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Morgenmagazin vom Donnerstag, 22. Dezember 2016

22.12.2016 | 06:54 Uhr |

Nokia verklagt Apple wegen H.264-Patenten +++ Mac Pro bald auch in Asien produziert? +++ Zweite Beta für drittes Sierra-Update +++ 12 Star Apps: Bis zu 80 Prozent Rabatt auf Apps für iOS und Mac +++ Europäischer Gerichtshof verbietet allgemeine Vorratsdatenspeicherung +++ Live Audio: Facebook wird zum Radiosender +++ SolarStratos: Solarflugzeug soll in Stratosphäre durchstarten

22. Dezember: Eifrig bis zuletzt

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Das Jahr plätschert allmählich seinem Ende entgegen, nur noch ein paar letzte Handgriffe, dann kann man sich endlich in den Weihnachtsurlaub begeben. Es wird nicht mehr viel passieren, weder heute, noch morgen noch in der Zeit bis zum Dreikönigstag. In Zeiten wie diesen muss man ja sagen: Hoffentlich.

Der 11. April 1954 gilt ja generell als langweiligster Tag des letzten Jahrhunderts, wenn man sich aber das Datum des 22. Dezember ansieht, mag man meinen, den langweiligsten Tag des Jahreslaufes vor sich zu haben. Nicht mal ein heiliger steht im Kalender, demzufolge auch keine Bauernregel. Gut, zwei der drei BeeGees wurden an einem 22. Dezember geboren, im Jahr 1949 die mittlerweile verstorbenen Zwillinge Robin und Maurice Gibb. Auch der ostfriesisch-kölsche Gitarrist Helmut Krumminga (ehedem bei BAP Nachfolger des Major, mittlerweile aber wieder solo) hat heute Geburtstag, den 55sten. Heute vor zwei Jahren verstarb Joe Cocker und mag es kaum glauben, dass es auch andere Jahre als das üble 2016 große Musiker dahinrafften - die Gibbs verstarben 2003 und 2012, auch Lemmy Kilmister hat 2016 verpasst, wenn auch nur knapp.

Alles in allem ist der 22. Dezember also zum Vergessen und irgendwie haben wir die Hoffnung, dass das auch heute so bleibt. Nur ein wichtiges Ereignis jährt sich heute zum 69sten mal - aber selbst in diesem Fall könnte auch eher der 23. Dezember als Jahrestag stehen. Denn an jenem letzten vollen Werktag vor Weihnachten präsentierten die Physiker John Bardeen, Walter  Brattain und William B. Shockley in den Bell Laboratories ihre tags zuvor gemachte Entdeckung. In einem Experiment mit einem Halbleiter, der mit Germanium dotiert war, hatten sie ein Schaltelement gefunden, das zuvor zwar schon beschrieben war aber nun einen Durchbruch in der Inforamtionstechnologie bringen sollte: Den Transistor. Genauer gesagt den Bipolartransistor. Seinen Namen bekam das Bauteil zwar erst ein gutes Jahr später verpasst, im Jahr 1956 bekamen die drei den Nobelpreis für Physik verliehen. Völlig zurecht, denn es handelte sich um eine Jahrhundertentdeckung, die nur gelang, weil Wissenschaftler eben nicht schon zwei Tage vor Weihnachten die Arbeiten einstellen. In diesem Sinne werden auch wir heute wieder fleißig sein, auch wenn die Ergebnisse unseres 22. Dezembers vermutlich nicht für einen Nobelpreis reichen werden.

John Bardeen durfte übrigens 16 Jahre später nochmals die Reise nach Stockholm antreten, zusammen mit Leon Cooper und John Schrieffer beschrieb er die theoretischen Grundlagen der Supraleitung, weswegen diese auch BCS-Theorie heißt. Auch die Supraleitung kennt technische Anwendung, doch hat diese enge Grenzen. Die praktische Anwendung des Transistors indes hat in den letzten 69 Jahren die Welt in eine völlig andere verwandelt. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Patentklagen: Jetzt streiten sich auch noch Apple und Nokia um Mobilfunkpatente. Der finnische Konzern hat gestern in Deutschland und den USA Klage geben Apple erhoben, das 32 Patente verletzte, darunter auch solche, die den Videocodec H.264 betreffen. Insgesamt fünf Prozesse stehen an, womit Nokia auf eine von Apple erhobene Klage reagiert. Seit Dienstag wirft Apple Nokia in Kalifornien vor, das Unternehmen würde mit den Patenttrollen Acacia Research und Conversant Intellectual Property Management kooperieren, um in unfairer und wettbewerbswidriger Weise "exorbitante Gewinne" Apple und anderen Smartphoneherstellern zu entziehen. Nokia entgegnet, Apple habe es bisher versäumt, die H.264 betreffenden Patente in fairer Weise zu lizenzieren. Weitere Klagen neben zweien in Texas und jeweils einer an den Gerichten von Mannheim, Düsseldorf und München sind angedroht.

Einige Neuheiten: Für Adobe hat das Jahr 2017 schon begonnen, Photoshop, Indesign und Co. liegen mittlerweile als CC 2017 vor - die CC 2016 war zugunsten eines Updates 2015.5 ausgefallen. Vor allem das Layoutprogramm Indesign bekomme etliche Neuerungen, unsere Kollegen der Macworld haben sie ausführlich getestet. Indesign ist demnach besser im Umgang mit Open-Type-Fonts geworden, optimiert hat der Hersteller zudem die Darstellung auf Retina-Displays und das Öffnen von Dateien, die auf Netzwerkservern liegen.

In die andere Richtung: Der President Elect fordert Apple auf, seine Produktion in die USA zu verlagern und dort neue Jobs zu schaffen, doch laut eines Berichts des Investorenportals Motley Fool könnte der Mac-Hersteller die andere Richtung einschlagen. Denn die Erfahrungen mit der Produktion des Mac Pro in Austin/Texas habe bei einigen Ingenieuren des Unternehmens Überlegungen ausgelöst, auch dieses Produkt in Asien fertigen zu lassen. Der Grund sei nicht nur, dass die Arbeit dort billiger erledigt werde, man finde dort auch besser geeignete Arbeiter.

Zarte Bande: Der iPhone-Jahrgang von 2017 könnte sich drahtlos aufladen lassen, heißt es seit geraumer Zeit in Analystenkreisen. In dieses Bild passen die Kooperationen, die Apple derzeit laut des Marktbeobachters  Louis Basenese mit dem Spezialisten für induktive Ladesysteme Energous aufbaut. So sollen langjährige Apple-Manager zu dem Start-Up gewechselt sein, um es bei den behördlichen Freigabeprozessen für seine Technologien zu unterstützen. Ein drahtloses Ladesystem von Energous soll mit dieser Hilfe bis zur zweiten Jahreshälfte 2017 marktreif sein, was wunderbar in den Zeitplan passen könnte.

Beta: Nun haben auch die Teilnehmer an Apples öffentlichem Beta-Programm die zweite Vorabversion von macOS 10.12.3 erhalten, einen Tag, nachdem registrierte Entwickler darauf Zugriff erhielten. Neue Funktionen bringt das Update nicht, stattdessen konzentriert sich Apple laut Release-Notes auf Verbesserung der Leistung und Stabilität des Systems.

Weitere Nachrichten:

12 Star Apps: Bis zu 80 Prozent Rabatt auf Apps für iOS und Mac

Im Rahmen des sogenannten „12 Star Apps“-Gemeinschaftsprojekts stehen eine Reihe ausgewählter Apps zu vergünstigten Preisen zur Verfügung. An dem Projekt sind europäische Indie-Entwickler beliebter Apps für iOS und Mac beteiligt, die ab dem 23. Dezember bis zum 05. Januar nach und nach bestimmte Apps anbieten.
 
Dazu zählen:

  • Ulysses

  • QuickScale

  • Quadro

  • Deckset

  • GhostReader Plus

  • Working Copy

  • Remote Buddy

  • Spacious

  • Byword

  • Streets

  • Hydra

  • Carbo

  • Linky

  • MathX

  • iSubtitle 3

  • ColorSnapper 2

Wer an der Aktion teilnehmen möchte, kann sich auf der Webseite beim 12 Star Apps-Programm registrieren und somit auch über weitere Ereignisse benachrichtigen lassen. Denn auch im nächsten Jahr planen die Entwickler so manche Aktion. Egal ob Apps für Präsentationen, Schreib-Software oder Bildbearbeitung: Für Schnäppchenjäger dürfte auf jeden Fall etwas dabei sein.

Europäischer Gerichtshof verbietet allgemeine Vorratsdatenspeicherung

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden: „Die Mitgliedstaaten dürfen den Betreibern elektronischer Kommunikationsdienste keine allgemeine Verpflichtung zur Vorratsdatenspeicherung auferlegen“. Eine „allgemeine und unterschiedslose Vorratsspeicherung von Verkehrs- und Standortdaten“ ist nicht rechtens.

Dagegen ist die Vorratsdatenspeicherung aber in konkreten Fällen erlaubt (gezielte Vorratsdatenspeicherung). Aber nur zur „Bekämpfung schwerer Straftaten“. Der Umfang der gespeicherten Informationen müsse auf "das absolut Notwendige" beschränkt werden, so die Richter.

Die Mitgliedsstaaten der EU müssen bei ihren Gesetzen zur Vorratsdatenspeicherung aber diverse Punkte einschränken: Bei der gezielten Vorratsdatenspeicherung müssen die Mitgliedsstaaten die Kategorien der zu speichernden Daten, die erfassten Kommunikationsmittel, die betroffenen Personen und die vorgesehenen Dauer der Speicherung auf das absolut Notwendige beschränken.

Das EuGH stellt zudem fest, dass eine unabhängige Stelle den Zugriff der Behörden auf die Daten kontrollieren muss. Die erfassten Daten müssen zudem innerhalb der EU gespeichert werden.

Anlass für das jetzt ergangene Urteil des EuGH war die Anfrage eines schwedischen und eines britischen Gerichts dazu, ob eine Speicherpflicht gegen EU-Recht verstoße.

Die Auswirkungen des EuGH-Urteils auf das 2015 beschlossene Gesetz der Bundesrepublik Deutschland zur Vorratsdatenspeicherung müssen noch geprüft werden: Telekommunikationsunternehmen, Internetprovider und andere Zugangsanbieter müssen nach diesem Gesetz verdachtsunabhängig die Verbindungsdaten aller Bürger für Internet- und Telefon-Verbindungen (Telefonnummer, IP-Adresse, Standort; nicht aber die Inhalte) zehn Wochen lang speichern (wer hat wann mit wem telefoniert oder gemailt). Die Standortdaten von Handys und anderen Mobilgeräten müssen vier Wochen lang gespeichert werden. Daraus lassen sich Bewegungsprofile erstellen.

Die verdachtsunabhängige Speicherung in Deutschland könnte zum Beispiel der EuGH-Vorgabe widersprechen, nach der nur in konkreten Fällen zur Bekämpfung schwerer Straftaten Daten gespeichert werden dürften.


Live Audio: Facebook wird zum Radiosender

Neben Video-Inhalten will sich Facebook künftig auch verstärkt auf Audio-Content konzentrieren. Passend dazu launcht das soziale Netzwerk in dieser Woche die neue Live-Audio-Funktion . Das Feature richtet sich an Nutzer, die zwar live senden möchten, dazu jedoch kein Video benötigen.

Live Audio eignet sich beispielsweise für Podcasts, Nachrichten oder Interviews. Ebenso wie bei Live Videos können Hörer neue Inhalte über ihren Feed entdecken und Beiträge kommentieren. Im Gegensatz zu den Live-Video-Übertragungen funkioniert Live Audio auch in Lokalitäten mit schwacher Netzabdeckung.

Live Audio startet heute mit dem News-Radio BBC World Service, dem Talk-Radio LBC, dem Buchverlag Harper Collins sowie den beiden Autoren Adam Grant und Britt Bennett. Im nächsten Jahr sollen weitere hinzukommen. Live Audio funktioniert bei Android-Nutzern auch nach dem Verlassen der Facebook-App, iOS-Nutzer können sich beim Hören leider nur innerhalb der App bewegen.

SolarStratos: Solarflugzeug soll in Stratosphäre durchstarten

Der Schweizer Abenteurer Raphaël Domjan will in seinem neuen Projekt SolarStratos die Stratosphäre erobern. Ein eigens entwickeltes Solarflugzeug soll allein durch die Energie der Sonne in eine Höhe von über 25 Kilometern vorstoßen. Den Machern geht es dabei nicht nur um einen neuen Rekord, auch kommerzielle Anwendungen sollen sich für das Vorhaben finden lassen.

Das elektrisch angetriebene Propellerflugzeug kann Höhen erreichen, die für konventionelle Düsenantriebe aufgrund der geringen Luftdichte nicht zu schaffen sind. Das 8,5 Meter lange Flugzeug kommt auf eine Spannweite von fast 25 Metern und wiegt dennoch nur 450 Kilogramm. Auf den Flügeln und dem Höhenruder sind Solarzellen untergebracht, die ultraleichte Lithium-Ionen-Batterien speisen. 

Die Höhe ist jedoch auch für die beiden Piloten ein Problem: 25 Kilometer über der Erdoberfläche herrschen Temperaturen von minus 70 Grad Celsius. Neben einem speziellen Druckanzug gehört auch eine Sauerstofflasche zur Grundausrüstung. Die ersten Testflüge von SolarStratos sollen im Februar 2017 beginnen. 

Gleichzeitig sucht das Projekt nach kommerziellen Anwendungsmöglichkeiten für den Solarflieger. Neben Passagierflügen streben die Macher langfristig sogar Linienflüge an, etwa von Wien nach München mit bis zu 25 Teilnehmern. Auch wissenschaftliche Missionen seien denkbar. Durch die große Höhe, die das Solarflugzeug erreichen kann, könnten Messungen durchgeführt werden, die sonst nur mit Heliumballonen möglich wären. 

Ebenfalls ausgelotet wird die Möglichkeit, unbemannte Solarflieger als atmosphärische Satelliten zu nutzen. Diese könnten in der Stratosphäre als Telekommunikationsrelais dienen oder die Erdoberfläche fotografieren.

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