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Morgenmagazin vom Freitag, 18. Oktober 2019

18.10.2019 | 07:04 Uhr |

Katalanische Separatisten haben kein Vertrauen zu Apple +++ Optimistische Einschätzungen zu iPhone-Verkäufen +++ Wo Siri weiter zurück fällt +++ Google stellt Daydream VR ein +++ Galaxy Fold 2: Kommt angeblich im April 2020 +++ Großbritannien gibt Porno-Filter auf

18. Oktober: Große Sprünge

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Das war's dann wohl für dieses Jahr, keine weitere Apple-Keynote. Woher wir das wissen? Nun, wir wissen es nicht, aber gestern Abend hiesiger Zeit hätten ab etwa 18 Uhr die eingeladenden Pressevertreter darüber geschrieben, gesendet, gebloggt und gezwitschert. So wie im letzten Jahr: Da war der 18. Oktober ein Donnerstag und am Abend jenes Tages wussten wir, dass Apple noch etwas in der Mache hätte, das man am 30. Oktober in New York der Öffentlichkeit zeigen wolle. Wir wussten nur noch nicht, wie viele unterschiedliche künstlerische Adaptionen des Logos mit dem angebissenen Apfel die Presseabteilung Apples verschickt hatte, es waren wohl 370, wie sich später herausstellte .

Die Botschaft war damit klar: Das Event, das in der Brooklyn Academy of Music in New York statt finden würde, zeigt Produkte für Kreative. Das war dann im Wesentlichen ein neues iPad Pro, mit USB-C-Buchse und FaceID, mit einem neuen Apple Pencil. Selbst eine Vollversion von Photoshop werde schon bald darauf laufen, hieß es am 30. Oktober letzten Jahres. Ein Jahr später würde es uns nicht überraschen, stellte Apple nächste oder auch übernächste Woche ein aktualisiertes iPad Pro vor, äußerlich unverändert, aber jetzt mit A13X-Chip. Über Upgrades für Macbook Air und Mac Mini mit jeweils ein Jahr jüngeren Prozessoren würden wir uns auch nicht beschweren - Apple sollte diese beiden aber in jedem Fall nicht mehr so lange unüberarbeitet lassen wie in den Jahren vor 2018er-Event "There's more in the making".

Für den Mac Mini und das Macbook Air waren die im letzten Jahr gegebenen Verbesserungen deutliche Sprünge nach vorne, gewissermaßen solche in eine neue Ära. Den Mac Mini gibt es seither nur noch mit SSD, allein der iMac ist optional noch mit Festplatte oder Fusion Drive zu haben. Das Macbook Air bekam USB-C respektive Thunderbolt 3 und ein Retina-Display. Der "Sprung in das 21ste Jahrhundert" indes datiert vom 18. Oktober 1968.

In der Höhenluft von Mexico City gelang dem US-Athleten Bob Beamon im Finale des olympischen Weitsprungwettbewerbs jener Satz auf damals sagenhafte und heute immer noch verblüffende 8,90 Meter, die man die nächsten 32 Jahre nicht für übertreffbar hielt. Welch ein Irrtum!

Zwar steigerte Beamon den bis dato gültigen Rekord des Armeniers Igor Ter-Owanesjan um satte 55 Zentimeter und bei Olympia ist bis einschließlich keiner in die Nähe der 8,90 gekommen, der Weltrekord hielt aber nur bis 1991. Mike Powell sprang bei den Weltmeisterschaften in Tokio 8,95 weit, der Cubaner Ivan Pedroso im Jahr 1995 in Sestrière sgar noch einen Zentimeter weiter. Wegen einer manipulierten Windmessung hat der Leichtathletikweltverband dem Satz aber keine Gültigkeit als Weltrekord zugesprochen.

Die Leistung Beamons schmälert aber keineswegs, dass in mehr als 2000 Meter Höhe der Luftwiderstand etwas geringer ist und Mike Powell zu einer Zeit sprang, als Athleten besonders häufig zu pharmazeutischen Hilfsmitteln griffen. Mac Mini, Macbook Air und iPad Pro von 2018 sind auch heute noch fantastische Geräte, gegen ein bisschen legales Doping hätten wir nichts einzuwenden - ein "Mac Mini auf Stereoiden" - davon träumen wir. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Misstrauen: Ob nun der Protest in Hongkong gerechtfertigter sei als der katalanischer Separatisten, sei dahin gestellt – die Protestbewegung in Katalonien hat jedoch von der in der chinesischen Sonderwirtschaftszone etwas gelernt: Auf Apple kann man nicht vertrauen. So lässt sich zumindest die Entscheidung der Aktivisten von Tsunami Democratic interpretieren, ihre App für die Organisation der Demonstrationen für die Unabhängigkeit trotz großer Nachfrage nicht für iOS anzubieten. Es gibt sie nur für Android und hierfür auch nur als direkten Download und nicht über den Googel Play Store. Mit der dezentralisierten App sollen sich Demonstranten zu Aktionen zivilen Ungehorsams verabreden können, am Montag dieser Woche etwa behinderten Blockaden den Betrieb des Flughafens von Barcelona für eine gewisse Zeit. Die Entwickler erklärten TechCrunch gegenüber, bisher hätten sich 15.000 Nutzer über einen QR-Code registriert und ihre Ortsinformationen anonymisiert geteilt - so könnten Protestler auf einer Karte genau sehen, wo sich Aktionen ergeben könnten. Apples Politik sei zu restriktiv, um eine iOS-Version anbieten zu wollen, heißt es weiter unter Berufung auf den Vorfall mit der ähnlich gelagerten Anwendung HKlive.map. Es wäre aber interessant zu sehen gewesen, welche Begründung Apple im Fall der katalanischen Separatisten gegeben hätte und ob es eine App von Tsunami Democratic überhaupt zurückgewiesen hätte. Die Regierung in Madrid ist gewiss kein restriktives Regime wie das in Peking, erkennt den Ausgang des Unabhängigkeitsreferendums von vor zwei Jahren aber nicht an – und in Spanien (samt Katalonien) laufen die Geschäfte für Apple gewiss nicht schlecht, das Land hat für den Mac-Hersteller aber bei Weitem nicht die Bedeutung, wie sie China hat.

Gute Aussichten: Noch letztes Jahr hegten Analysten schwere Befürchtungen, die Erfolgsstory des iPhone wäre auserzählt. Und auch wenn der Markt längst gesättigt sein dürfte und es nun mehr um Verdrängung denn um Wachstum geht, steht Apple im Jahr 2019 offenbar glänzend da – mit auch noch sehr guten Aussichten für 2020. Den jüngsten optimistischen Beitrag zu Apples Verkäufen bringt der Wedbush-Analyst Dan Inves. Demnach würden die iPhones des Jahres 2019 sich besser als erwartet verkaufen, das iPhone 11 sein insbesondere in China erfolgreich und das iPhone 11 Pro in den USA. Insgesamt werde Apple im gerade begonnenen Geschäftsjahr 185 Millionen Telefone verkaufen. Dabei steht der nächste Boom bereits an, im Jahr 2020 werde Apple mit 5G-iPhones noch erfolgreicher werden. Einen ersten Blick auf Apples Performance mit den iPhones von 2019 wird man am 30. Oktober bekommen, wenn Apple nach Börsenschluss in New York um 16 Uhr Ortszeit seine Bilanz für das vierte Quartal des alten Geschäftsjahres vorlegen wird.

Zurück gefallen: Das Google Pixel 4 beeindruckt iPhone-Besitzer wenig - das war in den letzten Jahren noch anders, als Google vor allem mit der Kamera und ihren Funktionen hervor stach. Hier hat Apple im Jahr 2019 aber aufgeholt, vielleicht sogar überholt. Wo aber ein umso größerer Rückstand besteht, ist bei der Sprachassistenz, merkt Jason Cross auf Macworld an. Apple habe seinen Vorsprung mit Siri, das 2010 seine erste iPhone-App brachte und 2011 teil Apples und des iPhone 4S wurde, längst verloren. Was Google etwa mit seinem neuen Voice Recorder zeigt, beeindrucke: Aus dem gesprochenen Text wird sofort ein Skript erstellt, und das komplett mit auf dem Gerät verfügbarer Technik, keine Internetverbindung benötigt. Das hätte Apple auch schon bei der letzten Überarbeitung seines Stimmrekorders für iOS 12 vor einem Jahr gut zu Gesicht gestanden. Siri müsse also nicht nur besser werden, sondern man brauche ein neues Siri, fordert Cross daher. Siri solle sich etwa nur dann mit dem Internet verbinden, wenn es von dort eine Information brauche, die auf dem Gerät bereits verfügbaren wie Termine könne sie aber sehr wohl ja auch offline ausgeben. Weiter fühle sich Siri auch ein wenig wie ein Fremdkörper an, der nicht tief in das iPhone integriert ist, sondern das Kommando übernimmt, wenn der Assistent gefragt wird: Warum müsse Siri denn immer den gesamten Bildschirm in Anspruch nehmen? Zu wenig verstehe der Assistent auch die Zusammenhänge, denn sonst könnte er eine aufgerufene Website oder wenigstens markierte Worte auf Anfrage übersetzen. Oder Tickets für ein Konzert kaufen, über das man sich gerade per Browser informiert. Apple könne sich gerne an Google und dem Pixel 4 orientieren, auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass Cupertino deutlich mehr Geräte verkaufen wird und in Zukunft auf Services setzt.

Klappe : Schönes Bild, das Jason Snell da in seiner jüngsten Macworld-Kolumne "More Color" da zeichnet. Apple würde nicht wie andere Unternehmen einfach Produkte an die Wand werfen und schauen, welche daran hängen bleiben. Zumindest nicht öffentlich. Denn in seiner Entwicklungsabteilung würde das wohl passieren: Einfach mal ausprobieren, was funktioniert und was nicht. Aber Apple bringt dann nicht einfach wild Produkte heraus und wartet ab, was sich auf dem Markt durchsetzt, sondern verfolgt jedesmal einen Plan. Es ist das Surface Neo, jenes, ja, was denn, Notebook oder Tablet, das Microsoft kürzlich vorstellte und das zwei Bildschirme bringt, die aber nicht immer gleichzeitig zum Einsatz kommen. Würde Apple überhaupt in eine Kategorie in Richtung Doppelbildschirm oder Klapp-Tablet denken? Und wenn ja, würde das eher ein Gerät für iOS oder macOS sein? Aber ausgeschlossen ist es ja nicht, dass Apple an einem Gerät dieser Art arbeitet, von dem man noch nicht einmal ein Gerücht gehört hat bisher.

Kein Rohrkrepierer: Der Mac Pro wird bald in Handel kommen, zu Preisen – ja nach Ausstattung – zwischen 6.000 und 15.000 US-Dollar. Wer soll das kaufen? Zwar erinnert die Höllenmaschine an den Macintosh IIfx, der 1990 ab 9.000 US-Dollar kostete und inflationsbereinigt immer noch der teuerste Mac aller Zeiten sein könnte, teurer als die Top-Aussstatung des Mac Pro von 2019. Hat Apple wieder nur für eine kleine Nische produziet und entwickelt, wie seinerzeit den Xserve, der längst eingestellt ist? Mitnichten, meint Daniel Eran Dilger in einem längeren und lesenswerten Meinungsbeitrag auf Apple Insider. Apple eröffne mit dem radikal neu gedachten Mac Pro neue Märkte und zeige erneut, dass es gut darin sein, diese mit einem Luxus-Produkt zu definieren, das man über den Lauf der Jahre sich eher leisten kann und vor allem will. Im Jahr 2007 dachten die Nokias und Sony Ericssons dieser Welt ja auch nicht, dass Leute mehr als 500 US-Dollar für ein Telefon ausgeben würden.

Weitere Nachrichten:

Google stellt Daydream VR ein

Die in Android integrierte Virtual-Reality-Plattform Google Daydream steht vor dem Aus. Auf dem Pixel-4-Enthüllungsevent in dieser Woche bestätigte der Internet-Konzern gegenüber dem IT-Magazin VentureBeat , dass weder das Pixel 4, noch das Pixel 4 XL die VR-Plattform unterstützen werden. Google hat mit sofortiger Wirkung außerdem den Verkauf des VR-Headsets Daydream View eingestellt. Google hat eigenen Angaben zufolge auch keine Pläne, Daydream in zukünftige Android-Geräte zu integrieren. Die Zertifizierung für neue Hardware sei gestoppt worden, so ein Google-Sprecher gegenüber VentureBeat. Die Daydream-App und der zugehörige App-Store sollen vorerst weiter betrieben werden.

Wie Google in einer Stellungnahme gegenüber VentureBeat erklärt, habe der Konzern großes Potenzial in Smartphone-VR-Anwendungen wie Google Cardboard und Daydream gesehen. Von den Nutzern werde die Lösung, bei der das Smartphone als Display in ein entsprechendes Headset eingefügt wird, nicht so gut angenommen. Die Entwickler-Unterstützung sei ebenso wie die Kunden-Nachfrage hinter Googles Erwartungen zurückgeblieben. Auch die Nutzung des Daydream-View-Headsets sei in den letzten Monaten zurückgegangen. Wie lange die Daydream-App noch aktiv bleiben wird, ist nicht bekannt. Google will sich eigenen Aussagen zufolge nun verstärkt auf Augmented-Reality-Anwendungen konzentrieren.

Die besten VR-Brillen: Oculus Rift S, Quest, HTC Vive Pro und Co.

Galaxy Fold 2: Kommt angeblich im April 2020

Der südkoreanische Elektronik-Hersteller Samsung sieht in faltbaren Smartphones die Zukunft. Obwohl das Galaxy Fold, das eigentlich bereits im April 2019 erscheinen sollte , mit Display-Problemen zu kämpfen hatte und aus diesem Grund erst fünf Monate später veröffentlicht wurde, werkelt das Unternehmen aktuellen Gerüchten zufolge bereits an einem Nachfolger. Das Galaxy Fold 2 trägt firmenintern den Codenamen „Bloom“ und soll den Mutmaßungen zufolge bereits im April 2020 erscheinen . Die offizielle Enthüllung des Smartphones könnte im Februar 2020 zusammen mit dem Galaxy S11 erfolgen.

Den Gerüchten zufolge, soll das Galaxy Fold 2 im aufgeklappten Zustand entweder über ein kleineres (6,7 Zoll) oder über ein größeres (8,1 Zoll) Display als das aktuelle Modell mit seinen 7,3 Zoll. Als Display-Schutz soll außerdem Ultra Thin Glass (UTG) anstelle der Polyimid-Folie beim aktuellen Galaxy Fold zum Einsatz kommen . UTG könnte das faltbare Display besser vor Kratzern schützen. Den Mutmaßungen zufolge könnte Samsung beim Fold 2 die Front-Kamera außerdem unter dem Display verbauen . Dafür greift der Konzern laut den Gerüchten auf seine Hole-In-Active-Area (HIAA) Technik zurück, mit der beim Galaxy S10 und Note 10 die Kamera-Punch-Holes produziert wurden. Beim Fold 2 soll dieses Loch von einem transparenten Display bedeckt werden.

Großbritannien gibt Porno-Filter auf

Bereits seit acht Jahren wird in Großbritannien über einen sogenannten Porno-Filter diskutiert . Internet-Nutzer sollten mit Hilfe dieser Sperre nur Zugriff auf pornografische Bilder und Videos im Netz erhalten, wenn sie zuvor ihre Volljährigkeit verifiziert haben. Nach jahrelangen Debatten gab Nicky Morgan, Minister für Digitales, Kultur, Medien und Sport in dieser Woche bekannt , dass die britische Regierung Teil 3 des Digital Economy Act 2017 nicht umsetzen werde.

Mit dieser Entscheidung wird auch der umstrittene Porno-Filter zu Grabe getragen. Nach mehreren verpassten Fristen wurden die Pläne für die Sperre bereits im Juli 2019 auf Eis gelegt. Kritiker bemängelten in den vergangenen Jahren unter anderem Datenschutz-Probleme sowie den weitreichenden Einfluss, den das Porno-Konglomerat MindGeek mit der Einführung der Sperre erhalten würde. MindGeek sollte das Alters-Verifizierungssystem für den Filter stellen.

Morgan bestätigt in seiner Stellungnahme, dass die britische Regierung nun „weiter gefasste Gesetzesvorschläge gegen Gefahren im Netz“ forcieren wolle. Der Jugendschutz im Internet stehe noch immer ganz oben auf der Agenda. Und eine möglicherweise andere Form des Altersnachweises sei noch nicht vom Tisch. Großbritannien wolle Weltmarktführer in der Entwicklung von Online-Sicherheitstechnologie werden, so Morgan.

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