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Morgenmagazin vom Donnerstag, 27. Juni 2019

27.06.2019 | 07:00 Uhr |

VESA veröffentlicht Standard Display Port 2.0 +++ Die kleinen Verbesserungen in iOS 13 +++ US-Meteorologen warnen vor 5G +++ Apple wirbt ARM-Ingenieur vom Ares-Projekt ab +++ Konkurrenz für Facebook Libra: CDU plant „digitalen Euro“ +++ Oppo: Neue Details zur Selfie-Kamera unter dem Smartphone-Display +++ MeshTalk erlaubt Unterhaltungen ohne WLAN und Mobilfunk

27. Juni: Wechselhaft

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Der Siebenschläfer ist ein gar possierlicher Nager, der eine Eigenschaft besitzt, die wir uns manchmal nur wünschen möchten. Denn erwacht der Winterschläfer im Frühjahr, sieht er erst einmal in den Buchen der Umgebung nach, ob es ein ertragreicher Herbst sein wird, in dem er sich und seinen bis dahin gezeugten Nachwuchs ausreichend für den nächsten Winterschlaf ernähren kann. Wenn ein eher mageres Jahr droht, verzichtet der Siebenschläfer auf Balz, Zeugung und Aufzucht - kostet ja nur Energie - und legt sich wieder schlafen. Der Siebenschläfer ist also gewissermaßen in der Lage, seinen Winterschlaf auf mehrere Jahre auszudehnen. Es gibt sie ja, diese Jahre, in denen man am liebsten im Bett geblieben wäre.

Mit dem heutigen Siebenschläfertag und der damit verbundenen Wetterregel hat das Tier aber nichts zu tun, sondern mit der Legende der sieben Schläfer von Ephesus. Diese flüchteten sich vor Glaubensverfolgung in eine Höhle, in der sie, von höheren Mächten geschützt, über Jahrhunderte schlafen konnten. Es gibt ja auch Jahrhunderte, in denen man am liebsten im Bett geblieben wäre.

Die Wetterregel wiederum ist in ihrer Absolutheit völliger Quatsch. Sieben Wochen am Stück kann es in unseren Breiten nicht regnen, umgekehrt ist es auch nicht so, dass warmes und trockenes Wetter, wie wir es heute genießen und erleiden, jetzt weitere sieben Wochen anhalten würde. Mit dem 27. Juni, wie wir ihn heute kennen, hat sie auch noch recht wenig zu tun. Denn diese stammt aus den Zeiten von vor der gregorianischen Kalenderreform und müsste daher eher auf den 7. Juli angewandt werden. Wobei: Der Stichtag ist das eine, das Wetterphänomen ein anderes: In manchen Jahren stellt sich in Mitteleuropa Ende Juni oder Anfang Juli eine stabile Hochdrucklage ein - in anderen Jahren ist es wechselhafter.

Wechselhaft wie die Geschichte Apples - vom Wunderkind zum Börsenstar, tief abgestürzt, beinahe obsolet geworden, wundersam erholt und zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden, das jetzt darum zu kämpfen hat, die Spitzenposition zu halten. Am kommenden Samstag endet das dritte Quartal von Apples Geschäftsjahr, das bekanntlich im Oktober letzten Jahres begonnen hatte. Das Schlimmste, was nun Apple passieren kann, wäre bei der Bekanntgabe der Bilanz Ende Juli oder Anfang August etwas weniger Gewinn eingefahren zu haben, bei weniger Umsatz als im Vorjahr. In absoluten Zahlen sollte Q3/2019 aber immer noch das dritt- oder viertbeste seiner Art sein, die Bruttogewinnmarge im Bereich von 40 Prozent liegen.

Am 27. Juni vor 22 Jahren endete aber ein drittes Quartal, das nicht nur das schlechteste seiner Art war, sondern gar das schlechteste überhaupt in der Geschichte Apples. Weitere 56 Millionen Miese erhöhten den Gesamtverlust in der Amelio-Ära auf 1,6 Milliarden US-Dollar, seine Ära in Cupertino endete wenige Wochen danach. Apple hatte Ende Juni 1997 alle Gewinne vernichtet, die das Unternehmen bis 1991 angehäuft hatte. An der Börse erlitt schon tags zuvor die Aktie einen massiven Kursabfall, weil jemand 15 Millionen Anteilsscheine zu Geld gemacht hatte. Dieser Jemand sollte aber bald Amelio nachfolgen, zunächst als Interims-CEO: Steve Jobs. Ein bisschen Regenwetter hatte Apple nach dem schlimmen Siebenschläfer noch zu überstehen, aber keine sieben Quartale mehr. Schon im ersten des Geschäftsjahres 1998 machte Apple wieder Gewinn. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Im Katalysator: Von Apples Project Catalyst zeigt sich Jason Snell in seiner jüngsten Kolumne "More Color" wenig begeistert. Schon die ersten vier Apps, die Apple im Vorjahr von iOS auf den Mac gebracht hatte, hätten keine Vorbildwirkung gehabt, wie es bei Apples eigenen Anwendungen schon immer gewesen ist. So muss ein App aussehen und nicht anders, war der Anspruch. Apples Softwarechef Craig Federighi will aber nicht die Tools verantwortlich machen, die mit macOS Catalina Entwicklern zur Verfügung stehen, man habe einfach nicht die richtigen Designentscheideungen getroffen. Doch offenbar weiß Apple immer noch nicht, wohin sich die Sache entwickeln soll und wie man zusätzliche Funktionen, die man auf dem Mac in Kontextmenüs hinterlegte und unter iOS hinter dem Icon mit den drei Punkten, denn nun konsistent für beide Plattformen bringe. Bleibt die Hoffnung, dass die zahlreichen iOS-Entwickler, allsamt Mac-Nutzer, die vorhandenen Möglichkeiten kreativ nutzen und ihrerseits Vorbildapps entwickeln.

Kleine Freuden : Vieles ist neu in iOS 13, bei weitem nicht alles konnte Apple auf der WWDC zeigen. Doch mit der Public Beta finden immer mehr Leute kleine Optimierungen die zu gefallen wissen. Jason Cross präsentiert seine Lieblingsfundstücke: So lassen sich per Einstellung alle unbekannten Anrufer auf stumm schalten, Safari-Tabs schließen sich nach einem auswählbaren Zeitraum von alleine, die neue Lautstärkenanzeige lässt sich auf dem Bildschirm bewegen. Auch schön: Wi-Fi- und Bluetooth-Verbindungen im Kontrollzentrum herstellen, Suche mit Spracheingabe überall im System oder nun auch die Möglichkeit, größere Apps über die Mobilfunkverbindung zu laden. Es soll ja auch Länder geben, in den "Highspeedinklusivvolumen" ein Fremdwort ist …

Ausgeweitet: Die Organisation  Video Electronics Standards Association (VESA) hat die Spezifikationen für Display Port 2.0 veröffentlicht. Die maximale effektive Bandbreite beträgt nun 77,4 Gbps anstatt 25,92 Gbps in dem im März 2016 veröffentlichten Standard Dipslay Port 1.4. Damit lassen sich Displays mit 16K-Auflösung ansteuern oder 8K-Monitore mit 60 Hz und HDR. Der neue Standard wäre gewiss auch für Apple-Produkte wie das Pro Display XDR interessant, doch ist noch nicht bekannt, wann Apple Dispaly Port 2.0 unterstützen wird.

Störung: Meteorologen in den USA warnen vor negativen Auswirkungen von 5G-Netzen und bitten um Aussetzung der Versteigerung der Frequenzen im 1,6-GHz-Band. Der Grund: Die Funknetze könnten zu Interferenzen mit den Signalen von Wetter-Satelliten führen und die Übermittlung von deren Daten verzögern. Das mache genaue Wettervorhersagen schwerer, was vor allem bei Extremwetterlagen wie  Wirbelstürmen zu Problemen führen könnte. Schon Sekunden könnten den Unterschied machen und Leben gefährden.

Verzögert: Apple hat offenbar ein Projekt mit dem britischen Unternehmen Nanoco eingestellt, das sich um Quantum-Dot-Technologie dreht. Diese spielt für 4K-Displays und Kameras eine bedeutende Rolle und soll OLED ergänzen oder gar ablösen. Schon für 2019 plant Apple angeblich bedeutende Änderungen bei der Kameratechnologie der iPhones, mit Quantum Dot wird das dann aber noch nicht zu tun haben. Nanoco hatte eine Kooperation mit Apple nie bestätigt, nur von einem börsennotierten Großkunden aus den USA gesprochen.

Weitere Nachrichten:

Apple wirbt ARM-Ingenieur vom Ares-Projekt ab

Der Lebenslauf von Mike Filippo auf Linkedin liest sich wie eine Zusammenfassung der jüngsten Mikroprozessoren-Geschichte seit zumindest 1996: Damals begann der Ingenieur seine Karriere bei AMP als CPU-Designer, danach ging es zu Intel, anschließend zu ARM. Nun ist Filippo als CPU-Architekt bei Apple angestellt. Vor allem das Know-How bei ARM war wohl für die Einstellung ausschlaggebend: Filippo verantwortete das Projekt zum Übergang von dem 16-14nm-Fertigungsverfahren (Plattform Cosmos) auf 5nm-Fertigungsverfahren  (Plattform Poseidon) in einem Jahrestakt . Der Hersteller versprach sich eine Leistungssteigerung von 30 Prozent bei jedem Wechsel auf das neue Verfahren. Aktuell hat ARM seinen N1 oder Ares-Chip im 7nm-Verfahren fertig, der neue Prozessor hat die Erwartungen deutlich übertroffen.

Es wird schon lange gemunkelt, dass Apple auch seine Laptops und Desktops auf eigene Chips umstellen will, weil Intel-Produkte zunehmend den Anforderung nicht genügen. Die neueste Einstellung eines hochgradigen ARM-Ingenieurs passt in diese Strategie ganz gut herein, denn die Projekte Cosmos, Ares, Zeus und Poseidon sind bei ARM in der Server-Klasse angesiedelt, alles also hochpotente Prozessoren, die auf der High-End-Linie von Apple wie im iMac Pro oder Mac Pro sicherlich ihren Platz finden könnten.

Konkurrenz für Facebook Libra: CDU plant „digitalen Euro“

Mit Libra kündigte Facebook in diesem Monat eine weltweite Krypto-Währung an , die Verbraucher- und Datenschützer sowie Politiker in den USA und Europa gleichermaßen beunruhigt hat . Auch die deutsche Politik hat im Zuge der Facebook-Pläne anscheinend bemerkt, wie weit die Regierungen hinter den technischen Möglichkeiten liegen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat nun die Initiative ergriffen und unter dem Titel „Zukunftstechnologie Blockchain – Chancen für Deutschland nutzen“ in einem Eckpunktepapier eine neue digitale Ökonomie skizziert.

In dem Papier fordert die Fraktion unter anderem von der Bundesbank die Schaffung eines „digitalen Euro“ in Form einer Stable Coin. Facebooks Krypto-Währung – die 2020 eingeführt werden soll – funktioniert ebenfalls als Stable Coin. Ihr Wert soll im Stile von Sichteinlagen im Gegensatz zur Bitcoin keinen Kursschwankungen unterworfen sein. Der „digitale Euro“ kann als Libra-Gegenmaßnahme betrachtet werden.

Dem Konzept von „digitalem Zentralbankgeld“ hatte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bereits im Mai eine Absage erteilt. Die Einführung sollte laut Weidemann „wohlüberlegt sein“. Im Krisenfall könnte digitales Zentralbankgeld zum Risiko für die Finanzstabilität werden und die Geschäftsmodelle von Banken infrage stellen, da es eine zusätzliche, liquide und sichere Anlagealternative darstellen würde.

CDU und CSU befürchten hingegen, dass den Zentralbanken bei Erfolg von Libra die Kontrolle über das Finanzsystem entgleiten könne. Die Kursexplosion der Bitcoin in den vergangenen Tagen habe gezeigt, dass Libra auch das Interesse an anderen Kryptowährungen wieder anheize.

Oppo: Neue Details zur Selfie-Kamera unter dem Smartphone-Display

Bereits Anfang Juni hatte der chinesische Elektronik-Hersteller Oppo seine neue Selfie-Kamera für Smartphones enthüllt , die weder in einer Notch, noch in einem Ausklapp-Mechanismus, sondern direkt unter dem Display verbaut wird. Während das Unternehmen vor rund drei Wochen genauere Details schuldig blieb, nutzt Oppo den derzeit in Shanghai stattfindenden MWC19, um seine sogenannte Under-Screen Camera (USC) vorzustellen .

Um ein Full-Screen-Display zu ermöglichen, das nicht von einer Notch unterbrochen wird, ist die neue Oppo-Selfie-Kamera direkt unter dem Display untergebracht. Für seine Smartphone-Displays will Oppo dafür in Zukunft ein maßgeschneidertes transparentes Material mit einer neuen Pixel-Struktur nutzen. Diese Konstruktion soll dafür sorgen, dass Licht durch das Display zur Kamera-Linse dringt. Der Sensor der Selfie-Kamera ist größer als herkömmliche Handy-Kamera-Sensoren und die zugehörige Linse erlaubt eine größere maximale Blendenöffnung. Mit dieser Technik und passenden Algorithmen will Oppo Problemen wie Color Cast, Dunst und Blendenflecken entgegenwirken, die auftreten, wenn ein Foto durch ein Display hindurch aufgenommen wird. Die Under-Screen Camera erreicht laut Oppo die selbe Bildqualität wie aktuelle Notch- und Punch-Hole-Modelle. Bei der Display-Qualität müssen Käufer den Angaben zufolge ebenfalls keine Abstriche machen.

Ein erstes Smartphone, in dem die neue USC zum Einsatz kommt, will Oppo „in naher Zukunft“ veröffentlichen. Konkrete Details zum geplanten Modell oder einen möglichen konkreten Veröffentlichungstermin nennt das chinesische Unternehmen jedoch noch nicht.

MeshTalk erlaubt Unterhaltungen ohne WLAN und Mobilfunk

In fast allen Gegenden der Welt bietet das Smartphone durch Mobilfunk eine Möglichkeit, um sich mit Freunden und Bekannten zu unterhalten. Ohne Mobilfunk oder WLAN hingegen ist das Handy nutzlos. Mit der Technik MeshTalk will Smartphone-Hersteller Oppo dem modernen Handy Funktionen eines klassischen Walkie-Talkies spendieren. Das Protokoll umfasst eine dezentrale Ende-zu-Ende-Kommunikation zwischen mehreren Smartphones über Entfernungen von bis zu drei Kilometern.

In Ballungszentren oder bei großen Menschenansammlungen soll die Reichweite sogar noch höher ausfallen, da die Mobilgeräte anderer Nutzer als Relaisstation verwendet werden. Realisiert wird MeshTalk über ein vom Mobilgerät aufgespanntes WLAN-Netz. Basisstationen wie beim Mobilfunk seien hingegen nicht notwendig. Auf den Akku des Smartphones habe MeshTalk laut Oppo kaum negative Auswirkungen. Als Anwendungsszenarien sieht Oppo Situationen, in denen Nutzer keine Mobilfunkanbindung haben (abgelegene Wälder) oder das Netz überlastet ist (Konzerte). Noch steht nicht fest, ob MeshTalk nur mit Smartphones von Oppo funktionieren wird. Auch ein Starttermin für das Protokoll wurde noch nicht genannt. Noch in dieser Woche soll die Technik aber auf dem MWC in Shanghai vorgestellt werden.

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