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Morgenmagazin vom Donnerstag, 21. Februar

21.02.2019 | 06:58 Uhr |

Marzipan: Einheitliche Apps bis 2021 +++ Apple Pay immer besser angenommen +++ Samsung Fold: Klappbares Handy für 2000 Euro +++ Google packt Mikrofon ins Gerät und erzählt es keinem +++ Kultusministerium: Datenschutz bei WhatsApp in Schule gefährdet +++ Steam: Valve stellt Spielfilm-Rubrik ein

21. Februar: Zwei Schüsse

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Seit dem letzten Herbst waren so einige 100-jährige Jubiläen zu begehen. Die Revolution vom 9. November 1918. Der Waffenstillstand vom 11. November des gleichen Jahres. Die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung vom 19. Januar 1919, bei der erstmals Frauen teilnehmen durften und sich sogar wählen lassen konnten. Die Konstituierung des verfassungsgebenden Parlaments in Weimar am 6. Februar 1919. Dessen Beschluss, die Farben schwarz, rot und gold für die erste deutsche Demokratie als Nationalfarben zu verwenden vom 18. Februar 1919. Tags darauf die erste parlamentarische Rede einer Frau, der Sozialdemokratin Marie Juchacz. Kurzum, die Demokratie, die den Namen "Weimarer Republik" bekommen sollte, hatte einen verheißungsvollen Start. Die Verfassung, welche die Versammlung erarbeitete, war die bis dato fortschrittlichste in Deutschland und einer der progressivsten der Welt. Die Republik sollte nicht an den wenigen Fehlern der Verfassung scheitern, sondern daran, dass es der Demokratie schlicht und ergreifend an Demokraten fehlte.

Das zeigte sich am 21. Februar vor 100 Jahren in aller Gewalt in München. Im November zuvor hatte der unabhängige Sozialdemokrat Kurt Eisner, ein aus Preußen "Zuagroaster", die Gelegenheit ergriffen und statt zögerlicher Sozialdemokraten den Sturz des Wittelsbacher Königshauses initiiert. Die Republik im Süden des Landes heißt seither Freistaat, keine Wortschöpfung Eisners, aber seine Definition dessen, was nach der Monarchie zu folgen hatte: Ein Staat der Bürger, frei von der Wittelsbacher Dynastie.

Die Idee hatte nicht nur ihre Anhänger, sondern weit mehr Feinde. Eisner und seine Mitstreiter, allsamt politische Amateure, waren auch nicht in der Lage, am Ende des Krieges die schlimmsten Nöte der Bürger zu lindern, insbesondere die Landbevölkerung hatte wenig für die "g'spinnerten Stådterer" übrig und behinderten die Lebensmittelversorgung der ehedem Residenz- und nun Landeshauptstadt München. Bei den Wahlen zum bayerischen Landtag am 12. Januar 1919 wurde die USPD Eisners massiv abgestraft und erhielt nur 2,5 Prozent der Stimmen. Am Morgen des 21. Februar war Eisner unterwegs in den Landtag, um dort seinen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten zu erklären, als ihn der rechtsnationale Student Anton Graf von Arco auf Valley hinterrücks erschoss - übrigens nur einen Katzensprung entfernt von der Stelle, an der am letzten Wochenende wieder einmal die Sicherheitskonferenz stattfand, die früher Wehrkundetagung hieß.

Arco, der möglicherweise nur Teil einer Verschwörung von Monarchisten war, wurde von Richter Georg Neidhardt wegen seiner "glühenden Liebe zum Vaterlande" wegen des Mordes nicht zum Tode verurteilt, sondern zu lebenslanger Festungshaft, die indes nur vier Jahre währte. Die Weimarer Republik war auch an ihrer Justiz gescheitert, die auf dem rechten Auge völlig blind zu sein schien. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Einheit : Schon auf der letzten WWDC hatte Apple versprochen, dass Entwickler ab dem Jahr 2019 Tools bekommen sollen, um ihre iOS-Apps auf den Mac zu portieren. Dass das geht, hat Apple mit den in Mojave integrierten einstigen iOS-exklusiven Anwendungen Home, News, Aktien und Sprachmemos gezeigt. Wie nun Bloombergs Mark Gurman berichtet, hat Apple sein "Marzipan" genanntes Projekt aber noch weiter ausgedehnt und ein neues Ziel definiert. Ab 2021 soll es möglich sein, Apps für Mac, iPhone und iPad in einem Zug zu entwickeln. Damit will Apple viele neue Apps ermöglichen, an deren Verkauf oder Vermietung via (Mac) App Store der Konzern in Cupertino mit verdient. Der Weg zur Plattform übergreifenden Entwicklung ist in mehreren Stufen geplant, ab Mitte diesen Jahres soll es leicht möglich sein, aus iOS-Apps solche für den Mac abzuleiten, ab 2020 könne man mit den bis dahin erweiterten Werkzeugen auch den Weg in die andere Richtung beschreiten. Das ist vor allem von iPhone zu Mac eine Herausforderung wegen der großen Unterschiede bei den Bildschirmgrößen. Ab 2021 sollen Entwickler dann Apps für iPhone, iPad und Mac in eine einzige Binary zusammenführen können. Effektiv würden damit auch die App Stores zusammengeführt.

Wunschliste : Glaubt man Ming-Chi Kuo, wird Apple in diesem Jahr sein Macbook Pro wieder neu gestalten, drei Jahre nach der letzten bedeutenden Revision. Die Generation davor hatte vier Jahre auf dem Buckel, ehe Apple sie erneuerte. In der Bildschirmdiagonale soll das neue Macbook Pro 16 Zoll umfassen und da nicht davon auszugehen ist, dass Apple die äußeren Maße vergrößern und das Gewicht erhöhen will, dürfte ein dünnerer Rahmen schon mal gesetzt sein. Aber es bestehen auch noch andere Wünsche an das Macbook Pro von 2019, Leif Johnson hat sie auf Macworld zusammen gefasst. Wobei sich Johnson in seinen Zukunftsvisionen auch gerne von der Vergangenheit inspirieren lässt, anders kann man die Forderung nach mehr Ports kaum verstehen. Wobei auch er einsieht, dass selbst ein Notfall-USB-A-Port eher nicht wahrscheinlich ist und Apple allenfalls noch mehr USB-C-Buchsen einbaut. Weg soll dafür die Touchbar und ein SD-Karten-Slot zurückkehren. Mit der Touchbar muss die TouchID nicht verschwinden, das zeigt ja das aktuelle Macbook Air - aber warum nicht auch auf dem Mac auf FaceID setzen? So dünn werden die Rahmen kaum werden, dass kein True-Depth-System darin Platz hätte. Das ist ja auch beim iPad Pro der Fall - und eine weitere Eigenheit des Tablets hätte Johnson gerne auf dem Macbook Pro: Den Apple Pencil, den man über das Trackpad bewegen könnte wie über ein Zeichentablet. Natürlich könnte Apple auch wieder eine Tastatur mit größerem Tastenhub einbauen, aber auch das ist eher ein wenig rückwärts gedacht, ebenso wie der Wunsch, das Apple-Logo auf der Rückseite wieder zum Leuchten zu bringen. Verständliches Verlangen, aber wohl kaum ein Wort in Apples Gehörgang.

Perspektive: Apple hat kürzlich Sam Jadallah eingestellt, der im Wesentlichen dazu beitragen soll, das HomeKit voranzubringen. Nach wie vor nehmen Hersteller den Standard nicht besonders gut an, Google und Amazon ziehen mit ihren Lösungen vorbei. Jadallah solle sich aber nicht nur darum kümmern, neue Partner für die Technologie zu gewinnen, sondern die Sache ruhig ein wenig größer angehen, meint Jason Snell in seiner Kolumne More Color. Dabei könnten auch neue Produkte zur Steuerung des smarten Heims helfen, die Apple so noch nicht respektive nicht mehr im Portfolio hat. Eine Soundbar etwa würde nicht nur besten Ton auf Fernsehapparate bringen, die per Apple TV schon mit bestem Bild versorgt sind, sondern neben dem Homepod eine weitere Zentrale für Sprachsteuerung bilden. In Sachen WiFi hat Apple nach dem Ende seiner Airport-Produkte auch wieder Nachholbedarf, den smarte Mesh-Lösungen decken könnten.

Wachstum : Apple Pay wird von Apple-Nutzern anscheinend gut angenommen. Wie die Loup-Ventures-Analysten Gene Munster und Will Thompson berechnen, hatten im Dezemberquartal 2018 43 Prozent der iPhone-Nutzer weltweit sich für Apple Pay registriert. Im Septemberquartal seien es noch 36 Prozent gewesen und im Dezember 2017 nur 20 Prozent. Basierend auf einer installierten Basis von 900 Millionen würde das 383 Millionen Apple-Pay-Nutzer ergeben. Vor allem Apple Pay direct, das Apple seit Januar 2018 in den USA anbietet, habe zum jüngsten Wachstum beigetragen, schreiben die Marktexperten. Das Bezahlsystem erweise sich vor allem außerhalb der USA als Knüller, während 21 Prozent der aktivierten iPhones in den USA lokalisiert sind, entfallen nur 12 Prozent der Apple-Pay-Konten darauf. Der Einsatz in öffentlichen Verkehrsmitteln habe vor allem in UK, China, Japan und Russland zum Erfolg beigetragen. Je weiter sich Apple Pay als Zahlungsmethode bei Händlern, Gemeinden, Universitäten und im öffentlichen Verkehr verbreite, desto stärker werde der Service wachsen.

Hat geklappt: Eine Preview seines Klapphandys hatte Samsung schon im letzten Jahr gegeben, gestern in San Francisco schließlich die finale Version des Galaxy Fold vorgestellt. Der Preis lässt aufhorchen: Ab 1980 US-Dollar soll das Klappwunder kosten, in Deutschland also über 2000 Euro. Zusammengefaltet ist es wie ein 4,6-Zoll-Smartphone, im ausgeklappten Zustand bietet es auf seinem inneren Schirm eine Fläche von 7,3 Zoll und die Möglichkeit, bis zu drei Fenster darauf abzubilden. Sechs Kameras sind rund um das Gerät verteilt.

Ohrstecker: Wie erwartet hat Samsung gestern mit den Galaxy Buds True-Wireless-Kopfhörer vorgestellt, die nicht von ungefähr an die Airpods erinnern. Deren erster Generation haben die Galaxy Buds aber etwas voraus: Das zugehörige Ladecase lässt sich drahtlos aufladen und das sogar von den neuen Galaxy S10 aus. Apple hat eine drahtlose Ladebox für die Airpods bereits im September 2017 zusammen mit der Ladematte Airpower angekündigt, von beiden Geräten ist bisher nichts zu sehen. Glaubhaften Gerüchten zufolge sollen aber auch Apples im September erwartete neue iPhones das inverse Laden beherrschen - bis dahin sollten die Airpods 2 samt ihre Wireless Case auch im Handel sein. Die Galxy Buds sollen 139 US-Dollar kosten und ab 8. März erhältlich sein.

Weitere Nachrichten:

Google packt Mikrofon ins Gerät und erzählt es keinem

Die Verwunderung war groß, als Google kürzlich erklärte, dass seine Heim-Sicherheitsanlage Nest Secure per Update eine Unterstützung für Google Assistant erhält. Wie sollte das Gerät auf Sprachkommandos hören können, wenn sich darin kein Mikrofon befindet? Schnell wurde die Produktbeschreibung geändert und Google räumte ein: In dem Gerät befindet sich ein Mikrofon.

Einige Tage später folgt nun auch noch die Entschuldigung von Google. Wie Businessinsider meldet , habe ein Google-Sprecher erklärt, dass man bei Google einen Fehler gemacht habe. In dem Produkt sei schon immer ein Mikrofon gewesen und man habe seitens Google kein Geheimnis daraus machen wollen. "Wir hätten es in den technischen Spezifikationen listen sollen. Dies war ein Fehler auf unserer Seite", so der Sprecher.

Immerhin erklärte Google auch, dass das Mikrofon in dem Sicherheitsprodukt bisher zu keinem Zeitpunkt eingeschaltet gewesen sei und damit die Nutzer auch nicht unwissentlich belauscht wurden. Das Mikrofon sei für den Fall eingebaut worden, dass man es für künftige Sicherheits-Updates brauchen könnte. Etwa für die Erkennung der Geräusche beim Zerschlagen einer Fensterscheibe.

Beunruhigend ist der Vorfall vor allem deshalb, weil es ein Sicherheitsprodukt betrifft. Die Käufer wollen sich damit vor Einbrechern schützen und erfahren nun viele Monate nach dem Produktstart, dass das Gerät über eine Funktion verfügt, die bisher allgemein nicht bekannt war. Und hinzu kommt, dass es sich mit Google Assistant dabei um eine Funktion handelt, die durchaus problematisch für Nutzer ist, die Wert auf ihre Privatsphäre legen.

Kultusministerium: Datenschutz bei WhatsApp in Schule gefährdet

Der Messenger WhatsApp wird in immer mehr Schulen dazu genutzt, um die Kommunikation zwischen Lehrer, Klasse und Eltern abzuwickeln. Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Alexander Lorz, sieht darin ein datenschutzrechtliches Problem : Über derartige Dienste dürften keine personenbezogenen Daten ausgetauscht werden. Im Falle einer Krankmeldung per WhatsApp sei dieser Anspruch nicht gewährleistet. Genauso sollten Informationen, die den Unterricht oder die Benotung betreffen, nicht über Dienste wie WhatsApp besprochen werden. 

In einigen Bundesländern sei die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Eltern schon untersagt. Eine deutschlandweit einheitliche Regelung gebe es aber nicht. In Niedersachsen sei man gerade dabei, alternative Messenger zu finden, die den Anforderungen des Datenschutzes gerecht werden. Mit Elternportalen will sich der Deutsche Lehrerverband dem Problem von einer anderen Seite nähern. Hier könne man die Kommunikation durch Passwörter schützen und gleichzeitig unter die Aufsicht der Schule stellen. Nach Ansicht des Präsidenten des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, seien hier die Bundesländer in der Pflicht. Diese sollten sich auch dringend um landesweite Lernplattformen sowie Schoolclouds kümmern.

 

Steam: Valve stellt Spielfilm-Rubrik ein

In den vergangenen Jahren wollte Valve seine Download-Plattform Steam nicht nur als Spiele-Portal, sondern auch als Video-Dienst etablieren. Aus diesem Grund hatte das Unternehmen in einer zusätzlichen Kategorie sowohl kostenpflichtige als auch kostenlose Spielfilme für seine Nutzer bereitgestellt. Wie Valve heute bekannt gibt , soll diese Rubrik in Kürze eingestellt werden. Die Nutzungsstatistiken hätten dem Unternehmen gezeigt, dass Steam-Nutzer auf Spiele bezogene Inhalte bevorzugen würden, heißt es in der offiziellen Stellungnahme.

Im Laufe der nächsten Wochen will Steam aus diesem Grund Video-Inhalte, die keinen Gaming-Bezug haben, aus dem entsprechenden Menüpunkt im Steam Store entfernen. Filme, die von Nutzern gekauft wurden, sollen aber auch weiterhin in deren Bibliothek verfügbar bleiben. Filme mit Gaming-Bezug, wie etwa Videospielverfilmungen, werden laut Steam in Zukunft direkt über die zugehörige Spiele-Seite gelistet und angeboten.

Valve hat heute außerdem eine neue Steam-Startseite freigeschaltet. Die Landing-Page informiert Nutzer unter anderem über die Features von Steam, führt zum Download-Link für den Client und zeigt die aktuellen Nutzerzahlen. In diesem Jahr soll auch der Steam-Client ein neues Design bekommen. Konkrete Details dazu stehen jedoch noch aus.

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