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Morgenmagazin vom Donnerstag, 30. Januar 2020

30.01.2020 | 07:08 Uhr | Peter Müller

Kuo: Airpower Mini, Airpods Studio und Apple Tags noch in der ersten Hälfte von 2020 +++ Apple überholt Samsung: 18,9 Prozent Marktanteil bei Smartphones +++ Thunderbird wird nicht mehr von Mozilla entwickelt +++ Dyson stellt smarte Lampe für 550 Euro vor, die 60 Jahre Licht spendet +++ Ansturm auf Spiel Plague Inc. nach Corona-Virus-Ausbruch

30. Januar: Dunkle Tage

Macwelt wünscht Guten Morgen! Nun packen Sie also ihre Sachen, die britischen Abgeordneten in Brüssel und Straßburg, um ihre Büros morgen besenrein der Verwaltung des Europaparlaments zu übergeben. Die meisten dürften eher weinenden Auges zurück über den Kanal schippern, die paar Hanseln der Rechtspopulisten haben ihr Ziel erreicht.

Wobei: Noch nicht ganz. Ab Samstag ist das UK zwar kein Teil der EU mehr und so manche Umstände greifen sofort. Nicht nur die erwähnten Abgeordneten verlieren ihre Aufgabe und Ämter, sondern auch so manche Bürgermeister in Deutschland, die jetzt nicht mehr ihren Gemeindeverwaltungen vorstehen können, weil sie als Schotten oder Waliser keine EU-Bürger mehr sind und ihr kommunales Wahlrecht verlieren, das aktive und das passive.

Bis Ende des Jahres gelten aber Übergangsfristen für Reisende und für den Handel, in den nächsten zehn Monaten ein Abkommen auszuhandeln, dürfte aber ein zu ambitionierter Plan sein. Aber das ist womöglich gerade der Plan der Verfechter eines Hard Brexit. So wird es unter Umständen wieder zu einer harten Grenze in Irland kommen oder zu absurden Kontrollen in der Irischen See, kaum dass auf der grünen Insel so etwas wie Frieden eingetreten ist. Einen traurigen Tiefpunkt hatte der Konflikt zwischen Unionisten und Republikanern am 30. Januar 1972 erlebt, ein Tag, der als Bloody Sunday in die Geschichte einging.

Am 30. Januar 1972 kamen in Derry 13 katholische Protestanten ums Leben, erschossen von Soldaten der britischen Fallschirmjäger. Deren Behauptung, das Feuer sei aus der Menge eröffnet worden, hat sich als haltlos erwiesen. Heute würde man sagen: Fake.

Dass Nordiren wieder auf Nordiren schießen werden, Europäer wieder auf Europäer, so weit muss es trotz des Brexit und des wieder aufflammenden Nationalismus auf dem Kontinent nicht kommen. Der 30. Januar, an dem sich nicht nur der Blutsonntag ereignete, sondern auch ein zwar von einer demokratischen Verfassung gedeckter, gleichwohl katastrophaler Machtwechsel, sollte dafür als Mahnung stehen.

Doch ist die Erinnerung an blutige Sonntag und andere schwarze Tage der Geschichte stets aufrecht zu erhalten - und wenn Nachgeborene meinen, nichts mehr davon hören zu wollen, so ist das alles andere als ihr gutes Recht, sondern sollte in deren eigenen Interesse liegen. Der Konsens "Nie wieder!" gilt nach wie vor, auch wenn das Böse wieder aus seinen Ecken kriecht, das selbe Böse, das vor 87 Jahren als braune Horden mit ihren Fackeln durch Berlin zog, als der senile Reichspräsident die Weimarer Republik mit der Ernennung eines neuen Reichskanzlers beendete. Kaum jemand, der das mit eigenen Augen sah, lebt heute noch und dennoch darf die "Machtergreifung" und was daraus folge, zu bloßen Seiten in einem Geschichtsbuch werden, zur Erzählung aus längst vergangenen Tagen. Sonst holen uns diese Tage wieder ein.

Am 30. Januar vor 87 Jahren brannten erst nur Fackeln, wenig später aber das Parlament. Schon bald darauf brannten Bücher, Menschen und anschließend der gesamte Kontinent. Geschichte wiederholt sich nicht, sie könnte aber im Meer des Vergessens und Verdrängens unschöne Kreise ziehen.

Lesetipps für den Donnerstag:

Future Products : Der erste Monat des neuen Jahres ist schon fast vorbei und von Apple hat es noch keine neuen Produkte gegeben. Vor März wird es da wohl auch nichts und das Jahr ist noch lang. Neben den für die erste Jahreshälfte 2020 schon beinahe gesetzten Neuerungen wie iPhone SE 2 und Macbook Pro 14 Zoll wird es aber noch ein paar Nebenprodukte aus Cupertino geben, ist sich der in der Regel mit seinen Prognosen recht treffsichere Analyst Ming-Chi Kuo sicher. Eines könnte dabei überraschen: Apple werde es nach dem Desaster mit der Ladematte Airpower, die es im September 2017 ankündigte und im Sommer 2019 endgültig killte, noch einmal mit einer drahtlosen Ladelösung für iPhone, Apple Watch und Airpods versuchen, einer kleineren Ladematte. Details dazu nennt Kuo nicht, ist sich aber sicher, dass Apple ein Produkt weiter entwickelt hat, das schon einmal in der Gerüchteküche auftauchte, von dem man aber schon länger nichts mehr gehört hat. Auf Airpods und Airpods Pro soll mit dem Airpods Studio ein hochwertiger OverEar-Kopfhörer folgen, der mit den Beats Studio Wireless 3 des Tochterunternehmens konkurrieren soll. Aber auch die Airpods Pro hatten in den PowerBeats pro eine Art von Vorbild. Auch schon länger im Gespräch und mit dem U1-Chip in den iPhones von 2019 gewissermaßen vorbereitet, sind Apple-Tags, die auf UWB (Ultrawideband) setzen. Diese orientieren sich an den Schlüsselanhängern von Tile, übertreffen diese aber deutlich an Reichweite.

Achillesferse: Das iPhone ist weitgehend sicher, für den Normalverbraucher gibt es nichts besseres. Wie konnte  dann aber das iPhone von Amazon-Chef Jeff Bezos gehackt werden, vermutlich von Saudi-Arabien aus? Die Washington Post, die Bezos ebenso gehört, hat eine Erklärung dafür: Hier handelt es sich eben nicht um einen Normalfall, sondern um eine Aktion bestens ausgestatteter und informierter Dienste, die sich offenbar über nicht dokumentierte Sicherheitslücken einschlichen. Hier würden sich Apples strenge Sicherheitsmaßnahmen gegen den Angegriffenen wenden, von der Attacke bekomme man kaum etwas mit und könne die Schadsoftware auch nur sehr schlecht aufspüren. Hinzu komme, dass Apple in Sachen Sicherheit und ihren Grenzen sehr schweigsam umgehe, was die Szene von Sicherheitsforschern immer wieder kritisiert. Patrick Wardle, der als ehemaliger Mitarbeiter der NSA und heutiger Sicherheitschef von Jamf beide Seiten kennt, der Zeitung erklärt: "Vieles an Apples Sicherheitsvorkehrungen ist erstaunlich und kommt dem durchschnittlichen Benutzer wirklich zugute, aber wenn man einmal das Ziel eines fortgeschrittenen Gegners oder einer Drei-Buchstaben-Agentur ist, kann die fortgeschrittene Sicherheit dieser Geräte gegen einen selbst verwendet werden". Weder Apple noch Amazon wollten den Bericht der Washington Post kommentieren.

Datensicherheit: Glenn Fleishman erinnert sich in seiner aktuellen Kolumne Mac911 an seine erste Festplatte: 60 Megabyte hatte diese gefasst und 600 US-Dollar gekostet. Heute bekommt man für einen Hunderter 6 Terabyte an Speicher. Wir speichern immer mehr Daten auf immer mehr Platten, was das Backup der wertvollen Bits und Bytes umso komplizierter macht. Ausführlich erklärt daher unser Macworld-Kollege seine persönliche Backup-Strategie, die vor allem auf einem 3-2-1-System basiert: Drei Kopien, zwei davon lokal und eine online.

(Zurück) gekommen, um zu bleiben : Nein, einen absoluten Rekord markieren Apples iPhone-Umsätze im Q1/2020 nicht, aber gegenüber dem Vorjahr hatte die Smartphonesparte wieder deutlich zugelegt – Anleger und Wall Street wären schon zufrieden gewesen, hätte Apple das Ergbnis des Vorjahres nur gehalten. Nun überschlagen sich Analysten vor Begeisterung - und sind sich sicher, dass es sich hier um keine Eintagsfliege handelt. Tom Forte von D.A. Davidson etwa hält Apples Finanzierungsprogramme für den Boom ursächlich, Rick Schafer von Oppenheimer glaubt, dass 5G die Nachfrage nach neuen Telefonen aus Cupertino weiter steigen lassen wird. Und Krish Sankar von Cowen and Co weist darauf hin, dass Apple sein Umsatzziel bei den Services vorzeitig erreicht hat. Allen gemeinsam ist, dass sie den Zielkurs der Apple-Aktie kräftig erhöhten.

An der Spitze : Apple hat am Dienstag Abend beeindruckende Zahlen genannt, zum iPhone aber nur Umsätze. Geschätzte Stückzahlen nennt nun Strategy Analytics: Apple hat dem nach im vierten Kalenderquartal 2019 70,7 Millionen iPhones verkauft, die meisten davon aus der iPhone-11-Serie. Der Zuwachs von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr beschert Apple nun den Platz an der Spitze der Smartphonehersteller, mit einem Marktanteil von 18,9 Prozent hat sich Cupertino wieder vor Samsung platziert. Im gesamten Jahr 2019 hat Apple laut Strategy Analytics 197,4 Millionen iPhones verkauft.

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Thunderbird wird nicht mehr von Mozilla entwickelt

Thunderbird von Mozilla gehört zu den beliebtesten Mail-Programmen und steht für unterschiedliche Betriebssysteme zur Verfügung. Das Programm der Firefox-Macher wird aber schon seit einigen Jahren nicht mehr aktiv von Mozilla betreut. Vielmehr handelt es sich bei Thunderbird um ein eigenständiges Projekt. Zwar nutzt das Programm weiterhin die Technologie von Mozilla und der Hersteller steht auch juristisch für Thunderbird ein, dennoch arbeitet das Projekt unabhängig. Die nicht auf Profit orientierte Mozilla Foundation hat nun mit MZLA Technologies Corporation eine neue Tochtergesellschaft gegründet, die künftig für Thunderbird verantwortlich sein soll .

Für Nutzer von Thunderbird soll sich indes wenig ändern. Das Programm wird weiterhin als Open Source geführt, die Nutzung ist nicht mit weiteren Kosten verbunden. Durch die Gründung von  MZLA Technologies Corporation könne Thunderbird künftig aber auch Einnahmen durch Partnerschaften erwirtschaften. Bislang war das Projekt allein auf Spenden angewiesen. Auch das Anbieten bezahlter Produkte und Dienste sei nun möglich. Bislang war dies als Teil der nicht auf Profit ausgerichteten Mozilla Foundation nicht möglich. Das Thunderbird-Projekt erhofft sich durch die Zunahme an Eigenständigkeit außerdem, künftig einfacher neue Mitarbeiter rekrutieren zu können. Dies könnte die Weiterentwicklung beschleunigen und Thunderbird konkurrenzfähiger machen. Für Nutzer von Thunderbird bleibt es nun natürlich spannend, inwieweit sich das bewährte Mail-Programm künftig verändern wird. Es muss abgewartet werden, welche Änderungen die Nutzer hinnehmen und an welchen Punkten die geplanten Partnerschaften und Werbeangebote die Thunderbird-Nutzer zu einem Wechsel bewegen. Konkrete Änderungspläne sollen in den kommenden Monaten bekannt gegeben werden.

Dyson stellt smarte Lampe für 550 Euro vor, die 60 Jahre Licht spendet

Nach dem ersten Leuchten-Modell aus der Lightcycle-Familie von Dyson, das bereits seit Frühjahr 2019 erhältlich ist, hat das Unternehmen heute mit der Lightcycle Morph eine neue Leuchte vorgestellt . Die smarte Lampe ist sowohl als Arbeitsplatzleuchte für 549 Euro als auch als größere Standleuchte für 749 Euro in den Farben Weiß/Silber und Schwarz im Dyson Shop erhältlich .

Die Lightcycle Morph besteht aus einem Ständer mit integrierte LEDs, sowie aus einem schwenkbaren Arm mit einem weiteren Leuchtmittel. Je nach Stellung des Schwenkarms sowie den Wünschen des Nutzers, kann sich die Lightcycle Morph in vier unterschiedliche Lampen-Arten verwandeln. Zeigt der schwenkbare Arm mit seinem Leuchtmittel nach unten, gibt er wie eine typische Lese- oder Schreibtischlampe ein helles Licht ab, das sich unter anderem zum Schreiben von Texten oder Arbeiten am PC eignen soll. Wird der schwenkbare Lampenkopf eingeklappt und mit dem Lampen-Ständer verbunden, leuchten nur noch die im Ständer integrierten LEDs. Dadurch eignet sich die Morph mit ihrem Kerzenlicht-Effekt als Hintergrundbeleuchtung oder Mood-Light.

Als dritte Möglichkeit kann der Lampenkopf mit seinem hellen Licht zur Decke gerichtet werden, um einen Raum indirekt zu beleuchten. Als vierte Einsatzmöglichkeit empfiehlt sich die Morph mit ihrem schwenkbaren Kopf als Spotlight, um beispielsweise ein Gemälde an der Wand in Szene zu setzen. Als zusätzliches Feature bietet der Lampenfuß einen USB-C-Port, an dem beispielsweise das Smartphone geladen werden kann.

Per Daylight Tracking Modus passt die Morph ihre Lichttemperatur auf Wunsch an die aktuelle Tageslicht-Situation im Raum an. Über den Age Adjust Modus in der zugehörigen App, wird die Licht-Intensität außerdem entsprechend dem Alter des Nutzer eingestellt. Ebenfalls an Bord sind weitere vorgefertigte Modi, um die Morph beispielsweise als Wake-Up-Light zu benutzen. Die Qualität der Leuchte ist laut Dyson auf eine Benutzung über 60 Jahre ausgelegt.

Ansturm auf Spiel Plague Inc. nach Corona-Virus-Ausbruch

Das weltweit große öffentliche Interesse am Corona-Virus (2019-nCoV) hat auch für einen Ansturm auf das seit Jahren erhältliche Spiel Plague Inc (für Mobile, PC und Konsolen) gesorgt. In Deutschland hat sich die Zahl der gemeldeten Infizierungen auf vier infizierte Personen erhöht. Weltweit sind bisher über 6.000 Menschen erkrankt - die Mehrheit in China. Gestern Mittag waren es noch etwa 4.400 Menschen. Die Zahl der Todesopfer hat sich im gleichen Zeitraum von 107 auf 132 Menschen erhöht (Stand: 12:45 Uhr, 29.1.).

Das Corona-Virus nehmen viele Menschen zum Anlass, um sich verstärkt über die Ausbreitung von Seuchen zu informieren. In den App-Stores ist Plague Inc. auf die Spitzenplätze geklettert. Die PC-Version des Spiels ist bei Steam derzeit auf Platz 11 der Bestseller-Charts.

Plague Inc. ist ein mit über 65 Millionen Spielern weltweit äußerst erfolgreiches Strategie-Spiel des Indie-Entwicklers James Vaughn, welches für so ziemlich alle Plattformen erhältlich ist. Darunter für iOS, Android und PC. Der Spieler hat in der Simulation die Aufgabe, die Menschheit mit einem neu erstellten Erreger zu vernichten. Je nach Krankheitstyp muss dabei immer eine andere Strategie gewählt werden, um für eine Ausbreitung der Plage auf der gesamten Welt zu sorgen. Simuliert wird die Verbreitung der Seuche über unterschiedliche Wege, wobei der Erreger über die Zeit hinweg auch weiterentwickelt werden kann. Außerdem gilt es Gegenmaßnahmen der Menschheit abzuwehren, die in der Simulation beispielsweise per Heilmittel versucht, eine Epidemie zu stoppen.

Bereits in der Vergangenheit hatten Epidemien für ein erhöhtes Interesse an dem Spiel gesorgt. Die aktuelle Entwicklung nehmen die Plague-Inc-Entwickler von Ndemic Creations erneut zum Anlass, um gegenüber den Spielern zu betonen, dass es sich bei Plague Inc. auch wirklich nur um ein Spiel handelt. In ihrem Blog verweisen sie darauf, dass das Spiel seit acht Jahren existiert und bei jeder Seuche die Menschen nach mehr Informationen suchen, die ihnen dabei helfen, die Ereignisse besser zu verstehen.

Virenausbrüche, so die Entwickler weiter, seien nun mal hochkomplex und das Spiel Plague Inc. sei so realistisch und informativ wie möglich gestaltet worden. "Bitte denken Sie daran, dass Plague Inc. ein Spiel und kein wissenschaftliches Modell ist und dass der aktuelle Ausbruch des Corona-Virus eine sehr reale Situation ist, die eine große Anzahl von Menschen betrifft. Wir würden den Spielern immer empfehlen, ihre Informationen direkt von lokalen und globalen Gesundheitsbehörden zu erhalten."

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