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Morgenmagazin vom Donnerstag, 28. März 2019

28.03.2019 | 07:01 Uhr |

watchOS 5.2 schaltet EKG in Europa frei +++ Erste Beta von macOS 10.14.5 bringt nichts Neues +++ Apple Card kann Betrug verhindern +++ Alte Airpods weiter im Handel – so erkennen Sie die neue Generation +++ Netflix plant mehr interaktive Filme +++ Google gründet einen KI-Ethik-Rat +++ EU: Ab 2022 müssen neue Autos einen intelligenten Geschwindigkeitsassistenten besitzen

28. März: Auf der Suche nach dem kleinsten Übel

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Der Klimawandel ist im vollen Gange, auch wenn man von einem eher heißen und sehr trockenen Sommer wie vergangenes Jahr nicht auf das Gesamtsystem schließen kann. Das wird aber ohne Zweifel immer wärmer und die Folgen immer teurer. Sollte das Zwei-Grad-Ziel doch noch erreicht werden, wird es schlimm genug und Küstenstädte mit Abermillionen von Bewohnern müssen viel Geld ausgeben, um ihr Überleben zu sichern, wenn der Meerespiegel weiter steigt. Wenn aber die schlimmsten Befürchtungen eintreten, wird Kassel zur nächsten Jahrhundertwende Hafenstadt …

Ganz so schlimm wird es nicht kommen, schlimm genug wäre es, wenn Jahrhundertfluten wie die von 1962 in Hamburg zu mehr oder weniger alljährlichen Ereignissen werden und immer mehr Landstriche im Süden des Kontinents und darüber hinaus nicht unebdingt unbewohnbar, aber nicht mehr landwirtschaftlich nutzbar. Höchste Zeit also, auf die Bremse zu treten.

Nur wie? Verzicht - egal, ob freiwillig oder per Verbot angeordnet - ist nur eine Teillösung. Weniger Fleisch, weniger Flugreisen, weniger individuelle und vor allem weniger unnötige Mobilität - all das wird notwendig sein, aber nicht hinreichend. Am Besten wäre es, so gut wie gar nichts mehr zu verbrennen, weder in Motoren noch in Kraftwerken. Aber woher die Energie nehmen, die zweifelsohne die Basis für Wohlstand ist?

Einer der Vorschläge: Zurück zur Kernenergie. Dieser wurde nicht nur von der 16-jährigen Greta Thunberg vorgetragen, die deshalb auch von den Kritikern beschimpft wird, die sie sonst komplett ablehnen und eigentlich große Fans von Kernkraftwerken sind. Kurz vor der Fukushima-Katastrophe, die hierzulande ein großes Umdenken in Sachen Kernkraft anstieß, hatte die Münchener Wissenschaftsjournalistin Jeanne Rubner bereits die These in ihrem Buch " Das Energiedilemma " aufgestellt: Der Klimawandel ist ein derart großes Übel, dass die Kernkraft - zumindest als Zwischenlösung für weitere Jahrzehnte - das weit geringere Problem stellt.

Befürworter der Kernkraft verweisen auf den angeblich überschaubaren Schaden, den die drei größten Störfälle von Fukushima, Tschernobyl und Harrisburg, der sich heute vor 40 Jahren ereignete, anrichteten. Wobei dieses erste Menetekel vom 28. März 1979, das auf ein zu spät als defekt erkanntes Ventil zurück zu führen war, nur mit viel Glück nicht zum größten der Super-GAUs wurde.

Also ein großes Übel durch ein womöglich kleineres ersetzen? In Sachen Übel nicht das letzte Wort gesprochen, wer kann schon 3000 Jahre oder noch weiter in die Zukunft sehen? Ein Problem der Kernenergie bleibt selbst bei unfallfreiem Bertieb, und das für zehntausende von Generationen: Der Müll.

Hochradioaktiver und lange strahlende Hinterlassenschaften, die ein für alle Mal von der Biosphäre getrennt werden müssen, bis die Strahlung auf einen vom natürlichen Niveau nicht mehr zu unterscheidenden Wert gesunken ist. Die Suche nach einem Endlager verläuft  in Deutschland wieder ergebnisoffen, wobei für die meisten das Ergebnis schon fest steht: Bei uns nicht. Solange gesucht wird, sollten auch Konzepte erdacht werden, wie man auch in Jahrhunderttausenden noch wirksam vor den Inhalten der Müllkippen warnen könnte. Die Pyramiden waren ja auch nicht dazu gedacht, wieder geöffnet zu werden, doch schon 3000 Jahre später waren erstens die in Stein gehauenen Erklärungen der Erbauer nicht mehr zu lesen und vor allem nicht mehr vor der Neugier der Archäologen sicher. Nur werden die Carters der fernen Zukunft hinter den geöffneten Mauern unserer Kernmüllanlagen kein Gold finden, sondern lange strahlende und hochgiftige Schwermetalle, die bis dahin längst einen neuen Namen tragen, wenn den Menschen in 3000 Jahren überhaupt noch bewusst ist, auf welche Gefahren sie hier gestoßen sind. Vom chemisch so interessanten Öl, das viel zu schade zum Verbrennen ist, werden wir ihnen vermutlich nicht so viel gelassen haben.

Den einen Ausweg aus dem Dilemma gibt es nicht, nur viele kleine Lösungen. Speicher für regenerative Energien wie Smart Grids oder "Power to Gas": Mit Strom und Wasser das CO 2 aus der Luft holen und zu Methan verarbeiten, das man im Erdgasnetz speichert. Effizientere Technologie für Verkehr und Kommunikation. Aber auch die ein oder andere Großtechnologie wie Transmutationskraftwerke. Vereinfacht gesagt verbrennen diese den Atommüll von heute zu weit weniger strahlenden und giftigen Elementen und gewinnen daraus auch noch Energie. Darüber lohnt das Nachdenken gewiss. Mehr vom Selben zu wünschen, wäre zu wenig. Denn selbst Uran 235 ist eine begrenzte Ressource. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Gedeih und Verderb : Apple hat in der Vergangenheit bewiesen, Hardware, Software und Services zu einem unvergleichlichen Nutzererlebnis zusammen zu führen. Das zeigt sich auch in der cleveren AppleCard, meint Jason Snell, diese Expertise hilft aber nicht weiter, großartiges TV zu produzieren. Hier muss sich Apple auf die von Sony geheuerten Manager Zack van Amburg und Jamie Ehrlicht verlassen. Snell hat zudem eine Theorie, warum Apple sein TV+ schon ein halbes Jahr bevor die erste Folge der ersten Serie gestreamt werden kann, vorgestellt hat. Zum einen wollte Apple in einer großen Show zeigen, was es unter Services versteht und welche Ansprüche es daran stellt, als die einzelnen Dienste nach und nach als Nebenprodukte auf einer Hardwarekeynote oder der WWDC zu präsentieren: Die Erzählung wird so besser gehört. Zum anderen wollte Apple ein wenig Druck vom Kessel nehmen, denn die Kultur der Verschwiegenheit, die bei neuer Hardware funktioniert und wohl auch notwendig ist, passe nicht zu Hollywood. Ein Jahr lang an einem coolen Projekt arbeiten, ohne darüber sprechen zu können? Undenkbar! So kämen die jüngst veröffentlichten und eher negativen Geschichten über Apple und Hollywood nicht von ungefähr. Bevor also in der Gerüchteküche alles zu einem ungenießbaren Brei verkocht wird, reicht man lieber jetzt schon das Amuse-Gueule, den Gruß von Cook gewissermaßen. Ob das alles funktioniert, bleibt ungewiss. Apple muss gegen immer mehr Konkurrenz antreten – Disney und Warner kommen jetzt auch noch dazu – aber hat den Vorteil, seine TV-App auf hunderten von Millionen Geräten installiert zu haben. Letztlich werde der Erfolg aber von der Qualität der Shows, ihrer Stars und Produzenten abhängen.

Herzschlag : Apple hat watchOS 5.2 herausgebracht, das ein wenig überraschend jetzt schon die EKG-Funktion der Apple Watch Series 4 nach Europa und Hongkong bringt. In den USA war die EKG-Funktion mit watchOS 5.1.2 frei geschalten worden, nun haben auch die Behörden in 19 europäischen Staaten und Hongkong die Freigabe erteilt. watchOS 5.2 bringt zudem noch einige neue Zifferbänder für Benutzer der Hermès-Ausgaben der Uhr und für alle Modelle Unterstützung für RTT (real time text) bei Telefonaten und die neue Generation der Airpods. Das Update ist über die Watch-App auf dem iPhone erhältlich.

Weiter, immer weiter: Kaum dass macOS 10.1.4. in einer finalen Version vorliegt und auf die Installation auf Macs weltweit wartet, hat Apple die erste Beat von macOS 10.14.5 für Entwickler veröffentlicht. Bisher sind keine neuen Funktionen bekannt, die Apple neben den üblichen Bugfixes und Sicherheitsupdates in das Mac-Betriebssystem einbauen würde.

Mehr Sicherheit: Apple Kreditkarte könnte laut Forbes auch ein Problem mit zunehmender Betrugskriminalität angehen. Gerichte in den USA hatte zuletzt in mehreren Prozessn Betrüger verurteilt, die mit gestohlenen Kreditkarten über Apple Pay eingekauft hatten. Auf diese Weise konnten sie vor Ort ohne weitere Überprüfungen, ob sie auch der rechtmäßige Inhaber der Kreditkarten seien, auf Kosten der Bestohlenen einkaufen und die Waren gleich an sich nehmen. Apple sei für diese Methoden aber nicht verantwortlich zu machen, es seien die ausgebenden Banken, die zu geringe Sicherheitsmechanismen eingebaut haben und unzureichend beim Hinzufügen einer Karte zu Apple Pay prüfen, ob es sich hier um einen legitimen Vorgang handele. Bei der Apple Card gebe es hingegen keine Nummer oder CVV, die man stehlen könnte, die Informationen zur Karte sind individuell und stets in der Secure Envclace des iPhone gespeichert. Die Sicherheit von Apple Pay ist immer nur so stark wie das schwächste Glied der Kette, mit der Apple Card könnte der bis dato gefährlichste Angriffspunkt verschwinden.

Konträr: Apple hat versichert, keine persönlichen Daten der Nutzer von Apple News+ und Apple TV Channels zu sammeln, persönliche Empfehlungen berechnen Algortihmen auf den Geräten. Randall Stephenson,  CEO von AT&T, zu dem unter anderem HBO gehört, behauptet aber nun im Interview mit CNBC das Gegenteil. Für die Medienstrategie seines Unternehmens sei es unerlässlich, Daten der Kunden zu bekommen, für Empfehlungsalgorithmen und für das Ausspielen von Werbung. Diese Daten sammele man auf allen Plattformen, auf denen man Inhalte ausspiele - also auch auf Apple TV, denn HBO wird bei den Apple TV Channels von Anfang an mit dabei sein.

Weitere Nachrichten:

Alte Airpods weiter im Handel – so erkennen Sie die neue Generation

Die neuen Airpods der zweiten Generation bieten viele Verbesserungen, so verfügen sie unter anderem über längere Laufzeiten, unterstützen Siri und bieten bessere Verbindungs- und Ton-Qualität. Einen neuen Namen erhielten die neuen Modelle nicht, der Produktname ist unverändert Airpods – was eine Unterscheidung zwischen neuen und alten Modellen erschwert.

Für Apple-Store-Kunden kein Problem: Der Apple Store hat die erste Generation bereits aus dem Programm genommen und kauft man im Store Airpods, erhält man ausschließlich Modelle der zweiten Generation.

Nicht jeder hat allerdings einen Apple Store in der Nähe und die Lieferfristen bei der Bestellung bei Apple sind bereits lang.

Ordert man seine Airpods bei einem anderen Anbieter, sollte man auf die Modellnummer achten – die alte Generation ist nämlich bei Shops wie Galaxus, Mindfactory und vielen Ebay-Shops überraschend zahlreich im Angebot. Noch vor kurzem waren die Geräte kaum zu bekommen, jetzt sind sie sofort lieferbar. Nicht immer wird dabei ausdrücklich erwähnt (wie etwa bei Gravis), dass es sich um Geräte der ersten Generation handelt.

Vor der Bestellung sollte man deshalb auf die Modellnummer achten, die sich auch auf der Verpackung findet: Bei den neuen Modellen lautet sie MV7N2ZM/A bei den alten ist die Modellnummer MMEF2ZM/A . Nur bei den neuen Modellen wird außerdem oft das Modelljahr 2019 zusätzlich angegeben. Bestellt man das Set mit dem neuen kabellosen Ladecase ( MRXJ2AM/A ), kann es sich ebenfalls nur um die neue Generation handeln.

Netflix plant mehr interaktive Filme

Nach dem Erfolg von Black Mirror: Bandersnatch plant Netflix weitere interaktive Inhalte für seine Zuschauer. Aus diesem Grund sucht das Unternehmen derzeit per Stellenanzeige unter anderem nach Videospiel-Entwicklern mit einer „Leidenschaft für interaktive Erfahrungen, narratives Design und Technik.“ Sie sollen helfen, „die Zukunft von Unterhaltungserfahrungen auf Netflix neu zu gestalten.“

Black Mirror: Bandersnatch ging im Dezember 2018 auf Netflix online. Die Auskopplung aus der Erfolgsserie Black Mirror in Spielfilmlänge versteht sich als interaktiver Film. Die Handlung folgt dem Videospiel-Entwickler Stefan, der aus dem Fantasy-Roman Bandersnatch ein Choose-Your-Own-Adventure-Game machen will. Genau wie in dieser Art Videospiel, können die Netflix-Zuschauer die Handlung von Black Mirror: Bandersnatch mit ihren Entscheidungen beeinflussen und verändern.

Der interaktive Film war für Netflix ein finanzielles Wagnis, wurde jedoch von Zuschauern und Kritikern gleichermaßen positiv aufgenommen. Aus diesem Grund soll es bei Netflix künftig weitere interaktive Filme und Serien geben. Sein Budget für eigens produzierte Inhalte hat der Streaming-Dienst in diesem Jahr noch einmal kräftig angehoben. Anstatt 12 bis 13 Milliarden US-Dollar im Vorjahr, sollen 2019 rund 15 Milliarden US-Dollar in Eigenproduktionen fließen.

Netflix-Highlights im März 2019 - alle Serien und Filme

Google gründet einen KI-Ethik-Rat

Wie Google in dieser Woche bekannt gibt, hat der Konzern einen eigenen KI-Rat zusammengestellt . Das Advanced Technology Eternal Advisory Council (Ateac) setzt sich aus acht Spezialisten und Wissenschaftlern zusammen und soll Google dabei helfen, die selbst aufgestellten Regeln für die Entwicklung künstlicher Intelligenz durchzusetzen und einzuhalten. Die Gruppe wird in diesem Jahr vier Mal für eine Sitzung zusammenkommen. Das erste Treffen ist für April 2019 geplant. Unter den Experten finden sich der Mathematiker Bubacarr Bah, die Psychologin Dyan Gibbens und der Philosoph Luciano Floridi.

Google hatte im vergangenen Jahr Richtlinien zur Entwicklung von künstlicher Intelligenz aufgestellt. Sie dienen größtenteils dazu, ethische Probleme bei der KI-Entwicklung zu lösen. Google sieht unter anderem im Einsatz von Gesichtserkennungssoftware und dem Schutz der Privatsphäre eine Herausforderung. Auch die Gleichberechtigung beim Training von Machine-Learning-Systemen soll der KI-Rat berücksichtigen. Google will die Erkenntnisse des Rats nicht nur für die eigenen Produkte nutzen, sondern mit Partnern und Organisationen auf der ganzen Welt teilen.

EU: Ab 2022 müssen neue Autos einen intelligenten Geschwindigkeitsassistenten besitzen

Die EU-Gesetzgeber wollen mit neuen Regeln für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Neben einem verpflichtenden Abbiegeassistenten für Busse und Lkw ab 2022 fordert die EU ab 2022 auch Spurhalteassistenten, eine intelligente Geschwindigkeitsassistenz sowie ein erweitertes Notbremsassistenzsystem für PKW. Derartige Systeme finden sich bereits in vielen Fahrzeugen, aber meist nur in der Luxusklasse. Mit der verbindlichen Forderung nach solchen Systemen in Neufahrzeugen soll eine ähnliche Sicherheitsverbesserung erreicht werden wie bei der Einführung der ersten Sicherheitsgurte.

Noch müssen das Europäische Parlament und der Europäische Rat den Vorschlag billigen. Die Maßnahmen sollen die Unfälle mit Toten und Verletzten senken. 90 Prozent dieser Unfälle seien auf menschliches Versagen zurückzuführen. Obligatorisch für neue PKW, leichte Nutzfahrzeuge, LKW und Busse werden ab 2022 Müdigkeitswarner, intelligente Geschwindigkeitsassistenz und Rückwärtsfahrsicherheit mit Kamera oder Sensoren sowie Unfalldatenaufzeichnung in einer „Blackbox“. PKW und leichte Nutzfahrzeuge sollen zusätzlich über Spurhalteassistenten, erweiterte Notbremsassistenzsysteme (nur PKW) und crashtesterprobte Sicherheitsgurte verfügen. Für LKW und Busse fordert die EU zusätzlich die Beseitigung der toten Winkel sowie Schutzsysteme, die andere Verkehrsteilnehmer neben dem Fahrzeug erkennen. Laut EU sollen die Maßnahmen bis 2038 über 25.000 Menschenleben retten und 140.000 schwere Verletzungen vermeiden. Bis 2050 soll die Zahl der Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr nahezu bei Null liegen.

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