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Morgenmagazin vom Donnerstag, 25. Februar 2021

25.02.2021 | 07:12 Uhr | Peter Müller

Prosser. iMacs werden wieder bunt, kompakter Mac Pro +++ Fisker will mit Foxconn Elektrofahrzeug bauen +++ Apple legt Compliance-Richtlinien offen +++ Sendung mit der Maus: Eigene Briefmarke mit Matrixcode fürs Handy +++ Analysten: Grafikkarten das ganze Jahr lang knapp +++ Mediamarkt klagt gegen Corona-Schließung

25. Februar: Gemetzel am Mittwoch

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Heute Nummer Eins weltweit an den Börsen, wertvollste Marke, Hersteller mit den zufriedensten Kunden und Referenz in vielen Bereichen, aber auch Apple war mal ein Start-up. Und was muss das seinerzeit für ein wilder Haufen gewesen sein! Angefangen hatte es ja 1976 damit, dass Steve Wozniak auf die Schnelle Unterstützung beim Löten der von Steve Jobs bereits verkauften Apple-I-Rechner benötigt hatte, aber erst mit dem Riesenerfolg des Apple II setzte ein Personalwachstum ein, das kaum mehr zu steuern war. Das Problem haben auch heute Start-ups noch, wenn einige wenige Gründer sich plötzlich zu Chefs entwickeln müssen, wo doch möglichst flache Hierarchien das Leitbild waren. Bei Apple machte der Börsengang vom 12. Dezember 1980 dann auch noch viele der Angestellten der ersten Stunde zu Millionären.

Einen CEO, einen Chief Operating Officer hatte Apple immerhin schon seit Februar 1977 in dem Physiker Mike Scott. Dieser war der vom Aufsichtsrat und den Investoren wie Mike Markkulla bestellte Chef und nicht  etwa der Gründer und Visionär Steve Jobs, der gerade anfangs der 80er ein recht erratisches Verhalten an den Tag legte. In der Funktion als Chef der Truppe war es Scotts Aufgabe, die Struktur des Unternehmens zu ordnen. Dieses war bis zum 25. Februar 1981 so stark und unkontrolliert gewachsen, dass es voller "Bozos" war, wie es Scott ausdrückte: Unfähige, von ihren Aufgaben überforderten Managern, Abteilungs- und Teamleitern.

Ungefähr die Hälfte der Belegschaft machte diese Gruppe aus, etwa 40 Personen. Am jenem Tag vor 40 Jahren wurden sie kurz und schmerzlos gefeuert - Arbeitnehmerrechte sind in den USA wesentlich schwächer ausgeprägt als in Europa, aber nicht einmal an Grundsätzliches hatten die Apple-Mitarbeiter der ersten Stunde gedacht. Sogar nach dem als "Black Wednesday" in die Apple-Geschichte eingegangene Massenentlassung scheiterte die Gründung einer Arbeitnehmervertretung, nicht einmal ein geplantes erstes Treffen fand statt.

Scott sollte aber letztlich ebenfalls wegen der Geschehnisse des schwarzen Mittwochs seinen Job verlieren. Nach Aussprechen der Kündigung lud der CEO die verbleibende Belegschaft zu einer rauschenden Party, auf der er sinngemäß gesagt hat, dass er Apple verlassen würde, wenn es ihm dort keinen Spaß mehr mache. Wenn man aber bei abnehmender Arbeitsfreude Leute entlassen könne, gebe das doch wieder einen feinen Motivationsschub und man könne weiter machen.

Das hat vor allem Mike Markkula, der grauen Eminenz im Hintergrund, nicht gefallen. Kraft seines Amtes als Aufsichtsratsvorsitzender berief er Scott von seinem Posten ab und stellte ihn als stellvertretenden Chairman, vulgo Frühstücksdirektor, im März 1981 ruhig und kalt. Markkula übernahm selbst vorübergehend den CEO-Posten, bis Steve Jobs einen gewissen John Sculley von Atlanta nach Cupertino locken konnte. Scott verließ im Sommer 1981 schließlich die Firma. Apple war nach jenem Mittwoch vor 40 Jahren zu einem anderen Unternehmen geworden, manche sagen, erst durch die drastische Maßnahme wurde das Start-up erwachsen.

Von den Massenentlassung nicht betroffen war die Entwicklergruppe des Mac, zu der Steve Jobs erst vor kurz davor gestoßen war - im Gegenteil. Einen Tag nach dem schwarzen Mittwoch machte Jobs eine ganz besondere Verpflichtung, in dem er den Ingenieur Andy Hertzfeld innerhalb des Unternehmens für sein Team abwarb. Dabei soll Hertzfeld festgestellt haben, dass Widerspruch zwecklos ist: Jobs stöpselte einfach Hertzfelds Computer ab und verfrachte ihn mitsamt seinem Benutzer in das Gebäude, in dem sich das Macintosh-Team eingerichtet hatte.

Lesetipps für den Donnerstag:

Rückstand: Jetzt bietet auch noch Spotify Highres-Audio an, während der Pionier in Sachen legaler Musikdownloads Apple der Konkurrenz hinterherzuhinken scheint. Wie Jason Snell anmerkt, hätte Apple aber sehr wohl die Gelegenheit, erneut eine Schippe draufzulegen und etwa seinen eigenen Kompressionsalgorithmus ALAC einzusetzen, um sich in Sachen Audioqualität wieder an der Konkurrenz vorbeizuschieben. Mehr noch hat Apple gar die Chance, Spotify, Tidal und Prime Music Unlimited die Rücklichter zu zeigen, wenn es die bereits vorhandene Hardware Airpods Pro und Airpods Max mit passenden Inhalten ausstaffiert. Denn die Kopfhörer beherrschen Spatial Audio, also 5.1-Raumklang, es sollte für Apple ein Leichtes sein, Musikverlage dazu anzuregen, entsprechende Mehrkanalmixe für Apple Music anzubieten, eventuell in einem etwas teureren Angebot oder nur verbinden mit Apple One.

Fantasie: : Apple wird in diesem Jahr die ersten iMacs mit M-SoC bringen, das dürfte gesetzt sein. Ein Mac Pro in etwas kleinerer Ausführung, der sogar ein wenig an den Powermac G4 Cube erinnern könnte, ist nicht unwahrscheinlich. Der bekannte Leaker Jon Prosser befeuert nun die Gerüchte mit Renderings, die auf den Informationen basieren sollen, die ihm zugesteckt wurden. Wenig überraschend soll ein 24-Zoll-iMac eine Art von rahmenlosen Design erhalten, wie sie etwa die iPad Pro bieten - die Ausmaße des Desktops müssten daher kaum oder gar nicht wachsen. Die Überraschung könnte aber in der Farbgebung bestehen, denn erstmals nach der Ära der G3-iMacs würde der All-in-One wieder in mehreren Farboptionen angeboten – sieht man mal vom iMac Pro in spacegray ab. Nun sind ein knallgrünes oder blassblaues iPad Air Geräte, mit denen man sich sehen lassen kann, ob sich aber jemand einen rosa iMac auf den Schreibtisch stellt, können wir nicht abschätzen. Der Mac Pro M sieht indes recht schlicht aus, die Computing-Einheit sei am Boden angebracht und darüber ein großer Kühlkörper.

Adapter: Der Zubehörhersteller Belkin hat nach einem Bericht von Apple Insider ein Gerät zur Freigebe bei der Behörde FCC eingereicht, das Airplay-2-Streams auf beliebige Audiogeräte via Klinkenanschluss oder digitales Audiokabel weitergeben soll. Die Stromversorgung erfolgt über USB-C, auch das ließe sich zum Konvertieren von Audiosignalen nutzen. Das Soundform Connect genannte Gerät würde damit eine Lücke schließen, die das Aus der Basisstation Airport Express von Apple gerissen hat.

Compliance: Apple legt auf einer Mini-Site seine Richtlinien zu Ethik und Compliance dar und erklärt, dass jeder Mitarbeiter diese Richtlinien bei der Einstellung durcharbeiten muss und in Folge jährlich. Im letzten Jahr hätten Apple-Mitarbeiter weltweit etwa 550.000-mal an entsprechenden Kursen zur Compliance teilgenommen. Verstöße gegen die Firmenrichtlinie würden zur Entlassung führen, stellt Apple klar. "Wir glauben, dass die Art und Weise, wie wir uns verhalten, ebenso entscheidend für den Erfolg von Apple ist wie die Herstellung der besten Produkte der Welt. Unsere Richtlinien für Geschäftsverhalten und Compliance sind grundlegend dafür, wie wir Geschäfte machen und wie wir unsere Werte jeden Tag in die Praxis umsetzen", heißt es auf der Website.

Änderung: Apple hat in Europa den Status der Marke seines Videoschnittprogramms Final Cut Pro ergänzt. Die Marke könne nun auch für Software as a Service (SaaS), also gemietete Software eingesetzt werden, ähnlich wie das bei Office 365 und Adobes Creative Cloud der Fall ist. Ob Apple seine Profianwendung dann nach dem Vorbild von Microsoft und Adobe auch auf ein Abo-Modell umstellt, ist damit nicht gesagt, es besteht aber die Möglichkeit, dass Apple einige Zusatzfunktionen in der Cloud per Mietmodell zur Verfügung stellt. Derzeit lässt sich Final Cut Pro, dem Apple erst kürzlich das "X" aus dem Markennamen wieder gestrichen hat, per Einmalkauf für rund 300 Euro erwerben.

Kooperation: Apples Zulieferer Foxconn will mit dem Automobilbauer Fisker ab 2023 ein Elektrofahrzeug produzieren, das auf die Märkte in Nordamerika, Europ, China und Indien zielt. Fisker plant bereits ab 2022 seinen Elektro-SUV Ocean auf die Straßen zu bringen, dieses wird das kanadische-österreichische Unternehmen Magna bauen. Von der Zusammenarbeit mit Foxconn erwartet sich Fisker laut des Berichts von Motley Fool eine höhere Expertise in Informations- und Kommuniaktiostechnologie. Foxconn war bereits in einigen Spekulationen um den Bau des Apple Car genannt.

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Sendung mit der Maus: Eigene Briefmarke mit Matrixcode fürs Handy

Die Sendung mit der Maus feiert im März 2021 ihren 50. Geburtstag: Am 7. März 1971 lief die erste Ausgabe der erfolgreichen "Sendung mit der Maus" im Ersten Deutschen Fernsehen. Dieses Jubiläum kennen alle, die sich dieses Bildungsfernsehen bester Art für Jung und Alt jeden Sonntag reinziehen beziehungsweise in der ARD-Mediathek anschauen. Auch die Deutsche Post feiert den runden Geburtstag und bringt dazu eine Briefmarke. Mit Matrixcode.

Briefmarken mit Matrixcode sind bei der Deutschen Post noch etwas ziemlich Neues. Erst am 4. Februar 2021 hatte die Post ihre erste Briefmarke mit Matrixcode vorgestellt. Wer den Matrixcode mit dem Smartphone scannt, kann eine „Basis-Sendungsverfolgung“ für Briefe nutzen und Zusatzinformationen zum Motiv, zur Geschichte und zu den Bildquellen der Briefmarke abrufen. Die Kunden können in der Post & DHL App sehen, wann ihr Brief im Briefzentrum in der Abgangsregion bearbeitet wurde und wann er in der Zielregion angekommen ist. Die Zustellung des Briefes wird dagegen nicht erfasst. Außerdem soll der Matrixcode eine gewisse Fälschungssicherheit bieten: Postwertzeichen können nicht mehrfach verwendet werden. Die Post kann mit dem Matrixcode außerdem betriebliche Unregelmäßigkeiten wie Laufzeitverzögerungen schneller erkennen und hoffentlich beheben. Briefe, die mit einer Matrixcode-Briefmarke frankiert sind, werden digital entwertet und auch weiterhin in den Briefzentren gestempelt – und zwar mit einer blauen statt der bisher schwarzen Stempelfarbe, damit die Kunden danach den Matrixcode noch scannen können.

Zurück zur Maus-wird-50-Briefmarke: Das Postwertzeichen zeigt die Maus zusammen mit ihren treuen Freunden, dem Elefanten und der Ente. Die 80-Cent-Briefmarke erscheint am 1. März 2021 in einer Auflage von 65 Millionen Stück.

Zusätzlich zum Postwertzeichen erscheinen auch ein Markenset mit zehn selbstklebenden Marken und zwei DHL Packset Sondereditionen in den Größen S (1,79 Euro) und M (2,19 Euro) für den Paketversand. Erhältlich sind die Brief- und Paketprodukte ab dem 1. März 2021 in Postfilialen, im Online-Shop oder telefonisch beim Bestellservice der Deutschen Post (Tel.: 096138183818).

In der Maus-Sendung am 28. Februar 2021 zeigt die Maus in einer Lach- und Sachgeschichte, wie die Jubiläums-Maus-Marke produziert wurde. Von der Konzeption im "Post Tower" über die Produktion in der Bundesdruckerei bis hin zum Weg eines Maus-Briefes durch die Sortiermaschinen der Deutschen Post.

Übrigens: Als die Sendung am 7. März 1971 in der ARD zum ersten Mal lief, hieß sie noch "Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger". Da die in der Sendung auftretende Maus aber so gut ankam, wurde die Sendung ab dem 23. Januar 1972 unter dem Titel "Die Sendung mit der Maus" ausgestrahlt. Im Vorspann, der 1973 hinzukam, werden noch heute die Themen der aktuellen Folge vorgestellt, und zwar zuerst auf Deutsch und danach in einer Fremdsprache.

Analysten: Grafikkarten das ganze Jahr lang knapp

Wer aktuell eine neue Grafikkarte kaufen möchte, sieht sich mit knappen Lagerbeständen, ausverkauften Modellen oder hohen Preisen konfrontiert. An dieser Lage dürfte sich auch in absehbarer Zeit nur wenig ändern, eventuell wird die Situation sogar noch schlimmer. Zu dieser Ansicht kommt Analyst Harlan Sur von J.P. Morgan . Er rechnet damit, dass die Grafikkarten das ganze Jahr über schwer zu bekommen sein werden. Sein Unternehmen geht davon aus, dass die Halbleiterhersteller die Nachfrage zwischen 10 und 30 Prozent unterschreiten. Es werde mindestens drei bis vier Quartale dauern, bis Angebot und Nachfrage sich angleichen. Noch weitere ein bis zwei Quartale müssten eingeplant werden, bevor die Lagerbestände wieder auf ein normales Niveau ansteigen.

Der Analyst Christopher Rolland von Susquehanna Financial malt sogar ein noch düsteres Bild: Er geht davon aus, dass die Knappheit bei den Chips im Frühjahr sogar noch schlimmer wird. Zwischen Bestellung und Auslieferung würden teilweise 14 Wochen liegen. Da die Nachfrage das Angebot so derart übersteigt, dürften auch die Preise für Grafikkarten weiterhin auf einem sehr hohen Niveau bleiben. Verschärft wird dieser Umstand noch durch das hohe Interesse an Grafikkarten durch Kryptominer. Diese kaufen die knappen Kontingente in großen Mengen auf und sorgen dadurch für einen weiteren Preisanstieg bei aktuellen Grafikkarten. Ein Teil der Knappheit lässt sich wohl auch mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie erklären. Die Zunahme an Heimarbeit sorgt für eine deutlich größere Nachfrage nach Office-Rechnern, in denen häufig auch eine Gaming-Grafikkarte verbaut sein soll. Dazu kommen stillstehende Fließbänder bei einigen Herstellern.

Mediamarkt klagt gegen Corona-Schließung

Media-Markt-Saturn hat beim Oberverwaltungsgericht Münster einen Eilantrag auf Aufhebung der Betriebsschließung in Nordrhein-Westfalen gestellt. Das berichtet in dieser Woche das Manager Magazin . "Die bereits seit mehr als zwei Monaten bestehenden Betriebsschließungen in Deutschland sind unverhältnismäßig. Der Einzelhandel war nachweislich nie ein Infektionshotspot," erklärt Deutschland-Chef Florian Gietl den Schritt gegenüber der Publikation.

Media-Markt-Saturn ist nicht die einzige Einzelhandelskette, der in puncto Lockdown langsam der Geduldsfaden reißt. Auch die Modehäuser Breuniger und Peek & Cloppenburg sowie die Baumarktkette Obi haben gleich in mehreren Bundesländern Klage eingereicht. "Wir haben Klagen vor den Verwaltungsgerichtshöfen in Baden-Württemberg, in Hessen, in Nordrhein-Westfalen, in Thüringen und Sachsen eingereicht - überall dort, wo wir Häuser haben. Ziel ist die sofortige Aussetzung der Lockdown-Maßnahmen, weil sie nicht verhältnismäßig sind und eine Ungleichbehandlung gegenüber dem Lebensmittelhandel bedeuten," erklärt ein Breuniger-Sprecher gegenüber dem Manager Magazin. Sollte die Bundesregierung der Aufforderung nicht nachkommen, fordern die Unternehmen finanzielle Entschädigung für alle Tage, an denen die Geschäfte geschlossen bleiben müssen.

Der Einkaufsverbund Unitex bereitet zusammen mit der Anwaltskanzlei Nieding + Barth eine Sammelklage Hunderter Einzelhändler auf Schadensersatz vor. Mehr als 300 Einzelhändler seien daran beteiligt. Unter der vom Modehaus Riani gestarteten Kampagne #HandelnfuerdenHandel haben sich mittlerweile ebenfalls mehr als 170 Einzelhändler und Modeproduzenten zusammengeschlossen und fordern zum 1. März eine Gleichstellung mit den Frisören.

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