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Morgenmagazin vom Donnerstag, 4. Februar 2016

04.02.2016 | 06:56 Uhr | Peter Müller

Apple zu hoher Strafe in Patentprozess verurteilt +++ Mossberg kritisiert Apple-Software +++ Vorsicht vor billigen USB-C-Adaptern +++ Swiftkey: Microsoft kauft eine Tastatur und noch etwas mehr... +++ Amazon.com plant angeblich bis zu 400 klassische Buchläden +++ Amazon: Großes Update für Kindle E-Book-Reader +++ Sony bringt neue Systemkamera und Objektive

4. Februar: Nebenprodukte

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Heute früh schon ein feines Spiegelei oder frische Pfannkuchen gehabt? Fein, was? Vor allem deshalb, weil das perfekt gebratene Ei sich einfach leicht aus der heißen Pfanne auf den vorgewärmten Teller gleiten ließ, kaum Rückstände in der Pfanne blieben und das Ei vor allem in einem Stück? Was wären unser Frühstück ohne die Teflonbeschichtungen in Bratpfannen doch kompliziert. Ein Hoch also auf die Raumfahrt, ohne die es diese Errungenschaft nie gegeben hätte!

Das ist falsch. Also nicht das Hoch auf die Raumfahrt. Aber entgegen landläufiger Meinung ist Teflon schon deutlich älter als die ISS, Apollo und Sputnik. Am 4. Februar 1941, heute vor 75 Jahren, sprach das US-Patentamt dem Erfinder Roy Plunkett das Patent auf die Beschichtung zu, die er wenige Jahre zuvor bei einem Fehlversuch in seinem Labor eher zufällig entdeckt hatte. 1941, da hatte der spätere Vater der US-Raumfahrt Wernher von Braun noch ganz andere Auftraggeber und  Ziele im Blick. Teflon, oder genauer Polytetrafluorethylen (PTFE), fand seinen ersten Einsatz ebenso im Krieg, im Manhattan-Project wurde die Substanz als Korrosionsschutz bei der Anreicherung von waffenfähigem Uran benötigt. Von der Bombe in die Pfanne, keine üble Karriere. Diese wiederum war aber das Verdienst der Frau des französischen Chemikers Marc Gregoire, Colette. Während der Mann noch seine Angelschnüre mit PTFE zu beschichten versuchte, kam die Frau auf die Idee, es mit Töpfen und Pfannen zu versuchen. Und erhielt ihrerseits ein Patent darauf, im Jahr 1954. Das war immer noch drei Jahre vor Sputniks erstem Flug.

Also nichts mit Raumfahrt. Ein echtes Spinoff der Raumfahrt haben Sie aber vielleicht erst vor kurzem verlassen. Denn aus den Schäumen, die man zur Herstellung passgenauer Sitze für die Astronauten benötigt, lassen sich auch hervorragend Matratzen machen, die nur an den Stellen nachgeben, wo sie sich an den Körper anpassen sollten. Oder der Rauchmelder, der beim Braten des perfekten Spiegeleis nicht Alarm schlagen musste, auch er entspringt einer Idee aus der Raumfahrt. Die Entwicklung von Solarzellen schließlich, die auf Erden womöglich einmal einige schwerwiegende Energieprobleme lösen werden, hat erst die Raumfahrt so richtig vorangetrieben. Dort oben gibt es bekanntlich keine Steckdosen und solche Dinge wie Plutoniumbatterien sind auch nicht immer die beste Idee für die Energieversorgung. Schließlich darf man auch nicht vergessen, dass die meisten Satelliten auch heute nicht auf eine unbeschadete Rückkehr ausgelegt sind. Auf Fotoplatte oder Silberiodidfilm belichtete Fotos bringen der Forschung wenig, das Konzept der Digitalkamera hat ebenso mit der Raumfahrt Auftrieb erhalten.

Über den direkte Nutzen kann man gesamte Bücher füllen: Weltumspannende Kommunikation und Unterhaltung via Satellit, exaktere Wettervorhersagen, Fortschritte in der medizinischen Forschung, und, und, und. Was also außer Schaumstoffmatratzen, Solarzellen, Digitalkameras, Satelliten-TV, hoch genaue Navigation, den Rauchmelder, meteorologischen und medizinischen Fortschritt hat uns also die Raumfahrt je gebracht? Die Teflonpfanne ist es nicht. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag:

Hohe Strafe: Ein Gericht in Texas hat Apple schuldig befunden, vier Patente zu verletzten, die ein Patentverwerter in Nevada hält. Die Strafe fällt deutlich aus: Apple soll laut Urteil 626 Millionen US-Dollar an Virnet X zahlen. Konkret geht es um Techniken, die Apple für VPN, Facetime und iMessages einsetzt. Die Jury des Gerichts am Bezirk Ost-Texas hat befunden, Apple verletzte die Patente willentlich und damit eine frühere Entscheidung aus dem Jahr 2012 revidiert. Apple will das Urteil nicht akzeptieren und wirft dem Gericht Verfahrensfehler vor, die Anwälte von Virnet X hätten fehlerhafte Argumente außerhalb der Beweisführung vorgebracht. Weder Apple noch Virnet X wollten sich zu dem Urteil bisher äußern.

Und Größe zählt doch: Kommt das iPhone 5SE oder nicht? Das scheint an sich nicht mehr die Frage zu seine, sonern eher: Wann kommt es? Und trägt es wirklich einen bescheuerten Namen? Apple-CEO Tim Cook hat letzte Woche in der Bilanzpressekonferenz verraten, 60 Prozent der iPhone-Nutzer hätten noch ein Gerät vor der 6er-Ära im Einsatz. Also ein kleineres. Nun tauscht nicht jeder sein iPhone nach spätestens zwei Jahren gegen ein neues Modell aus oder greift beim Neukauf oder dem Upgrade zu den teureren Geräten, aber der hohe Anteil der iPhone6-Verweigerer lässt darauf schließen, dass die Nachfrage nach einem Vierzöller weiterhin groß ist. Apple sollte aber keineswegs den Fehler machen, ein neuen 4-Zoll-iPhone zu einem Gerät zweiter Klasse verkümmern zu lassen. iPhone 6S Mini wäre zwar auch ein bescheuerter Name, aber verspräche ein attraktives Angebot.

Qualitätsanspruch: Der Apple-Experte Wal Mossberg erklärt auf Re/code seine Unzufriedenheit mit den Apps, die Apple selbst für iOS und OS X bereit stellt. Diese benötigten dringend eine Überarbeitung, Mossberg hat das Gefühl, Apple würde sich nicht mehr ausreichend um das Kerngeschäft kümmern und stattdessen sich auf Produktvisionen wie die Apple Watch und das Apple Car konzentrieren. Apples Software habe in den letzten Jahren einen schleichenden Qualitätsverlust erlitten, immer öfter biete die Konkurrenz bessere Programme für einen bestimmten Zweck. Vor allem kritisiert Mossberg iTunes, Mail, Fotos und Apples iCloud.

Billig kann man sich nicht leisten: In einer Review auf Amazon warnt der Google-Ingenieur Benson Leung vor billigen USB-C-Kabeln. Ein Adapter von USB-C zu USB-A des Herstellers Surjtech habe aufgrund fehlerhafter Verdrahtung die Elektronik seine Pixel-Chriomebooks im Wert von 1000 US-Dollar zerstört. Das sei kein bedauerlicher Einzelfall, schon letzten November warnte Leung davor, dass fehlerhafte USB-C-Peripherie ernsthafte Schäden an Rechnern auslösen könnten.

Elegant am Handgelenk: Fitbit hat mit dem Alta eine neue Reihe von Fitnessarmbändern vorgestellt. Der Alta soll schlanker und eleganter als seine Vorgänger ausfallen und den Anwender wie die Apple Watch daran erinnern, ab und zu ein paar Schritte zu gehen. Der Preis beträgt 130 US-Dollar.

Hier kommt die Sonne:  Das Greifswalder Kernfusionsexperiment Wendelstein 7-X ist gestern einen wesentlichen Schritt weiter gekommen. Nachdem die Forscher letzten Herbst erstmals ein Helium-Plasma erzeugen konnten, gelang gestern die Herstellung eines Wasserstoffplasmas - aus dem man letztendlich per Kernfusion Energie gewinnen will. Bundeskanzlerin Angela Merkel - promovierte Physikerin - betätigte den symbolischen Schalter, der das Experiment startete.

Swiftkey: Microsoft kauft eine Tastatur und noch etwas mehr...

Microsoft kauft das in London ansässige Unternehmen Swiftkey für 250 Millionen US-Dollar (rund 228,75 Millionen Euro). Swiftkey hat eine virtuelle Tastatur für iOS und Android entwickelt, die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet ist und die nächsten Eingaben des Benutzers mehr oder weniger vorausahnen kann. Dadurch kann man mit Swiftkey sehr schnell tippen. Swiftkey dürfte auf einigen Hundert Millionen Smartphones installiert sein.

Swiftkey besitzt also nicht nur viel Know-how in Sachen Tastatur, sondern auch auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz - die sich Microsoft nun geschnappt hat.

Die Financial Times vermutet nämlich, dass es Microsoft nicht so sehr um die virtuelle Tastatur geht, sondern um deren Entwickler. Die Übernahme von Swiftkey erfolge also im Kampf um die besten Talente. Auch Google, Apple und andere IT-Giganten suchen ständig die besten IT-Experten, ganz besonders auch auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (Artificial Intelligence, AI).

Sowohl Microsoft als auch Swiftkey haben die Übernahme noch nicht offiziell bestätigt. Die Swiftkey-Tastatur gibt es übrigens nicht für Windows-Smartphones. Ein funktionierendes Geschäftsmodell hat Swiftkey bis heute nicht gefunden.

Microsoft befindet sich seit einiger Zeit auf Einkaufstour. Die Redmonder haben bereits Acompli (Mail-App), Wunderlist (To-do-Listen-Software) und Sunrise (Kalender-App) übernommen. Das Sunrise-Team gehört mittlerweile zur Outlook-Mannschaft. Die Sunrise-Kalender-App für iOS und Android soll in Outlook einfließen, bis schließlich Outlook Sunrise vermutlich ganz ersetzen wird.




Amazon.com plant angeblich bis zu 400 klassische Buchläden

Wie das " Wall Street Journal " berichtet, will der Online-Gigant 300 bis 400 Buchläden eröffnen und damit ein weiteres Mal den Marktführer Barnes & Noble (650 Läden) und Books-A-Million (255 Läden) angreifen. Das Wirtschaftsblatt hat seine Informationen von Sandeep Mathrani, dem Chief Executive Officer des amerikanischen Shopping-Mall-Betreibers General Growth Properties Inc. Er hatte das Geheimnis anlässlich der Quartalsbilanz seines Unternehmens ausgeplaudert.

Derzeit hat Amazon einen großen Buchladen in Seattle und einige permanente Kiosks in den Shopping-Malls der Westfield Corp., wo neben Büchern auch Gadgets, Kleidung und andere Produkte verkauft werden. Das Wall Street Journal schreibt, es sei nicht klar, woher Mathrani seine Informationen habe. Vermutlich habe er mit Amazons Immobilien-Experten gesprochen. Offizielle Informationen gibt es indes weder von Amazon noch von dem Mall-Betreiber.

Ein schneller Einstieg dürfte schwierig werden

Sollt Amazon seine Pläne verwirklichen, würde das Unternehmen wohl einige Jahre brauchen, um die richtigen Orte und Immobilien zu finden, Leasing-Verträge abzuschließen und Personal anzuheuern. (Siehe auch: Wie der lokale Buchhandel gegen Amazon & Co. kämpft) .

Der Wettbewerbsvorteil, den sich Amazon im klassischen Buchhandel verspricht, beruht wohl auf den reichhaltigen Daten, die das Unternehmen jahrelang in seinem Online-Business gesammelt hat. So kann der Konzern für die Bestückung seines Ladens in Seattle ständig analysieren, welches Feedback Online-Leser zu Büchern gegeben haben, und ob sich die Abverkäufe für Bestseller im Steig- oder Sinkflug befinden.

In Seattle verlangt Amazon Preise, die mit denen im Online-Handel identisch sind. Außerdem erhalten die Kunden zu einigen Büchern die Leserurteile von Online-Kunden angezeigt und können sich an den von Amazon.com bekannten Bewertungssternchen orientieren. Darüber hinaus gibt es - wie mittlerweile auch in anderen Buchhandlungen - Ecken, in denen die Mitarbeiter des Geschäfts ihre eigenen Favoriten präsentieren.

Lieferzeiten sollen verkürzt werden

Amazon arbeitet zurzeit an verschiedenen Stellen daran, die Lieferzeiten für Güter zu verkürzen. In 20 Städten werden bereits Lieferungen innerhalb von einer Stunde versprochen, außerdem gibt es "Same-day Drop-offs" in bestimmten Läden und Märkten. An ersten amerikanischen Universitäten wurden Abholstationen eingerichtet, wo Studenten ihre Bücher mitnehmen und Kontakt zu Amazon-Mitarbeitern aufnehmen können.

Wie Sandeep Mathrani auf der Bilanzkonferenz ausführte, sind auch andere Online-Shop-Betreiber dabei, erste Brick-and-Mortar-Geschäfte zu betreiben. Als Beispiel nannte er die Modeseite Bonobos , die Kosmetikseite Birchbox und den Brillenanbieter Warby Parker .

Amazon: Großes Update für Kindle E-Book-Reader

Amazon wird in den nächsten Wochen ein großes Update für seine Kindle E-Reader ausliefern. Die Firmware bringt unter anderem einen personalisierten Homescreen mit. Hier werden neben der aktuellen Lektüre auch Empfehlungen gelistet.

Ebenfalls neu ist der Menüpunkt „My Reading Lists“. Hier zeigt Amazon die Bücher der Wunschliste sowie heruntergeladene Leseproben und Goodreads-Empfehlungen. Den unteren Bereich des Homescreens nutzt Amazon zur Anzeige von persönlichen Empfehlungen, Bestsellern und aktuellen Büchern von Goodreads-Kontakten. In der Toolbar finden sich zudem häufig genutzte Einstellungen wie der Flugmodus oder die Sync-Funktion.

So nutzen Sie Kindle-Ebooks in der Familie gemeinsam

Das Update erscheint für die Kindle-Paperwhite-Modelle von 2013 bis 2015, sowie für den Kindle Voyage und die Standard-Kindle-Modelle von 2014. Der Download und die Installation erfolgen automatisch, sobald das Update verfügbar ist.

Sony bringt neue Systemkamera und Objektive

Sony bringt die alteingesessenen Kamerahersteller Canon und Nikon ins schwitzen. Denn Sony stellt die nach eigener Aussage schnellste Systemkamera der Welt vor. Dabei soll die Sony Alpha 6300   die Alpha 6000 nach oben ergänzen.

Die Aussage bezieht sich auf den Autofokus der Alpha 6300. Dieser soll nicht nur am schnellsten arbeiten sondern mit 425 Phasen-Autofokuspunkte auch die meisten AF-Punkte aller Systemkameras mit APS-C großem Bildsensor besitzen. Dank sogenannten 4D Focus soll die Kamera jedes Objekt innerhalb von 0,05 Sekunden erfassen. Die Serienbildgeschwindigkeit liegt bei 11 Bildern pro Sekunde, dabei kann die Kamera auch die schärfe nachführen. Weitere technische Details: Der Bildsensor löst 24,2 Megapixel auf und die ISO-Empfindlichkeit reicht von 50 bis 51.200 (Videomodus maximal 25.600). Die Kamera kann 4K-Videos aufnehmen und (wie die kürzlich vorgestellteCanon EOS-1D X Mark II) Full-HD-Videos mit 120 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Ab März gibt es die Kamera, die ohne Objektiv 1249 Euro kostet. Mit dem SELP1650 Standardobjektiv ist sie für 1399 Euro zu haben, mit dem SEL1670Z für 2250 Euro.

Premium-Objektive G Master

Neben der Sony Alpha 6300 hat Sony d rei passendePremium-Objektive der G-Master-Serie vorgestellt. Neben einer 85 Millimeter Festbrennweite mit einer Lichtstärke von F1.4 bringt Sony zwei Premium-Zooms mit 24-70 Millimeter F2.8 und 70-200 Millimeter F2.8.

Das FE 24-70mm F2.8 GM kostet 2400 Euro, das SEL85F14GM 2000 Euro. Beide Objektive sollen ab März erhältlich sein. Das SEL70200GM kommt im Mai auf den Markt, bislang ist der Preis nicht bekannt.

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