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Morgenmagazin vom Freitag, 21. Mai 2021

21.05.2021 | 07:17 Uhr | Peter Müller

Wie der iMac M1 an das Original von 1998 erinnert +++ Warum Wear nun doch die Apple Watch bedroht +++ Petition: Tim Cook soll im Nahostkonflikt einseitig Stellung beziehen +++ Ethereum: Grafikkarten-Mining soll bald verschwinden +++ Pornhub remastered älteste Erotik-Filme der Welt - jetzt in Farbe & schärfer +++

21. Mai: Pfingsten voraus

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Ein langes Wochenende steht bevor, welches das Macwelt-Morgenmagazin bis zum nächsten Wochenende ausdehnen wird: Wir sind in einem kurzen Pfingsturlaub. Mal wieder daheim, auch wenn erste Bundesländer sich wieder langsam für den Tourismus öffnen, selbst unser eigenes. Ein Vergnügen wird das aber keines werden, trotz derzeit sinkender Infektionszahlen bei gleichzeitig steigenden Zahlen Geimpfter. Und dabei meinen wir nicht einmal das Wetter, das wir für die Jahreszeit als eindeutig zu kalt und regnerisch empfinden. Immerhin. Den frisch gesäten Rasen freut es, immer schön feucht und trotzdem nicht wesentlich unter zehn Grad kalt.

Aber da es kein schlechtes Wetter gibt sondern allenfalls unpassende Kleidung, lassen wir uns die kurzen Ferien nicht vom Wetter vermiesen. Gibt es im Gartenrestaurant eben keine kühle Mass und einen Obazdn zur reschen Brezen, sondern einen heißen Tee mit oder ohne Rum und dazu Shortbread à la Ted Lasso. 

Heute feiern wir auf Giesings Höhen aber einen Geburtstag einer Kultstätte: Das Grünwalder Stadion, das genau genommen "Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße" heißt, wurde heute vor 110 Jahren mit einem Leichtathletikwettkampf zwischen den Städten München und Berlin eingeweiht. Richtig: Leichtathletik. Denn der damalige Pächter des Grundstücks und Eigner der Immobile, der Turn- und Sportverein von München 1860 existierte damals schon seit ziemlich genau 51 Jahren, die Fußballabteilung, die nicht grün-gold als Farben wählte, sondern das weiß-blau des Himmels, das wir dieser Tage so sehr vermissen, war da gerade mal elf Jahre alt.

Aber schon zu Zeiten, in denen die Turner das Sagen in Giesing hatten und nicht die Fußballer, muss der Verein recht chaotisch geführt gewesen sein,  im Jahr 1937 verkaufte der Verein das Gelände samt Stadion wieder an die Stadt, was heute Teil des Problems der Fußballer ist, die im Falle eines Aufstiegs in die zweite Liga nur mit einer Sondergenehmigung für ein Jahr im leicht heruntergekommenen Grünwalder vor Publikum spielen könnten. Und dass nächste Saison wieder Publikum möglich ist, darauf hoffen wir doch. Selbst rote Teil der Stadt, der seine Heimatstätte nur ein paar Straßen weiter und ein modernes Stadion am Stadtrand hat, würde sich freuen, könnten die Blauen in der kommenden Saison die Königsblauen aus Schalke oder die Rothosen aus Hamburg zu einer Ligapartie auf Giesings Höhen begrüßen. Wir würden da sogar glatt hingehen.

Lesetipps für den Freitag

Parallelen : Der iMac M1 erinnert stark an den originalen iMac aus dem Jahr 1998, meint Jason Snell in seiner Macworld-Kolumne "More Color". Das betreffe aber nicht nur die Farben - und diesmal habe Apple auch von Anfang an darauf geachtet, neben den bunten Rechnern auch eine neutrale Option anzubieten. Der iMac M1 ist der erste Mac, der um das eigene Silizium herum gestaltet wurde, so wie der originale iMac den Weg in Richtung des modernen Betriebssystems Mac-OS X wies. Damit sind der Parallelen auch nicht genug, selbst der Einstiegspreis von 1.299 US-Dollar ist der gleiche, wenngleich die von 1998 heute mehr als 2000 US-Dollar wären.

Angriff : Bis zur WWDC ist es nicht mehr so weit hin, Google hat indes seine Entwicklerkonferenz I/O schon abgehalten. Vor allem eine Sache ist nach Ansicht von MIchael Simon für Apple höchst relevant: Das aus Wear OS hervorgegangene Wear, für das Google mit Fitbit und vor allem Samsung kooperiert. Die Unternehmen hätten die Plattform für Wearables auf vollkommen neue Füße gestellt und sich über Performance, Batterielaufzeiten und Apps intensive Gedanken gemacht. Dies sei nichts anderes als ein koordinierter Angriff auf den Platzhirschen Apple Watch.

Misstrauen : Nein, WhatsApp hat nicht "über Nacht" die Einstellungen geändert, sodass Sie "jeder" zu Gruppen zufügen kann und nicht nur ihre Kontakte, wie ein derzeit kursierender Kettenbrief suggeriert. Diese Einstellung war schon immer Standard, wie man leicht an älteren Telefonen feststellen kann, die nicht auf die aktuelle WhatsApp-Version aktualisiert sind. Wie der Spiegel schreibt, scheint das Misstrauen gegenüber der Facebook-Tochter ein neues Niveau zu erreichen, Ursache sind die neuen Nutzungsbedingungen, die von der Gerüchteküche derart aufgebläht wurden, dass die eigentlichen Änderungen genauso unbekannt sind wie die detaillierten Einstellungen der App. Letztendlich geht es nur darum, dass Firmen mit Privatanwendern chatten können sollen und nicht darum, dass Facebook noch viel mehr Daten abgreifen dürfe.

Berliner Luft: Wie einige Nutzer auf Reddit berichten, bringt Apples Wetter-App unter iOS 14.7 die Luftqualität in weitere Regionen. Entdeckt wurde der von der App ausgegebene Wert bisher in Städten in den Niederlanden, Kanada, Frankreich, Spanien und Italien. Seit iOS 14 zeigt die Wetter-App in den USA die Luftqualität für etliche Städte an, der Air Quality Index (AQI) reicht von 1 bis 500 - niedrige Werte stehen für bessere Luft. Worauf sich aber der Index bezieht, bleibt im Dunkeln, ob die Konzentration von Stickoxiden, Feinstaub oder Ozon in welcher Weise eingeht, bleibt ein Geheimnis Apples. Solange ist es einfach nur eine Zahl, die man mit einem bunten Balken veranschaulicht, die aber nicht aussagt, ob schon wieder munter Holzöfen die Luft mit Feinstaub anreichern. Auch sonst ist die mit dem System ausgelieferte Wetter-App eher ein schwacher Vertreter ihrer Zunft.

Aus der Luft gegriffen: Die elektromagnetischen Wellen, die der Router aussendet, sind zwar aufgrund ihrer geringen Leistung nicht schädlich - aber wenn kein Endgerät da ist, um Daten über diese Wellen zu empfangen, sind sie reichlich überflüssig.  Forschenden aus Singapur und Japan ist es laut Spektrum der Wissenschaft nun aber gelungen, aus den Wellen eines WiFi-Routers elektrischen Strom zu "ernten". Dazu hatten sie Spin-Torque-Oszillatoren (STO) eingesetzt, im Prinzip Nanomagnete, die mit dem Wechselfeld mitschwingen und daraus einen Stromfluss erzeugen. Die Ausbeute ist aber recht gering, innerhalb von fünf Sekunden wird im Versuch ein Kondensator aufgeladen, der über eine Minute lang eine 1,6-Volt-LED mit Strom versorgt. Die Forschung hat auch nicht das Ziel, elektrische Energie zurück zu gewinnen, etwa in der Art und Weise, wie beim Bremsen von Sportwagen ein Teil der kinetischen Energie zu elektrischer werden kann. Stattdessen gilt die Forschung dem besseren Verständnis der Eigenschaften von STOs, die sich zu, Versenden und Empfangen von Strahlung im Mikrowellenbereich eignen, also jenen Frequenzen des 2,4 Gigahertz-Bandes, in dem WLAN-Geräte funken. Erreicht werden soll eine Anordnung mit möglichst wenig Rauschen auf dem Wellenband.

Einseitig : Rund 1000 Apple-Mitarbeiter haben laut The Verge eine Petition unterschrieben, die den CEO des Unternehmens Tim Cook dazu auffordert, im Nahostkonflikt einseitig Stellung zu beziehen. Der Chef solle die Gewalt gegen Palästinenser verurteilen und konzedieren, dass das Volk unter einer "illegalen Besatzung" leide, wie es die Vereinten Nationen einordneten. Von einer Verurteilung der von der Hamas, die nicht nur für Israel als terroristische Organisation gilt, auf die Zivilbevölkerung abgefeuerten Raketen, steht in der Petition nur wenig. Stattdessen sehen sich die Urheber der Petition Diskriminierung und Verachtung ausgesetzt, wenn sie für die Rechte der Bevölkerung von Gaza und der Westbank einträten. Doch betonen die Autoren, dass ihre Aufforderung zur Stellungnahme Apples nicht gegen die Rechte ihrer "jüdischen Brüder und Schwestern" gerichtet sei. Eine Reaktion Cooks auf die Petition steht noch aus. Immerhin ruhen seit heute Nacht die Waffen, eine Lösung des jahrzehntealten Konflikts ist damit aber kaum näher gerückt - was eine wie auch immer geartete Stellungnahme Apples bei allem Respekt auch nicht bewerkstelligen würde.

Weitere Nachrichten:

Ethereum: Grafikkarten-Mining soll bald verschwinden

Der Boom bei der Kryptowährung Ethereum sorgte in den vergangenen Monaten dazu, dass aktuelle Grafikkarten meist vergriffen waren. Mit einer Änderung des Mining-Verfahrens wollen die Entwickler von Ethereum in den nächsten Monaten dafür sorgen, dass Grafikkarten als Mining-Grundlage bald ineffizient werden. Eigentlich war das ETH-2.0-Updat e mit dem Umstieg von „Proof of Work“ (PoW) zu „Proof of Stake“ (PoS) erst für das Jahr 2022 geplant. Diese Umstellung wird von der Ethereum Foundation nun aber vorgezogen. Das rechenintensive Suchen von passenden Hashes entfällt dann. Stattdessen muss zur Validierung eine Mindestmenge Ether hinterlegt werden. Neben Coins für die Bestätigung von wahrheitsgemäßen Blöcken, führen falsch eingespielte Ergebnisse dazu, dass der hinterlegte Ether-Anteil reduziert wird.

Neben einer geringeren Nachfrage der Miner nach aktuellen Grafikkarten hat die Umstellung noch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Der Energiebedarf von Ethereum soll damit 99,95 Prozent geringer ausfallen. Das ETH-2.0-Update befindet sich bereits seit Ende 2020 in einem Testlauf. Im Gegenzug der früheren Umstellung auf „Proof of Stake“ (PoS) soll das eigentlich für dieses Jahr geplante „Sharding“-Update auf das Jahr 2022 verschoben werden. Damit soll eine bessere Skalierung möglich sein, während gleichzeitig die Transaktionsgebühren sinken. Die genauen Gründe für die veränderte Planung der Ethereum Foundation sind nicht bekannt. Für PC-Käufer könnte der Wechsel jedoch einen positiven Nebeneffekt haben: Wenn aktuelle Grafikkarten nicht mehr in Sekunden von Minern aufgekauft werden, bleiben hoffentlich künftig mehr Rechenbeschleuniger für den Einsatz in Gaming-Rechnern übrig. 

 

Pornhub remastered älteste Erotik-Filme der Welt - jetzt in Farbe & schärfer

Wie Pornhub mitteilt, hat die Pornofilm-Plattform mit Hilfe von KI beziehungsweise „Machine Learning“ uralte Aufnahmen mit erotischen Inhalten durch Algorithmen einfärben und bearbeiten beziehungsweise wiederherstellen lassen. Die alten Filme wurden aber nicht nur eingefärbt, sondern deren Bildqualität und die Kontraste wurden verbessert und das Bildrauschen reduziert. Die Filme wurden also nicht nur farbig, sondern auch schärfer - letzteres ist auf die Bildtechnik bezogen, nicht auf die gezeigten Inhalte.

Pornhub spricht von 100.000 Fotos und Filmen, die derart automatisiert verbessert wurden. Nur sehr begrenzt seien bei der Aufbereitung des Filmmaterials Eingriffe durch Menschen erforderlich gewesen. Bei der Bearbeitung wurden Bildwiederholraten von 60 Bildern pro Sekunde erreicht. Pornhub spricht außerdem von einer Skalierung auf 4000K-Auflösung.

Der Originalton von damals wurde ebenfalls remastered oder aber Pornhub hinterlegte neuen Audio-Tracks.

Unter dem derart aufbereiteten Material befinden sich viele Filmclips aus der Zeit um 1900 und davor. Auch der laut Pornhub älteste erhaltene Stripteasefilm - aus dem Jahr 1886 - soll sich darunter befinden. Alle derart überarbeiteten Aufnahmen sollen sich in der Bibliothek von Pornhub befunden haben.

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