannte „iPhone Upgrade Program“ soll laut Apple die beste Möglichkeit sein, um ein iPhone zu besitzen. „Das iPhone Upgrade Program macht es für Sie leichter, jedes Jahr das neueste iPhone sowie die Sicherheits- und Schutzmaßnahmen der AppleCare+ zu nutzen. Dabei können Sie den Anbieter und die Ratenzahlung frei nach Ihren Bedürfnissen auswählen“, bewirbt Apple das Programm auf seiner Website. Falls man also nicht auf das Ende des regulären Zweijahresvertrags warten möchte, ist dies tatsächlich eine praktische Alternative. Der Kunde kann bei dem Upgrade-Programm zwischen vier verschiedenen Anbietern auswählen: AT&T, Sprint, T-Mobile und Verizon. Mit dem iPhone Upgrade Programm kann man die Kosten auf 24 Monate aufteilen, wobei die Option besteht, nach zwölf Zahlungen ein neues iPhone zu bekommen.

Laut Fortune ist das iPhone-Upgrade Program für Apple mehr als rentabel. Bereits am 14. Dezember ergab eine Umfrage unter 188 Käufern des iPhone 6S, dass rund 37 Prozent der Befragten das Leasing-Programm von Apple nutzen. Die entstandenen Kosten für das Programm liegen hierbei zwischen 32,41 und 44,91 US-Dollar. Der Analyst Gene Munster geht sogar davon aus, dass das Upgrade Program sogar von 50 Prozent der Apple-Kunden genutzt werden könnte. Wie Fortune berichtet, ist dieses Angebot letztendlich nicht nur für die Kunden sehr interessant, sondern auch gewinnbringend für Apple. Da die meisten Nutzer die Dienste von AppleCare+ in Anspruch nehmen, kann Apple nicht nur daraus große Gewinne ziehen, sondern auch die gebrauchten Geräte beim Austausch gegen ein neues wieder überarbeiten und als Gebrauchtgeräte weiter verkaufen.

Bisher bietet Apple dieses Angebot für seine Kunden ausschließlich in den USA an. Ob es das Upgrade-Programm auch nach Deutschland schaffen wird, ist bisher noch nicht bekannt. Allerdings bietet auch die Telekom ein ähnliches Programm an, wo man jedes Jahr ein neues Smartphone erhält.

Anmerken muss man hierbei, dass die Zielgruppe der Umfrage zu klein ist, als dass man die Ergebnisse ohne Weiteres auf den gesamten USA-Markt extrapolieren kann. Zudem hat Munster nicht angegeben, wie er die Befragten ausgesucht hat und wie sich die Gruppe der befragten Käufern zusammen setzt.

Kommentar: Apple trotzt dem FBI und das ist gut so!

Tim Cook hatte gestern Abend noch ein paar Überstunden in Cupertino zu arbeiten. Die Entscheidung eines Gerichts in Los Angeles, Apple müsse für das FBI das iPhone eines (mutmaßlichen) Terroristen knacken, drängte ihn zu einer ausführlichen Reaktion ( wir berichteten ).

Die Argumentation ist nicht neu, Cook beruft sich im Wesentlichen auf ein oft bemühtes Zitat eines der Urväter der USA, Benjamin Franklin: "Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren." Unumstritten ergäbe es für die Sicherheitsbehörden einen großen Erkenntnisgewinn, könnten sie sich der Inhalte des iPhones des erschossenen Attentäters bemächtigen, der im Dezember in San Bernadino 14 Menschen erschoss, was das FBI als Terrorakt einstuft. Selbst wenn am Ende dabei herauskäme, dass Syed Rizwan Farook nicht im Auftrag des sogenannten IS handelte, sondern aus profaner krimineller Energie.

Doch Cooks Argumentation ist richtig: Das Gericht behandelte zwar nur den Einzelfall, in dem Apple den Behörden bereits seine mögliche Unterstützung gewährt, doch eine Software, mit der Apple quasi sich selbst hackt, würde das Ende jedweder Privatheit für Smartphones bedeuten. Und damit auch der Sicherheit, die man doch mit der Einschränkung der Freiheit stärken wollte. Denn so dicht kann kein Giftschrank in noch so geheimen Apple-Labors sein, dass nicht die Methoden, mit denen Apple sich selbst knackt, durchsickern und in falsche Hände geraten. Sensibelste Daten wären in Gefahr und damit das Modell Smartphone erledigt.

Lesetipp: Tim Cook im Interview: " Privatsphäre ist ein Menschenrecht "

Nun muss der Apple-CEO in seinem Brandbrief betonen, bei Apple würden sie ihr Land lieben und selbstverständlich den Staat unterstützen. Allzu schnell wären Scharfmacher, die am liebsten jedwede Privatheit zu Gunsten eines starken und allwissenden Staates abschaffen würden, mit dem Vorwurf des Vaterlandsverrates zur Stelle. Nicht nur in Vorwahlkampfzeiten liegt die Schwelle der schießwütigen Rhetoriker sehr niedrig.

Selbst wenn heute staatlichen Behörden und den eigenen Sicherheitsvorkehrungen zu 100 Prozent zu trauen werde, man weiß nicht, wer in wenigen Jahren den Staat führen wird und wie wenig man ihm vertrauen kann. Die Vorstellung, ein moralisch und politisch völlig ungeeigneter Präsident bekäme in ziemlich genau elf Monaten nicht nur die Schlüssel für den Einsatz von US-Kernwaffen ausgehändigt, sondern auch einen Generalschlüssel für alle iPhones weltweit, macht nicht nur Tim Cook schauern. Apple muss in unser aller Interesse dem FBI weiter die Stirn bieten und den Rechtsweg bis zur letzten Instanz ausschöpfen. Absurd, dass sich Judikative und Exekutive auf ein Gesetz aus dem Jahr 1789 beziehen...

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