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Morgenmagazin vom Freitag, 20. September 2019

20.09.2019 | 07:04 Uhr | Peter Müller

iOS 13.1 kommt schon am 24. September +++ Apple Store Fifth Avenue eröffnet wieder +++ Wie Herzog Harry mit Apple TV+ Leben retten will +++ Safari 13 veröffentlicht +++ Paycode: Amazon-Bestellung mit Bargeld bezahlen +++ KI beurteilt Menschen anhand von Selfies +++ Razzia: Behörden gehen gegen illegales TV-Streaming vor +++ 75 Prozent der Apple-Watch-Kunden sind Neueinsteiger

20. September: Computer für Schlepper

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Schlangen vor den Apple Stores, sobald eine neue iPhone-Generation heraus kommt? Nein, nicht mehr. Das liegt aber nicht daran, dass das iPhone sein Mojo verloren hätte und sich keiner mehr dafür interessiert. Es gibt nun aber deutlich mehr Verkaufsstellen als bloß die 15 Apple Stores in Deutschland, erstmals verkauft dieser Tage auch Amazon neue iPhones. Apple ist es gelungen, seine Kunden so weit zu erziehen, am Stichtag zu bestellen und eine Woche später auf den Postboten zu warten. In diesem Sinne: Fröhliches Warten!

Die iPhone-Generation von 2019 mag zwar nicht revolutionär sein, die evolutionären Änderungen sind aber klug, holen Rückstände auf der einen Seite auf und weiten Vorsprünge auf der anderen aus. Wenn man nicht gerade letztes Jahr ein brandneues iPhone gekauft hat oder im Jahr davor, sind die drei neuen Modelle definitiv ein attraktives Angebot.

Wie wird die Story weitergehen? Für 2020 könnten wieder ein paar Änderungen im Design anstehen, vermutlich werden aber die Bildschirme nicht noch einmal größer, zumindest nicht nennenswert. Ein auf iPad-Größe aufklappbares iPhone wäre zwar eine Möglichkeit, aber nicht im kommenden Jahr und womöglich nicht einmal im dem darauf. Aber ein 7,9-Zoll iPhone 12 Pro Max? Kaum denkbar, das wäre zu groß. So groß wie ein iPad Mini. Der ist zwar wie auch der iPad Pro oder das Macbook Pro durchaus noch tragbar, aber eben nicht in der Jacken- oder Hosentasche.

Tragbar war ja auch der Urvater von iPhone und Co, der originale Mac aus dem Jahr 1984:  "Traue nie einem Computer, den du nicht selbst hochheben kannst" war dessen Motto. Eine eigens dafür gefertigte Tasche musste Steve Jobs seinerzeit mit auf die Bühne bringen, an die Aktentasche als Verstaumöglichkeit war da noch nicht zu denken. War aber schon damals eine Vision, die sich fünfeinhalb Jahre später erfüllen sollte. Zumindest für große und stabile Aktentaschen.

Die Kategorie Laptop eröffnete heute vor 30 Jahren ein Apple-Rechner, als Schoßcomputer war der erste komplett  tragbare Mac aber nicht wirklich zu gebrauchen. Das Misstrauen war trotz der Portabilität groß, denn das Ding herumzuschleppen alles andere als ein Vergnügen.

Denn etwa neun Kilogramm wog der erste Schlepptop oder Mac Luggable aus Cupertino, dafür lieferte der Akku in der ersten Fassung des Macintosh Portable immerhin für eine Betriebszeit von bis zu zwölf Stunden Energie. Das änderte sich aber, als Apple in einer zweiten Fassung dem Display mit seiner Aktivmatrix noch eine Hintergrundbeleuchtung verpasste, dann waren es je nach Anwendung nur noch drei bis sechs Stunden.

Akkulaufzeit ist nach wie vor ein wichtiges Kriterium für Apple, jedes Jahr versucht das Unternehmen trotz neuer Features das Versprechen "Ladung für den ganzen Tag" (wobei die Nacht nicht immer mitzählt) zumindest zu halten oder gar auszubauen. Das dürfte in diesem Jahr auch wieder gelungen sein, wir werden überprüfen, ob die Aussage von vier bis fünf Stunden mehr aber wirklich haltbar ist.

Der Macintosh Portable hatte aber nicht nur die Stromversorgung in eine schwere Batterie gepackt, sondern auch ein anderes Problem  des mobilen Zeitalters genial gelöst. Eine Tastatur war ja leicht zu integrieren, aber was ist mit der Maus, vor allem dann, wenn der schwere Brocken von Klapprechner tatsächlich auf dem Schoß zu liegen kommt? Die Antwort war ein zwischen den Tasten angebrachter Trackball, mit dem man nun den Cursor auf dem Bildschirm steuern konnte.

Ein günstiges Vergnügen war der Macintosh Portable gewiss nicht, in Deutschland lag der Einstiegspreis bei 17.000 Mark. Rechnen wir auf Euro um und die Inflation von 30 Jahren ein, kommen wir auf über 15.000 Euro. Dagegen ist das iPhone 11 Pro Max mit 512 GB ein derartiges Schnäppchen, dass wir uns dazu auch gleich noch eine Apple Watch Series 5 gönnen - die nächste Entwicklungsstufe des tragbaren Computers. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag:

Nachgelegt und vorgezogen: Nicht alle Neuerungen von iOS 13 haben es in die gestern veröffentlichte Fassung geschafft. Audio-Sharing, das Teilen der Ankunftszeit oder Shortcuts-Automatisationen hat Apple in iOS 13.1 ausgelagert. Das erste Update für das iPhone-Betriebssystem kommt nun aber doch ein paar Tage früher als ursprünglich angekündigt, nämlich schon am kommenden Dienstag, den 24. September und nicht erst am Montag darauf. Auch der Homepod bekommt seine Aktualisierung am 24. September, ob es bei iPadOS am 30. September bleibt oder ob dessen Release ebenso vorgezogen wird, ist derzeit ungewiss. Weitere Funktionen will Apple "später in diesem Herbst" nachziehen, das sind etwa die Erkennung mehrerer Stimmen und damit Accounts auf dem Homepod, das Feature Deep Fusion für die Kameras des iPhone 11 Pro und watchOS 6 für die Apple Watches der Series 1 und Series 2.

Vorgezogen: Für macOS Catalina gibt es noch keinen konkreten Veröffentlichungstermin, Apple hat bisher nur den Oktober genannt. Eine Komponente des neuen  Mac-Betriebssystems steht aber bereits für Nutzer von macOS High Sierra und Mojave bereit: Safari 13. Die neue Version des Browsers bringt vor allem einige Neuerungen in Sachen Sicherheit wie eine Warnung vor schlechten Passwörtern, einen verbesserten Bild-in-Bild-Modus und eine überarbeitete Startseite. Safari 13 ist über die Softwareaktualisierung des Systems erhältlich.

China first: Apple muss zwar auf seine in China gefertigten und in die USA importierten iPhones noch keine Strafzölle zahlen - Zubehör wie Ladegeräte mal ausgenommen - leidet aber bereits jetzt unter dem vom POTUS im Rahmen der America-first-Ideologie angezettelten Handelskrieg. Denn wie die auf Marken spezialisierten Marktforscher von Prophet bei einer Umfrage unter 13.500 chinesischen Verbrauchern nach deren unverzichtbarsten Marken herausgefunden haben, werden diese immer patriotischer und ziehen chinesische Produkte solchen aus dem Ausland, speziell aus den USA vor. Apple ist etwa von Platz elf im Vorjahr nun auf Rang 24 abgestürzt, während der Konkurrent Huawei von vier auf zwei kletterte. Laut Jay Milliken, einem der Seniorpartner des in Hongkong ansässigen Unternehmens Prophet, reagierten die Kunden damit auf die Maßnahmen der USA gegen Huawei, die US-Unternehmen verbieten, Geschäfte mit dem Smartphonehersteller und Netzwerkausrüster zu treiben. Viele Chinesen würden dies als einen unfairen Angriff interpretieren und würden daher in ihrem Konsumverhalten immer patriotischer. Was zeigt, das Nationalismus in einem Staat zu noch mehr Nationalismus in anderen Staaten führt - eine fatale Spirale der Egoismen.

Der Würfel ist zurück: Zwei Jahre lang hatte Apple seinen Flagship-Store an der Fifth Avenue in Manhattan renoviert und auf der Keynote letzte Woche endlich den Termin für die Wiedereröffnung genannt. Heute ist es auch dann auch soweit, das weitgehend unterirdisch angelegte  Geschäft mit dem ikonischen Glaswürfel als Eingang ist wieder dem Publikum zugänglich  – und kann dann auch gleich mit neuen iPhones und Apple Watches aufwarten. Die Presse durfte bereits gestern den renovierten Store in Augenschein nehmen, unter anderem waren Kollegen von TechCrunch unter den Premierengästen und haben ihre Eindrücke vom neuen Laden geteilt. Der Store ist vor allem größer geworden, musste er sich den Platz vor der Renovierung noch mit FAO Schwarz teilen, hat Apple nund die gesamte Plaza für such - unterirdisch wie oberirdisch. Das haben die Architekten etwa dazu genutzt, durch Glaskuppeln Tageslicht in die Räume zu lassen, 500.000 LEDs ergänzen die Beleuchtung. Die Genius Bar ist länger geworden, den zusätzlichen Raum nutzt Apple auch für ein durch eine Glaswand vom Rest abgetrenntes Areal, in dem man den HomePod probehören kann. Interessante Neuerung: Die einstige Glastreppe hat nun eine Edelstahloberfläche bekommen - aus Sicherheitsgründen.

Potentieller Lebensretter: Apple TV+ legt am 1. November los, eine der Stars des neuen Services ist die Talk-Show-Queen Oprah Winfrey, die nicht nur mit einer mutmaßlich locker-flockigen Büchersendung das Publikom locken will, sondern ab nächstem Jahr auch in er Serie ein ernstes Thema anpacken wird: Geistige Gesundheit. Der Titel der wissenschaftlich fundierten Sendung ist noch nicht bekannt, auch nicht der exakte Starttermin. Wohl aber ein prominenter Unterstützer, der an der Entstehung der Serie beteiligt war: Prinz Harry, Herzog von Sussex, Enkel der Queen (der echten!) und Sohn der vor 22 Jahren tödlich verunglückten Prinzessin Diana. Dern Tod habe den seinerzeit zwölfjährigen schwere gesundheitliche Probleme verschafft, berichtet der Herzog im Interview mit dem britischen Telegraph, er wisse also, um welche schwerwiegende Problematik sich die Serie drehe. So hoffe er, dass die Sendungen dazu beitragen können. Leben zu retten, indem sie Informationen über den Erhalt und Wiedererlangung geistiger Gesundheit geben.

Weitere Nachrichten:

Paycode: Amazon-Bestellung mit Bargeld bezahlen

Viele potenzielle Amazon-Kunden haben Bedenken, dem Unternehmen ihre Zahlungsdaten mitzuteilen. Andere Zielgruppen besitzen schlicht keine Kreditkarte oder ein Bankkonto. Genau hier will Amazon mit Paycode ansetzen: In einigen Ländern lassen sich damit bei Amazon Waren ordern, die dann mit Bargeld bezahlt werden. Für den Zahlvorgang bleiben den Kunden 24 Stunden nach der Bestellung Zeit. In über 19 Ländern wird diese Zahlungsmethode schon angeboten, primär in Ländern, in denen Nutzer nur selten eine Kreditkarte oder ein Bankkonto besitzen. Ab sofort ist die Amazon-Bestellung per Bargeld auch in den USA möglich. Hierzulande bietet Amazon Paycode noch nicht an, obwohl in Deutschland an vielen Orten noch mit Bargeld bezahlt wird.

Zur Realisierung von Paycode nutzt Amazon in den USA das Geldinstitut Western Union. Laut Amazon sei für 80 Prozent der US-Amerikaner eine entsprechende Filiale in weniger als acht Kilometern erreichbar. Bei der Bestellung erhalten Bargeldzahler einen QR-Code bzw. eine neunstellige Zahlenfolge. Damit kann in einer Filiale von Western Union im Zeitfenster von 24 Stunden nach der Bestellung mit Bargeld bezahlt werden. Bei einer Rücksendung zahlt die Filiale das Bargeld wieder an den Käufer aus. Alternativ zu Paycode lässt sich mit Amazon Cash schon an 100.000 Verkaufsstellen in den USA Bargeld auf das Amazon-Konto einzahlen. Mit dem Guthaben lassen sich im Anschluss Produkte bestellen. 

 

KI beurteilt Menschen anhand von Selfies

Das Kunstprojekt ImageNet Roulette geht in den sozialen Netzwerken gerade viral. ImageNet Roulette ist Teil einer Kunstausstellung zur Geschichte von Bilderkennungssystemen in Mailand. Nachdem das Projekt auf Twitter in einem Beitrag erwähnt wurde, ist ImageNet Roulette in aller Munde. Auf der zugehörigen Website können Nutzer einen Selfie von sich hochladen. Die KI hinter dem Projekt versucht dann, den Menschen nur anhand seiner Gesichtsmerkmale zu beurteilen.

Die beiden Künstler Kate Crawford und Trevor Paglen wollen mit ihrem Projekt zeigen, wie gefährlich es sein kann, künstliche Intelligenz mit Vorurteilen zu trainieren. Die KI von ImageNet Roulette hat mit ImageNet gelernt, einer Datenbank, die 2009 mit 14 Millionen verschlagworteten Bildern erstellt wurde. ImageNet Roulette greift für die Beurteilung der hochgeladenen Selfies auf 2.833 Unterkategorien der Kategorie „Person“ in ImageNet zurück und versucht diese, in eine oder mehrere dieser Unterkategorien einzuordnen. Das Tool spuckt im Anschluss unter anderem Bezeichnungen wie „Creep“, „Computer-Nutzer“ oder „Pessimist“ aus. Wie Journalist Stephen Bush bei seinen Tests herausfand, nutzt ImageNet Roulette für seine Einordnung auch rassistische Begriffe. Was im Netz für einen Aufschrei sorgte, ist ganz im Sinne der Künstler, die die negativen Seiten von automatischem KI-Training aufzeigen wollen.

Razzia: Behörden gehen gegen illegales TV-Streaming vor

Normalerweise kosten Pay-TV-Angebote monatlich eine Gebühr. Auf einigen Seiten lassen sich die Fernsehinhalte jedoch auch illegal streamen. Mehrere europäische Länder sind im Rahmen einer großangelegten Razzia gegen die Anbieter derartiger Streaming-Plattformen für Pay-TV vorgegangen. Bei der Aktion seien über 200 illegale Server in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland gesperrt worden. Über die Rechner verbreiteten die Kriminellen Inhalte von Bezahlsendern entweder gratis oder für eine kleine Gebühr – vorbei an den Rechteinhabern.

In Deutschland waren neben der europäische Justizbehörde Eurojust auch die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität in Frankfurt, die Landespolizei Hessen sowie Ermittler aus Wuppertal beteiligt. Neben beschlagnahmten Rechnern und der für das Streaming notwendigen Ausrüstung wurden auch über 150 Paypal-Konten gesperrt, über die die Gruppe ihre Finanzen regelte. Gleichzeitig konnten 22 Verdächtige ermittelt werden, gegen die wegen Betrugs, Cybercrime und Geldwäsche ermittelt werde. Ob es auch Verhaftungen bei der seit 2015 aktiven Bande gab, bleibt offen. Allein in Italien seien fünf Millionen Nutzer von der Abschaltung betroffen. Zahlen für Deutschland liegen nicht vor. Hierzulande wurden primär Inhalte des Bezahlsenders Sky illegal ins Netz gestreamt.

75 Prozent der Apple-Watch-Kunden sind Neueinsteiger

Apple überarbeitet seine seit 2015 erhältliche Apple Watch jährlich mit einer neuen Version.  Laut CNBC  greifen jedoch nicht primär eingefleischte Apple-Fans zum jeweils neuesten Modell der Smartwatch, vielmehr handle es sich bei 75 Prozent der Apple-Watch-Käufer um Neueinsteiger im Bereich der smarten Uhren. Im Umkehrschluss führen nur 25 Prozent der Käufer ein Upgrade von einem älteren Modell durch. Attraktiv wird die Apple Watch durch immer neue Funktionen wie GPS, das Tracking von Schwimmeinheiten, Mobilfunkanbindung, Herzschlagerfassung oder Sturzerfassung. Aktuell gibt es noch keine Studien dazu, wie lange Nutzer eine Apple Watch behalten und nach wie vielen Generationen sie auf eine neue umsteigen. Betrachtet man jedoch die absoluten Verkaufszahlen (beim iPhone), hat die Apple Watch noch viel Raum zum Wachsen: Es gibt weltweit 900 Mio. aktive iPhones , das Gros kann mit einer Apple Watch betrieben werden.

Abgesehen vom Redesign im vergangenen Jahr hat die Apple Watch seit der Markteinführung ihren Look weitgehend beibehalten. Auch die ersten Modelle werden mit neuer Version von watchOS versorgt, aus Sicherheitsbedenken heraus muss also niemand aufrüsten. Im Vergleich zur Konkurrenz kann Apple mit der Apple Watch ebenfalls punkten: Eine Apple Watch Series 3 wird schon für 229 Euro angeboten. Fitness-Tracker anderer Hersteller bieten zum gleichen Preis kein GPS und keine so tiefe Integration mit dem iPhone. Mit der  Apple Watch 5  hat Apple erst vor wenigen Tagen sein neuestes Modell präsentiert. Ab dem 20. September können Interessenten die Apple Watch Series 5 für 449 Euro (GPS) bzw. 549 Euro (LTE) erstehen.

Apple Watch: EKG-Feature rettet älterer Nutzerin Leben  

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