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Morgenmagazin vom Freitag, 12. März 2021

12.03.2021 | 07:08 Uhr | Peter Müller

35 Jahre Cebit: Die gewesene Messe +++ Requiem auf den iMac Pro: Ein verlorenes Jahrzehnt +++ Warum der SSD-Verbrauch der M1 keine Sorgen bereiten sollte +++ Facebook-Insider erklären Folgen der Ad Tracking Transparency +++ Fehler 14: Update-Probleme beim knappen iPhone-Speicher +++ Lou Ottens: Erfinder der Kompaktkassette gestorben +++ Rundfunkbeitrag doch bar bezahlen? Streit geht weiter! +++ Samsung SSD 980: NVMe-SSDs von Samsung ab 49,90 Euro

12. März: Die gewesene Messe

Macwelt wünscht Guten Morgen! Für den gestrigen Sturm hätte sich das Datum 30. Februar angeboten - wobei eine derartige Wetterlage zu dieser Jahreszeit gar nicht mal selten ist. Kommt jedenfalls häufiger vor als ein 30. Februar. Aber einen solchen hat es tatsächlich auch einmal gegeben, bei den alten Schweden. Genauer gesagt im Jahr 1712, als das Königreich gegen Ende seiner Ära als Ostseehegemonie beschloss, nun doch wieder zum julianischen Kalender zurückzukehren. Statt 12. März war dann wieder der Erste des Monats und der Tag davor als 30. Februar definiert. Wie das Wetter seinerzeit in Stockholm war, entzieht sich unserer Kenntnis.

Am 12. März 1986 war es Hannover gemäß Wetteraufzeichnungen bedeckt mit etwas Regen - das typische CeBIT-Wetter eben. Wobei die gewesene Messe auch immer wieder mit Sonnentagen zu glänzen verstand, außer vielleicht im Jahr 2000, als sie wegen der anstehenden Expo in den Februar ausweichen musste.

Ein Ausweichen auf den Juni schien vor drei Jahren die letzte Möglichkeit, sich dem Bedeutungsverlust zu entziehen - aber Messen sind zeitgleich mit dem Erwachen des Internets bedeutungslos geworden, die meisten zumindest. Aus dem journalistischen Stehsatz konnten unsere Kollegen und wir ja immer nach Ende der Tage von Hannover etwas von den "gefüllten Auftragsbüchern schreiben" oder der "beeindruckenden Besucherbilanz": Gerade gegen Ende der Neunziger, als das mit dem Internet erst langsam Fahrt aufgenommen hatte, pilgerten immer mehr Endverbraucher nach Hannover, um sich das Neueste von Neuen aus nächster Nähe anzusehen. Heute wird hingegen manche Apple-Keynote als langweilig empfunden, weil schon vorher alles durchgesickert ist. Doch damals suchten ganze Schulklassen die Messehallen bei Laatzen heim, wehe dem Stand, der keinen großen Vorrat an Giveaways hatte, Kugelschreiber, Mauspads und sonstiges Zeugs. Die liebevoll-spöttisch "Beutelratten" genannten Messebesucher hatten ein recht einnehmendes Wesen und so mancher Kugelschreiber, der als Werkzeug gedacht war und nicht als Geschenk, landete in einem der zahlreichen Beutel.

Nein, so richtig vermissen wir die Cebit nicht, weder als Gast noch als Aussteller. Aber was gäben wir darum, könnten wir in diesen Tagen Hannover fern bleiben, weil wir auf die ehemalige IT-Leitmesse nur noch schimpfen. Stattdessen gingen wir - mit einem Beutel bewaffnet - auf die Internationale Handwerksmesse in München, um mal so zu schauen, was es Neues für Haus und Garten gibt. Oder träumten auf der Freizeitmesse Free von fernen und nicht so fernen Ländern, etwa am Stand der Tschechen bei Freibier um 11 und 14 Uhr …

Aber eine IT-Messe wird es auch nach dem Ende der Pandemie nicht mehr brauchen, auch nicht als Auslagerung einer Industriemesse, die ja doch eher das Fachpublikum anspricht. Genau so hatte heute vor 35 Jahren die CeBIT begonnen, erstmals eigenständig dem "Centrum für Büro und Informationstechnik" der Hannover Messe entwachsen. Mittlerweile hat in der Industrie alles mit Informationstechnik zu tun, wie will man das noch voneinander trennen?

Vielleicht können wir uns nächstes Jahr in vollen Messehallen einfinden, für 2022 ist in München die bauma geplant, etwa zu der Zeit, in der nach zwei Jahren Pause die Hannover Messe ohne Cebit wieder steigen sollte.

Lesetipps für den Freitag:

Requiem: Es war absehbar, dass der iMac Pro das Ende der Intel-Ära nicht überstehen würde, womöglich hätte Apple das Zwischenmodell auch ohne Wechsel auf eigenes Silizium irgendwann außer Dienst gestellt. Und doch lässt der iMac Pro eine interessante Geschichte über interne Vorgänge Apples in den 2010ern vermuten, warum diese für den Mac ein verlorenes Jahrzehnt waren und wie Apple die Umkehr geschafft hat. Denn auch wenn das Jahr 2020 einfach nur zum Vergessen war, der Mac hat neuen Schwung bekommen. Jason Snell mit einem Nachruf auf den iMac Pro.

Nativ und nicht naiv: Adobe hat diese Woche nun auch eine native Fassung von Photoshop für die M1-Macs veröffentlicht, die anderthalb mal schneller sein soll als das Intel-Pendant. Das muss man sich aber mit Abstrichen erkaufen, denn einige Funktionen fehlen in der Apple-Silicon-Version. Das mag prinzipiell auch bei anderen angepassten Apps der Fall sein, oder deren Entwickler ist es nicht gelungen, die Vorteile der neuen Chip-Architektur auszureizen. In diesen Fällen möchte man zurück zur Intel-Version – und bei Universal Binaries gelingt das auch. Wie das geht, erklärt Roman Loyola auf Macworld.

Keine Panik: Die M1-Architektur belastet die SSDs weit mehr als vorherige Intel-Macs, je weniger gemeinsamen Speicher das SoC bietet, umso mehr lagert das System den Arbeitsspeicher aus - so stellt man im Smart-Status schon nach recht kurzer Zeit eine große Menge an Schreib- und Lesevorgängen fest. Das sei aber kein Grund zur Panik, meint Macworld-Autor Jon L. Jacobi. SSDs halten seiner Analyse zufolge auch in M1-Macs weit länger als man fürchtet. Nur sollte Apple die Besonderheit der M1-Architektur ein wenig offener kommunizieren und klarstellen, dass kein Grund zur Panik bestehe.

Einblicke: Apple wird schon bald iOS 14.5 und iPadOS 14.5 mit der Ad Tracking Transparency veröffentlichen, die es erschwert, Profile von Anwendern zu erstellen, ihnen zielgerichtete Werbung zu präsentieren und deren Erfolg zu messen. Gegenüber CNBC haben ehemalige Facebook-Angestellte einen Einblick gegeben, wie sich das auf das Geschäftsmodell des sozialen Netzes auswirkt. So sei es mit dem IDFA (Identifier for Advertisers) etwa möglich, herauszufinden, ob ein Nutzer, der mit einer Anzeige interagiert, zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich einen damit zusammenhängenden Kauf tätigt. Facebook fürchte nun, dass Werbekunden ohne Aushändigung der IDFA lieber zu Google abwandern, das Konversionen anders misst. Das Argument Facebooks, man wolle mit seinen Einwänden gegen Apples Datenschutzinitiative das Geschäft kleinerer und mittlerer Unternehmen schützen, sei eher ein Vorwand. Denn die kleinen agieren lokal und regional und könnten den Erfolg ihrer Werbung auch ohne IDFA ermitteln.

Jeder nur einen Account: Nach einem Bericht von "The Streamable" geht Netflix gegen das weit verbreitete Teilen von Passwörtern vor. In den USA sollen einige Netflix-Kunden, die über eine App auf dem Smart TV das Programm verfolgten, den Hinweis bekommen haben, dass sie ein eigenes Abonnement benötigten, sollten sie nicht mit dem Anschlussinhaber im gleichen Haushalt leben. Die derart angesprochenen mussten ihren Account dann mittels per E-Mail oder SMS geschickten Code bestätigen. Wie genau Netflix die Nutzung der Passworte misst, geht aus dem Bericht nicht hervor, doch dürfte die IP-Adresse die entscheidende Rolle spielen. Auf Smartphone, Tablets und Settopboxen wie dem Apple TV oder Google Chrome ist das Phänomen bisher nicht zu beobachten.

Weitere Nachrichten:

Fehler 14: Update-Probleme beim knappen iPhone-Speicher

Der Fehler 14 ist eigentlich nicht neu, Spuren davon finden sich selbst in zehn Jahre alte Apple-Diskussions-Foren. Offenbar aber hatte eine Version von iOS 13 verstärkt Probleme bei Updates verursacht: Die Anfragen im Forum sind im Sommer 2020 geradezu explodiert ( 1 , 2 ). Die Symptome waren gleich: Beim Versuch das iPhone oder iPad zu aktualisieren, hat sich das Gerät im Wiederherstellungsmodus aufgehängt. Angeschlossen an iTunes oder Finder hatte das System den Fehler 14 gemeldet.

 

Nun hat Apple für die Betroffenen ein Support-Dokument mit ein wenig Erklärung geliefert. Vor allem die Geräte mit zu wenig freiem Speicher sind betroffen und bleiben im Wiederherstellungsmodus stecken. Vormals war die Empfehlung, das betroffene iPhone oder iPad am Rechner wiederherstellen zu lassen. Nachteil der Methode: Man bekam ein quasi neues Gerät, die Daten vor dem Update waren verloren, wenn der Nutzer kein Backup hatte. Offenbar hat Apple mit iOS 14.4 dieses Problem gelöst, denn das Support-Dokument empfiehlt ausdrücklich, das betroffene Gerät gleich auf iOS 14.4 zu aktualisieren, das Update kann jedoch nicht per Wlan, sondern nur noch per iTunes oder Finder stattfinden. Damit der Rechner die neueste iOS-Version auf den Apple-Servern finden kann, empfiehlt Apple, entweder das macOS oder iTunes auf den neuesten Stand zu bringen. Haben diese Schritte nicht geholfen und der Fehler 14 besteht weiterhin, sollte man sich direkt an den Apple-Support wenden.

Eine komplette Liste aller möglichen Fehler hat Apple in diesem Support-Dokument zusammengefasst.

Lou Ottens: Erfinder der Kompaktkassette gestorben

Wie in dieser Woche bekannt wurde, ist am 6. März 2021 der niederländische Ingenieur Lou Ottens im Alter von 94 Jahren in Duizel verstorben . Ottens gilt als Erfinder der Kompaktkassette. Der Ingenieur hatte das Medium Anfang der 1960er Jahre zusammen mit seinen Kollegen für die Firma Philips entwickelt. Auf der Funkausstellung in Berlin wurde die Kompaktkassette im Jahr 1963 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die im Vergleich zu anderen Medien ihrer Zeit - wie etwa der Schallplatte oder dem Tonband - sehr kompakte Kassette, sorgte damals für Aufsehen und sollte den Musikmarkt revolutionieren.

Von den 1960er bis in die 1990er Jahre wurden weltweit mehr als 100 Milliarden Musikkassetten verkauft. Mit dem Medium konnten Musik-Fans erstmals ohne großen technischen Aufwand selbst Musik aufnehmen und sie über ein Mixtape an Freunde und Bekannte weitergeben. Mit der Erfindung des Walkmans 1979 durch Sony, wurde die Musikkassette schließlich noch portabler als mit den bereits erhältlichen Kassettenrekordern. Der Walkman und die zugehörigen Kassetten passten in so gut wie jede Tasche.

Ottens Erfolgsgeschichte setzte sich nach der Kompaktkassette mit der Compact Disc (CD) fort, deren Entwicklung er bei Philips ebenfalls vorantrieb. Sowohl Schallplatten als auch Musikkassetten und CDs erlebten in den vergangenen Jahren ein Revival. Zahlreiche bekannte Künstler wie Lady Gaga veröffentlichen ihre Musik mittlerweile auf den in die Jahre gekommenen Medien, anstatt sie nur über Download- oder Streaming-Dienste zur Verfügung zu stellen. Auch tragbare CD- und Kassettenspieler sind mittlerweile wieder erhältlich.

Rundfunkbeitrag doch bar bezahlen? Streit geht weiter!

Unter den Gegnern des Rundfunkbeitrags wird eine Protestform seit Jahren diskutiert: Darf/kann man den Rundfunkbeitrag auch bar bezahlen? Denn eine Barzahlung wäre für die einziehende Institution, also für den „ ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice “, deutlich aufwändiger als die übliche bargeldlose Bezahlung via Lastschrift oder Überweisung. Gegner des Rundfunkbeitrags könnten durch Barzahlung dem Beitragsservice also eines auswischen und zusätzliche Kosten durch den erhöhten Aufwand verursachen.

Bisher lehnt der Beitragsservice die Barzahlung jedoch ab und Gerichte bestätigten das. Doch jetzt könnte Bewegung in die Diskussion kommen.

Zwei Beitragspflichtige hatten in der Sache „Barbezahlung des Rundfunkbeitrags“ gegen den Hessischen Rundfunk über mehrere Instanzen bis zum Bundesverwaltungsgericht geklagt. Denn der Hessische Rundfunk weigerte sich eine Barzahlung zu akzeptieren und verlangte die bargeldlose Entrichtung des Rundfunkbeitrags.

Das Bundesverwaltungsgericht rief schließlich den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg an. „Der EuGH urteilte, dass der Staat seine Behörden dazu verpflichten kann, Bargeldzahlungen anzunehmen“, sagt Esther Jontofsohn-Birnbaum von der Verbraucherzentrale Bayern. Doch der EuGH schränkte zugleich ein, dass es auch im öffentlichen Interesse liege, dass Zahlungen an amtliche Stellen nicht zu hohe Verwaltungskosten verursachen. Das könnte dann also eine Beschränkung der Barzahlungen rechtfertigen. Insbesondere „wenn die Zahl der Beitragspflichtigen, bei denen die Forderungen einzutreiben sind, sehr hoch“ sei, könne der Staat auf bargeldloser Bezahlung bestehen, wie der BR den EuGH zitiert.

Die bayerischen Verbraucherschützer fassen die ausweichende Antwort des EuGH folgendermaßen zusammen: „Der Europäische Gerichtshof legt sich nicht fest. Der Fall geht jetzt zurück ans Bundesverwaltungsgericht, das nun konkret entscheiden muss, ob die Kläger künftig bar bezahlen dürfen.“ Das Bundesverwaltungsgericht müsse nun also prüfen, ob "eine solche Beschränkung im Hinblick auf das Ziel des tatsächlichen Einzugs des Rundfunkbeitrags verhältnismäßig ist“, wie es der BR formuliert.

Bis der Bundesverwaltungsgericht seine Entscheidung verkündet, ändert sich für Rundfunkbeitragszahler aber nichts. Sie müssen also vorerst in jedem Fall den Rundfunkbeitrag bargeldlos bezahlen.

Samsung SSD 980: NVMe-SSDs von Samsung ab 49,90 Euro

Samsungs beliebte 970 EVO M.2-SSD erhält mit der SSD 980 einen Nachfolger. Das Unternehmen hat dabei das EVO im Namen der M.2-SSD gestrichen. Der Nachfolger setzt auf die HMB-Technologie (Host Memory Buffer) statt wie bisher auf DRAM.

Durch den Umstieg liefert Samsung auch ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Variante mit 250 GB Speicherplatz gibt es ab 49,90 Euro. Trotz des geringeren Preises soll bei der SSD die Leistung stimmen. Laut Herstellerangaben bietet die SSD eine sequenzielle Lese- und Schreibgeschwindigkeit von 3500 MB/s bzw. 3000 MB/s. Als Ein- und Ausgabeoperationen soll die SSD 980 beim Lesevorgang maximal 500.000 und beim Schreiben 480.000 IOPS bieten.

Gegenüber der 970 EVO wurde zudem mit "TurboWrite 2.0" der Pufferspeicher deutlich vergrößert. Die 970 EVO konnte hier mit 42 GB Pufferspeicher aufwarten, die SSD 980 kommt nun mit bis zu satten 160 GB. Laut Samsung solle die neue SSD gegenüber dem Vorgänger auch eine um 56 Prozent verbesserte Energieeffizienz aufweisen.

Wie bereits angedeutet starten die Preise für die neue SSD bei 49,90 Euro für die 250-GB-Variante. Für 500 GB zahlt man 69,90 Euro und für 1 TB Speicherplatz werden 129,90 Euro fällig.

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