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Morgenmagazin vom Freiag, 14. September 2018

14.09.2018 | 07:01 Uhr |

Cold Boot: Lücke in Firmware von macOS und Windows +++ Die kleinen Details zu iPHones und Apple Watch +++ Spotify hebt das Offline-Limit drastisch an +++ Hollywood will Seifenoper-Effekt in TVs abschaffen +++ Nachfrage nach randlosen Displays steigt stark

14. September: Please come back

Wir wünschen allseits Guten Morgen! War eine verdammt kurz Woche, diese Woche, zumindest gefühlt. So können wir es kaum glauben, dass schon wieder Freitag ist. Was wesentliche zur gefühlten Kürze beigetragen hat: Apples iPhone-Keynote stieg erst in der Nacht auf Donnerstag (nach unserer Zeit), zuletzt hatten wir nach der Eröffnung der  WWDC zwei Tage mehr zur Aufbereitung all der Neuheiten.

Nun aber müssen wir uns gleich in die virtuelle Schlange vor den ebenso virtuellen Apple Store Online einreihen, um eines der neuen iPhones zu bekommen. Die Hoffnung ist nicht unberechtigt, dass wir auch um 9.01 oder sogar um 9.41 Uhr noch unsere Wunschvariante bekommen, anders als vor einem Jahr sollte Apple auch von Anfang an genügend Geräte vorrätig haben. Beim iPhone Xr, das ohnehin schon eine Verzögerung von sechs Wochen aufgebrummt bekommen hat, wird das vermutlich wieder anders. Aber wenn wir schon ein Xs gekauft haben, brauchen wir dann noch ein Xr?

Dann nicht, aber das Warten auf das LCD-Modell könnte sich durchaus lohnen, zu einem deutlich niedrigeren Preis bekommen wir fast alle Features des Xs (Max). Einen etwas anderen Bildschirm mit ganz so starken Kontrast natürlich, aber die FaceID und Bokeh-Effekte für Portrait-Fotos.

Eine andere Erkenntnis haben wir aus der Veranstaltung am Mittwoch geschlossen, die schon nach gut 90 Minuten zu Ende gegangen war. Das kann es nämlich noch nicht alles gewesen sein. Wo sind beispielsweise die AirPods der zweiten Generation? Oder die Ladematte AirPower? Letztere hat Apple offenbar wieder stillschweigend beerdigt oder zumindest zurück ins Labor geschickt, die Kopfhörer könnten irgendwann auch mal ohne große Show im Apple Store aufschlagen.

Viel wichtiger aber: Wie geht es mit dem Mac weiter? Klar, ab Montag, dem 24. September mit macOS 10.14 Mojave, aber bei der Hardware steht einiges an Neuerungen und Optimierungen aus. Nicht alles, was in der Gerüchteküche gekocht wird, bekommt man schlussendlich als Essen vorgesetzt, dass aber ein neuer Mac Mini und ein Nachfolger des Macbook Air schmerzlich vermisst werden, ist sicher auch schon in Cupertino angekommen. Und dann war da ja auch noch etwas mit einem neuen Mac Pro …

Auch wenn die Nachrichten rund um das iPhone in dieser Woche wichtig waren, sie waren weder unerwartet noch revolutionär. Hoffen wir, dass Apple, das jetzt die Grundlage für vier weitere Rekordquartale gelegt hat, wieder ein wenig den Weg Back to the Mac nimmt. Tipp für den Keynote-Termin: Dienstag, 23. Oktober. Das wird dann auch wieder eine scheinbar kurze Woche. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Details: Einige Konsequenzen der Mittwochs-Keynote mögen bisher verborgen geblieben sein, weil sie Apples Vorstände allenfalls am Rande erwähnt haben. Jason Cross von der Macworld hat aber aufgepasst und nennt Details, die man hätte übersehen können - und die für Apple nicht unbedingt schmeichelhaft sind. So kommen die neuen iPhones nach wie vor nur mit einem 5-Watt-Ladeadapter in den Handel - zuletzt hatte es Gerüchte um ein 19-Watt-Netzteil gegeben. Vielleicht will Apple auf diese Art und Weise ja auch nur mitteilen, dass Laden per Kabel out ist und das drahtlose Energietanken per Qi-Standard in: Immerhin will Apple dieses in den neuen Modellen verbessert haben, was aber auch nur eine Randbemerkung auf einer Folie ergab. Ob Apple die Leistung nun von 7,5 Watt auf 10 Watt oder gar die theoretisch möglichen 15 Watt erhöht hat, bleibt unklar. Bestätigt hat Apple indes, dass alle US-Modelle mit dem gleichen Modem kommen, das sich auf GSM und CDMA versteht, der Zulieferer ist höchstwahrscheinlich Intel. Fast zwangsläufig, denkt man an den Streit mit Qualcomm. In der Schachtel ist vermutlich kein Lightning-auf-Klinke-Adapter mit, interpretiert man entsprechende Folien richtig. Zwei Jahre nach dem Weglassen der Audio-Buchse hält das Apple anscheinend nicht mehr für nötig. Auch für die Apple Watch gibt es noch einige Details, das Modell Edition entfällt erstazlos. In der ersten Generation war dies aus Gold, in den beiden Folgenden aus Keramik - hat wohl auch nicht allzu viele Käufer gefunden. Die vierte Generation ist zwar wieder dünner als die dritte, aber immer noch um 0,3 Millimeter dicker als das Original, der neue W3-Chip versteht sich nun auf Bluetooth 5.0.

Einspruch: Die Apple Watch Series 4 kann nun auch EKGs aufzeichnen. Stolz erklärte Apple-COO Jeff Williams, Apple sei die erste Firma, die eine derartige Lösung für Endverbraucher anbiete. Das hat den CEO von AliveCor Vic Gundotra doch zumindest überrascht, berichtet Business Insider. Denn das 49 Mitarbeiter zählende Startup´ aus Mountain View hat schon länger ein FDA-zertifiziertes Armband für die Apple Watch im Angebot, die eben genau das erledigt, das Erstellen von Elektrokardiogrammen. "Apple gobt nicht gerne zu, dass sie etwas kopieren, auch wenn es nur kleine Dinge sind. Das ist deren Version von alternativen Fakten," grummelt Gundotra.

Big in China: Die neuen iPhones des Jahrgangs 2018 sind laut Bloomberg vor allem für den chinesischen Markt konzipiert. Das betrifft nicht nur die Bildschirmgröße, sondern auch die Möglichkeit, zwei SIM-Karten einzusetzen und damit zwei Telefonnummern zu führen. Vor den hohen Preisen schrecke dort auch niemand zurück, das iPhone X habe zuletzt zu starkem Wachstum in der Volksrepublik, Hongkong und Taiwan geführt.

Ende der Leihe: Straming wird auch für Filme immer populärer, DVDs haben als Medium ausgedient. Anscheinend auch das Format dazwischen, der gekaufte Filmdownload. Denn wie Forbes berichtet, löscht Apple vermehrt gekaufte Filme aus den Mediatheken von iTunes-Nutzern - diese können sich einen einmal gekauften Film also nur noch weiter Male ansehen, wenn sie ihn physikalisch auf ihrer Platte gespeichert haben, ihn aber nicht mehr aus der Cloud herunterladen. Auf Beschwerden reagiere Apple lapidar mit dem Verweis auf die Filmstudios. iTunes sein ja nur eine Ladentheke, es sei in der Verantwortung des Rechteinhabers, ob er seinen Film weiterhin als Download anbieten wolle oder nur noch zur Miete im Stream. Schadensersatz könne man daher von Apple auch nicht erwarten. Zumindest haben einzelne Anwender laut Forbes vergeblich ihr Geld zurück gefordert und statt dessen nur die freie Liehe weiterer Filme angeboten bekommen, andere konnten aber den Kauffilm wieder regulär zurückgeben.

Lücke: Die Sicherheitsforscher von F-Secure haben einen Fehler in der Firmware entdeckt, die fast alle Macs und Windows-Computer anfällig für einen Cold-Boot-Angriff machen. Der Proof of Concept, das das Unternehmen auch an Apple und Microsoft ausgehändigt hat, nutzt den Mechanismus aus, den Computer beim Abschalten anwenden, um Daten im Speicher zu überschreiben. Das Tool kann daher selbst mit Filevault verschlüsselte Macs starten und die Festplatte entschlüsseln, da es die dafür notwednigen Schlüssel aufspüren könne. Lediglich Macs mit dem T2-Chip sind immun gegen die Attacke, in Macbook Pro 2018 und dem iMac Pro kümmert sich dieser Co-Prozessor um den sicheren Systemstart. Apple hat bereits angekündigt, Wege auzuloten, um auch alle anderen Rechner ohne T2-Chip vor der Lücke zu schützen. Angreifer müssen sich im Besitz des Rechners befinden, um die Cold-Boot-Methode anzuwenden.

Weitere Nachrichten:

Spotify hebt das Offline-Limit drastisch an

Für Spotify-Nutzer, die viele ihrer Lieder offline speichern, hat der Musik-Streaming-Dienst erfreuliche Nachrichten zu verkünden. Bisher war es nur möglich, 3.333 Songs auf einem Gerät zu speichern. Spotify lockert diese Regel und lässt nun bis zu 10.000 gespeicherte Lieder auf einem Gerät zu.

Auch wurde diese Regelung von 3 Geräten auf 5 hochgeschraubt. Konnte man vorher also 9.999 auf 3 Geräte verteilt speichern, ist es nun möglich, 50.000 auf fünf Geräte verteilt zu sichern. Ein Sprecher von Spotify dazu gegenüber dem Rolling Stone: "Bei Spotify arbeiten wir stetig daran, das Nutzererlebnis zu verbessern."

Die Gesamtzahl der Titel, die sich in der persönlichen Musik-Bibliothek befinden können, bleibt dabei weiterhin auf 10.000 Titel begrenzt. Vielleicht rüttelt der Musik-Streaming-Dienst demnächst auch an dieser Zahl, die Nutzer würde es sicherlich freuen.

Hollywood will Seifenoper-Effekt in TVs abschaffen

Hersteller aktueller TV-Geräte versprechen ein Bilderlebnis wie im Kino. Dank 4K und HDR sollen Filme noch realistischer wirken. Doch meist verderben die Voreinstellungen von Fernsehgeräten ein kinoreifes Bild. Hollywood-Regisseure wie Christopher Nolan (Inception, The Dark Knight) und Paul Thomas Anderson (Magnolia, The Master) wollen daher zusammen mit TV-Herstellern einen Referenzmodus anstreben, der Filme und Serien so darstellt, wie es die Macher sich wünschen. In einem Brief der Directors Guild of America werden Hersteller zur Machbarkeit eines solchen Modus befragt.

Konkret fordern die Regisseure die Abschaffung von Motion-Smoothing. Die Technik erhöht die Bildrate eines Inhalts durch das Hinzufügen weiterer Zwischenbilder. Bei Sportübertragungen kann dies nützlich sein, um die Bewegungsunschärfe zu reduzieren. Bei Filmen mit ihren 24 Bildern pro Sekunde führt die Technik hingegen zu einem Soap-Opera-Effekt, bei dem sich Schauspieler und Gegenstände deutlich vom Hintergrund abheben. Die Einstellung sollte nicht standardmäßig aktiviert sein, um den Effekt von Filmen nicht zu zerstören. TV-Hersteller haben sich bereits kooperativ gezeigt, es bleibt dennoch fraglich, ob ein solcher Referenzmodus mittelfristig auf allen TV-Geräten zu finden sein wird.

Nachfrage nach randlosen Displays steigt stark

Immer mehr Smartphone-Käufer bevorzugen Geräte mit Displays bis zum Rand. Die Nachfrage wirkt sich auf die Produktionsmengen der auch All-Screen-Displays genannten randlosen Bildschirme aus. Im zweiten Quartal 2018 lag der Anteil derartiger Displays laut Sigmaintell Consulting bereits bei 55 Prozent. Im ersten Quartal machten die randlosen Bildschirme nur 42 Prozent der Liefermengen aus. Zu den wichtigsten Herstellern zählen Samsung Display, Tianma Microelectronics, BOE Technology und AU Optronics (AUO). 

Bis zum Jahresende sollen die randlosen Displays nach Schätzungen der Marktforscher von Sigmaintell Consulting bereits 60 Prozent der Liefermengen ausmachen. Im Jahr 2020 könnten dann schon 90 Prozent aller gelieferten Displays für randlose Smartphones genutzt werden. Im nächsten Jahr werde außerdem die Verbreitung von randlosen Smartphones ohne Aussparung am oberen Bildschirmrand (Notch) deutlich zunehmen. Dies könnte speziell im Bereich der hochwertigen Smartphones für eine steigende Nachfrage nach OLED-Bildschirmen sorgen. Bis dahin dürfte die Notch noch zum Erscheinungsbild aktueller Smartphones gehören. Das aktuelle iPhone-Modell behält die Aussparung für Kamera und Sensoren am oberen Bildschirmrand ebenfalls bei. Auch Huawei folgt dem Trend und verbaut im P20 Pro und Mate 20 Lite ein Display mit Notch.

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