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Morgenmagazin vom Donnerstag, 28. April 2016

28.04.2016 | 06:59 Uhr |

Apple sucht nach Übernahmekandidaten +++ FBI meldet alte Lücke an Apple +++ Tragödie am Infinite Loop +++ 13 Jahre iTunes Store +++ Apple kommt mit iPhone-SE-Bestellungen nicht nach +++ ESA plant Dorf auf dem Mond - Moon Village +++ Microsoft gibt Windows 10 Mobile nicht auf +++ Furbo: Kamera überwacht Ihren Hund +++ Youtube führt neue 6-Sekunden-Zwangs-Werbung ein

28. April: Arbeitsbedingungen

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Erst kürzlich befremdete uns eine Bloomberg-Reportage aus einer Pegatron-Fabrik, in der chinesische Lohnarbeiter iPhones zusammenschrauben - aber auch Produkte anderer Hersteller, wohlgemerkt. Die Geschichten aus der Fabrik kennt man seit Jahren: Drill, Überstunden, wenig einladende Unterkünfte, Minderjährige an der Werkbank. Die Maßnahmen gegen Suizide wegen Überarbeitung: Gitter und Netze vor den Fenstern und in Treppenhäusern. Wir wollen gar nicht weiter ausführen, was Apple dagegen unternimmt oder nicht, wie sich die im internationalen Vergleich niedrigen Löhne auf die Profitmarge (fast 40 Prozent) auswirken, ob Apple mehr als andere Auftraggeber bezahlt und besser auf die Lohnarbeiter aufpasst oder aufpassen lässt und wie die Situation in anderen Fabriken mit anderen Auftraggebern ist. Dass die westliche Welt Handarbeit dort hin auslagert, wo Menschen über eine Handvoll Dollar pro Tag mehr als zufrieden sind, müssen wir als gegeben hinnehmen, solange wir nicht das gesamte System der Wertschöpfung in einer globalisierten Ökonomie hinterfragen und ändern. Aber dann hätten wir vermutlich keine iPhones oder nur wenige von uns könnten sich welche leisten.

Dennoch lohnt sich das Hinschauen auf Arbeitsbedingungen und das Insistieren auf bessere Arbeitsbedingungen, nicht nur am heutigen Worker's Memorial Day, der an die Lohnarbeiter erinnert, die bei ihrer Arbeit zu körperlichem Schaden oder sogar zu Tode gekommen sind. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation ist Arbeit die Haupttodesursache der Welt, noch vor Hungersnöten, Naturkatastrophen und vor allem vor Kriegen: 6.000 Arbeiter sollen pro Tag weltweit sterben, also alle 15 Sekunden einer.

Das wird sich auch auf lange Sicht nicht ändern, aber jeder einzelne Schritt hin zu mehr Arbeitssicherheit ist zu begrüßen. Apple steht hier ein wenig zu stark in der Kritik, aber als wertvollstes Unternehmen der Welt nun einmal im Fokus. Immerhin veröffentlicht der Konzern regelmäßig einen Bericht mit nachprüfbaren Fakten zum Arbeitsschutz in den Fabriken seiner Zulieferer, so etwas wie einen Suppliers Responsibility Report findet man nicht bei jeder Firma.

Der 28. April ist aber auch noch aus einem anderen Grund ein wichtiger Tag im Apple-Kalender: Heute vor 13 Jahren eröffnete der iTunes Music Store als eines der ersten Angebote für legale Musikdownloads. Von Anfang an seien nicht die Angebote von Napster (in der legalisierten Fassung...), Real Networks oder der Telekom mit Musicload die Konkurrenten gewesen, betonte Apple damals, sondern die Musikpiraten, die über Napster (in der ursprünglichen Fassung...) oder Limewire munter die Inhalte der auf den Computer kopierten CDs austauschten. Die Musikindustrie und unabhängige Künstler hatten sich lange dagegen gesträubt, am Ende aber doch den Kaufdownload als einen neuen Vertriebsweg erkannt, der zudem geringere Produktionskosten mit sich bringt. Der Weg zur Musikflatrate – einmal bezahlen und dann alles per Stream bekommen, was einem passt – war dann auch nicht mehr weit. Lukrativ ist das Streaming aber vor allem für Anbieter wie Apple und Spotify, auch für die großen Musikkonzerne, weniger für die Künstler. Nur in Ausnahmefällen nehmen Leute wie Taylor Swift über den Stream viel Geld ein - Downloads und CDs hätten sie aber genau so gut verkauft. Ganz eigen in Sachen Streaming war der in der letzten Woche überraschend verstorbene Prince: Nur bei Jay-Z's Dienst Tidal ist sein Werk im Abo zu hören, bei Apple muss man für jedes Album zahlen. Für fast jedes. Denn das Album, das sich nun bedauerlicher Weise als letztes Werk des Musikgenies herausstellt, ist seit kurzem per Stream zu haben: Hitnrun, Phase Two. Wir hätten ihn gerne noch gefragt, warum dieses und nicht die anderen und ob die auch noch kommen. Vielleicht war es einfach ein Experiment, mit der Prince seine eigene These, mit Streaming werde kein Künstler reich, sondern nur Apple, auf den Prüfstand stellen wollte. Womöglich behandelt Apple seine Künstler ja auch besser als es die Konkurrenz tut. Das wäre ja mal ein Thema für den nächsten Supplier Responsibility Report. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Sicherheitslücke: Die Navigations-App Waze ermöglicht es Hackern, den Aufenthaltsort von Nutzern ohne deren Wissen zu bestimmten, zeigt eine Forschung der Sicherheitsexperten von UC-Santa Barbara. Dazu ließen die Forscher eine Flotte von "Geisterfahrern" auf die Strecke los und konnten nun andere Nutzer dort ausfindig machen. Der Hack funktioniert aber nur dann, wenn die Ausgespähten Waze im Vordergrund laufen ließen.

Offen gelegt: Das FBI hat tatsächlich an Apple einen Fehler in iOS gemeldet, es handelt sich dabei aber nicht um die Sicherheitslücke, die beim Knacken des iPhone 5C des San-Bernardino-Attentäters zum Einsatz kam. Die Behörde handelte gemäß des Vulnerability Equities Process, der zur Bekanntgabe eines aufgefundenen Fehlers verpflichtet. Am 14. April hatte das FBI Apple informiert, die nämliche Lücke war Apple aber schon seit längerer Zeit bekannt, sie existiere in iOS 9 und OS X 10.11 nicht mehr.

Vorbild Uber: Pizaa Hut setzt neue Algorithmen und GPS-Tracking ein, um seinen Kunden per App und auf der Website schon vor der Bestellung einer Pizza zu sagen wie lange die Auslieferung dauern würde. Dies erinnert an den umstrittenen Fahrdienst Uber, aber auch andere Lebensmittelketten arbeiten mit ähnlichen Methoden. Das "Essen auf Rädern" wird davon aber auch nicht besser.

Einkaufstou r: Apple will sich anscheinend nicht auf seine eigenen Kräfte verlassen, um kurz- und mittelfristig wieder zu wachsen, sondern sucht nach attraktiven Übernahmemöglichkeiten, hatte Tim Cook in der Bilanzpressekonferenz angedeutet. Im letzten Jahr habe man 15 meist kleinere Firmen übernommen jetzt suche man nach etwas Größerem. Was das bedeuten könnte, legt für Market Watch der Analyst Jan Dawson dar. Apple könnte für eine Akquise etwa fünf bis zehn Milliarden US-Dollar aufwenden, müsste sich vermutlich aber Geld leihen, wenn die Übernahme nicht außerhalb der USA mit den dort zurückgelegten Mitteln geschehe. Als Kandidaten sieht Dawson beispielsweise den Hersteller von Fitnessarmbändern Fitbit, aber auch der Cloudspeicheranbieter Box könnte interessant sein, etwa um Apples iClloud-Angebot auf Businesskunden auszuweiten. Eine Einkaufstour in der Start-Up-Szene sei zudem ebenso gut denkbar.

Tragödie: In einem Konferenzraum im Apple-Hauptquartier am Infinite Loop in Cupertino wurde gestern morgen (Ortszeit) die Leiche eines Mitarbeiters aufgefunden, dessen Namen und Funktion Apple und die Polizei weiter zurückhalten. Ebenso gibt es keine Bestätigung der Todesumstände, angeblich habe man den jungen Mann mit einer Kopfwunde aufgefunden, eine Schusswaffe habe neben ihm gelegen. In den Vorfall seien keine anderen Personen involviert oder gar gefährdet gewesen, gibt die Polizei bekannt. Apple hat indes ein Kondolenzschreiben veröffentlicht, in dem Apple den "tragischen Verlust eines talentierten Mitarbeiters" betrauert.

Dritte Betas : Der Betatest von OS X 10.11.5 geht weiter, Apple hat in der Nacht die dritte Public Beta veröffentlciht. DAzu gibt es auch neue Vorabversionen von tvOS 9.2.1 und iOS 9.3.2.

Löschen impossible: Der Vorteil der iCloud-Fotomediathek: Man hat seine Bilder überall, zumindest in einer niedrig aufgelösten Version. Der Nachteil: Will man ein Bild von einem Gerät löschen, verschwindet es auch gleich von allen anderen Geräten, die mit dieser iCloud-Fotomediathek verknüpft sind. Bleibt nur das Abschalten und für die etwaige Synchronisation ein anderer Dienst wie Dropbox oder Google Photos. Immerhin: Hat man etwa auf dem iPhone ein Foto gelöscht, das man auf dem Mac gerne behalten hätte, kann man es innerhalb von 30 Tagen wiederherstellen. Dann ist es aber auf dem iPhoto wieder präsent, wenn man dort weiter die iCloud-Fotomediathek nutzt.

Apple kommt mit iPhone-SE-Bestellungen nicht nach

Rund vier Wochen ist das neue iPhone SE auf dem Markt, an sich ist das Smartphone ein Zwitter zwischen dem Powerbrocken iPhone 6S und dem kleinen handlichen iPhone 5S. Dazu hat Apple gehörig an dem Preis geschraubt, so dass das neue Smartphone plötzlich in eine ganz neue Kategorie passt.

Bereits eine Woche nach der Vorstellung gab es erste Zeichen, dass das neue iPhone doch besser bei der Kundschaft angenommen wurde als davor vermutet: Wir haben beispielsweise berichtet , dass sich die Lieferzeiten im Apple Store quer durch die Modellpalette verdoppelt haben, auch Gravis nahm nur Bestellungen entgegen. Auch aktuell (27.04.2016) hat sich wenig geändert: Alle acht Modelle (vier Farben á zwei Speichergrößen) sind im Apple Store Deutschland erst nach 2-3 Wochen lieferbar.

Warum das so ist, hat Tim Cook auf dem Conference Call zu den Quartalsergebnissen erläutert . Demnach war die Reaktionen nach der Vorstellung überragend, für Apple ist klar, dass die Nachfrage nach dem neuen Smartphone sehr groß ist, auch größer als Apple das vorkalkuliert hat. Deswegen arbeite man gerade daran, die Produktion und die Lieferung anzupassen. Laut Cook konnte das neue Modell noch mehr Neukunden anziehen. Das iPhone SE sei das günstigste iPhone ohne Abstriche bei der Performance und Qualität.

Ob sich eine unerwartet hohe Nachfrage nach dem iPhone SE positiv auf die nächsten Bilanzen bei Apple auswirkt, bleibt abzuwarten. Apple hat für das dritte Quartal wieder Rückgänge beim Gewinn und iPhone-Verkaufszahlen prognostiziert.

ESA plant Dorf auf dem Mond - Moon Village

Die Europäische Weltraum-Agentur ESA (European Space Agency) will Menschen auf den Mond schießen und entwickelt Pläne für ein „Mond-Dorf“ (Moon Village).

Dieser Außenposten auf dem Mond soll dauerhaft besiedelt werden. Was nun nicht so ungewöhnlich ist, weil sich ja auch in der ISS - auf der kürzlich ein Astronaut einen Marathonlauf absolvierte - sowie in deren Vorgängern wie der russischen MIR oder dem amerikanischen Skylab über längere Zeit Menschen aufhielten, die allerdings nach relativ kurzer Zeit wieder ausgetauscht wurden und werden.

Diese Mondbasis soll zur Nutzung allen ESA-Mitgliedern und anderen interessierten Staaten offen stehen, sowohl für staatliche und öffentliche Einrichtungen als auch für gewinnorientierte Unternehmen.

Sie soll nicht nur Forschungszwecken, sondern auch der wirtschaftlichen Nutzung dienen. Sogar von Bergbau auf dem Mond ist die Rede. Und vom Tourismus. Zudem soll die Besiedelung des Mondes der erste Schritt auf der langen Reise zum Mars (die NASA plant für Ende der 2030er Jahre eine bemannte Marsmission) und darüber hinaus sein. Übrigens wollen auch die Russen zum Mars fliegen - mit Atomantrieb.

Ganz bewusst habe die ESA den Begriff „Dorf“ gewählt, weil in dem Moon Village eine Gemeinschaft aus Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Interessen und Zielen leben soll.

Konkreter sollen die Mond-Pläne ab dem Jahr 2020 werden. Bei der Erforschung und Nutzung des Mondes sollen Roboter eine wichtige Rolle spielen, wie ESA-Chef Jan Wörner betont.

Microsoft gibt Windows 10 Mobile nicht auf

Der Marktanteil von Smartphones mit Windows-Betriebssystem liegt irgendwo bei um die 2 Prozent. Viele halten Windows 10 Mobile bereits für gescheitert. Und Here hat seine bekannte Karten-App für Windows 10 eingestellt. Doch Microsoft hält unbeirrt an seinem Nischenprodukt Windows für Smartphones fest. Das schreibt die Windows-Insider-Webseite Windowscentral.

Demnach soll Terry Myerson, Executive Vice President der Windows und Devices Group, in einer Mail an leitende Mitarbeiter von Microsoft und externe Partner festgestellt haben, dass Microsoft auch weiterhin Windows Mobile für mobile Geräte mit kleinem Bildschirm und ARM-Prozessoren unterstützen werde. Myerson glaube daran, dass Windows 10 Mobile wichtig für Business-Kunden sei. Microsoft wolle Windows 10 Mobile für viele Jahre unterstützen und habe eine Roadmap für diese Plattform. Die OEM-Partner von Microsoft würden neue Geräte für Windows 10 Mobile entwickeln. 

Andere, von Microsoft nicht bestätigte Gerüchte besagen, dass Microsoft angeblich an einem oder mehreren Surface-Phones arbeiten würde, wie die Microsoft-Kennerin Mary Jo Foley schreibt. Dabei soll es sich um Highend-Geräte handeln. Sie sollen vom gleichen Team entwickelt werden, das auch die Surface-Tablets und das SurfaceBook entwickelt hat.

Bereits vor einigen Wochen machte das Gerücht die Runde, dass Microsoft im Jahr 2016 keine neuen Smartphones mehr vorstellen wolle. Stattdessen soll Microsoft eine ganze Reihe neuer Hardware für das Frühjahr 2017 vorbereiten, zusammen mit dem Redstone-2-Update für Windows 10.


Furbo: Kamera überwacht Ihren Hund

Das Startup-Unternehmen Tomofun arbeitet an einer intelligenten Kamera namens Furbo , die Hunde bei Abwesenheit ihres Besitzers unterhalten soll. Das Herrchen kann jederzeit einen Blick auf den Vierbeiner werfen. Durch Mikrofon und Lautsprecher sind sogar „Unterhaltungen“ mit dem Hund möglich.

Zu Furbo gehört auch eine Smartphone-App. Diese kann per Push-Nachricht sogar darauf hinweisen, wenn der Hund ausgiebig bellt. Eine Ansprache des Besitzers soll den Vierbeiner dann beruhigen.

Im Gegensatz zu ähnlichen Hundekameras kann Furbo aber auch Leckerlis ausspucken. Der Besitzer kann den hoffentlich beruhigenden Fressvorgang an seinem Smartphone live mitverfolgen. Furbo kann ab sofort für 99 US-Dollar vorbestellt werden. Die Finanzierung über Indiegogo ist bereits gesichert, die Auslieferung soll im Juli erfolgen.

Youtube führt neue 6-Sekunden-Zwangs-Werbung ein

Videos boomen im Internet und vor allem auf Smartphones und Tablets. Youtube ist nicht nur eine der beliebtesten Webseiten, sondern auch als Smartphone-App ganz vorn mit dabei. Deshalb ist es kein Wunder, dass Werbekunden scharf darauf sind, ihre Werbung perfekt auf Youtube präsentieren zu können. Google, dem Youtube gehört, hat sich nun ein neues Werbeformat für seine Video-Plattform auf Mobil-Geräten einfallen lassen: die 6-Sekunden-Zwangs-Werbung, die die bisherigen Werbeformate für die beliebte Video-Plattform ergänzen soll.

Bumper Ads: Kurz, knackig und nicht wegklickbar

Wie Zach Lupei, Product Manager für Video-Ads, schreibt , sollen diese „Bumper Ads“, wie die maximal sechs Sekunden langen Werbespots von Google Adwords genannt werden, kurze und knackige Werbenachrichten zu den Mobil-Nutzern bringen. Es sollen besonders leicht verdauliche Werbehappen sein, die der Smartphone-Besitzer und Video-Fan ohne langes Murren über sich ergehen lässt und die er nicht, wie sonst bei einigen Werbeformaten möglich, schon kurz nach dem Start abbrechen kann. Außerdem soll damit der Nutzer davon abgehalten werden einen Adblocker zu installieren.

Erste Tests mit Bumper Ads hat Youtube bereits abgeschlossen, ab Mai 2016 wird das Werbeformat für alle Werbekunden auf Youtube angeboten. Von Audi gibt es bereits einige solche kurzen Werbespots, die jeweils sogar nur vier Sekunden lang sind.

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