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Morgenmagazin vom Freitag, 11. September

11.09.2015 | 07:02 Uhr |

11. September 2015 +++ Apple TV: Konsole im Schafspelz +++ Wie Apple 3D Touch entwickelte +++ Multitasking auf dem iPad Mini 4 +++ Weiterer Schlagabtausch zwischen Microsoft und US-Justiz +++ Petbot ÔÇô Putziger Automat verschickt Haustier-Selfies +++ Amazon stellt Fire Phone ein +++ Amazon liefert in einer Stunde - auch in Deutschland?

Was heute wichtig wird: 11. September 2015

Das Macwelt-Morgenmagazin w├╝nscht einen Guten Morgen! Seit nunmehr ├╝ber 15 Jahren informiert das Morgenmagazin die Leser der Macwelt. Ein paar mal ist es wegen technischer Probleme ausgefallen, aber Urlaubszeiten und Krankheitstage konnten wir immer kompensieren. Nur einmal sagten wir besser gar nichts zur speziellen Lage der Mac-Welt und der allgemeinen Lage der Restwelt. Von den Ereignissen des 11. September 2001 ├╝berrollt, hielten wir es tags darauf f├╝r besser, zu Schweigen und auf die Berichterstattungen und Einordnungen der Kollegen weit gr├Â├čerer Portale hinzuweisen. In gewisser Weise machen wir das auch heute und gedenken in anderer Weise an den 11. September.

Vor exakt einem Jahr verstarb der Schauspieler und Moderator Joachim Fuchsberger, der, wie vielleicht die wenigsten wissen, am 11. September 1972 die Abschlussfeier der Olympischen Spiele in M├╝nchen als Stadionsprecher begleitete. Auch damals war die Welt nach einem Terroranschlag geschockt, die Spiele mussten aber weiter gehen, befahl der damalige IOC-Chef Avery Brundage. Die Schlussfeier war gleichzeitig eine Gedenkfeier f├╝r die ermordeten israelischen Sportler und verlief bis zu dem Punk problemlos, als der damalige Intendant der M├╝nchner Kammerspiele August Everding dem verdutzten Stadionsprecher einen Zettel vor das Fenster seiner Glaskabine hielt. "Unidentifiziertes Flugzeug auf Kurs Olympiastadion, terroristischer Hintergrund nicht ausgeschlossen. Sag', was du willst." Fuchsberger entschloss sich zum Schweigen. Das war genau die richtige Entscheidung, denn der Flieger war einfach nur vom Kurs abgekommen, eine Massenpanik, die beim Evakuieren des vollen Stadions h├Ątte ausbrechen k├Ânnen, war vermieden.

Ein anderes 11.-September-Ereignis kann man sich ruhig auch 26 Jahre danach wieder in das Ged├Ąchtnis zur├╝ckrufen. Am 11.9.1989 ├Âffnete Ungarn endlich die "Eiserner Vorhang" genannte Grenze zu ├ľsterreich, zehntausende DDR-B├╝rger machten sich auf den Weg in den Westen, wo sie sich ein sichereres und besseres Leben erhofften. Heute zieht Europa seine Z├Ąune gegen Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben wieder hoch.

Aber wir wollen Sie nicht mit zu tr├╝bsinnigen Gedanken in diesen 11. September entlassen. Feiern wir lieber noch ein prominentes Geburtstagskind. Franz Beckenbauer wird heute 70 Jahre alt. Man kennt ihn als einen der gr├Â├čten Philosophen, die das Land je erlebt hat. "Die Schweden sind keine Holl├Ąnder", stellte er etwa einst fest, oder ├╝ber den Schwaben Klinsmann: "Der J├╝rgen ist kein Brasilianer". ├ťberhaupt: "Das Leben ist eines der H├Ąrtesten"┬á ÔÇô das stimmt auch. Wie kann man dann sagen, dass es in Katar Arbeitssklaven gebe, wenn der Kaiser dort niemanden in Ketten und B├╝├čerkappen hat herumlaufen sehen? Na gut, ├Ąh, sicherlich: Mit dem Ball konnte er aber umgehen wie kaum ein zweiter. Das mit dem Schweigen und dem Philosophieren h├Ątte er manchmal besser hinbekommen k├Ânnen. Peter M├╝ller

Lesetipps f├╝r den Freitag

Wie das neue Apple TV funktioniert: Das neue Apple TV kommt mit einer v├Âllig neuen Bedienoberfl├Ąche, einer smarten Fernbedienung und vor allem der Sprachstruerung mit Siri. Unsere Kollegen der Macworld haben sich das Konzept schon einmal genauer angesehen und sagen, worauf wir uns ab Oktober freuen k├Ânnen.

Nur eine Weiterentwicklung?: Das iPhone 6S Plus bringt in ein etabliertes Geh├Ąuse neue Technik. Das ist bei "S"-Modellen eigentlich immer so - sie sind meist mehr, als sie scheinen.

Schau an, der Kleine: Das iPad Mini 4 hatte Apple am Mittwoch nur in einigen wenigen Nebens├Ątzen behandelt. Zu Unrecht, denn das kleine Tablet hat einiges zu bieten. Besonders erw├Ąhnenswert: Im Gegensatz zu seinem Vorg├Ąnger kommt das iPad Mini 4 mit den neuen Multitaskingfeatures von iOS 9 zurecht.

Konsole im Schafspelz: Mit der neuen Systemarchitektur werden auch iOS-Spiele Einzug auf das Apple TV erhalten, die Fernsehbox wird zu Spielekonsole. Xbox One und Playstation 4 wird sie nicht das F├╝rchten lehren, aber vermutlich die wichtigste Konsole f├╝r Casual Games werden, ist unser Gamestar-Kollege Markus Schwerdtel ├╝berzeugt. Mit Bluetooth-Controllerns werden auch noch wesentlich ausgefuchstere Spile spielbar sein, als die bisher gezeigten, die sich mit der Fernbedienung oder einem iPhone steuern lie├čen.

Wie Apple 3D Touch entwickelte: 3D Touch ist eine wesentliche Erweiterung und Erleichterung bei der Bedienung des iPhone. Bloomberg hat von Apples Chefdesigner Jony Ive einige Einblicke bekommen, wie langwierig und kompliziert die Entwicklung dieses Features war.

Weiterer Schlagabtausch zwischen Microsoft und US-Justiz

Microsoft vertrat in dem von der gesamten Cloud-Branche der USA mit Spannung verfolgten Prozess weiterhin die Ansicht, US-Strafverfolger h├Ątten nicht einen lokalen Durchsuchungsbefehl verwenden d├╝rfen, um die Herausgabe von in Irland gespeicherten E-Mails zu verlangen. "Das ist eine Beschlagnahme durch Vollzugsbeh├Ârden auf deren Grund und Boden", sagte Microsoft-Justiziar Joshua Rosenkranz dem Gericht laut "Guardian" . "Wir w├╝rden durchdrehen, wenn die Chinesen so etwas mit uns machen w├╝rden."

Anw├Ąlte des US-Justizministeriums (Department of Justice, kurz DoJ) hatten zuvor argumentiert, die Regierung habe das Recht, die E-Mails von jeder Person auf der Welt anzufordern, solange nur deren E-Mail-Anbieter sein Hauptquartier innerhalb der US-Grenzen habe. Das DoJ argumentiert dabei unter anderem, es handele sich bei der elektronischen Korrespondenz um "Gesch├Ąftsunterlagen" des E-Mail-Betreibers. Microsoft sieht das anders und wertet nur Stammdaten wie Name und Adresse des Nutzers als "business records". Die E-Mails hingegen seien pers├Ânliche Dokumente und sollten analog zu Briefen (die auch in den USA durch das Briefgeheimnis gesch├╝tzt sind) behandelt werden. "Die Ansicht der Regierung, private E-Mails seien Gesch├Ąftsunterlagen von Microsoft, ist sehr angsteinfl├Â├čend", betonte Anwalt Rosenkranz.

Einen weltweiten "Freifahrtschein" f├╝r datenschutzaushebelndes Treiben von US-Strafverfolgern als Pr├Ązendenzfall will Microsoft in jedem Fall verhindern. Der Prozess ist tats├Ąchlich der erste, in dem eine US-amerikanische Firma einen Durchsuchungsbefehl f├╝r im Ausland gespeicherte Daten angefochten hat (in dem konkreten Fall geht es laut "New York Times" um eine Drogenermittlung). An die 100 Unternehmen und Personen haben in Form sogenannter Amicus Briefs ihre Unterst├╝tzung f├╝r Microsofts Argumente bekundet, darunter unter anderem Apple, die sonst stockkonerservativen Fox News, die irische Regierung, NPR, der Medienkonzern McClatchy sowie Verizon.

Grunds├Ątzlich sei es oft schwierig, wie Gesetze aus der Zeit "vor E-Mail, Instant Messing und Social Media nun in der digitalen Welt angewendet werden sollen, in der sich Kommunikation und Technologien st├Ąndig weiterentwickeln", zitiert "USA Today" Craig Newman, Datenschutzanwalt und Experte der Kanzlei Patterson Belknap Webb & Tyler, der bei der Verhandlung gestern im Gerichtssaal war.

Der vorsitzende Richter Gerard Lynch sagte laut "Irish Times", es w├Ąre hilfreich, wenn der Kongress die Gesetzgebung in puncto Speicherung von E-Mails und Online-Datenschutz aktualsieren w├╝rde, lie├č dabei aber gleichzeitig durchblicken, dass er nicht zeitnah entsprechende ├änderungen aus Washington erwarte. Microsoft hatte zuvor erkl├Ąrt, dass etliche Abgeordnete einen entsprechenden Gesetzentwurf unterst├╝tzen w├╝rden.

US-Firmen f├╝rchten, dass wenn sie selbst die Daten ihrer Kunden im Ausland nicht vor dem Zugriff von US-Beh├Ârden sch├╝tzen k├Ânnen, ausl├Ąndische Mitbewerber ein Datenschutzversprechen abgeben und ihnen damit Kunden abnehmen k├Ânnten.

Petbot ÔÇô Putziger Automat verschickt Haustier-Selfies

Der Petbot ist ein originelles Projekt, das sich ├╝ber die Crowdsourcing-Plattform Indiegogo finanzieren will. Denn beim Petbot (Pet bedeutet im Englischen Haustier) handelt es sich um einen kleinen Automaten, der Haustiere f├╝ttert und auch gleich noch einen Selfie von den Lieblingen macht und an die Besitzer verschickt.

Im Petbot steckt im oberen Bereich eine automatisch arbeitende Kamera und darunter ein Futterspender. Die Bedienung aus der Ferne erfolgt via Smartphone-App f├╝r iOS und Android. Alternativ kann man auch ├╝ber ein Webfrontend im Browser den Petbot kontrollieren. Der Petbot wird via WLAN mit dem Router zu Hause verbunden.

Mit dem Petbot sollen der oder die Haustierbesitzer jederzeit sehen k├Ânnen, was ihr kleiner Liebling so macht. Daf├╝r besitzt der Petbot einen Lautsprecher. Der Besitzer schickt dann per Smartphone-App einen Lockruf ├╝ber den Petbot an sein Haustier. Woraufhin der Hund und vielleicht auch die Katze ÔÇô aber vermutlich nicht die Schildkr├Âte ÔÇô zum Petbot kommt und in die Kamera schaut. Und schon wissen Herrchen oder Frauen, dass es dem Liebling gut geht.

Damit das klappt, muss man das Tier nat├╝rlich anlernen, damit es versteht, dass es einen Happen zu fressen gibt, wenn es dem Lockruf folgt. Bevor man dann die Wohnung verl├Ąsst, zum Beispiel, weil man ins B├╝ro muss, f├╝llt man den Futterspender noch schnell auf. Von unterwegs kann man dann per Smartphone den Lockruf absetzen und auch ein vorher im Petbot deponiertes Leckerli freigeben.

Die App zeigt das aktuelle Kamerabild und blendet zwei Buttons ein zum Absenden des Lockrufs und zum Freigeben des Fressens.
Doch die Kommunikation klappt auch in die Gegenrichtung. Tapst das Tier nahe genug vor die Kamera, so sollte dessen Gesichtserkennung das Tier identifizieren und erstens einen Happen freigeben und zweitens einen Selfie des Tieres an das Smartphone schicken. Wobei es sich bei dem Selfie anscheinend sogar um einen ganz kurzen Videoclip handelt.

PetBot ├╝bertr├Ągt einen Livestream von dem Geschehen in Ihrer Wohnung auf Ihr Smartphone. Zudem ist ein Mikrofon eingebaut, ├╝ber das Sie die Wohnung auch akustisch ├╝berwachen k├Ânnen. Der Petbot meldet sich dann bei Ihnen, wenn er zum Beispiel ein Bellen bemerkt. In die umgekehrte Richtung funktioniert das ebenfalls: Man kann den Petbot also auch Musik oder einen Text abspielen lassen. H├Ârt das Tier die vertraute Stimme seines Herrchens, f├╝hlt es sich vielleicht wohler.

Das Early-Bird-Angebot f├╝r die ersten Besteller ist bereits ausverkauft ÔÇô es soll bereits im Dezember 2015 in den USA und Kanada ausgeliefert werden. Das noch erh├Ąltliche Petbot Starter Kit soll 149 US-Dollar (zirka 133 Euro) zuz├╝glich Versand kosten. Daneben gibt es auch noch umfangreichere Pakete. Mit der Auslieferung des Petbot Starter Kit soll es im Mai 2016 losgehen.

Amazon stellt Fire Phone ein

Das von Amazon angebotene Fire Phone ist seit 14 Monaten im Handel und nach Unternehmensangaben mittlerweile ausverkauft. Eine Aufstockung der Lagerbest├Ąnde sei jedoch nicht geplant. Auf der US-Webseite von Amazon wird das Smartphone als ÔÇ×derzeit nicht verf├╝gbarÔÇť gelistet, in Deutschland werden noch Ger├Ąte ├╝ber Vertr├Ąge der Telekom f├╝r 1 Euro angeboten.

Die Stellenstreichungen bei der Forschungsabteilung von Amazon deuteten bereits auf eine Einstellung der Fire-Phone-Vorhaben hin. Dazu kommt das geringe Interesse der Kunden, auch Pressestimmen zum Smartphone fielen eher durchwachsen aus.

Amazon wollte mit seiner 3D-Kamera punkten, die passende Anwendungen r├Ąumlich darstellt und auf Kopfbewegungen des Nutzers reagiert. Dazu kommt eine Kamera-Funktion namens Firefly, mit der sich CDs, B├╝cher oder andere Produkte schnell bei Amazon suchen lassen. Der Online-Versandh├Ąndler konzentriert sich k├╝nftig vermehrt auf den intelligenten Lautsprecher Echo sowie seine Tablet-Sparte. Besitzer des Fire Phone sollen aber auch weiterhin betreut werden.

Amazon liefert in einer Stunde - auch in Deutschland?

In einigen US-St├Ądten gibt es Amazon Prime Now schon l├Ąnger. Amazon verspricht, Bestellungen binnen einer Stunde zu liefern. ├ťber tausend Produkte stehen f├╝r den Dienst, den nur Prime-Kunden nutzen d├╝rfen, zur Wahl. Die superschnelle Lieferung kostet aber extra: in London 6,99 Pfund, was rund 10 Euro entspricht. Wer sich mit einer Lieferzeit von maximal zwei Stunden zufrieden gibt, oder "noch am gleichen Tag", muss als Prime-User nicht extra zahlen. Offenbar will Amazon diesen Liefer-Service nun auch in Deutschland anbieten, zun├Ąchst im Gro├čraum M├╝nchen. Das berichtet die S├╝ddeutsche Zeitung.

Aus diesem Grund errichte man gerade zwei neue Logistikzentren, eines im Stadtgebiet M├╝nchen und eines im westlichen M├╝nchner Speckg├╝rtel - in Olching. Dort habe man eine 12.000 Quadratmeter gro├če Halle angemietet, in der bereits Regale aufgebaut werden. Wo genau das Zentrum im Stadtgebiet entstehen soll, ist hingegen nicht klar. Im Jahr 2016 sollen jedenfalls beide Zentren in den Betrieb gehen. Dann, so zitiert die S├╝ddeutsche ihre anonyme Quelle, wolle man binnen weniger Stunden liefern k├Ânnen. Amazon wollte gegen├╝ber der Zeitung diese Ger├╝chte jedoch nicht best├Ątigen, noch sich ├╝berhaupt dazu ├Ąu├čern.

In London etwa setzt Amazon f├╝r Prime Now verst├Ąrkt auf Fahrradkuriere. Sie transportieren kleinere Sendungen vom Stau unbeeindruckt schnell zu einzelnen Adressen. Ob wir in M├╝nchen bald mehr Fahrradkuriere mit Amazon-Logo auf der Jacke fahren sehen?

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