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Morgenmagazin vom Donnerstag, 4. März 2021

04.03.2021 | 07:14 Uhr | Peter Müller

Alle iPhone 13 sollen Sensorverschiebung bekommen +++ WWDC 21 vermutlich wieder virtuell +++ Apple veröffentlicht Tool zum Kopieren von Bildern auf Google Photos +++ Apple Card: Nach Zahlungsausfall Apple-ID gesperrt +++ Studie: Smartphone-Sucht beeinflusst den Schlaf +++ Microsoft Mesh: Videokonferenzen mit Augmented Reality und Virtual Reality +++ Intel soll Milliardenstrafe für CPU-Patentverletzung zahlen

4. März: Das Grauen auf der Leinwand

Macwelt wünscht einen Guten Morgen! Wann wird es wieder Kino geben? Vielleicht wird das vor dem nächsten Herbst nicht möglich sein, und auch nur dann, wenn bis dahin so viele Leute geimpft sind, dass zwei bis drei Stunden in einem fensterlosen Raum mit dutzenden oder hunderten anderen Personen nicht mehr gefährlich sind. Am Eingang wird man nicht nur sein Ticket vorzeigen müssen, sondern auch den abgestempelten Impfpass, ersatzweise das negative Ergebnis eines unmittelbar zuvor erledigten Schnelltests. "Zwei mal Parkett, zwei kleine Cola, eine große Popcorn und zwei Schnelltests, bitte" könnten künftig die Bestellungen lauten. Aber wenigstens wäre das eine Perspektive. Nur ist es viel zu viel verlangt, dafür schon ein genaues Datum zu nennen.

So bleibt auch weiter im Vagen, wann denn James Bond in seinem 25sten Abenteuer auf der Leinwand keine Zeit zu Sterben findet. Sicher, Bind ist für die große Leinwand und das gewaltige Soundsystem gemacht, die Vorbehalte, den längst abgedrehten und geschnittenen Film nicht an die großen Streamer zu verkaufen, sind verständlich. Vor allem ist die Bond-Franchise aber eine gigantische Werbemaschine, die Kunden haben eine bestimmte Reichweite bezahlt, die sich in Kinobesuchern misst. Die konzentriert ihre Cola schlürfen, das Popcorn kauen und genau darauf achten, welches Auto Bond fährt, welche Uhr er trägt, welches Smartphone er nutzt. Nur, dass der Martini geschüttelt sein muss und nicht gerührt, das ändert sich nicht.

Nichts weiter als eine Symphonie des Tötens erwarten wir in "No Time to Die", die Bösen werden wieder zahlreich ins Gras beißen und bei wilden Verfolgungsjagden und lauten Schießereien ihre Leinwandleben lassen. Ohne genau zu wissen, wie es ausgeht und die Sache im Detail verläuft, wird uns Bond 25 wenig überraschen.

Eine Symphonie des Grauens verspricht in seinem Titel bereits jener Film, der heute vor 99 Jahren in Berlin Premiere hatte - bald nach Ende des Ersten Weltkriegs und einer Pandemie, vom Grauen, das schon bald noch einen drauf legen sollte, hatten die Leute an sich genug. Es ist alte Tradition des Dramas, durch Mitleid mit den Figuren auf der Bühne oder der Leinwand eine Katharsis zu erreichen, "Nosferatu" war im Prinzip der erste Film, dem das durch Horror gelingen sollte. Im Prinzip handelt es sich um eine Adaption von Bram Stokers Briefroman "Dracula", für den es im Verlauf der Kinogeschichte noch etliche mehr oder weniger Horror verbreitende Verfilmungen geben sollte. Nur geschah das ohne Genehmigung der Rechteinhaber, weshalb eben der Titelheld Nosferatu hieß und im zivilen Leben "Graf Orlok" genannt wurde. Der Name des Schauspielers war gewissermaßen Programm für seine Darstellung des Vampirs: Max Schreck.

Vielleicht wäre der Streifen ja etwas für das Open-Air-Kino, das sicher schon ab Juli unter Auflagen möglich sein könnte. Mit Schreck sich ordentlich gruseln, wenn das Ende des Schreckens absehbar sein könnte, diese Symphonie des Grauens, die immer und immer wieder einen weiteren Satz bereitzuhalten scheint.

Lesetipps für den Donnerstag:

Offene Baustellen: Apple unternimmt viel für die Sicherheit seiner Kunden, kein Zweifel. Und doch könnte Cupertino mehr tun, wie Jason Snell in seiner Kolumne "More Color" auf Macworld beklagt. Was Safari etwa schon lange bietet, könnte doch auch Mail offerieren, den Schutz vor Trackern. Aber Mail hat in der iOS-Version ja nicht einmal einen Spam-Filter. Auch der an sich recht saubere App Store zeigt Schmuddelecken mit Abofallen, Scam und Pornographie, Apple steht hier an sich besonders in der Verantwortung, da es auch an betrügerischen Apps gut verdient. Schließlich schlägt Snell noch vor, Apple könnte gewissermaßen Sicherheit auch als Service anbieten und einen eigenen VPN-Dienst aufsetzen.

Ausgeweitet: Die Kamera des iPhone 12 Pro Max bietet eine Bildstabilisierung mit Sensorverschiebung, was bedeutet, dass der CCD, also der lichtempfindliche Chip, beweglich gelagert ist. Die Elektronik gleicht Bewegungen des Telefons aus, ein ruhigeres Bild ist die Folge, allein durch die Gegenbewegung. Wie nun das taiwanische Branchenblatt Digitimes berichtet, plant Apple eine Ausweitung dieses Features auf alle Modelle des iPhone 13, die im Herbst dieses Jahres erscheinen sollen. Der Rest der Reihe muss bisher allein mit einer elektronischen Bildstabilisierung zurecht kommen.

Umweg: Apple rät seinen Nutzern stets davon ab, Jailbreaks auf iPhones anzuwenden. Diese nutzen bis dato nicht geschlossene Hintertüren des Systems und bergen Sicherheitsrisiken. Doch war es vor der Veröffentlichung des ersten SDKs für iPhone-OS 2.0 und der Eröffnung des App Store im Juli 2008 schlicht nicht anders möglich, als via Jailbreaks native Software auf das iPhone zu bekommen. Wie die beiden Manager Tim Westergren und Tom Conrad des Streaming-Pioniers Pandora in einem Interview mit Vice erzählen, war es kein geringerer als Apples damaliger Senior Vice President für iOS-Software Scott Forstall, der die beiden bei einem Meeting in Cupertino ermutigte, einen Jailbreak auf einem iPhone anzuwenden und dann eine native Pandora-App zu entwickeln. Das sei eine Übergangslösung, bis man bei  Apple mit etwas mehr formellen kommen werde. Das Zeitfenster für relativ kurz, Apple hatte das iPhone Ende Juni 2007 in den Handel gebracht, vorgesehen waren zunächst lediglich Web-Apps. Im März 2007 präsentierte Apple schließlich das SDK, mit dessen Hilfe Entwickler Apps für das iPhone programmieren konnten, der App Store eröffnete dann im Juli 2008.

Misstrauen: Im Prozess um Taschenkontrollen steht Richter William Alsup nach einer Anhörung am Montag nach eigenen Angaben kurz davor, den Klägern pauschal Recht zu geben und Apple zu Lohnnachzahlungen zu verurteilen. In dem Prozess geht es um Beschwerden, dass die Taschenkontrollen am Ende der Schicht im Apple Store oder vor der Mittagspause im Prinzip als Arbeitszeit zu gelten hätten, geschätzt hätten Mitarbeiter auf bis zu 1440 US-Dollar im Jahr Anspruch. Die Klage wurde bereits zweimal zurück gewiesen und neu eingereicht, Richter Alsup will nicht Daten von jedem einzelnen Kläger einfordern, wie lange er oder sie wann in der Schlange gestanden hätte, das sei nicht mit der notwendigen Präzision zu ermitteln. Apple hatte argumentiert, dass viele der Kläger gar nicht lange genug hatten warten müssen, um Überstunden bezahlt zu bekommen, ebenso hätten sie die Kontrollen vermeiden können, wenn sie einfach keine Tasche in die Arbeit mitbringen.

Maske auf, Halle zu: Mag man in Texas die Gefahr der Pandemie weiter leugnen, was zahlreiche Leben kosten dürfte, scheinen die Verantwortlichen im US-Bundesstaat Kalifornien vernünftiger sein. So werde laut The Verge viele geplante Publikumsveranstaltungen nicht stattfinden oder als Online-Event oder alternativ in den Herbst verschoben, in der Hoffnung, dass die Pandemie dann unter Kontrolle sein könnte.  Betroffen sind davon Messen wie die San Diego Comic-Con, die Electronic Entertainment (E3) und die Anime Expo. Der Schluss dürfte nun nahe liegen, dass Apple seine World Wide Developers Confernce (WWDC) wie im Vorjahr wieder virtuell veranstaltet, im Juni dürfte die allgemeine Lage noch lange nicht entspannter sein als heute. Bereits in den nächsten Wochen ist die Ankündigung des Termins zu erwarten, alles andere als eine zweite Online-WWDC im zweiten Jahr der Covid-19-Pandemie wäre eine Überraschung.

Kopieren erlaubt: Apple hat ein Tool veröffentlicht, mit dem man Inhalte aus seiner iCloud auf die Server eines anderen Unternehmens übertragen kann, bisher ist es möglich, Fotos und Videos auf Google Photos zu kopieren, sofern man dort ausreichend Platz reserviert hat. Die Daten auf der iCloud werden dabei nicht gelöscht, nur eine Kopie bei Google hochgeladen, der Transfer kann zwischen drei und sieben Tagen dauern. Verfügbar ist der unter den Datenschutzeinstellungen der Apple-ID erhältliche Service in den USA, Kanada, Australien, der EU, UK und anderen europäischen Ländern.

Weitere Nachrichten:

Apple Card: Nach Zahlungsausfall Apple-ID gesperrt

Apples eigene Kreditkarte, die Apple Card, ist zwar in Deutschland noch nicht verfügbar. Vor allem für regelmäßige Käufer von Apple-Geräten bietet die Apple Card Vorteile, denn Apple gewährt drei Prozent Cashback auf Einkäufe bei Apple.

Die Schattenseiten, die eigenen Geldaktivitäten über einen Service-Anbieter wie Apple abzuwickeln, musste der Amerikaner Dustin Curtis am eigenen Leib erfahren. Denn Apple, so berichten neben Curtis auch andere Apple-Card-Besitzer, kann bei einer fehlenden Deckung eines Einkaufs nicht nur die Kreditkarte, sondern auch die Apple-ID des Besitzers inklusive der damit verbundenen Dienste sperren.

Curtis schreibt über seine Erlebnisse in seinem Blog: Er habe sich bei Apple einen neuen Mac gekauft und dabei mit seiner Apple Card gezahlt. Kurz darauf habe sich die Nummer seiner hinterlegten Kreditkarte geändert. Als Apple nach einem gescheiterten Altgerät-Eintausch den zweiten Teil des Mac-Kaufpreises einziehen wollte, schlug die Abbuchung aufgrund der geänderten Kreditkartennummer fehl. Daraufhin sperrte Apple die Apple-ID, den App-Store-Account und einige iCloud-Dienste. In einer Mitteilung an Curtis ließ Apple wissen, dass man aufgrund der fehlgeschlagenen Zahlung den Zugriff des Geräts auf Dienste einschränken und die verknüpften Accounts sperren werde.

Um die Sperre wieder aufzuheben, musste sich Curtis mit Apple, dem Partner-Geldinstitut Goldman Sache und schließlich wieder Apple in Verbindung setzen. Das ganze Prozedere dauerte mehrere Werktage, bis die Accounts schließlich wieder freigeschaltet wurden. Auch wenn Curtis in diesem Zeitraum auf die meisten seiner Daten in der iCloud zugreifen konnte, fürchtete er, dass der Zugang zu wichtigen Daten weiter eingeschränkt werden könnte.

Beim Betroffenen sorgt dieses Vorgehen von Apple für Unverständnis, schließlich geht es hierbei um zwei vollkommen unterschiedliche Service-Angebote, die eigentlich nicht miteinander verknüpft sein sollten.

Kritisch könnte eine Account-Sperrung vor allem für App-Entwickler sein, die im schlimmsten Fall den Zugang auf ihre Entwickler-Accounts verlieren, keine Updates mehr ausspielen können und sogar Umsatzeinbußen zu befürchten haben.

Ob es sich bei diesem Vorgang um einen Einzelfall oder um eine regelmäßige Maßnahme Apples handelt, können wir zu diesem Zeitpunkt nicht beurteilen. Einige Twitter-Nutzer zweifeln die Authentizität von Curtis' Bericht an, die von ihm veröffentliche E-Mail von Apple (in welcher ihm die Sperrung seiner Accounts angekündigt wurde) wirkt aber authentisch. Es bleibt abzuwarten, ob noch weitere solcher Fälle publik werden.

Studie: Smartphone-Sucht beeinflusst den Schlaf

Das King's College London hat in einer aktuellen Studie den Zusammenhang von Smartphone-Sucht und gesundem Schlaf untersucht. Unter dem Titel "The Association Between Smartphone Addiction and Sleep: A UK Cross-Sectional Study of Young Adults" wurde die Studie in dieser Woche im wissenschaftlichen Journal Frontiers in Psychiatry veröffentlicht .

Die fünf Studienleiter befragten in einem Zeitraum von über zwei Monaten 1.043 Teilnehmer im Alter von 18 bis 30 Jahren. Bei der Studie wurde festgestellt, ob die Teilnehmer Symptome von Smartphone-Sucht zeigen, sie mussten ihre Schlafqualität bewerten und angeben, welche Maßnahmen sie ergreifen, um ihren Smartphone-Konsum zu verringern und wie erfolgreich diese waren. Die Studie stellte fest, dass 38,9 Prozent der Befragten Anzeichen für eine Smartphone-Sucht zeigten. 68,7 Prozent von ihnen gaben an, unter schlechtem Schlaf zu leiden. Bei der Gruppe der Studienteilnehmer, die nicht unter Smartphone-Sucht litten, waren es 57,1 Prozent.

Die Forscher stellten auf Basis dieser Ergebnisse einen Zusammenhang zwischen Smartphone-Sucht und Schlafproblemen her. Viele der Befragten mit Smartphone-Sucht-Anzeichen gaben an, ihr Smartphone täglich länger als vier Stunden zu nutzen und häufig auch noch nach Mitternacht darauf zuzugreifen. Vor allem die Befragten, die ihr Smartphone erst kurz vor dem Einschlafen aus der Hand legten, hatten mit Schlafproblemen zu kämpfen. Bei den Teilnehmern, die sich schon eine Stunde vor dem Zubettgehen davon trennten, hatte kein so hoher Anteil Einschlafprobleme. Die Studie betont jedoch, dass allein die Dauer der täglichen Handynutzung noch kein zuverlässiges Indiz für eine Smartphone-Sucht sei.

Microsoft Mesh: Videokonferenzen mit Augmented Reality und Virtual Reality

Microsoft will die Möglichkeiten für digitale Zusammenarbeit in Zeiten der weltweiten Corona-Pandemie und danach weiter ausbauen. Aus diesem Grund hat das Unternehmen in dieser Woche mit Microsoft Mesh eine neue Mixed-Reality-Plattform vorgestellt. Ausgestatte mit Augmented-Reality-Brillen oder Virtual-Reality-Brillen sollen Nutzer bei Online-Meetings dabei das Gefühl bekommen, zusammen am selben Ort zu sein. Die Mesh-fähigen Apps bieten dabei die Möglichkeit, über 3D-Inhalte miteinander zu interagieren oder sich virtuell in einem Raum zu treffen.

Microsoft Mesh wird nicht nur für der eigenen Hardware - wie der Augmented-Reality-Brille Hololens 2 - unterstützt, sondern steht auch anderen Hardware-Anbietern offen, darunter Facebook mit seinen Virtual-Reality-Brillen der Oculus-Produktfamilie. Der Redmonder Konzern könnte damit auch eine Brücke zwischen Augmented Reality und Virtual Reality schlagen. Bei Ersterem werden digitale Objekte in die Realität eingeblendet und in der virtuellen Realität tauchen die Nutzer gänzlich in eine digitale Welt ein - könnten sich also virtuell mit Avataren an einem Meeting-Tisch treffen.

Microsoft Mesh wird auch an Microsofts Cloudplattform Azure angebunden. Die Inhalte, die für die digitale Zusammenarbeit notwendig sind, werden dabei nicht auf den Geräten der Nutzer gespeichert, sondern über Azure bereitgestellt. Für die Nutzung wären so nur noch eine schnelle Internetverbindung und eine Spezialbrille für AR oder VR notwendig.

Intel soll Milliardenstrafe für CPU-Patentverletzung zahlen

Intel ist in den USA zur Zahlung einer äußerst hohen Strafe wegen - aus Sicht von Intel: angeblichen - Patentverletzungen verurteilt worden. Ein Gericht in Texas entschied am Dienstag, dass Intel im Streit mit VLSI Technology LLC eine Strafe von 2,18 Milliarden US-Dollar zahlen muss, was umgerechnet einem Betrag von 1,81 Milliarden Euro entspricht. Wie Bloomberg berichtet , handelt es sich mit um die höchste Strafe, zu der je ein Unternehmen bei einem derartigen Patentstreit verdonnert worden ist.

Die Geschworenen im Verfahren entschieden, dass Intel wegen der Verletzung eines Patents 1,5 Milliarden US-Dollar an Entschädigung und wegen der Verletzung eines weiteren Patents insgesamt 675 Millionen US-Dollar zahlen soll. Intel vertrat vor Gericht den Standpunkt, dass es das eine Patent nicht verletzt habe und das andere Patent ungültig sei. Die Geschworenen in dem Verfahren gelangten aber zu einer anderen Überzeugung.

In den Besitz der Patente gelangte VLSI über mehrere Umwege und sie gehörten zuletzt dem niederländischen Chiphersteller NXP. In den CPU-Patenten geht es um die Taktung und Stromversorgung von Prozessoren. Eigene Produkte und Technologien besitzt VLSI nicht, sondern "hütet" nur von anderen Unternehmen übernommene Patente. Entsprechend hatte Intel auch vor Gericht argumentiert, dass VLSI ein paar seit über einem Jahrzehnt nicht mehr genutzte Patente aus einem "Regal" genommen habe, um Intel zu verklagen und Geld zu machen. Gegen das Urteil des Gerichts in Texas will Intel nun in die Berufung gehen.

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