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Morgenmagazin vom Donnerstag, 23. Juli 2020

23.07.2020 | 07:10 Uhr | Peter Müller

+++ 23. Juli +++ Sony verkauft Klimaanlage für die Hosentasche +++ Jelly 2: Mini-Smartphone für die Hosentasche +++ KFC: Fast-Food-Kette will Chicken Nuggets aus dem 3D-Drucker +++

23. Juli: Schweifsterne

Macwelt wünscht Guten Morgen! Der Komet Neowise ist heute der Erde so nah wie nie, doch entfernt er sich schon wieder von der Sonne, weshalb der Staub- und der Gasschweif nicht mehr so hell leuchten. Dennoch ist jetzt die Gelegenheit zur Beobachtung die Beste, der Himmel ist meist klar und freundlicher Weise zeigt sich der schmutzige Schneeball bei diesem Besuch des inneren Sonnensystems nicht nur kurz vor Sonnenaufgang im Nordosten, sondern schon gegen Mitternacht im Norden, knapp über dem Horizont. Also Brille poliert, Teleskope gespitzt und ab auf einen Hügel mit halbwegs freien Blick – die Kampenwand würde sich anbieten. Für die meisten von uns kommt die nächste Chance der Neowise-Beobachtung zu spät, so in etwa 6766 Jahren. Kometen sind im wahrsten Sinne des Wortes extreme Exzentriker, mit sehr stark elliptischen Bahnen, das Perihel nahe der inneren Planeten und das Aphel weit draußen, nahe der Oort'schen Wolke, die noch niemand wirklich gesehen hat, deren Existenz in etwa einem Lichtjahr Entfernung nicht bezweifelt wird.

So wird Neowise wieder in den Weiten des Alls verschwinden und sich die Zivilisationen der Zukunft – sofern es welche gibt – nicht mehr an seinen Besuch in dem Jahr erinnern, in dem mal wieder eine Pandemie grassierte. Mit derartigen Umständen haben die Menschen früherer Jahrhunderte gerne Kometen in Zusammenhang gebracht, vor allem, wenn ein und der selbe im Zeitraum eines Menschenlebens zweimal auftauchte. Der berühmteste dieser zuverlässigen Exzentriker ist der heute nach Sir Edmund Halley benannte, der schon den Teppich von Bayeux zierte, Jahrhunderte vor Halley, und den Wilhelm der Eroberer angeblich als Signal deutete, gegen die Angelsachsen zu ziehen - 1066 war das.

Die bisher letzte Wiederkehr des Halley'schen Kometen war im Jahr 1986 für Sternengucker aber eine leichte Enttäuschung. So richtig hell wurde der berühmteste Vertreter seiner Art vor mehr als 34 Jahren nicht und kam in unseren Breiten auch kaum über den Horizont. Zudem machte er uns die Aufwartung im Spätwinter, der Himmel war selten klar und damit die Gelegenheit, ihn mit bloßem Auge oder einem Feldstecher zu bewundern.

Ganz anders der Besuch davor, als 1910 die halbe Welt Panik bekam vor den vermeintlich giftigen Gasen in seinem Schweif. Gasmasken waren seinerzeit der Renner, gebraucht wurden die dann ein paar Jahre später zu einem ganz anderem Anlass.

Immerhin konnten Weltraumforscher im Jahr 1986 mit der Sonde Giotto neue Erkenntnisse über Form und Zusammensetzung von Halley gewinnen, wenn er in der zweiten Jahreshälfte 2061 herum wiederkehrt, wird kein Anlass zur Panik bestehen.

Ein Jahrzehnt nach Halley letztem Besuch lieferte das Sonnensystem dann die Entschädigung für seinen schwachen Auftritt. Sowohl 1996 als auch 1997 tanzten zwei Kometen über Wochen spektakulär am Nachthimmel, weit spektakulärer als heute Neowise: Hyakutake und Hale-Bopp.

Letzterer wurde heute vor exakt 25 Jahren von den beiden Astronomen Alan Hale und Thomas Bopp unabhängig voneinander entdeckt, schon wenig später war Wissenschaftlern bewusst, dass der Komet der Sonne sehr nahe kommen und daher sehr hell leuchten würde. Wer Hale-Bopp verpasst hat (obwohl der nicht zu verpassen war...) oder sich einfach nur auf seinen nächsten Besuch freut, muss leider lange warten.

Zwar hat der Jupiter beim Vorbeiflug die Bahn des Kometen wesentlich verändert, seine Umlaufzeit um die Sonne beträgt aber immer noch 2540 Jahre, im Gegensatz zu Neowise besteht für einige von uns also noch Hoffnung. Aber wahrscheinlich wird auch er bis dahin längst in Vergessenheit geraten sein und bei der Wiederkehr einen neuen Namen bekommen.

Wie wir an Neowise sehen, tauchen immer wieder Kollegen von Hale-Bopp aus den Tiefen des Raumes auf und erleuchten den Nacht- und selten sogar den Taghimmel. Wie spektakulär das letztlich sein wird, lässt sich bei den fragilen Gebilden aus der Oort'schen Wolke schlecht vorher sagen. So bestand im Jahr 2013 die Hoffnung, dass ausgerechnet in der Adventszeit der Komet Ison seinen Auftritt als Weihnachtsstern hinlegen wird. In der Nähe der Sonne zerbrach der Fels- und Eisbrocken aber in tausende Stücke, nichts war es mit dem vorweihnachtlichen Kitsch. Vielleicht besser so, denn der Stern aus der Weihnachtsgeschichte war womöglich eine reale und seltene scheinbare Mehrfachbegegnung von Jupiter und Saturn aber mit Sicherheit kein Komet. Halley war zu der Zeit nachweislich nicht in Sonnennähe. Irgendwo da weit draußen hat er aber wieder Fahrt aufgenommen - und könnte uns allen in der zweiten Jahreshälfte 2061 ein Himmelspektakel liefern. Müssen bis dahin nur gesund bleiben.

Lesetipps für den Donnerstag

Geschichten aus der Geschichte : Apple ist das größte Unternehmen, das es je gab. Und war schon immer da. Nun ja, in Sachen Börsenwert liegt zwar nur das saudische Ölkonglomerat Aramco derzeit vor Apple, aber der Zustand als Technologie-Titan hält noch gar nicht so lange an. Macworld-Kolumnist Jason Snell, der seit dem Jahr 1993 Apple journalistisch begleitet, kann sich aber noch gut an früher erinnern, selbst an die Zeit vor seinem beruflichen Engagement mit Cupertino. So teilt er Apples bisherige, nun 44 Jahre und fast vier Monate andauernde Geschichte in sechs Phasen ein. Der Beginn als Hobby-Truppe, die ersten Erfolge als Liebling der Unternehmen und Universitäten, gefolgt vom Zeitalter des Niedergangs - in der Snell zu berichten begann. Einige Kleingeister mögen in dieser Zeit von 1992 bis 1998 verhaftet geblieben sein, ignorieren aber die Zeitalter des Wiederaufstiegs, der Expansion und nun schließlich die aktuelle Ära als Technologiegigant, deren Beginn Snell im Jahr 2015 verortet.

Gleichstellung : Vor 30 Jahren trat in den USA das Bundesgesetz Americans with Disabilities Act (ADA) in Kraft - das Gesetz verbietet die Diskriminierung und fordert die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Anlässlich des Jubiläums präsentiert Apple ein ausführliches Feature und zeigt Menschen, die Apple-Technologien wie VoiceOVer oder andere Bedienungshilfen nutzen.

Verspätung : Auch im Krisenjahr 2020 wird Apple im Herbst neue iPhones herausbringen. Doch präsentierte Apple in den letzten Jahren die neuen Telefone in der ersten Septemberhälfte, also noch im Spätsommer, und brachte sie meist pünktlich zur Tag- und Nachtgleiche in den Handel, wird sich das in diesem aufgrund der weiterhin akuten Pandemie um eine paar Wochen verschieben. Der japanische Blog Mac Otakara, der angeblich Kontakte in die Lieferkette Apples nach China unterhält, will nun wissen, dass Apple erst Ende Oktober iPhone 12 und iPhone 12 Pro bringen könne. Was das für die iPhone-Vorstellung bedeutet, ist indes noch unklar, denn iPhone X und iPhone XR hatte Apple in den Jahren 2017 und 2018 jeweils erst etliche Wochen nach der Ankündigung in den Handel gebracht, Ende Oktober respektive Anfang November. Doch hatte Apple mit iPhone 8 (Plus) und iPhone XS (Max) jeweils Modelle parat, die es schon ab Ende September verkaufen konnte. Wenn das in diesem Jahr nicht der Fall sein wird, sollte eine Keynote – vermutlich wieder ohne Live-Publikum – Anfang September eher wenig Sinn ergeben. Wäre heuer alles normal gelaufen, hätten wir auf den 8. September als Termin für die iPhone-Show getippt, jetzt ist eher mit Anfang bis Mitte Oktober mit einem derartigen Event zu rechnen.

Neue Größe: Das iPhone 12 soll angeblich mit einer Bildschirmdiagonale von 5,4 Zoll kommen. 9to5Mac hat in der gestern veröffentlichten dritten Developer Beat von iOS 14 (die dritte Public Beta sollte heute folgen) nun einen Hinweis gefunden, der klar darauf hindeutet. Denn nun bekommen auch iPhones mit 5,8-Zoll-Bildschirm Display Zoom, also die Option, Icons und Bedienelemente auf dem Bildshirm größer wirken zu lassen, da es das Interface eines kleineren iPhones lädt, nur eben für mehr Pixel. Das iPhone 12 sollte daher 960 mal 2079 Pixel auf seinem Bildschirm zeigen können.

Übernahme: Der japanische Konzern Softbank sucht einen Käufer für seine Tochter Arm Holdings, das Softbank im Jahr 2016 für 32 Milliarden US-Dollar übernommen hat. Nicht erst seit Apples Ankündigung, nun auch den Mac auf Apple Silicon umzustellen, also auf Chip der ARM-Architektur, hat das Unternehmen deutlich an Wert gewonnen. Die größte Übernahme in der ITK-Industrie dürfte also anstehen. Laut eines Bloomberg-Berichts habe Softbank bereits Kontakt zu potentiellen Käufern aufgenommen, speziell dem natürlichen Kandidaten Apple, das nicht nur jedes Jahr hunderte Millionen von ARM-Chips in iPhone, iPad und demnächst auch Mac einbaut, sonder sich als an der Börse wertvollstes IT-Unternehmen die Akquise auch bequem leisten könnte. Doch fürchte Apple Kartellrechtliche Probleme, wenn als Besitzer der Arm-Technologien diese an Konkurrenten lizenzieren müsste. Softbank will mit Nvidia einen anderen Kandidaten für die Übernahme ausgemacht haben, dieser könnte zusammen mit Arm zu einem bedeutenden Konkurrenten zu Intel und AMD aufsteigen, müsse aber auch bedeutende Regulierung durch die Kartellbehörden erfahren. Softbank hätte natürlich auch die Option, Arm Holdings an die Börse zu bringen.

Vorwärts immer : Apple hat in der letzten Woche iOS 13.6 veröffentlicht, das unter anderem den virtuellen Autoschlüssel CarKey in das Telefon bringt. Wie nach jedem Update ist es für eine gewisse Zeit noch möglich, zurück zur letzten Version zu gelangen, in dem Fall iOS 13.5.1. Apple hat aber nun das Code Signing für diese Version eingestellt, der Weg zurück von iOS 13.6 ist somit nicht mehr möglich.

Weitere Nachrichten:

Sony verkauft Klimaanlage für die Hosentasche

Noch hat der Sommer seine volle Wucht nicht entwickelt. Doch schon bald könnten wieder erdrückende Tage für zu viel Hitze sorgen. In solchen Momenten soll die Reon Pocket getaufte Klimaanlage für die Hosentasche helfen. Diese für den japanischen Raum gedachte Erfindung wurde über die Sony-eigene Crowdfunding-Plattform First Flight realisiert. Reon Pocket wird per USB-C aufgeladen und verbindet sich danach per Bluetooth mit dem iOS- oder Android-Smartphone. Die Kühlung erfolgt über die Silikonrückseite, die gegen die Haut gedrückt werden kann. Alternativ bietet Sony auch spezielle Shirts an, in denen das Gerät zwischen den Schultern in einer Tasche untergebracht wird. 

In der App lässt sich die gewünschte Temperatur einstellen. Dazu stehen drei Stufen der Erwärmung oder Abkühlung zur Verfügung. Dazu kommt ein Boost-Modus, der allerdings nur zwei Minuten anhält. Eine Akkuladung soll für zwei bis drei Stunden ausreichen. Mit seinem Gewicht von 80 Gramm kann Reon Pocket bei Nichtgebrauch einfach in der Handtasche oder dem Rucksack verstaut werden. Laut Sony kann die winzige Klimaanlage die oberflächliche Körpertemperatur um 13 Grad senken. In Japan wird Reon Pocket für umgerechnet 105 Euro angeboten. Die passenden Hemden kosten knapp 15 Euro. Die zugehörige App lässt sich auch in englischer Sprache betreiben, so stünde einem Import nichts im Wege.

 

Jelly 2: Mini-Smartphone für die Hosentasche

Hersteller Unihertz hat heute mit dem Jelly 2 eine neue Spendenkampagne für ein Mini-Smartphone auf Kickstarter gestartet . Wie schon das  Vorgänger-Modell im Jahr 2017 konnte auch das Jelly 2 sein angestrebtes Spendenziel in Höhe von 43.323 Euro innerhalb weniger Stunden knacken. Mittlerweile haben fast 3.000 Unterstützer fast 500.000 Euro zum Projekt beigesteuert. Die Kampagne läuft noch 29 Tage.

Hersteller Unihertz präsentiert mit dem Jelly 2 ein weiteres Mini-Smartphone im Kreditkarten-Format. Die Kritik an der unpraktischen Software-Tastatur, dem zu kleinen Akku und zu vielen Funktionen beim Jelly hat sich der Hersteller beim neuen Modell zu Herzen genommen. Der Akku mit 2.000 mAh soll nun doppelt so lange halten wie der Stromspeicher des Vorgängers. Das Display ist ebenfalls um etwa 20 Prozent auf drei Zoll gewachsen. Es bietet eine Auflösung von 480 x 854 Pixeln und soll sich nun wesentlich besser bedienen lassen als der Bildschirm des Jelly.

Im abgerundeten Gehäuse mit relativ breiten Display-Rändern verbaut Unihertz den MediaTek Helio P60 und sechs Gigabyte RAM sowie 128 Gigabyte internen Speicher. Ebenfalls an Bord sind ein Kopfhörer-Eingang sowie eine 8- und eine 16-Megapixel-Kamera. Über Kickstarter kann das Jelly 2 aktuell für 159 US-Dollar vorbestellt werden. Die Auslieferung soll im Dezember 2020 erfolgen.

KFC: Fast-Food-Kette will Chicken Nuggets aus dem 3D-Drucker

Der Fast-Food-Spezialist KFC arbeitet in Kooperation mit der russischen Firma 3D Bioprinting Solutions an Chicken Nuggets aus Hühnerfleischzellen und pflanzlichem Material aus dem 3D-Drucker. Dies kündigte das Unternehmen nun in einer Pressemitteilung mit.

Als Konzeptarbeit für ein "Restaurant der Zukunft" soll das Hühnerfleisch aus dem 3D-Drucker kommen. Das "Fleisch der Zukunft" soll dabei gesünder sein. Die Alternative zum traditionellen Fleisch soll dabei mit umweltfreundlichen Methoden hergestellt werden können. Ziel des Projekt ist dabei, die ersten im Labor hergestellten Chicken Nuggets zu produzieren. Im Geschmack und aussehen sollen Sie dem ursprünglichen Produkt so nah wie möglich kommen. Bereits im Herbst 2020 soll in Moskau das Produkt erprobt werden.

Laut einer Studie des "Environmental Science & Technology Journal" aus den USA hat die Technologie des Fleischanbaus aus Zellen nur minimale negative Auswirkungen auf die Umwelt, so dass der Energieverbrauch um mehr als die Hälfte gesenkt, die Treibhausgasemissionen um das 25-fache reduziert und 100-mal weniger Land als bei der traditionellen Fleischproduktion auf Bauernhöfen beansprucht werden müsse.

"Wir bei KFC beobachten alle neuen Trends und Innovationen genau und tun unser Bestes, um mit der Zeit Schritt zu halten, indem wir fortschrittliche Technologien in unseren Restaurantnetzwerken einführen. Handwerkliche Fleischprodukte sind der nächste Schritt in der Entwicklung unseres 'Restaurant der Zukunft'-Konzepts. Unser Experiment zur Erprobung der 3D-Bioprinting-Technologie zur Herstellung von Hühnerprodukten kann auch dazu beitragen, mehrere sich abzeichnende globale Probleme zu lösen. Wir freuen uns, zu seiner Entwicklung beizutragen, und arbeiten daran, es Tausenden von Menschen in Russland und, wenn möglich, auf der ganzen Welt zugänglich zu machen" , sagte Raisa Polyakova, Generaldirektorin von KFC Russland.

Der Kooperationspartner 3D Bioprinting Solutions entwickelt dabei die Biodruck-Technologie unter Verwendung von Hühnerzellen und pflanzlichem Material. KFC stellt seinem Partner dabei alle Notwendigen Zutaten wie Panade und Gewürze zur Verfügung, um den optimalen KFC-Geschmack zu erzielen.

"3D-Bioprinting-Technologien, die ursprünglich in der Medizin anerkannt waren, gewinnen heute bei der Herstellung von Lebensmitteln wie Fleisch an Popularität. In Zukunft wird uns die rasche Entwicklung solcher Technologien ermöglichen, 3D-gedruckte Fleischprodukte dem Markt leichter zugänglich zu machen. Wir hoffen, dass die Technologie, die als Ergebnis unserer Zusammenarbeit mit KFC geschaffen wird, dazu beiträgt, die Markteinführung von zellbasierten Fleischprodukten zu beschleunigen" , sagte Yusef Khesuani, Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter von 3D Bioprinting Solutions.

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