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Morgenmagazin vom Donnerstag, 4. Juli 2019

04.07.2019 | 07:00 Uhr |

Wie Intel das Mooresche Gesetz retten will +++ AirPods-Werbung führt zu Unmut +++ Beta installieren oder nicht? +++ Windows-10-Update auf alten Macs verhindert +++ US-Bundesstaat stellt Deepfake-Pornos unter Strafe +++ China: Polizei-App spioniert Touristen aus +++ Ikea: Aus Tradfri wird Ikea Home Smart +++

4. Juli: Goldene Zeiten

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Nein, das Mittelalter war in Europa nicht wirklich finster, wir stellen es uns seit der Neuzeit nur vor, dass in hiesigen Breiten noch Drachen herumschwirrten, die von unbesiegbaren Helden mit Breitschwertern zur Strecke gebracht wurden. Kultur und Wissenschaft der Alten Welt waren im elften Jahrhundert aber im Vergleich zu der in anderen Regionen ein wenig rückständig. In der islamischen Welt etwa war eine wissenschaftliche Explosion zugange, arabische und persische Herrscher förderten die Bewahrung antiken Wissens und spornten zu neuen Erkenntnissen an. Heutige Wissensdisziplinen verdanken ihren Namen jener Zeit, die Algebra etwa vom „Zusammenfügen gebrochenerer Teile“ oder die Chemie, früher Alchemie von „Metallguss“. Der Algorithmus geht auf Al-Chwarizmi zurück, der allerdings schon um die Wende des achten zum neunten Jahrhunderts nach Christus wirkte. Avicenna oder Ibn Sina gilt als einer der Väter der Medizin, man trifft ihn etwa in der Fiktion „Der Medicis“ - oder im wunderbaren Sachbuch „ Im Haus der Weisheit “ des amerikanisch-irakischen Wissenschaftler Jim Al-Khalili. Das „Goldene Zeitalter der arabischen Gelehrsamkeit“ - so der Untertitel - ist aber lange Geschichte. Eine nicht unerhebliche Rolle spielte die Eroberung Bagdads durch die Mongolen im Jahr 1258. Jenem Nomadenvolk war Gelehrsamkeit zu jener Zeit offenbar ein untergeordneter Wert.

Dabei trieben die Wissenschaften auch in Asien während des europäischen Mittelalters große Blüten. Am 4. Juli 1054 etwa beobachteten und beschrieben chinesische Astronomen etwa einen neuen Stern am Himmel, der plötzlich und für nur kurze Zeit aufstrahlte. In Europa saßen die wenigen Gelehrten vor 965 Jahren offenbar bei bewölktem Himmel hinter dicken Klostermauern, aber aus der der Zeit ist einfach nichts überliefert - natürlich auch keine Wetterdaten. Um was es sich handelte, das den Krebsnebel hinterließ, weiß man erst seit dem letzten Jahrhundert: Eine Supernova. Ein Stern am Ende seines Lebens fällt in sich zusammen, weil der Strahlungsdruck der Fusionsprozesse von Wasserstoff zu Helium und von Heliumzu schwereren Elementen der Gravitation nicht mehr entgegen halten kann. Der kollabierende Stern wird für so kurze Zeit so dicht und heiß, dass nun weit schwerere Elemente entstehen und die dabei frei werdenden Energie die Materie weit in den Weltraum hinausschleudert. Unser Planet und auch wir bestehen komplett aus jenem Sternenstaub, aber das weiß man auch erst seit diesem goldenen Zeitalter der Gelehrsamkeit.

Dabei war in den Himmel zu schauen schon immer des Menschen nützliches Vergnügen. Wir erinnern uns dieser heißen Tage wieder an den Begriff Hundstage, der aber vor allem damit zu tun hat, dass im alten Ägypten der Aufgang des Sternbildes Jagdhunde mit dem Sirius als hellstem Punkt die Jahreszeit der Nilfluten ankündigte. Sterne sind unsere ersten und wichtigsten Kalender.

Nicht nur im alten Ägypten: Etwa zu jener Zeit, als sich Sirius zur passenden Jahreszeit erstmals wieder über den Horizont schob (ist ja mittlerweile wann anders) nutzten im heutigen Mitteleuropa die Menschen ebenso den Lauf der Gestirne, um sich Jahreszeiten zu merken und somit zu wissen, wann es Zeit für die Aussaat ist, die Ernte oder andere wichtige Termine wie Sonnenwenden wahrzunehmen sind.

Ein solches Hilfsmittel zur Messung der Zeit kam heute von 20 Jahren in einem Acker in Sachsen-Anhalt wieder zum Vorschein: Die Himmelsscheibe von Nebra. Die etwa 4000 Jahre alte Bronzeplatte zeigt mit ihren Goldapplikationen die bisher älteste bekannte Himmelsdarstellung. Vollmond, zunehmender Mond, Plejaden, Horizontbögen für Sonnenauf- und Untergang dienten ihren Nutzern zur Bestimmung wichtiger Daten. Das Werkzeug genoss offenbar kultische Verehrung und diente in späteren Phasen womöglich nur noch als Herrschaftssymbol. Nicht völlig ausgeschlossen, aber kaum beweisbar: Die Hersteller der Himmelsscheibe hatten kulturellen und wissenschaftlichen Austausch mit dem Nahen Osten und den Minoern, da es aus jenen Gegenden ähnliche Artefakte gibt wie jene, die bei Nebra gefunden wurden. Auch die Bronzezeit hatte ihre Goldenen Zeiten der Gelehrsamkeit. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Abwägung : Mittlerweile sind die zweiten Public Betas von iOS 13 und iPadOS 13 erhältlich, um die neuen Funktionen schon jetzt auf iPhone und iPad ausprobieren zu können, muss man kein Entwickler sein, sondern sich nur für den öffentlichen Beta-Test registrieren. Aber Vorsicht: Beta bedeutet "noch nicht fertig" und "potentiell fehlerhaft". Jason Cross erklärt auf Macworld die wesentlichen Kriterien und gibt Entscheidungshilfen, ob man sich am Beta-Test beteiligen sollte. Man sollte auf alle Fälle darauf vorbereitet sein, dass etwas schief läuft und vorher ein Backup angelegt haben, zu dem man immer zurück kann. Aber auch das kostet im schlimmsten Fall viel Zeit, also besser kein Gerät benutzen, dass man jederzeit und dringend benötigt. Und jeden Fehler, den man findet, möge man doch bitte an Apple berichten - das ist ja der Sinn des Beta-Tests. Wer unbedingt Software testen muss, bevor diese an weitere Kollegen verteilt wird, sollte auf alle Fälle sich für die Public Beta registrieren. Wer aber sensible Daten hat die sich nicht so leicht wiederherstellen lassen, stets erreichbar sein will oder großen Wert auf Performance und Akku legt und kein Zweitgerät zur Verfügung hat, der sollte besser auf die finale Version im Herbst warten und das Testen sein lassen.

Beiwagen: Eine wesentliche Neuerung kann man nur genießen, wenn man seinen Mac auf macOS 10.15 Catalina aktualisiert und sein iPad auf iPadOS, gerne auch schon während der Beta-Phase. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit, das iPad als Zweitmonitor für sein Macbook oder den Desktop zu nutzen. Apple nennt das Sidecar. Unser Macworld-Kollege Leif Johnson zeigt im Detail, wie das Feature zu nutzen ist und was es bringt.

Not dead yet : Das empirische Moore'sche Gesetz, nachdem sich die Transistordichte alle 12 bis 18 Monate verdopple ist nicht tot, erklärte der Intel-Ingenieur Jim Keller auf einem Symposium am Sonntag in San Francisco, das auch Wired besucht hatte. Man dürfe das Gesetz aber nicht so eng sehen, Strukturen immer kleiner zu bekommen, wird in der Tat mühselig. Intel hatte schon den 14- und den 10-Nanometer-Prozess später als erwartet eingeleitet und Konkurrenten wie TSMC sind bereits bei 7 Nanometern angelegt. Bei der Lithographie mit extremen Ultraviolett komme noch auf kleinere Strukturen, doch das sei nur der eine, der klassische Ansatz. Viel mehr verspricht sich Keller davon, Chip-Strukturen aufeinander zu schichten und mit Nanodrähten miteinander zu verbinden. Damit könne man die Dichte von Transistoren noch bis zu 50fach steigern und den Stromverbrauch auch senken, da die einzelnen Komponenten der Chips näher beieinander lägen. Intel hatte mit Lakefield in diesem Januar bereits ein entsprechendes Design gezeigt.

Trigger: Stopft man sich AirPods in die Ohren und bittet Siri darum, etwas Neues zu spielen, so wird die Stadt zum Spielplatz voller Trampolins – erzählt Apples im schwarz-weiß gehaltener TV-Werbespot "Bounce". Der Surrealismus ist für Leute, die die Werbung schon im TV oder im Webbrowser gesehen haben, aber nicht das Problem, sondern der zu Beginn des Spots vorgetragene Satz "Hey Siri! Play me something new". Denn wie sich laut 9to5Mac auf Twitter viele Leute aufregen, triggert das den HomePod, der im gleichen Raum wie der Fernseher oder Computer steht. Kakophonie ist die Folge, wenn auf dem TV-Apparat  "I Learned Some Jazz Today" von Tesselated im Hintergrund der Werbung läuft und auf dem eigenen HomePod etwas anderes Neues. Wird eben Zeit, dass der HomePod endlich lernt, die Stimme seines oder seiner Besitzer genau zu erkennen.

Nachtrag: Über Jony Ives Abschied von Apple ist an sich schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem. Fast Company hat nun drei ehemalige Apple-Mitarbeiter zu Ive und seinem Wirken befragt. Sein ehemaliger Vorgesetzter Don Norman erinnert sich an ihn als einen Leuchtturm des Industriedesigns in einem im Jahre 1996/97 reichlich dysfunktionalem Apple. Ken Kocienda hingegen, seinerzeit für iPhonoe-Software zuständig, spricht ihm ab, Softwaredesign richtig verstanden zu haben. Als CDO habe er daher in Sahen Software wie ein genialer Orthoüäde gewirkt, der plötzlich auch am Herzen operieren müsse.
Imran Chaudhri,   früher Direktor von Apples Human Interface Group sieht ihn hingegen als einen Vorkämpfer für die Schönehit mit einem unvergleichlichen Gespür dafür, was Schönheit bedeute.

Weitere Nachrichten:

Windows-10-Update auf alten Macs verhindert

Wer auf seinem Mac noch eine Windows-Installation verwendet, kann unter Umständen nicht die neueste Version des Betriebssystems herunterladen . Dies berichtet der Entwickler in seinem Support-Bereich. Das neueste Mai-Update von Windows 10 mit der Versionsnummer 1903 hat offenbar Probleme mit einem alten Driver, der noch aus dem Jahr 2011 stammt. Die Datei namens "Mac HAL Driver - machaldriver.sys" findet sich entweder auf älteren Macs, produziert 2012 oder früher, oder auf den neueren Macs mit einer alten Boot-Camp-Version.

Microsoft rät in seinem Support-Dokument dazu, Boot Camp und Windows Support Software zu aktualisieren. Dies kann man entweder über den App Store bewerkstelligen, alternativ liefert Apple eine Schritt-für-Schritt-Anleitung , wie man die Windows Support Software direkt im System updaten kann.

Microsoft will die Inhaber von älteren Macs in der Zukunft nicht von Aktualisierungen aussperren. Voraussichtlich Ende Juli will der Entwickler das Problem mit dem fehlerhaften Driver bzw. der Inkompatibilität beheben.

US-Bundesstaat stellt Deepfake-Pornos unter Strafe

Im US-Bundesstaat Virginia stehen nun nicht nur die Verbreitung von Rachepornos, sondern auch Deepfake-Pornos als Bewegt- oder Standbild unter Strafe . Damit ist Virginia einer der ersten US-Bundesstaaten, der Deepfakes strafrechtlich verfolgt. Dazu wurde von der Regierung das Anti-Belästigungsgesetz erweitert. Das Gesetz untersagte bereits die ungefragte Verbreitung von Nacktfotos und Videos, um damit eine Person zu belästigen, einzuschüchtern oder zu erpressen. Ein entsprechender Zusatz stellt nun auch die Verbreitung von „künstlich erstellten“ Bewegt- und Standbildern unter Strafe.

Die Verbreitung von Rachepornos – also von intimen Nackt-Videos oder -Fotos gegen den Willen des Abgebildeten – gilt in Virginia als Vergehen der Klasse Eins. Darauf steht eine Höchststrafe von 2.500 US-Dollar, zwölf Monate Gefängnis oder beides. Mit der neuen Ergänzung des Gesetzestextes sieht die Strafverfolgung nun keinen Unterschied mehr darin, ob das Bildmaterial echt ist oder mit Hilfe von Deepfake-Technik erzeugt wurde. Mehrere Senatoren bemühen sich in den USA derzeit darum, die Verbreitung von Deepfakes auch auf Bundesebene unter Strafe zu stellen.

China: Polizei-App spioniert Touristen aus

Wenn ausländische Touristen auf dem Landweg von Kirgisistan in die chinesische Provinz Xinjiang einreisen wollen, wird auf ihrem Smartphone von den Behörden bei der Einreise die App Fengcai installiert. Der Süddeutschen Zeitung wurde diese App von einem Touristen zugespielt. In Zusammenarbeit mit Vice Motherboard, dem NDR, der New York Times, dem Guardian und der Ruhr-Universität Bochum ist es den Publikationen gelungen, die Spionage-Software zu entschlüsseln.

Die App greift den Recherche-Ergebnissen zufolge, unter anderem auf den Smartphone-Standort, den Kalender, die Kontakte, die Anruflisten und auf SMS zu und überträgt diese Daten an einen Server der chinesischen Grenzpolizei. Fengcai sucht außerdem nach verdächtigen Dateien wie etwa religiösen Inhalten, die auf Islamisten oder Tibet und Taiwan hinweisen. Die App verfügt über eine Liste mit 73.315 dieser „verdächtigen Dateien“. Wird die Software nach der Installation beim Scan nach diesen Dateien auf dem Smartphone fündig, stößt sie einen Warnton für die Grenzpolizisten aus. Unter den Dateien finden sich neben islamistischen Schriften auch aus europäischer Sicht harmlose Inhalte wie etwa ein Song der Metal-Band Unholy Grave oder Texte des Dalai Lama.

Dass chinesische Staatsbürger mit Spionage-Software auf ihren Geräten leben müssen, ist bereits bekannt. Neu ist jedoch, dass mit Fengcai auch ausländische Touristen ausgespäht werden. Bei der Einreise werden alle gebeten, ihr Handy zu entsperren. Das Mobilgerät wird dann von Beamten in einen separaten Raum gebracht. Was dort mit ihrem Smartphone passiert, erfahren die Reisenden nicht. Dass eine Spähsoftware installiert wird, darüber klären die Grenzbeamten nicht ausdrücklich auf.

Ikea: Aus Tradfri wird Ikea Home Smart

Ikea hat seinem Smart-Home-Angebot einen neuen Marken-Namen verpasst. Ab sofort laufen smarte Leuchten, (demnächst erscheinende) smarte Symfonisk-Lautsprecher mit Sonos-Technik, Qi-Ladestationen und Rollosysteme unter dem Markennamen „Ikea Home Smart“. Der bisherige Name Tradfri wird darin integriert. Unter Tradfri verkauft Ikea bisher vor allem sein steuerbares Lichtsystem, das eine Alternative zu Hue darstellt.

Dementsprechend haben die Schweden auch schon ihre Apps für Android und iOS umbenannt: Statt Tradfri-App heißt sie nun Ikea Home smart (TRÅDFRI). Für diese App erscheint bald ein Update, unter anderem, um die App fit zu machen für die kommenden Symfonisk-Lautsprecher. Nach dem Update können Sie mit der App Ikea Home smart (TRÅDFRI) alle smarten Ikea-Produkte, wie z. B. smarte Beleuchtung, smarte Rollos und vernetzte WiFi-Speaker steuern.
 
Nach der Aktualisierung soll es unter anderem möglich sein, Beleuchtungsstimmungen zu konfigurieren oder einen Timer einzustellen, um die Beleuchtung zu einer bestimmten Zeit ein- und auszuschalten. Außerdem können unterschiedlich vernetzte Produkte gruppiert werden, so dass etwa, wenn das Licht angeht, auch die Rollos nach oben fahren und Musik abgespielt wird. So soll es leichter fallen, zu Hause die Atmosphäre jederzeit nach Wunsch zu verändern.



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