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Morgenmagazin vom Freitag, 1. Juli

01.07.2016 | 06:57 Uhr |

Apple will angeblich Tidal übernehmen +++ Spotify ruft Kongress wegen App-Zurückweisung an +++ EM-Spielplan im Apple Store bildet K.-O.-Runde ab +++ Hacker kapern Twitterkonto von Oculus-Chef und lästern +++ Google-Unterseekabel zwischen Amerika und Japan nimmt Betrieb auf +++ Kaspersky: Ransomware auf Smartphones nimmt zu +++

1. Juli: Start in den Quintimber

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Wenn Sie denken, dass heute die zweite Hälfte des Jahres beginnt, dann denken Sie falsch. Sie haben den 29. Februar dieses Jahres übersehen: Dieses Jahr hat 366 Tage und lässt sich also in zwei gleich lange Hälften mit jeweils einer ganzen Anzahl von Tagen unterteilen. Da vor ein paar Stunden der 183ste Tag des Kalenderjahres begonnen hat, beginnt die zweite Jahreshälfte also in der Nacht zum Samstag. So genau wollen wir schon sein und nicht einfach das zweite Halbjahr mit dem Juli beginnen lassen.

Wie wir alle wissen, ist der Monat seit über 2000 Jahren dem römischen Diktator Gaius Julis Cäsar gewidmet. Vor dessen Ermordung hieß er einfach ganz banal Quintilus, also so etwas wie "der Fünfte". Das römische Jahr hatte früher im März begonnen, wobei schon hundert Jahre, bevor die Republik zerfiel, die Römer den Jahresbeginn auf den 1. Januar gesetzt hatten.

Wie hieße denn der Juli heute, hätten die Bewahrer der Republik wie Marcus Tullius Cicero und seine Mitstreiter die Diktatur Cäsars verhindern können? Die Spekulation ist müßig, in den gut 2060 Jahren seither hätte sehr viel anderes passieren können. Vielleicht hießen die zwei Monate vor dem September dann Quintimber und Sextember, klingt ja auch nicht besonders fein. Ist nur eine witzige Vorstellung, in unserer Realität stellt man oft die Gegenfrage: "Meintest du Juni oder Juli?" in einer Parallelwelt stellt sich die Frage: "War's nun Sextember oder September?". Und anstatt des Quintember wäre vielleicht eher der Name Heuert gebräuchlich - so hieß der Juli tatsächlich auch lange umgangssprachlich als Monat der Heuernte.

Aber natürlich kann man auch den 1. Juli als Beginn des dritten Quartals und damit der zweiten Jahreshälfte ansehen. Zu diesem Stichtag treten jede Menge neue Gesetze und Regelungen in Kraft, nicht nur in Deutschland. Die wohl wichtigste Neuerung ist die sogenannte eIDAS-Verordnung („electronic Identification and Signature“), die einen EU-weiten Standard für die eindeutige Identifizierung aller Teilnehmer und das digitale Signieren von elektronischer, grenzüberschreitender Datenübertragung festlegen will. Den Vorsitz des Rats der Europäischen Union übernimmt heute die Slowakei von den Niederlanden - die ja zumindest vorerst dabei bleiben. Der 1. Juli war auch für die Bundespräsidenten Nummer Zwei (Heinrich Lübke) bis Nummer Neun (Horst Köhler) der Tag des Amtsantritts, erst der Rücktritt Köhlers brachte diesen Takt durcheinander - Nummer Zwölf wird kommendes Jahr im März gewählt und dann auch vor dem Juli vereidigt.

Für Apple ist das dritte Quartal bereits zu Ende, das Geschäftsjahr beginnt für den Mac-Hersteller bereits im Oktober. Aber selbst das Juni-Quartal geht für Apple schneller zu Ende als für den gregorianischen Kalender, schon vor einigen Tagen schlossen die Bücher. Die Ergebnisse wird Finanzchef Luca Maestri am Abend des 26. Juli verkünden. Wenige Tage bevor der Monat beginnt, der nach Cäsars Nachfolger als Diktatur Gaius Octavius benannt ist: Augustus, der Erhabene. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Zwischenbilanz: Apple Music ging gestern vor einem Jahr an den Start und zählt nun bereits 15 Millionen zahlende Kunden. Das ist zwar nur halb so viel wie bei Spotify, die Schweden haben aber auch acht Jahre Vorsprung. Apple Music ist also gewiss kein Misserfolg, lässt aber auch noch viel Platz für Verbesserungen. Was an Apple Music gut ist, was nicht und warum sie dabei geblieben sind, erklären unsere Macworld-Kollegen höchst individuell.

Verhandlungen : Apple will angeblich den Streamingdienst Tidal des Rappers Jay Z übernehmen. Derzeit liefen in Cupertino geheime Verhandlungen über ein Akquise, deren Ausgang sei aber völlig offen und ein Deal nicht zwangsläufig. Seitdem Jay Z den Dienst im vorigen Jahr für 56 Millionen US-Dollar gekauft hatte, konnte Tidal etliche Albumpremieren feiern und etwa neue Werke von Beyone, Rihanna und Kanye West zunächst exklusiv anbieten. Auch der im April verstorbene Prince hatte sein Gesamtwerk nur bei Tidal im Stream angeboten. Tidal hat vier Millionen Nutzer, weit interessanter für Apple dürften aber die Beziehungen Jay Zs zu Musikerkollegen sein, die exklusive Vereinbarungen ermöglichten.

Streitfall: Apple hat eine neue Version der Spotify-App für iOS zurückgewiesen, was die Konkurrenten im Streamingbusiness als Verstoß gegen Wettbewerbsregeln ansehen. In einem Brief an Abgeordnete des US-Kongresses beschwert sich Spotify, dass Apple seinen Freigabeprozess für den App Store , als "Waffe" einsetze, um "Konkurrenten zu schaden". Apple stellt sich hingegen auf den Standpunkt, die App verletze mit seinem Businessmodell die Regeln des App Store. Wer In-App-Verkäufe einsetze, müsse auch Apples Abrechnungssystem nutzen, das sei in der Spotify-App nicht der Fall. Spotify stört sich vor allem an der "Apple-Steuer", die das Abo verteuere, im App Store verlangt Spotify 13 US-Dollar, über seine Website 10 US-Dollar im Monat.

Time to Roll: MIt watchOS 3 wird die Apple Watch auch als Fitnesstracker für Rollstuhlfahrer attraktiv. Etwa ein Jahr hatte Apple an der neuartigen Aktivitätsmessung gearbeitet und dabei mit Behindertenverbänden kooperiert. Vor welchen Herausforderungen die Entwickler aus Cupertino standen und wie sie Hürden überwinden konnten, erzählt Johnny Evans von der Computerworld.

Weitere Nachrichten

Apple versteckt EM-Spielplan auf der Länderseite

Apple bleibt im Fußballfieber. Hatte der Mac-Hersteller noch vor gut drei Wochen auf der Auswahlseite für den Apple Store 24 europäische Länder passend zu den sechs EM-Gruppen sortiert, bleibt die Seite auch während der K.O.-Phase der Europameisterschaft aktuell. Unter den Gruppen und vor den anderen europäischen Ländern, die diesmal leider nicht dabei waren (Niederlande, Griechenland, Färöer) sind nun auch noch die Teilnehmer der Achtelfinals im Schema ihrer Ausscheidungsspiele gelistet. Liebevoll notiert Apple sogar die Ergebnisse. Die Gruppen bleiben weiterhin, die Ausgeschiedenen werden auch nicht gestrichen und zu den anderen gepackt. Eine kleine Besonderheit fällt noch auf: Die Links hinter den Flaggen von England, Wales und Nordirland führen natürlich auf die gleiche Seite, den Apple Store UK. Aber bei der nächsten Euro in vier Jahren könnte das Vereinigte Königreich Geschichte sein und die Waliser, Schotten, Nordiren und Engländer jeweils ihre eigenen Apple Stores online benutzen.

Hacker kapern Twitterkonto von Oculus-Chef und lästern

Schon wieder ist das Twitter-Konto eines prominenten IT-Managers und -Experten einem Hackerangriff zum Opfer gefallen. Dieses Mal traf es Brendan Iribe, den Mitbegründer und CEO des auf VR-Technologien spezialisierten Unternehmens Oculus VR. Oculus gehört seit 2014 zu Facebook. Es stellt die VR-Brillen Oculus Rift und Samsung Gear VR her.

Die Hacker kaperten am Mittwoch Iribes Twitterkonto und schickten dann einen Tweet ab, in dem sie die Ernennung eines neuen CEO für Oculus bekannt gaben. Und zwar einen gewissen Twitter-Nutzer namens „Lid“. Ebenfalls über Iribes Twitterkonto machte sich der Hacker darüber lustig, dass Iribe seit vier Jahren sein Passwort nicht mehr geändert habe.

Dieser neue Twitter-Hack scheint aber nicht in Zusammenhang mit den vielen anderen erfolgreichen Angriffen auf Twitterkonten prominenter Zeitgenossen zu stehen. Neben Google-Chef Sundar Pichai musste auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg erfahren, was es heißt gehackt zu werden. Zuckerberg scheint seine Lehren aus dem Hackerangriff gezogen zu haben - und klebt Kamera und Mikrofon seines Macbooks ab.

Wie Techcrunch berichtet, soll der Hacker sich die Zugangsdaten zu Iribes Twitterkonto über den erfolgreichen Einbruch bei MySpace beschafft haben, der Ende Mai 2016 bekannt geworden ist. Mittlerweile ist Iribe wieder Herr im Haus und hat die Kontrolle über sein Twitterkonto zurückerlangt. Ganz real und nicht nur virtuell.

Google-Unterseekabel zwischen Amerika und Japan nimmt Betrieb auf

Seit 2014 gehört Google zu den Investoren eines Unterseekabels zwischen der Westküste der USA und Japan. Damals investierte der Suchmaschinenriese 300 Millionen US-Dollar in das Projekt. Heute hat die neue Verbindung ihren Betrieb aufgenommen .

Das „Faster“ getaufte Unterseekabel ist 9000 Kilometer lang und verbindet den US-Bundesstaat Oregon mit den japanischen Städten Chiba und Mie. Das auf dem Meeresboden verlegte Kabel erlaubt Geschwindigkeiten von 60 Terabit in der Sekunde. In nur einer Sekunde lassen sich also 7,5 Terabyte bzw. 7500 Gigabyte übertragen.

Für die Realisierung ist Google Partnerschaften mit Global Transit, China Telecom Global, Singtel, China Mobile International und KDDI eingegangen. Die Verlegung des Kabels hat das japanische Unternehmen NEC übernommen.

Kaspersky: Ransomware auf Smartphones nimmt zu

Der Entwickler von Sicherheitssoftware Kaspersky hat in dieser Woche seinen KSN Report veröffentlicht. Die Studie nimmt die Verbreitung von Schadsoftware auf Mobilgeräten im Zeitraum von April 2014 bis März 2016 unter die Lupe.

Das Unternehmen entdeckte dabei einen besorgniserregenden Trend. So hat sich die Verbreitung von Ransomware auf Smartphones und Tablet-PCs allein in diesem Jahr fast vervierfacht. Die Verbreitung von Erpresser-Software nimmt auf PCs fast ebenso schnell zu.

Am häufigsten von Ransomware betroffen waren in den Jahren 2014 und 2015 Nutzer aus den USA. Deutschland rangierte mit 4,5 Prozent auf dem vierten Platz. In den letzten Monaten hat sich dieses Bild drastisch verschoben. Deutsche Nutzer stehen mit 22,9 Prozent inzwischen auf dem ersten Rang der Liste. Kaspersky vermutet, dass Länder in denen mobile Bezahlverfahren etabliert sind, besonders häufig zur Zielscheibe von Ransomware werden.

Besonders häufig ins Visier geraten laut Kaspersky außerdem Smartphones mit Googles mobilem Betriebssystem Android. Wer bei Downloads keine Vorsicht walten lässt und keine Backups macht, sei gefährdet, so Kaspersky.

Im Gegensatz zu Ransomware am PC, werden die Dateien von Smartphone-Nutzern in den meisten Fällen von der Schadsoftware nicht verschlüsselt. Die Erpresser hindern ihre Opfer jedoch häufig mit Bildschirmsperren und Pop-Ups an der Nutzung ihrer Smartphones und Tablet-PCs.

Um die Mobilgeräte wieder freizugeben, verlangen die Ransomware-Entwickler in der Regel Lösegelder zwischen 100 und 200 US-Dollar. Laut Kaspersky würden viele der betroffenen Nutzer diese Summen zahlen.

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