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Morgenmagazin vom Freitag, 19. Juli 2019

19.07.2019 | 07:10 Uhr |

TSMC sendet positive Signale für IT-Industrie +++ Apple bringt die dritten Public Betas +++ Android und iOS: Kopien zum gegenseitigen Vorteil +++ DDR4-RAM und SSDs durch Handelsstreit bald teurer? +++ Otto Now bietet E-Scooter zum Ausleihen an +++ Indien: Neuer Termin für geplante Mondlandung (Update) +++ Visual Studio für Mac 2019 aktualisiert +++ Airpods-Firmware 6.7.8 verbessert Mac-Verbindung

19. Juli: Wilde Theorien

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Am Sonntag wird es 50 Jahre her sein, seitdem die ersten beiden Menschen auf dem Mond spazieren gegangen sind. Wobei einige Leute ja schwere Zweifel daran hegen, die in einer Zeit entstand, als die US-Regierung tatsächlich die Öffentlichkeit nach Strich und Faden belog, etwa über den Verlauf des Vietnamkrieges und der Vorgänge im Watergate-Hotel in Washington D.C.. Doch die Mondlandung war echt und nicht von Stanley Kubrick inszeniert. Man stelle sich vor, die im Rennen zum Mond unterlegenen Sowjets hätten fest gestellt, dass die auch von ihren Funkern empfangenen Signale von der Mond-Mission nicht aus dem Weltraum kamen, sondern aus einem Studio in Hollywood – ohne zu Zögern hätte der Kreml das publik gemacht.

Für die vermeintlichen Indizien der Anhänger der Mondverschwörung gibt es plausible Erklärungen. Keine Sterne am Himmel? Weil die Blende des Fotoapparats nur wenig geöffnet war, der Vordergrund war ja taghell. Eine im Wind knatternde US-Fahne? Nein, eine Fahne, an deren längeren Seite eine Stange montiert war, damit sie - eben wegen des fehlenden Windes - nicht nur schlaff herunter hängt, sondern zeigt, welche Nation das Unmögliche geleistet hat. Vom Rammstoß in den Mondboden in Schwingungen versetzt, sieht das tatsächlich so aus, als würde sie flattern. Die vielen Schatten der Landefähre, das müssen doch Scheinwerfer verursacht haben? Nein, die scheinbar vielen Lichtquellen waren vor allem Reflexionen des Sonnenlichts am Umgebungsgestein - es ist mangels Atmosphäre auf der Tagseite des Mondes verdammt hell.

Vor allem: Wie hätte man die gut 400.000 Beteiligten ein Leben lang zum Schweigen gebracht? Da war es wesentlich billiger, drei Menschen zum Mond zu schicken und gesund wieder zurück. Seltsam auch: Über die Missionen Apollo 12 bis 17 kursieren derartige Verschwörungstheorien nicht.

Aber Fakenews sind keine Erfindung der Neuzeit. Am 19. Juli 64 ist in Rom ein schwerer Brand ausgebrochen, den angeblich Kaiser Nero selbst gelegt haben soll. Das Motiv wäre gewesen: Das auf sieben Hügeln errichtete Rom, zu jener Zeit angeblich schon über 800 Jahre alt, sollte einem Neubau weichen, der den Namen des Kaisers zu tragen hätte.

Der Kaiser hat aber ein Alibi, als der Brand ausbrach, weilte er in der Hafenstadt Antium, und nachdem er nach Rom geeilt war, beteiligte er sich an den Löscharbeiten. Diese hatten unter anderem Brandschneisen und Gegenfeuer als Maßnahmen zu bieten, das sieht bei oberflächlicher Betrachtung natürlich seltsam aus, wenn kaiserliche Truppen noch halbwegs intakte Häuser niederreißen oder in Brand stecken.

Die heutige Geschichtsschreibung kann Nero mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom Vorwurf der Brandstiftung frei sprechen. Es war an jenem Juli-Tag eben sehr trocken und die aus Holz gebauten Häuser standen sehr eng beieinander. Der kleinste Funke in einem Materiallager nahe des Circus Maximus hatte da genügt, um große Teile der Stadt in Schutt und Asche zu legen. Nicht frei sprechen kann die Geschichtsforschung aber Kaiser Nero vom Vorwurf der Despotie. Unter anderem nutzte er den Brand dazu, eine Minderheit im Staate zu entrechten, indem er ihnen die Schuld daran in die Schuhe schob: Die Christen hätten den Brand gelegt, ließ der Kaiser verbreiten. Und schon sind wir wieder in einer Gegenwart, in der Verschwörungstheoretiker gerne einmal Minderheiten allerlei unterstellen. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Gute Aussichten: Der Chiphersteller TSMC gibt einen positiven Ausblick auf das zweite Halbjahr, trotz schwächelnder Wirtschaft und den Folgen des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Dabei helfe die Nachfrage nach 5G, sowohl in Sachen Smartphonechips als auch für Telekommunikationsausrüstung. TSMC fertigt aber vor alle die Chips für iPhone und iPad, die Produktion des A13, der in den Modellen von 2019 erwartet wird, dürfte bereits begonnen haben. TSMC bedient aber eine Vielzahl von Kunden, so kann das Unternehmen als Indikator für die gesamte wirtschaftliche Lage der IT-Industrie dienen.

Original, Kopie und originelle Kopie : "Gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen" – das Zitat von Pablo Picasso hat auch Steve Jobs in Bezug auf Apple gebracht. Schon der Mac basierte auf Konzepten, die Apple bei Xerox fand und Cupertino hat auch nicht den MP3-Player oder das Smartphone erfunden. Aber eben auch nicht "sklavisch kopiert", so wie es später Steve Jobs Google bezüglich Android vorwarf. Wie man Picasso richtig interpretiert, erklärte bereits vor fünf Jahren Apples ehemaliger Software-Chefentwickler Bud Tribble. Das Wort "stehlen" dürfe man nicht wörtlich nehmen, es gehe eher darum, sich eine Idee "zu eigen zu machen", um neue, große Kunst zu schaffen. Computerworld-Autor JR Raphael geht der Frage nach, wie sehr die Plattformen iOS und Android sich Funktionen voneinander abgeschaut haben, kopiert, geklaut, zu Eigen gemacht. Dadurch seien die Systeme aber immer wieder besser geworden, der Verbraucher profitiert am Ende davon.

Rückgang: Das Unternehmen BankMyCell, über das man alte Smartphones in Zahlung geben kann, um neue zu erwerben, hat eine Statistik veröffentlicht, die Apple Sorgen bereiten könnte. Denn demnach lasse die Markentreue nach, gegenüber der letzten Erhebung sei die Bleiberate um 15 Prozentpunkte gesunken. Bei Samsung sei die Loyalität aber weiterhin hoch: Während 26 Prozent der Kunden, die ein iPhone X in Zahlung gaben, zu einer anderen Marke wechselten, geschah dies nur bei 7,7 Prozent der Galaxy-S9-Nutzer. Mit Daten aus anderen Statistiken rechnet BankMyCell einen Treuewert von 73 Prozent aus, so niedrig wie seit 2011 nicht mehr. Der Höchststand für Apple datiert aus dem Jahr 2014: 92 Prozent. Die Statistik ist jedoch recht fragwürdig, da sie sich auf gerade einmal 38.000 Smartphonenutzer bezieht, nur ein kleiner und wahrscheinlich nicht repräsentativer Ausschnitt der Gesamtkundschaft.

Nächste Runde: Die Beta-Phase von iOS 13, iPadOS 13 und macOS 10.15 Catalina macht Fortschritte. Nachdem Apple am Mittwoch Abend jeweils die vierte Developer Beta veröffentlichte, ist nun die dritte Public Beta dran. Diese bringt vor allem Bugfixes und eine höhere Stabilität. Aber auch funktional respektive beim Design gibt es Neuerungen. So findet sich in iOS 13 und iPadOS 13 bei langem Druck eine neue Option zur Neuanordnung von App-Symbolen, auch das Teilen-Menü wurde überarbeitet.

Friendly Fire : Der Twitterer im Weißen Haus ist nicht nur gegenüber Frauen, politischen Gegnern und ethnischen Minderheiten garstig, bis feindlich, sondern beschießt auch Corporate America. Boykott-Aufrufe seien ja eigentlich eine Methode der "radikalen Linken", er könne das Spiel aber auch spielen, drohte Nummer 45 neulich auf Twitter. Wie sehr er gegen amerikanische Firmen hetzt, denen er mit seiner Politik ja ohnehin ständig Knüppel zwischen die Beine wirft, führt Business Insider in dutzenden Tweets auf. Keiner ist vor den Tiraden sicher, General Motors, Amazon, Facebook, Google und viele mehr. Gegen Apple polterte Trump vor allem wegen der Weigerung Cupertinos für das FBI eine Hintertür in iOS zu programmieren.

Unterschiede : Von den zehn Euro, die man monatlich an Spotify oder Apple Music bezahlt, bekommen auch Künstler einen Teil ab, die man nie hört, erklärt Yahoo Finance das pro-rata-System der Streamingdienste. Die Anbieter werfen alle Einnehmen (auch die aus Werbung bei Spotify) in einen Topf und verteilen das Geld an die Künstler nach Anzahl der Gesamtstreams. Wenn man also einen Monat lang ein und dasselbe Album rauf und runter hört, bekommt der Interpret eben nicht die volle Gebühr (abzüglich des Anbieteranteils), sondern nur den Anteil, den das Album von den Gesamtstreams erreicht hat - und ein Prozent oder so geht an die Produzenten des populärsten Albums des Monats. Nun mag man einwerfen, dass es doch keinen Unterschied mache, ob man pro rata abrechne oder User zentriert, aber das ist ein Irrtum. Denn nicht jeder Nutzer hört gleich lang den Streams zu, Poweruser haben mit ihrem Hörverhalten mehr Einfluss auf die Verteilung des Geldes als Gelegenheitshörer. Eine finnische Studie aus dem Jahr 2017 quantifiziert die Unterschiede: Derzeit bekämen die 0,4 Prozent Künstler an der Spitze der Charts etwa zehn Prozent der Einnahmen, bei einer Abrechnung pro Nutzer würden nur noch 5,6 Prozent auf sie entfallen. Aber nicht alle der unbekannteren Künstler würden von einer anderen Verteilung profitieren, einige kämen noch schlechter weg. Deezer überlegt dennoch, auf das User-Modell umzusteigen, auch bei Apple gebe es derartige Überlegungen. Ganze Genres wie Jazz würden davon profitieren, da deren Songs in der Regel deutlich länger sind und in der gleichen Zeitspanne eben seltener aufgerufen werden können. Es gibt aber auch einen Haken an der Sache. Wie Spotifys Director of Economics in einem Paper festgehalten hat, wäre der Verwaltungsaufwand für eine User zentrierte Abrechnung höher, was die Ausschüttungen an die Künstler verringern würde. Gut, dann lassen wir unsere Lieblingsmusik auch die ganze Nacht über in Dauerschleife bei ausgeschalteten Lautsprechern laufen, um die Künstler auf diese Art und Weise zu pushen...

Weitere Nachrichten:

DDR4-RAM und SSDs durch Handelsstreit bald teurer?

In den letzten Monaten sanken die Preise für Arbeitsspeicher und SSDs immer weiter. Dieser Trend könnte schon bald vorbei sein . Verantwortlich hierfür ist der Handelsstreit zwischen Japan und Südkorea. Japan führt aktuell verstärkte Kontrollen bei der Ausfuhr bestimmter Werkstoffe durch, dies könnte zu Engpässen bei der Chip-Fertigung in Südkorea führen. Großkonzerne wie Samsung und SK Hynix beziehen viele für die Fertigung wichtige Chemikalien aus Japan. Da Südkorea für die Fertigung von über 70 Prozent der weltweit angebotenen DRAM- und Flash-Speicher verantwortlich ist, könnte der Handelskrieg zwischen beiden Ländern zu einem Preisanstieg bei Arbeitsspeicher und SSDs führen.

Nach Ansicht von Trendforce sei jedoch noch kein Grund für übereilte Käufe geboten. Noch seien die Lager der Zulieferer gefüllt und Engpässe nicht absehbar. Langfristige Verträge zwischen den Konzernen dürften die Lage weiter stabil halten. Einige Händler hätten sich als Reaktion auf die aktuelle Situation mit RAM und SSDs eingedeckt. Nachbestellungen könnten aber bis zu 20 Prozent teurer werden. Wer derzeit mehr DDR4-Arbeitsspeicher in seinem Rechner verbauen möchte, sollte dies lieber schnell tun. Mit weiteren Preissenkungen sei vorerst nicht zu rechnen. Bei SSDs hingegen dürften die Preise auch weiterhin fallen, lediglich kurze Preisanstiege seien zu erwarten.

 

Otto Now bietet E-Scooter zum Ausleihen an

Mit der Plattform Otto Now bietet der Versandhändler Otto seit einigen Jahren die unterschiedlichsten Produkte zur Miete an. Hier finden sich unter anderem Waschmaschinen für 32 Euro Monatsmiete, Smartphones wie das Huawei P30 Pro für 40 Euro oder E-Bikes für rund 50 Euro. Zur Produktauswahl sollen sich laut Otto in Kürze auch E-Scooter gesellen. Der Vorteil: Im Gegensatz zu den örtlich begrenzten Angeboten von Verleihern wie Lime oder Tier, können die E-Scooter von Otto Now überall genutzt werden. Otto kümmert sich außerdem im Falle von Defekten um eine kostenlose Reparatur oder den Austausch.

Zum Start des Angebots in den nächsten Wochen sollen E-Scooter bereits zum monatlichen Mietpreis von 39 Euro erhältlich sein. Nach Ende des Aktionszeitraums kosten sie 49 Euro im Monat. Otto Now verspricht eine große Auswahl an Modellen sowie kostenlosen Versand. Bei Lieferung ist der E-Scooter bereits fertig montiert, versichert und zugelassen. Interessierte Kunden können sich bereits jetzt für die Leih-E-Scooter anmelden . Wann genau das Angebot in Deutschland starten soll, ist bislang noch unklar. Einen konkreten Termin nennt Otto noch nicht.

Indien: Neuer Termin für geplante Mondlandung (Update)

Die indische Raumfahrtbehörde ISRO will am Montag einen neuen Start der Mission Chandrayaan-2 zum Mond wagen . Die Mission wurde schon mehrfach verschoben und zuletzt 56 Minuten vor dem Start aufgrund von Triebwerksproblemen abgebrochen. Am 22. Juli um 11:13 Uhr MESZ soll die Rakete vom südindischen Sriharikota aus ins All fliegen und im September auf dem Südpol des Mondes landen. Die Vorgängermission Chandrayaan-1 aus dem Jahr 2008 umfasste nur Umkreisungen des Mondes ohne Landungen.

Visual Studio für Mac 2019 aktualisiert

Seine neue, komplett überarbeitete Version der eigenen Entwicklerumgebung Visual Studio hat Microsoft bereits im April vorgestellt. Gleichzeitig war auch eine Mac-Variante verfügbar. Nun hat der Hersteller auf Twitter bekannt gegeben, der Mac-Variante von Visual Studio 2019 ein kleines Update zu spendieren. Nach der Aktualisierung kann ein Entwickler gleichzeitig mehrere IDE-Instanzen starten und danach laufen lassen. Das Verhalten ist für eine Mac-App eher unüblich, werden doch mehrere Fenster des gleichen Programms zusammengefasst. Nach Angaben von Microsoft war dies ein nachgefragtes Features von den Nutzern, dies gibt die Möglichkeit, gleichzeitig frühere Versionen des gleichen Projektes parat zu haben.

Einzelheiten zu weiteren Funktionen der Entwicklerumgebung von Microsoft auf dem Mac finden sich im Support-Bereich des Herstellers.

Airpods-Firmware 6.7.8 verbessert Mac-Verbindung

Neben dem stillen Update für macOS Mojave, das eine gravierende Sicherheitslücke in der Videokonferenz-Software Zoom geschlossen hat, brachte Apple wohl bereits Ende letzter Woche auch eine neue Firmware für die Airpods. Unsere  Airpods der ersten Generation zeigen nun die Firmware-Nummer 6.7.8, der Vorgänger vom Ende März 2019 trägt noch die Nummer 6.7.3. Die Updates für die Airpods geschweige denn die Änderungen dabei sind extrem schwierig nachzuverfolgen: Die Infos sind in der Einstellungen-App versteckt und erscheinen nur dann, wenn die Airpods verbunden sind. Dazu gibt Apple grundsätzlich keine Veröffentlichungsnotizen bekannt. So können Sie die Firmware-Nummer Ihrer Airpods überprüfen:

  1. Verbinden Sie die Airpods mit dem iPhone

  2. Öffnen Sie danach die Einstellungen-App

  3. Unter "Allgemein -> Info" erscheint ganz unten der Eintrag "Airpods"

  4. Mit dem Klick darauf lassen sich die wichtigsten technischen Informationen, darunter auch die Firmware-Version abrufen.


An der grafischen Oberfläche und den grundlegenden Funktionen hat sich mit der neuen Firmware nichts geändert, zumindest haben wir nichts Neues bemerkt. Dafür hat sich bei den Airpods der ersten Generation die Verbindung zu dem Mac etwas verbessert. Der Link zwischen dem Mac und den Airpods ist eine altbekannte Schwachstelle: Sobald man auf Google nach "Airpods Mac" sucht, schlägt die Suchmaschine die populärsten verwandten Suchversuche, in diesem Fall sind das alle möglichen Varianten von "Airpods Mac Fail/problem/bug" etc. Auch nach unseren Erfahrung wurde die Verbindung zu dem Mac nur recht zögerlich oder beim ersten Versuch erst gar nicht hergestellt oder nach einer Zeit lang wieder unterbrochen. Nach dem Update funktionierte das Verbinden jedoch deutlich besser: die Airpods wurden sofort verbunden, die Verbindung wurde erst dann unterbrochen, wenn wir knapp 100 Meter durch diverse Büroflure spaziert sind, an der gleichen Stelle übrigens, wie bei den früheren Tests mit den iPhones. Hier muss man anmerken, dass dies nur eine einzige Stichprobe mit einem Gerät ist. Hier ist die Bestätigung weiterer Mac- und Airpods-Inhaber notwendig.

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