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Morgenmagazin vom Freitag, 13. Dezember 2019

13.12.2019 | 07:08 Uhr |

Apple vermeidet Strafzölle auf iPhone: 150 US-Dollar pro Gerät +++ Patenttroll klagt wegen Links in SMS +++ Apple übernimmt britischen Fotografie-Spezialisten +++ Deutscher Entwicklerpreis 2019: Anno 1800 räumt ab! +++ YouTube verschärft Richtlinien gegen Belästigung +++ Amazon: Gericht verbietet Sonntagsarbeit

13. Dezember: Wintersonnenwende

Wir wünschen allseits einen Guten Morgen! Erst seit dem vierten Jahrhundert wird Weihnachten rund um die Wintersonnenwende gefeiert. Zuvor gab es wohl keinen einheitlichen Termin - und auch heute sind sich die Leute bezüglich des Datums uneins. Während Deutsche, Österreicher und Schweizer vor allem auf den Heiligen Abend am 24. Dezember Wert legen, weisen Briten, Kanadier und US-Amerikaner darauf hin, dass erst am 25. Dezember Weihnachten im Kalender steht. Orthodoxe in Russland, Weißrussland und Ägypten (aber nicht in Griechenland!) sehen den 6. Januar als einen heiligen Abend an, der 7. Januar ist dann der Weihnachtstag. Und sogar der heutige 13. Dezember ist ein Tag, an dem Weihnachten und die Wintersonnenwende zusammenfallen. Das war ja der Grund, den Termin so fest zu legen, um gewissermaßen die vorchristlichen Traditionen anlässlich des kürzesten Tages mit dem neuen Fest zu verschmelzen.

Zu jener Zeit des frühen Christentums war Rom noch Weltmacht. Den Römern hatten die Völker rund um das Mittelmeer nicht nur den Aquädukten zu verdanken (und die Straßen, die öffentliche Sicherheit, das Bildungssystem,...), sondern auch einen höchst tauglichen Kalender, mit Schalttagen alle vier Jahre. Leider war die so fest geschriebene durchschnittliche Jahreslänge von 365,25 Tagen ein klein wenig zu lang, gut 1200 Jahre nach der Fusion von Weihnachten und Wintersonnenwende hatte man festgestellt, dass über all die Zeit sich elf Schalttage zu viel angesammelt hatten. Seither streicht man in jeweils vier Jahrhunderten drei Schalttage, in den Jahren 1700, 1800 und 1900 hatte es keinen 29. Februar gegeben. Um den Kalender wieder mit den Jahreszeiten zu synchronisieren, strichen die von der römisch-katholischen Kirche dominierten Landstriche im 16. Jahrhundert elf Tage, in orthodoxen Regionen geschah die Umstellung auf den gregorianischen Kalender erst anfangs des 20. Jahrhunderts - dort blieb Weihnachten auf dem gewohnten späten Termin, der dann aber nicht mehr der 25. Dezember war, sondern der 7. Januar.

Umgekehrt lief die Sache in den von Protestanten beherrschten nordischen Ländern Dänemark, Schweden und Norwegen ab. Der gregorianische Kalender gilt dort erst seit dem 18. Jahrhundert. Die Wintersonnenwende rückte im alten julianischen System immer weiter nach vorne, bis auf den 13. Dezember. So kam es, dass sich Weihnachten und Wintersonnenwende wieder separierten, am Tag der Heiligen Lucia aus Sizilien feiert daher der Norden immer noch das Lichterfest zu ihren Ehren und den der Sonne, die doch hoffentlich bald wieder höher am Himmel stehen wird. Norweger, Schweden und Dänen wissen natürlich, dass die Tageslänge noch mehr als eine Woche lang abnehmen wird, denn Dänen lügen nicht. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Abkommen : Apple kommt um Strafzölle auf die in China gefertigten iPhoes herum. Das ist Gegenstand eines neuen Handelsabkommens zwischen den USA und China. LAut Bloomberg wären sonst 150 US-Dollar auf ein jedes iPhone angefallen, Apple hätte die Kosten aber nicht per Preiserhöhung an die Kunden weiter gegeben, sondern selbst übernommen, was zu Lasten der Gewinne gegangen wäre. Auch auf Macbooks und iPads wären Strafzölle angefallen. Der Präsident habe Apple ein Weihnachtsgeschenk beschert, schreibt der Analyst Dan Ives in einer Anlegernotiz. Die Zölle wären am 15. Dezember in Kraft getreten. Apple hat die Angelegenheit bislang nicht kommentieren wollen.

Prognose : Die Nachfrage nach den Airpods Pro ist weiterhin stark und die nach dem iPhone 11 in China sogar besser als erwartet, daher rechnet der Evercore-Analyst Amit Daryanan damit, Apple werde im ersten Quartal 2019/20 eine Bilanz am oberen Ende seines Ende Oktober gegebenen Ausblicks schreiben können. Gerade erst einmal zehn Prozent der iPhone-Nutzer hätten schon Airpods, es gebe hier also jede Menge Raum für Wachstum. Auch ein anderes Wearable lasse noch Platz dafür: Die Apple Watch.Der Umsatz mit Wearables habe von etwa sechs Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2014 auf nunmehr 24 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2019 zugelegt, und werde bis 2023 aber weiterhin um 20 bis 30 Prozent wachsen, auf bis zu 60 Milliarden US-Dollar.

Klage: Könnten SMS keine Links darstellen, wären sie heute wohl marginal geworden und gerade einmal dazu da, den Wetterbericht abzurufen oder kurze und belanglose Kommunikation zu gewähren. In etwa so argumentiert Hypertext Technologies in seiner Klage, die Apple Verletzung eines Patents vorwirft, dass der Patenttroll erst im August übernommen hatte. Die Technik geht auf das koreanische Unternehmen KTFreetel zurück, das später in von der Korea Telecom aufging.  Patentiert wurde diese im Jahr 2001, seit 2006 gibt es in den USA eine Schutzschrift, die seither zwischen diversen Firmen hin und her gegangen ist. Nicht nur Apple ist im Fokus des Patenttrolls, Hypertext verklagt auch andere Anbieter.

Getrackt : Apple hat in dieser Woche einige Sicherheitsupdates für die WebKit-Enginge bereit gestellt, auf der der Browser Safari basiert. In einem Blog-Post bedankt sich Apple auch explizit bei Googles Security Lab für sachdienliche Hinweise, die zur Schließung von Lücken führten, bleibt beim Thema Intelligent Tracking Prevention (ITP) aber sehr vage. The Register führt nun aus, dass man ausgerechnet die ITP dazu nutzen konnte, User zu tracken. Die ITP soll verhindern, dass seitenübergreifende Cookies Profile von Surfern anlegen und sie mit Werbung quer durch das ganze Netz verfolgen. Solche personalisierte Anzeigen sind lukrativ für die Werbeindustrie und auch für Inhalteanbieter, denn an sich wird nur noch damit ausreichend Geld verdient. Safari wiederum will verhindern, dass Cookies derartige persönliche Profile anlegen und damit die Privatsphäre der Kunden gefährden. Doch konnte man vor den Sicherheitsupdates genau ermitteln, ob und wie Webinhalte vom Browser anders behandelt wurden und somit Nutzer des ITP tracken, was die Technik an sich verhindern wollte.

Übernahme: Apple hat mal wieder eine kleine Firma übernommen, diesmal das britische Unternehmen Spectral Edge, das sich auf Fotografie spezialisiert hat. Damit dürfte über kurz oder lang die Fotografie mit dem iPhone noch bessere Bilder erzeugen. Spectral Edge war im Jahr 2014 aus der Universität East Anglia hervor gegangen, der von der Firma entwickelte Algorithmus verbesserte bei schlechten Lichtverhältnissen aufgenommene Fotos, sollte also für den Nachtmodus des iPhone respektive Deep Fusion interessant sein. Dabei kombiniert Spectral Edge eine Infrarotaufnahme mit einer solchen im sichtbaren Spektrum, Bilder sollen damit schärfer und die Farben akkurater werden.

Weitere Nachrichten:

Deutscher Entwicklerpreis 2019: Anno 1800 räumt ab!

Gestern wurde in Köln der Deutsche Entwicklerpreis 2019 verliehen. Der größte Gewinner war dabei Anno 1800, welches die 100 Experten der Jury in den Kategorien Bestes Deutsches Spiel, Bestes Game Design, Bester Sound und Beste Grafik überzeugen konnte. Der für Anno 1800 zuständige Entwickler Blue Byte konnte auch in der Kategorie Most Wanted mit Die Siedler (2020 für Windows geplant) einen weiteren Preis einheimsen.

Als bestes Studio wurde YAGER Development aus Berlin gewählt. Bester Publisher wurde die Headup GmbH aus Düren. Der Preis für die Beste Story ging an Pathway von Entwickler Robotality UG aus Hameln. Zum Besten Indie Game wurde hingegen Lonely Mountains: Downhill von Entwickler Megagon Industries GmbH aus Berlin gekürt. Das Beste Mobile Game stellt hingegen das Farming-Abenteuer Stranded Sails von Lemonbomb Entertainment aus Düsseldorf. Als Dauerbrenner wählte die Jury Tibia von Cipsoft aus Regensburg. Dabei handelt es sich um ein schon seit 1997 laufendes MMO, welches noch immer rund eine halbe Million aktive Spieler vorweisen kann. Der Innovationspreis ging an Blautopf VR – Geheimnis der Lau von Entwickler Tellux next GmbH aus München. Den Sonderpreis Soziales Engagement konnte hingegen der Youtuber-Spendenmarathon Friendly Fire 4 für sich entscheiden.

YouTube verschärft Richtlinien gegen Belästigung

Die Video-Plattform YouTube hat in dieser Woche ihre Community-Richtlinien aktualisiert und will damit weiter verstärkt gegen Belästigung vorgehen. YouTube hat sich eigenen Aussagen zufolge für das Update mit Videoproduzenten sowie unterschiedlichen Organisationen, Journalisten und Experten ausgetauscht. Die neuen Richtlinien sollen Video-Produzenten und Nutzer schützen, ohne dabei die Meinungsfreiheit zu sehr einzuschränken, so YouTube im offiziellen Blogbeitrag .

YouTube will in Zukunft nicht nur Inhalte entfernen, die Nutzer oder Produzenten offen bedrohen, sondern auch gegen verschleierte oder indirekte Drohungen vorgehen. Dazu zählen laut YouTube etwa Videos, in denen Gewalt gegen eine bestimmte Person simuliert wird oder Videos, in denen Sprache verwendet wird, die potenzielle körperliche Gewalt androht. Neben Drohungen wird auf YouTube künftig auch keine herabsetzende Sprache mehr toleriert. Dazu zählen Inhalte, in denen andere Personen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, physischen Merkmale, sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder Zugehörigkeit zu einer geschützten Gruppe böswillig beleidigt werden. Kanäle, die wiederholt gegen die neuen Richtlinien verstoßen, können vom YouTube-Partnerprogramm ausgeschlossen oder gekündigt werden.

Neben den Video-Produzenten, nehmen die neuen Community-Richtlinien auch Mitglieder ins Visier, die sich im Kommentarbereich austoben. Hier werden künftig nicht nur Kommentare mit offenen Beleidigungen, sondern auch versteckte Drohungen entfernt. Video-Produzenten bekommen außerdem die Möglichkeit, fragwürdige Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen und sie zu löschen. Damit soll auf den Kanälen eine positive Gesprächskultur gefördert werden, so YouTube.

Amazon: Gericht verbietet Sonntagsarbeit

Die Mühlen des Gesetzes mahlen langsam. Einem schon 2015 gestellten Antrag des Online-Versandhändlers Amazon hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster eine Absage erteilt . Darin hatte Amazon um eine Genehmigung für den Einsatz von 800 Mitarbeitern im  Logistikzentrum Rheinberg gebeten. Die Besonderheit: Es ging konkret um zwei Adventssonntage, an denen die Angestellten Sendungen für das Weihnachtsgeschäft verpacken sollten. Laut Amazon wäre ohne die zwei Sonntage ein „unverhältnismäßiger Schaden“ entstanden, da versprochene Lieferfristen andernfalls nicht hätten eingehalten werden können.

Nach Ansicht des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster rechtfertige das zur Weihnachtszeit massiv ansteigende Geschäft jedoch keine Sonntagsarbeit. Der Klage der Gewerkschaft Verdi gab das OVG Recht, laut Grundgesetz sei der Sonntag arbeitsfrei zu halten. Zwar seien Ausnahmen grundsätzlich möglich, dafür müssten aber „besondere Verhältnisse von Außen“ gegeben sein. Dies sei im Fall von Amazon nicht der Fall gewesen. Im Gegenteil: Das Gericht wirft Amazon vor, das Weihnachtsgeschäft 2015 mit Express-Versand und Lieferungen am gleichen Tag noch vergrößert zu haben. Die Lieferengpässe seien erst dadurch so groß geworden. Amazon kann beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in Revision gehen. Ob der Konzern dies plant, bleibt vorerst unklar.

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