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Morgenmagazin vom Donnerstag, 19. Januar 2017

19.01.2017 | 07:01 Uhr |

Updates für Garageband (iOS) und Logic Pro X +++ iPhone 8 mit Gesichtserkennung? +++ Indien denkt über Hintertür für Apple nach +++ Wegen Trump: Aktivisten rufen zum White-House-Hack auf +++ Fiese WhatsApp-Nachricht lockt mit süßen Emoticons +++ Astronaut.io zeigt bisher ungesehene Youtube-Clips +++ Nest-Produkte bald auch in Deutschland +++ Marktstudie: iOS-App Store weiter profitabler als der Play Store

19. Januar: Unglückseliger Vorläufer

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Es war eine dunkle und stürmische Nacht, damals vor zehn Jahren, als der Orkan Kyrill über Deutschland wütete und rund 50 Menschen zu Tode kamen. An den Sturm hatten wir schon gestern erinnert. Froh über eine ruhige, wenn auch kalte Nacht erschaudern wir heute früh schon kurz nach dem Aufwachen mit dem Blick auf den Kalender: Der 19. Januar. Es ist aber ein wohliger Schauder, der uns da erfasst, denken wir an das Werk des heute vor 208 Jahren in Boston geborenen Schriftstellers Edgar Allen Poe. Auch heute noch flößen uns seine Horror-Geschichten und -Gedichte Respekt und eine gewisse Furcht ein, so dass wir in manchen kalten Nächten sogar unschuldige Rabenvögel der finsteren Umtriebe für schuldig halten.

Alles nur Fantasie! Real ist aber die Geschichte des Poe Toasters, der von 1949 an - hundert Jahre nach dem Sterbejahr Poes - dessen Grab in Baltimore stets am 19. Januar besuchte. Dort legte er drei weiße Rosen nieder und eine angebrochene Flasche Cognac, aus der er zuvor einen Schluck genommen und einen Trinkspruch in Richtung des Grabsteins gemurmelt hatte - Toaster hat also nichts mit Brot zu tun. Im Jahr 2010 war der ominöse, in einen Kapuzenumhang gehüllte Besucher das letzte Mal aufgetaucht, schon damals schien es so, als hätte der ursprüngliche Toaster um das Jahr 1998 herum den Staffelstab an einen Jüngeren weiter gegeben. Seither bleibt der Poe Toaster verschwunden, seine Identität konnte nie geklärt werden. Der zunehmende Rummel auf dem Friedhof der Westminster Hall in Baltimore mag ihn vertrieben haben, in der Furcht, seine Identität doch noch preisgeben zu müssen. Oder es hat ihn zu einer Mitternacht graulich der Rabe besucht...

Wollten wir auf dem Grab des Apple-Produktes des heutigen Tages Rosen niederlegen, müssten wir irgendwo in das Nirgendwo des US-Bundesstaates Utah reisen. Dort landeten die letzten, unverkäuflich gewordenen Exemplare der Apple Lisa, dem ersten Versuch des damals noch jungen Unternehmens, das bei Xerox "entliehenen" Konzepts der grafischen Benutzeroberfläche in einem kommerziellen Produkt unterzubringen. Apple hatte schon 1978 damit angefangen, als der Apple II mit seiner Kommandozeilenstruktur gerade angefangen hatte, die Computerindustrie neu zu definieren. Was am 19. Januar 1983 ans Licht der Öffentlichkeit kam, war zwar seiner Zeit voraus, blieb aber ein Ladenhüter. Die zehntausend US-Dollar für die Lisa konnte und wollte kaum jemand investieren. Zumal dann nicht, als im Jahr darauf der Mac seinen Einstand gab, zu einem Viertel der Kosten aber mit einem unendlich größeren Hype. Man muss nur die beiden Werbespots für die neuen Apple-Produkte vergleichen. Für die Lisa ging ein junger, smarter Geschäftsmann mit seinem Hund durch eine Stadt spazieren, die anscheinend in der Sonntags- oder Feiertagsruhe daliegt. Dennoch führt ihn sein Weg ins Büro, wo er eben noch schnell, bequem und effizient an dem neuen, tollen Computer unaufgeregt ein paar Sachen erledigt, die nicht bis Montag hätten warten können. Ein Jahr später war der von Ridley Scott gedrehte Spot "1984", der den neuen, revolutionären Computer eben nicht zeigte, nicht nur Stadtgespräch. Immerhin wurde aus dem Schauspieler, der im Lisa-Spot den Geschäftsmann und Hundeführer spielte noch etwas. Sein Name: Kevin Costner. 

Warum aus der Lisa nichts wurde, hat gewiss nicht nur mit ihrem horrenden Preis zu tun. Es fehlte auch an Software und bei Apple am Glauben, das Produkt zum Fliegen zu bringen. Steve Jobs, nach dessen unehelicher Tochter der Rechner benannt wurde, war schon im Jahr 1982 aus dem Entwicklerteam geflogen , das es nicht einmal für nötig befand, dem Computer einen Namen zu geben, der den vorläufigen ersetzt hätte. Das war zwar Jobs bei seinem neuen Projekt, das er bei Apple übernahm, auch nicht gelungen, doch hatte Jef Raskin mit "Macintosh" schon einen festen Pflock gesetzt, der sich als unverrückbar erwies. So weit wir wissen, ist Lisa Brennan Jobs wohlauf, die nach ihr benannte Maschine möge aber in Frieden ruhen. Rosen legen wir in Utah aber keine nieder. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Musik, Musik, Musik: Apple hat gestern Abend seine Musiksoftware Garageband für iOS mit neuen Funktionen aktualisiert und dazu auch ein Update für die professionelle Variante für den Mac, Logic Pro X gebracht. Vor allem stärken die Updates die Zusammenarbeit zwischen den beiden Plattformen. Konnte man bisher nur Garageband-Projekte, die man auf iPad oder iPhone begonnen hatte, auf dem Mac importieren und dort weiter bearbeiten, schreibt nun Logic Pro X 10.3 zu jedem Projekt auch eine zu Garageband auf iOS kompatible Version auf die iCloud. So können Nutzer von unterwegs einzelne Spuren hinzufügen, die sich dann später wieder in das Logic-Projekt integrieren lassen. An neuen Funktionen spendiert Apple der iOS-Fassung von Garagenband Studioeffekte wie Distortion und Tonhöhenkorrektur, überarbeitet ist der Soundbrowser, über den sich auch zahlreiche neue Synthesizer-Klänge besser finden lassen sollen. Was Garageband für den Mac bereits im Herbst konnte, ist nun auch in Logic Pro X integriert: bestimmte Funktionen lassen sich auf dem neuen Macbook Pro auf der Touch Bar aufrufen. Dazu gehören auch eine Klaviertastatur und Drum-Pads, die sich nun direkt auf der Multifunktionsleiste spielen lassen. Die Updates sind kostenlos, Garageband liegt jedem neuen Mac und iOS-Gerät bei und kostet ansonsten 5 Euro im (Mac) App Store. Logic Pro X ist im Mac App Store für 200 Euro zu haben.

Gesichtskontrolle: Bis September ist ja noch eine Weile hin, seit dem letzten September, als Apple das iPhone 7 (Plus) vorgestellt hatte, kursieren aber zahlreiche Gerüchte über den Nachfolger. Dieser Tage ist nun eine neue Technologie in den Spekulationen aufgetaucht. Apple werde zumindest in das Premium-Modell mit OLED und drahtloser Ladetechnik neue Laasersensoren nahe der Frontkamera einbauen, die eine Gesichtserkennung ermöglichen sollen. Dies behaupten zumindest Analysten der Investmentbank Cowen and Company gegenüber Business Insider. Völlig aus der Luft gegriffen erscheint dies jedoch nicht, im Jahr 2013 hatte Apple das Unternehmen Primesense übernommen, das sich auf Gesichtserkennung und die dafür notwendigen Sensoren spezialisiert hatte. In macOS und iOS erkennt die App Fotos zuverlässig Gesichter und kann die Bilder daher nach Personen ordnen. Was Apple genau damit vorhaben könnte, muss einstweilen der Fantasie überlassen bleiben. Unwahrscheinlich, dass sich die Technik auf lustige Selfie-Filter, wie man sie von Snapchat kennt, beschränken wird.

Drei Wünsche: Apples AirPods kamen spät, aber offenbar gewaltig- trotz der rund zweimonatigen Verzögerung des Verkaufsstarts haben sie nach ersten Marktuntersuchungen bereits ein Viertel des Marktes für drahtlose Kopfhörer erobert. Tests haben ergeben: Gut sind sie ja, die AirPods, aber nicht perfekt. Und das nicht nur, weil sie nicht für jedes Ohr gemacht sind und beim Sport sich gerne aus den Muscheln verabschieden. Unsere Kollegin Caitlin McGarry von der Macworld formuliert daher drei konkrete Wünsche an eine nächste AirPod-Generation. Siri müsse unbedingt schneller werden, zumal die Sprachassistentin der einzige Weg zur Steuerung von Lautstärke und Wiedergabe ist - wenn man nicht gleich am iPhone herum fummelt oder die Apple Watch als Fernbedienung nutzt. Das Fehlen von Knöpfen sei ja nicht einmal das entscheidende Manko, aber AirPods könnten mehr als nur die eine Geste zur Aktiviereung von Siri - ein doppeltes Klopfen auf einen der Hörer - verstehen, damit zumindest einfache Steuerung der Musik ohne Siri und weitere Hilfsmittel nötig werde. Zudem sollten die Stöpsel besser gegen Schweiß und Spritzwasser geschützt sein. Man will sie ja nicht unbedingt zum Schwimmen mitnehmen, aber beim Sport kommt man nunmal ins Schwitzen. Vielleicht halten sie dann schon besser, sonst schließen wir einen vierten Wunsch mit an: Ein Sicherungsband als mitgeliefertes Zubehör.

Hintertür: Apple würde nicht nur gerne mehr iPhones in Indien verkaufen, sondern sie auch im Land produzieren. Noch stehen dem Gesetze im Weg. Vor allem gilt die Regel, dass bei der Produktion der größte Anteil der Rohstoffe und Komponenten aus dem Land selbst kommen muss, was de facto für Apple nicht umsetzbar ist.  Die indische Regierung denkt darüber nach, wie man Apple bei seinen Forderungen nach Konzessionen nachkommen könnte. Womöglich würde man die Produktion für jedweden Hersteller öffnen, aber diese Ausnahmeregeln an die Höhe der getätigten Investitionen koppeln. Nur wer also so viel wie Apple zu investieren und zu produzieren gedenkt, sollte von den Ausnahmeregelungen profitieren können.

Legaler Zwang: Ein im US-Bundesstaat wegen Einbruchs zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilter Einbrecher hat in einer höheren Instanz einen Prozess verloren, der eng mit der Beweisermittlung zusammenhängt und Grundlage für weitere Urteile sein dürfte. Matthew Vaughn Diamond hatte dagegen geklagt, dass er von den Ermittlern gezwungen worden war , per Fingerabdruck sein Smartphone zu entsperren. Das widerspreche dem Recht, dass man sich nicht selbst belasten müsste. Das Gericht ist nun aber zur Ansicht gekommen, dass die Abgabe des Fingerabdrucks sich wesentlich von der Nennung eines Passworts unterscheide. Er sei etwas, das man ist, und nicht etwas, was man habe oder wisse. Die Nutzung des Fingers zum Entsperren sei vergleichbar mit der Abgabe einer Blut-, Stimm- oder Handschriftenprobe oder der Aufreihung bei einer Gegenüberstellung und somit rechtens.

Weitere Nachrichten:

Wegen Trump: Aktivisten rufen zum White-House-Hack auf

Am 20. Januar 2017 findet in den USA die offizielle Amtseinführung des neuen Präsidenten Donald Trump statt. An diesem Tag wollen hunderttausende US-Amerikaner nach Washington D.C. marschieren, um dagegen zu protestieren.

Wer es an diesem Tag nicht zum Weißen Haus schafft, kann seinem Ärger auch vom heimischen PC aus Luft machen. So ruft die Website protester.io mit der Aktion „Occupy WhiteHouse.gov“ zum Boykott auf. Die Aktivisten wollen ein Zeichen gegen Trump setzen und die Website whitehouse.gov am kommenden Freitag lahmlegen.

Trump-Gegner sollen mit vereinten Kräften eine DDoS-Attacke ausführen und die Website im Verlauf des Tages der Amtseinführung so oft händisch aktualisieren wie sie können. Die Aktivisten bieten zudem eine automatisierte Variante mit dem Tool cURL an. Ob sich am Freitag tatsächlich genug Internet-Nutzer beteiligen werden, um die Regierungswebsite zu überlasten, bleibt abzuwarten.

Fiese WhatsApp-Nachricht lockt mit süßen Emoticons

Aktuell haben zwielichtige Zeitgenossen mit einer Spam-Welle die WhatsApp-Nutzer im Visier. Über eine Nachricht, die oft von bekannten Kontakten kommt, werden die Empfänger mit den Worten "so süß !!" zum Anklicken eines Links aufgefordert, wie Mimikama.at meldet.

Wer dem Link folgt landet zunächst auf einer Website, in der ihm "Neue romantische Emoticons für WhatsApp" versprochen werden. Allerdings: Um diese zu Emoticons zu erhalten, muss er die Nachricht erst mit zehn Freunden oder drei Gruppen in WhatsApp teilen. Anschließend, so wird versprochen, würden die betreffenden Emoticons "sofort aktiviert".

Das ist natürlich nicht der Fall. Die Emoticons existieren nicht. Stattdessen wird der Empfänger zum Mitglied der "so süß !!!"-Kettenbrief-Versender. Und landet schließlich am Ende auf einer Online-Kasino-Website, auf der er seine persönliche Daten angeben soll, um sich so die Möglichkeit zu sichern, wie es heißt, einen Jackpot zu knacken.

Die beste Reaktion auf solche eine WhatsApp-Nachricht: Teilen Sie dem Versender freundlich mit, dass er Opfer einer Kettenbrief-Welle geworden ist. Sie selbst sollten diese Nachricht auf keinen Fall weiter versenden, sondern einfach löschen.


Astronaut.io zeigt bisher ungesehene Youtube-Clips

Auf Youtube werden täglich Videos mit einer Gesamtdauer von mehreren hundert Millionen Stunden hochgeladen. Auf diese Videos stürzen sich Milliarden von Nutzer. Die Website Astronaut.io entführt den Zuschauer in eine besonders faszinierte Welt der Youtube-Videos. Die Website präsentiert nämlich Clips auf Youtube, die bisher noch kein einziger Nutzer hat. Oder zumindest nur eine handvoll Nutzer...

Die Website begrüßt den Besucher mit den Worten "Heute bist du ein Astronaut"- Die betreffenden Youtube-Videos haben oft nichtssagende Titel wie "DSC 1234" oder "IMG 4321". Entsprechend schwierig haben es diese Videos gegen die Masse der anderen, leichter zu findenden Videos zu bestehen.

Ein erstes Ausprobieren von Astronaut.io macht durchaus Lust auf mehr: Im Sekundentakt wird man mit immer neuen Videos berieselt, die Menschen, Objekte oder die Natur zeigen. Auf den ersten Blick sind es oft belanglos wirkende Videos, was auch erklärt, warum diese Videos noch keiner gesehen hat oder sehen wollte. Allerdings haben hier Menschen mit einer Kamera Momente festgehalten, die für sie im entsprechenden Augenblick von Bedeutung gewesen sind.

Faszinierend... In einem Clip schauen wir beispielsweise einem Menschen zu, der sein Auto im Winter startet und sich freut, dass der Wagen sofort anspringt. Dann springt Astronaut.io zu einem Video, in dem mehrere Menschen zu sehen sind, die offenbar gemeinsam einen Geburtstag feiern. Im nächsten Clip springt eine Katze durch das Bild. Dann erhält man einen Blick auf einen Garten. Später Szenen aus einem Basketballspiel einer Schülermannschaft.

Nest-Produkte bald auch in Deutschland

Bekannt wurde die von Google aufgekaufte Firma Nest nicht nur durch ihren prominenten Gründer Tony Fadell, sondern auch durch ihren hohen Kaufpreis: Stolze 3,2 Milliarden Dollar zahlte Google Anfang 2014 für die Firma des iPod-Erfinders . Bisher konnte man die Produkte nur aus dem Ausland bestellen, ab Februar sind zumindest drei der Geräte auch in Deutschland verfügbar. Dazu gehören die Nest Cam Outdoor, eine Netzwerkkamera für die Überwachung des Außenbereichs und die Nest Cam Indoor für die Überwachung von Innnenräumen. Ebenfalls mit dabei ist der Rauch- und Kohlenmonoxidmelder Nest Protect. Letzterer soll ab Februar für 120 Euro zu haben sein, die beiden Cams kosten jeweils 199 Euro. 

Die in den USA seit zwei Jahren erhältlich Nest Cam Outdoor soll vor allem vor Einbrechern schützen, sie ist wasserdicht, bietet einen Nachtsicht-Modus, muss aber per Stromnetz betrieben werden. Ein Lautsprecher für Warnungen ist ebenfalls integriert. Stärke der Kameras ist die Software: Eine iOS-App ist verfügbar, die ein Livebild und automatisch erstellte Übersichten über das aufgenommene HD-Videomaterial liefert. Die App funktioniert auch mit der Nest Cam Indoor, die für den Innenbereich konzipiert ist. Wie die Außenkamera bietet sie 1080p, Nachtsichtmodus und Audioaufnahme. Batteriebetrieb ist ebenfalls nicht möglich. Auf Wunsch werden unbekannte Personen im Gesichtsfeld der Kamera automatisch gemeldet. 

Siri wird allerdings nicht unterstützt. Ein Cloud-Dienst namens Nest Aware ist kostenlos verfügbar. Kostenlos mit dieser nur die letzten drei Stunden auf, eine „10-day-video history“ und einige Zusatzfunktionen kosten 10 Dollar im Monat, ein 30-Tage-Speicher gleich 30 Dollar im Monat.
Der Rauchmelder Nest Protect 2 erkennt Rauch und Kohlenmonoxid, zusätzlich zu Singnaltönen erhält der Nutzer Meldungen auf sein Smartphone und kann das Gerät per Sprachsteuerung bedienen. Vorbestellen kann man die Produkte bei fünf bekannten Händlern: Amazon , Conrad , Cyberport , Mediamarkt und Saturn .
Das bekannteste Nest-Produkt, ein selbstlernendes Thermostat, ist noch nicht im deutschen Programm enthalten.

Marktstudie: iOS-App Store weiter profitabler als der Play Store

Seit Jahren ist das Ergebnis unverändert: Der Google Play Store kann zwar mehr Downloads verbuchen als Apples iOS App Store, die Umsätze mit iOS-Apps sind aber dafür deutlich höher. 90 Milliarden Downloads wurden 2016 über die beiden App Stores abgerufen, gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 15 Prozent. Laut einer aktuellen Studie der Marktforscher von App Annie ist aber nicht nur die Downloadzahl, sondern auch die Nutzungsdauer gestiegen.

Interessant sind die regionalen Unterschiede der Downloads: Bei den Downloads von Google Play hat Indien Ende des Jahres die USA überholt: Dabei gibt es in Indien noch relativ wenig Smartphones, die Studie geht von einer Marktdurchdringung von 30 Prozent und erwartet weiteres Wachstum.

Bei den Umsätzen ist der iOS App Store dem Konkurrenten wie in früheren Jahren überlegen, Von den insgesamt 35 Milliarden Dollar Umsatz entfallen knapp 23 auf die iOS-Plattform, gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum um fast 50 Prozent. Davon sollen Spiele für 75 Prozent der Absätze verantwortlich sein, beim Play Store sogar 90 Prozent. Den kompletten Umsatz im App-Markt schätzt App Annie allerdings noch höher ein: Inklusive Anzeigenumsätze und Drittanbieter-Stores hätte der Erlös fast 89 Milliarden Dollar betragen.

Android ist in Deutschland bekanntlich weiter verbreitet als iOS, was sich auch bei den Umsätzen zeigt: Während Deutschland bei den iOS-Umsätzen auf Platz 9 liegt, liegt es im Google-Play-Ranking auf dem vierten Platz – nach Japan, USA und Südkorea.

Was Umsätze mit iOS-Apps betrifft, ist für Apple seit dem letzten Jahr China der wichtigste Markt. Im Laufe des Jahres hat China die relativ langsam wachsenden Märkte in Japan und den USA rasant überholt. Bei iOS-Downloads wird das Wachstum des App Store vor allem durch China angefacht, das für 80 Prozent verantwortlich zeichnet. Allein im vierten Quartal setzte der iOS App Store in China über zwei Milliarden US-Dollar um, was Apples starke Fokussierung auf China erklärt. Der Hauptanteil der Umsätze entfällt auf Spiele, in China handelt es sich dabei etwa um einem Titel wie „Fantasy Westward Journey“. Für Außenstehende überraschend: Der durchschnittliche Erlös pro Kunde und Monat ist bei den Top-Spielen sehr hoch, in Japan (hier sind vor allem Rollenspiele beliebt) gibt ein Gamer pro Spiel und Monat 30 US-Dollar aus, in China 25 US-Dollar. Als denkwürdigste App des Jahres 2016 bezeichnen die Autoren ebenfalls ein Spiel, den Titel Pokèmon Go: Hatte das Spiel doch innerhalb von 110 Tagen 800 Millionen US-Dollar umgesetzt.

Den höchsten Umsatz machte ebenfalls ein Spiele-Unternehmen: Bei den kombinierten Umsätzen bei iOS und Google Play (weltweit) ist das auf dem ersten Platz das Unternehmen Line. Rang zwei und drei erhalten der Spielehersteller Inter Active Corp und Spotifiy. Der Videodienste Netflix ist auf Platz vier, Tencent auf Rang fünf.

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