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Morgenmagazin vom Donnerstag, 23. Juli 2015

23.07.2015 | 07:06 Uhr |

23. Juli 2015 +++ Zweite Public Beta für El Capitan +++ Sicherheitslücke in OS X +++ Apple Watch: Marktanteil 75 Prozent +++ Google Maps: Neue Funktion zeigt, wo Sie schon waren +++ Tinder für Musik +++ Neue Bergkette auf Pluto entdeckt – und Mond leuchtet rot +++ Interview: Sein Programm konnte NSA nicht knacken

Was heute wichtig wird: 23. Juli 2015

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Die letzte Wiederkehr des Halley'schen Kometen war im Jahr 1986 für Sternengucker eine leichte Enttäuschung. So richtig hell wurde der berühmteste Vertreter seiner Art diesmal nicht und kam in unseren Breiten auch kaum über den Horizont. Zudem machte er uns die Aufwartung im Spätwinter, der Himmel war selten klar und damit die Gelegenheit, ihn mit bloßem Auge oder einem Feldstecher zu bewundern. Ganz anders der Besuch davor, als 1910 die halbe Welt Panik bekam vor den vermeintlich giftigen Gasen in seinem Schweif. Gasmasken waren seinerzeit der Renner, gebraucht wurden die dann ein paar Jahre später zu einem ganz anderem Anlass. Immerhin konnten Weltraumforscher im Jahr 1986 mit der Sonde Giotto neue Erkenntnisse über Form und Zusammensetzung von Halley gewinnen, wenn er um 2062 herum wiederkehrt, wird kein Anlass zur Panik bestehen.

Ein Jahrzehnt später lieferte das Sonnensystem dann die Entschädigung für Halleys schwachen Auftritt. Sowohl 1996 als auch 1997 tanzten zwei Kometen über Wochen spektakulär am Nachthimmel: Hyakutake und Hale-Bopp. Letzterer wurde heute vor exakt 20 Jahren von den beiden Astronomen Alan Hale und Thomas Bopp unabhängig voneinander entdeckt, schon wenig später war Wissenschaftlern bewusst, dass der Komet der Sonne sehr nahe kommen und daher sehr hell leuchten würde. Wer Hale-Bopp verpasst hat (obwohl der icht zu verpassen war...) oder sich einfach nur auf seinen nächsten Besuch freut, muss leider lange warten. Zwar hat der Jupiter beim Vorbeiflug die Bahn des Kometen wesentlich verändert, seine Umlaufzeit um die Sonne beträgt aber immer noch 2540 Jahre. Sehr wahrscheinlich wird er bis dahin längst in Vergessenheit geraten sein und einen neuen Namen bekommen haben. Aber immer wieder tauchen Kollegen von Hale-Bopp aus den Tiefen des Raumes auf und erleuchten den Nacht- und selten sogar den Taghimmel. Wie spektakulär das letztlich sein wird, lässt sich bei den fragilen Gebilden aus der Oort'schen Wolke schlecht vorher sagen. So bestand im Jahr 2013 die Hoffnung, dass ausgerechnet in der Adventszeit der Komet Ison seinen Auftritt als Weihnachtsstern hinlegen wird. In der Nähe der Sonne zerbrach der Fels- und Eisbrocken aber in tausende Stücke, nichts war es mit dem vorweihnachtlichen Kitsch. Vielleicht besser so, denn der Stern aus der Weihnachtsgeschichte war womöglich eine reale und seltene scheinbare Mehrfachbegegnung von Jupiter und Saturn aber mit Sicherheit kein Komet. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Noch besser als Time Machine: Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Backup ist Pflicht. Das in das System integrierte Time Machine ist ein guter Anfang, aber RAID ist besser. Unsere Kollegen der Macworld zeigen, wie man mit wenig Aufwand und geringen Kosten ein sicheres RAID konfiguriert und so keine Angst mehr vor Datenverlust zu haben braucht.

Zweite Public Beta für El Capitan: Nachdem Entwickler gestern schon neue Vorabversionen von OS X 10.11 El Capitan und iOS 9 erhalten haben, stellt Apple nun auch für den öffentlichen Beta-Test die zweite Fassung des neuen Mac-Betriebssystems zur Verfügung. Wesentliche Änderungen sind nicht im System erkennbar, nur die üblichen Fortschritte bei der Fertigstellung des Betriebssystems.

Bug in OS X: Der Sicherheitsexperte Stefan Esser hat in OS X einen Fehler entdeckt, der Angreifern unter Umständen Root-Rechte gewähren könnte. Während die Lücke in OS X 10.10.4 und er der Beta von OS X 10.10.5 besteht, ist sie in OS X El Capitan verschwunden. Esser hat dafür keine eindeutige Erklärung: Entweder ist sie in OS X 10.11 aufgrund allgemeiner Code-Aufräumarbeiten geschlossen worden oder Apple kümmert sich in Sachen Sicherheit nicht mehr ausreichend um "alte" System und konzentriert sich stattdessen auf die Neuentwicklung.

Neue Firmware für Macbook Pro : Für Macbook Pro des Modelljahres 2015 hat Apple gestern das MacBook Pro Flash Storage Firmware Update 1.0 veröffentlicht, das einige Fehler beheben und somit vor Datenverlust schützen soll.

Top statt Flop: Apples beredtes Schweigen zur Apple Watch lässt vielerlei Schlüsse zu, die Süddeutsche Zeitung versucht sich heute auf Seite Drei etwa mit recht provokanten Fragen, auf die sie aber keine Antworten findet. Apple wiederholt sein Mantra, nichts zu sagen, damit die Konkurrenz keine Einblicke erhält, behauptet aber, die Apple Watch sei besser gestartet als seinerzeit iPhone und iPad. Die Marktforscher von Strategy Analytics haben nun ihrerseits versucht, zahlen zu ermitteln und kommen dabei zu für Apple erfreulichen Ergebnissen. Demnach habe Apple bereits vier Millionen Watches verkauft und halte damit einen Marktanteil von 75 Prozent. Vor allem Samsungs Verkäufe hätten unter dem neuen Mitbewerber schwer gelitten. nach wie vor wird wohl aber nur Apple wissen, was der Grund dafür ist, dass man heute ohne Vorbestellung und Wartezeit eine Apple Watch kaufen kann: Ist die Nachfrage gefallen oder hat Apple Problem bei der Produktion überwunden?

Weitere Nachrichten

Google Maps: Neue Funktion zeigt, wo Sie schon waren

Google fügt seinem Kartendienst Google Maps die neueFunktion "Your timeline" ("Ihre Zeitleiste") hinzu. Aktuell wirddie Funktion im englischsprachigen Raum ausgeliefert. In dernächsten Zeit dürfte sie aber auch bei den deutschen Nutzernauftauchen. Wie Google mitteilt, werden in "Your timeline" in zeitlicher Sortierung alleOrte angezeigt, in denen der Nutzer schon mal gewesen ist. Genauer:An den Orten, an den er mit einem Google-Maps-Gerät gewesenist.

Der Nutzer kann so beispielsweise fast minutengenauspäter verfolgen, wann er auf welcher Straße gegangen ist undwelche Sehenswürdigkeit er sich angeschaut hat. Sollte der NutzerGoogle Fotos verwenden, werden die dort abgelegten Fotos ebenfallsverwendet. Google betont, dass die Inhalte in "Your timeline" nurdem jeweiligen Nutzer zugänglich und sichtbar sind. Außerdem darfder Nutzer auch besuchte Orte löschen, damit sie nicht mehr in derÜbersicht erscheinen. Außerdem darf der Nutzer auch jedengespeicherten Ort editieren und so um persönliche Informationenergänzen. Aus einem Haus an einer Adresse wird so beispielsweise"Haus meiner Eltern" und Google Maps zeigt künftig dieseBezeichnung auch an.

Voraussetzung für die Nutzung von "Your Timeline" ist,dass der Nutzer in den Einstellungen seines Google-Kontos diesogenannte Speicherung des Standortverlaufs aktiviert hat. WeitereInfos zu dieser Einstellung finden Sie in unserem Ratgeber zum Standortverlauf.

Tinder für Musik

Die Android- und iOS-App The Best Song macht sich das simple Prinzip der App Tinder zunutze. Während der Nutzer bei der Dating-Anwendung Profilfotos zu sehen bekommt, lässt ihn The Best Song Musikstücke aus unterschiedlichen Quellen Probehören.

Bei Gefallen, wird der Song per Herz-Icon als Favorit markiert und landet in der Playlist. Trifft er den Musikgeschmack nicht, kann per Druck auf das Kreuz-Icon das nächste Lied per Zufallsprinzip gewählt werden. Mit Fun-Filtern können die Songs in der App zudem nach witzigen Kategorien sortiert werden. So bekommt der Nutzer beispielsweise alle Lieder zu hören, die eine Katze auf dem Cover tragen.

Kuratierte Playlisten von Musikexperten bietet die App ebenfalls. Haben sich Freunde für den Dienst registriert, kann der Nutzer auch in deren Playlisten und Lieblingssongs stöbern. In der neuesten Version der Software können Playlisten außerdem zu Deezer oder Spotify exportiert werden.

Neue Bergkette auf Pluto entdeckt – und Mond leuchtet rot

Die Nasa hat neue Aufnahmen von New Horizons veröffentlicht. Sie zeigen eine bisher unbekannte Bergkette im „Herzen“ von Pluto, der so genannten Tombaugh Regio. Und zwei bisher kaum bekannte Monde von Pluto.

Neu entdeckte Bergkette in der Tombaugh Regio

Die jetzt entdeckte Bergkette liegt am südwestlichen Rand von der herzförmigen Region auf Pluto, die die Nasa-Wissenschaftler auf den Namen Tombaugh Regio (nach dem Entdecker des Planeten Pluto) getauft haben. Direkt westlich neben der Sputnik-Ebene, einer riesigen Krater-freie Eisfläche. Die Berge befinden sich auf dem Foto zwischen der hell erscheinenden Sputnik-Eisfläche und einem dunklen von vielen Kratern durchsetzten Gebiet.

New Horizons nahm dieses Foto mit seinem Long Range Reconnaissance Imager (LORRI) bereits am 14. Juli aus einer Entfernung von 77.000 Kilometer auf. Die Sonde sendete das Foto dann am 20. Juli zur Erde. Auf dem Foto lassen sich Details bis zu einer Größe von rund einem Kilometer erkennen.

Die mit Eis überzogenen Berge dürften zwischen 1 und 1,5 Kilometer hoch sein. Damit entsprechen sie von der Höhe in etwa dem Appalachen-Gebirge in der östlichen USA, wie die Nasa erläuternd hinzufügt. Die auf den bereits früher übertragenen Fotos von New Horizons entdeckte erste Bergkette, die die Wissenschaftler auf den Namen Norgay Montes tauften, ist dagegen höher und rund 3 Kilometer hoch. Diese Berge lassen sich höhenmäßig mit den im Westen der USA gelegenen Rocky Mountains vergleichen. Die jetzt neu entdeckte Bergkette liegt rund 110 Kilometer nordwestlich der Norgay Montes.

Die Sputnik-Ebene gilt als vergleichsweise jung, vermutlich weniger als 100 Millionen Jahre alt. Wohingegen die dunkle Krater-Landschaft wahrscheinlich mehrere Milliarden Jahre alt ist, wie die Nasa erklärt.

Die Pluto-Monde Nix (links) und Hydra (rechts).
Vergrößern Die Pluto-Monde Nix (links) und Hydra (rechts).
© Nasa

Fotos von Nix und Hydra

Die beiden anderen spannenden neuen Fotos zeigt die Pluto-Monde Nix und Hydra. Bei Nix fällt auf dem von der Nasa nachbearbeiteten Foto die rote Färbung auf. Den Grund dafür kennen die Wissenschaftler noch nicht. Die Aufnahme von Nix machte New Horizons am 14. Juli 2015. Das Foto traf am 18. Juli auf der Bodenstation, dem Nasa-Kontrollzentrum "Mission Operations Center (MOC)" an der Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory (APL) in Laurel, Maryland, ein. New Horizons war 165.000 Kilometer von Nix entfernt. Auf dem Foto lassen sich Details bis hinab zu einer Größe von 3 Kilometern erkennen. Nix selbst ist ein Winzling mit einer Länge von 42 Kilometern und einer Breite von 36 Kilometern.

Der Mond Hydra wiederum wurde aus seiner Entfernung von 231.000 Kilometern aufgenommen. Ebenfalls am 14. Juli. Hydra ist 55 Kilometer lang.

Der größe Pluto-Mond ist Charon, der auch als erster Pluto-Mond von der Erde aus entdeckt wurde. Nix und Hydra waren in der Reihenfolge der Entdeckung dann die Monde 2 und 3. Sie wurden im Jahr 2005 mit dem Hubble-Weltraumteleskop entdeckt. Pluto besitzt insgesamt fünf Monde. Die beiden anderen Monde heißen Styx und Kerberos – die mythologische griechische Unterwelt ist also munter in und um Pluto versammelt. Von Styx und Kerberos, den beiden als letztes entdeckten Pluto-Monden, erwartet die Nasa auch als letztes Fotos - bis Mitte Oktober sollen die Fotos von New Horizons eintreffen.

Jubel brach im Nasa-Kontrollzentrum "Mission Operations Center (MOC)" an der Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory (APL) in Laurel, Maryland, aus, als feststand, dass New Horizons den Vorbeiflug an Pluto überstanden hat.
Vergrößern Jubel brach im Nasa-Kontrollzentrum "Mission Operations Center (MOC)" an der Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory (APL) in Laurel, Maryland, aus, als feststand, dass New Horizons den Vorbeiflug an Pluto überstanden hat.
© Nasa

Interview: Sein Programm konnte NSA nicht knacken

Unsere Kollegen der PC-WELT hat sich mit dem Mann unterhalten, der das Projekt GnuPG seit Jahren betreut und zeitweise ganz alleine am Leben gehalten hat. Mehr zu GnuPG und zu Werner Koch finden Sie in dem ausführlichen Beitrag „ Die NSA-sichere Verschlüsselung made in Germany “.

PC-WELT:   Im Dezember 2014 wurde auf dem 31. Chaos Communication Congress bekannt, dass die NSA höchstwahrscheinlich Ihre Mailverschlüsselung nicht knacken kann. Was war das für ein Gefühl als Sie so schlagartig ins Rampenlicht gestellt wurden?

Koch:  Nun ja, in der Hacker-Szene und bei vielen Unix-Admins bin ich ja schon seit langer Zeit bekannt. Es war aber schön zu sehen, dass die staatlichen Schnüffelorganisationen wohl doch größere Probleme mit GnuPG oder OTR ( Off-the-Record-Messaging ) haben. Das Misstrauen, das viele der Verschlüsselung S/MIME und der damit verbundenen Infrastruktur entgegen gebracht haben, hat also wohl doch einen wahren Kern.

Die vielen tausend Dankesmeldungen, die zusammen mit den Spenden kamen, waren eine erfreuliche Lektüre und zeigen, dass unsere Arbeit sinnvoll ist.

PC-WELT:   Viele Firmen haben Ihnen nach dem 31. CCC finanzielle Unterstützung für Ihr Projekt GnuPG versprochen. Ist das Geld auch angekommen?

Koch:  Neben den 200 000 Euro, die alleine direkt via  https://gnupg.org/donate/  kamen, erhalte ich dieses Jahr jeden Monat 5000 Dollar von der Core Infrastructure Initiative . Aus steuerlichen Gründen sind auf mein Bitten hin die jeweils 50 000 Dollar von Stripe und von Facebook noch nicht ausgezahlt worden.

PC-WELT:   GnuPG ist ein Verschlüsselungscode, der von vielen Tools (Front-Ends) verwendet wird. Welches Mailprogramm empfehlen Sie einem Nutzer?

Koch:   Thunderbird mit dem Enigmail-Plug-in ist wohl die gängige Lösung für die meisten Benutzer. Ich halte zudem Claws-Mail für eine gute Alternative unter Windows. Es ist nur nicht so weit verbreitet und bietet weniger Hilfe im Internet. Für die Mac-Nutzer steht auch die neueste GPG-Suite (auch für OS X Yosemite) zur Verfügung (Anm. der Redaktion).

PC-WELT:   Planen Sie die Entwicklung einer koordinierten serverseitigen Schlüsselverwaltung für die öffentlichen Keys?

Koch: Eine serverseitige Schlüsselverwaltung wäre unbedingt notwendig; technisch haben wir das seit vielen Jahren bereits in GnuPG implementiert. Um es in der Praxis umzusetzen, wird aber die Bereitschaft der jeweiligen Mailanbieter benötigt.

Werner Koch hat die viel beachtete MailverschlüsselungGnuPG programmiert.
Vergrößern Werner Koch hat die viel beachtete MailverschlüsselungGnuPG programmiert.
© W. Koch
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