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Morgenmagazin vom Donnerstag, 2. Juni 2016

02.06.2016 | 06:59 Uhr |

iPhone 7 vor Rekordverkäufen +++ Was der Apple Watch als Frühwarnsystem fehlt +++ Google findet verlorene iPhones +++ Deutscher Filmpreis 2016 von Künstler auf dem iPad Pro skizziert +++ Mojang verbietet Werbung in Minecraft +++ PayPal führt Ratenzahlung für Händler ein +++ Antiterror-Paket: Schluss für anonyme Prepaid-SIM +++ Bezos: Amazon Prime Videos auf dem Apple TV "nur unter vernünftigen Bedingungen"

2. Juni: Nachtzug nach Rom

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Seltsames Frühjahr: Ostern und Pfingsten waren früher als gewohnt, der Sommer lässt aber auf sich warten. Meteorologen haben ja den 1. Juni als Beginn des Sommers festgelegt, was gestern, heute und auch noch die nächsten Tage am Himmel aufgeführt wird, hat mit unseren Vorstellungen von Sommer nicht viel gemeinsam.

Genauso wie der Sommer lässt auch Apples Entwicklerkonferenz WWDC heuer ein wenig auf sich warten, man könnte fast einen Trend erkennen. Denn vor einem Jahr war es 8. Juni, an dem Apple die WWDC eröffnete und dabei OS X 10.11 El Capitan, iOS 9 und Apple Music zeigte. Vor zwei Jahren begann das einwöchige Treffen gar schon am 2. Juni, Apple hatte dafür OS X 10.10 Yosemite und iOS 8 im Gepäck. In diesem Jahr wird es also erst der 13. Juni, an dem wir Neues über die Betriebssysteme für Mac, iPhone/iPad und weitere Geräte wie Apple Watch oder Apple TV erfahren. Von einer Verspätung wollen wir aber nicht reden, selbst Apple wird sich manchmal nach anderen richten müssen und das Konferenzzentrum Moscone West nicht immer in der gleichen Woche bekommen.

Beim Thema Verspätungen landen wir aber unweigerlich bei der Bahn, sorry für den Kalauer. Das System des Bahnverkehrs in Deutschland ist ja derart komplex, dass Schuldzuweisungen für Verspätungen keineswegs einfach sind - nicht selten sind es auch Fahrgäste selbst, die mit Undiszipliniertheiten beim Ein- und Aussteigen für die eine oder andere Minute verantwortlich sind. Diese Mikroverspätungen schaukeln sich  auf und am Ende stimmt dann gar nichts mehr - man hält den Fahrplan nur noch für eine unverbindliche Empfehlung. Heute vor 25 Jahren nahm indes die Deutsche Bahn AG einen neuen Fahrplan auf, indem erstmals Verbindungen des neuen Intercity Express vermerkt waren, der erst wenig Tage zuvor seine feierliche Premiere erlebte. Der ICE ist vermutlich bei der Bahn nicht nur der profitabelste Bereich, sondern wohl auch der pünktlichste Zug, der sein Potential aber auch 25 Jahre nach seiner Inbetriebnahme nicht voll ausschöpfen kann, zu wenige Strecken sind auf die hohe Geschwindigkeit des Schnellzugs ausgerichtet. Dennoch ist der ICE eine Erfolgsgeschichte, die Alternative für einen schnellen Schienenverkehr, der Transrapid, ist endgültig vom Tisch.

Einstellen will die Bahn hingegen eine andere Verbindung, aus wirtschaftlichen Gründen: Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember sollen keine Nachtzüge mehr rollen. Hoffentlich überlegt sich die Bahn das noch anders, denn mit den Nachtzügen ginge ein Stück Reisekultur verloren, bei der der Weg schon zum Ziel gehörte. Abends in München in den Schlafwagen einchecken, mit Hilfe von Rotwein eindösen, frühmorgens irgendwo zwischen Südtirol und Toscana aufwachen und zum Frühstück einen Espresso in Roma Termini - das gäbe es dann nicht mehr. Wenigstens haben wir heute Nacht noch diese Reise auf uns genommen (gut, nur virtuell...), um zum italienischen Nationalfeiertag Festa della Repubblica  der ewigen Stadt unsere Aufwartung zu machen. Vor exakt 70 Jahren hatten sich die Italiener in einer Volksabstimmung für die Republik erschienen und damit die Monarchen ins Exil geschickt. Wo anders als in Rom könnten wir die Republik, die öffentliche Sache, an diesem 2. Juni gebührend feiern? Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Eine Frage der Interpretation: Können Wearables Leben retten? Apple sagt ja, und verweist immer wieder mal auf Einzelfälle, in denen eine überraschend hohe Pulsmessung Apple-Watch-Nutzer zum Arztbesuch animierte, der den in letzter Minute eine bedrohlich Krankheit diagnostizierte. Ganz so einfach ist es aber nicht, wie der Entwickler der App zur Pulsanalyse Cardiogram in einem Blog-Beitrag erklärt. Denn die Apple Watch misst bauartbedingt nur einen Teil des Signals, den etwa ein EKG erkennt und ignoriert die sogenannte P-Welle. Auch lasse sich nicht immer aus einer Änderung des Pulses auf eine Krankheit schließen. Die Apple Watch - und andere Wearbales - könnten mit weiteren Sensoren aber mehr Potential für ein kardiologisches Frühwarnsystem entwickeln, auch die Analyse großer Datenmengen könnte dabei helfen, die Signale vom Rauschen besser zu trennen und somit zu zuverlässigeren Schlussfolgerungen zu kommen. Die ausführlichen Informationen über die medizinischen Hintergründe veröffentlicht der Autor Brandon Balliinger indes nicht ganz uneigennützig, im Rahmen seines Beitrags bittet er Apple-Watch-Besitzer weltweit, an einer Studie teilzunehmen und dafür ihre Pulsdaten zur Verfügung zu stellen.

Google findet das iPhone: Tippt man in die Szchmaschine den Satz "I lost my iPhone" ein, antwortet Google nun mit Optionen, über die man sein verlorenes Telefon klingeln oder auf einer Karte anzeigen lassen kann. Bisher war das nur über "My Account" bei Google möglich. Anders als das iOS-eigene "Mein iPhone suchen" lässt sich damit aber nicht das abgängige iPhone aus der Ferne sperren oder gar löschen.

Orientierung: In der Wildnis helfen Apps wie Google Maps oder Apples Karten wenig weiter, wenn der Internetempfang schlecht bis gar nicht mehr vorhanden ist. Offline-Karten sind hierfür die Lösung - der GPS-Chip funktioniert ja noch. Unsere Kollegen der Macworld haben Gaia GPS ausprobiert und tatsächlich aus den Rocky Mountains wieder heraus gefunden.

Optimistische Prognose: Apple hat im März-Quartal erstmals weniger iPhones als im Vorjahr verkauft, das iPhone des Jahrgangs 2016 wird sich vom iPhone 6S (Plus) kaum unterscheiden - Apple ist also dem Untergang geweiht. Das Gegenteil ist richtig, meint der Analyst Tim Long von BMO Capital Markets und argumentiert mit der großen installierten Basis, die für neue Rekordverkäufe des iPhone 7 (oder wie es auch immer heißen mag) sorgen wird. Etwa ein Viertel der iPhone-Nutzer wird im September seit zwei Jahren oder länger ein iPhone in Betrieb haben und sich für ein Upgrade interessieren. Nach Longs Rechnung würden 58 Prozent aller Kunden nach zwei Jahren zu einem neuen Modell greifen, 17 Prozent schon nach einem Jahr und 22 Prozent nach drei Jahren. Es sind so viele iPhones in Gebrauch wie noch nie zuvor, Insgesamt stünden 120 Millionen Geräte zum Upgrade an - beste Aussichten also für das iPhone 7.

Freies WLAN für alle: Heute berät der Bundestag abschließend über die Änderung des Telemediengesetztes. Welche Änderungen sich dadurch ergeben können, lesen Sie bei den Kollegen der Computerwoche.

Wechsel an die Bay: Der meist sehr gut informierte Blogger Mark Gurman verlässt 9to5Mac, um künftig von San Francisco aus für einen "Verlag mit großem Namen" über Apple und dessen Produkte zu berichten. Dies bestätigt auch 9to5Mac-Chefredakteur Seth Weintraub gegenüber Tech Insider. Über Gurmans  neuen Arbeitgeber wollen wir ja nicht spekulieren, aber wir würden da ein Magazin mit großem Namen kennen, das vor allem über Apple, seine Produkte und Services und das gesamte Umfeld von Mac, iPhone und iPad berichtet...

Deutscher Filmpreis 2016 von Künstler auf dem iPad Pro skizziert

Bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Filmpreises hat der Künstler Axel Eichhorst besondere Momente auf dem roten Teppich mit dem iPad Pro festgehalten. Allerdings nicht mit der Kamera, sondern in Form von Skizzen und Illustrationen, die er vor Ort von den Stars anfertigte.

Eichhorst, der unter anderem schon als Storyboard- und Coceptartist in Filmen wie „Inglourious  Basterds“, „Monuments Men“ und „Cloud Atlas“ mitwirkte, befand sich von Anfang an auf dem roten Teppich und begann mit seinem 12,9“ großen iPad Pro und Apple Pencil Illustrationen von der Veranstaltung anzufertigen.

Unter anderem zeichnete er Steven Gätjen bei der Live-Berichterstattung vom Roten Teppich, sowie Gäste wie beispielsweise Marie Bäumer, Heike Makatsch, Diane Kruger oder Elyas M’Barek.

Bei der Entstehung der Illustrationen nutzte Eichhorst neben der Hardware die App Procreate, welche zur Zeit als das leistungsstärkste Programm zum Zeichnen gilt und ebenfalls Gewinner des Apple Designawards ist. Somit hatte Eichhorst Zugriff auf insgesamt 128 Pinsel, wobei mit Hilfe des  Apple Pencils die Stimmung der Veranstaltung ganz nach der Auffassung des Künstlers dargestellt werden konnten.

Die illustrierten Bilder bestehen aus einzelnen Ebenen, die übereinander liegen und somit letztendlich das Gesamtbild ausmachen - und diese können sich wirklich sehen lassen.

Mojang verbietet Werbung in Minecraft

Entwickler Mojang hat seine Nutzungsbedingungen für Minecraft aktualisiert. Ein neuer Absatz beschäftigt sich mit Werbemöglichkeiten im Baukastenspiel, die aber primär Agenturen und Unternehmen betreffen. Für Youtuber, die mit ihren Videos auch Geld verdienen, solle sich hingegen nichts ändern.

Laut Mojang hätten immer mehr Unternehmen Minecraft als Platz für Werbeanzeigen entdeckt. Einer Monetarisierung durch kreative Minecraft-Spieler will der Entwickler nicht entgegenstehen. Sobald aber Produkte ohne Bezug zum Spiel verkauft werden sollen, will Mojang künftig einschreiten.

Werbeagenturen, Unternehmen oder Politikern verbietet Mojang laut der neuen Nutzungsbedingungen Werbeaktionen innerhalb von Minecraft. Dazu gehören auch Nachbauten von Restaurants, Film-Sets oder die Erstellung von Trailern, die Minecraft als Grundlage nutzen. Privaten Spielern erlaubt Mojang jedoch auch weiterhin das Erstellen derartiger Inhalte, wenn diese nicht als Werbung dienen sollen.

PayPal führt Ratenzahlung für Händler ein

Mit „Ratenzahlung Powered by PayPal“ hat PayPal heute eine neue Funktion für Online-Händler vorgestellt . Die Lösung ist den Angaben zufolge einfach in Online-Shops zu integrieren und bietet Kunden die Möglichkeit, teurere Waren einfach in Raten an den Shop-Betreiber zu zahlen. PayPal übernimmt den kompletten Zahlungseinzug und das Risikomanagement.

Mit „Ratenzahlung Powered by PayPal“ sind Ratenzahlungen in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten möglich. Käufer stellen dafür direkt über den Online-Shop des Anbieters einen Antrag. Dieser schließt eine Bonitätsprüfung mit ein für den Name, Anschrift, Bankverbindung und Geburtsdatum nötig sind. Über ein PayPal-Konto müssen Kunden nicht verfügen.

Die monatlichen Raten bucht PayPal direkt vom Konto des Kunden ab. Sondertilgungen sowie eine vorzeitige Rückzahlung sind ebenfalls möglich. Die Ratenzahlungen können für eine bessere Übersicht zudem auf Wunsch mit dem PayPal-Konto verknüpft werden.

In der Türkei muss Paypal derweil den Betrieb einstellen

Antiterror-Paket: Schluss für anonyme Prepaid-SIM

Als Reaktion auf die jüngsten Terror-Anschläge in Paris und Brüssel hat die Große Koalition neue Anti-Terror-Gesetze auf den Weg gebracht. Neben den Erweiterung der Befugnisse von Polizei und den Geheimdiensten tritt eine Regelung in Kraft, die demnächst die Mobilfunk-Anbieter verpflichtet, beim Verkauf von Prepaid-Handys gültige Ausweis-Unterlagen zu verlangen. Zwar ist bis jetzt eine Registrierung einer Prepaid-SIM nur nach einer Angabe des Namens und der Adresse möglich, diese werden jedoch nicht überprüft. Somit waren Pseudonyme und fremde Adressen möglich, der Nutzer blieb anonym.

Nach dem beschlossenen Maßnahmenkatalog der Bundesregierung müssen nun die Verkäufer bei der Registrierung der SIM auch einen gültigen Ausweis verlangen. Nach Angaben der Wirtschaftswoche haben die Telekommunikationsanbieter rund 18 Monate Zeit, um diese Regelung zu implementieren. Als gültige Ausweise sind neben deutschen Personalausweisen  auch ausländische Lichtbildausweise wie Reisepässe oder in Deutschland ausgestellte Aufenthaltstitel ebenso wie die Ersatzpapiere für Flüchtlinge. Die Maßnahme ist nicht rückwirkend, sprich, wer eine Prepaid-SIM bereits erworben hat, muss sich nicht nachträglich ausweisen.

Insbesondere die SIM-Regelung im aktuellen Maßnahmenkatalog gegen Terror der Bundesregierung ist scharf kritisiert: Zum einen ist die Ausweispflicht nach Auswertungen der EU nicht effektiv genug (Seite 5, Fußnote 13 im Bericht " Beweise für die Notwendigkeit der Vorratsdatenspeicherung in der EU "), um die Terroranschläge zu verhindern. Zum anderen lassen sich ohnehin sensitiven Metadaten der mobilen Kommunikation mit einer bestimmten Person verbinden und sie so besser verfolgen. Eine genaue Analyse der aktuellen Regelungen hat die Plattform Netzpolitik.org vorgenommen.

Bezos: Amazon Prime Videos auf dem Apple TV "nur unter vernünftigen Bedingungen"

Obwohl sich auf Amazon.com und Amazon.de die krassesten Sachen finden, kann man auf der Plattform seit Ende Oktober 2015 kein Apple TV 4 oder Google Chromecast kaufen. Bereits Anfang des Monats hat der Internet-Händler die Partner darauf hingewiesen, die entsprechenden Angebote offline nehmen zu wollen. Der Pressesprecher von Amazon erklärte damals die Entscheidung mit der Vereinfachung der Produktlinie : Kunden könnten verwirrt sein, wenn sie auf Amazon Geräte kaufen, die kein Amazon Prime Video anbieten. Unsere Zweifel, das dies eher nach einer Ausrede als nach einer plausibler Erklärung aussieht, haben wir schon damals geäußert – das Apple TV 4 sowie Google Chromecast haben diverse Streaming Dientste im Angebot, einen weiteren zu implementieren, sollte keine hohe technische Hürde darstellen.

Kurz danach ist eine Meldung Runde gemacht: Amazon bereite doch noch eine Instant Video App für das Apple TV vor . Aus "wenigen Wochen", in denen die App starten sollte, sind mehrere Monate geworden, nun liefert Jeff Bezos eine Erklärung, warum Instant Videos nicht auf dem Apple TV und das Apple TV nicht auf amazon.com zu finden sind: Nach wie vor hält der Amazon-Chef zu seiner Position, der Online-Händler solle nur die Geräte verkaufen, die auch Instant Videos unterstützen. Technische Probleme bestehen keine: "Man kann immer den Player auf das TV-Gerät bringen..." Es geht wohl eher ums Geld: "... aber nicht immer vernünftige Bedingungen dafür haben.", fügte Bezos in Bezug auf das Apple TV hinzu. Auf Nachfrage von Recode wollte er jedoch nicht spezifizieren, ob er damit den 30-prozentigen Anteil in Apples iTunes Store meint. "Die privaten Geschäftsdiskussionen sollen weiterhin privat bleiben", so Bezos.

Ob da Apple an seinem Drittel der Erlöse von Amazon Instant Videos etwas ändern will, bleibt fraglich. Erst im Oktober 2015 wurde das Unternehmen einen Kartellwächter los , der auf einen Gerichtsbeschluss im bekannten E-Book-Streit in die Geschäfte mit iBooks in Cupertino überprüfte. Zwar haben sich gegen Apple mehrere Bundesstaaten und das US-Justizministerium prozessiert, der richtige Gewinner im Streit war jedoch Amazon, das seine niedrigeren Preise behalten konnte. 

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