2442735

Morgenmagazin vom Donnerstag, 18. Juli 2019

18.07.2019 | 06:53 Uhr |

Apples Risiko mit Podcasts +++ iPhone 11: Mock-Up-Geräte im Video +++ Airpods bald aus Vietnam? Apple soll bereits Produktion testen +++ Tesla: Software für autonomes Fahren wird immer teurer +++ Google Maps: Jetzt mit Live-Informationen zu Bikesharing-Services +++ Spiegelloses Vollformat: Sony stellt Alpha 7R IV

18. Juli: Ein Mythos

Wir wünschen allseits Guten Morgen! "We don't believe in tradeshows" erklärte Apple gegen Ende der Nullerjahre und verwies auf seine immer besser laufenden und immer weiter verbreiteten Apple Stores. Diese seien ja so etwas wie permanenten Ausstellungen und würden Tag für Tag wesentlich mehr Besucher anziehen, als das eine Messe je könnte. Das Argument ist nicht von der Hand zu weisen, mit der WWDC und dem ein oder anderen Special Event kann Apple seinen eigenen Rhythmus bestimmen. Wenn ein neues iPhone einfach etwas länger braucht, verschiebt man eben dessen Vorstellung in den Oktober, so wie beim iPhone 4S und seiner revolutionären Neuerung Siri geschehen. Aber ein Messetermin ist nun mal einer, den der Veranstalter festlegt. Eine Macworld Expo Anfang Januar bedeutete für Apple immer Mehrarbeit in der Weihnachtszeit, eine Mitte Juli bedeutete, dann frische Produkte in den Handel zu bringen, wenn deren potentielle Käufer schon in der Sommerfrische sind oder dorthin aufbrechen.

Dennoch vermissen wir ein wenig die Sommer-Expos in New York. Bis ins Jahr 2002 - wir berichteten gestern - tauchte Apple immer wieder mit Neuerungen an der Ostküste auf. Für die Ausgabe 2001 brachte Steve Jobs neben neuen Power Macs auch einen neuen Begriff mit, der an jenem 18. Juli vor 16 Jahren seine Weltpremiere feierte: Der Megahertz-Mythos.

Kurz gesagt waren die vor wenigen Jahren von Apple noch als "Schnecken" geschmähten x86-Chips von Intel in Sachen Taktrate an den in Macs eingebauten PowerPC-Prozessoren deutlich vorbei gezogen. Ein 700-MHz-G4 in einem Mac sieht halt auf den ersten Blick langsamer aus als ein 1,1-GHz-Intel in einer Maschine von Dell. Aber das sei doch nur ein Mythos, behauptete der Apple-CEO zur Eröffnung der Sommermesse kühn, die Intel-Chips hätten eine viel längere Pipeline abzuarbeiten und bräuchten daher einen höheren Takt, um überhaupt mithalten zu können. Mehr Megahertz gleich schnellerer Rechner, das stimme einfach nicht.

Ob Steve Jobs wohl schon ahnte, dass die PPC-Architektur Apple in eine Sackgasse führe, aus der sich das Unternehmen vier Jahre später spektakulär würde befreien müssen? Denn bis in das Jahr 2005 war dann die Lücke bei der Taktrate deutlich größer geworden und in einer Sache verstand Apple dann gar keinen Spaß mehr, bei der Leistungsfähigkeit pro Watt. Sprich: Damit der mittlerweile von IBM hergestellte PowerPC G5 richtig rocken konnte, musste er enorm viel Energie aufnehmen und das meiste davon in Form von Wärme wieder abgeben. Ein Powerbook G5 war somit unmöglich zu bauen. Taktraten sagen heute in der Tat nicht mehr viel über die Leistungsfähigkeit einer CPU aus, seit Jahren steigen sie nicht mehr. Stattdessen setzen Intel, ARM und Konsorten darauf, mehr Rechenkerne auf einen Chip zu packen. Das dient dazu, das Moore'sche Gesetz noch eine Weile zu erhalten, mit Verkleinerungen der Strukturen ist es bald nicht mehr getan. Schon jetzt ist es ein großer Aufwand, im Bereich von 10 Nanometern zu produzieren, unterhalb von zwei bis drei Nanometern kommen Quanteneffekte zum Tragen, die eine völlig neue Logik erforderten .

Intel, exakt 33 Jahre vor Erfindung des Megahertz-Mythos als Noyce-Moore-Electronics gegründet, half Apple schlussendlich aus der Patsche: Schon ein Jahr später kommentierte Apple Gerüchte um einen Intel-Port von Mac-OS X damit, dass man gerne Alternativen habe, im Sommer 2005 erfolgte dann der Umstieg. Doch auch Intel hat seine Schwächen und war nicht in der Lage, konkurrenzfähige Chips für ultramobile Geräte wie iPhone und iPad zu entwickeln.  Apple gestaltet diese nun selbst auf Basis der ARM-Architektur und lässt die Chips von fertigen.

Der nächste Umstieg könnte bald beginnen, wird sich dann über Jahre hinweg ziehen: Schon seit einigen Jahren laufen Spekulationen durch das Netz, Apple könne auch künftige Macbooks auf ARM-Basis bauen und Intel zumindest für die Mobilrechner wieder den Laufpass geben. Nicht auszuschließen, dass Apple in diesem Jahr tatsächlich sein erstes ARM-Macbook herausbringt. Rechenmonster wie der Mac Pro werden aber noch lange auf Intel-Chips setzen - mit nicht mehr steigenden Taktraten, aber mit immer mehr Rechenkernen. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag:

Folgenabschätzung : Apple investiert laut Bloomberg in Podcasts - wir berichteten gestern an dieser Stelle. Macworld-Autor Jason Snell, ein leidenschaftlicher und langjähriger Podcaster, macht sich Gedanken über die Sinnhaftigkeit und die Folgen der Maßnahme. So sieht er die Möglichkeit, dass Apple mittelfristig einen weiteren Service platziert: Apple Podcasts+, mit exklusiven Inhalten. Spotify agiert bereits in diese Richtung. Doch für Podcasts Geld zu verlangen, könnte schwierig werden, das Medium als solches ist auf maximale Offenheit ausgelegt, die Inhalte sind meist gratis. Die wenigen Podcasts hinter Paywalls werden hingegen kaum wahr genommen. Geld verdienen Podcaster hingegen mit Merchandise und Live-Shows - dafür benötigen sie aber Reichweite. Apple habe zwar die Power, Neues auszuprobieren, es gebe aber viele Gründe, die den Erfolg verhindern könnten.

Gewagt: Erste Hands-On-Videos des iPhone 11 zeigt 9to5Mac. Nun ja, zwar echte Videos, aber eben von Mock-Up-Geräten, die basierend auf diversen Leaks und Gerüchten entstanden: Mit einer quadratischen Anordnung der Kameras auf der Rückseite. Man mag hoffen, dass Apple bessere Designlösungen findet, aber auch an das Quadrat auf der Rückseite würde man sich so gewöhnen wie schon an die Notch auf der Vorderseite.

Gegenmaßnahmen: Leaks wie solche, die zu Spekulationen über das Aussehen kommender iPhones führen, lassen sich nicht ganz vermeiden, doch achtet Apple sehr darauf, sie so gering wie möglich zu halten. The Information ist der Frage nachgegangen, wie Apple das Durchsickern von Informationen verhindert. Seitdem Wochen vor dessen Vorstellung im September 2013 Details über das iPhone 5C bekannt wurden, kümmert sich das New Product Security Team (NPS) um die Wahrung der Geschäftsgeheimnisse. Damals konnte ein Angestellter des Zulieferers Jabil mit Hilfe eines bestochenen Sicherheitsmannes dutzende von Gehäusen aus der Fabrik schmuggeln. Beim iPhone 6S zwei Jahre später sei Ähnliches passiert, doch habe die NPS die auf dem Schwarzmarkt angebotenen Gehäuse alle aufkaufen können. Die NPS arbeitet weitgehend verdeckt und schaltet auch keine Behörden ein, um so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu erzeugen.

Moonshot I : Dieser Tage ist die Apollo-11-Mission, welche die ersten Menschen auf den Mond brachte, 50 Jahre her. Man kommt in der Medienlandschaft dem Jubiläum kaum noch aus, was aber den positiven Effekt hat, dass auch die Nachgeborenen meinen, sie wären damals dabei gewesen. Eine Story mit einem interessanten Blickwinkel haben wir bei Mashable gefunden. Darin erklärt der Autor Mark Kaufman, wie das Rennen in das Weltall und auf den Mond den Instrumentenbau beeinflusst hat. Nicht umsonst heißt eines der populäresten Gitarrenmodelle Stratocaster, von Fender erstmals 1954 gebaut und von der im gleichen Jahr geborenen Rockmusik gern dazu her genommen, völlig neue Klänge zu erzeugen. Doch auch die Optik war "spacig": Schnittig wie eine Rakete kam die Strat daher - in einer Welt von elektrischen Gitarren, die in Bauform und Material noch sehr ihren akustischen Vorgängern glichen. Doch nicht nur Fender zog es in die Stratosphäre oder mit der Telecaster eben weit, weit weg, auch der andere legendäre US-Gitarrenbauer Gibson ließ sich vom anbrechenden Weltraumzeitalter inspirieren: Das Modell Flying V scheint im Jahr 1958 wie aus fernen Welten gekommen zu sein.

Moonshot II : 50 Jahre ist es her, dass erstmals ein Mensch auf dem Mond spazierte, jetzt ist es Zeit für einen Hund. So heißt es in dem Trailer, der im Youtube-Kanal der Peanuts aufgetaucht ist und die Sendung "Snoopy in Space" bewirbt, die im Herbst auf Apple TV+ zu sehen sein wird. Etwa zeitgleich hat auch James Cordon die dritte Staffel von Carpool Karaoke auf seinem Youtube-Kanal angekündigt - Apple hatte die ersten beiden Staffeln bereits über Apple Music gezeigt.

Vergleich: Die neuen Sets von Emojis, die gestern am Welt-Emoji-Tag vorgestellt wurden, hat das zuständige Konsortium bereits im Frühjahr definiert. Aber eben nur das, was sie darstellen sollen und nicht, wie sei aussehen sollen. Designer bei Apple, Google, Microsoft und anderen gehen die Aufgaben unterschiedlich an, zu berücksichtigen ist ja auch der Look der etablierten Zeichen. The Verge hat sich einige Unterschiede angesehen und befindet, dass Apples Lösungen insgesamt die treffenderen sind. Die Butter sieht so geschmackig aus, dass man sich gleich ein Butterbrot herbeisehnt, der Orang Utan sieht wie ein Menschenaffe aus und nicht wie bei Google eine seltsame Comic-Figur und beim Stinktier ist es ähnlich: Das von Google sieht recht harmlos aus, dafür, dass es einen üblen Geruch verbreitet. Nur beim Falafel-Symbol habe Apple daneben gegriffen, der Teller sehe eher aus, als ob da ein Haufen Dung eines pflanzenfressenden Tieres angerichtet sei. Aber Geschmack lässt sich streiten, Googles Falafel-Symbol sieht irgendwie knausrig aus und nicht sonderlich Appetit anregend.

Weitere Nachrichten:

Airpods bald aus Vietnam? Apple soll bereits Produktion testen

So gut wie alle Apple Produkte werden seit Jahren in China produziert, das scheint sich aber langsam zu ändern. Wie Nikkei Asia berichtet , soll Apple die Produktion seiner Airpods in Vietnam testen. Aktuell werden die beliebten Ohrhörer von der chinesischen Firma Goertek produziert, laut zwei Quellen der Wirtschaftzeitung soll in Sommer die Produktion in einer nordvietnamesischen Fabrik von Goertek getestet werden – ein erster Schritt vor dem Aufbau einer Produktion. Die Hersteller der Airpod-Komponenten sollen bereits von Apple informiert worden sein. Die drahtgebundenen EarPods werden bereits seit längerer Zeit in Vietnam hergestellt, die AirPods bisher ausschließlich in China, von den Herstellern Inventec, Luxshare-ICT und Goertek. Ein ähnliches Gerücht gab es bereits letztes Jahr.

Nach früheren Berichten von Nikkei prüft Apple gegenwärtig, 15 bis 30 Prozent seiner Produkte außerhalb Chinas herzustellen und ist deshalb mit seinen Zulieferern in Kontakt. Die Wahl der Airpods ist wohl kein Zufall: Durch die hohe Nachfrage nach den Geräten soll es Apple möglich sein, Produktionskapazität außerhalb Chinas aufzubauen, ohne die Produktion dort zu vermindern. Laut Artikel plane Apple dabei zusätzliche Kapazitäten außerhalb Chinas aufzubauen, eine so genannte „China plus one“-Strategie, um die guten Beziehungen und das Netz auch Herstellern und Zulieferern nicht zu schädigen. Wegen Faktoren wie Chinas niedriger Geburtenrate, steigenden Arbeitskosten und Handelsstreitigkeiten mit den USA würde Apple aber die Abhängigkeit von der Produktion in China überdenken.

Tesla: Software für autonomes Fahren wird immer teurer

Nach der letzten Preiserhöhung im Mai 2019 soll die Tesla-Option „Volles Potenzial für autonomes Fahren“ in diesem Jahr noch einmal teurer werden. Wie Tesla-Chef in dieser Woche über den Micro-Blogging-Dienst Twitter ankündigte , soll der Preis für Paket ab 16. August 2019 noch einmal um 1.000 US-Dollar erhöht werden. Kunden zahlen dann für die zubuchbare Option beim Tesla-Kauf rund 7.000 US-Dollar.

Während es sich beim Tesla-Autopilot mittlerweile um eine Inklusivleistung ohne Aufpreis handelt, müssen Kunden für das Paket „Volles Potenzial für autonomes Fahren“ draufzahlen, obwohl in Deutschland noch nicht alle Funktionen genutzt werden können. Aktuell umfasst das Paket eine Einparkautomatik für paralleles und rechtwinkliges Einparken und die „Herbeirufen“-Funktion, mit der der Wagen autonom auf Parkplätzen zu seinem Besitzer fährt. Ebenfalls inklusive ist die automatische Fahrt auf der Autobahn von der Ein- bis zur Ausfahrt, einschließlich dem Überholen von langsameren Fahrzeugen. Das Paket wird laut Tesla kontinuierlich mit neuen Funktionen erweitert, die in Zukunft komplett autonomes Autofahren ermöglichen sollen. Bis Ende des Jahres sollen das autonome Fahren innerorts und die Erkennung von Ampeln und Stoppschildern hinzukommen.

In Deutschland kostet die zubuchbare Option aktuell 6.300 Euro. Wie hoch die Preiserhöhung für deutsche Kunden ab August ausfallen wird, ist noch nicht bekannt. Wer „Volles Potenzial für autonomes Fahren“ nicht beim Autokauf zubucht, kann das Paket auch später nachrüsten. Hier weist Tesla jedoch darauf hin, dass der Preis aufgrund der kontinuierlichen Erweiterungen im Laufe der Zeit höher ausfallen wird.

Google Maps: Jetzt mit Live-Informationen zu Bikesharing-Services

Google erweitert seinen Karten-Dienst Google-Maps um die Anzeige zur Verfügbarkeit von Bikesharing-Diensten. Dabei wird nicht nur in Echtzeit angezeigt, wo man das nächste Fahrrad ausleihen kann, sondern auch, wie viele zur Verfügung stehen.

Bikesharing boomt. Mit geschätzten 1600 Bikeshare-Systemen und mehr als 18 Millionen gemeinsam genutzten Fahrrädern in städtischen Zentren weltweit hat sich Bikesharing schnell durchgesetzt. Google hilft Ihnen ab sofort, diese Systeme noch besser zu nutzen.

Das Feature gab es dabei schon seit letztem Jahr für die Stadt New York in den USA, und es wird nun auf 24 Städte weltweit erweitert. Unter den 24 Städten in 16 Ländern ist auch Deutschland mit Hamburg und Berlin vertreten. In den deutschsprachigen Nachbarländern wird die Funktion im österreichischen Wien sowie in der Schweiz in der Stadt Zürich verfügbar sein.

Die weiteren Städte, in denen die Funktion freigeschaltet wird: Barcelona, Brüssel, Budapest, Chicago, Dublin, Helsinki, Kaohsiung, London, Los Angeles, Lyon, Madrid, Mexico City, Montreal, New Taipeh City, New York City, Rio de Janeiro, San Francisco Bay Area, São Paulo, Toronto und Warschau.

Für die genannten Städte ist Fahrrad-Sharing-Ansicht nun in Google Maps für Android und iOS ab sofort verfügbar.

 

Spiegelloses Vollformat: Sony stellt Alpha 7R IV vor

Mit der Alpha 7R IV hat Sony heute das neueste Mitglied seiner Alpha-7-Familie vorgestellt . Die spiegellose Vollformat-Kamera schießt Fotos mit einer Auflösung von 61 Megapixeln. Video nimmt die Digitalkamera in 4K-Auflösung ohne Pixel-Binning im neuen Super-35-mm-Modus auf. Ebenfalls an Bord sind ein auf fünf Achsen gelagerter Bildstabilisator und der Echtzeit-Augenerkennungs-Autofokus.

Der digitale Sucher löst mit 5,76 Millionen Pixeln auf. Bei der Bildwiederholrate können Nutzer zwischen 60 und 120 Bildern pro Sekunde wählen. Die Alpha 7R IV bringt außerdem den sogenannten Pixel-Shift-Modus mit. Dabei nimmt die Kamera durch Sensorverlagerung 16 Einzelbilder auf, die am PC zu einem Bild mit einer Auflösung von 963,2 Millionen Bildpunkten zusammengefasst und auf eine Auflösung von 240 Millionen Pixeln geschrumpft werden.

Der Vollformat-Sensor verfügt über 567 Autofokus-Phasendetektionspunkte. Per Tracking-Autofokus kann die Kamera im Serienbildmodus zehn Bilder pro Sekunde über eine Dauer von sieben Sekunden aufnehmen. Die fertigen Bilder und Videos überträgt die Alpha 7R IV per WLAN oder USB-Typ-C an den Computer. Die Alpha 7R IV ist laut Sony ab Ende August in Deutschland erhältlich. Der Preis für den Body liegt bei rund 4.000 Euro.

2442735