2516214

Morgenmagazin vom Donnerstag, 25. Juni 2020

25.06.2020 | 07:02 Uhr | Peter Müller

Intels Skylake-Probleme trieben Apple angeblich zu eigenen Chips +++ Leichtere Wiederherstellung von ARM-Macs +++ Apple TV+ kauft Comdedy-Mörder-Serie "The Afterparty" +++ Boooong: Der Startton am Mac ist wieder da +++ Corona-Warn-App warnt erstmals vor Infektionen +++ Netflix schaltet praktische Neuerung frei +++ Amazon Prime Video bald mit Live-TV-Sendern?

25. Juni: Unabhängigkeit und Kooperation

Macwelt wünscht Guten Morgen! Wie gerne wären wir wieder für ein paar Wochen in Kroatien – faul am Strnad liegen, die Berge hochstrampeln oder zwischen all den Inseln hin und her schippern, die sich erst am Ende der letzten Eiszeit vom Festland isolierten. Frischen Fisch aus dem Meer, dazu einen Plavac, einen leichten Roten, gekeltert aus einer sehr genügsamen Traube, die auch mit dem recht trockenen Klima Dalmatiens zurecht kommt. Aber Sars-CoV-2 zieht hier einen kräftigen Strich durch die Rechnung. Selbst wenn Reisen an das Mittelmeer derzeit wieder erlaubt sind: Klug sind sie vermutlich nicht so sehr. Wobei man Regionen wie den Landkreis Gütersloh oder die Stadt Berlin durchaus als weit gefährlicher hinsichtlich Infektionsrisiko ansehen kann. Aber wir wollen ja auch vermeiden, unsere kroatischen Freunde anzustecken - gedulden wir uns bis zu nächsten Jahr.

Es ist gar nicht mal so lange her, dass wir uns weit länger gedulden mussten und es überhaupt ungewiss war, ob und wann man wieder an die Adria kann - und was dann noch steht. Die Ursachen der auf den Zerfall Jugoslawiens folgenden Kriege sind vielschichtig, die Schuldfragen desgleichen. Auslöser war aber der 25. Juni 1991, als Slowenien und Kroatien einseitig ihre Unabhängigkeit vom Bundesstaat der Südslawen erklärten.

Der Zentralmacht in Belgrad konnte das nicht gefallen. Slowenien war die Teilrepublik mit der stärksten Industrie und Kroatien die mit der längsten Küste und damit dem intensivsten Tourismus. Es war aber bekanntlich ein serbische Politiker, der drei Jahre zuvor auf seiner berüchtigten Amselfeldrede die Nationalismuskarte ausspielte: Slobodan Milosevic. Dass das unabhängige Kroatien in seiner Verfassung sich als Staat der Kroaten definierte und nicht wie zuvor die Teilrepublik als Staat der Kroaten, Serben und Slowenen, trug nicht zur Deeskalation bei.

Belgrad hatte in seiner Politik zunächst den Plan A verfolgt: die Einheit Jugoslawiens unter seiner Hegemonie erhalten. Als das nicht mehr möglich war, weil unter anderem Deutschland sehr schnell die Unabhängigkeit Kroatiens und Sloweniens anerkannte, trat Plan B in Kraft. Und der bedeutete, sich Industrie und Küste mit militärischer Macht zurück zu holen.

Slowenien erwischte es als erstes, aber glimpflich. Der Krieg von 1991 dauerte nur zehn Tage, Österreich konnte seine an die Grenzen in Kärnten und der Steiermark verlegten Truppen wieder zurück in die Kasernen beordern. Denn die Bundesarmee Jugoslawiens kam nicht weit, nicht einmal in die Hauptstadt Ljubljana. Denn slowenische Lastwagenfahrer und Landwirte blockierten mit ihren Trucks und Treckern die einzige Straße nach Norden, den slowenischen Teil des seinerzeit schon berüchtigten Autoput. Kurz hinter Ljubljana ist ein Abschnitt dieser einst einspurigen Autobahn in den Süden noch beinahe im Originalzustand, da über vier Kilometer die Gegenrichtung der heutigen zweispurigen Autobahn hinter einem Hügel liegt.

Kroatien und Slowenien feiern heute ihre Unabhängigkeit und vielleicht ja auch den Segensreichtum der EU. Denn es scheint durchaus im Bereich des Möglichkeiten, dass sich Kroaten, Slowenen, Serben, Montenegriner, Mazedonier, Bosnier und Kosovaren bald in einem größeren Verbund wieder vereinen, als unabhängige, aber eng kooperierende Partner der Europäischen Union, die gegründet wurde, um eben Kriege wie die auf dem Balkan in den 90er zu verhindern.

Lesetipps für den Donnerstag

When we collide : macOS Big Sur sieht beinahe so aus wie iPadOS 14, iPad Apps werden auf Macs mit Apple Silicon laufen und Entwickler bauen mit Catalyst ihre Anwendungen für alle Plattformen gleichzeitig. Mac und iPad scheinen sich auf Kollisionskurs zu begeben, meint Jason Snell. Heute haben iPad und Mac noch klare Unterschiede, jeder seine Vor- oder Nachteile. Der Unterschied besteht heute vor allem darin, dass Mac-Apps eine Menüleiste mitbringen, der Mac Multitasking weit besser beherrscht als das iPad und sich auch mit mehreren Benutzerkonten betreiben lässt. In fünf Jahren aber werden iPads und Macs mit den gleichen Chips laufen und die Unterschiede der Systeme immer mehr verschwunden sein. Ist ein Mac dann immer noch ein Mac oder nur ein besonderer Modus des iPad?

TV-Apparat: Im Herbst wird Apple tvOS 14 herausbringen und seine Settopbox Apple TV wieder ein Stück aufwerten. Endlich wird das Apple TV 4K dann auch Youtube-Videos in 4K abspielen können, bisher ist die Wiedergabe auf 1080p beschränkt. Bild-in-Bild geht nun überall, so dass man auch das TV-Programm verfolgen kann, wenn eine App aktiv ist. Der Wechsel zwischen Anwendern wird verbessert, per Airplay auf das Apple TV gestreamte Fotos lassen sich nun auch in voller Auflösung betrachten. 

TV-Programm: Apple kündigt an, sich für Apple TV+ die Rechte an der Serie "The Afterparty" der Oscar-Preisträger Chris Miller und Phil Lord gesichert zu haben. Die Serie in einer Staffel aus acht Folgen ist eine Krimikomödie, die auf einem Klassentreffen Jahre nach dem Abschluss spielt und auf dem ein Mord passiert. Jede der acht Folgen ist aus der Sicht einer anderen Figur erzählt - erinnert in diesem Sinne an Akira Kurosawas "Rashomon". Apple stellt die Serie in eine Reihe mit anderen Comedy-Formaten auf Apple TV+ wie "Dickinson", "Mythic Quest", "Central Park" und "Trying". Ein Sendetermin steht noch nicht fest.

Aus dem Nähkästchen : Für Apple ist "Power per Watt" der Grund dafür, in den Mac eigenen Chips einzubauen - und sicher will man nicht mehr von der Roadmap eines Zulieferers wie Intel abhängen oder gar unter dessen Problemen leiden. Wie der ehemalige Intel-Ingenieur François Piednoël gegenüber PCGamer nun verrät, waren eben solche Probleme mit einer Chip-Generation der Auslöser für Apples Plattformwechsel. Seit Skylake im Jahr 2015 sei Apple nicht mehr zufrieden gewesen, Intel habe etwa Qualitätszusagen für Skylake-Chips nicht einhalten können. Auch andere Kunden hätten zwar Fehler gemeldet, doch seien die meisten Beschwerden von Apple gekommen. Apple müsse Skylake "richtig gehasst" haben, vermutet  Piednoël. Die Skylake-Architektur hat Apple zunächst in den iMac von 2015 eingebaut, anschließend in Macbook Pro von 2016. Ob Intels fehlerhafte Chips aber der Hauptgrund für das Apple Silicon waren, darf man bezweifeln: Apple schätzt möglichst integrierte Systeme, über das es die komplette Kontrolle hat, eben sehr. Seit 2010 und dem A4 kümmert sich Apple komplett um die SoCs für iPhone, iPad und Apple Watch.

Vereinfacht: Wenn der Mac nicht mehr richtig  startet, gibt es etliche Auswege, um ihn wieder zum Laufen zu bringen. Dazu sind aber unterschiedliche Tastenkombinationen nötig, um etwa den Wiederherstellungsmodus zu aktivieren oder den NVRAM zurück zu setzen. Macs mit Apple Silicon werden die Vorgänge vereinfachen, wie Apple in einem WWDC-Session-Video erklärt. In Zukunft wird man bei Problemen lediglich den Einschaltknopf etwas länger drücken müssen, um die Auswahl zwischen mehreren Reparaturvorgängen zu bekommen. Der Target Disk Modus, mit dem man Macs wie ein externes Laufwerk an einem anderen behandeln kann, wird dann auch der Vergangenheit angehören. Stattdessen gebe es einen Mac Sharing Modus, der den Rechner in ein SMB-Laufwerk wandelt, das von extern zugreifbar ist.

Weitere Nachrichten:

Boooong: Der Startton am Mac ist wieder da

Was Apple auf der Keynote zu macOS Big Sur nicht gezeigt hat: Der Startton ist wieder da. Startet man also ein Macbook unter dem neuen macOS, ertönt ein satter Ton, der an den Power Mac erinnert. Wer den Ton aber weiterhin nicht hören möchte, kann ihn in der Systemeinstellung „Ton“ deaktivieren. Was interessant ist: Wir haben Big Sur auf einer externen SSD installiert, das Macbook läuft aber weiterhin unter Catalina. Der neue Startton ertönt aber auch, wenn wir das Macbook mit Catalina starten.

Corona-Warn-App warnt erstmals vor Infektionen

Mit der deutschen Corona-Warn-App sollen Infektionsketten mit dem Coronavirus schneller erkannt werden. Die App steht seit wenigen Tagen für Nutzer mit Android- und iOS-Geräten zum kostenlosen Download bereit. Dass die App funktioniert, wurde nun erstmals bewiesen: Nach Angaben der Entwickler wurden am Dienstag rund zwei Dutzend App-Nutzer als mit Covid-19 infiziert markiert. Die anonymen Identifikationsnummern der betroffenen Anwender wurden per App übertragen. Wer mit diesen Menschen Kontakt hatte, soll noch heute einen entsprechenden Warnhinweis erhalten.

Zwar können die Entwickler durch App-Schnittstellen nachvollziehen, wie viele Nutzer eine Infektion gemeldet haben, um wen es sich konkret handelt, mit wem der Nutzer Kontakt hatte oder wo er sich gerade aufhält, bleibt jedoch auch für die Macher der App nicht sichtbar. Auf der anderen Seite kann aber auch nicht eingesehen werden, wie viele Nutzer heute eine entsprechende Warnung erhalten werden. Dies liegt daran, dass das Infektionsrisiko jedes Nutzers lokal auf dem Smartphone berechnet wird. Dazu werden Informationen wie die Länge des Kontakts oder der Abstand zum Gegenüber einbezogen. Aus diesem Grund kann die App eine eigene Infektion auch nicht absolut vorhersagen. Wer eine Warnmeldung erhält, sollte sich beim Gesundheitsamt melden und auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen lassen.

 

Netflix schaltet praktische Neuerung frei

Netflix bietet den Nutzern nun mehr Kontrolle darüber an, was in der "Weiterschauen"-Liste angezeigt wird. Es dürfen endlich Einträge manuell gelöscht werden, eine Funktion, die sich in der Vergangenheit die Netflix-Nutzer häufig gewünscht haben. Zumindest in der Netflix-App für Android ist die Neuerung bereits verfügbar. In der App für iOS und der Web-Oberfläche von Netflix konnten wir die Änderung dagegen noch nicht sichten, dort dürfte sie dann aber schon bald ebenfalls folgen.

Android-Nutzer, die die Netflix-App über den Google Play Store aktualisieren, sehen die Verbesserung, wenn sie zur "Weiterschauen"-Liste herunterscrollen, in der Netflix alle Filme und Serien auflistet, die man schon angefangen hat anzuschauen. Neben dem "i"-Icon erscheinen nun auch drei untereinander liegende Punkte, über die man zu weiteren Optionen für einen "Weiterschauen"-Eintrag gelangt. Über "Aus Reihe entfernen" kann der Inhalt dann aus der "Weiterschauen"-Auflistung entfernt werden und die Änderung wird gleich mit allen Geräten synchronisiert, auf denen man Netflix nutzt.

Ebenfalls praktisch: Über das "..."-Menü können Sie auch einen Film oder eine Serien-Episode schneller und bequemer direkt herunterladen und müssen nicht mehr zu den Infos zum Inhalt wechseln. Außerdem können Sie über das neue Menü eine Bewertung für einen Netflix-Inhalt abgeben. Dazu stehen wie gewohnt die Einträge "Gefällt mir" oder "Nichts für mich" zur Auswahl.

Zusammenfassend: Die neue Funktion bei Netflix hilft den Nutzern dabei, die "Weiterschauen"-Liste aufzuräumen. Wer einfach keine Lust mehr hat, einen Film oder eine Episode anzuschauen, kann diese nun einfach entfernen.

Amazon Prime Video bald mit Live-TV-Sendern?

Steht ein großer Angriff von Amazon auf Netflix, Disney+ und andere Video-On-Demand-Anbieter bevor? Laut einem Bericht von Protocol steht Amazon bereits mit unterschiedlichen Partnern in Verhandlung über eine Erweiterung von Amazon Prime Video um Live-TV-Kanäle. Ein erstes Indiz habe es bereits nach mehreren Stellenangeboten von Amazon gegeben, in denen das Unternehmen nach Verstärkung sucht. Amazon könnte so sein Prime-Video-Angebot deutlich erweitern und attraktiver machen.

Ein Insider, der anonym bleiben möchte, erklärte gegenüber Protocol, dass Amazon aktiv mit verschiedenen Anbietern Verhandlungen über die Lizenzierung von Live-TV-Angeboten führe. Das Angebot könnte demnach unter anderem Live-TV-Sender umfassen, die Nachrichten oder Sport übertragen.

In dem Beitrag verweist Protocol auch darauf hin, dass sich Live-TV-Angebote trotz Prime Video, Netflix und anderen nicht-linearen Angeboten, weiterhin einer großen Beliebtheit erfreuen. Darauf weist Amazon auch beispielsweise in diesem Stellenangebot für einen Software-Entwickler hin. Dort heißt es, dass man an einer entsprechenden Erfahrung für lineares TV für Prime-Video-Nutzer arbeite.

Zuletzt hatte Amazon in Deutschland über Prime Video diverse Bundesliga-Partien live übertragen. Für die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga ab der Saison 21/22 bis 24/25 , die in dieser Woche von der DFL für 1,1 Milliarden Euro verkauft wurden, hatte Amazon aber kein Lizenzpaket erworben.

2516214