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Morgenmagazin vom Donnerstag, 9. Januar 2020

09.01.2020 | 07:02 Uhr | Peter Müller

Apple: Services rocken – Börse schickt AAPL auf Rekordkurs +++ Apples TV-App kommt auf Fernseher von Sony und Vizio +++ Wettbewerb Shot in iPhone dreht sich um Nachtaufnahmen +++ Neue USB-Logos sollen für mehr Übersicht sorgen +++ 5 Tage Smartphone-Nutzung mit Lithium-Schwefel-Akku +++ Smarter Lautsprecher: Samsung kündigt Galaxy Home Mini an

9. Januar: Teenager

Macwelt wünscht Guten Morgen! Wo denn das Apple Car bleibt, es sollte doch ab 2020 zwar nicht auf den Straßen, aber wenigstens vom Band rollen? Der Macworld-Kolumnist Macalope hat sich bereits mit dem Thema beschäftigt (wir berichteten gestern) und auch der hiesige Kollege Macphisto kommt zum Schluss: Das Apple Car gibt es (noch) nicht, weil die Zeit dafür nicht reif ist. Und womöglich nicht so schnell sein wird. So warten wir weiter auf das nächste große Ding von Apple, eigentlich schon seit heute vor 13 Jahren, 9.41 Uhr Ortszeit in San Francisco.

Denn zu diesem Zeitpunkt kam die gefühlt letzte Apple-Revolution ins Rollen: Die Keynote der Macworld Expo hatte mit Verspätung begonnen und anstatt wie so oft das eigentliche Highlight erst als "one more thing" zum Ende der Veranstaltung wie beiläufig zu präsentieren, hielt sich Steve Jobs nicht allzu lange mit Vorreden auf und zog etwas mehr als eine Viertelstunde nach Beginn das iPhone aus der Hosentasche.

Genauer gesagt, einen von mehreren Prototypen, die Apple für die Keynote zum Auftakt der Macworld Expo in San Francisco gebaut hatte. Schaut man sich heute die Aufzeichnung der Veranstaltung an, auf der Steve Jobs nach das eine Gerät aus der Tasche zog, das deren drei in sich vereinen sollte ("Ein iPod mit Breitbild-Touchscreen! Ein Telefon! Ein bahnbrechendes Internetdevice!"), kann man sich kaum vorstellen, dass die Ingenieure hinter der Bühne Blut und Wasser geschwitzt hatten, ob denn nun auch alles in der Präsentation so funktionieren würde, wie es geplant war – daher auch die Verspätung, heute beginnen Apple-Shows auf die Minute pünktlich.

Zur Not standen noch einige Ersatzgeräte bereit und man war angeblich sogar bereit, den ein oder anderen Showteil wie etwa das Scrollen durch die Mails oder die Anrufliste oder das legendäre erste öffentliche Telefonat zu faken. Das Demogerät versah aber tadellos seinen Dienst und Apple konnte sein Versprechen, das iPhone noch in der ersten Jahreshälfte 2007 in den Handel zu bringen, auch tatsächlich halten.

Der Rest der Geschichte ist bekannt, aber wie geht es nun weiter? Es ist ja nicht so, dass Apple in den letzten 13 Jahren gar nichts Neues gebracht hätte, das iPad, das bald seinen Zehnten feiert, startete sogar noch besser in den Markt als das iPhone und die Apple Watch, über deren Stückzahlen Apple keinerlei Angaben macht, dominiert sein Marktsegment so wie kein anderes Gerät aus Cupertino. Und doch warten alle auf ein neues, revolutionäres Stück Hardware.

Dabei ist das nächste große Ding schon längst da, beziehungsweise gleich viele davon: Apples Services. Die erste aus Cupertino versandte Pressemeldung des Jahres 2020 blickt daher auch auf das vergangene Jahr zurück, in dem Apple seine Dienstleistungen mit Apple TV+, Apple Card, Apple Arcade und Apple News+ auf ein neues Niveau hob: " Nach einem richtungsweisenden Jahr läutet Apple eine neue Ära der Services ein ". Darum geht es Apple in diesem Jahr und den folgenden Zwanzigern: Aus der gigantischen installierten Basis mit Serviceangeboten kontinuierlich wachsende Einnahmen zu generieren. Das ist zwar nicht so sexy wie ein iCar, aber weit nachhaltiger und vor allem margenträchtiger. Hatte Steve Jobs noch 2003 als "Jahr des Notebooks" und 2010 als "Jahr des iPads" ausgerufen, ist nun klar, dass Apple die "Zwanziger der Services" angebrochen sieht. Die haben an Neujahr laut den Angaben des Unternehmens auch schon mal gut angefangen: 386 Millionen US-Dollar betrug der Umsatz des App Store an jenem Tag zwanzig Prozent mehr als an Neujahr 2019. Das geht so weiter: Auf das nächste große Ding muss man also nicht warten.

Lesetipps für den Donnerstag

Rekord: Apples Ankündigungen über Services bleiben nicht ohne Folgen, zumal der Konzern auch einige Zahlen nannte. So würden nun 100 Millionen Nutzer Apple News beziehen, wie viele davon Apple News+ bezahlen, sagte Apple jedoch nicht. Die Einnahmen des App Store steigen aber weiter, allein zwischen Weihnachten und Neujahr hat das Softwareangebot einen Umsatz von 1,42 Milliarden US-Dollar generiert, 16 Prozent mehr als im Vorjahr im gleichen Zeitraum. Der Börse gefallen die Zahlen und die weiteren Aussichten und schickte die Apple-Aktie wieder über 300 US-Dollar und auf eine neues Rekordhoch: Der gestrige Schlusskurs von 303,19 US-Dollar ist der höchste bisher, im nachbörslichen Handel legte AAPL gar weitere 80 Cent zu.

Doppelt kassiert : In Apple Pay lässt sich eine Karte speziell für den ÖPNV konfigurieren, an geeigneten Bezahlterminals muss man sich dann nicht mehr per FaceID oder TouchID authentifizieren und auch die Apple Watch muss nicht aktiviert werden – klugerweise macht man das mit einer Prepaid-Karte oder einer solchen, die mit einem Konto verbunden ist, auf dem nicht viel Geld liegt. Der Vorteil liegt dann auf der Hand: Der Bezahlvorgang läuft noch schneller ab und lässt Schlangen an Kassenautomaten oder an Drehkreuzen vermeiden, wegen denen man gerne seine U-Bahn verpasst. In New York haben aber etliche Pendler in dieser Woche einen Fehler an den Automaten der Metro Transit Authority (MTA) gemeldet, der den Fahrpreis doppelt abbuchen lässt: Denn wer das Ticket mittels einer herkömmlichen Bezahlung löste,war überrascht, dass Apple Pay auch noch ungefragt den Betrag verbuchte. Das Problem scheint aber kein großes zu sein, die New York Post berichtet von etwa 30 Fällen. Wie ein Apple-Sprecher erklärt, gibt es in anderen Städten keine Probleme mit Apple Pay Express Transit. Hierzulande braucht man sich ohnehin keine Sorgen machen, man ist ja schon froh, wenn mal der Fahrkartenautomat Kartenzahlung akzeptiert - Apple Pay Express Transit wird im Digital- und ÖPNV-Entwicklungsland noch lange auf sich warten lassen.

Ausgeweitet: Vor einem Jahr hatte Samsungs Ankündigung auf der CES für Erstaunen gesorgt, dass Smart-TVs des Herstellers Apples Technologie Airplay 2 unterstützen werden und auch die Apple TV App nativ auf dem Apparaten zur Verfügung steht. Apple hat damit seinen Service Apple TV+ damit vorbereitet, um diesen zum Empfangen, braucht es kein Apple TV mehr. In diesem Jahr hat auf der CES nun der Hersteller LG angekündigt, seine neuen TV-Geräte mit OLED- und microLED-Displays ebenso mit HomeKit und Airplay 2 auszustatten, die TV-App werde bald Bestandteil der Plattform webOS sein. Damit aber nicht genug: Wie Apple in seiner Pressemeldung zu den Services ankündigt, werden auch Vizio und Sony in diesem Jahr ihre Fernsehgeräte an das Apple-Ökosystem anschließen, Apple TV+ steht damit einem noch größeren Publikum zur Verfügung.

Wettbewerb: Apple ruft erneut zu seinem Fotowettbewerb "Shot on iPhone" auf, an dem sich iPhone-Fotografen jedweder Klasse beteiligen können. Eine technische Einschränkung folgt aber aus dem diesjährigen Motto: Apple will die besten Aufnahmen im Nachtmodus küren - teilnehmen können also nur Nutzer von iPhone 11, iPhone 11 Pro und iPhone 11 Max. Die Einreichung der Werke erfolgt jedoch auf recht einfache Weise: Jedes bei Twitter oder Instagram mit den Hashtags #ShotoniPhone und #NightModeChallenge wird dem Urteil der Jury vorgelegt, in der renommierte Fotografen aus aller Welt vertreten sind und Apples Marketingchef Phil Schiller. Fünf Gewinnerfotos präsentiert Apple in seinem Newsroom, auf seine Instagram-Account und auf Plakatwänden, nicht nur in Apple Stores. Apple nutzt diese auch in seinen eigenen Werbekampagnen, den Urhebern der Bilder zahlt Apple eine Lizenz für die Nutzung über ein Jahr. Die Gewinner gibt Apple am 4. März 2020 bekannt.

Auf dem halben Weg: Seit iPadOS 13 lässt sich das iPad auch mit einer Bluetooth-Maus steuern. Für Jason Snell ist die Umsetzung aber noch lange nicht ausgereift, wie er in seiner Kolumne More Color auf Macworld erläutert. Der Cursor ist einem Finger nachempfunden, auf den Trackpads von Drittherstellern sind die gelernten Gesten für iPad und Trackpad bei weitem nicht umgesetzt. Apple könnte das in iPadOS 14 machen und auch selbst ein sinnvolles Zubehör entwickeln, wie eine externe Tastatur mit Trackpad und genauer Cursor-Steuerung.

Weitere Nachrichten

Neue USB-Logos sollen für mehr Übersicht sorgen

Die unterschiedlichen Standards für USB-Verbindungen stellen immer mehr Nutzer vor Probleme: Trotz gleicher Versionsnummer ergeben sich unterschiedliche Geschwindigkeiten und Anschlussmöglichkeiten. Mit neuen Logos will das USB Implementers Forum für mehr Übersicht sorgen. Der Standard USB4 wird dazu in zwei unterschiedliche Klassen unterschieden: USB4  20Gbps und USB4 40Gbps. Die Zahl hinter dem USB-Standard gibt an, welche maximale Geschwindigkeit mit den Geräten erreicht werden kann. Auch für die Kabel hat das Konsortium entsprechende Logos entwickelt, die ebenfalls in 20 und 40 Gbps unterschieden werden. 

Auch den alten USB-Standards spendiert das USB Implementers Forum angepasste Logos, die über die jeweiligen Fähigkeiten der Geräte und Kabel informieren sollen. So lassen sich auch hier Geräte auf den ersten Blick erkennen, die Verbindungen mit 5, 10 oder 20 Gbps unterstützen. Im Gegensatz zu USB4 findet sich hier weiterhin der Zusatz SS, der für SuperSpeed steht. Die neuen Logos sollen Käufern die Anschaffung von Geräten und Kabeln erleichtern. Derzeit sorgen die unterschiedlichen Versionen von USB3 oft für Verwirrung, da diese in viele unterschiedliche Standards mit eigenen Versionsnummern unterschieden werden, mit denen jeweils unterschiedliche Geschwindigkeiten erreicht werden.

 

5 Tage Smartphone-Nutzung mit Lithium-Schwefel-Akku

An Alternativen zu Lithium-Ionen-Akkus wird schon seit langer Zeit geforscht und zu den vielversprechenden Kandidaten zählen Lithium-Schwefel-Akkus. Australische Forscher haben nun den Prototypen eines Lithium-Schwefel-Akkus (kurz: Li-S) vorgestellt, bei dem alle bisherigen Nachteile dieser Technologie beseitigt werden konnten. Mit einer Aufladung könnte ein solcher Li-S-Akku der Studie zufolge ein Smartphone bis zu fünf Tage mit Strom versorgen oder ein Elektroauto bis zu 1.000 Kilometer fahren lassen. Unterm Strich, so heißt es seitens der Forscher der Monash Universität in Melbourne, habe man den bisher effizientesten Lithium-Schwefel-Akku entwickelt.

Der Lithium-Schwefel-Akku sei außerdem ein wichtiger Schritt hin zu einer umweltfreundlicheren Akku-Lösung und man befinde sich nun „an der Schwelle“ für die Kommerzialisierung der Lithium-Schwefel-Akku-Technologie, die auch eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen könnte.

In Lithium-Schwefel-Akkus kann Energie mit einer höheren Dichte als bei der bisher weit verbreiteten Lithium-Ionen-Technik gespeichert werden. Dadurch liefern die Akkus auch für längere Zeit Energie. Problematisch war bisher aber deren vergleichsweise geringe Nutzungsdauer. Den australischen Forschern ist es laut der Mitteilung der Monash Universität gelungen, die Schwefelkathoden so umzugestalten, dass sie höheren Belastungen standhalten können, ohne dass dabei die Gesamtleistung sinkt.

Dabei ließen sich die Forscher von der einzigartigen Brückenarchitektur inspirieren, die in den 1970er Jahren bei der Verarbeitung von Waschmittelpulvern zum Einsatz kam. Das Forscher-Team entwickelte daraus eine Methode, die Bindungen zwischen den Partikeln herstellt, „um Spannungen aufzunehmen um ein Maß an Stabilität zu erreichen, das bis heute in keiner Batterie zu finden ist“, wie die Forscher erklären. Dieser Ansatz sei „einfach und extrem kostengünstig“ und könne zu einer erheblichen Reduzierung von umweltgefährdenden Abfällen führen.

Die Forscher haben ein Patent für ihr Herstellungsverfahren eingereicht. Die Prototyp-Zellen wurden vom deutschen Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik erfolgreich hergestellt.

Smarter Lautsprecher: Samsung kündigt Galaxy Home Mini an

Der südkoreanische Elektronik-Hersteller Samsung hat auf der CES in Las Vegas einen neuen smarten Lautsprecher vorgestellt . Das Gerät hört auf den Namen Galaxy Home Mini und soll ähnlich wie Amazons Echo per Sprachbefehl andere Smart-Home-Hardware steuern. Anstatt auf den Google Assistant oder Alexa setzt der Galaxy Home Mini jedoch auf Samsungs hauseigenen Sprachassistenten Bixby , der bereits in den Galaxy-Smartphones zum Einsatz kommt.

Samsung will mit Bixby nicht in direkte Konkurrenz zu Alexa, Siri und dem Google Assistant treten. Das Unternehmen habe sich bewusst dazu entschieden, den digitalen Assistenten nicht mit einer künstlichen Intelligenz zu versehen, die natürliche Gespräche mit Bixby ermöglicht. Stattdessen soll beim Galaxy Home Mini die präzise Sprachsteuerung von Smart-Home-Geräten im Vordergrund stehen. Der Galaxy Home Mini soll laut Samsung der smarte Lautsprecher mit der höchsten Kompatibilität zu Dritthersteller-Smart-Home-Hardware werden.

Im Rahmen eines Beta-Tests ist der Galaxy Home Mini in Südkorea bereits erhältlich. Der offizielle Marktstart soll im ersten Quartal 2020 erfolgen. Ein Preis für den smarten Lautsprecher steht bislang allerdings noch nicht fest.

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